[Rezension] “Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B

Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13BKlappentext:

Als Adam das Mädchen Robyn trifft, weiß er nach einer Sekunde, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Ihre kohlschwarzen Wimpern und himmelblauen Augen hauen ihn einfach aus seinen farbabgestimmten Socken. Doch wie soll er je eine „normale“ Beziehung mit Robyn haben, wenn sein Leben alles andere als normal verläuft? Zum einen gibt es seine geschiedenen Eltern und den kleinen Halbbruder, der wie eine Klette an Adam klebt – zum anderen kämpft Adam mit dem Ungeheuer namens Zwangsneurose. Noch dazu bekommt seine Mutter seit kurzem Drohbriefe. Doch Adam will Robyns Batman sein – und gemeinsam können sie vielleicht alles Böse der Welt besiegen … (Quelle)

Meine Meinung:

Zimmer 13B – das ist der Raum, in dem sich Adam mit seiner Selbsthilfegruppe trifft. Hier sprechen sie über ihre Ängste und Zwänge. Hier offenbaren sie sich, versuchen einander zu helfen oder haben einfach mal die Möglichkeit, sie selbst zu sein. Zimmer 13 B ist aber auch der Raum, in dem Adam seine große Liebe trifft und beschließt, alles dafür zu tun, normal zu werden, um ihrer wert zu sein.

Adam hat es nicht leicht: Er ist ein Scheidungskind, leidet an seinen Zwängen, die immer schlimmer werden, und hütet dazu ein großes Geheimnis: das Geheimnis seiner Mutter.

“Seine Mutter war eine Kämpferin.
Bis sie es nicht mehr war.” (S. 54)

Adams Geschichte ist traurig, lustig und schön zugleich. Es ist unheimlich bewegend mitzuerleben, wie er versucht, für alle den Helden zu spielen. Wie er Robyn hilft im Katholizismus die nötige Ruhe und Kraft zu finden, wie er es schafft seinen kleinen Bruder nach Panikattacken zu beruhigen. Und wie er gleichzeitig aber mehr und mehr unter den Geheimnis seiner Mutter leidet, dadurch bald Schwierigkeiten hat, die bisher einfachsten Türschwellen zu übertreten.

Für mich stehen und fallen Bücher häufig mit ihrem Ende. Und insbesondere das Ende dieser Geschichte wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Es ist ganz besonders und ich habe es überhaupt nicht kommen sehen. Und doch macht es die Geschichte nochmal etwas spezieller und kleines bisschen tiefgründiger.

Ich mag Bücher mit ungewöhnlichen Helden. Und nicht nur wegen des Titels, sondern vor allem wegen Adam mit all seinen Ecken und Kanten, mit seinen Wünschen und Ängsten bin ich bei diesem Buch genau richtig. “Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B” ist ein vielschichtiges, stellenweise lustiges und sehr unterhaltsames Jugendbuch! Ich vergebe 9 von 10 Sternen.

stern 9

Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B – Teresa Toten – Hardcover mit SU – 352 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-570-16304-7 – erschienen: September 2014 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Sonntagsgeplauder] 19.10.2014

… oder auch: Liebe Grüße aus der neuen Wohnung!

Buchgeplauder

Gelesen habe ich in den letzten zwei Wochen gar nicht so richtig viel, dafür war ich einfach zu sehr mit Umziehen und Unterrichtsvorbereitungen beschäftigt. “Noras Welt” habe ich beendet und dann in der letzten Woche, bevor ich zu Nanni gefahren bin, habe ich noch “Echt” von Christoph Scheuring gelesen, was mich sehr gut gefallen hat. Eine Rezi dazu kommt hoffentlich innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen. Auch “Über uns das Meer” reiht sich in die tollen Neuerscheinungen des Magellan Verlags. Es war das erste Buch, das ich in meiner neuen Wohnung gelesen habe. Bis auf ein/zwei Kleinigkeiten konnte auch dieses Buch mich total mitnehmen. Dann habe ich gerade eben im Bett noch “Jump. Das Spiel 1″ beendet, auch dazu wird es zumindest einen kurzen Leseeindruck geben.

