[Rezension] „Was so in mir steckt“ von Barry Jonsberg

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Wann habt ihr das letzte Mal beim Lesen so richtig herzhaft gelacht? Nicht nur ein Mal kurz, sondern über mehrere Seiten lang? Bei mir war es das letzte Mal auf den ersten Seiten von „Was so in mir steckt“.

Ich hatte das Buch schon beim Durchblättern der Verlagsvorschauen gesehen und erstmal unter „Ja, klingt interessant, aber gerade lese ich ja gar nicht mehr so viel Jugendliteratur“ abgespeichert. Dann bin ich im Buchladen nochmal über das Cover gestolpert und habe mir den Klappentext durchgelesen, den ich schon wirklich sehr sympathisch fand. Der ausschlaggebende Kaufgrund war dann das Zitat von einem meiner Lieblingsautoren, Michael Gerard Bauer: „Komisch, einzigartig, inspirierend. Höchste Zeit, dass wir einer Figur wie Rob Fitzgerald begegnen.“

Und natürlich hat Michael Gerard Bauer recht: Rob ist durch und durch liebenswert. Das liegt vor allem daran, dass er so herrlich selbstkritisch und selbstironisch und gleichzeitig bereit ist, hart an sich zu arbeiten.

Rob ist dreizehn und verliebt. In seinen Augen ist Destry Camberwick das tollste Mädchen auf der Schule. Er würde quasi alles tun, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Dass er unter Panikattacken leidet und Fremden gegenüber eigentlich kaum ein Wort herausbekommt, erschwert die Situation erheblich. Zum Glück hat Rob aber nicht nur seinen besten Freund, sondern vor allem auch noch seinen schrulligen Großvater an seiner Seite.

Barry Jonsberg ist einer der bekanntesten australischen Autoren. Er hat Psychologie und Englisch studiert und als Lehrer gearbeitet, bevor er Schriftsteller wurde. Die Nähe zu jungen Menschen und die psychologische Feinfühligkeit kann man deutlich in seinen Büchern erkennen. Schon mit „Das Blubbern von Glück“ konnte er mich total begeistern.

„Was so in mir steckt“ ist mindestens genauso toll: Lustig, traurig, herzerwärmend und überraschend. Sehr raffiniert aufgebaut und konzipiert. Ein tolles und kluges Buch! 10 von 10 Sternen!

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Was so in mir steckt – Barry Jonsberg – Hardcover mit Schutzumschlag – 352 Seiten – 18,00 € – ISBN: 978-3-570-16553-9 – erschienen: September 2019 (cbj) – Übersetzung: Ursula Höfker – Altersempfehlung: ab 13 Jahren

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[Rund um’s Buch] A Tribute to: Kevin Hearne

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Es ist soweit: Der finale Band um den Eisernen Druiden Atticus O’Sullivan ist erschienen. Die abgebildeten neun Bücher um den sympathischen Druiden und seine Freunde habe ich alle gelesen. Es gibt noch zwei Zwischenbände („Überfallen“ und „Oberons blutige Fälle“), die ich allerdings nicht kenne.

Inhaltlich möchte und kann ich gar nicht so viel zu den Büchern sagen, denn ich würde viel zu viel verraten. Außerdem ist die Handlung unglaublich komplex und bringt im Laufe der Reihe viel Neues. Grob geht es um Folgendes:

Atticus O’Sullivan ist ein zweitausend Jahre alter Druide, der zu Beginn der Handlung eine kleine Buchhandlung betreibt und ein bisschen magischen Kleinkram verkauft. Hier in Arizona hofft er, sich vor Göttern und Feen verstecken zu können, denn mit den meisten von ihnen steht er auf Kriegsfuß. Dass das nicht klappen wird, ist schnell klar. Und so begegnet Atticus gemeinsam mit seinem Wolfshund Oberon in den folgenden Bänden nicht nur allen möglichen Gottheiten der verschiedensten Religionen, sondern auch Vampiren, Werwölfen, Feen und Eibenmännchen. Und obwohl der sympathische Druide eigentlich darum bemüht ist, alles richtig zu machen und vor allem GAIA (der personifizierten Erde) zu dienen, macht er sich mehr Feinde als Freunde …

Kevin Hearne hat meiner Meinung nach mit dieser Reihe Großes geschaffen. Die Bücher sind Urban Fantasy vom Feinsten! Humorvoll, kämpferisch und gelungen abseits vom Mainstream!

