[Rezension] „Schneeriese“ von Susan Kreller

Klappentext:

Seit er denken kann, lebt der 14-jährige Adrian neben Stella Maraun, die fast nicht lispelt und die beste Freundin ist, die er je hatte. Es kümmert sie nicht, dass Adrian wächst und wächst – 2,07 m soll er werden! – und sie nennt ihn liebevoll Einsneunzig, obwohl auch das schon nicht mehr stimmt.
Doch als Datos Familie in das leerstehende Dreitotenhaus nebenan einzieht, entspinnt sich zwischen Stella und Dato eine zarte Liebesgeschichte. Adrian muss den ersten furchtbaren Liebeskummer überleben – und vielleicht trotzdem schaffen, Stellas Freund zu bleiben. (Quelle)

Meine Meinung:

„Elefanten sieht man nicht“ von Susan Kreller habe ich im letzten Jahr gelesen und sehr gemocht. Nachdem nun auch „Schneeriese“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, war klar, dass ich es auch lesen würde.

Anders als in „Elefanten sieht man sich“, das sich mit dem Thema der häuslichen Gewalt beschäftigt, geht es in diesem Buch um ein eher „kleines“ Thema – zumindest erscheint es erstmal eher klein und unscheinbar: Adrian ist, seit er denken kann, mit seiner Nachbarin Stella befreundet. In der letzten Zeit aber empfindet er mehr für sie: Er möchte sie gerne zeichnen, nicht nur ihre Hände und Füße, sondern auch ihr Gesicht, denn das wäre die perfekte Ausrede, um sie möglichst lange ansehen zu können. Adrian ist in Stella verliebt. Doch die verliebt sich in den gerade erst hergezogenen Dato. Das kann Adrian kaum ertragen: Der Schmerz und die Trauer verändern ihn.

Und Adrian dachte, ja, tatsächlich, da gäbe es zwei oder zehn Kleinigkeiten, die dringend mal für mich zu tun wären. Du könntest mich fragen, ob ich dein Gesicht zeichnen will, ich selber frag ja nicht, du könntest mich anrufen jeden Tag, du könntest vor meiner Zimmertür stehen und Los, Beeilung! rufen, du könntest mit mir und der Misses auf der Schaukel sitzen und gar nichts tun, du könntest laut sagen, Dato, was für ein bescheuerter Name aber auch, wie kann einer bloß Dato heißen, du könntest mich einfach mal ansehen, du könntest mich Einsneunzig nennen, du könntest sagen, tut mir leid, dass ich dich aus Versehen vergessen hab, das kommt nie wieder vor in den nächsten fünf Wochen,“ (S. 53)

Freundschaft – Verliebtsein – unerwiderte Liebe: All das sind Themen, die Jugendliche sicherlich sehr beschäftigen. Ich bewundere die Autorin, wie sie sich ein kleines Stückchen dieser Themen nimmt und damit ein komplettes Buch füllt. Eigentlich passiert innerhalb der Geschichte recht wenig – und dann doch wieder so viel. Schwierig hingegen finde ich die Sprache: Wie auch schon in „Elefanten sieht man nicht“ ist die wörtliche Rede auch in diesem Buch nicht gekennzeichnet. Damit aber nicht genug: Wörtliche Rede, Erzählung und Gedanken gehen oft nahtlos ineinander über, was das Lesen wirklich schwer macht. Man muss sehr konzentriert sein, manchmal einen Satz ein zweites Mal lesen. All das ist nichts Schlimmes, aber doch frage ich mich: Für wen wurde dieses Buch geschrieben? Meiner Meinung nach für Erwachsene oder für Jugendliche, die es im Deutschunterricht in der Schule lesen, aber ich glaube kaum, dass junge Leser dieses Buch in ihrer Freizeit in die Hand nehmen.

„Schneeriese“ erzählt auf gelungene Weise von dem vierzehnjährigen Adrian, der in seine beste Freundin und Nachbarin verliebt ist und irgendwie damit zurecht kommen muss, dass diese nicht das Gleiche für ihn empfindet. Thematisch und auch von der Entwicklung der Figuren her hat das Buch eine Menge zu bieten. Sprachlich besticht es durch eine nicht einfache, teilweise schon fast lyrische Erzählweise, die das Lesen kompliziert macht. Ich vergebe insgesamt 7 von 10 Sternen!

stern 7

Schneeriese – Susan Kreller – Hardcover mit SU – 208 Seiten – 14,90 € – ISBN: 978-3-551-58318-5 – erschienen: September 2014 (Carlsen) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

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2 Gedanken zu “[Rezension] „Schneeriese“ von Susan Kreller

  1. Echt schöne Rezension! Ich habe mir das Buch letztens gekauft und ich glaube, ich werde heute mal anfangen, es zu lesen. 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Lisa
    traeumenvonbuechern.blogspot.de

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