[Rund um’s Buch] DJLP 2016 – mein Eindruck von einigen der nominierten Bücher

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Wie in jedem Jahr habe ich mich mit einigen der nominierten Bücher für den Deutschen Jugendliteraturpreis beschäftigt. Wie in jedem Jahr habe ich mich hierbei auf die Jugendbücher konzentriert. Und wie in jedem Jahr habe ich es nicht geschafft, alle Bücher zu lesen. Und zu guter Letzt: Wie in jedem Jahr ist mein Eindruck natürlich absolut subjektiv. 🙂

Welche Bücher in den Sparten Jugendnominiert sind, seht ihr übrigens hier.

„Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ von Yoon

Ein Buch, was ein tolle Sprache und grundsätzlich eine interessante Grundidee hat. Mir hat der Schluss aber einfach gar nicht gut gefallen. Ich finde, dass es sich die Autorin damit etwas leicht gemacht. Meine ausführliche Rezension zum Buch findet ihr hier.

„Goodbye Bellmont“ von Quick

Dieses Buch hat mir wirklich gut gefallen. Es ist voller Emotionen und innerer Konflikte. Es werden viele wichtigen Themen wie Familie, Freundschaft, Ziele, Liebe und Identität angesprochen. Und das ganz subtil und unterhaltsam. Ein absolut lesenswertes Buch!

„Halbe Helden“ von Lange

Eine Freundschaft zwischen dem vermeintlich aggressivsten Jugendlichen der Schule, der kurz davor ist, mal wieder suspendiert zu werden, und einem Jungen mit Down-Syndrom – geht das? Und wenn ja: Wer profitiert mehr von dieser Freundschaft? Ein schönes Buch, das mir wirklich gut gefallen hat. Der DJLP wäre absolut verdient.

„Das hier ist kein Tagebuch“ – Sassen

Langsam, Seite für Seite erfahren wir die Geschichte von Bou. Warum geht er nicht mehr zur Schule? Wie kann er den Selbstmord seiner Mutter verarbeiten? Darf man darüber wütend sein? Und wie kann man mit all den nicht gefühlten Gefühlen umgehen? Wichtige, eindringliche Frage. Tiefe Trauer. Ein winziger Hauch von Hoffnung. Ein tolles Buch, das zum Nachdenken anregt.

„Eleanor & Park“ – Rowell


Mehr muss man dazu nicht sagen. Wer doch etwas genaueres lesen möchte, kann hier in meiner ausfürlichen Rezension stöbern.

„Mädchenmeute“ – Fuchs

Dieses Buch verwirrt mich. In Teilen finden ich es gut, unterhaltsam und bewegend. In großen Teilen aber auch einfach nur unrealistisch, überzogen und merkwürdig geschrieben. „Komisch“ trifft es in meinen Augen am besten.

Wie immer würde es mich interessieren, welche der nominierten Bücher du gelesen hast und wie du sie fandest. Ich freue mich auf deinen Kommentar.

[Rund um’s Buch] Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016

Huch? Ist es schon soweit? Die Nominierungen sind draußen? – Ihr seht: Ich bin gerade so von meinem restlichen Leben eingenommen, dass ich – ICH! – das gar nicht mitbekommen habe.
Nun hier aber zumindst die Nominierungen in den Bereichen Jugendbuch und Jugendjury. Den Rest könnt ihr hier nachlesen.

Nominierungen in der Sparte „Jugendbuch“

  1. „Halbe Helden“ von Erin Jade Lange
  2. „Das Fieber“ von Makiia Lucier
  3. „Ein Sommer am See“ von Mariko Tamaki
  4. „Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs
  5. „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell ( ❤ )
  6. „Das hier ist kein Tagebuch“ von Erna Sassen

Nominierungen in der Sparte „Preis der Jugendjury“

  1. „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon (auf dem SuB)
  2. „Train Kids“ von Dirk Reinhardt
  3. „Sommer unter schwarzen Flügeln“ von Peer Martin
  4. „Goodbye Bellmont“ von Matthew Quick
  5. „Das hier ist kein Tagebuch“ von Erna Sassen
  6. „Der Tiger in meinem Herzen“ von Patricia McCormick

Bei meinem derzeitigen Lesetempo sollte ich vielleicht jetzt schon beginnen, die Bücher zu lesen, damit ich vielleicht 2-3 bis zur Frankfurter Buchmesse schaffe … 😉

Welche kennt ihr?

