[Rezension] „Geschenkt“ von Daniel Glattauer

GeschenktInhalt:

Gerold Plasseks Leben beginnt sich ab dem Zeitpunkt langsam zu verändern, als er seinen Sohn Manuel kennenlernt. Manuel ist zu dem Zeitpunkt schon 14 Jahre alt und weiß im Gegensatz zu Gerold gar nichts über ihre besondere Verbindung. Für ihn ist Gerold nur ein alter Freund seiner Mutter, der als Jornalist für eine Gratiszeitung arbeitet, zu viel Akohol trinkt, sich schlecht kleidet und bei dem er jeden Nachmittag im Büro sitzen muss, um seine Hausaufgaben zu machen, da seine Mutter für längere Zeit in Afrika lebt und seine Nachmittagsbetreuung nicht geregelt ist.
Gerold schreibt solide, kurze Sozialartikel und doch wird er damit im Laufe der Geschichte richtig berühmt werden. Denn nachdem er einen Artikel über ein Obdachlosenheim, dem die Schließung droht, geschrieben hat, geht dort eine anonyme Spende ein: 10.000 € in einem Briefumschlag – beigelegt ist der von Gerold geschriebene Artikel. Doch das ist erst der Anfang…

Meine Meinung:

Endlich! Endlich hat er es geschafft! Geschafft aus dem Schatten seines erfolgreichen Emailromans „Gut gegen Nordwind“ zu treten und ein neues, eigenständiges und vor allem ganz anderes Buch zu schreiben. Hätte ich den Autor während des Lesens nicht gekannt, hätte ich eher auf Jonathan Tropper, den ich von „Sieben verdammt lange Tage“ kenne, als auf Daniel Glattauer getippt.

Das liegt zum einen an dem herrlichen unperfekten und selbstironischen Ich-Erzähler Gerold, zum anderen an dessen schnodderigen Erzählweise, die mich oft zum Schunzeln und einige Male sogar zum lauten Lachen gebracht hat.

Wie oben schon angedeutet, soll die erste Spende nicht die letzte bleiben, sondern viel mehr den Auftakt zu einer Reihe anonymen Spenden sein. Dieser Teil der Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit (Wie schön, dass es sowas auch im wahren Leben gegeben hat!) und wurde als „Wunder von Braunschweig“ bekannt. Daniel Glattauer erfuhr während einer Lesereise von dieser Spendenserie, unterhielt sich mit mehreren Leuten und fand schließlich, dass dies doch perfekter Stoff für einen Roman sei:

„»Geheimnisse des Bösen« lauern ja quasi an jeder (dunklen) Ecke, das gesamte Genre der Kriminalliteratur lebt davon. Wer aber tut Gutes und hüllt sich darüber in Schweigen? Was gibt es für Gründe, sich hinter seinen Guttaten zu verbergen? Und, eine weitere interessante Frage: Wie geht es wohl jenen Journalisten, die mit ihren Artikeln über sozial Schwache das Herz des Wohltäters erweichen konnten und den Geldsegen regelmäßig auslösten?“ (Daniel Glattauer in einem Brief an seine Leser)

Viel mehr möchte ich zu diesem Roman auch gar nicht sagen, sondern nur jedem nahe legen, ihn selbst zu lesen, denn er ist spannend (Wer ist denn nun der anonyme Spender?), herzerwärmend und lustig zugleich! Eine tolle Mischung, die es selbst in einer sehr stressigen Zeit geschafft hat, mich von der Arbeit abzuhalten und an die Seiten zu fesseln! Chapeau, Herr Glattauer!

stern 10

Geschenkt – Daniel Glattauer – Hardcover – 336 Seiten – 19,90 € – ISBN 978-3-552-06257-3 – erschienen: August 2014 (Deuticke)

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13 Gedanken zu “[Rezension] „Geschenkt“ von Daniel Glattauer

  1. Das Buch klingt toll – und hurra, das wäre ja sogar passend für mein Lese-Bingo (based on a true story). 🙂
    Dass Glattauer es hiermit „endlich“ geschafft hat, aus dem Schatten von „Gut gegen Nordwind“ hervorzutreten, kann ich aber nicht ganz verstehen. Schon sein „Ewig dein“ war ja ein sehr anderes Buch und auch die meisten seiner anderen Werke waren nicht wirklich damit zu vergleichen.

    • „Ewig dein“ kenn ich nicht. Ich habe von ihm aber „Der Weihnachtshund“ und „Doe Wunderübung“ gelesen. Beide konnten mich eben nicht so überzeugen wie „Gut gegen Nordwind“. Ich meinte damit auch eben nicht nur, dass es thematisch anders ist, sondern wieder ebenso umwerfend ist.

      • „Die Wunderübung“ kenne ich nicht – die reizt mich auch nicht wirklich, aber „Der Weihnachtshund“ hat mich auch nicht so ganz überzeugt.
        Ich kann dir aber noch den Roman „Darum“ empfehlen, der auch ganz anders und äußerst spannend ist.

  2. Ich muss ja gestehen, dass mich Glattauer bislang überhaupt nicht interessiert hat (das passiert mir häufig mit vielbesprochenen Autoren), aber dieses Buch klingt gut, das halte ich mal im Hinterkopf! 🙂

    • Hm, ich kann gerade ganz schlecht einschätzen, ob es wohl was für dich ist. Hattest du Tropper damals gelesen? Ich meine schon, aber jch glaube du mochtest es nicht, weil es dir zu direkt erzählt war, oder? Der Ich-Erzähler passt zwar wieder sehr zu Tropper, aber es geht eigentlich so gut wie nie um Sexuelles. Hatte dich das nicht gestört? Ich meine mich vage zu erinnern…

      • Ja, ich hatte Tropper gehört – und ich hatte ein Problem mit dem Verhältnis des Erzählers zum Sex. Auf der einen Seite das Gejammer, weil seine Frau ihn betrogen hat, auf der anderen Seite ist er bereit alles zu bespringen, was lange genug still hält (um es leicht überzogen zu sagen :D). Und ich bin grundsätzlich nicht ganz so begeistert von diesem Protagonistentyp des selbstmitleidigen und nicht richtig erwachsen gewordenen Mannes. 😉

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