[Geplauder] Diskussion: Ist ein Autor seinen Lesern den Fortsetzungsband schuldig?

Anlass für meine Frage an euch ist der folgende Wortwechsel zwischen Patrick Rothfuss und einem seiner Fans auf Facebook:
Diskussion Rothfuss

Kurz zum Hintergrund: Patrick Rothfuss ist der Autor der Königsmörder-Chroniken, die aus drei Teilen bestehen soll. Der erste (englische) Band erschien im April 2007, der zweite Band fast exakt vier Jahre später im Mai 2011. Bisher gibt es noch kein Datum für das Erscheinen des dritten Bandes.Ich habe schon öfter mitbekommen, dass Patrick Rothfuss davon genervt ist, wenn Fans ihn auf das Erscheinen des dritten Bandes ansprechen und ihm quasi – so wie dieser Leser hier auch – Vorwürfe machen, dass er anderweitig so aktiv ist.

Meine Frage ist jetzt:

  • Hat ein Fan das Recht dazu, die Forsetzung einer Reihe vom Autor einzufordern, weil der Autor ihn eben in diese Welt eingeführt hat und sich dadurch quasi verpflichtet, dies auch in angemessener Zeit zu vollenden?
  • Ist so eine Frage wie die von V. B. total vermessen, denn jeder Autor schreibt in seinem Tempo und kann mit seiner Zeit machen, was er möchte?
  • Was haltet ihr von der Antwort von Patrick Rothfuss?

Ich würde mich wirklich über Meinungen freuen! 🙂

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16 Gedanken zu “[Geplauder] Diskussion: Ist ein Autor seinen Lesern den Fortsetzungsband schuldig?

  1. Tja. dann soll man einfach den Mist mit den Reihen lassen! Ich hasse das dermaßen, warum kann man nicht einfach ein Buch mit einem sauberen Ende schreiben? Und dann einfach ein anderes – auch mit sauberen Ende?!
    Und selbst wenn ein Autor seine Reihe komplettiert, heißt das noch lange nicht, daß die dann auch auf Deutsch erscheinen. Es gibt bei einigen Serien Protestaktionen bei den Verlagen, weil sie die Übersetzungen eingestellt haben.
    Ansonsten kann ich nur sagen: wenn man ein gutes Buch schreiben möchte, braucht das Zeit! Alex hat für seinen Roman auch 3 Jahre gebraucht.

    • Ach so, zur Frage nach dem Recht: Nein, ein Fan hat meiner Meinung nach kein Recht irgendwas zu fordern. Schon gar nicht so wie hier geschehen, das finde ich unter aller Sau. Ein Autor ist keine Schreibmaschine, sondern ein Mensch.

      • Huhu Kerstin,

        du scheinst es also ähnlich wie ich zu sehen: Wenn man als Autor eine Reihe plant, soll man sich bitte auch bemühen, die in einer angemessenen Zeit weiterzuführen. Dass gute Bücher lange brauchen, ist uns natürlich allen klar.
        Ich finde die Art und Weise, wie der Leser das angefragt hat, auch total doof, aber die Art von Rothfuss finde ich jetzt auch nicht super charmant, muss ich sagen.
        Was sagst du da denn zu?

      • Naja, man weiß ja nicht, wie oft er sich solche Sprüche schon anhören mußte… und mal zum Vergleich: stell dir vor, Dein Arbeitgeber würde morgen zu Dir sagen, daß Du doch Deine Zeit bitte nicht mit facebook (oder überhaupt am Computer) verbringen, sondern Dich gefälligst gut erholen sollst, damit Du morgen wieder fit Deine Arbeit erledigen kannst… 😉

      • Ja klar, wenn ihn da ständig Leute mit nerven, lässt man sich sicherlich umso leichter zu einem doofen Kommentar hinreißen. Deswegen hatte ich extra auch geschrieben, dass er schon öfter erzählte, dass ihn das nervt.
        Die andere Frage ist dann: Sollte er, wenn er mit den Reaktionen nicht so gut klar kommt, sein Privatleben usw. vielleicht weniger öffentlich machen?

        (Das soll alles nicht heißen, dass ich dieser Meinung bin, ich bin mir da noch sehr unschlüssig, deswegen ja auch die gewünschte Diskussion hier.)