[Rund um’s Buch] Vorstellung des Projekts: Autoren helfen

Manche von euch haben es vielleicht schon via Facebook oder irgendeinen anderen Kanal mitbekommen, da ich das Projekt aber so schön finde, möchte ich es hier doch noch teilen. Wovon ich rede? Hier von:

Autoren helfen

Autoren helfen - Header

Worum es bei diesem Projekt geht? Ich zitiere einfach mal:

„Autoren helfen“ ist eine Initiative von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ihre kreativen Kräfte bündeln und sich für humanitäre und soziale Anliegen einsetzen wollen. Erdacht wurde „Autoren helfen“ von fünf Autorinnen und Autoren im September 2015.
„Autoren helfen“ will eine Plattform sein, auf der sich jede Autorin und jeder Autor auf die eigene Weise einbringen kann. Sei es mit Texten, sei es mit Aktionen und Projekten jeglicher Art für den guten Zweck.
Unter dem Motto „Autoren unterstützen Flüchtlinge“ sagen die Initiatoren der ersten Kampagne dieser Plattform sehr bewusst Nein zu Rassismus und Ja zur Integration von Asylbewerbern.

Auf der Homepage dieser Initiative kann man zum Beispiel signierte Bücher erwerben (der Erlös wird dann gespendet), Tandem-Lesungen buchen (ein/eine Kinder- und JugendbuchautorIn gestaltet gemeinsam mit einem Flüchtling eine Lesung) oder einen geplanten Spendenlauf unterstützen.

Besonders schön finde ich auch die Unterseite „Stimmen für Toleranz“, auf der die teilnehmenden Autoren ein kurzes Statement zu dem Thema abgeben. Wirklich sehr berührend!

Ob ihr nun AutorIn seid und dem Projekt gerne beitreten möchtet, es als Leser unterstützen möchtet oder einfach nur neugierig seid: Ich finde Aufmerksamkeit hat diese schöne Aktion allemal verdient!

[Rund um’s Buch] Die SERAPH-Longlist 2016

Schon vor zwei Wochen etwa wurde die Longlist des SERAPH veröffentlicht, nun komme ich endlich mal dazu, die Nominierten kurz aufzulisten. Ich habe ja ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis zu diesem Phantastik-Preis, dennoch verfolge ich ihn natürlich!

Der SERAPH ist ein Jurypreis, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die besten Romane des Phantastik-Genres zu prämieren.
Jährlich verleiht die Phantastische Akademie im Rahmen der Leipziger Buchmesse den Literaturpreis in den Kategorien Bester Roman und Bestes Debüt. Der Förderpreis für Nachwuchstalente (Bestes Debüt) ist mit einem Preisgeld dotiert.
2016 wird der Preis außerdem in den Kategorien Bester Independent-Autor sowie Fantasy-Liebling verliehen. (Quelle)

Nominiert für „Bestes Debüt“

  1. Boege, Luise: Kaspers Freundin
  2. Brox, Kirsten: Matamba
  3. Capiti, Carmen: Das letzte Artefakt
  4. Illger, Daniel: Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts
  5. Loewe, Maja: Die Augen des Iriden
  6. Pfyl, Luzia: Cesario Aero
  7. Riescher, Bianca M.: Mitternachtsrot – Eine Erzählung aus Dschanor
  8. Waßmann, Arndt: Der Weg der Maga
  9. Weinert, Simon: Tassilo, der Mumienabrichter

