[Rezension] „Über uns das Meer“ – Sabine Giebken

Über uns das MeerKlappentext:

Er weckt ihren Ehrgeiz, dieser Apnoetaucher mit dem seltsamen Namen Angel: Mit nur einem Atemzug taucht er in die Tiefe, weiter hinunter als jeder sonst, und Lou geht an ihre Grenzen, um ihn dorthin zu begleiten. Das Risiko reizt sie, ja, aber mehr noch lockt sie das Gefühl der Freiheit, das sie in der Umarmung des Wassers empfindet. Doch Angel sucht noch etwas anderes dort unten. Wie ein Geist folgt ihm seine Vergangenheit ins Meer, und Lou hat Angst, ihn für immer an die Schwärze zu verlieren. […] (Quelle)

Meine Meinung:

„‚Freitauchen bedeutet nicht nur, die Tiefe zu jagen und so lange wie möglich ohne Luft auszuhalten“, stimmte er meinen Gedanken zu. „Es ist viel mehr. Es heißt, der Welt zu entkommen. Frei zu sein. Wenn du unter Wasser bist, hast du die ultimative Kontrolle.“‚ (S. 168)

Frei sein, die Kontrolle haben – genau das möchte Lou, als sie die Abiklausuren hinschmeißt, aus dem Internat abhaut und Zuflucht im Haus ihrer verstorbenen Großmutter sucht. Hier auf Elba scheint zunächst alles anders zu sein. Leichter. Und als sie den gutaussehenden Apnoe-Taucher Angel kennenlernt, ist sie fasziniert: sowohl von ihm als auch vom Tauchen ohne Luft.
Doch bald schon beginnen die Schatten der Vergangenheit sie einzuholen…

‚“Wenn du fliehst“, hörte ich die Stimme aus der Dunkelheit, sacht, glühend, wie eine Kerze, ein akustisches Leuchten, „kommst du dir vor wie ein Held. Unbesigbar. Dann wird auf einmal alles leer, und du fragst dich, warum du eigentlich abgehauen bist. Landest vielleicht voll in der Scheiße und bereust alles, was du je gemacht hast. Bis du merkst, die Geister in deinem Kopf, vor denen du wegläufst, sind alle mitgekommen.“‚ (S. 26)

Eindringlich und faszinierend! – Das sind die ersten Adjektive, die mir einfallen, um dieses Buch zu beschreiben. Lou ist Angel und dem Apnoe-Tauchen sofort verfallen. Mir als Leserin ging es ähnlich. Ich hätte mich gerne ähnlich frei und leicht gefühlt, wäre gerne mit Angel und seinen blauen Augen gemeinsam zum Meeresgrund getaucht.

„Über uns das Meer“ ist ein unheimlich einnehmender Jugendroman, der den Leser auf eine ganz besondere Reise mitnimmt: eine Reise ins tiefe Blau, auf den Meeresgrund und zu sich selbst. Die Geschichte verbindet sehr gekonnt leichte und schwierige Themen und ist einfach rund. Eine Kleinigkeit, die ich hier nicht benennen kann, ohne zu spoilern, hat mich dennoch gestört, weswegen ich „nur“ 8 von 10 Sternen vergeben kann.

stern 8

Über uns das Meer – Sabine Giebken – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 18,95 € – ISBN 978-3-7348-5601-3  – erschienen: September 2014 (Magellan) – Altersempfehlung: ab 14 Jahre

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4 Gedanken zu “[Rezension] „Über uns das Meer“ – Sabine Giebken

  1. Klingt nach einem interessanten Buch, das mich thematisch ein wenig an den Film „Im Rausch der Tiefe“ erinnert.
    Ich weiß aber nicht, ob das Buch stilistisch so mein Fall wäre – die Zitate kommen mir ein wenig dick aufgetragen vor. Aber ich finde es schön, dass das mal ein ganz eigenständiges Jugendbuch zu sein scheint, das keinem aktuellen Trend folgt.

    • Hoffentlich siehst du die sehr späte Antwort überhaupt noch:
      „Im Rausch der Tiefe“ kenn ich nicht, allein vom Titel her passt es aber gut. 😀

      Ich hab das Buch gar nicht als „dick aufgetragen“ wahrgenommen. Vielleicht weil man sich selber ganz schnell im Sog des Meeres befindet.

      Vielleicht liest du auch mal Nannis Rezension? Die fand das Buch sogar noch ein bisschen besser als ich.

      Liebe Grüße ❤

  2. Danke.
    Ohne Dich hätte ich dieses Buch nicht gefunden. Es fesselte mich, wie lange kein Buch mehr. Wurde mitgerissen ins tiefblaue Meer und mir geht es wie Dir, ich wäre ebenfalls sofort mitgetaucht. Ich habe nur ganz selten das Bedürfnis, ein Buch sofort nochmal lesen zu wollen. Dieses gehört definitiv dazu.
    Es hat mir ziemlich geholfen, aber das ist natürlich völlig subjektiv. Auch mich störten Dinge und ich brenne darauf, mich mit Dir darüber auszutauschen.
    Herzliche Grüße
    Meike

    • Bitte, sehr gerne, meine Liebe!
      Schön, dass dich das Buch mitgerissen und so viel in dir ausgelöst hat. Sobald ich wieder vernünftig ne Stimme hab, diskutieren wir – hoffentlich erinnere ich mich noch an alles 😉

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