[Sonntagsgeplauder] 21.9.2014

Mir ist aufgefallen, dass mich der Alltag nach den Sommerferein komplett wieder hat. Nach der Schule komme ich nach Hause, schlafe eventuell kurz und setze mich dann direkt wieder an den Schreibtisch, um den Unterricht vorzubereiten. Abends lese ich dann vielleicht noch ein paar Zeilen und gucke zum Einschlafen die ein oder andere Folge meiner Lieblingsserien, die ich, weil ich eben nicht so viele Staffeln habe, übrigens schon fast mitsprechen kann. Zum Bloggen habe ich unter der Woche meist wenig Motivation, weswegen ich mir vorgenommen habe, zumindest sonntags ein bisschen zu plaudern. Mal sehen, ob ich es schaffe, das ein bisschen zu ritualisieren.

Buchgeplauder

Gelesen habe ich in dieser Woche vor allem “Geschenkt” von Daniel Glattauer. Montag habe ich zudem auch noch die letzten Seiten von “Krähenmann” von Corina Bomann beendet. Dazu wird demnächst auch eine Rezension folgen. Im Moment befinde ich mich am Anfang von “Kampf der Könige” von Michael Peinkofer, dem zweite Teil der Könige-Reihe.

Als Neuzugang hat mich ein Leseexemplar vom Magellan Verlag erreicht, eine liebevoll handgeschriebene Karte war auch dabei. <3 Sowas erfreut mein Herz. :D

wpid-20140920_145433.jpg

Lebensgeplauder

Ich muss an dieser Stelle direkt gestehen: Diese Woche war nicht ganz so schlimm wie oben beschrieben. Ich habe am letzten Wochenende ziemlich viel getan, so dass ich mir tatsächlich ein paar kleine Auszeiten nehmen konnte. So habe ich mich am Dienstag mit einer Freundin aus dem Referendariat bei ihr in Rheda-Wiedenbrück (Hossa, was für ein Kaff niedlicher kleiner Ort) getroffen. Wir haben lecker gegessen (Pizza und Käsekuchen *yummy*) und viel gequatscht.

Heute geht es noch auf den Geburtstag einer anderen Bekannten aus dem Referendariat. Ich glaube, dass mich Kuchen und lustige Kinderspiele erwarten. Perfekt! Und wenn ich wieder nach Hause komme, werde ich mich nur noch aufs Sofa legen und lesenlesenlesen!

Sportgeplauder

Tada, eine neue Kategorie! Leider muss ich sie heute direkt ungefüllt lassen, aber ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen ganz stolz berichten kann, was ich gemacht habe. Dann ist eure Aufgabe, mich zu loben und zu sagen, wie toll ich das doch mache, was dann hoffentlich dazu führt, dass ich weiterhin fleißig bin. Klare Sache, oder?

Bloggereigeplauder

Ähnlich wie bei der früher stattfindenden Sonntagsleserin-Aktion von der Bücherphilosophin möchte ich hier ein paar Blogbeiträge verlinken, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind.

Julia von *Live. Love. Read hat ihre zehn Bücher aufgelistet, die sie besonders beeinflusst haben. Das ist ja im Moment so eine Aktion bei Facebook. (Hach, “Fat Cat” *seufz*)

(Ich habe da übrigens auch mitgemacht und meine zehn Bücher waren: “Der Prinz von Pumpelonien”,  “Die Brüder Löwenherz”, “Harry Potter”, “Solange du da bist”, “Gut gegen Nordwind”, “Gute Geister”, “Das Orangenmädchen“, “Das Gleichgewicht der Welt”, “Mutter Courage” und “Splitterwelten”)

 Mit dem Anfang und dem Ende ihrer Rezension zu “Niemand liebt November” hat es Sa Fi von den Bookwives es geschafft, mich auf dieses Buch neugierig zu machen. Die Mitte habe ich noch nicht gelesen, das mache ich selten bei Rezensionen zu Büchern, die ich auch noch lesen will. Was aber deutlich wird: Dieses Buch ist besonders!

Auf Die Liebe zu den Büchern gibt es eine wunderbare Liebeserklärung an das Bloggen. Ich bekomme die Meckerei immer nur am Rande mit, aber es tut gut, einfach mal einen so positiven Post zu lesen!

Nicht nur ich mochte “Das Orangenmädchen” total gerne, wie ihr ja oben schon sehen konntet, auch Birthe von Von Windsprechern, Drachen und Intriganten schwärmt sehr von dem Buch. Falls euch meine Rezension dazu noch nicht überzeugt habt, lest doch ihre… und dann unbedingt das Buch!