Nominiert für „Bestes Buch“

  1. Aster, Christian von: Das eherne Buch
  2. Blazon, Nina: Der Winter der schwarzen Rose
  3. Brandhorst, Andreas: Das Schiff
  4. Corzilius, Thilo und Siegmund, Fabienne: Das Mädchen und der Leuchtturm
  5. El-Bahay, Akram: Flammenwüste 2 – Der Gefährte des Drachen
  6. Funke, Cornelia: Reckless 3 – Das goldene Garn
  7. Gates, Robin: Feuermuse
  8. Gläser, Mechthild: Die Buchspringer
  9. Hasse, Stefanie: BookElements 1 – Die Magie zwischen den Zeilen
  10. Mocikat, Anna: MUC – Die verborgene Stadt
  11. Orgel, T.S.: Die Blausteinkriege 1 – Das Erbe von Berun
  12. Reß, Alessandra: Spielende Götter
  13. Schreckenberg, Michael: Nomaden
  14. Speer, Natalie: Frostseelen
  15. Trecksel, Bernhard: Nebelmacher

Nominiert für „Bester Independent-Autor“

  1.  Mengel, Regina: Windsbraut
  2. Lanvall, Mark: Lichtsturm
  3. Graßhoff, Marie: Kernstaub
  4. Pharo, Miriam: Der Bund der Zwölf
  5. Anderfeldt, M.P.: Wolfsnacht
  6. Dean, Annie J.: Lana – Schattenbilder
  7. Kuhlmann, Hanna: Nachtschatten
  8. Thomas, Christin: Hope
  9. Labas, Laura: Pharos
  10. Karl, Werner: Druide der Spiegelkrieger

Wie ihr seht, habe ich insgesamt nur eines der Bücher gelesen. Und ihr? Gibt es eines, dass ich eurer Meinung nach unbedingt noch lesen sollte?

 

[Rund um’s Buch] Die Frankfurter Buchmesse 2015

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Und so war ich dieses Jahr statt geplanter zwei Tage nur am Samstag auf der Buchmesse. Gemeinsam mit meiner lieben Freundin Eva bin ich durch die Gänge geschlendert, habe Lesungen gehört und Eindrücke aufgenommen.

Das Piper Fantasy Event

Andreas Brandhorst

Andreas Brandhorst

Wie auch schon im letzten Jahr gehörte das Piper Fantasy-Event auf der Open Stage zu meinem absoluten Messehighlight. Dieses Jahr war neben den beiden Fantasy-Größen Markus Heitz und Michael Peinkofer (yeah!) auch der Science Fiction-Autor Andreas Brandhorst auf der Bühne. Wie auch schon im letzten Jahr moderierte Christian Handel absolut unterhaltsam durch die Veranstaltung.

Die drei Autoren lasen nicht nur aus ihren jeweiligen aktuellen Werken („Der Triumph der Zwerge“, „Sieg der Könige“ und „Das Schiff“), sondern plauderten auch ein bisschen aus dem Nähkästchen. So wissen wir nun beispielsweise, dass alle drei Autoren Plotter sind. Das bedeutet, alle drei konstruieren vor dem eigentlich Schreiben ihrer Bücher die komplette Handlung. Es wurde ganz offensichtlich, dass es ihnen davor grauen würde, „einfach so“ drauf los zu schreiben.
Andreas Brandhorst berichtete, dass er schon seit der Grundschule Geschichten schreiben würde. Die Science Fiction reizt ihn deswegen so, weil die Schauplätze, an denen er seine Geschichten ansiedeln kann, eben das komplette Universum umfassen und deswegen beinahe unbegrenzt groß sind.
Michael Peinkofer konnte mich (und sicherlich viele andere) mit der Nachricht begeistern, dass sein Fantasyroman „Splitterwelten“ endlich fortgesetzt wird (Doppel-Yeah!). Außerdem ist die Comic-Umsetzung von der Ork-Saga sehr weit, so dass er versprach zur Leipziger Buchmesse im nächsten Jahr mit den fertigen Comics anzureisen. Außerdem schreibt er gerade an einem finalen Band der Ork-Saga, um Balbok und Rammar einen würdigen Abschluss zu ermöglichen.