Messegeplauder

Jaa, ich war auf der Buchmesse und es war viel besser als das letzte Mal. Nanni, Sarah und ich hatten uns vel weniger vorgenommen und waren ziemlich entspannt. Mein Highlight war definitiv die “Piper Fantasy live”-Veranstaltung, bei der Michael Peinkofer ( <3 ), Thomas Finn und Wolfgang Hohlbein zu Gast waren. Die Stimmung war super, es wurde viel gelacht, die Autoren waren entspannt und der Moderator richtig gut.

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Das leitet mich dann leider direkt über zur Diskussionsrunde mit den Gewinnern des Deutschen Jugendliteraturpreises. Ich hatte mich so auf die Veranstaltung gefreut. Autoren und Übersetzer waren auch allesamt total sympathisch… aber die Moderatorin war leider grottenschlecht nicht ganz so begabt. So kam es gar nicht zu einer richtigen Diskussion, oft war unklar, was überhaupt die Frage gewesen sein sollte. Ich bin immer noch ein bisschen traurig, wenn ich daran denke, welches Potenzial hier nicht genutzt wurde.

Aber entschädigt wurden wir dann durch tolle Unterhaltungen am Stand des Fischer (und Sauerländer) Verlags, wo uns auch noch kurz Ines Garland (die Gewinnerin des DJLP in der Kategorie Jugendbuch) über den Weg lief. Kurz bevor wir, recht früh schon, gegangen sind, stellte mir Sarah dann Anja von Der Bücherblog vor. Yeah, wir haben uns mal kurz gesehen!

Lebensgeplauder

Ihr ahnt es schon: Hier wird es um den Umzug gehen. Manche von euch erinnern sich vielleicht, dass ich in meiner alten Wohnung ein Marder-/Vermieterinproblem hatte. Zum Glück habe ich es tatsächlich geschafft, eine neue, bezahlbare Wohnung zu finden. Und dann ging alles ganz schnell: Ich beschloss, schon in den Ferien umzuziehen und nicht während der Schulzeit. Die tollsten Freunde der Welt überlegten sich kurzfristig, dass sie extra aus Köln anreisen und mir helfen würden (das allerdings schon am Montag) und so hieß es für mich am Sonntag in aller Eile Kisten zu packen. Montag ging es dann in verschiedene Möbelhäuser, abends war fast alles in der neuen Wohnung (ein paar Sachen hatte ich noch nicht geschafft, zu packen), alle Möbel standen und Dienstagmittag hatte ich alles eingeräumt.

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Wie gern hätte ich jetzt entspannt und einfach nur gelesen, aber: Die Schule geht morgen wieder los, der Unterricht musste geplant, der nächste Unterrichtsbesuch vorbereitet werden. Trotzdem habe ich mir natürlich das ein oder andere Lesestündchen gegönnt, aber eigentlich immer erst nach getaner Arbeit.

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Spazieren war ich in diesen zwei Wochen nur zwei Mal, beide Male etwa 3,5 Kilometer. Viel zu wenig, aber es war einfach keine Zeit, weswegen das Sportgeplauder auch wegfällt.

Bloggereigeplauder

Wie mittlerweile fast jeden Samstag oder Sonntag kann man am Wochenende an Winterkatzes Herbstlesen teilnehmen. Gemeinsam lesen, bloggen, plaudern. Ich selber mag mittlerweile nicht mehr gerne gleichzeitig lesen und bloggen, weswegen ich allerhöchstens so halb in den Kommentaren teilnehme.

Nanni hat eine bedrückende Rezension zu dem scheinbar sehr bewegenden Jugendbuch “In deinem Licht und Schatten” geschrieben.

Simone von Papiergeflüster hat “Aquarius” von Thomas Finn rezensiert, das ich dank seines sympathischen Auftritts auf der Buchmesse und der Tatsache, das es in einem fiktiven Ort in der Nähe meines Heimatortes spielt, auch auf dem Visier habe. Schön, dass es Simone auch noch so gut gefallen hat.

