[Buchgeflüster hoch zwei] Rund um das Thema Rezensionen

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Dieses Mal haben Nanni und ich uns ein bisschen mit dem Thema Rezensionen befasst: Was ist uns wichtig? Was sind absolute No Go’s? Wie haben sich unsere Rezensionen verändert? Und auf welchem Blog lesen wir besonders gerne?

Tine: Wir beide haben unsere Blogs jetzt schon seit etwa 5 Jahren und haben in dieser Zeit einige hunderte Rezensionen geschrieben. Wie haben sich deine Rezensionen innerhalb dieser Jahre verändert?

Nanni: Meine Rezensionen haben sich sowohl optisch als auch inhaltlich verändert. Am Anfang habe ich z.B. den Klappentext von der Verlagsseite wegkopiert, weil es mir oft auch total schwer fiel den Inhalt zusammen zu fassen. Heute beschreibe ich selbst, was im Buch vorkommt, kann so auch die Elemente nennen, die ich wichtig finde, oder diejenigen, die man – meiner Meinung nach – getrost weglassen kann. Früher waren meine Rezis eher kurz, heute muss ich mich manchmal selbst zügeln, um nicht zu ausufernd über ein Buch zu schreiben.
Eigentlich habe ich erst seit dem letzten Jahr das Gefühl meine Art der Rezension „gefunden“ zu haben. Darin verwende ich gern Zitate, weil der Leser so einen guten Einblick in die Schreibe des Autors / der Autorin bekommt. Außerdem sind meine Rezensionen nicht mehr so oberflächlich wie früher. Ich lasse meinen Gefühlen freien Lauf, auch wenn ich dann manchmal zugeben muss, ganz viel geheult zu haben.

Nanni: Was ist für dich ein „No Go“ in Rezensionen?

Tine: Das erste, was mir in den Sinn gekommen ist, sind Spoiler! Ich bin da sehr empfindlich, das weiß ich auch selbst. Aber ich möchte in einer Rezension so wenig wie möglich über den Inhalt erfahren und mir alles selbst erlesen. Wenn dann aber noch wirklich prägnante Dinge verraten werden wie beispielsweise das Ende des Buches oder die Tatsache, dass jemand stirbt (oder vielleicht sogar wer), dann würde ich den entsprechenden Blog vermutlich nicht mehr besuchen. Ich persönlich achte in meinen Rezensionen auch sehr genau darauf – glaube ich zumindest.
Ein zweites „No Go“ sind für mich eklatante Rechteschreibfehler. Wir alle vertippen uns mal, bei jedem fehlt mal hier und da ein Komma. Wenn sich das aber häuft, habe ich keine Lust mehr weiterzulesen… oder ich bräuchte einen Rotstift (die Lehrerin lässt grüßen)
😉

Tine: Ich finde „No Go’s“ sind ziemlich einfach zu benennen. Schwieriger wird es dann, zu beschreiben, was eine Rezension unbedingt enthalten sollte. Wie sieht es da bei dir aus: Was erwartest du von einer Rezension und welche Bestandteile braucht sie deiner Meinung nach unbedingt?

Nanni: Mir ist es wichtig, dass der Leser einen Einblick in den Inhalt des Buches bekommt, denn was dem einen gefällt, muss der andere noch lange nicht mögen. Dieser muss ja nicht lang sein, aber es gibt nichts enttäuschenderes, als sich auf ein Buch zu freuen und dann etwas ganz anderes zu bekommen als erwartet. Dazu möchte ich gern wissen, ob ich mich eher auf was Tiefgründiges einlasse oder ob mich ein Buch locker unterhält. Infos zu Verlag, Kosten etc. gehören auch dazu. Ebenso, ob es sich um einen Einzelband handelt oder eine Reihe.
Am allerwichtigsten ist, dass die Rezi ganz ehrlich geschrieben ist. Kein Geschleime und kein Beschönigen. Wenn mir ein Buch nicht gefallen hat, dann kann ich das auch ruhig sagen. Aber dabei bitte nicht unverschämt werden. Lesen ist ja schließlich auch Geschmackssache.

Nanni: Wenn wir schon beim Thema „gut“ und „schlecht“ sind, was fällt dir leichter? Eine Rezension zu einem Buch zu schreiben, das dir sehr gut gefällt, oder eine zu einem Buch, das für dich eher unter durchschnittliches Lesevergnügen fällt?

Tine: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Bei den richtig guten Büchern gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ich beende das Buch und mir kribbeln schon die Finger. Dann setze ich mich direkt an den Laptop und tippe meine Rezension, die dann meist eher kurz ist, aber eben voller übersprudelnder Begeisterung. Ich hoffe, dass man das auch liest. Oder aber ich mochte ein Buch total gerne, kann aber den Finger gar nicht darauf legen, warum das so war. Das tut mir dann immer sehr leid, denn dann habe ich das Gefühl, dem Buch gar nicht so richtig gerecht zu werden.
Schwer fallen mir Rezensionen auch dann, wenn ich das Buch aufgrund des Themas so toll fand, das sich aber erst im Laufe der Geschichte so richtig herauskristallisiert. Wie beschreibe ich da meine Begeisterung, ohne zu spoilern?
Bei durchschnittlichen Büchern geht es mir meist so, dass mir die Rezensionen dazu auch durchschnittlich leicht oder schwer fallen. Man hat ja einfach einige positive und einige negative Aspekte, die man ansprechen kann.
Wirklich schwer fallen mir negative Rezensionen, wenn ich Kontakt zu den Autoren hatte. Ich möchte gerne deutlich meine Meinung sagen und, wie du ja schon geschrieben hast, nichts beschönigen. Aber ich habe eben auch Respekt vor dem geschaffenen Werk und möchte möglichst sachlich bleiben. Diese Gratwanderung ist nicht immer leicht.