[Aktion] Fünf Fragen am Fünften – September 2019

Es ist mal wieder soweit: Es ist der 5. des Monats und damit Zeit für die 5 Fragen von Luzia Pimpinella.

1. Wofür bist du dir zu schade?

Huiui, die Frage geht ja direkt ins Eingemachte. Aber man soll ja das aufschreiben, was einem als erstes einfällt, oder? Ich bin mir zu schade (und zu wichtig), um mich von der schlechten Laune anderer Leute herunterziehen zu lassen. Ich habe da den ein oder anderen Menschen bei der Arbeit im Kopf. Viel zu oft wird gemeckert, viel zu viel ist immer nur blöd. Das möchte ich nicht. Ich möchte trotzdem gute Laune haben, möchte meine Arbeit gerne machen und meine Schülerchen mögen.

2. Was isst du, wenn du frustriert bist?

Früher war ich ein absoluter Frustesser. Und ein Langeweileesser. Und ein Genussesser. Das hat sich zum Glück deutlich verbessert, seit ich mich seit mittlerweile 4 Jahren kohlenhydratarm (und mehr oder weniger LCHF – low carb, high fat) ernähre. Trotzdem esse ich immer noch gern und sicherlich oft auch etwas mehr. Aber schmeckt einfach auch so lecker. 😉
Ich glaube, bei Frust esse ich oft irgendwas Fertiges, für das ich mich nicht noch lange in die Küche stellen muss. Da gibt es für mich gar nicht so viel – die meisten Fertiggerichte enthalten Kohlenhydrate. Zum Glück gibt es noch Camembert, Mozzarrellasticks und neuerdings sogar ein leckeres low carb Eis. 😛

3. Wann bist du das letzte Mal in einem Vergnügungspark gewesen?

Das war damals (ich schätze 2012 oder 2013) mit meiner lieben Förderschulklasse aus Leverkusen. Ich bin absolut kein Fan von Vergnügungsparks. Das ist mir alles viel zu aufregend und gefährlich. Ich weiß noch, dass ich als Kind mit meinem Onkel mal im Heidepark war und er ganz enttäuscht war, weil ich immer nur mit dem Tretboot im Kreis fahren wollte. 😀

4. Welches Getränk bestellst du am liebsten in einer Kneipe?

Hmm, in der Regel eigentlich eine Cola Zero, manchmal möglichst sprudeliges Mineralwasser  oder – wenn ich mir mal was gönnen möchte – eine Erdbeer-Basilikum-Limonade. Bei Getränken bin ich mit zumindest beim Weggehen nicht ganz so streng mit den Kohlenhydraten.

5. In welcher Kleidung fühlst du dich am wohlsten?

Hmm, das ist eine schwierige Frage, weil sie so situationsabhängig ist. Zu Hause: Am liebsten eine bequeme, gammelige Jogginghose und irgendein Top. Das ist eigentlich immer das erste, was ich nach der Arbeit anziehe. Gerade in diesem Sommer habe ich weite Haremshosen für mich entdeckt. Kombiniert mit einem kurzen weiten oder einem etwas engeren Oberteil mit nicht zu langen Armen. Mir ist eigentlich tagsüber grundsätzlich warm. Ich bin immer die erste, die im Frühjahr die Jacke weglässt und immer die letzte die Tops gegen Pullover tauscht. (Fun Fact: Nachts brauche ich es aber immer eher warm. Ab unter 20 Grad ist das Körnerkissen ein beliebter Bettbegleiter.)

[Rezension] „Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne“ von Volker Mehnert (Text) und Claudia Lieb (Illustration)

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Leute! Was für ein Buch! Ich bin begeistert. Unendlich begeistert. Und ich habe ein bisschen Sorge, dass ich nicht alle, die diesen Beitrag lesen, dazu bringen kann, sich auch dieses Buch zu kaufen. Denn das ist mein erklärtes Ziel! 🙂

„Wir konnten auf dem Gipfel des Vulkans die Farbe des azurblauen Himmelsgewölbes nicht genug bewundern.“ (S. 22)

Also: „Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne“ ist ein Kindersachbuch, wie ich es mir wünsche. Es ist anschaulich, informativ und unterhaltsam.