[Zitat] Aus: “Über uns das Meer”

‘”Wenn du fliehst”, hörte ich die Stimme aus der Dunkelheit, sacht, glühend, wie die Kerze, ein akustisches Leuchten, “kommst du dir vor wie ein Held. Unbesiegbar. Dann wird auf einmal alles hell, und du fragst dich, warum du eigentlich abgehauen bist. Landest vielleicht voll in der Scheiße und bereust alles, was du je gemacht hast. Bis du merkst, die Geister in deinem Kopf, vor denen du wegläufst, sind alle mitgekommen.”‘ (Giebken, S. 26)

[Rezension] “Kampf der Könige” von Michael Peinkofer

Kampf der KönigeReiheninfo:

  1. “Die Könige: Orknacht”
  2. “Kampf der Könige”
  3. - Titel bisher noch unbekannt -

Klappentext:

Mit “Die Könige” führte Michael Peinkofer seine Leser in die düstere Ära der Geschichte des Kontinents Erdwelt. Nun kehren die Helden um den Krieger Dag und seine Gefährtin Aryanwen zurück, um die nächste Schlacht zu schlagen: Das Reich ist zersplittert. Alchemisten betreiben dunkle Magie, und die Stadt Tirgas Winmar erzittert unter der Schreckensherrschaft des Dunklen Königs. Dag und Aryanwen ziehen durch das Land auf der Suche nach ihrem Kind, das sie einst den Orks Balbok und Rammar anvertrauten. Doch vor ihnen liegt nicht nur ein gefahrvoller Weg, sondern auch das finsterste Geheimnis Erdwelts … (Quelle)

Meine Meinung:

Hach! Peinkofer zu lesen, ist einfach immer toll! Ich mag seine Art, Highfantasy mit Humor zu verknüpfen, ich mag seine so verschiedenen Helden und vor allem, dass nicht eine Rasse die Gute ist. Auch in “Kampf der Könige” gibt es wie im Vorgänger einige Hauptdarsteller: so beispielsweise natürlich die Orks Balbok und Rammar mit ihrem Ziehkind Alannah, dessen Eltern Dag und Aryanwen und die tapferen zwergischen Widerstandskämpfer.

Ich mochte schon den ersten Band “Orknacht” total gerne, aber dieser zweite Teil, der bei vielen Trilogien nicht so gut gelingt, konnte mich noch mehr begeistern. Das lag zum einen sicherlich daran, dass die Handlung richtig flott vorangeht und zum Beispiel Dag, Aryanwen und Dwethan auf die beiden Orks treffen, was zu vielen lustigen Situationen führt. Zum anderen habe ich in der Zwischenzeit die ersten drei Ork-Bücher des Autors gelesen und konnte es genießen, wie sehr er die in Erdwelt spielenden Bücher miteinander verknüpft. Man kann die Reihen (Die Zauberer – Die Orks – Die Könige) definitiv auch unabhängig voneinander lesen, aber wenn man die Hintergründe und die Vergangenheit der Charaktere kennt, ist das ein besonderes Vergnügen.

Was ich an den Büchern von Peinkofer mag, ist, dass die Mittelteile seiner Trilogien so gelungen sind. Bei anderen Autoren habe ich oft das Gefühl, sie schreiben den zweiten Band nur, um zum dritten zu kommen. In “Kampf der Könige” schreitet die Handlung aber richtig voran und findet zumindest teilweise auch schon einen Abschluss, so dass man das Buch mit dem Gefühl, ein Stückchen gesiegt zu haben, beiseite legt. Da den Völkern von Erdwelt aber immer noch Gefahr droht, fiebere ich dem dritten Band natürlich schon sehr entgegen.

Kurz und knapp: Fantasybücher von Michael Peinkofer sind für mich ein Muss! Gekonnt verknüpft er typische Themen der Highfantasy mit seinem ganz eigenen Humor, der vor allem durch die beiden Orkbrüder in die Geschichte gebracht wird, und verleiht dem Kampf gegen das Böse dadurch einen ganz frischen Wind. Ich vergebe sehr gute 8 von 10 Sternen!

stern 8

Kampf der Könige – Michael Peinkofer – Klappbroschur – 544 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-492-70211-9 – erschienen: September 2014 (Piper)

[Rezension] “Das Mädchen, das Geschichten fängt” von Victoria Schwab

Das Maedchen das Geschichten faengt von Victoria SchwabKlappentext:

Wenn ein Mensch stirbt, wird seine Lebensgeschichte in einer Art Bibliothek abgelegt. Manchmal jedoch erwachen die Geschichten und versuchen in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Dann kommt Mac ins Spiel, denn sie ist eine Hüterin und ihre Aufgabe ist es, die entlaufenen Geschichten zurückzubringen. Doch plötzlich häufen sich diese Vorfälle, und die Grenzen zwischen Leben und Tod drohen zu verschwimmen. Mac beschleicht der schreckliche Verdacht, dass jemand die Lebensgeschichten manipuliert. Gemeinsam mit dem Hüter Wes versucht Mac, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. (Quelle)

Meine Meinung:

Ich bin auf dieses Buch vor allem durch sein zauberhaftes Cover aufmerksam geworden. Das täuscht aber: Die Geschichte ist nicht zauberhaft und zart, wie das Cover suggeriert, sondern vor allem spannend.

Victoria Schwab hat mit “Das Mädchen, das Geschichten fängt” eine klassische Urban Fantasy geschrieben, d.h. mitten in der normalen Welt, wie wir sie kennen, gibt es eine zweite Welt. In diesem Fall die Welt der Toten. Zu dieser Welt gibt es verschiedene Zugänge, zu denen die Hüter durch einen Schlüssel und dem Wissen um diese Welt Zugang haben.

Die Welt in der Welt, die sich Victoria Schwab ausgedacht hat, ist wirklich faszinierend und sehr detailliert konzipiert. Ich konnte mir gut vorstellen, wie es ist, durch die Gänge des Narrows zu streifen und nach entlaufenden Chroniken zu suchen. Ich kann die großen Hallen des Archivs vor mir sehen, in dem die schlafenden Chroniken in ihren Fächern ruhen. Ich spüre die angespannte Stimmung, wenn Mackenzie eine besonders gefährliche Chronik jagt und ich kann ihr Bedürfnis, einfach ein ganz normales Mädchen ohne die zeitraubenden Verpflichtungen zu sein, gut verstehen.

Umso mehr hat es mich gefreut, als sie gleich zwei Jungen kennenlernt, denen sie sich aus den unterschiedlichsten Gründen anvertrauen kann. Doch als sich dann die Vorfälle der entlaufenden Chroniken häufen und Mackenzie einer Verschwörung auf der Spur zu sein scheint, ist gar nicht mehr klar, wem sie eigentlich trauen kann.

“Das Mädchen, das Geschichten fängt” ist längst nicht so leicht und zart, wie das Cover vermuten lässt. Es ist viel mehr eine wirklich spannende Urban Fantasy Story, in der es für den Leser einiges Neues zu entdecken gibt. Ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen, allerdings wird sie mir bestimmt auch nicht lange in Erinnerung bleiben. Unterhaltsame Jugendfantasylektüre für zwischendurch – nicht mehr, aber auch nicht weniger. 7 von 10 Sternen.

stern 7

Anscheinend ist dies der erste Band einer Reihe. Ich finde gerade aber noch keine konkreten Infos zum zweiten Band. Außerdem lässt sich das Buch auch gut als Einzelband lesen.

Das Mädchen, das Geschichten fängt – Victoria Schwab – Klappbroschur – 432 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-453-41033-6 – erschienen: Juli 2014 (Heyne)

[Geplauder] Ein tolles Wochenende steht mir bevor

Wenn dieser Beitrag nachher in zweieinhalb Stunden erscheint, fahre ich vermutlich gerade auf den Hof einer meiner liebsten Freundinnen ein: Ich besuche nämlich Nanni.

Den Tag heute werden wir sicherlich plaudernd verbringen, denn wir haben uns jetzt seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen. Klar, wir telefonieren ganz viel, aber das ist ja doch etwas anderes als sich live zu sehen.
Gegen Abend werden wir dann sicherlich hibbelig auf die Verkündung der Preisträger des Deutschen Jugendliteraturpreises warten. Mal sehen, ob ich es schaffe, hier dann auch noch kurz was via Handy zu bloggen. Ich bin echt schon gespannt.

Morgen fahren wir dann zur Buchmesse und treffen dort eine gemeinsame Freundin von uns: Sarah! :) Hach, das wird so toll. Ich weiß jetzt schon, dass ich die Messe bestimmt tottal anstrengend finden werde und dass mir garantiert die Füße total weh tun werden. Aber ich freue mich einfach auf die gemeinsame Zeit mit Nanni und Sarah. Vielleicht kann ich ja zwischendurch mal einen Eindruck posten.

