[Rezension] „Faceless“ von Alyssa Sheinmel

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„Zerstört. Was für ein unpassendes Wort. Zerstört sind Dörfer, über die ein Tsunami hereingebrochen ist. Oder Gebäude, die von einer Bombe getroffen wurde. Schiffe, die auf den Meeresgrund sinken. Aber etwas so Kleines, Unbedeutendes wie das Gesicht eines einzelnen Menschen kann doch nicht zerstört werden.“ (S. 28)

Maisie ist sechszehn Jahre alt, als ihr Gesicht durch einen Blitzeinschlag und einen dadurch resultierenden Elektrobrand zerstört wird. Sie hat nicht nur Vebrennungen dritten oder vierten Grades. Nein, die Ärzte mussten komplette Teile ihres Gesichts entfernen.

Maisie ist nun das Mädchen ohne Gesicht: Faceless. Und das ist nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne gemeint. Wer ist sie nun noch, nachdem ihr Kinn, Nase und eine Wange fehlen? Maisie hat zwar das Glück (obwohl sie selbst dieses Wort hasst), dass sie eine Gesichtstransplantation bekommt, aber trotzdem: Es ist nicht mehr ihr eigenes Gesicht, das sie mit sich herumtragen muss.

Vor dem Unfall (so nennen ihre Eltern das) war Maisie eine normale, glückliche Sechzehnjährige. Sie hatte einen Freund, der mit ihr zum Abschlussball gehen wollte, und eine beste Freundin. Sie war eine Einserschülerin und eine erfolgreiche Läuferin. Was davon ist jetzt noch geblieben?

Ich bin auf dieses Buch vor allem durch sein Cover aufmerksam geworden. Es ist so simpel und doch bezeichnend. Ein Mädchen ohne Gesicht und gleichzeitig ohne Identität. Was Maisie widerfährt, ist sicherlich für die wenigsten Leser nachvollziehbar. Und dennoch ist es der Autorin ganz ausgezeichnet gelungen, mich auf Maisies Suche nach sich selbst mitzunehmen. Sie schildert sehr glaubwürdig und authentisch Maisies Gefühle und Gedanken. Ja, manchmal verliert sich Maisie etwas zu sehr in ihrem Selbstmitleid. Ja, machmal ist sie unfair zu anderen. Aber wer kann es ihr verübeln?

Was ich an diesem Buch so mag, ist, dass tatsächlich Maisies eigene Geschichte im Vordergrund steht. Es geht zwar auch um ihre Beziehung zu ihrer besten Freundin, zu ihren Eltern und vor allem zu ihrem festen Freund, aber im Mittelpunkt steht doch immer sie selbst. So lesen wir keine rosarote Liebesgeschichte und kein Familiendrama, sondern es geht immer nur um die Frage: Wer ist die Maisie nach dem Unfall? Wer ist Maisie 2.0?

Ich mag Bücher, die beim Lesen etwas in mir bewegen. Die Gedanken in mir anstoßen und mich ein klein wenig verändern. So ein Buch ist „Faceless“ auf jeden Fall gewesen. Dazu noch einfühlsam erzählt und auf seine Art unterhaltsam. Von mir gibt es 9 von 10 Sternen!

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Faceless – Alyssa Sheinmel – Klappbroschur – 352 Seiten – 18,00 € – ISBN 978-3-446-25802-0  – erschienen: September 2017 (Hanser) – Übersetzung: Jessika Komina, Sandra Knuffinke

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4 Gedanken zu „[Rezension] „Faceless“ von Alyssa Sheinmel

  1. Das Buch war mir vor deiner Rezension noch nirgendwo begegnet, das Thema finde ich aber interessant. Gerade weil die Protagonistin noch ein Teenager ist – und deshalb eh noch auf der Suche nach der eigenen Identität – stelle ich mir so ein Leben ohne Gesicht sehr herausfordernd vor. Ich habe den Titel mal auf die Merliste der Onleihe gesetzt, aktuell ist er noch ausgeliehen (und ich habe eh weniger Zeit aus Bibliotheksbücher im Haus).

    • Dann bin ich gespannt, ob er irgendwann von deiner Merkliste auf den Reader wandert. 🙂
      Da ich mich in letzter Zeit mit dem Thema etwas mehr beschäftigt habe: Was für einen Reader hast du?

      • Wenn ich nach dem aktuellen Stand gehe, ist der Titel eh noch ein paar Monate lang nicht verfügbar. Ich schaue aber immer wieder auf meine Merkliste und wenn ich gerade wenig ausgeliehen habe, merke ich mir ein paar Bücher vor.

        Ich habe einen Tolino Page für die Onleihe und bin damit eigentlich sehr zufrieden. Es gibt nur zwei Sachen, die mich stören: 1. der An-/Aus-Schalter muckt bei meinem Exemplar häufig, so dass ich ihn regelmäßig nicht ausmachen kann, sondern auf das automatische Ausschalten bei Nichtbenutzung warten muss (auch nicht gut für den Akku-Stand) und 2. muss ich zum Blättern die rechten Bildschirmseite berühren und das passt mir bei längerem Lesen nicht, weshalb ich bei einer neuen Anschaffung (die ich mir eh erst gönnen würde, wenn mein Gerät unheilbar defekt wäre) auf einen Tolino mit Tap2Flip setzen würde. Da man da blättern kann, indem man auf die Rückseite des Geräts tippt, wäre es da einfacher die Hand beim Lesen zu wechseln. 😉

      • Danke für deine Meinung. Mal gucken, ob ich mir irgendwann nochmal einen richtigen E-Reader anschaffe. Da ich sehr selten Ebooks lese, reicht mir im Moment mein Tablet vollkommen aus.

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