[Rezension] „Nirgendwo in Berlin“ von Beate Teresa Hanika

Nirgendwo in BerlinInhalt:

Als Gretas Eltern sich trennen, zieht sie mit ihrer Mutter nach Berlin. Dort kennt sie niemanden und die Sommerferien erscheinen endlos lang ohne ihre Freunde. Und auch Gretas Mutter hat kaum Zeit für sie.

„Wie schrecklich deprimierend einem sechs Wochen freie Zeit vorkommen können. Sechs Wochen Sommerferien. Sechs Wochen alleine in einer fremden Stadt.“ (erster Satz)

Insbesondere tagsüber langweilt sich Greta sehr, bis sie beschließt ihre Einsamkeit durch Chatten zu überwinden: Internet wird sie sofort auf ein Mädchen aufmerksam, dessen Eltern sich auch getrennt haben. Die beiden beginnen miteinander zu schreiben und finden schnell einen Draht zueinander. Doch dann ist die neue Freundin plötzlich weg, verschwunden….

Greta befürchtet, dass ihr etwas zugestoßen sein könnte und hat das dumpfe Gefühl, dass das genau hier passiert ist: nirgendwo in Berlin!

Meine Meinung:

Nachdem mich „Rotkäppchen muss weinen“ der gleichen Autorin sehr berührt hat, war ich sehr gespannt auf den neuen Roman von Beate Teresa Hanika.

Genau wie der Debütroman der Autorin ist „Nirgendwo in Berlin“ voller Gefühle und treffender Momentaufnahmen aus dem Leben der fünfzehnjährigen Greta. Ich konnte mich sofort in die Gefühls- und Gedankenwelt der Jugendlichen hineinversetzen. Scheinbar von allen allein und im Stich gelassen sucht sie Kontakt in Chatrooms und findet ihn dort auch. Im Vergleich zu „Second Face“, das ich vor kurzem gelesen habe und das sich auch mit den Gefahren des Internets beschäftigt, zeigt Frau Hanika nicht mit erhobenem Zeigefinger auf das Internet und Social Communties, sondern lässt ihren Lesern selber die Möglichkeit, das Gelesene zu verarbeiten zu bewerten. Sehr gelungen, wie ich finde.

Erzählt wird die Geschichte vor allem aus der Ich-Perspektive von Greta. Unterbrochen wird diese Erzählung durch sehr kurze Kapitel aus der Sicht eines gewissen Parzivals, der mir sehr unheimlich vorkommt und lange Zeit schwer einzuordnen ist. Diese Undurchschaubarkeit und die vermittelte Atmosphäre macht Parzival unheimlich und bedrohlich. Der Aufbau des Buches hat mich hierbei immer wieder an die Jette-Romane von Monika Feth erinnert.

Und genau deswegen, weil ich einen Vergleich zu einem anderen Buch ziehen kann, bin ich leider auch ein wenig enttäuscht. „Rotkäppchen muss weinen“ war für mich wirklich einzigartig. Noch nie habe ich ein so bewegendes, atmosphärisch dichtes Buch gelesen. „Nirgendwo in Berlin“ kann auf eine vergleichbare Weise den Leser mitten ins Geschehen ziehen, trotzdem reiht sich das Buch meiner Meinung nach in einige andere – natürlich hochklassige – Jugendthriller ein.

Doch trotzdem kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der ein Buch voller Emotionen und Sehnsüchte lesen möchte. Ein Buch das meines Erachtens sehr dicht an der Lebenswelt Jugendlicher ist und geschickt eine wirklich spannende Handlung mit eben diesen alltäglichen Problemen verknüpft, ohne aufgesetzt zu wirken.

Ich möchte „Nirgendwo in Berlin“ 9 von 10 Sternen geben.

stern 9

Nirgendwo in Berlin – Beate Teresa Hanika – Hardcover – 269 Seiten – 13,95 €- ISBN-13: 978-3596854059 – erschienen: März 2011 (Fischer )

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