Am Sonntag werde ich sicherlich den Tag noch bei Nanni verbringen, aber dann vermutlich abends zurückfahren, denn mir steht ein Umzug bevor. Gestern habe ich den Mietvertrag für eine neue Wohnung unterschrieben. Dann heißt es also: Marderlärm ade!
(Es wird also auch kein Sonntagsgeplauder geben.)

[Rezension] “Lost Souls Ltd.: Blue, Blue Eyes” von Alice Gabathuler

Blue Blue EyesReiheninfo:

  1. “Blue, Blue Eyes”
  2. “Black Rain” (erscheint Mitte Oktober 2014)
  3. - unbekannt, ob weitere Bände erscheinen -

Klappentext:

Lost Souls Ltd. – So nennt sich die Untergrundorganisation um den jungen Fotografen Ayden, den kaputten Rockstar Nathan und den charmanten Verwandlungskünstler Raix. Sie alle haben als Opfer von schweren Verbrechen überlebt und dabei einen Teil ihrer Seele verloren. Nun verfolgen sie nur ein Ziel: Jugendliche in Gefahr aufzuspüren und zu versuchen, sie zu retten. Dabei kämpfen sie gegen Entführer, Mörder, das organisierte Verbrechen – und gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit.
Ihre neuste Mission: Kata Benning. 18 Jahre alt. Augen so blau wie das Meer. Tief in sich ein Geheimnis, das sie vor sich weggeschlossen hat. Ein Bombenanschlag auf ihre Adoptiveltern zerstört ihre Zukunft, stellt ihre Gegenwart infrage und führt sie in eine Vergangenheit, in der nichts war, wie es schien. Sie gerät mitten in einen schmutzigen Krieg um gestohlene Daten. Ihr Leben wird zum Pfand mächtiger und gefährlicher Feinde. Doch sie hat starke Verbündete an ihrer Seite: Lost Souls Ltd. (Quelle)

Meine Meinung:

Nach “Freerunning” und “dead.end.com” ist dies nun das dritte Buch, das ich von Alice Gabathuler gelesen habe. Ich hatte sie abgespeichert als eine Autorin, die Bücher schreibt, die etwas anders sind, und sich viel Zeit für ausgereifte und besondere Charaktere nimmt.

“Blue, Blue Eyes” hat mich in dieser Hinsicht etwas überrascht, was aber gar nicht negativ gemeint ist. Das Buch ist sehr viel schneller als die anderen beiden Bücher. Das hat zur Folge, dass es unheimlich spannend ist, so dass ich es kaum aus der Hand legen konnte, immer wieder nur noch schnell mal ein Kapitel lesen musste. Es bringt aber auch mit sich, dass es nicht ganz so in die Tiefe geht, wie ich es erwartet hätte.

Die Hauptfiguren haben alle unheimlich viel Potenzial und sind auch so angelegt, dass sie sich noch sehr entwickeln und Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit preisgeben können. In diesem ersten Band der Reihe wird eben dieses Potenzial noch nicht vollends ausgeschöpft. Ich hatte insgesamt manchmal das Gefühl, dass die Autorin eigentlich hundert Seiten mehr geschrieben und das Buch dann doch noch gekürzt hat. Aber so gehe ich davon aus, dass es einen unheimlich spannenden zweiten Teil geben wird, bei dem der Leser noch einiges erwarten kann.

“Blue, Blue Eyes” ist ein spannender, schneller erster Teil der neuen Reihe von Alice Gabathuler, den man – einmal angefangen – kaum aus der Hand legen kann. Stellenweise hätte ich mir etwas mehr Tiefe und Hintergründe gewünscht, bin aber insgesamt sehr zufrieden und vergebe knappe 8 von 10 Sternen.

stern 8

Lost Souls Ltd.: Blue, Blue Eyes – Alice Gabathuler – Taschenbuch – 288 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-522-20204-6 – erschienen: Juli 2014 (Thienemann) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Buchgeflüster hoch zwei] Deutscher Jugendliteraturpreis 2014