  2. Ist ein Autor seinen Lesern einen Fortsetzungsband schuldig? Natürlich, wenn es kein abgeschlossenes Ende gibt. Darauf muss man sich schließlich verlassen können, wenn man eine Serie anfängt – sonst würde niemand mehr überhaupt unvollendete Serien zu lesen beginnen.
    Ist er sie auch in einem bestimmten Zeitrahmen schuldig? Naja, natürlich wünscht man sich, dass die Fortsetzung möglichst bald kommt. Aber es kann verschiedene Gründe geben, weshalb es ein Weilchen dauert. Und wenn man bedenkt, welche Wälzer Rothfuss schreibt und wieviele Lesereisen und Buchpräsentationen ein derartig prominenter Autor machen muss, sind 2,5 definitiv noch keine Zeit, bei der man nörgeln darf. Wenn man dann auch noch mit so einem Facebook-Argument kommt, dann kann ich es nachvollziehen, dass Rothfuss, der sonst immer sehr freundlich auftritt, mal etwas patzig reagiert.

    Wenn man hingegen beim 4. Song of Ice and Fire-Band dort als Hinweis vom Autor zu lesen bekommt, der Band wäre aufgrund seiner Länge in zwei Teile gesplittet worden mit sozusagen aufgeteilten Handlungssträngen und das ganze so formuliert wird, als wäre der 2. Teilband so gut wie fertig, dann ist es nachzuvollziehen, wenn 6 Jahre Wartezeit zu einem gewissen Unmut der Leser führen. Zumal Martin dazwischen auch mehrmals angedeutet hatte, der 5. Band würde jetzt dann gleich erscheinen – und dann war wieder ein Jahr nichts und ein Jahr nichts …

    Meine Meinung (als Selbstschreiberin, die das Problem von Plotlöchern gut nachvollziehen kann) ist daher, dass eine gute Fortsetzung durchaus ihre Zeit braucht und man besser ein Weilchen wartet, als nach kurzer Zeit ein halbgares Produkt vorgesetzt zu bekommen.
    Wenn man allerdings viele Jahre wartet und dann dennoch einen Band bekommt, der in vielen Punkten unausgegoren wirkt (wie es meiner Meinung nach bei Martins 5. Band der Fall ist), dann ist das frustrierend.
    Ich sehe aber bisher keine Anzeichen, dass das bei Rothfuss der Fall sein könnte. Also sollten die Fans bei aller Ungeduld nicht rumnörgeln und schon gar nicht einfordern, der Autor sollte am besten neben dem Schreiben kein Leben mehr haben. Sie selbst arbeiten ja auch nicht rund um die Uhr und scheinen erstaunlicherweise trotz Job noch Zeit für Facebook zu haben. 😉

  3. Ich finde die Reaktion des Autors gut. Klar wünsche ich mir auch, dass eine Fortsetzung in einem absehbaren Zeitraum erscheint, besonders wenn der letzte Teil spannend geendet hat.
    Aber eine gute Geschichte braucht manchmal auch einfach Zeit, um geschrieben zu werden und lieber warte ich länger, als dass der Autor dann etwas hinrotzt, nur um möglichst schnell eine Fortsetzung zu präsentieren. Und Fans, die einen Autor dann auch noch beleidigen und beschimpfen, gehen ja wohl gar nicht!

  4. Falls mich eine Reihe interessiert, versuche ich immer so lange zu warten, bis schon alle oder möglichst viele Teile erschienen sind, um genau dieser Problematik des Wartens aus dem Weg zu gehen. Das erfordert allerdings Geduld, die ich nicht immer habe. 😉

    Wenn man eins und eins zusammenzählt, könnte man auf die Idee kommen, dass Rothfuss‘ Fortsetzung nicht vor 2015 erscheinen wird. Oft haben Autoren (oder Verlage) einen Veröffentlichungsrhythmus, an dem man sich grob orientieren kann. Natürlich trifft das nicht in jedem Fall zu, aber ich gehe meist davon aus, um für mich einen Richtwert zu finden. Zweiter Teil = 4 Jahre; okay, dann dauert es bis zum dritten bestimmt ähnlich lange = ca. 2015.