Tine: Gibt es einen Blog, auf dem du die Rezensionen grundsätzlich gerne liest, weil sie so ziemlich all deine Erwartungen an eine gute Buchbesprechung erfüllen?

Nanni: Da ich verschiedene Genres lese, sind es auch verschiedene Blogs, deren Rezis mich sehr ansprechen. Im Jugendbereich ist es Damaris liest, deren Rezensionen mir immer wieder Lust auf neue Romane machen, um Wunschlistenfutter aus der Belletristik zu bekommen, schaue ich sehr gerne bei Buzzaldrins Bücher vorbei. Beide schreiben recht lange Rezensionen, haben aber eine sehr gute Struktur, so dass die Rezis übersichtlich sind, und sind sprachlich sehr schön.
Außerdem hat die Zeit gezeigt, dass ich mich auf ihre Empfehlungen verlassen kann. Unsere Geschmäcker stimmen recht überein.

Nanni: Du liest ja viel High Fantasy. Auf welche spoilerfreien Rezensionen greifst du gerne zurück, wenn du dir ein neues Buch aus diesem Genre kaufen möchtest?

Tine: Puh, es gibt ja leider nicht so viele Blogs, auf denen High-Fantasy vorgestellt werden. Ich habe für mich auch noch nicht DEN Blog gefunden. Ich lese aber gerne die Meinungen auf Armarium nostrum, reading tidbits und Darkstars Fantasy News.

Wie sieht es bei euch aus? Stimmt ihr uns zu oder gibt es Punkte, zu denen ihr eine ganz andere Meinung habt? Was sind eure „No Go’s“ und was ist euch bei einer Rezension besonders wichtig?

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2 Gedanken zu “[Buchgeflüster hoch zwei] Rund um das Thema Rezensionen

  1. Eine sehr schöne thematische Auseinandersetzung habt ihr da zusammengebastelt. Und ich habe mich in euren Antworten teilweise auch wiedergefunden. Ich stimme z.B. Tine zu, dass Spoiler oder einfach zuviel inhaltliches verraten in Rezensionen gar nicht geht. Klar ist das schwer, da immer die richtige Menge zu treffen an Informationen und Inhalten – aber ich denke mir immer, eine Rezension ist nun mal eine Meinungsäußerung und keine Inhaltszusammenfassung. Wenn ich also überlege, wieviel Inhalt pack ich rein, dann neige ich im Zweifelsfall dazu, lieber weniger zum Inhalt zu schreiben.
    Aber da bin ich auch einfach so. Ich geb´s ganz ehrlich zu: ich mag zu lange Rezensionen gar nicht. Meistens lese ich die auch nicht. Ich habe dann nämlich schon vorher das Gefühl, dieser Text/die Rezension könnte mir zuviel über Stimmungen, Gedanken, Gefühle und die Atmosphäre, die im Buch herrscht, verraten – und das will ich doch schließlich lieber alles selbst erkunden und für mich herausfinden. Ich mag das eigentlich nicht besonders, wenn ich ein Buch in der Hand habe und mir denken muss „Ahja, Bloggerin XY hat das und das dazu gedacht, mal sehen, ob es mir ähnlich geht.“ Da geht ja schon ein wenig Leseerlebnis verloren, finde ich, wenn man schon vorher soviel darüber weiß. Und mir ging es leider bei ein, zwei Büchern auch schonmal so, dass ich mich zu sehr von der Meinung von anderen Bloggern habe lenken lassen und letztlich – zum Zeitpunkt meiner Rezension – genauso gedacht und gefühlt habe wie die anderen, nur weil ich es eben bei denen so gelesen hatte. Zwei Monate später, als ich das Buch noch einmal durchgeblättert habe, hatte ich aber eigentlich eine ganz andere Meinung dazu. Ich glaube, zuviele Rezensionen verwirren auch, wenn man die alle liest… 😮 Deswegen lasse ich mich heute auch nicht mehr so gern von manchen Rezensionen beeinflussen – oder ich lese sie eben gar nicht erst.
    Trotzdem ist es mir natürlich wichtig, dass in einer Rezension rüberkommt, wie das Buch dem Leser ganz persönlich gefallen hat. Sowas wie „Ich fand das Buch gut“ – sowas ist doch Mist und sagt ja nichts aus.
    Schwierige Gratwanderung :/

    • Huhu 🙂
      Wow, was für ein langer Kommentar! *freu*
      Ich war das Wochenende über nicht zuhause, deswegen antworte ich erst jetzt.

      Lange Rezensionen lese ich in der Regel gar nicht und wenn dann erst, nachdem ich das Buch selbst gelesen habe, um dann zu sehen, in wie weit ich mit der Meinung des Bloggers übereinstimme.

      Ich kenne ein ganz paar wenige Blogger, die eine lange Rezi so schreiben können, dass ich mich trotzdem nicht gepoilert fühle. Das sind aber wirklich wenige. 🙂

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