Buchgeflüster hoch zwei Banner EndversionZum ersten Mal findet heute das Buchgeflüster2 statt, das von mir und Nanni gemeinsam ins Leben gerufen wurde. Die Buchmesse steht kurz vor der Tür, am Freitag wird dort der Deutsche Jugendliteraturpreis vergeben, mit dem wir uns in diesem Buchgeflüster näher beschäftigen wollen. Der Deutsche Jugendliteraturpreis wird insgesamt in fünf Sparten vergeben, dazu gibt es noch einen Sonderpreis. Wir haben uns in diesem Jahr mit den Büchern auseinander gesetzt, die in der Sparte „Jugendbuch“ und „Jugendjury“ im nominiert wurden. Der Preis der letzteren Sparte wird im Unterschied zu den anderen Sparten nicht von Erwachsenen, sondern von jugendlichen Lesern vergeben. Ausführliche Infos zum Preis und zur Jury findet man auf der Seite des DJLP.

Tine: Ich würde sagen, wir beginnen mal mit den nominierten Büchern aus der Sparte “Jugendbuch”. Welche davon hast du denn gelesen und wie war dein Eindruck dazu?

Nominierungen in der Sparte "Jugendbuch"

Nominierungen in der Sparte “Jugendbuch”

Nanni: Ich habe “Die Sprache des Wassers”, “12 Things To Do Before You Crash and Burn” und “Wie ein unsichtbares Band” gelesen.
Ich finde, dass alle drei Bücher zu Recht auf der Liste stehen. Inhaltlich wie sprachlich unterschieden sie sich sehr stark voneinander. Eine Gemeinsamkeit aller drei Bücher ist die erste Liebe. Herc, der Held aus “12 Things To Do Before You Crash and Burn”, verliebt sich – wie es für ihn typisch ist – relativ kurz entschlossen und plötzlich. Marito und Alma, die Protagonisten aus “Wie ein unsichtbares Band” kennen sich schon von Kind an. Ihre Liebe ist ein Entwicklungsprozess, der jedoch von Eifersucht belastet ist, denn eigentlich waren sie als Kinder immer zu dritt. Kasienka aus “Die Sprache des Wassers” ist ein sympathisches junges Mädchen, das in der Schule zum ersten Mal einen Jungen toll findet. Sicher eine Liebe, mit der sich viele Gleichaltrige identifizieren können.

Nanni: Welche hast du gelesen und wie haben sie dir gefallen?

Tine: In der Kategorie habe ich nur zwei Bücher gelesen: “Über ein Mädchen” von Joanne Horniman und “Tigermilch” von Stefanie de Valesco. Sprachlich gesehen sind beide sehr einnehmend, aber auch grundverschieden. “Tigermilch” ist sehr viel anspruchsvoller und meiner Meinung nach nicht nur aus diesem Grund eher für ältere Jugendliche gedacht. Es ist ein hartes, schonungsloses Buch, das mir zwar auch gut gefallen hat, stellenweise aber zu extrem war. Die Probleme der beiden Freundinnen Nini und Jameelah häufen sich für mein Dafürhalten etwas zu sehr, so dass die Handlung an ihrer Glaubwürdigkeit verliert.
Über ein Mädchen“ hat mich sehr berührt, denn es beschreibt unheimlich direkt und ehrlich die Liebe von Anna zu ihrer Freundin Flynn mit all ihren Facetten: vom ersten Kennenlernen über das erste richtige Date bis hin zum Liebeskummer.

Tine: Kannst du beschreiben, was für dich jeweils das Besondere an den drei Büchern war? Wenn eines der drei den Preis gewinnen würde, was wäre dann deine Begründung?