    Ein Fan hat meiner Meinung nach nicht das Recht, eine Fortsetzung einzufordern und schon gar nicht wie ein kleines Kind, das wütend mit dem Fuß aufstampft, weil es nicht bekommt, was es möchte. Da wundert mich Rothfuss‘ Antwort nicht. Ob sie clever ist, ist eine andere Frage, doch für mich ist sie zumindest menschlich nachvollziehbar, wenn er schon öfter damit genervt wurde.
    Hintergrund ist wohl, dass er schlichtweg kein exaktes Datum nennen kann. Er wird vermutlich daran arbeiten, hat aber – wie jeder andere Mensch auch – noch andere Verpflichtungen und braucht seine Ruhepausen. Möglicherweise fließt es nicht oder der Verlag korrigiert viel. Da kann alles mögliche reinspielen und je mehr Druck die Fans machen, desto schwieriger wird es womöglich.

    Natürlich wünscht sich jeder Leser eine Fortsetzung, wenn ihm der Auftakt gefallen hat. Und ich bin auch der Meinung, dass sich ein Autor darum bemühen sollte, einen ordentlichen Abschluss zu finden.
    Doch erzwingen kann man ein gutes Buch nicht und wenn es mehr Zeit braucht, braucht es eben mehr Zeit. Sich dermaßen über das Warten aufzuregen, wie es der Fb-Schreiber tut, ist weder gut noch gesund. Und Rothfuss tut in meinen Augen nichts anderes, als ihm auf sarkastische Art mitzuteilen, dass er nicht jeden Tag mit dem Erscheinen rechnen soll, sondern dass das Buch kommt, wenn es fertig ist und das Ganze soviel Aufregung nicht wert ist. Dadurch geht es garantiert auch nicht schneller.

  5. Ich bin nicht nur auf Seiten von Patrick Rothfuss, sondern auch der Meinung, dass kein Autor den Lesern eine Fortsetzung „schuldet“. Es gibt wohl kaum einen Autor, der nicht gern seine Geschichte so gut wie möglich zu Ende erzählen möchte. Aber abgesehen davon, dass Schreiben nun mal keine einfache Arbeit ist (und ich genügend Autoren erlebt habe, die aufgrund dieser Erwartungshaltung irgendwann gar nicht mehr schreiben konnten), ist es letztendlich leider auch eine Arbeit, bei der man auch auf andere Personen angewiesen ist. Diese anderen Personen gehören in der Regel einem Verlag an, der deutlich mehr zu bestimmen hat, wenn es um Veröffentlichungen, Auslandsrechte usw. geht als der Autor, der die Geschichte erschaffen hat.

    Eine Autorin, deren Bücher ich mag, bringt gerade den fünften Band ihrer Reihe als E-Book raus – ohne Verlag, ohne Unterstützung und mit viel eigenem Engagement -, weil ihr amerikanischer Verlag die Serie eingestellt hat, die Geschichte sie aber nicht losgelassen hat. Aber um das auf die Reihe zu bringen hat sie auch deutlich mehr Zeit benötigt, als sie gebraucht hätte, wenn sie einen Verlag gehabt hätte, der ihr einen Vorschuss auf das Manuskript gezahlt hätte (von dem sie hätte leben können, während sie arbeitet), wenn sie nicht Lektorat und alle anderen Schritte selber hätte machen müssen und wenn sie nicht parallel eine Serie geschrieben hätte, für die sie ein anderer Verlag bezahlt hat.

    Was seine Aktivitäten bei Facebook usw. angeht: Das ist ja wohl seine Sache! Es ist ein riesiger Unterschied, ob man sich hier und da kurze Texte, Kommentare, Tweets oder was auch immer ins Internet setzt oder ob man sich an den PC setzt, um konzentriert und qualitativ an einem größeren Werk zu arbeiten.

    • Wenn ein Verlag mittendrin eine Serie einstellt, ist das ja sowieso nochmal was anderes. Mich macht sowas immer sehr wütend. Natürlich, ein Verlag muss wirtschaftlich arbeiten und wenn eine Serie nicht gut läuft, ist das schwierig. Aber wenn man sie dann einfach abbricht, tritt man damit mMn die bisherigen Leser mit den Füßen.
      Mir ist es zweimal bei Piper passiert, dass mittendrin Schluss war (einmal bei einer größeren Serie; einmal betraf es den 3. Band einer Trilogie) und für mich ist die Konsequenz, dass ich von Piper nie wieder Serien beginne, wenn nicht bereits alle Bände erschienen sind. %-)

