[Rezension] „Nathan und seine Kinder“ von Mirjam Pressler

Klappentext:

Jerusalem, zur Zeit der Kreuzzüge um 1192: Ein junger Tempelritter rettet Recha, die Tochter des jüdischen Kaufmanns Nathan, aus dem Feuer. Daraufhin richtet Sultan Saladin die schwierigste aller Fragen an Nathan: Welche Religion ist die einzig wahre? Nathan antwortet mit dem berühmten Gleichnis von den drei Ringen – doch wird das den Sultan zufriedenstellen? Außerdem ahnt Nathan nicht, dass ihm inzwischen der christliche Patriarch von Jerusalem und ein moslemischer Hauptmann nach dem Leben trachten … (Quelle)

Meine Meinung:

„Nathan der Weise“ von Lessing und seine Ringparabel – gehört hatte ich auf jeden Fall schon von diesem Drama, es aber selbst noch nicht gelesen. Nun bot sich mir mit „Nathan und seine Kinder“ die Möglichkeit, eine etwas zeitgemäßere Version der Geschichte zu lesen.

„Es gibt in jedem Volk gute und ehrliche Menschen, egal zu welchem Gott sie beten, so wie es überall auch böse und grausame Menschen gibt.“ (S. 105)

Die Koexistenz der Religionen, das Miteinander und Füreinander: All das sind hochaktuelle Themen. Wundervoll, dass sich Mirjam Pressler ihnen noch ein Mal gewidmet und versucht hat, sie moderner und durch die Form des Romans leichtlesiger zu verfassen. Leider muss ich sagen, dass mir persönlich der Zugang zur Geschichte sehr schwer fiel. Ich habe mehrere Wochen an dem Buch gelesen, es immer wieder beiseite gelegt und bin anfangs kaum über die ersten Seiten hinaus gekommen.

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne von Juden, Muslimen und Christen miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.“ (S. 166)

Das änderte sich aber irgendwann, als ich ein Gespür für die verschiedenen Figuren, den Handlungsstrang und das Ziel der Geschichte bekommen hatte. Es ist Mirjam Pressler gut gelungen, einzelnen Figuren – allen voran Nathan und dem Waisenjungen Geschem – ein Profil zu geben. Schnell konnte ich mit den Figuren fühlen, ihre Gedanken und Weisheit annehmen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das Buch auch als Schullektüre eignet, würde allerdings empfehlen, den Einstieg durch unterstützende Materialien, Zusammenfassungen oder ähnliches zu erleichtern. Dann jedoch bietet das Buch eine hoffnungsvolle Weltansicht, viel Diskussionspotenzial, Worte und Einstellungen, die – wären sie verbreiteter – die Welt zu einem friedlicheren Ort machen würden:

„‚Gott oder Allah sind nur verschieden Namen für den einen, der Himmel und Erde gemacht hat‘, sagte ich. ‚Mein Vater sagt, es sind nur die Wege, ihm zu dienen, welche die Religionen unterscheiden, der Kern ist gleich: die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen. Und die Dankbarkeit für das Leben.'“ (S. 215/216)

„Nathan und seine Kinder“ soll die zeitgenössischere und leichtlesigere Version von „Nathan der Weise“ sein. Ohne das Originalwerk zu kennen, kann ich nur sagen, dass mir die Umsetzung der Grundidee, die Kernaussage der Geschichte und die Aktualität des Themas sehr gut gefallen haben. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass die Geschichte, insbesondere am Anfang, vielen Jugendlichen schwer zugänglich sein wird. Ich vergebe insgesamt sehr gute 6 von 10 Sternen.

stern 6

„Nathan und seine Kinder“ war 2010 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Nathan und seine Kinder – Mirjam Pressler – Taschenbuch – 264 Seiten – 8,95 € – ISBN: 978-3-407-74233-9 – erschienen: Januar 2015 (Beltz) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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2 Gedanken zu “[Rezension] „Nathan und seine Kinder“ von Mirjam Pressler

  1. Eine neue Umsetzung von „Nathan der Weise“? Das ist ja mal spannend. Schade, dass dich das Buch nicht ganz überzeugen konnte. Ich werde es auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten. Ich mag ja Lessings Drama, könnte mir aber auch gut vorstellen, dass ich an einer solch anderen Umsetzung Gefallen finden würde.

    • Ich habe einen Wikipedia-Artikel zu „Nathan der Weise“ quergelesen, um rauszufinden, wie viel das Drama und diese Geschichte gemein haben. Die Rahmenhandlung und auch die Ringparabel scheinen sehr ähnlich zu sein, allerdings gibt es inhaltlich kleine Unterschiede und auch eine Figur wurde stärker ausgebaut.
      Im Nachhinein fand ich das Buch sogar noch etwas besser, ich hatte nur erwartet, beim Lesen keine Schwierigkeiten zu haben, weil es ja eben ein Jugendbuch ist. Und dafür war es mir einfach zu schwergängig.

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