Nanni: Das “Besondere”, das “gewisse Etwas” ist bei jedem Buch unterschiedlich. “12 Things To Do Before You Crash and Burn” hat mich total gut unterhalten. Es ist ziemlich dünn und ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Immer wieder hat mich Herc zum Schmunzeln gebracht mit seinen – teils verrückten – Ideen, seine Ferienaufgaben abzuarbeiten. Er erlebt den Sommer seines Lebens, macht einen großen Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden, was der Autor in kurzen Kapiteln knackig auf den Punkt bringt. Herc ist das, was den Roman ausmacht.
“Wie ein unsichtbares Band” ist ein sehr bewegendes Buch. Es spielt während des Militärputsches in Argentinien und hat daher einen politischen Hintergrund. Bei diesem Buch habe ich am Ende echt geweint, weil es mich so berührt hat, wofür nicht nur die Geschichte, sondern auch die wundervolle Schreibe der Autorin verantwortlich ist. “Poetisch und kraftvoll”, so beschreibe ich es in meiner Rezi, erzählt sie von Jugendlichen, die der Willkür der Diktatur ausgesetzt sind, die keine festgelegten Rechte haben, die sie schützen. Trotzdem bieten ihnen ihre Familien die Möglichkeit eine tolle Kindheit zu erleben. Dieser Roman ist wirklich beeindruckend und mein persönlicher Favorit.
Allerdings spricht er – ganz realistisch gesehen – sicher weniger Leser an als “Die Sprache des Wassers”. Ebenfalls ein sehr rührender Roman, der ans Herz geht, traurig, aber auch glücklich macht. Protagonistin Kasienka zieht mit ihrer Mutter von Polen nach England, weil der Vater die Familie verlassen hat und dorthin abgehauen ist. Nun hat Kasienka zuhause eine traurige Mama und in der Schule ist sie eine Außenseiterin. Thema Trennung, Migration und Mobbing werden hier hervorragend verflochten. Autorin Sarah Crossan benutzt dazu eine wunderschöne Sprache, die der Verlag ganz toll in Form gebracht hat. Ich habe mir dort etliche Zitate markiert, die ich mir unbedingt aufbewahren möchte. Ihr würde ich den Sieg auch sehr gönnen, denn es ist ein Roman, der sich mit alltäglichen Problemen beschäftigt und vielleicht sogar einige Mädchen ermutigen kann.

Nanni: Was sollte ein Buch, das auf der Liste des DJLP landet unbedingt ausmachen? Was wäre für dich ein Kritikpunkt ein Buch zu nominieren?

Tine: Meiner Meinung nach sollte ein Buch, das auf dieser Liste landet vor allem eines: Spaß am Lesen erwecken. Wir Erwachsenen neigen oft dazu, Jugendbücher gut zu finden, die eine besondere Lehre aufweisen, auch wenn sie vielleicht nicht explizit so genannt wird. Viel wichtiger ist es doch eigentlich, dass Jugendliche durch Bücher erfahren, wie schön es ist, in fremde Welten abzutauchen, mit geliebten Protagonisten mitzuleiden und am Ende erleichtert aufzuatmen. Ich glaube, dass dann die Idee, sich auch literarisch mit schwierigen Themen, wie sie beispielsweise in “Tigermilch“ behandelt werden, auseinander zu setzen, ganz von alleine kommt. Ein gelungenes Beispiel für so ein Buch ist meiner Meinung nach “Erebos”, das 2011 den DJLP in der Sparte “Jugendjury” gewonnen hat.
Grundsätzlich kann man sich ja über Geschmack streiten, so dass ich wenig Einschränkungen machen möchte, welche Bücher es verdienen auf die Liste zu kommen und welche nicht. Es gibt sicherlich viele ganz unterschiedliche Gründe, die für das eine oder das andere Buch sprechen. Ich persönlich würde aber sehr aufmerksam und vorsichtig sein, wenn es um gewaltverherrlichende oder diskriminierende Bücher geht. Selbstverständlich kann man als aufmerksamer Leser, der Dinge und Situationen hinterfragt, auch aus solcher Literatur etwas mitnehmen, aber nicht jeder jugendliche Leser ist emotional schon soweit und nicht jeder junge Leser hat zuhause jemanden, mit dem er über gelesene Themen sprechen und sie dadurch verarbeiten kann.

Tine: Bei welchem der von dir gelesenen Bücher hattest du den größten Redebedarf?

Nanni: Den hatte ich bei “Wie ein unsichtbares Band”. Ich habe mich sowohl mit der Pressemitarbeiterin, als auch mit der Bloggerin Damaris von Damaris liest ausgiebig darüber ausgetauscht. Ich denke der Roman soll zum Reden anregen. Tot geschwiegen wird zu diesem Thema schon genug.

Nanni: Kommen wir zu den Nominierungen der Jugendjury. Du hast dich mit all den nominierten Büchern auseinandergesetzt. Kannst du uns einen kurzen Einblick verschaffen?