[Rezension] “Geschenkt” von Daniel Glattauer

GeschenktInhalt:

Gerold Plasseks Leben beginnt sich ab dem Zeitpunkt langsam zu verändern, als er seinen Sohn Manuel kennenlernt. Manuel ist zu dem Zeitpunkt schon 14 Jahre alt und weiß im Gegensatz zu Gerold gar nichts über ihre besondere Verbindung. Für ihn ist Gerold nur ein alter Freund seiner Mutter, der als Jornalist für eine Gratiszeitung arbeitet, zu viel Akohol trinkt, sich schlecht kleidet und bei dem er jeden Nachmittag im Büro sitzen muss, um seine Hausaufgaben zu machen, da seine Mutter für längere Zeit in Afrika lebt und seine Nachmittagsbetreuung nicht geregelt ist.
Gerold schreibt solide, kurze Sozialartikel und doch wird er damit im Laufe der Geschichte richtig berühmt werden. Denn nachdem er einen Artikel über ein Obdachlosenheim, dem die Schließung droht, geschrieben hat, geht dort eine anonyme Spende ein: 10.000 € in einem Briefumschlag – beigelegt ist der von Gerold geschriebene Artikel. Doch das ist erst der Anfang…

Meine Meinung:

Endlich! Endlich hat er es geschafft! Geschafft aus dem Schatten seines erfolgreichen Emailromans “Gut gegen Nordwind” zu treten und ein neues, eigenständiges und vor allem ganz anderes Buch zu schreiben. Hätte ich den Autor während des Lesens nicht gekannt, hätte ich eher auf Jonathan Tropper, den ich von “Sieben verdammt lange Tage” kenne, als auf Daniel Glattauer getippt.

Das liegt zum einen an dem herrlichen unperfekten und selbstironischen Ich-Erzähler Gerold, zum anderen an dessen schnodderigen Erzählweise, die mich oft zum Schunzeln und einige Male sogar zum lauten Lachen gebracht hat.

Wie oben schon angedeutet, soll die erste Spende nicht die letzte bleiben, sondern viel mehr den Auftakt zu einer Reihe anonymen Spenden sein. Dieser Teil der Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit (Wie schön, dass es sowas auch im wahren Leben gegeben hat!) und wurde als “Wunder von Braunschweig” bekannt. Daniel Glattauer erfuhr während einer Lesereise von dieser Spendenserie, unterhielt sich mit mehreren Leuten und fand schließlich, dass dies doch perfekter Stoff für einen Roman sei:

“»Geheimnisse des Bösen« lauern ja quasi an jeder (dunklen) Ecke, das gesamte Genre der Kriminalliteratur lebt davon. Wer aber tut Gutes und hüllt sich darüber in Schweigen? Was gibt es für Gründe, sich hinter seinen Guttaten zu verbergen? Und, eine weitere interessante Frage: Wie geht es wohl jenen Journalisten, die mit ihren Artikeln über sozial Schwache das Herz des Wohltäters erweichen konnten und den Geldsegen regelmäßig auslösten?” (Daniel Glattauer in einem Brief an seine Leser)

Viel mehr möchte ich zu diesem Roman auch gar nicht sagen, sondern nur jedem nahe legen, ihn selbst zu lesen, denn er ist spannend (Wer ist denn nun der anonyme Spender?), herzerwärmend und lustig zugleich! Eine tolle Mischung, die es selbst in einer sehr stressigen Zeit geschafft hat, mich von der Arbeit abzuhalten und an die Seiten zu fesseln! Chapeau, Herr Glattauer!

stern 10

Geschenkt – Daniel Glattauer – Hardcover – 336 Seiten – 19,90 € – ISBN 978-3-552-06257-3 – erschienen: August 2014 (Deuticke)

[Zitat] Aus: “Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B”

“Du bist der tapferste Mensch, den ich je kennengelernt habe oder je kennenlernen werde.”
“Die Angst strömt nur so aus mir heraus, Robyn! Ich fürchte mich ständig vor jedem verdammten Ding. [...] Ich habe so eine Angst, wie sie nur die wirklich Bekloppten haben können.”
“Aber das, du Dummerchen, ist doch gerade die Definition von Mut: Du machst weiter trotz deiner Angst.”
(Teresa Toten, S. 312/313)

[Geplauder] Klassenfahrt nach Sylt – wie es wirklich war…

Natürlich lief die Klassenfahrt nicht so ab wie hier in zwei Szenarien beschrieben. Es war schon gleich klar, dass es eine Mischung aus beiden Szenarien werden würde Und so war es auch. Es gab viele tolle, lustige und schöne Momente. Aber leider auch genauso viele anstrengende und wirklich erschütternde Situationen.

