[Rezension] “Der Tag, an dem wir begannen, die Wahrheit zu sagen” von Susan Juby

Klappentext:

Das Leben ist nichts für Feiglinge…
… denken sich die drei Freunde Dusk, Neil und Normandy, zu Beginn des 11. Schuljahres und starten ein gewagtes Experiment: Einmal jede Woche wird abwechselnd einer der drei einem Menschen aus ihrer Schule eine Frage stellen, die bisher keiner auszusprechen wagte, obwohl alle nach der Antwort lechzen. (Quelle)

Meine Meinung:

Alles begann damit, dass Aimee, die Mitschülerin von Dusk, Neil und Normandy, nach den Ferien mit einem deutlich größeren Busen und einer sehr viel schmaleren Nase in die Schule kommt. Neil beschließt, Aimee darauf anzusprechen. Und obwohl die beiden anderen erwarten, dass es ihr unangenehm sein würde, reagiert Aimee total positiv und dankbar. Aus diesem Grund gründen die drei die Wahrheitskommission und beschließen, wöchentlich neue Wahrheiten herauszubekommen.
Doch gerade Normandy hat so ihre Probleme mit diesem Projekt, was vor allem daran liegt, dass es bei ihr zu Hause niemand wagt, die Wahrheit auszusprechen…

“‘Das hat nichts mit Klatsch und Tratsch zu tun’, sagte ich. ‘Leute auf die Wahrheit anzusprechen, hat eine spirituelle Funktion.’
Mr Thomas’ breites Grinsen wurde ernst. ‘Dann muss ich das falsch verstanden haben. Ich dachte immer, be so spirituellen Geschichten ginge es in erster Linie darum, die Wahrheit über sich selbst herauszufinden.'” (S. 138)

Im Laufe der Geschichte finden Dawn und Neil nicht nur so einige Wahrheiten über ihre Mitschüler heraus, sondern vor allem beginnt Normandy etwas über ihre Familie und über sich selbst herauszufinden. Diese Entwicklung fand ich total interessant und spannend zu begleiten. Für mich stellt dies die eigentliche Handlung der Geschichte dar.

Ein Großteil der Handlung findet an der Green-Pastures-Academy statt, einer Schule für künstlerisch besonders begabte Jugendliche. Das Setting hat mir richtig gut gefallen, denn es bietet viel Potenzial für besondere Haupt- und Nebenfiguren. Derzeit schreibt die Autorin an einem weiteren Buch, das an der Akademie spielt. Ich kann mir gut vorstellen, auch das zu lesen.

Die Schreibweise ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig und anstrengend. Die Geschichte wird in Essayform aus der Sicht von Normandy erzählt und beinhaltet viele Fußnoten, die ich ehrlich gesagt oft überlesen habe, da sie den Lesefluss ziemlich unterbrechen.

Insgesamt geht es in diesem Buch weniger um Liebe und Highschool-Tralala, als man angesichts des Covers denken mag. In meinen Augen geht es vor allem darum, dass Normandy versucht herauszufinden, was in ihrer Familie eigentlich schief läuft. Sie versucht sich von ihrer sehr erfolgreichen Schwester abzugrenzen und herauszufinden, wer sie wirklich ist. Die Thematik und auch die Charaktere finde ich unglaublich spannend. Die Umsetzung ist nicht durchweg gelungen. Dennoch würde ich einem zweiten Buch der Autorin gerne eine Chance geben. Ich vergeb hierfür 7 von 10 Sternen.

stern 7

Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen – Susan Juby – Hardcover mit SU – 352 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-570-15998-9 – erschienen: April 2015 (cbj) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] “Ruinen: Partials 3″ von Dan Wells

Reiheninfo:

  1. “Aufbruch”
  2. “Fragmente”
  3. “Ruinen”

Klappentext:

Die Zeit läuft ab und die Welt steht am Rand des letzten Krieges. Er wird das Schicksal beider Gattungen, der Menschen und der Partials, besiegeln. Während beide Seiten aufrüsten, um den vernichtenden Schlag zu führen, hat Kira Walker endlich ein Heilmittel für die Partials gefunden. In ihrem verzweifelten Bemühen, den Untergang zu verhindern, muss Kira bereit sein, alles zu opfern – selbst wenn es ihr eigenes Leben ist … (Quelle)

Meine Meinung:

Die ersten beiden Bände dieser Dystopie-Trilogie habe ich gern gelesen, auch wenn die Zusammenhänge immer ziemlich komplex sind. Die beschriebenen Vorgänge sind oft recht medizinisch und die Erforschung teilweise etwas langwierig. Trotzdem habe ich mich meist wie in einem Actionfilm gefühlt, konnte mir die beschriebenen Szenen wunderbar vorstellen.

“Du bist Kira Walker, und du wirst die Welt nicht retten, weil du die Auserwählte bist, sondern weil du es tun willst. Niemand auf der Welt setzt sich mehr für seine Ziele ein als du.” (S. 393/394)

Mit “Ruinen” findet die Reihe nun ihren Abschluss. Ich habe auch dieses Buch gerne gelesen, allerdings hat es auch deutliche Schwächen. Zum einen gibt es in meinen Augen kaum neue Handlung. Es passieren zwar wieder viele Dinge, die Kira davon abhalten, die Welt zu retten, aber das kennt man eben schon. Und auch die wenigen Neuheiten lesen sich sehr gewollt und fügen sich für meinen Geschmack nicht gut genug in die Haupthandlung ein.

Zum anderen gefällt mir der Schluss nicht wirklich. Er wirkt ziemlich überhastet. Da braucht Kira nun drei Bände, um die Welt zu retten und dann ist quasi sofort Schluss. Schade eigentlich, denn ich hätte gerne noch ein oder zwei kleine Szenen gelesen.

Ansonsten unterhält der Abschluss trotzdem durch die gewohnten Vorzüge der Reihe: Interessante Charaktere, mitreißende Beschreibungen und eben die Partials-Thematik.

Obwohl ich mich beim Lesen des dritten Bandes der Partials-Trilogie nicht gelangweilt habe, bleibt irgendwie ein bitterer Nachgeschmack. Mir scheint es so, als wäre dem Autor beim Schreiben dieses Buches ein wenig die Luft ausgegangen. Mir passiert zu wenig wirklich Neues und die Gestaltung des Endes hat mir auch nicht gefallen. Ich vergebe knappe 6 von 10 Sternen!

stern 6

Ruinen: Partials 3 – Dan Wells – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-492-70284-3 – erschienen: April 2015 (ivi)

[Rezension] “Aprikosensommer” von Deniz Selek

Klappentext:

Eve fliegt mit ihrer Mutter nach Istanbul, um ihren Vater ausfindig zu machen. Fünfzehn Jahre lang hat ihre Mutter alle Fragen nach ihm abgeblockt. Als er dann tatsächlich vor Eve steht, hat sie das Gefühl, endlich den fehlenden Teil ihrer Identität gefunden zu haben. Und dann ist da auch noch ihr Dolmetscher Sinan, in den sie sich Hals über Kopf verliebt … (Quelle)

Meine Meinung:

Der Klappentext zu diesem Buch ist etwas irreführend. Er suggeriert, dass ein Großteil der Handlung in Istanbul spielt. Tatsächlich findet die Handlung aber zunächst lange Zeit in Deutschland statt: Eve will seit jeher wissen, wer ihr Vater ist. Doch immer wieder sperrt sich ihre Mutter und scheint selbst nicht in dieses Kapitel ihres Lebens eintauchen zu wollen. Doch für Eve wird es immer wichtiger, mehr über ihren Vater zu erfahren und so den fehlenden Teil ihrer Identität zu ergänzen. Schließlich gibt ihre Mutter mit großem Zögern nach…

“Aprikosensommer” ist eine Geschichte, in der es vor allem um die eigene Identität, um Gefühle und Erinnerungen geht. Es ist weniger eine Liebesgeschichte – auch hier weist der Klappentext in eine etwas falsche Richtung. Der Wunsch von Eve, mehr über ihren türkischen Vater zu erfahren, ist absolut nachvollziehbar und wird überzeugend dargestellt.