Das Buch beginnt mit einem Inhaltsverzeichnis, gefolgt von einem Kartenausschnitt des Atlantiks und Süd- und Mittelamerika, denn hier verbrachte Alexander seine erste wirklich große Forschungsreise, der sich das Buch zu einem Großteil widmet. Immer wieder habe ich zwischendrin zurückgeblättert, um mich sowohl räumlich als auch zeitlich wieder zu orientieren. Versehen ist der Kartenausschnitt nämlich mit den einzelnen Orten, an denen sich Humboldt länger aufgehalten hat, seiner Reiseroute und den Reisedaten. Sehr übersichtlich.

„Die Fahrt auf dem Fluss ist spannender als die Reise durch die Llanos, aber auch noch gefährlicher. Die Krokodile, die am Ufer dösen oder im Fluss schwimmen, sind nicht zu zählen. Riesenschlangen schlafen auf den Bäumen oder schlängeln sich im Wasser. Jaguare schleichen durch den Dschungel.“ (S. 42)

In kurzen, spannenden Kapiteln wird über das Leben von Alexander von Humboldt berichtet: Von seiner Zeit als Jugendlicher und Student des Bergbaus, über seine große Forschungsreise nach Amerika, bis hin zu seinem Leben als angesehener und berühmter Wissenschaftler in Europa. Unterbrochen sind die Schilderungen durch wundervolle Illustrationen und kurze Exkurse zu einzelnen Sachverhalten, z.B. den Passatwinden, den Inkas oder dem Mammutbaum. Diese sind so in das Layout eingebunden, das man sie bei Interesse gut lesen, sie aber genauso gut überspringen kann. Immer wieder werden auch Zitate Humboldts eingestreut, die seine absolute Begeisterung für die Natur, die Menschen und vor allem für den großen Zusammenhang zwischen allem deutlich machen.

„Ich hatte seit meiner ersten Jugend den glühenden Wunsch nach einer Reise in entfernte und von den Europäern wenig besuchte Länder.“ (S. 11)

Immer wieder habe ich das Lesen unterbrochen, um meinem Freund zwischendurch von Humboldt zu erzählen. Einige Kapitel habe ich ihm sogar voller Begeisterung vorgelesen. Ich wollte mein Wissen, meine Freude und meinen Enthusiasmus einfach mit jemandem teilen. Sehr schnell sind übrigens auch weitere Bücher aus dem Gerstenberg Verlag auf meine Wunschliste gewandert. Ein Titel („Verborgene Schätze. Versunkene Welten“) liegt zum Glück schon griffbereit.

„Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne“ vereint für mich alles, was ich von einem Sachbuch erwarte. Ich lerne dazu, ich fühle mich unterhalten und ich werde begeistert. Was kann ein Buch mehr erreichen?

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Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne – Volker Mehnert (Text) und Claudia Lieb (Illustration) – Hardcover – 112 Seiten – 25,00 € – ISBN 978-3-8369-5999-5 – erschienen: Juni 2018 (Gerstenberg) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

[Geplauder] Laufen, Lesen, Lieblingsmenschen – das waren meine Sommerferien 2019

Habt ihr die tolle Alliteration im Titel bemerkt? Hah, wenn das kein Eyecatcher ist! 😉

Heute ist der letzte (wirklich der allerletzte) Tag meiner Sommerferien. Gestern und heute war ich schon wieder in der Schule, aber ein bisschen Zeit zum Durchatmen und letzten Genießen bleibt heute doch noch. Zeit, um kurz auf die vergangenen Wochen zurückzublicken. Ich muss sagen: Ich hatte eine wirklich schöne Zeit!

Laufen

Mein Rücken möchte weiterhin, dass ich möglichst viel laufe und so habe ich mein Schrittziel in den Ferien zunächst von 10.000 auf 12.000 und dann auf 13.000 Schritte erhöht – und an den allermeisten Tagen sogar erreicht.

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Ich bin ja ein kleiner Zahlenfreund (die Mathelehrerin lässt grüßen) und so konnte ich gerade nicht anders als die Schritte der letzten Tage zusammenzurechnen. In den 6 Wochen Sommerferien bin ich insgesamt 506.499 Schritte gegangen. Das macht im Schnitt (trotz der heißen Tage) von 12.060 Schritten am Tag.

