[Eine Woche mit den Königskindern] Interview mit Vince Vawter

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Nachdem Caroline und ich euch am Mittwoch unsere Rezensionen zu „Wörter auf Papier“ präsentiert haben und ihr am Freitag unseren kleinen Austausch über das Buch auf unseren Blogs verfolgen konntet, kommt heute der Autor selbst zu Wort. Wir freuen uns sehr über das Interview mit Vince Vawter. Die englische Version findet ihr auf dem Blog von Caroline.

Vince Vawter (Foto von seiner Homepage)

In “Wörter auf Papier” beschreiben Sie die Ereignisse eines heißen Sommers im Jahre 1959, die dazu führen, dass die Hauptfigur (Victor) seine Einstellung zu seinem Stottern ändert. Wie autobiografisch ist diese Erzählung in Ihrem Buch? Haben Sie selbst einen solchen Sommer in Ihrer Jugend erlebt?

Vawter: Die Geschichte entstand direkt durch meine eigenen Erlebnisse in diesem Sommer 1959 in Memphis. Ich habe die Zeitungsaustrage-Runde von meinem Freund für einen Monat übernommen. Während manches in der Geschichte ausgedacht ist, haben alle Ereignisse, die stattgefunden haben, dennoch eine wahre Basis. Das werde ich in Frage 3 näher erklären.

Warum haben Sie sich entschieden, “Wörter auf Papier” erst jetzt zu schreiben und nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt?

Vawter: Ich wusste immer, dass ich diese Story schreiben würde, aber ich wollte sichergehen, dass ich mich voll und ganz darauf einlassen kann. Daher war mir klar, dass ich sie erst nach meiner Pensionierung aus der Zeitungswelt würde schreiben können, in der ich 40 Jahre lang gearbeitet habe. Selbst dann brauchte ich jedoch noch sechs Jahre, um es genau so zu schreiben, wie ich es wollte. Das Buch enthält nur 50 000 Wörter, aber ich hatte mehr als 300 000 Wörter geschrieben, um die wirklich wichtigen Teile meiner Geschichte aufzuschreiben.

Die amerikanische Version von „Wörter auf Papier“

In “Wörter auf Papier” macht Victor die Bekanntschaft einiger sehr außergewöhnlicher Personen in seiner Nachtbarschaft. Vor allem Mr. Spiro macht Eindruck auf Victor. Haben Sie sich für die Figur des „Mr. Spiro” von einer realen Person, die Sie kennen, inspirieren lassen?

Vawter: Das ist die Frage, die mir wohl am häufigsten gestellt wird. Hier ist die Antwort dazu: Während der Arbeit mit meiner amerikanischen Lektorin, habe ich ihr klar gemacht, dass die Personen aus der Geschichte meiner Kindheit entspringen, mit Ausnahme von einer. Wir haben die Herkunft der einzelnen Charaktere besprochen. Dann sagte ich, dass Mr. Spiro die einzige Person ist, die ich „kreiert“/ mir ausgedacht habe, weil ich ihn brauchte, um die schwierigen Teile der Geschichte zu verpacken. „Aber, er muss doch irgendwo herkommen?“, fragte sie. „Nun, ich schätze, er ist Vince Vawter oder Victor Vollmer mit 65 Jahren.“ Woraufhin sie antwortete: „Genau wie ich es mir gedacht habe.“

Helfen Sie selbst aktiv anderen Stotterern oder Personen mit Sprachproblemen? Welchen Ratschlag haben Sie für diese Personen?

Vawter: Das ist eine der schönsten Seiten an meiner „Wörter auf Papier“ – Reise. Ich habe in den letzten 18 Monaten an mehr als 75 Schulen gesprochen. Ich habe nach wie vor Überbleibsel meines Stotterns, aber ich habe meine Stimme gefunden und ich liebe es, mit jungen Menschen über ihre Herausforderungen zu reden. Mit ihnen teile ich mein – wie ich es nenne – „Stotter-Manifest“:

  1. Stottern ist, was wir tun, wenn wir versuchen, NICHT zu stottern.
  2. Stottern wird nicht geheilt, sondern überwunden.
  3. Flüssig sprechen zu können, ist nicht alles, worauf es ankommt.

Ich nutze immer den Ausdruck „die eigene Stimme“ finden, wenn ich über mein Buch rede. Dieser Ausdruck scheint für junge Menschen richtig zu klingen, egal ob sie selbst Sprachprobleme haben oder nicht. Es bedeutet dasselbe, wie herauszufinden, wer genau man ist und wie man ehrlich zu sich selbst ist.

Danke, dass ihr „Paperboy“ oder „Wörter auf Papier“ (ein Titel, den ich übrigens sehr gerne mag) gelesen habt.

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4 Gedanken zu “[Eine Woche mit den Königskindern] Interview mit Vince Vawter

  1. Das Buch steht noch auf meiner Wunschliste und ich habe eure Königskinder-Woche deshalb auch sehr interessiert verfolgt. Eine sehr schöne Idee! Besonders das Interview fand ich sehr spannend. Und ich mag den deutschen Titel des Buchs auch sehr gern. 🙂

    • Ja, der Titel und auch das Cover sind toll. Aber das amerikanische Cover finde ich auch total gelungen. Man spürt förmlich, wie groß die Hürde für den Jungen ist, bei den Leuten zu klingeln.

  2. Boah wie sympathisch ist denn Herr Vawter?? Ein ganz tolles Interview. Ihr habt euch wirklich passende Fragen überlegt, die sehr liebenswert beantwortet wurden. Bei der Erklärung wo Mr. Spiro herkommt, hatte ich ein kleines bisschen Gänsehaut.

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