[Rezension] „Am Ende des Alphabets“ von Fleur Beale

Klappentext:

Ruby ist die gute Seele der Familie. Sie putzt, kocht und kümmert sich um ihre kleinen Geschwister, während ihr schlauer Bruder Max immer nur dann auftaucht, wenn es Essen gibt, und sonst keinen Finger rührt. „Fußabtreter spielen“ nennt das Rubys beste Freundin. Und sie stellt sie vor ein Ultimatum – entweder Ruby beweist endlich Rückgrat oder die Freundschaft ist vorbei. In Ruby beginnt es zu rumoren. So kann es nicht weitergehen. Als sie auch noch ihr eigenes Zimmer aufgeben soll, ist klar – Ruby streikt!

Meine Meinung:

„Und was, wenn ich … streikte?
Ich schnappte nach Luft. Konnte ich das? Damit würde ich Mum das Leben ganz schön schwer machen. Lange saß ich da und dachte darüber nach.
Dann fuhr ich nach Hause. Ich hatte einen Plan. Hoffentlich hatte ich auch den Mumm – das Rückgrat – ihn in die Tat umzusetzen! Wenn nicht, würde ich mir wohl noch jahrelang das kleine Zimmer mit den Jungs teilen müssen.“ (S. 24)

Dieses Buch hat mir eine Freundin, die Buchhändlerin ist, eindringlich empfohlen. „Das ist ein absolutes Tine-Buch“, meinte sie und hatte damit total recht.

Die Hauptperson Ruby ist ganz nach meinem Geschmack: Mit ihren 14 Jahren muss sie schon ziemlich viel Verantwortung übernehmen, wohingegen ihr fast gleichaltriger Bruder keinen Handschlag im Haushalt hilft. Er ist ja auch schließlich der schlaue Sohn, der bestimmt mal Karriere machen wird. Ruby mit ihrer Lese-Rechtschreibschwäche wird vermutlich Putzfrau werden – so denkt zumindest Rubys Mutter.

Zum Glück hat Ruby ihre beste Freundin Tia, die sie dazu drängt, mehr für sich selbst einzustehen. So dass Ruby nach reiflicher Überlegung anfängt zu streiken und das einzufordern, was ihr zusteht. Diesen Prozess, die Veränderung von Ruby und wie sich die anderen Familienmitglieder gezwungenermaßen an die neue Ruby anpassen müssen, hat die Autorin wunderbar beschrieben. Mir hat besonders gut gefallen, dass Ruby nicht von einem auf den anderen Tag selbstbewusst, erfolgreich und bei allen beliebt ist, sondern immer wieder kleine Kämpfe ausstehen muss: sei es mit ihrem Chef, der ihr im Nebenjob weniger Geld zahlen möchte, nur weil sie nicht lesen kann, oder sei es mit sich selbst und ihrem eigenen Selbstbild.

Im Laufe der Geschichte lernt Ruby Maria kennen, eine junge Mutter, die Ruby vermittelt, dass sie nicht weniger wert oder dümmer als ihre Mitschüler ist, nur weil sie Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat:

„Und jetzt gehst du vor die Tür, kommst wieder rein und sagst: Maria, es gibt da etwas, das Sie wissen sollten. Und dann erzählst du es mir. Ich möchte, dass dir bewusst wird, wie unwichtig das ist. Dass du trotzdem ein kluges, kompetentes Mädchen bist.“ (S. 103)

„Am Ende des Alphabets“ ist ein warmherziges und kluges Buch, dass den Leser auf eine Reise mitnimmt und zwar auf die Reise von Ruby: Wir begleiten sie auf ihrem Weg vom „Fußabtreter“ der Familie hin zu einem selbstbewussten Mädchen. Fleur Beale schreibt dabei sehr einfühlsam und glaubhaft. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Mit einer klitzekleinen Kleinigkeit am Schluss war ich nicht ganz einverstanden, weswegen ich einen Stern abziehe. Grundsätzlich gilt aber: Dieses Buch sollte man gelesen haben. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Am Ende des Alphabets – Fleur Beale – Hardcover – 208 Seiten – 14,95 € – ISBN 978-3-86873-795-0 – erschienen: Februar 2015 (Knesebeck) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

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10 Gedanken zu “[Rezension] „Am Ende des Alphabets“ von Fleur Beale

  1. Das klingt nicht schlecht. Ich mag es, wenn eine Protagonistin sich ihre Veränderung erkämpfen muss und es so glaubwürdig dargestellt wird. Zu schade, dass die Bibliothek das Buch nicht im Angebot hat, aber ich halte es im Hinterkopf. 🙂

    • Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dir das Buch gefallen würde, auch wenn du ebenso wie ich eine kleine Unstimmigkeit am Ende empfinden würdest.
      Soll ich es dir leihen? Dann könntest du mir ne Mail mit deiner Adresse schicken.

      Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag, Tine 🙂

      • Wenn du das machen magst, komme ich sehr gern darauf zurück! 🙂 Dich hat die Unstimmigkeit am Ende ja nicht so sehr gestört, dann hoffe ich, dass bei mir auch der Rest des Buches überwiegt.

      • Klar, sehr gerne. Ich bin nur eine ganz schlechte Bücherverschickerin. Es kann sein, dass das Buch in einer Woche bei dir ist, es kann aber auch sein, dass es noch einen Monat dauert. Ich warne dich nur schon mal vor. 😀

      • Das kenne ich und ist überhaupt kein Problem. Ich habe ja noch ein oder zwei Bücher daheim, die ich nicht gelesen habe. 😉 Es wäre nur nett, wenn du kurz Bescheid sagen könntest, wenn du es losschickst, damit ich mir keine Gedanken über Postverluste machen muss. 🙂

      • Ja, so ein oder zwei … Dutzend … oder so … 😀 Und Mittwoch hole ich erst mal wieder drei Vorbestellungen aus der Bibliothek ab und es werden ganz bestimmt keine weiteren Bücher von mir ausgeliehen … glaube ich … 😀

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