[Rezension] „Einmal“ von Morris Gleitzman

EinmalKlappentext:

Einmal flüchtete ich aus einem Waisenhaus, um meine Mutter und meinen Vater zu finden.

Einmal rettete ich ein Mädchen namens Zelda aus einem brennenden Haus.

Einmal brachte ich einen Nazi, der Zahnschmerzen hatte, zum Lachen.

Ich heiße Felix.

Dies ist meine Geschichte.

Zum Autor:

Morris Gleitzman wurde 1953 in England geboren, 16 Jahre später wanderte er mit seiner Familie nach Australien aus. Sein Großvater war Jude und konnte den Holocaust nur überleben, weil er Polen rechtzeitig verließ.

Eine Inspiration für seine Geschichten war Janusz Korczak, ein jüdischer Arzt, der viele Jahre ein Waisenhaus für jüdische Kinder leitete und letztendlich auch für diese starb.

Meine Meinung:

„Eine ganze Möhre. Ich kann es nicht fassen. Drei Jahre und acht Monate bin ich schon in dem Waisenhaus und ich habe noch nie eine ganze Möhre in meiner Essschüssel gehabt. Von den anderen auch keiner. Nicht mal die Nonnen kriegen ganze Möhren, und die bekommen mehr als wir Kinder, denn sie brauchen ja extra Kraft fürs Heiligsein.“ (S. 8)

Und mit dieser Möhre startet auch Felix’ Geschichte. Er ist neun Jahre alt und Geschichtenerzähler. Seit er von seinen Eltern in das Waisenhaus gebracht wurde, schreibt er all seine Geschichten in einem kleinen Notizbuch auf, damit seine Eltern ihn später anhand der Geschichten als ihren Sohn erkennen können.

Doch als plötzlich Nazis in das Waisenhaus kommen und dort jüdische Bücher verbrennen, beschließt Felix seine Eltern zu suchen und sie vor den Nazis zu warnen: schließlich sind seine Eltern ja jüdische Buchhändler.

Das obige Zitat vermittelt einen sehr guten Eindruck vom Erzählstil des Buches. Die Geschichte beginnt unmittelbar, ohne viele Erklärungen. Es gibt keinen anderen Erzähler als Felix, weswegen die Geschichte für einen Erwachsenen etwas naiv wirken mag. Doch gerade durch die naiven Augen eines Kindes werden die Grausamkeiten der Nationalsozialisten besonders deutlich. Der Autor lässt Felix seine Geschichte im Präsens erzählen, was mich noch mehr in die Handlung hineingezogen hat. Im Laufe des Buches spitzt sich die Handlung immer mehr zu und der Schreibstil wird hektischer, beinahe wie ein Gedankenstrom.

Insbesondere an diesen Stellen hatte ich das Gefühl mittendrin und total dabei zu sein. Es hätte mich nicht erstaunt, wäre ich nach einer Flucht von Felix vor den Nazis auch außer Atem gewesen.

„Ich zittere in der Hitze. So richtig tote Menschen habe ich noch nie gesehen. Richtig tote Menschen sind etwas anderes als tote Menschen in Geschichten. Wenn du richtig tote Menschen siehst, möchtest du weinen.“ (S. 68)

Die Geschichte an sich ist natürlich nichts Neues. Und auch die Erzählweise – aus der Sicht eines Jungen – kannte ich schon aus „Der Junge im gestreiften Pyjama“ und doch hat mir dieses Buch gut gefallen. Insbesondere das Nachwort, in dem der Autor seine jugendlichen Leser direkt anspricht und ihnen erklärt, welchen Bezug er zu dieser Zeit und zum Thema Nationalsozialismus hat, hat bei mir eine Gänsehaut verursacht.

Ich vergebe 8 von 10 Sternen für ein bemerkenswertes Buch zum Thema Nationalsozialismus für Leser ab 11 Jahren.

stern 8

Einmal – Morris Gleitzman – Taschenbuch – 192 Seiten – 8,95 € – ISBN-13: 978-3551358622 – erschienen: Dezember 2009 (Carlsen)

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