[Rezension] „Die Nacht gehört dem Drachen“ von Alexia Casale

Die Nacht gehört dem DrachenKlappentext:

Endlich hat Evie ihren Adoptiveltern von ihrer gebrochenen Rippe erzählt und endlich ist sie die ständigen Schmerzen los. Nur eine Narbe ist geblieben und das Stück Knochen selbst, dass man herausoperiert hat. Zusammen mit ihrem Onkel Ben hat sie einen Drachen daraus geschnitzt, als Glücksbringer und Zeichen neuer Stärke.
Nichts wünscht sie Evie sehnlicher, als dass der Drache lebendig wäre und ihr Wunsch scheint tatsächlich in Erfüllung zu gehen. Denn in den dunklen Nächten scheint der Drache mit ihr zu reden, ihr Mut zuzusprechen und Geduld einzufordern. Denn als Evie langsam zu Kräften kommt, wird deutlich, dass ihre Eltern eines nicht für sie erreichen können: Gerechtigkeit für das, was ihr angetan worden ist.

Meine Meinung:

Fairerweise muss ich gleich zu Beginn sagen, dass ich leider schon vor dem Lesen wusste, wie das Buch enden würde. Den Schluss habe ich irgendwann mal auf einem Blog gelesen – leider! Denn ich glaube, dass das mein Lesevergnügen etwas geschmählert hat.

„Die Nacht gehört dem Drachen“ erzählt gleichzeitig eine traurige und eine schöne Geschichte. Traurig, denn das, was  Evie passiert ist, bevor sie zu ihren Adoptiveltern gekommen ist, wünscht man keinem Kind. Mir hat es sehr gefallen, dass die Autorin hier alles nur vorsichtig angedeutet hat. Schön ist das Buch, weil Evie bei ihren Adoptiveltern wahre Liebe, Fürsorge und Geborgenheit erfährt. Auch ihr Onkel und ihre Englischlehrerin sind sehr liebevoll und toll gezeichnet.

„Manches muss man für sich behalten. Man darf es nicht unverblümt und unumwunden erzählen. Nein, man muss es umschreiben. Lücken und Leerstellen lassen. Andere Wörter dafür benutzen, umständlich und verschlungen erklären. Auf jeden Fall, was die schlimmsten Dinge betrifft. Sie müssen in einer Art Nebel bleiben. Wörter sind gefährlich.“ (S. 67)

Die Erzählung von allem, was Evie tagsüber erlebt, wie sie sich in der Schule behauptet, wie ihre Adoptiveltern Stück für Stück ihr eigenes Trauma überwinden, all das hat mir wirklich gut gefallen. Allerdings konnte ich mit den Szenen, die in der Nacht spielen, gar nichts anfangen. Evie streift mit dem Drachen, den sie aus ihrer Rippe geschnitzt hat, und der nachts in Evies Augen zum Leben erwacht, durch die Gegend. Und der Drache hat einen Plan, von dem er Evie aber noch nichts erzählen kann… Psychologisch gesehen ist auch dieser Teil wirklich genial, trotzdem hat er einfach nicht meinem Geschmack entsprochen.

„Die Nacht gehört dem Drachen“ hat viele tolle Szenen und eine einnehmende Atmosphäre. Da mir aber immer die Teile des Buches, die nachts gespielt haben, nicht so gut gefallen haben (vielleicht auch, weil ich schon das Ende kannte), kann ich nur 7 von 10 Sternen geben.

stern 7

„Die Nacht gehört dem Drachen“ wurde 2014 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Die Nacht gehört dem Drachen – Alexia Casale – Hardcover mit SU – 320 Seiten – 14,90 € – ISBN: 978-3-551-58310-9  – erschienen: Oktober 2013 (Carlsen) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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4 Gedanken zu “[Rezension] „Die Nacht gehört dem Drachen“ von Alexia Casale

    • Meinst du die gebrochene Rippe an sich: Da wird man ziemlich abrupt in die Handlung reingeschmissen, was aber super ist.

      Oder meinst du den Zusammenhang zwischen der Rippe und dem Drachen? Man kann ja vielleicht schon erahnen, dass die Rippe, die Evie herausoperiert wird für ihre Vergangenheit steht. Es macht beim Lesen tatsächlich Sinn, dass sie sich daraus einen Drachen schnitzt, von dem sie sich wünscht, er möge auf sie aufpassen. Dass dieser Drache nachts zum Leben erwacht, war etwas merkwürdig, wird aber insbesondere durch den Schluss (und eigentlich ist es auch schon vorher klar) psychologisch ganz gut erklärt.

      • Mich hat der erste Satz irritiert, dass Evie ihren Adoptiveltern „endlich“ von der gebrochenen Rippe erzählt hat: Ist ja nicht so, dass man so eine Verletzung mal eben verheimlichen kann (und ich wüsste auch nicht weshalb) – aber das wird vermutlich im Zusammenhang der Geschichte dann klar.

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