“Da, wo bei den meisten Menschen ein Bild ist, wenn sie an ihren Vater denken, war bei mir nur ein leerer Rahmen. Ich besaß kein einziges Foto von ihm, ich wusste nicht, wie er aussah oder wie er war. Das Einzige, was mir meine Mutter irgendwann verraten hatte, war, dass er Cengiz hieß und Türke war.” (S. 42)

Irgendwann aber kann Eve ihre Mutter überzeugen und die beiden reisen nach Istanbul, damit Eve ihren Vater kennenlernen kann. Die Beschreibungen der Stadt sind wundervoll und haben dazu geführt, dass ich Istanbul irgendwann ein Mal tatsächlich erleben möchte. Die Atmosphäre, die die Autorin hier erschafft, ist mit den Händen greifbar.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich die Beziehung zwischen Eve und ihrer Mutter. Sie wird sehr unterschiedlich dargestellt. Mal scheint es so, als würden sich die beiden – abgesehen von dem ewigen Konflikt um die Identität von Eves Vater – ganz gut verstehen, dann wieder zweifelt Eve an der Liebe ihrer Mutter. Mich persönlich hat das beim Lesen etwas gestört. Ich weiß aber von einer Freundin, dass es ihr gar nicht negativ aufgefallen ist.

Insgesamt ist “Aprikosensommer” ein tolles Jugendbuch, das gerade in der Zeit, in der viele Jugendliche ihren Vater nicht kennen, brandaktuell ist. Es besticht durch den überzeugenden Wunsch von Eve, endlich ihren Vater kennenzulernen, und durch die tolle Atmosphäre, die man beim Lesen der Beschreibungen der Erlebnisse in Istanbul greifen kann. Aufgrund kleiner Kritikpunkte muss ich jedoch ein paar Sterne abziehen und vergebe insgesamt 7 von 10 Sternen.

stern 7

Aprikosensommer – Deniz Selek – Klappbroschur – 288 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-7335-0066-5 – erschienen: März 2015 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Sonntagsgeplauder] 17.5.2015

Buchgeplauder

Zwei Bücher habe ich innerhalb der letzten Woche gelesen: Zum Einen habe ich am Sonntag draußen in der Sonne “Das Jahr, in dem ich dich traf” von Cecelia Ahern verschlungen, zum Anderen habe ich “Hellwach” von Hillary T. Smith gelesen. Zu dem Buch wird es auch noch eine Rezension geben, aber die braucht noch ein bisschen. Ich bin sehr unschlüssig, was das Buch angeht.

Nachher werde ich mir mal den dritten Band der Partials-Reihe schnappen – “Partials 3: Ruinen”. Ich bin wirklich gespannt und hoffe, dass ich mich noch an Alles aus dem zweiten Band erinnern kann.

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Zwei Bücher sind diese Woche neu bei mir eingezogen. Im Piper-Verlag ist eine Novellen-Sammlung von Alexey Pehov erschienen: “Schattendieb”. Ich bin total gespannt auf die Geschichten. Eigentlich lese ich so etwas nicht, aber – hey – es stammt aus der Feder von Pehov! <3
Das zweite Buch habe ich bei einer Facebook-Aktion vom Beltz Verlag gewonnen! VIELEN DANK! Ich bin total gespannt, vor allem weil “2 1/2 Gespenster” gerade den Peter-Härtling-Preis gewonnen hat.

Außer “Das Jahr, in dem ich dich traf” habe ich in dieser Woche auch noch das tolle “Love Letters to the Dead” von Ava Dellaira rezensiert. Langsam werde ich wieder besser mit dem Schreiben von Rezensionen. Wurde auch Zeit!!!