Lesen

Gelesen habe ich in den Sommerferien zum Glück wieder richtig viel. Insgesamt konnte ich 11 Bücher beenden, die mir auch ausnahmslose alle wirklich gut gefallen haben. Hier ein wirklich kurzer Kurzüberblick:

  1. Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“: Kinderbuch – liebevoll – hummelig
  2. „Mein Sommer mit Mucks“: bewegend – Lieblingsautorin – Schullektüre
  3. „Ein Sommer in Sommerby“: Nanni-Tipp – Sommerfeeling – herzerwärmend
  4. „Todesmärchen“: dritter Band – spannend – Maarten S. Sneijder
  5. „Zerschmettert“: würdiger Reihenabschluss – Slomo, das Faultier – Urban Fantasy
  6. „Der Sound meins Lebens“: Urlaubsbuch – sarkastisch – unterhaltsam
  7. „Die Stille zwischen den Sekunden“: überraschend – psychologisch durchdacht – bewegend
  8. „Suche mich nicht“: spannend – geschickt konzipiert – neue Autorenentdeckung
  9. „Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard“: Kinderbuch – wunderschöne Illustrationen – Götter und Helden
  10. „Blind“: Be My Eyes – interessant – Pageturner
  11. „Alexander von Humbold oder Die Sehnsucht nach der Ferne“: informativ – unterhaltsam – toll illustriert
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Blogarbeit mit leckeren Low-Carb-Waffeln

Tatsächlich habe ich in diesem Ferien auch ziemlich viel gebloggt. Ich schaffe es ja selten, mir Blogbeiträge als Entwürfe für stressige Zeiten aufzusparen, obwohl ich mir das immer vornehme. Aber wenn ich dann einen Beitrag oder eine Rezension fertig habe, dann möchte ich sie einfach auch gerne teilen.

Lieblingsmenschen

Tatsächlich habe ich in den Ferien sehr viel Zeit mit vielen verschiedenen Lieblings-menschen verbracht. Mit einer lieben Freundin war ich für ein paar Tage in Holland, mit meinem Herzensmann im Urlaub in Polen. Dann gab es viele Spieleabende, nettes Brunchen, Grillen, spontane Spaziergänge und IKEA-Besuche mit meinem besten Freund. Ich habe mehrere Male Minigolf gespielt, war Bogenschießen und mit einer lieben Freundin und ihrem Sohn im Zoo. Tolle Gespräche, viel Lachen und angenehmes miteinander Schweigen.

Ich muss in meinen Ferien auch gar nicht unbedingt lange Fernreisen machen. Es macht mich auch glücklich, einfach vor Ort mal Zeit und Muße für die Menschen zu haben, die mich glücklich machen.

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In diesem Sinne: Ich wünsche euch eine tolle Zeit – ob alleine oder mit Lieblingsmenschen, ob im Urlaub oder während der Arbeitszeit. Immer!

 

[Rezension] „Blind“ von Christine Brand

Blind

Nathaniel ist zum Essen eingeladen. Um seiner Adoptivmutter eine Freude zu machen, möchte er extra für sie sein blaukariertes Hemd anziehen. Für einen Sehenden ist das kein Problem, doch Nathaniel ist blind. Also nutzt er die App „Be my eyes“, mit deren Hilfe er mit der sehenden Carole verbunden wird, die ihm bei der richtigen Auswahl hilft. Doch noch während des Videochats hört Nathaniel plötzlich auf der anderen Seite der Leitung merkwürdige Geräusche. Carole klingt auf einmal ganz hektisch. Dann ein Kreischen, ein Rumpeln, ein schleifendes Geräusch. Und dann – nichts mehr!

„Hallo?“, brüllt Nathaniel in sein Telefon. „Hallo! Hallo!“
Doch die Leitung bleibt tot. (S. 43)

Nathaniel ist sich sicher, dass er Zeuge eines Verbrechens geworden ist. Allerdings will ihm bei der Polizei niemand glauben (nicht zuletzt, weil Nathaniel auch eine eigene Vergangenheit hat). Und so macht er sich gemeinsam mit seiner Bekannten Milla, der Journalistin, selbst auf die Suche nach Carole …

„Blind“ ist laut Verlagsseite der erste Band um die toughe Journalistin Milla Nova. Darüber habe ich mich gerade beim Recherchieren wirklich gefreut, denn ich kann mir gut vorstellen, die Reihe weiterzuverfolgen. Milla ist nicht die einzige sympathische Figur in diesem Krimi. Auch Nathaniel mochte ich wirklich gerne – nicht zuletzt, weil seine Blindenhündin Alisha immer an seiner Seite ist. Das Szenario, die Charaktere: All das hat mir wirklich gut gefallen.

