[Rezension] „So eine lange Reise“ von Rohinton Mistry

So eine lange ReiseInhalt:

Zum Inhalt des Buches lässt sich wenig sagen, ohne schon zu viel zu verraten. Hauptperson dieser in Indien spielenden Geschichte ist Gustad Noble. Gemeinsam mit ihm steht seine insgesamt fünfköpfige Familie im Vordergrund der Erzählungen. Und wie in jeder Familie gibt es auch in Gustads Familie nicht nur Harmonie und Liebe, sondern auch größere und kleinere Streitigkeiten. Und nicht nur familiär muss Gustad einige Probleme lösen, sondern auch im Bekanntenkreis. Denn er erhält plötzlich von einem seit Jahren verschollenen Freund einen dubiosen Auftrag.

Mistry beschreibt anhand dieser Eckpunkte die Gesellschaft und politische Atmosphäre Indiens in den 70er Jahren und vermittelt dem Leser einen guten Eindruck vom Leben einer mittelständischen indischen Parsi-Familie.

Meine Meinung:

Nachdem ich „Das Gleichgewicht der Welt“ vom selben Autor gelesen habe, hatte ich natürlich extrem hohe Erwartungen an dieses Buch. Diese wurden einerseits erfüllt, andererseits auch wieder nicht. 😉 Mistry hat es insbesondere in der ersten Hälfte des Buches geschafft, mich durch seine grandiose Sprache und Wortgewalt mitzureißen, mich gerade zu in manche Szenen hineinzuziehen. Faszinierend an diesem Buch ist meiner Meinung nach, dass Mistry seine Fähigkeit nicht nur für schöne, harmonische und fröhliche Szenen verwendet, sondern auch vor manch ekligen Szenen nicht halt macht.

Genau wie in „Das Gleichgewicht der Welt“ zeichnet Mistry wieder Figuren, die nicht durchweg gut oder durchweg schlecht sind, was mir sehr gut gefällt. Auf der einen Seite habe ich eine Person noch für sein Handeln verabscheut, auf der nächsten konnte ich es schon wieder nachempfinden oder wurde durch eine gute Tat dieser Person dazu gebracht, sie wieder zu mögen.

Weniger gut gefiel mir, dass ich inhaltlich gesehen nicht wusste, wohin mich der Autor führen wollte. Und dieses Gefühl bleibt auch nach Beendigung des Buches bestehen. Es gibt für mich keinen Haupthandlungsstrang, mehrere Stränge sind gleich wichtig. Auch habe ich den Höhepunkt des Buches vermisst. Letztendlich hat aber genau diese Tatsache dazu geführt, dass ich für mich versucht habe, die Handlungsstränge weiter zu verknüpfen, und die einzelnen Ebenen des Buches noch mal habe Revue passieren lassen, also eigentlich sehr clever gemacht, Herr Mistry! 🙂

Insgesamt gebe ich diesem Buch gerne und wohlverdiente 8 von 10 Sternen, da es wieder gut geschrieben ist, aber für mich nicht an „Das Gleichgewicht der Welt“ heranreicht.

stern 8

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