[Rezension] „Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis

Der MärchenerzählerInhalt:

Anna ist siebzehn, steht kurz vor dem Abi und ist irgendwie anders als die anderen. Sie hat zwar einige Freunde an der Schule, doch steht sie oftmals nur daneben, wenn die anderen rauchen, Partys planen und von Sex reden. Anna geht lieber an verschneiten Stränden spazieren, beobachtet im Garten die Vögel und denkt über die Welt nach.

Auch Abel ist anders. Er wird von seinen Klassenkameraden immer nur „der polnische Kurzwarenhändler“ genannt, da er Drogen verkauft. Er kommt unregelmäßig und oft zu spät zur Schule, verschläft ganze Stunden, trägt nur alte Klamotten.

Wie es das Schicksal so will, lernt Anna eines Tages eine andere Seite von Abel kennen: Denn Abel ist nicht nur der verschlossene, unfreundliche Drogenhändler, sondern vor allem auch ein Märchenerzähler. Er ist ein Meister der Worte, wenn es darum geht, seiner kleinen Schwester die fantasievollsten Märchen zu erzählen. Doch wie fantasievoll sind die Märchen wirklich? Steckt nicht auch ein Hauch des wirklichen Lebens in den Geschichten? Außerdem warnt Annas beste Freundin Gitta Anna immer wieder, sich nicht mit Abel einzulassen. Doch Anna kann sich der Ausstrahlung des Märchenerzählers nicht entziehen…

Meine Meinung:

Wenn ich bisher auf anderen Blogs Rezensionen zu diesem Buch gelesen habe, waren diese eigentlich durchweg positiv, sehr überschwänglich. Eine Freundin zum Beispiel hat „Der Märchenerzähler“ sogar zum Buch des Monats erwählt. Dann habe ich nur die Bewertung von Nina von Libromanie gelesen (den Rest der Rezi werde ich erst später lesen) und war verwundert: Nur zwei Sterne hat sie dem Buch gegeben.

Ich kann vorweg nehmen, dass ich weder in totale Begeisterungsstürme verfallen, noch das Buch verreißen werde.

Die Geschichte um Anna und Abel beginnt mit einem eher verwirrenden Prolog, der mich sowohl sprachlich als auch inhaltlich etwas durcheinander gebracht hat. Die Geschehnisse dieser ersten Seiten im Hinterkopf liest sich der Rest des Buches sehr spannend. Ich habe ständig versucht, alle Informationen zu verknüpfen. Wollte wissen, wie die Geschichte weitergeht, wie alles miteinander zusammenhängt. Denn im Prolog erfährt man, dass jemand eine über und über mit Blut bedeckte Frau in den Wald karrt.

Nach dem Prolog, der wie schon erwähnt sprachlich recht konfus ist, liest sich diese Geschichte wirklich leicht und angenehm. Die große Besonderheit des Buches ist die Geschichte innerhalb der Geschichte. Während der eigentlichen Handlung erzählt Abel seiner jüngeren Schwester ein fortlaufendes Märchen. Ich bin absolut kein Märchenfan, doch hat mich diese Einbettung nicht wirklich gestört. Andere Leser mögen gerade in dieser Einbettung den Reiz des Buches ausmachen, doch soweit kann ich dann nicht gehen, dafür mag ich Märchen dann doch zu wenig.

Thematisch ist dieses Buch nicht leicht einzuordnen. Es ist auf keinen Fall ein Fantasy- oder Märchenbuch, wie man vielleicht vermuten könnte. Die Geschichte ist auf jeden Fall für Jugendliche geschrieben, behandelt Themen, die durchaus nicht ganz einfach zu verarbeiten sind. So finde ich die Altersangabe des Verlages von 14 Jahren doch etwas gewagt. Ich würde es eher älteren Lesern ab 16 Jahren empfehlen. Außerdem ist die erzählte Geschichte wirklich spannend, doch trotzdem ist das Buch für mich kein Jugendthriller. Aber das mag vielleicht auch mal wieder die Meinung einer geübten Thrillerleserin sein.

Vielleicht kann man merken, dass ich mich um eine wirkliche Bewertung des Buches etwas drücke, ich kann hier nur versuchen, etwas vage Leseeindrücke von mir aufzuschreiben, denn das Buch hat mich ein bisschen ratlos zurückgelassen. Es ist auf jeden Fall ein gutes Buch, das wichtige Themen aufgreift und den Leser dazu animiert, nicht nur schwarz-weiß zu denken, sondern auch die vielen Grautöne des Lebens wahrzunehmen. Es ist eine Geschichte, die einerseits furchtbar erschreckend und traurig, andererseits aber auch sehr schön ist und die Liebe zum Leben zeigt. Ich möchte dem Buch 8 von 10 Sternen geben, da es mir wirklich gut gefallen, mich allerdings auch nicht total und komplett begeistert hat.

stern 8

Der Märchenerzähler – Antonia Michaelis – Hardcover mit Schutzumschlag – 446 Seiten – 16,95 € – ISBN-13: 978-3789142895 – erschienen: Februar 2011 (Oetinger Verlag)

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