[Rezension] „Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“ von Jacqueline Kelly

CalpurniaInhalt:

Texas 1899: Eigentlich sollte die elfjährige Calpurnia langsam lernen, wie man strickt, näht und kocht. In ihrer Freizeit sollte sie am besten Klavierspielen und sich ihre Haare kämen – so wünscht es sich zumindest Calpurnias Mutter. Doch das wissbegierige und neugierige Mädchen hat ganz andere Pläne: Sie stromert lieber durch Natur, beobachtet Tiere (und manchmal auch Pflanzen, obwohl Tiere viel spannender sind) und hilft ihrem etwas schrulligen Großvater, denn er ist es gewesen, der ihr Interesse an der Artenvielfalt und den Zusammenhängen der Evolution geweckt hat.

Und dann entdecken die beiden eines Tages etwas ganz besonderes:

„Er sah mich an: ‚Es ist aber auch möglich, dass wir eine völlig neue Spezies entdeckt haben.’
‚Nein!’, hauchte ich.
‚Möglich ist es. Setzen wir uns erst mal und trinken etwas, dabei können wir über die Sache nachdenken.’“
(S. 161)

Meine Meinung:

Der Klappentext, der Titel und dieses wundervolle Cover haben mir ganz schnell klar gemacht: Dieses Buch muss ich auf jeden Fall lesen. Und meine Einschätzung hat mich nicht getäuscht:

„Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“ ist die liebevoll und unaufgeregt erzählte Geschichte von einem jungen, resoluten Mädchen, das so gar nicht in das Rollenschema ihrer Zeit zu passen scheint. Doch lässt sich Calpurnia weder von ihrer Mutter noch von der besten Freundin, die so ganz anders ist als sie selbst, davon abhalten, ihrem Forscherdrang nachzugeben und in die Welt von Darwin abzutauchen.

Die Geschichte hat ein wenig den Charme von Flavia de Luce. Nicht zuletzt deswegen, weil auch hier ein wissenschaftlich interessiertes Mädchen im Fokus der Handlung steht. Anders als Flavia ist Calpurnia aber nicht so altklug und noch etwas bodenständiger. Sie steht eben erst in den Anfängen ihrer Wissenschaftskarriere. Außerdem ist sie noch so herrlich geschockt von Dingen. So graut es ihr zum Beispiel zunächst davor, wieder im Fluss zu baden, nachdem sie das Flusswasser unter dem Mikroskop betrachtet und dabei die Vielzahl der darin schwimmenden Lebewesen entdeckt hat. Sehr sympathisch!

Ich habe oben schon erwähnt, dass die Geschichte eher unaufgeregt erzählt wird. Es gibt wenig Höhepunkte oder Spannungsmomente, dafür aber ganz viele kleine, nette Begebenheiten. Ich finde, man merkt, dass die Autorin zunächst Kurzgeschichten geschrieben hat. Denn so steht oftmals neben der eigentlichen Rahmenhandlung in den einzelnen Kapiteln etwas Neues im Vordergrund: zum Beispiel das Problem, dass sich Calpurnias ältester Bruder in eine absolut unsympathische junge Frau verliebt hat, oder dass drei andere Brüder (insgesamt hat sie sechs) gleichzeitig in ihre beste Freundin verliebt sind, was kaum gut ausgehen kann.

Für mich klingt es auf jeden Fall sehr verlockend, einen Tag gemeinsam mit Calpurnia und ihrem Großvater in seinem düsteren, nach selbstgebrannten pekannusswhiskeyriechenden Laboratorium zu verbringen. Obwohl das Buch in sich abgeschlossen ist, würde ich mich über eine Fortsetzung sehr freuen. Jacqueline Kelly ist ein wunderbares Debüt gelungen! 8 von 10 Sternen.

stern 8

Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen – Jacqueline Kelly – Hardcover – 336 Seiten – 16,99 € – ISBN 978-3-446-24165-7 – erschienen: Februar 2013 (Hanser) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren (meiner Meinung nach vor allem aber auch für Erwachsene)

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Ein Gedanke zu “[Rezension] „Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“ von Jacqueline Kelly

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