Michael Peinkofer - Lesung

Michael Peinkofer

Markus Heitz betonte, wie wichtig es ihm sei, beim Schreiben Abwechslung zu haben. Das sei auch der Grund, warum er nicht schon den 24. Band von „Die Zwerge“ geschrieben hätte, sondern immer mal wieder in anderen Genres wie Horror oder Science Fiction Bücher veröffentlicht. Außerdem ist es ihm wichtig, bekannte Klischees von Fantasywesen zu nutzen und abzuwandeln. Als Beispiel nannte er die vielen Volkssagen, die sich um Vampire drehen würden. Mit einem kleinen Augenzwinkern wies er aber darauf hin, dass es in keiner Volkssage Vampire geben würde, die im Sonnenlicht glitzern. 😉

Nach und vor der Lesung hatte ich noch die Möglichkeit, Fotos mit Markus Heitz und Michael Peinkofer zu machen. Ich glaube, man sieht mir an, wie sehr mich das gefreut hat. 😀

Markus Heitz und Michael Peinkofer klein

Markus Heitz // Michael Peinkofer

Pressetermin bei FJB

Nach der Veranstaltung musste ich mich leider ziemlich beeilen, denn wir hatten direkt einen Pressetermin bei Fischer FJB. All die interessanten Neuerscheinungen des kommenden Frühjahrs aufzuzählen, würde wahrscheinlich viel zu lange dauern. Man findet sie aber schon auf der Seite Neuerscheinungen mit den voraussichtlichen Erscheinungsdaten. Meine persönlichen Highlights sind “Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance” von Laure, die erscheinende Duologie von Gayle Forman („Nur ein Tag“ // „Und ein ganzes Jahr“) und das neue Werk von Annabel Pitcher „Schweigen ist Goldfisch“.

Gespräch und kurze Lesung mit Adnan Maral

Mehr durch Zufall und weil wir gerade Zeit hatten, kamen Eva und ich noch in den Genuss von Adnan Maral. Der Schauspieler, der vor allem durch „Türkisch für Anfänger“ bekannt geworden ist, hat gerade sein Jugendbuch „Super unkühl, Alter!“ rausgebracht. Das Buch liegt bei mir schon lesebereit im Regal.
Adnan Maral sprach von den Schwierigkeiten eines türkischen Schauspielers in Deutschland (Seine ersten Rollen waren die von einem Gemüsehändler und einem Dönerverkäufer namens Mehmet. Insgesamt spielte er etwa 12 verschiedene Mehmets. Sobald er ein Geschäftsmann darstellte, hing in seinem Büro das Bild eines Wasserfalls.) und dem Thema Identität.

Adnan Maral

Adnan Maral

Der Moderator Marc Langebeck hatte das Buch offensichtlich gelesen und leitete gut vorbereitet durch die Veranstaltung. So habe ich jetzt schon einen kleinen Eindruck davon, worum es in dem Buch geht, freue mich auf die Charaktere Douglas und Douglas und den Humor des Autors, der schon in dem kleinen Abschnitt, den er zum Schluss noch las, deutlich wurde.

TOPP-Kreativ und Frechverlag – MACH was!

Zum Abschluss hatte ich noch das große Glück, Eva zum Stand des TOPP Verlags begleitet zu haben. (Der Stand war übrigens wunderschön und ich hätte mir so ziemlich alle Bücher mitnehmen können.) Dort hatte sie bei einer Vorab-Aktionen einen DIY-Koffer gewonnen. Tja, und nun kam der Glücksmoment: Ich bekam direkt auch noch so einen Koffer zur Mitmach-Aktion „MACH was!“ in die Hand gedrückt. Da der Herbst und damit die gemütliche Sofa- und Bastelzeit ja direkt vor der Tür steht, freue ich mich sehr darüber und bin gespannt, was ich aus dem Inhalt so zaubern kann.

Mach was!

MACH was!-Aufkleber, Bastelanleitungen, Wolle, eine Häkelnadel, Schlüsselanhänger, Spraydosen und vieles mehr!

[Rund um’s Buch] Meine Meinung zu den Nominierungen des Deutschen Jugendliteraturpreises 2015

Die meisten von euch wissen, dass ich den Deutschen Jugendliteraturpreis und hierbei insbesondere die Sparten Jugendbuch und Jugendjury ganz genau beobachte. Seit März stehen die jeweils sechs Bücher fest, die in den einzelnen Sparten nominiert wurden. Hier gelangt ihr zur Gesamtübersicht.

