[Rezension] „Elefanten sieht man nicht“ von Susan Kreller

Elefanten sieht man nichtInhalt:

Und als ich durch das Fenster blickte und etwas sah, das viel mehr war als ein sekundenlang fleckiger Bauch und eine sekundenlang klaffende Wunde an der Stirn, da kriegte ich zum ersten Mal in meinem Leben keine Luft, sie wollte nicht in mich hinein, sondern blieb mit einem Pfeifen in meinem Hals stecken, atmen, dachte ich, atmen […]. (S. 38)

Wie jedes Jahr verbringt Mascha die Sommerferien bei ihren Großeltern in einem kleinen Dorf, in dem alles seinen gewohnten Gang geht: die Vorgärten sind immer gut gepflegt, der Rasen gemäht und jede Woche wird mindestens eine goldene Hochzeit gefeiert.

Mascha langweilt sich zu Tode. Die einzigen beiden Kinder, die mit ihr reden, sind die neunjährige Julia und ihr siebenjähriger Bruder Max. Doch schnell stellt sich heraus, dass die beiden anders sind. Und dann entdeckt Mascha auch noch auf Julias Bauch viele blaue Flecken und an der Stirn von Max eine große, klaffende Wunde. Beunruhigt spricht sie ihre Großeltern darauf an, aber die wollen von allem gar nichts hören – Herr Brandner, der Vater von Julia und Max, sei schließlich ein angesehener Autohändler. Vollkommen allein gelassen mit ihrem furchtbaren Verdacht, greift Mascha schließlich zu einer eher ungewöhnlichen Lösung…

Meine Meinung:

The elephant in the room (englische Redewendung): großes Thema, dessen sich jeder bewusst ist, über das aber – aus Angst oder Bequemlichkeit – niemand spricht

Diese kurze Erklärung stellt Susan Kreller, die Autorin dieses wirklich bewegenden Jugendromans, ihrer Geschichte voraus. Sie erklärt dadurch vor allem den ungewöhnlichen Titel und fasst in meinen Augen sehr gelungen zusammen, worum es in diesem Buch geht: Mascha hat den begründeten Verdacht, dass Julia und Max von ihrem Vater misshandelt werden, aber obwohl alle im Dorf Ähnliches ahnen, will dies keiner so wirklich wahrhaben, denn in ihrem Dorf passiert so was schließlich nicht.

– Du bist verrückt, Mascha, meine Güte.
– Oma, wenn ich’s dir sage. Die schlagen ihre Kinder, das weiß ich.
– Das kann gar nicht sein! Hast du mich verstanden? Das kann nicht sein, Schluss, hör auf damit.
(S. 39/40)

Der Schreibstil ist der Thematik angemessen: sehr eindringlich, manchmal langsam, dann wieder hektisch und etwas wirr; wirr oft dann, wenn es um die Gedanken und Gefühle von Mascha und Julia geht. Julia ist verständlicherweise gehemmt und zurückhaltend und Mascha mit der Situation vollkommen überfordert, insbesondere weil sie eben keine Unterstützung von Erwachsenen bekommt.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht viel mehr zu dem Buch sagen, denn ich finde die Geschichte um Mascha, Julia und Max sollte jeder selber lesen. Lesenswert ist sie nämlich definitiv! In meinen Augen beschreibt die Autorin sehr realistisch einen Fall von häuslicher Gewalt und dem verzweifelten Versuch einer Dreizehnjährigen, dafür eine Lösung zu finden. Ich vergebe volle 10 Sterne, insbesondere weil ich auch das Ende für sehr gelungen halte.

stern 10

„Elefanten sieht man nicht“ war 2013 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Jugendbuch nominiert.

Elefanten sieht man nicht – Susan Kreller – Hardcover mit SU – 208 Seiten – 14,90 € – ISBN-13: 978-3551582461 – erschienen: März 2012 (Carlsen)
Altersempfehlung: 14-17 Jahre

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2 Gedanken zu “[Rezension] „Elefanten sieht man nicht“ von Susan Kreller

  1. Sehr schön 🙂
    Will ich auch unbedingt lesen!! Sollte ich es mir von dir leihen oder muss ich es selbst besitzen? Wahrscheinlich benötige ich ein eigenes, oder?

    • Hmm, gute Frage!
      Es ist wirklich total toll und hundertprozentig lesenswert, aber vielleicht reicht es, wenn du es dir leihst, aber sicher bin ich mir nicht. Seit ich nicht mehr alle Bücher um mich rumstehen habe, versuche ich zu verdrängen, was für ein schönes Gefühl das war 😉

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