Lebensgeplauder

Irgendwie lässt die Krankheit mich nicht so richtig los. Ich habe zwar wieder eine Stimme, dafür einen total anstrengenden Reizhusten. Immerhin konnte ich von Montag bis Mittwoch arbeiten und hatte dann dank Feier- und Brückentag ein langes Wochenende. Aber Spaziergänge sind gar nicht und Treffen mit Freunden tatsächlich nur eingeschränkt möglich. Langsam nervt es mich! Dafür habe ich mal wieder die fünfte Staffel von “Friends” geguckt. Hach, die Serie ist einfach toll!!! :)

Drückt mir die Daumen, dass ich die lange Woche gut überstehe und nicht wieder zu Hause bleiben muss. Am Dienstag werde ich noch ein Mal zum Arzt gehen und meine Blutwerte überprüfen lassen.

Und weil ich euch keine Fotos von Wanderungen zeigen kann, gibt es hier einen kleinen Eindruck von meiner Terrasse:

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Bloggereigeplauder

In dieser Woche fand ich zwei Artikel auf anderen Blogs besonders interessant:

Tina hat “Serafina: Die Schattendrachen erheben sich” rezensiert. Ich mochte den ersten Band recht gerne. Ob es sich lohnt, auch Band 2 zu lesen, könnt ihr hier nachlesen.

Bei Neyasha dreht sich in diesem Blogpost alles um das Thema gekürzte und ungekürzte Hörbücher. Ich finde es besonders schön, dass bei ihr die Kommentarbeteiligung oft recht hoch ist und tatsächlich kleine Diskussionen entstehen.

[Rezension] “Love Letters to the Dead” von Ava Dellaira

Klappentext:

Es beginnt mit einem Brief. Laurel soll für ihren Englischunterricht an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Sie wählt Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Aus dem ersten Brief wird eine lange Unterhaltung mit toten Berühmtheiten wie Janis Joplin, Amy Winehouse und Heath Ledger. Denn die Toten verstehen Laurel besser als die Lebenden. Laurel erzählt ihnen von der neuen Schule, ihren neuen Freunden und Sky, ihrer großen Liebe. Doch erst, als sie die Wahrheit über sich und ihre Schwester May offenbart, findet sie den Weg zurück ins Leben und kann einen letzten Brief an May schreiben … (Quelle)

Meine Meinung:

Seit dem Tod ihrer großen Schwester May ist Laurels Leben nicht mehr so, wie es mal war: Ihre Eltern haben sich getrennt und ihre Mutter ist weit weg auf eine Farm gezogen. Laurel lebt abwechselnd bei ihrem Vater und ihrer sehr christlichen Tante. Auf der neuen Schule kennt Laurel noch niemanden, sie ist nämlich mit Absicht nicht an die ehemalige Highschool ihrer Schwester gegangen. Zu groß ist ihre Angst, dass dort alle von May wissen. Erst langsam knüpft sie Kontakt zu Natalie und Hannah, die aber beide auch ihre eigenen Probleme haben.
Ihr größtes Problem bespricht Laurel aber nur mit den toten Persönlichkeiten, denen sie im Englischunterricht Briefe schreibt. Denn niemand soll wissen, dass eigentlich sie Schuld am Tod ihrer Schwester hat…

Die Rezension zu diesem Buch habe ich lange vor mir her geschoben. Das liegt daran, dass es mir sehr schwer fällt, dieses Buch zu rezensieren, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten. Ich weiß, dass die Geschichte nicht alle Leser begeistert hat. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, woran das liegt. “Love Letters to the Dead” ist unheimlich vielschichtig und tiefgründig. Die Haupthandlung ist vielleicht ansatzweise – aber wirklich auch nur ansatzweise – eine schon bekannte Highschoolgeschichte (Neues Mädchen an der Highschool findet nur mühsam Freundinnen und verliebt sich in einen geheimnisvollen und scheinbar unerreichbaren Jungen.), aber nebenher passiert so viel: nicht nur bei Laurel, sondern auch bei den Nebenfiguren. Seite für Seite erfährt man als Leser mehr über Laurel und ihre Schwester May, über ihr Verhältnis zueinander und schließlich auch die Hintergründe für Mays Tod.

