[Rezension] „Nach dem Amok“ von Myriam Keil

Nach dem AmokKlappentext:

Einige Monate ist es her, dass David, der fünfzehnjährige Bruder von Maike, zum Amokläufer wurde – und immer noch ist Maikes Welt aus den Fugen. Ihre Eltern tun alles, um die Tat des Sohns zu verdrängen, und in der Schule sieht sich Maike zunehmend einer Wand aus Ablehnung und Misstrauen gegenüber. Auch die Beziehung zu ihrem Freund Yannik bekommt Risse, denn Yanniks bester Freund liegt seit dem Amoklauf schwer verletzt im Krankenhaus. Als dann noch ein Mädchen auNs ihrer Clique das Gerücht in Umlauf bringt, Maike habe vorab von dem Amoklauf gewusst, sieht Maike sich einem zunehmenden Mobbing ausgesetzt … (Quelle)

Meine Meinung:

Ich muss vorab gestehen: Dieses Buch hatte es sicherlich nicht leicht, mich zu beeindrucken. Nachdem ich „Die Hassliste“ zum Thema Amoklauf gelesen habe, vergleiche ich unweigerlich jedes andere Buch zu diesem Thema mit dem absolut grandiosen Buch von Jennifer Brown.

Doch vor allem der Klappentext und das Cover haben mich dazu gebracht, dieses Buch auch zu lesen.

Leider musste ich feststellen, dass „Nach dem Amok“ längst nicht so gekonnt mit diesem sensiblen Thema umgeht wie „Die Hassliste“. Ich habe anfangs gar keine Bindung zu Maike gespürt und kam mir allgemein seltsam distanziert vor. Der Amoklauf an sich wird den Lesern in Form eines Traums von Maike schon relativ früh vor die Nase gesetzt. Einfach so. Ohne dass sich zunächst bruchstückhafte Erinnerungen zu einem Ganzen zusammensetzen. Aber auch hier ist vielleicht „Die Hassliste“ noch zu präsent.

Vor allem hat mich gestört, dass die Beziehung zwischen Jannik (der übrigens nicht Yannik geschrieben wird, wie es bei cbt steht) und Maike sehr im Vordergrund steht. Janniks beste Freundin ist in ihn verliebt und versucht Maike mit allen Mitteln aus der Welt zu schaffen. Anfangs beziehen sich die Mittel, wie im Klappentext auch angedeutet, noch auf den Amoklauf – Maike soll angeblich davon gewusst haben – später aber geht es um „ganz normale“ Teenie-Intrigen.

Ein weiterer Punkt, der mir negativ aufgefallen ist, sind die Umstände unter denen Maike im Laufe der Geschichte eine neue Freundin kennenlernt. Seit dem Amoklauf beobachtet Maike gerne fremde Menschen, so auch irgendwann Kim. Kim findet dies allerdings absolut nicht merkwürdig (wie ich es tun würde), sondern bittet Maike zum Eisteetrinken herein.

Das erscheint mir doch etwas zu unglaubwürdig. Abgesehen davon ist Kim eine tolle Figur, die mir schnell ans Herz gewachsen ist.

Der Schluss hat mir im Gegensatz zum Rest des Buches sehr gut gefallen, was gar nicht unbedingt am Inhalt lag, sondern an dem Schreibstil der Autorin, der mich dann letztendlich doch mitgerissen hat. Auf den letzten Seiten musste ich dann doch ordentlich schlucken und ein bisschen blinzeln.

Das Buch hat sicherlich einige gute Ansätze, doch ist es mir nicht tiefsinnig genug. Ich hätte gerne noch deutlichere Erklärungen für das Verhalten von Maikes Eltern gehabt, hätte mir mehr Veränderungen gewünscht. In Ansätzen lässt sich nachempfinden, wie ein Geschwisterteil von einem Amokläufer fühlt, welche Selbstzweifel und Schuldgefühle aufkommen und auch die Zerrissenheit zwischen Hass und Liebe wird deutlich. Aber wie gesagt: dies alles geschieht nur in Ansätzen! So gibt es von mir nur 5 von 10 Sternen.

stern 5

Nach dem Amok – Myriam Keil – Taschenbuch – 288 Seiten – 7,99 € – ISBN-13: 978-3570307427 – erschienen: April 2011 (cbt) – empfohlenes Alter: ab 12 Jahren (meiner Meinung nach eher etwas älter)

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