Wir hatten ein tolles, aber auch sehr zeitfüllendes Programm: Zwei Vormittage waren wir am Strand und haben bei tollem Wetter gebadet, wir haben eine Bootstour und eine Wattwanderung gemacht, haben das Erlebniszentrum Naturgewalten und das Aquarium in Westerland besucht und sind viel zwischen der Jugendherberge und List hin und her gewandert. Die beiden Zugtage (die Anreise hat 9 Stunden gedauert, die Abreise gute 7 Stunden) haben die Schüler ziemlich gut hinbekommen, es können jetzt so ziemlich alle Mau Mau und Kniffel :D Gelesen habe ich übrigens insgesamt nur so 60 Seiten und das auch nur, weil ich mir auf der Rückfahrt einfach mal ne halbe Stunde Auszeit genommen habe.

Ich habe dann von Samstag auf Sonntag totmüde bis 11 Uhr geschlafen und könnte jetzt gut nochmal eine Woche frei haben. ;-)

Hier ein kleienr Eindruck für euch (natürlich ohne Schülerbilder, dafür sehr tierlastig):

Sylt-Collage

[Kurzer Leseeindruck] “Lieber Dylan” von Siobhan Curham

U1.inddKlappentext:

Das Leben der 14-jährigen Georgie ist ein einziges Chaos. Sie ist überzeugt, dass nur der Soapstar Dylan Curtland ihre Probleme verstehen kann. Also schreibt sie ihm eine E-Mail – und bekommt tatsächlich eine Antwort! Es entwickelt sich eine virtuelle Freundschaft, doch bald muss Georgie feststellen, dass nicht alles so ist, wie es scheint … (Quelle)

Mein Eindruck:

“Ein wunderbar witziger E-Mail-Roman” steht hinten auf dem Buch. Doch vermittelt diese Beschreibung in meinen Augen einen ganz falschen Eindruck. “Lieber Dylan” ist mehr als das. Leider birgt das Buch so viele Überraschungen und unerwartete Wendungen, dass ich auf den Inhalt gar nicht eingehen mag, um nichts zu verraten. Aber so viel sei gesagt:

Was anfängt wie ein locker leichter Teenager-Roman, entwickelt sich bald zu einem Buch mit unheimlich viel Tiefgang, das auch nicht davor zurückschreckt, tiefgreifende Probleme zu behandeln. Mich hat die Geschichte wirklich beeindruckt, ganz schön mitgenommen und trotzdem gut unterhalten.

stern 8

Lieber Dylan – Siobhan Curham – Hardcover – 236 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-8339-0185-0 – erschienen: Juli 2013 (Baumhaus Verlag) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Geplauder] Grüße von Sylt

Ehrlich gesagt ist der Titel dieses Beitrags ein bisschen gelogen. Während ich das hier tippe, sitze ich auf meinem Sofa im verregneten Bielefeld. Es ist Sonntag.

Wenn ihr das aber lest, werde ich mich aber schon auf Klassenfahrt auf Sylt befinden.

Szenario 1:

Ich habe mich irgendwo in den Dünen versteckt und hoffe, dass mich keiner der Schüler findet. Das ist natürlich total illusorisch, denn selbstverständlich haben wir Lehrer keine Minute für uns allein. Der Stress begann schon auf der knapp 8stündigen Anreise, während der wir uns selbst dafür verteufelten, ein Handyverbot ausgesprochen zu haben. Es gab mittlerweile schon 7 Verletzte, einer davon auf Lehrerseite (Bisswunde eines handysüchtigen Schülers). Die Kinder haben an nichts Freude, es regnet ununterbrochen und die mitgebrachten Brettspiele und Bastelsachen wurden abwertend beiseite geworfen. In den Nächten schlafen wir gar nicht, da die Schüler es auch nicht tun. Manchmal versuchen wir, uns für eine Minute wegzuschleichen, um aus rotgeränderten und von dunklen Augenringen umrandeten Augen einfach nur vor uns hin zu starren.

Szenario 2:

Ich sitze in den Dünen auf einem Liegestuhl, den mir Schüler hier hingetragen haben. Eine aufmerksame Schülerin bringt mir ein gekühltes Getränk, ein anderer mein Buch. Der Rest der immer noch vollständigen, unverletzten Truppe spielt friedfertig kleine Klatschspiele. Manche werfen sich einen Ball zu, einzelne lesen. Die Zugfahrt hier her war ein Traum. Schon nach der ersten Stunde wurden alle Schüler so müde, dass sie einschliefen und ich Zeit hatte, beide mitgenommenen Bücher durchzulesen. Auf Sylt sorgte ich sofort für Nachschub, den mir selbstverständlich die Schülerchen zahlten, indem sie freiwillig, mit Freude und den Worten “Weil Sie einfach die Beste sind!” auf ihr Eis verzichteten. Abends bekommen ich und meine Kollegen das Essen an den Platz gebracht und pünktlich um sieben Uhr legen sich alle Schüler brav zum Schlafen in ihre Betten. Was für eine Klassenfahrt!

