[Rezension] „Aprikosensommer“ von Deniz Selek

Klappentext:

Eve fliegt mit ihrer Mutter nach Istanbul, um ihren Vater ausfindig zu machen. Fünfzehn Jahre lang hat ihre Mutter alle Fragen nach ihm abgeblockt. Als er dann tatsächlich vor Eve steht, hat sie das Gefühl, endlich den fehlenden Teil ihrer Identität gefunden zu haben. Und dann ist da auch noch ihr Dolmetscher Sinan, in den sie sich Hals über Kopf verliebt … (Quelle)

Meine Meinung:

Der Klappentext zu diesem Buch ist etwas irreführend. Er suggeriert, dass ein Großteil der Handlung in Istanbul spielt. Tatsächlich findet die Handlung aber zunächst lange Zeit in Deutschland statt: Eve will seit jeher wissen, wer ihr Vater ist. Doch immer wieder sperrt sich ihre Mutter und scheint selbst nicht in dieses Kapitel ihres Lebens eintauchen zu wollen. Doch für Eve wird es immer wichtiger, mehr über ihren Vater zu erfahren und so den fehlenden Teil ihrer Identität zu ergänzen. Schließlich gibt ihre Mutter mit großem Zögern nach…

„Aprikosensommer“ ist eine Geschichte, in der es vor allem um die eigene Identität, um Gefühle und Erinnerungen geht. Es ist weniger eine Liebesgeschichte – auch hier weist der Klappentext in eine etwas falsche Richtung. Der Wunsch von Eve, mehr über ihren türkischen Vater zu erfahren, ist absolut nachvollziehbar und wird überzeugend dargestellt.

„Da, wo bei den meisten Menschen ein Bild ist, wenn sie an ihren Vater denken, war bei mir nur ein leerer Rahmen. Ich besaß kein einziges Foto von ihm, ich wusste nicht, wie er aussah oder wie er war. Das Einzige, was mir meine Mutter irgendwann verraten hatte, war, dass er Cengiz hieß und Türke war.“ (S. 42)

Irgendwann aber kann Eve ihre Mutter überzeugen und die beiden reisen nach Istanbul, damit Eve ihren Vater kennenlernen kann. Die Beschreibungen der Stadt sind wundervoll und haben dazu geführt, dass ich Istanbul irgendwann ein Mal tatsächlich erleben möchte. Die Atmosphäre, die die Autorin hier erschafft, ist mit den Händen greifbar.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich die Beziehung zwischen Eve und ihrer Mutter. Sie wird sehr unterschiedlich dargestellt. Mal scheint es so, als würden sich die beiden – abgesehen von dem ewigen Konflikt um die Identität von Eves Vater – ganz gut verstehen, dann wieder zweifelt Eve an der Liebe ihrer Mutter. Mich persönlich hat das beim Lesen etwas gestört. Ich weiß aber von einer Freundin, dass es ihr gar nicht negativ aufgefallen ist.

Insgesamt ist „Aprikosensommer“ ein tolles Jugendbuch, das gerade in der Zeit, in der viele Jugendliche ihren Vater nicht kennen, brandaktuell ist. Es besticht durch den überzeugenden Wunsch von Eve, endlich ihren Vater kennenzulernen, und durch die tolle Atmosphäre, die man beim Lesen der Beschreibungen der Erlebnisse in Istanbul greifen kann. Aufgrund kleiner Kritikpunkte muss ich jedoch ein paar Sterne abziehen und vergebe insgesamt 7 von 10 Sternen.

stern 7

Aprikosensommer – Deniz Selek – Klappbroschur – 288 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-7335-0066-5 – erschienen: März 2015 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s