Ich war während des Lesens ganz eingenommen von der Geschichte und von Laurels Versuch mit dem Tod von May klarzukommen, sich selbst zu finden, ohne sich vollständig zu verlieren. Es gab Stellen, da wollte ich sie schütteln und sie vor dem, was sie vorhatte, warnen. Denn Laurels Weg zu sich selbst ist steinig und scheint mehr als ein Mal in den Abgrund zu führen. Und eben das finde ich realistisch.

“Love Letters to the Dead” ist ein sehr authentisches Jugendbuch, das ebenso schonungslos ehrlich wie einfühlsam Laurels Suche nach sich selbst, ihren Umgang mit dem Tod ihrer großen Schwester und ihren Schuldgefühlen beschreibt. Mich haben vor allem der Tiefgang und die Vielschichtigkeit der Charaktere begeistert. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Love Letters to the Dead – Ava Dellaira – Hardcover mit SU – 416 Seiten – 17,99 € – ISBN: 978-3-570-16314-6 – erschienen: Februar 2015 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] “Das Jahr, in dem ich dich traf” von Cecelia Ahern

Klappentext:

Jasmine liebt ihre Schwester und ihre Arbeit. Als sie für ein ganzes Jahr freigestellt wird, weiß sie überhaupt nicht mehr, was sie tun soll – und wer sie eigentlich ist.
Matt braucht seine Familie und den Alkohol. Ohne sie steht er vor dem Abgrund.
Jasmine und Matt sind Nachbarn, doch sie haben noch nie miteinander gesprochen. Da Jasmine so viel freie Zeit zu Hause hat, beginnt sie, Matt zu beobachten. Sie macht sich ihre Gedanken über ihn und fängt in ihrem Kopf Gespräche mit ihm an. Nur in echt will sie mit diesem Kerl nichts zu tun haben – dafür hat sie ihre eigenen, guten Gründe.
Doch dann beginnt ein Jahr voll heller Mondnächte, langer Gartentage und berührender Überraschungen – ein Jahr, das alles verändert. (Quelle)

Meine Meinung:

“So gewöhnte ich mir an, immer in Bewegung zu bleiben, Dinge ins Rollen zu bringen. Ich arbeitete in einem Rhythmus, der mich selbst oft so atemlos machte, dass ich kaum einen Augenblick fand, mich zu besinnen, zu mir zurückzufinden.” (S. 16)

Seit Jasmine mit fünf Jahren erfahren hat, dass auch sie irgendwann sterben wird, will sie jede Minute ihres Lebens unbedingt richtig ausnutzen. Das klingt grundsätzlich erstmal gut, bdeutet für Jasmine aber, dass sie unglaublich viel arbeitet, kaum Zeit für sich hat und eigentlich nie zum Stillstand kommt.

Als sie von ihrem Geschäftspartner auf ein Mal für ein Jahr freigestellt wird, hat sie plötzlich sehr viel Zeit; Zeit, mit der sie gar nichts anzufangen weiß. Und so beginnt sie nicht nur ihren bis dahin zugepflasterten Garten umzugestalten, sondern auch ihren Nachbarn Matt zu beobachten, der oft abends volltrunken nach Hause kommt, um dann dort laut an der Tür Einlass zu fordern. Eher unfreiwillig kommen die beiden sich näher.
In dem Jahr der Freistellung muss Jasmine unheimlich viel lernen: über ihr Verhältnis zu ihrer großen Schwester, die Down-Syndrom hat, über ihre Nachbarn und nicht zuletzt über sich selbst…

Dieses Buch lag einige Monate ungelesen bei mir zu Hause. Irgendwie gab es immer Bücher, die verlockender waren. Dann unterhielt ich mich mit einer Freundin über Cecelina Ahern und wir erinnerten uns an das, was ich auch kurz nach dem Beginn von “Das Jahr, in dem ich dich traf” feststellen würde: Cecelia Ahern schreibt einfach wundervolle Geschichten, die den Leser komplett einnehmen und mitreißen. Bewundernswert finde ich, dass sie genau die richtige Mischung zwischen Ernsthaftigkeit, Humor, Romantik und Weisheit findet, ohne dabei schnulzig oder kitschig zu schreiben.