      • @Neyasha: Das kann ich gut verstehen – ich lese eine Reihe auch lieber komplett. 😉 Auf der anderen Seite sorgt dieses Abwarten auf Vollständigkeit auch dafür, dass die Verlage denken, dass kein Interesse an den Büchern besteht, weil ja so wenige Leute den ersten Band gekauft haben …

  6. Hmmm, schwierige Frage. Ich denke, ein RECHT, die Fortsetzung einzufordern, hat ein Fan nicht, wenn man denn jede Betonung auf dieses Wort legt. Und dabei unflätig, unfreundlich oder gar beleidigend zu werden, geht nicht. Wir sind doch alle Menschen, wir können doch in normalem Ton miteinander sprechen.
    Ich selbst habe – Gott sei Dank – noch nicht diese unglückliche Erfahrung machen müssen, sooo lange auf einen Fortsetzungsband warten zu müssen. Die Wartepausen bei den Harry Potter Büchern waren schon recht unerträglich, und die halten sich ja noch im Rahmen, wenn ich hier bei euch von den anderen Wartezeiten von Rothfuss und Martin etc. lese.
    Aber ich denke schon, dass es ein Autor sich selbst und auch seinen Fans schuldig ist, sich in eine Handlung reinzuknien und daran zu schreiben, wenn man sie einmal begonnen und auch erfolgreich unter die Leute gebracht hat. Dass es dabei Pausen und wahrscheinlich auch ganze Phasen hat, in denen einem einfach nichts einfällt, oder man über Plotlöcher etc. stolpert – und dass sich das dann alles zieht, das ist doch ganz klar, und wenn man mal ehrlich ist – irgendwie erwartet man sowas doch auch, oder? Ich fänds eher komisch, wenn alles immer perfekt zur Deadline fertig wird ohne Wenn und Aber. Und dass man mittendrin auch mal Lust auf eine ganz andere Geschichte hat, an der man dann lieber auch erstmal ein wenig schreibt, ist doch auch verständlich.
    Aber es ist so, wenn man einmal mit einer Reihe begonnen hat und diese dann auch noch erfolgreich ist, dann sollte man da doch dranbleiben und seinen Fans keine Wartezeit von mehreren Jahren aufzwängen. Das hat schon irgendwie was Fieses, auch wenn es sich nicht vermeiden lässt. Man läuft ja dann auch Gefahr, soviele Dinge zu vergessen, zu verwechseln oder einfach nicht mehr so wie geplant in die Handlung einpacken zu können, wenn soviel Zeit verstreicht.

  7. Interessante Beiträge, danke euch! 🙂
    Ich muss gestehen, dass ich heute morgen, als ich den Wortwechsel gelesen habe, etwas irritiert von der Reaktion von Rothfuss war.
    Aber ich stimm euch ganz klar zu, dass die Art und Weise, wie der Fan da seinen Wunsch nach einer Fortsetzung deutlich gemacht hat, mal so gar nicht geht. Das „we’re pissed“ ist ja total daneben. Und auch der Vorwurf, Rothfuss würde sich zu viel bei Facebook usw. aufhalten, ist echt albern.

    Was das Recht auf eine Fortsetzung angeht: Es wäre natürlich ideal, würde ein Autor den ersten Band einer Reihe erst dann rausbringen, wenn auch die anderen Bände schon sehr weit gereift sind. Das ist aber von mir vermutlich sehr weit von der Realität entfernt gedacht, denn natürlich braucht ein Autor schon das Honorar des ersten Buches, um zu leben. Und das eben so schnell wie möglich. Da denke ich tatsächlich zu wenig drüber nach.

    Grundsätzlich finde ich übrigens auch, dass die Wartezeit zwischen Band 2 und 3 derzeit noch im Rahmen liegt. Bin ich froh, dass ich bei George R. R. Martin erst beim vierten deutschen Band bin. 😀
    Aber hier kommt dann nochmal das zum Tragen, was Caroline schrieb: Ich neige dann auch dazu, Details aus den vorherigen Bänden zu vergessen, das ist manchmal wirklich schwierig.

    Übrigens stimmt es, dass Patrick Rothfuss ansonsten vor allem sehr positiv auftritt. Meine liebste Geschichte, von und mit ihm ist die folgende:

    http://blog.patrickrothfuss.com/2012/07/a-happy-ending/

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