Ich habe, inbesondere in den letzten beiden Wochen, versucht, so viele der nominierten Titel wie möglich zu lesen. Ganz geschafft habe ich es leider nicht. In der Kategorie Jugendbuch fehlen mir noch die Bücher „Jenseits der blauen Grenze“ von Dorit Linke und „Die unterirdische Sonne“ von Friedrich Ani, in der Kategorie Jugendjury habe ich die beiden Titel „Der Circle“ von Dave Eggers und „Wo ein bisschen Zeit ist“ von Emil Ostrovski noch nicht gelesen.

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle meine Meinung zu den nominierten Büchern kundtun und überlegen, ob und warum es die einzelnen Titel verdient hätten, den Preis zu gewinnen!
(Der Preis wird übrigens am Freitagabend vergeben.)

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendbuch, die ich gelesen habe

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendbuch, die ich gelesen habe

„Schneeriese“ von Susan Kreller (Rezension)

Darum geht es: Adrian ist in seine beste Freundin Stella verliebt, doch die verliebt sich in den neu zugezogenen Nachbarsjungen.

Das denke ich: Susan Kreller zeigt, dass sie auch die vermeintlich kleinen Themen wie die unerfüllte Liebe eines 14-jährigen Jungen zu einem großen und buchfüllenden Thema machen kann. Die Schreibweise der Autorin ist sehr literarisch und durch die fehlende Kennzeichnung von Gedanken und wörtlicher Rede nicht immer einfach zu lesen. Für ein Buch, das auch Jugendliche zum Lesen animieren soll, finde ich so eine Art zu schreiben zu lyrisch.

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan (Rezension)

Darum geht es: A wacht jeden Morgen in dem Körper eines anderen Jugendlichen auf und verbringt so das Leben. A. ist an sich nicht unzufrieden, bis er sich eines Tages verliebt.

Das denke ich: Dies ist ein Jugendbuch ganz nach meinem Geschmack: Leichtlesig und unterhaltsam, spannend und teilweise unfreiwillig komisch, aber dennoch mit einer wichtigen Message: Es kommt nicht auf den Körper, das Geschlecht und das Aussehen eines Menschen an, sondern nur auf das, was in ihm steckt. Ich wäre zufrieden, wenn dieser Titel gewinnen sollte.

„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz (Rezension)

Darum geht es: Aristoteles hat keine Freunde, bis er auf Dante trifft. Der steckt ihn mit seiner fröhlichen, gutherzigen Art an. Doch dann müssen die beiden feststellen, dass sie in ihrer Freundschaft einige Klippen umschiffen müssen.

Das denke ich: Lasst dieses Buch gewinnen! Bitte, bitte! Ich habe selten eine so einnehmende Geschichte über das Erwachsenwerden, die Freundschaft und Liebe gelesen. Aristoteles und Dante sind so wundervolle Charaktere und die ganze Atmosphäre der Geschichte ist unglaublich nah und greifbar.

„Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ von Christoph Wortmann (Rezension)

Darum geht es: Lennys großer Bruder ist gestorben und er versucht nun die Frage nach dem Warum zu beantworten.

Das denke ich: Humorvoll, leichtlesig und nicht zu lang geht dieses Buch interessanten Gedankengängen nach. Ab und an hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht, weswegen ich dafür wäre, dass eher eines der anderen Bücher gewinnt, obwohl ich dieses hier schon mochte. Aber die Konkurrenz ist einfach groß.

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendjury, die ich gelesen habe

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendjury, die ich gelesen habe

„Auf der richtigen Seite“ von William Sutcliffe (Rezension)

Darum geht es: Joshua wächst in einer künstlichen Stadt an einer großen Mauer auf. Eines Tages entdeckt er einen Tunnel und lernt Menschen kennen, die auf der anderen Seite der Mauer leben.