Naja, vermutlich wird es weder das eine noch das andere, ich werde bei meiner Rückkehr dann mal berichten. ;-)

[Rezension] “Als gestern noch morgen war” von Claire Dyer

Als gestern noch morgen warKlappentext:

Paddington Station, 9:00 Uhr morgens. Im Gedränge der Reisenden steht die Zeit für zwei Menschen plötzlich still: Fern und Elliott, einst Liebende, doch seit fünfundzwanzig Jahren getrennt. Nie hätten sie erwartet, sich wiederzusehen, nie hätten sie erwartet, dass es sie so berühren würde. Obwohl ihr Leben weiterging, sie heirateten und Kinder bekamen, hörte keiner der beiden auf, den Tag zu bereuen, der sie auseinanderbrachte. Sie verabreden sich für den Abend, wenn der Rückweg sie wieder zum Bahnhof führt. Es wird der Moment sein, in dem sie ihr Morgen wieder in der Hand haben. (Quelle)

Meine Meinung:

“Manchmal wird mir bewusst, was für ein schmaler Grat zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte, verläuft, wie viele Möglichkeiten von uns es hätte geben können, dass alles von einem einzigen Moment abhängt.” (S. 327)

Was wäre, wenn…? Diese Frage stellt man sich nicht nur als Leser während der Lektüre ein ums andere Mal. Auch Elliott und Fern kommen nicht umhin, sich diese Frage zu stellen. Was wäre, wenn dieser schicksalshafte Tag damals vor fünfundzwanzig Jahren anders geendet hätte? Was wäre, wenn Elliott damals die richtigen Worte gefunden hätte? Was wäre, wenn sich der Töpferkurs, zu dem Fern jetzt in der Gegenwart auf dem Weg ist, nicht um eine Woche verschoben htte? Was wäre, wenn sich Fern und Elliott dadurch gar nicht erst auf dem Bahnhof wieder getroffen hätten?

“An der Stelle, wo er sie geküsst hat, singt ihr Gesicht leise.” (S. 29)

Nachdem sich Fern und Elliott in Paddington treffen, sich kurz unterhalten und vereinbaren sich vielleicht abends auf dem Rückweg noch ein Mal in Ruhe zu sprechen und nachdem Elliott Fern mit einem Kuss auf die Wange verabschiedet hat, gehen beide erstmal ihres Weges, mit den Gedanken jedoch stets beim anderen, bei ihrem jetztigen Leben, ihrer gemeinsamen Zeit damals, ihrer Liebe, der Wut und Ratlosigkeit.

Ich mochte es sehr, wie sich die Geschichte der beiden nach und nach vor mir aufgerollt hat. Wie immer wieder auch die Gegenwart präsent ist, in der zumindest Fern mit einem Mann verheiratet ist, den sie wirklich liebt. Das ist eigentlich das Spannendste an der Geschichte: Fern ist – im Gegensatz zu Elliott – in ihrem Leben nicht wirklich unglücklich. Sie hat einen liebevollen Ehemann, zwei erwachsene Söhne und eine Katze. Doch mit Elliott im Hinterkopf beginnt sie, ihr Leben zu hinterfragen.

“Schon komisch, denkt Fern, während sie auf Elliott wartet, dass sie hier ist, jetzt, so. Als sie morgens aufstand, den Kater fütterte, ein bisschen Wäsche wegräumte, hatte sie keine Ahnung, dass sie nur Stunden später hier sein, ihr Leben zurückgespult haben und darauf warten würde, dem Mann ins Gesicht zu schauen, der ihr, falls das nicht zu kitschig klingt, das junge, empfindsame Herz brach.” (S. 295)

“Als gestern noch morgen war” hat mich beim Lesen gleichzeitig nachdenklich gestimmt und gut unterhalten. Claire Dyer gelingt es, die Stimmungen, Gefühle und Hoffnungen von Elliott und Fern wunderbar einzufangen und auf Papier zu bringen. Und auch als Leser kommt man in eine besondere Stimmung: Was wäre, wenn…?