Nominierungen in der Sparte "Jugendjury"

Nominierungen in der Sparte “Jugendjury”

Von den nominierten Büchern habe ich fünf ganz gelesen. Bei „Alles – Was zählt“ von Janne Teller habe ich nur in die Leseprobe rein geblättert, da mir „Nichts – Was im Leben wichtig ist“ von ihr damals nicht so gut gefiel.
Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“ ist ein unterhaltsames Buch über das Anderssein. Mir hat hier die Art und Weise, wie das thematisiert wurde, besonders gut gefallen: Barnaby hat nämlich nicht eine andere Hautfarbe, Religion oder sexuelle Gesinnung, sondern unterscheidet sich von anderen dadurch, dass er dauerhaft schwebt. Allerdings würde ich das Buch eher als Kinder- und nicht als Jugendbuch sehen.
Wunder“ habe ich schon im letzten Jahr gelesen und als Herzensbuch von mir bereits einmal verschenkt. Auch hier geht es um das Thema anders sein, allerdings hat es mich sehr viel mehr berührt. Wie gesagt: ein Herzensbuch von mir.
2084 – Noras Welt“ hat mich enttäuscht. Es hat zwar eine wichtige inhaltliche Grundaussage, aber mehr auch nicht. Nur mit der – definitiv wichtigen – Warnung, dass man Verantwortung für unseren Planeten trägt, kann man eben kein Buch füllen.
„Die Nacht gehört dem Drachen” hat mich etwas zwiespältig zurückgelassen. Mir hat richtig gut gefallen, wie sensibel hier mit dem Thema Missbrauch umgegangen wurde. Andere Szenen konnten mich dann aber gar nicht berühren, so dass ich dazu geneigt war, sie zu überblättern.
Den Abschluss der Nominiertenliste bildet die erste Graphic Novel, die ich jemals gelesen habe: „Wie ein leeres Blatt“. Die Geschichte zu lesen und von den Zeichnungen noch ein Mal ganz andere Eindrücke zu bekommen, war ein besonderes Erlebnis, ich weiß aber nicht, ob ich dafür nicht eher einen separaten Preis verleihen würde.

Tine: Wenn du meine Eindrücke jetzt liest: Welches der Bücher könnte ein Favorit der Jugendjury sein und warum?

Nanni: Mmmh, schwer zu sagen. Ich bin ja ein großer Fan von John Boyne, habe das Buch ebenfalls (bisher noch ungelesen) im Regal und weiß, dass er tolle, berührende Geschichten schreiben kann. “Wunder” hast du mir auch schon so oft empfohlen, dass ich es in meinem Kopf bereits als tolles Buch gespeichert. Aber auch der Inhalt klingt sehr ansprechend. Dass ein Buch zum Thema Missbrauch nominiert ist, finde ich auch sehr spannend. An meiner Arbeit habe ich leider vermehrt mit dem Thema zu tun und finde es wichtig, dass Kinder und Jugendliche aufgeklärt werden, wissen, dass sie keine Schuld tragen und damit nicht allein sind. Für mich ist aber nicht nur das Thema des Buches, das den Preis bekommen sollte, wichtig, sondern auch die Sprache, die Art des Autors zu schreiben. Dafür müsste ich dann wohl doch selbst rein lesen.

Nanni: Wenn du die Bücher nun so betrachtest und dich ein bisschen zurückerinnerst, hättest du als Jugendliche eine ähnliche Meinung?

Tine: Puh, das kann ich ganz schwer sagen. Ich habe als Kind eigentlich gar keine typischen Jugendbücher gelesen. Anfangs viele Kinderbücher oder eben Bücher für sehr junge Jugendliche (vieles von Enid Blyton, „Die drei ???“ usw. – das typische eben) und dann ging es fast nahtlos über zu Erwachsenenbüchern. Gab es zu unserer Zeit überhaupt schon so explizit die Sparte des Jugendbuches? Ich vermute, ich hätte damals „12 Things To Do Before You Crash and Burn“ am besten gefunden, eben weil es so unterhaltsam und witzig ist, und, wenn ich es richtig verstanden habe, kaum schwierige Themen behandelt.