Das denke ich: Ein wichtiges und spannendes Thema wurde hier gekonnt umgesetzt. Sutcliffe hat tolle Charaktere geschaffen und besticht durch eine einnehmende Erzählweise. Ich mochte es auch, dass der Autor die großen Probleme mit den vermeintlich kleinen Problemen (ein aggressiver und alles überschattender Stiefvater) kombiniert. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Titel den Preis erhält. Er hätte ihn auch verdient.

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan (Rezension)

Darum geht es: A wacht jeden Morgen in dem Körper eines anderen Jugendlichen auf und verbringt so das Leben. A. ist an sich nicht unzufrieden, bis er sich eines Tages verliebt.

Das denke ich: Dies ist ein Jugendbuch ganz nach meinem Geschmack: Leichtlesig und unterhaltsam, spannend und teilweise unfreiwillig komisch, aber dennoch mit einer wichtigen Message: Es kommt nicht auf den Körper, das Geschlecht und das Aussehen eines Menschen an, sondern nur auf das, was in ihm steckt. Ich wäre zufrieden, wenn dieser Titel gewinnen sollte.

„Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch (Rezension)

Darum geht es: Carey und Jenessa wachsen mitten im Wald auf, wohin ihre drogensüchtige und psychisch kranke Mutter sie verschleppt hat. Als sie von einer Jugendamtsmitarbeiterin und ihrem Vater gefunden werden, müssen sie lernen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Das denke ich: Zunächst hat mich die Geschichte begeistert und sehr gefangen genommen. Mit einem Handlungsstrang am Ende war ich dann nicht mehr so einverstanden. Hier wird der Fokus auf Dinge gelegt, die das Buch meiner Meinung nach nicht nötig hat. Schade! Trotzdem könnte ich mich damit anfreunden, wenn dieses Buch gewinnen würde.

„Echt“ von Christoph Scheuring (Rezension)

Darum geht es: Albert verbringt viel Zeit auf dem Hauptbahnhof und fotografiert dort Abschiede. Durch eines dieser Fotos lernt er Kati kennen, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Doch die verbirgt ein Geheimnis.

Das denke ich: „Echt“ gehört zu den Büchern, die kaum in wenigen Sätzen beschrieben werden können, weil sie so unglaublich viele Themen umfassen. Diese Vielfalt, aber vor allem auch die Echtheit der Geschichte und der schonungslose, aber auch liebevolle Blick auf die Jugendlichen am Hauptbahnhof machen den Reiz der Geschichte aus. Ich würde dem Autor den Sieg von Herzen gönnen!

[Interview] Kathrin Schrocke

Foto Kathrin Schrocke

Kathrin Schrocke

Liebe Kathrin, schön, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Du bist Kinder- und Jugendbuchautorin und veröffentlichst sowohl unter deinem echten Namen als auch unter dem Pseudonym Amina Paul. Damit wir dich ein bisschen besser kennenlernen können: Beschreibe dich selbst als Mensch, als Autorin und als Leserin jeweils mit zwei Adjektiven!

KS:

Mensch: neugierig, tolerant

Autorin: rastlos, selbstkritisch

Leserin: süchtig, genussvoll

Ich kenne bisher vier deiner Bücher („Freak City“, „Verdammt gute Nächte“, „Mein Leben und andere Katastrophen“ und „Finding Alex“). Die Bücher behandeln sehr unterschiedliche Themen. Wie entscheidet sich, worum es in deinen Büchern geht? Gibt es ein Thema, das dir besonders am Herzen liegt, das du bisher noch nicht in einem Buch verwirklichen konntest?