Die Handlung weiß ebenso zu begeistern: Die Kapitel sind kurz und laden dazu ein, immer noch ein bisschen weiterzulesen – und noch ein bisschen, und noch ein bisschen. Erzählt wird aus vielen verschiedenen Perspektiven. Es gibt einzelne Handlungsstränge, die zunächst scheinbar nicht viel miteinander zu tun haben, dann aber doch sinnvoll zusammenlaufen.

„Der Schrecken tröpfelt träge in ihren Verstand. Der Erkenntnis klopft zunächst leise an, das Klopfen wird drängender und geht in ein lautes Hämmern über, bis sie endlich begreift, dass das kein Unfall war. Dass sie nicht dem Unglück, sondern dem Bösen begegnet ist. Und dass es noch nicht vorbei ist.“ (S. 62)

Bei all der Begeisterung habe ich gerade zum Ende hin auch ein paar kleine Aspekte, die mir nicht so gut gefallen haben. Zum einen suchen zum Schluss zwei Parteien nach Carole, die sich aber leider so gar nicht austauschen. Wenn man das gesammelte Wissen vereint hätte, wäre man viel schneller vorangekommen. Natürlich soll dies die Geschichte besonders spannend machen, weil der Leser mehr weiß als die einzelnen Protagonisten, aber dies kam mir manchmal etwas künstlich vor. Künstlich ist dann auch mein zweites Stichwort, denn zum anderen waren mir einige Hindernisse gegen Ende des Buches zu überzufällig: ein vergessenes Handy hier, ein leer Akku da und schon ist alles etwas dramatischer, aber eben auf eine für mich etwas künstliche Art und Weise.

Dennoch: „Blind“ ist ein wahrer Pageturner, den ich trotz einiger Kritikpunkte wirklich gerne gelesen habe. Ich bin gespannt, wann ich wieder etwas Zeit mit Milla verbringen darf, und hoffe ein bisschen, dass ich vielleicht sogar wieder – zumindest am Rande – auf Nathaniel und Alisha (ja, die Hündin hat es mir wirklich angetan) treffe. 8 von 10 Sternen!

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Blind – Christine Brand – Klappbroschur – 448 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-7645-0645-2 – erschienen: März 2019 (Blanvalet)

[Rezension] „Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard“ von Neil Gaiman (illustriert von Chris Riddell)

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„Es war einmal ein Junge, der wurde Odd gerufen, was heutzutage merkwürdig oder ungewöhnlich bedeutet. Aber damals, zu jener Zeit, an jenem Ort, bezeichnete Odd die Spitze einer Klinge, und es war ein Name, der Glück bringen sollte. (S. 11 – Beginn des Buches)

collagemaker_20190819_163634497.jpgSo beginnt das Kinderbuch von Neil Gaiman, das ich in dieser ganz besonders schönen Ausgabe zu Hause habe. Schnell zeigt sich: Der Wikingerjunge Odd hat gar nicht so viel Glück, wie er mit seinem Namen eigentlich haben sollte. Er hat schon früh seinen Vater verloren und sich dann beim Holzhacken im Wald sein Bein so verletzt, dass er seitdem humpelt. Nun ist er das Gespött der anderen Dorfbewohner. Als dann auch noch der Winter scheinbar niemals enden will und alle Leute im Dorf nur noch streitlustiger werden, beschließt Odd in die einsame Hütte im Wald zu ziehen. Doch dort trifft er auf drei Götter in Tiergestalt: Odin, Thor und Loki. Die drei brauchen Odds Hilfe, denn ein Eisriese hat Asgard eingenommen und die schöne Freya gefangen genommen. Allerdings glauben Odin, Thor und Loki eigentlich gar nicht daran, dass ihnen ausgerechnet der lächelnde Odd helfen kann.

„Wenn es hoffnungslos ist“, sagte Odd, „warum begleitet ihr mich dann?“ (S. 55)

Der lächelnde Odd wird übrigens so genannt, weil er wirklich immer lächelt. Und das obwohl ihm bereits so viel Schlimmes widerfahren ist. Doch Odd scheint einfach nicht aufzugeben und sein Lächeln verwirrt nicht nur die Bewohner aus seinem Dorf.

