[Rezension] „Schab nix gemacht – Geschichten aus der Hauptschule“ von Kai Lange

Schab nix gemachtKlappentext:

Obwohl die Schüler sein Nervenkostüm oft sehr strapazieren, gibt es für Kai Lange keinen schöneren Beruf, als Lehrer zu sein. Zwar gilt es, nicht zu verzweifeln, wenn man jede Pause erneut herausfinden soll, wer denn nun zuerst »Hurensohn« gesagt hat. Oder wenn Schüler Akin nach vier Jahren Englischunterricht immer noch glaubt, „I would“ heiße auf Deutsch „Ich bin wötend“. Aber Kai Lange nimmt seinen Job mit Humor. Seit Jahren notiert er sich die ebenso aberwitzigen wie lustigen Geschichten, die er tagtäglich erlebt. So schafft er es nicht nur, im Chaos des Alltags einen kühlen Kopf zu bewahren, sondern auch, seinen Schülern tatsächlich etwas beizubringen. (Quelle)

Meine Meinung:

Geschichten aus der Schule sind immer interessant und unterhaltend. Das ist spätestens seit dem erfolgreichen Blog von Frl. Krise und dem darauf folgenden gemeinsamen Buch mit Frau Freitag bekannt. Wenn man selber Lehrerin ist und vor allem mit ähnlichen Schülern arbeitet, wie Kai Lange es tut, dann kommt beim Lesen zur Unterhaltung und dem Amüsement noch eine gehörige Portion „Jaa, so ist es bei mir auch…“, garniert mit ein bisschen „Oh Gott, hoffentlich passiert mir das nie!“ dazu.

Bei solchen kleinen Anekdoten, Kurzgeschichten und Zitaten von Hauptschülern ist es mir immer wichtig, dass ich trotz der Tatsache, dass so mancher Fehler und so manche nicht allzu kluge Antwort auf die Schippe genommen wird, das Gefühl habe: Derjenige, der schreibt, mag seine Schüler, hat ein Verständnis für sie und ihre Lebenswelten und sieht vor allem nicht nur das Negative, sondern auch das Liebenswerte in so ziemlich jedem einzelnen.

Dieser Spagat – wobei: Ist es überhaupt ein Spagat – gelingt Kai Lange gut. An vielen Stellen musste ich schmunzeln, an einigen sogar laut lachen, so abstrus und witzig sind manche der Begebenheiten und Antworten der Schüler. Andere Geschichten haben bei mir wirklich eine Gänsehaut hervorgerufen, weil Kai Lange die Schicksale und Lebensumstände einzelner Schüler hervorragend beschreibt.

„Simon“, sag ich bei der Rückgabe der Klassenarbeit verzweifelt, „wie soll ich dir denn jemals richtig Englisch beibringen?“
Er nickt so verständnisvoll, als wenn er mich trösten wollte, und kommt zu der einzig richtigen Antwort: „Ich weiß es auch nicht.“ (S. 76)

Ja, Kai Lange hat nicht nur Witziges und Berührendes zu erzählen, er tut dies auch auf eine sehr gekonnte Weise, kann Situationen und Menschen so beschreiben, dass man als Leser das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein und Amara, Akin und Basima wirklich zu kennen. Kurzweilig, absolut unterhaltsam und mitten aus dem Leben! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Schab nix gemacht – Geschichten aus der Hauptschule – Kai Lange – Taschenbuch – 256 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-426-78621-5 – erschienen: August 2013 (Knaur)

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2 Gedanken zu “[Rezension] „Schab nix gemacht – Geschichten aus der Hauptschule“ von Kai Lange

    • Es lohnt sich wirklich. Und vor allem kann man es so herrlich nebenher lesen.
      Ich wollte eigentlich nur ein bisschen reinlesen und war plötzlich auf Seite 40 und dann wollte ich nur 1-2 Kurzgeschichten lesen und war auf Seite 100 usw. 🙂
      Viel Spaß damit!

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