Mir hat “Als gestern noch morgen war” schöne Lesestunden bereitet. Ich fand es unheimlich faszinierend, mitzuerleben, wie eine einzige Begegnung, ein einziger Moment die beiden Hauptcharaktere dazu bringt, ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft mit ganz anderen Augen zu betrachten. Das Buch ist voller eindrücklicher Zitate und überzeugt durch einen sehr einnehmenden, wenn auch nicht immer leicht zu lesenden Schreibstil, der gut dazu passt, dass die Autorin preisgekrönte Lyrikerin ist. 7 von 10 Sternen!

stern 7

Als gestern noch morgen war – Claire Dyer – Hardcover mit SU – 336 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-426-19983-1 – erschienen: August 2014 (Droemer)

 

[Reihenrezension] “Du kannst keinem trauen” & “Ihr seid nicht allein” von Robison Wells

Du kannst keinem trauenReiheninfo:

  1. “Du kannst keinem trauen”
  2. “Ihr seid nicht allein”

Diese Reihenrezension ist spoilerfrei!

Inhalt:

Als Benson an das Elite-Internat der Maxfield Academy kommt, hat er die Hoffnung, dass sich endlich etwas in seinem Leben zum Positiven verändert. Bisher war er in zig verschiedenen Pfegefamilien und doch nirgendwo zuhause.
Das Internatsleben stellt sich aber als ganz anders heraus als erwartet: Es gibt klare Regeln und harte Strafen, die von anderen Schülern ausgeführt werden. Die Schule ist umgeben von Stacheldraht und hohen Mauern. Lehrer gibt es keine. Benson und seine Mitschüler sind Gefangene. Wer zu fliehen versucht, wird geschnappt und erhält als Strafe Arrest. Und aus dem Arrest ist bisher noch nie jemand zurückgekehrt. Was geht an der Maxfield Academy vor und findet Benson doch eine Möglichkeit zur Flucht?

Meine Meinung:

Hohe Mauern und Stacheldraht, keine Erwachsene, Schüler, die versuchen, die Macht an sich zu reißen und die große Frage nach dem Warum: ein seh viel genialeres Setting kann es wohl nicht geben. Klar, es ist auch kein innovatives Setting, doch das, was Robison Wells – übrigens der Bruder von Dan Wells – daraus macht, hat mich überrascht und begeistert. Geht es zunächst für Benson darum, sich einer der drei Gruppen in dem Internat anzuschließen und sich zu behaupten, wird schnell klar, dass mehr hinter dem Internat stecken muss. Warum gibt es hier nur Schüler, die keine richtige Familie haben. Sollen sie zu Elitekämpfern ausgebildet werden? Aber warum erhalten sie dann keinen richtigen Unterricht? Kein strategisches Fachwissen?

“‘Was, wenn wir alle versuchen würden, abzuhauen – alle vierundsiebzig? Wir bauen einfach ein paar Leitern und hauen ab. Keiner außer uns selbst hält uns hier fest.'” (S. 177)

Die Auflösung, die sich langsam im letzten Drittel des ersten Bandes offenbart, ist wirklich interessant, obwohl ich schon etwas in diese Richtung geahnt habe. Das Ende ist dann dramatisch und packend wie ein Actionthriller, so dass ich direkt den zweiten Band zur Hand nehmen musste.

Für “Du kannst keinem trauen” gibt es also eine ganz klare Leseempfehlung: spannend geschrieben, tolle Ideen, gut ausgearbeiteter Plot.

Ihr seid nicht alleinDer zweite Band beginnt dann eigentlich schon fast mit einem Highlight. Benson macht eine Entdeckung, die alles, was man als Leser bisher erfahren und vermutet hat, nochmal in den Grundangeln erschüttert. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Benson gerät von einer Gefangenschaft in die nächste.

Leider war dies auch schon der Höhepunkt für mich. Die weitere Handlung läuft dann so vor sich hin. Es kommt zwar noch zu einigen, teilweise sogar recht dramatischen Zwischenfällen, aber irgendwie konnten die mich nicht so richtig mitreißen. Natürlich habe ich das Buch trotzdem zuende gelesen, es ist schließlich nicht schlecht, aber die Spannung und vor allem die Faszination der zwischenmenschlichen Beziehungen aus dem ersten Band habe ich vermisst. Gerade in Bezug darauf habe ich einige Entscheidungen von Benson auch nicht mehr nachvollziehen können. Die Auflösung, die der Autor dem Leser am Ende präsentiert, konnte meine Meinung dann auch nicht mehr großartig ändern.

“Ihr seid nicht allein” bietet in meinen Augen nicht mehr ausreichend Potenzial für ein eigenständiges Buch. Robison Wells hätte lieber den ersten Band noch etwas ausweiten und als Einzelband konzipieren sollen.