An diesem Buch haben mich vor allem die Charaktere fasziniert: Matt ist eigentlich ein Anti-Held und in vielen Situationen wirkt er eher unsympathisch. Und trotzdem hat man ihn irgendwann gerne und kann sich gar nicht erklären, woran das eigentlich liegt. So geht es Jasmine übrigens auch. Die zweite Person, die mich unheimlich beeindruckt hat, ist dennoch nicht Jasmine, sondern ihre große Schwester Heather, eine junge Frau mit Down-Sydrom. Heather ist ein wundervoller, starker und kluger Charakter, der mich ein Mal sogar zum Weinen gebracht hat.

“Das Jahr, in dem ich dich traf” ist ein wundervolles Buch, klug und wichtig. Es macht dem Leser bewusst, wie wichtig es gerade in der heutigen Gesellschaft ist, zu entschleunigen und durchzuatmen, bewusst auf seine Mitmenschen und vor allem auf sich selbst zu achten. Die Geschichte überzeugt durch einen für Ahern typischen grandiosen Schreibstil und durch tolle Charaktere. 8 von 10 Sternen.

stern 8

Das Jahr, in dem ich dich traf – Cecelia Ahern – Klappbroschur – 384 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8105-0153-0 – erschienen: Februar 2015 (Krüger Verlag)

[Sonntagsgeplauder] 10.5.2015

Buchgeplauder

Da ich immer noch krankgeschrieben bin, hatte ich diese Woche viel Zeit zum Lesen. Wie im letzten Sonntagsgeplauder schon angekündigt, habe ich mit “Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen” von Juby begonnen. Das Buch hat mir gut gefallen, mich aber nicht total übermäßig begeistert. Danach habe ich ein Buch betagelesen, von dem ich sehr hoffe, dass es trotz seines nicht unbedingt einfachen Themas bei einem Verlag Anklang findet. Mehr sage ich da erstmal noch nicht zu.

Und weil es mir dann immer noch nicht besser ging, habe ich alle drei Ismael-Bücher hintereinander gelesen, in der Hoffnung, dass sie mir mit ihrem Wohlfühlfaktor den letzten Rest Gesundheit bringen. Wären nicht andere nervige Dinge dazwischen gekommen, hätte das bestimmt auch geklappt.

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Neu eingezogen ist diese Woche bei mir nur ein Buch und zwar “Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck”, das mir eine liebe Freundin zugeschickt hat. Ich werd’s mal mit in die Schule nehmen (sehr passend, weil es aus der Sicht von einer Schulsekretärin erzählt wird) und in meinen Freistunden ein bisschen darin lesen. Ich glaube dafür eignet es sich prima.

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Rezensiert habe ich übrigens “Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst”. Ein sehr lesenswertes Buch.

Lebensgeplauder

Hier gibt es gerade nicht viel zu berichten. Ich bin, obwohl ich mich so geschont habe, immer noch nicht richtig ganz gesund. Und ansonsten bin ich gerade von vielen Dingen sehr genervt, z.B. von der Auflösung der Kölner Wohnung. Manche Menschen werden, sobald es um Geld geht, scheinbar sehr unangenehm.

Immerhin scheint gerade die Sonne und ich werde mich gleich mal ein bisschen nach draußen setzen, in der Hoffnung, dass mich ein Buch ein wenig ablenken kann.

Da ich mich gerade gar nicht richtig auf irgendwas konzentrieren kann, entfällt heute das Bloggereigeplader. Und ich hoffe, am kommenden Sonntag kann ich mit besserer Laune bloggen.