„Ich bin hier, um die Eisriesen aus Asgard zu vertreiben“, erklärte Odd. Dann schenkte er dem Eisriesen ein großes, glückliches, verwirrendes Lächeln. (S. 86)

Ein wahres Highlight sind die tollen Zeichnungen von Chris Riddell, die etwa die Hälfte der Seiten füllen und sehr atmosphärisch und beeindruckend sind. Ich werde mir an dieser Stelle nicht nur Neil Geiman als Autoren, sondern vor allem auch den Illustrator merken. Mal sehen, ob ich nicht noch weitere von ihm illustrierte Bücher finde.

Mir hat die kurze Geschichte um den tapferen und so zielstrebigen Odd wirklich gut gefallen. Sie ist tatsächlich vor allem für Kinder geschrieben und in ihrem Handlungsverlauf sehr gradlinig. Trotzdem hält sie auch für uns Erwachsenen eine Moral bereit: Gib niemals auf – egal, wie schwer die Situation gerade ist. (Oder aber: Verwirr alle deine Feinde mit einem freundlichen Lächeln!)

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Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard – Neil Gaiman (Autor) und Chris Riddell (Illustrator) – Hardcover mit Stanzungen und Silber-Druck – 124 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-401-60362-9  – erschienen: September 2017 (Arena) – Übersetzung: Andreas Steinhöfel – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

[Rezension] „Suche mich nicht“ von Harlan Coben

Suche mich nicht

Da ich ja erst seit kurzem wieder Thriller lese, war mir bisher noch kein Buch von Harlan Coben über den Weg gelaufen – weder hatte ich etwas von ihm gelesen noch jemals von ihm gehört. Doch neulich in der Buchhandlung sah ich dann „Suche mich nicht“ von dem Autor. Cover und Klappentext konnten mich direkt überzeugen und das Buch kam mit mir nach Hause.

Darum geht es: In der Familie von Simon und seiner Frau Ingrid ist nichts mehr so, wie es wahr. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren sie noch eine glückliche Familie: Vater, Mutter und drei tolle Kinder. Doch ihre älteste Tochter Paige hat sich von ihnen ab- und den Drogen zugewandt. Was haben sie nicht schon alles versucht, um sie zu retten. Doch nun wird Paige vermisst – und will scheinbar von niemandem gefunden werden. Aber Simon gibt nicht auf, er dringt immer tiefer in ihre Welt ein, um seine Tochter zu retten. Ist das überhaupt noch möglich?

„Sie drehte sich immer noch nicht zu ihm um.
Dann rannte sie los.“ (S. 22)

Wie oben schon gesagt, war mir Harlan Coben bis vor kurzem noch kein Begriff – dabei scheint er in der amerikanischen Krimiszene zu den ganz Großen zu gehören und hat dort die drei wichtigsten Krimipreise erhalten. Obwohl ich bisher nur dieses eine Buch von ihm gelesen habe, kann ich das absolut nachvollziehen. Coben schreibt sehr einnehmend und verknüpft dabei auf eine fesselnde Art die persönliche Geschichte von Simon und seiner Familie mit einer Reihe von Mordfällen. Geschickt wechselt er zwischen den einzelnen Erzählperspektiven, so dass sich Seite für Seite mehr von dem Gesamtbild zeigt.

Für mich ist das Ende eines Thrillers immer das Wichtigste: Schafft es der Autor mich hiermit zu überzeugen? Werden am Ende alle losen Fäden sinnvoll verknüpft und ist die Auflösung auch nicht an den Haaren herbeigezogen? Kurz und knapp: Ja! Das Ende hat es in sich. Und wenn man denkt, man wäre nun schon am Ende angekommen, überrumpelt Coben den Leser ein weiteres Mal. Sehr gelungen!

Mir hat „Suche mich nicht“ richtig gut gefallen. Harlan Coben konnte mich mit seiner tollen Schreib- und gekonnten Erzählweise so an das Buch fesseln, dass ich förmlich an den Seiten geklebt habe. Dies wird mit Sicherheit nicht das letzte Buch des US-amerikanischen Autors sein, dass ich verschlingen werde. Volle Punktzahl und damit 10 von 10 Sternen!

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Suche mich nicht – Harlan Coben – Klappbroschur – 480 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-442-20545-5 – erschienen: Juni 2019 (Goldmann) – Übersetzung: Gunnar Kwisinski