Abschließendes Fazit:

Robison Wells hat eine faszinierende Idee zu Papier gebracht. Im ersten Band kann er durch ein spannendes Setting, tolle Charaktere und einer wirklich guten Grundidee überzeugen. Leider flacht die Spannung im zweiten Band ziemlich ab. Der Höhepunkt ist meiner Meinung nach viel zu früh gesetzt, insgesamt passiert zu wenig Neues und Unerwartetes. “Du kannst keinem trauen” und “Ihr seid nicht allein” sind auf jeden Fall interessante Bücher für jugendliche Leser (und endlich auch mal wieder etwas für Jungen). Den ersten Band würde ich uneingeschränkt weiterempfehlen. Bei dem zweiten Teil muss man mit einer kleinen Enttäuschung rechnen. Insgesamt vergebe ich für diese Reihe 6 von 10 Sternen.

stern 6

Du kannst keinem trauen – Robison Wells – Klappbroschur – 480 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8414-2140-1 – erschienen: Mai 2014 (Fischer)

Ihr seid nicht allein – Robison Wells – Klappbroschur – 400 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8414-2141-8 – erschienen: August 2014 (Fischer)

[Lovelybooks Lesesommer] Mein SUB

Lovelybooks Lesesommer

Letztes Samstag bin ich ja nicht dazu gekommen, hier die nächste Aufgabe des Lovelybooks Lesesommers zu erfüllen, dafür aber heute: Die Aufgabe ist es zum einen zu zählen, wie viele Bücher auf dem eigenen SUB (Stapel ungelesener Bücher) liegen, und zum anderen ein Foto davon zu machen.

Für das Foto habe ich mal alle ungelesenen Bücher zusammengestellt. Vorher waren die nämlich unterteilt, wie ihr hier nachgucken könnt. Und da ich meine Bücher immer schon mal nach Farbe sortieren wollte, habe ich die Chance genutzt. Das Ergebnis hätte sicherlich noch schöner aussehen können, aber für mehr Sortiererei war ich zu faul.

wpid-2014-08-23-15.09.54.jpg.jpeg

wpid-2014-08-23-15.09.25.jpg.jpeg

Ich war auf jeden Fall sehr begeistert, dass alle Bücher in 1,5 Regalfächer passen. Das hätte ich gar nicht unbedingt gedacht. Insgesamt sind es genau 50 ungelesene Bücher. Hier eine alphabetische Liste:

  1. - verschiedene – : “Nicht schon wieder Ostern”
  2. Ahern: “Thanks for the Memories”
  3. Carmichael: “Zoe”
  4. Carter: “Meisterklasse”
  5. Corvus: “Feind”
  6. Curham: “Lieber Dylan”
  7. Dalgish: “Der Tänzer der Schatten”
  8. Dowd: “Der Junge, der sich in Luft auflöste”
  9. Draesner: “Spiele”
  10. Drvenkar: “Der letzte Engel”
  11. Dyer: “Als gestern noch morgen war”
  12. Ernestam: “Die Liebesbotschaft”
  13. Fforde: “Love Letters”
  14. Fombelle, de: Vango. Prinz ohne Königreich”
  15. Fowler: “Der Jane Austen Club”
  16. Frascelle: “Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe”
  17. Frank: “Tagebuch”
  18. Gaarder: “2084 – Noras Welt”
  19. Gautier: “Wo die alten Damen wohnen”
  20. Gavalda: “35 Kilo Hoffnung”
  21. Gläser: “Stadt aus Trug und Schatten”
  22. Gold: “Die Liste der vergessenen Wünsche”
  23. Green & Levithan: “Will Grayson, Will Grayson”
  24. Grimbert: “Die Magier. Gefährten des Lichts”
  25. Grossman: “Draußen wartet die Welt”
  26. Hagena: “Der Geschmack von Apfelkernen”
  27. Heinrich: “Räuberhände”
  28. Keane: “Prost Weihnachten”
  29. Kehlmann: “Die Vermessung der Welt”
  30. Klassen: “Magyria. Das Herz des Schattens”
  31. Kornbichler: “Die Todesbotschaft”
  32. Lyoa: “Ich soll nicht töten”
  33. McNeill: “Der Wald der träumenden Geschichten”
  34. Menschig: “Der Hüter der Worte”
  35. Moehringer: “Tender Bar”
  36. Mlynowski: “Abby und Aschenputtels Geheimnis”
  37. Murray: “Skippy stirbt”
  38. Oehring: “Mit anderen Augen”
  39. Ostrovski: “Wo ein bisschen Zeit ist”
  40. Peinkofer: “Die Zauberer. Das dunkle Feuer”
  41. Polojachtof: “Weihnachtsmagie – Der literarische Adventskalender”
  42. Richter: “Damals war es Friedrich”
  43. Rogers: “Rubinrotes Herz, eisblaue See”
  44. Russel: “Swamplandia”
  45. Schmid: “Dreizehn ist meine Zahl”
  46. Sebold: “In meinem Himmel”
  47. Silver: “Jump. Das Spiel 1″
  48. Valesco, de: Tigermilch
  49. Watson: “Ich könnte an einem Samstag”
  50. Zusak: “Wilde Hunde”