[Zitat] Aus: “Love Letters to the Dead”

“Wir schlendern in der Dunkelheit durch die Straßen unseres Viertels, und unsere Schatten erstrecken sich über die ganze Länge der Straße und verschmelzen miteinander, wenn wir uns küssen. Sobald mein Schatten von seinem verschluckt wird, ist alles ausgeblendet, woran ich mich nicht erinnern möchte, und ich kann mich in dem verlieren, was schön ist.”
(Ava Dellaira, S. 131/132)

[Rezension] “Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst” von Cheryl Strayed

Klappentext:

„Die Frau mit dem Loch im Herzen, das war ich.“ Gerade 26 geworden, hat Cheryl Strayed das Gefühl, alles verloren zu haben. Und so trifft sie die folgenreichste Entscheidung ihres Lebens: die mehr als tausend Meilen des Pacific Crest Trail zu wandern, durch die Wüsten Kaliforniens, über die eisigen Höhen der Sierra Nevada, durch die Wälder Oregons bis zur „Brücke der Götter“ im Bundesstaat Washington – allein, ohne Erfahrungen und mit einem Rucksack auf dem Rücken, den sie „Monster“ nennt. Diese Reise führt Cheryl Strayed bis an ihre Grenzen und darüber hinaus … (Quelle)

Meine Meinung:

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter läuft in Cheryls Leben eigentlich alles schief, was schieflaufen kann: Sie betrügt ihren Mann, den sie eigentlich sehr liebt. Sie beginnt, Drogen zu nehmen. Und die Familie (ihre Geschwister und ihren Stiefvater) kann sie auch nicht zusammenhalten.

Vier Jahre nach dem Tod ihrer Mutter trifft Cheryl eine Entscheidung, die ihr Leben verändern soll: Sie macht sich auf den Weg, um große Teile des Pacific Crest Trail (PCT) zu wandern. Wie hart und schwer diese Wanderung sein wird, war ihr voher nicht klar. Was vermutlich gut ist, denn ob sie diese Wanderung dann trotzdem gemacht hätte, ist unklar.

“Ich blickte nach Süden, wo ich herkam, in das wilde Land, das mich vieles gelehrt und mich demütig gemacht hatte, und erwog meine Möglichkeiten. Mir war klar, dass es nur eine gab. Es gab immer nur eine.
Weitergehen.” (S. 15)

Ich habe selbst vor einigen Jahrten das Wandern für mich entdeckt und festgestellt, wie sehr man dabei zu sich selbst findet, Dinge verarbeiten und Stress abbauen kann. Umso spannender liest sich das Buch für mich, weil ich die Erfahrungen, die Cheryl Strayed gemacht hat, im Kleinen (meine bisher längste Wanderung war 19 Kilometer lang) nachvollziehen kann.

Cheryl erzählt ihre Geschichte abwechselnd: Mal gibt es Rückblenden in ihre Vergangenheit (die Kindheit, so wie die Zeit nach dem Tod ihrer Mutter), dann wieder berichtet sie von ihrer Wanderung auf dem PCT, von den vielen Hürden, den schönen und bewegenden Momenten und vor allem von den Begegnungen mit anderen Wanderern. Ich habe gebannt jedes Wort aufgesogen, mitgefiebert, mitgelitten und habe jetzt ein kleines bisschen Sehnsucht, nach einer längeren Wanderung – nur ganz so anspruchsvoll muss sie nicht sein.

“Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst” ist im wahrsten Sinne ein bewegendes Buch: Mit jedem Schritt verarbeitet die Autorin ein Stückchen ihrer Vergangenheit. Und mit jedem Satz taucht der Leser in das Leben von Cheryl Strayed ein, teilt ihre Schmerzen, ihren Galgenhumor und ihre Erfahrungen – und wird dabei innerlich auch ein bisschen bewegt. Volle Punktzahl!

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Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst – Cheryl Strayed – Klappbroschur – 448 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-442-15812-6 – erschienen: April 2014 (Goldmann)