[Rezension] „Simpel“ von Marie-Aude Murail

SimpelInhalt:

Colbert ist 17 Jahre alt. Eigentlich ein ganz normaler französischer Junge, der seinen Schulabschluss machen will, in zwei Mädchen gleichzeitig verliebt ist und einfach mal einen freien Nachmittag genießen will. Doch das ist nicht ganz einfach, denn Colbert muss sich so gut es geht um seinen Bruder kümmern. Simpel ist zweiundzwanzig und geistig behindert. Er befindet sich auf dem Stand eines dreijährigen Kindes, liebt seinen Stoffhasen „Monsieur Hasehase“, stellt jede Menge Unfug an und will auf keinen Fall wieder in die Klinik zurück, in die sein Vater in einmal gesteckt hat. Also kümmert sich Colbert um Simpel. Die beiden ziehen in eine WG und bringen dort das WG-Leben ziemlich durcheinander.

„Warum habe ich keine Uhr?“

„Du hast sie kaputt gemacht, um zu gucken, ob ein Männchen drin ist, erinnerst du dich?“

„Oh, jaaaaaaa“, quietschte Simpel und strahlte verzückt.

„Und war ein Männchen drin?“

„Neinnnnn!“, brüllte Simpel mit der gleichen Begeisterung. (S. 11)

Meine Meinung:

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch, das sich einerseits mit dem Thema der geistigen Behinderung beschäftigt, andererseits aber auch die Belange eines ganz „normalen“ siebzehnjährigen Jungen in den Mittelpunkt der Geschichte stellt. Ich hatte es unter anderem ausgewählt, weil es 2008 von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis ausgewählt wurde.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, in die Geschichte um Colbert, Simpel und die WG-Bewohner einzutauchen. Der Schreibstil ist leicht französisch angehaucht: teilweise kurze, abgehackte Sätze. (Anders kann ich diesen Stil auch nicht beschreiben.) Auch die ständige „Einmischung“ von Monsieur Hasehase in Simples Gedankengänge und sein Handeln und Tun nervte mich anfangs. Doch dann stellte sich mehr und mehr heraus, dass Monsieur Hasehase ein Teil von Simpels Ich darstellt: den Teil, der zu Unfug anstiftet, der auch mal schlimme Wörter sagt, der einfach auch mal Angst hat.

Mindestens die letzten einhundert Seiten von diesem dreihundert Seiten langen habe ich dann verschlungen. Auf diesen Seiten liegen jeweils die Höhepunkte der einzelnen kleinen Erzählungen im Buch. Immer mehr habe ich zu diesem Zeitpunkt auch die meisten der WG- und Hausbewohner ins Herz geschlossen und wollte wissen, wie ihre Geschichte endet.

Von mir gibt es für dieses einfühlsam geschriebene, ein klein wenig kitschige Buch 8 von 10 Sternen. 🙂

stern 8

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