[Doppelrezension] “Sannah & Ham” von Tom Ellen & Lucy Ivison

Der Carlsen Verlag hat pünktlich zum Erscheinen von “Sannah & Ham” eine Bloggeraktion ausgerufen. Und zwar konnte man sich gemeinsam mit einer guten Bloggerfreundin dafür bewerben, zu dem Buch eine Doppelrezension zu schreiben. Die Gelegenheit wollten Nanni und ich uns natürlich nicht entgehen lassen. Das Ergebnis sind zwei ganz verschiedene Rezensionen, die sich aber ziemlich gut ergänzen und zusammen einen sehr guten Einblick in das Buch bieten – finden wir zumindest. Lest selbst! :)
(Zuerst findet ihr meine und darunter dann Nannis Rezension.)


sannah & HamInhalt:

“Wir grinsten uns an und in mir stieg ein warmes, prickelndes Gefühl auf, wie man es manchmal hat, wenn man entdeckt, dass jemand, der einem sympathisch ist, das Gleiche denkt wie man selber.” (S. 54)

Hannah und Sam lernen sich auf der Party von Hannahs bester Freundin Stella kennen – wenn man denn bei einem kurzen Gespräch auf dem Klo schon von kennenlernen sprechen kann. Doch beide fühlen sich zueinander hingezogen, finden alles so unkompliziert. Aber dann stürmt plötzlich Hannahs Freundin Grace ins Badezimmer, um Hannah lauthals mitzuteilen, dass Freddie, an den Hannah doch noch heute Abend ihre Jungfräulichkeit verlieren möchte, endlich auf der Party angekommen ist.
Und so nimmt das Leben seinen Lauf: Für Hannah und ihre Freundinnen und auch für Sam und seine Jungs ist es der Sommer nach den letzten Prüfungen, der Sommer vor dem Erwachsenwerden. Der Sommer, in dem sich Hannah und Sam mehr als ein Mal über den Weg laufen. Und doch wird es den ganzen Sommer brauchen, bis die beiden tatsächlich zusammen kommen und aus Hannah und Sam Sannah und Ham wird.

Meine Meinung:

Ich muss ganz ehrlich sagen, dieses Buch hatte es nicht leicht mit mir. Das Cover fand ich eher doof und den Titel auch. Und dann begann das Buch auch noch in der grässlichsten Jugendsprache, die man sich vorstellen kann. Die Mädchen redeten von ihren Mösen, die Jungen prahlten damit, wie viele Mädchen sie schon “gebangt” hatten. So redet doch kein Jugendlicher!

Ich war anfangs also eher skeptisch eingestellt, aber dann Seite für Seite hatte mich das Buch immer mehr. Die Sprache war nicht mehr ganz so künstlich aufgesetzt (oder fiel mir zumindest nicht mehr auf), die Charaktere waren interessant: insbesondere Hannahs Verhältnis zu ihrer besten Freundin, die immer besser, schöner und beliebter ist als Hannah. Plötzlich konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, wollte wissen, wie es mit Hannah und Sam weitergehen würde, obwohl ich das Ende ja schon kannte. Wollte dabei sein, wenn sich die beiden endgültig fanden. Und vor allem wollte ich miterleben, wie sich Hannah endlich mal gegenüber Stella behaupten würde.

Die beiden Autoren, die übrigens schon seit der 6. Klasse miteinander befreundet sind, verleihen jeweils Hannah und Sam abwechselnd ihre Stimme. Ein mittlerweile beliebtes Erzählmittel in Jugendbüchern. Und auch hier führt es dazu, dass man wahlweise Hannah oder Sam gerne schütteln und rufen würde: “Was erzählst du da für ein Mist, er/sie mag dich doch auch. Ihr könntet doch sofort miteinander glücklich werden!” – aber dann wäre die Geschichte eben auch schon nach wenigen Seiten zuende und würde gar nicht mehr so viel Platz für alles andere haben.

Die Geschichte von Hannah und Sam ist nämlich wirklich schön und doch steht sie für mich gar nicht unbedingt im Vordergrund. Für mich geht es in diesem Buch viel mehr darum, dass Sam und vor allem Hannah ein Stückchen erwachsen werden und erkennen, dass das nichts damit zu tun hat, ob man nun noch vor dem College seine Jungfräulichkeit verliert oder nicht, sondern viel mehr damit, sich selbst besser kennenzulernen, zu wissen, wer man ist und was man wirklich will.

