[Rezension] „Vielleicht passiert ein Wunder“ von Sara Barnard

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„Wie viele Wörter hast du heute gesagt?“
Ich überlege: „Weniger als zwanzig, mehr als zehn.“ (S. 28)

Steffi ist stumm – zumindest meistens. Sie hat eine schwere soziale Angststörung, die sich in einer Form des selektiven Mutismus äußert. Steffi kann nur schwer mit fremden Personen oder in großen Gruppen reden. An ihrem ersten Tag in der Oberstufe wird ihr ein neuer Schüler vorgestellt: Rhys. Rhys ist gehörlos und kommuniziert in Gebärdensprache, die Steffi auch ein wenig beherrscht.

So anders und doch so gleich: Steffi und Rhys haben beide Probleme, sich mit anderen zu unterhalten. Doch tatsächlich verstehen sich die beiden gut: tagsüber in der Schule mithilfe der Gebärdensprache, abends dann über Nachrichten. Die beiden werden Freunde – und bald wird klar: Steffi mag Rhys. Und Rhys mag auch Steffi.

Die Geschichte, die hinter „Vielleicht passiert ein Wunder“ steckt, ist wunderschön. Und zum Glück völlig untypisch für eine Liebesgeschichte in einem Jugendbuch. Es gibt kein künstliches Hin und Her. Nicht nur dem Leser, sondern auch den beiden Hauptfiguren ist schnell klar, dass sie zusammengehören – zumindest für den Moment. Und so darf man teil haben an den ersten vorsichtigen Momenten der Annäherung, den ersten Begegnungen mit den Eltern, den ersten Unsicherheiten, den ersten Abenteuern, die die beiden gemeinsam erleben.

„Ich lehne mich an ihn, schmiege den Kopf an seine Brust, schließe die Augen. Für eine Umarmung muss niemand hören oder sprechen können.“ (S. 414)

Und obwohl die Liebesgeschichte sicherlich den größten Teil der Handlung ausmacht, gerät die Besonderheit der beiden Hauptfiguren nie in den Hintergrund. Insbesondere Steffis Entwicklung steht im Fokus: Sie gewinnt im Laufe der Geschichte immer mehr an Selbstsicherheit. Doch wer ist sie eigentlich, wenn sie sprechen kann?

Ich habe „Vielleicht passiert ein Wunder“ unglaublich gerne gelesen. Es birgt eine so liebevoll erzählte Geschichte um liebenswerte Hauptfiguren. Eine absolute Leseempfehlung! 9 von 10 Sternen!

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Vielleicht passiert ein Wunder – Sara Barnard – Hardcover – 416 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-7373-5560-5 – erschienen: Mai 2018 (Sauerländer) – Übersetzung: Ilse Layer

 

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4 Gedanken zu „[Rezension] „Vielleicht passiert ein Wunder“ von Sara Barnard

  1. Bei deinen Jugendbuchempfehlungen werde ich ja regelmäßig schwach. Schade, dass es dieses Buch nicht in der Bibliothek gibt, sonst wäre es gleich von mir vorgemerkt worden. 🙂

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