KS: Ich schreibe fast immer über Themen, die es so im Jugendbuch bislang nicht oder ganz selten gab. Nischenthemen, die es erst einmal schwer auf dem Markt haben, weil scheinbar keine Zielgruppe existiert. Es macht mir Spaß zu beweisen, dass man Jugendliche auch für Stoffe interessieren und begeistern kann, die kein Mainstream sind. Außerdem liebe ich Außenseiter – oder besser gesagt: die unfreiwillige Außenseiterrolle. Der Clou in meinen Geschichten nämlich ist, dass es meist die ganz „normalen“ 0815-Typen sind, die ungewollt zu Sonderlingen werden. In „Freak City“ ist nicht die gehörlose Figur die Hauptprotagonistin, sondern ein ganz durchschnittlicher Junge, der durch seine Verliebtheit in ein taubes Mädchen plötzlich der Kritik der Außenwelt ausgesetzt ist. In „Mein Leben und andere Katastrophen“ kommt zwar ein schwules Väterpaar vor – die Geschichte aber handelt von einem völlig normalen Mädchen, das eben in diese Familienverhältnisse hineingeboren wurde. Zwei Themen über die ich seit Jahren schreiben will – und einfach nichts aufs Papier bekomme: Umweltaktivisten und Flüchtlinge.

Jugendbücher

Jugendbücher von Kathrin Schrocke

Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass deine Geschichten sowohl männliche als auch weibliche Ich-Erzähler haben. Gibt es eine Perspektive, die dir leichter fällt zu schreiben? Warum ist das so?

KS: Mir fällt es komischerweise leichter aus männlicher Perspektive zu schreiben. Vielleicht weil diese Sichtweise komplett auf Beobachtung, Interpretation und Fiktion basiert. Bei einer weiblichen Perspektive mache ich unbewusst immer den Realitätscheck: war das bei mir damals so? Habe ich als Mädchen wirklich so oder so gedacht?

Dein aktuelles Buch „Mein Leben und andere Katastrophen“ beschäftigt sich mit Themen wie Regenbogenfamilien (Kinder leben mit zwei gleichgeschlechtlichen Erwachsenen als Eltern zusammen) und Teenagerschwangerschaften. Was war für dich der Anlass dieses Buch zu schreiben und warum sind dir gerade diese Themen wichtig?

KS: Es gab zwei Auslöser für das Schreiben des Buches. Zum einen die Bürgerbewegung, die sich in Baden-Württemberg formiert hat, nachdem das Thema „sexuelle Vielfalt“ in die Lehrpläne aufgenommen werden sollte. Mich hat schockiert, wie viele Menschen der Meinung sind, dass es schädlich für Jugendliche sein könnte, im Unterricht über Themen wie Homosexualität oder Transsexualität zu sprechen. Die tollste Entwicklung der letzten Jahre ist doch gerade, dass man offen über solche Dinge diskutieren darf. Denn es gibt all das, egal wie man dazu stehen mag: schwule und lesbische Teenager, Mütter mit Lebensgefährtinnen und Väter mit Partnern. Kinder, die in diesen Familien aufwachsen. Menschen, die sich falsch in ihrem biologischen Körper fühlen. Sie haben ein Recht darauf, dass man sie nicht unsichtbar macht und totschweigt. Im gleichen Jahr der Debatte in Deutschland entstanden Gesetze in Russland, die es gesetzlich verboten, mit Jugendlichen über Homosexualität zu sprechen. Mein Gedanke damals war ganz einfach: Worüber du nicht sprechen darfst, darüber musst du schreiben! Diese Macht haben wir Autoren.

Die Hauptperson der Geschichte, die 13-jährige Barnie, hat zwei Väter: Dad und Papa. Für sie ist das völlig normal und kein besonderes Thema. Glaubst du, dass das in der Realität auch so ist? Hast du vielleicht sogar mit Kindern aus Regenbogenfamilien über dieses Thema gesprochen?

KS: Ja, natürlich habe ich Kinder aus Regenbogenfamilien kennen gelernt. Es ist immer die Realität, in die man hineinwächst, die man als „richtig“ und als „normal“ auffasst. Die Kinder von Michael Jackson wachen ja auch nicht jeden Morgen auf und denken sich als erstes: „Wow! Ich bin ein Promi-Kind!“ Für die ist das Normalität. Ein Thema wird es erst, wenn andere ein Problem damit haben und es thematisieren oder gar kritisieren. Barnie findet ihre Familie völlig ok – erst als ihr Freund Sergej sich abfällig äußert, gibt sie sich dem Gedankenspiel hin, wie es wäre, in einer Familie mit Mutter und Vater aufzuwachsen. Vermutlich gibt es viele Kinder aus Regenbogenfamilien, die im Lauf der Pubertät plötzlich Unbehagen empfinden, einfach weil keiner aus der Reihe tanzen will oder seltsam beäugt werden möchte. Aber das betrifft ja nahezu alle menschlichen Bereiche. Als Teenager ist es einem auch peinlich, wenn der Vater Hausmann ist, wenn die Mutter Übergewicht hat, die Eltern ein uncooles Auto fahren. Erwachsene Kinder aus Regenbogenfamilien sind meiner Erfahrung nach meist sehr stolz auf ihre Mütter und Väter, selbstbewusst – und natürlich nicht zwangsweise selbst homosexuell 🙂

Wenn ich mir vorstelle, dieses Buch mit meinen Achtklässlern zu lesen, kämen sicherlich sehr unterschiedliche Reaktionen von den Schülern. Meiner Erfahrung nach haben oft insbesondere Jungen mit wenig Selbstbewusstsein ein Problem mit Homosexualität. Wie sind da deine Eindrücke?

KS: Es ist spürbar, dass sich in den letzten 10 Jahren enorm viel getan hat. Ich habe damals den Roman „Finding Alex“ geschrieben – über einen transsexuellen Jungen. Wenn ich damit vor Klassen auftrat, herrschte erst mal schockiertes Schweigen oder peinliches Lachen. Es fielen dann tatsächlich Sätze wie: „Das ist total krank!“ oder „Igitt! Ist der etwa schwul?“ Vor zwei Wochen hatte ich eine Lesung aus meinem Buch „Mein Leben und andere Katastrophen“ vor einer 6. Klasse. Vor allem die Jungs waren begeistert vom Text. Fast jeder kannte jemanden, der homosexuell ist – und es ist kein einziges abfälliges Wort gefallen. Das fand ich schon richtig erstaunlich. Und bin hoch erfreut aus der Veranstaltung gegangen.

Ausgewählte Kinderbücher

Einige Kinderbücher, die unter dem Pseudonym Amina Paul erschienen sind

Meiner Einschätzung nach spricht „Mein Leben und andere Katastrophen“ eine sehr viel jüngere Zielgruppe an als beispielsweise „Verdammt gute Nächte“. War das beim Schreiben auch deine Absicht? Wie stellst du dich auf unterschiedliche Zielgruppen ein, worauf achtest du?

KS: „Verdammt gute Nächte“ beinhaltet explizite sexuelle Inhalte. Nicht, weil ich provozieren oder schockieren wollte, sondern weil es das Thema verlangt. Es geht mir im Buch ganz klar um Identität, Begehren und sexuelle Entwicklung. Damit war aber von Anfang an klar, dass sich die Geschichte eher an ältere Leser/innen richten würde. „Mein Leben und andere Katastrophen“ hingegen behandelt, auch wenn es viel um Aufklärungsunterricht geht und die Teenager bei einem Babyprojekt mitmachen, um das Thema Familie. Was macht Familie eigentlich aus? Sind zwei Schüler mit einer Plastikpuppe eine Familie? Zwei Männer mit einer Tochter? Eine alleinstehende Frau mit Hund? Ich versuche, den unterschiedlichen Zielgruppen auf einer unterschiedlichen sprachlichen Ebene zu begegnen. Auch der Humor ist ein völlig anderer. Als 13-jährige lacht man über gänzlich andere Dinge als als 16-jähriger. Auf diese beiden Bereiche lege ich meinen Fokus.

Zum Abschluss noch meine zwei Standardfragen: Welche Frage bekommst du in einem Interview viel zu oft gestellt und von welcher Frage wünscht du dir seit jeher, dass sie dir endlich mal gestellt wird?

KS: Ich werde erstaunlich oft gefragt, ob ich die Geschichten in meinen Büchern selbst erlebt habe. Was ich hingegen nie gefragt werde und mich manchmal selbst frage: Würde ich meiner 16-jährigen Tochter raten, selbst einmal Autorin zu werden? Da ich aber keine 16-jährige Tochter habe, erübrigt sich die Antwort 🙂

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