“Sannah & Ham” ist nicht einfach nur eine wunderschöne Liebesgeschichte, sondern viel mehr als das. Es ist ein Buch über das Erwachsenwerden, eine Geschichte von Freundschaft und der Suche nach sich selbst. Und obwohl ich anfangs von der sehr aufgesetzten Jugendsprache etwas genervt war, konnte mich das Buch Seite für Seite von sich überzeugen.  8 von 10 Sternen!

stern 8


Sannah & Ham englisches Cover

Das UK-Cover

 

„Neue Jungs kennenlernen ist ein Thema, über das wir ständig reden. Und es steht ganz oben auf unserer To-do-Liste.“

Jungs kennen lernen, am Wunsch-College aufgenommen werden und die Wichtigkeit der richtigen Klamotten. Themen, die Hannah und ihre Freundinnen Grace, Stella und Tilly beschäftigen. Mädchensachen eben. Und wie ist das bei Jungs? College ebenfalls, klar. Das ist wichtig für die Zukunft. Und sonst so? Partys, feiern und die Jungfräulichkeit verlieren. Ganz wichtig, um erwachsen zu werden. Ein Setting, das den Leser zurückversetzt in die Jugend. Erzählt aus den Perspektiven von Hannah und Sam, deren einzelne Lebensgeschichten sich immer wieder überschneiden. Zum ersten Mal auf einem Klo…

„ ‚Ich finde Abklatschen gut’, sagte ich. ‚Das ist nett und unverbindlich und man kommt nicht so in Verlegenheit. Außer wenn man Probleme mit der Handkoordination hat und den anderen voll ins Gesicht klatscht oder so…’“

Es ist der Sommer, in dem Hannah, ihre Freundinnen und auch Sam und seine Freunde, wichtige Schritte ins Erwachsenenleben unternehmen. In dem sie den ersten Grundstein für ihre Zukunft legen. Sie stehen kurz davor aufs College zu wechseln und ebenso dicht daran sich zum ersten Mal richtig zu verlieben. Keine leichte Aufgabe, wie Hannah und Sam feststellen müssen. Viel zu viele Fettnäpfchen stehen vor dem ersten Kuss, ja sogar dem ersten Wort, denn das muss schon passend gewählt sein. Außerdem muss man viel Mut haben. Mut neuen Situationen zu begegnen und das Vertrauen zu haben sich einem anderen Menschen zu öffnen.

„Für sie war es ein Missverständnis, weiter nichts. Aber für mich fühlte sich der ganze Sommer falsch an – da steckte mehr dahinter als nur Sam.“

Es ist nicht einfach diese Schritte zu gehen. Auch Freundschaften verändern sich. Entwickeln sich weiter oder verlieren sich. Auch, wenn man die Chance hat, noch einen anderen Abzweig zu wählen oder auch mal ein paar Schritte zurückzugehen, ist es nun soweit den Weg in die Zukunft zu beschreiten. Das Abenteuer beginnt.

„Zum ersten Mal seit ich denken konnte, hatte ich absolut keine Ahnung, was das Leben noch für mich bereithielt. Und das war klasse.“

Lucy Ivison und Tom Ellen haben ein Debüt geschaffen, das mit locker leichter Sprache, witzigen Elementen und sympathischen Protagonisten zu fesseln weiß. Es hat mir so viel Spaß gemacht den beiden Autoren, die abwechselnd aus Hannahs und Toms Perspektive erzählen, zu folgen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und fast in einem Rutsch durchgelesen habe. Es gab die ein oder andere Handlung, die mich ein bisschen genervt hat und die Geschichte war auch anders, als ich es zunächst erwartet hatte, aber dennoch mochte ich die Liebesgeschichte zwischen Hannah und Sam, ihre Stolpersteine aus Freundschaft und Erwachsenwerden richtig gern. Eine Empfehlung für Alle, die sich noch mal in ihre Jugendzeit versetzen lassen möchten, für Alle, die charmante Lovestorys mögen und für diejenigen, die den Sommer einfach nicht gehen lassen können.

„ ‚Es ist ein altes thailändisches Sprichwort, das bedeutet: ’Der Vogel, der am höchsten fliegt, wird nie im Käfig enden.’ Ich finde es gut, weil es mich daran erinnert, dass man immer zu den Sternen greifen muss, um frei zu bleiben.’“

Sannah & Ham – Tom Ellen & Lucy Ivision – Klappbroschur – 400 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-551-52066-1  – erschienen: August 2014 (Carlsen) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren