[Rezension] „DUMPLIN‘ – Go big or go home“ von Julie Murphy

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„Aber so bin ich nun mal. Ich bin dick. Das ist kein Schimpfwort. Keine Beleidigung. Jedenfalls nicht, wenn ich es sage.“ (S. 11)

Dumplin‘ heißt eigentlich Willowdean. Die meisten ihrer Freunde nennen sie Will, doch von ihrer Mutter wird sie immer Dumplin‘ genannt: Knödel. Ja, Willowdean ist dick, aber sie hat eine beste Freundin und viel Selbstbewusstsein. Dass sie dick ist, stört sie nicht. Eigentlich nicht. Doch dann verliebt sich sie in Bo. Bo ist unglaublich sportlich und unglaublich gutaussehend. Auf einer Skala von 1-10 ist er eindeutig eine 10. Und einen Pfirsichpo hat er auch noch. Und das Verrückteste: Bo scheint sich auch in Willowdean zu verlieben. Aber kann das überhaupt sein? Und würden nicht alle anderen über die beiden lachen, wenn sie gemeinsam irgendwo auftauchen würden?

Bodyshaming oder self-accpetance? Kann man schön sein, auch wenn man dick ist? Und noch viel wichtiger: Kann man glücklich sein, auch wenn man dick ist? Oder wäre man vielleicht noch glücklicher, wenn man schlank wäre? Ich finde, dass sich die Autorin an ein wirklich schwieriges Thema herangewagt, denn hier gibt es keine schwarz-weiß Antworten. Es gibt kein klares Ja oder Nein.

„Ich habe schon mein ganzes Leben lang einen Körper, der zu allen möglichen Kommentaren einlädt, und wenn ich irgendwas davon gelernt habe, dann ist es das hier: Wenn es nicht dein eigener Körper ist, dann hast du ihn auch nicht zu kommentieren. Dick. Dünn. Klein. Groß. Völlig egal.“ (S. 43)

Der Sommer, in dem sich Willowdean in Bo verliebt, ist für sie in vielerlei Hinsicht nicht ganz einfach. Wenn Bo sie an ihrem Bauch oder ihrer Hüfte berührt, fühlt sie sich plötzlich doch nicht mehr so selbstbewusst und normal. Im Gegenteil: Jedes Gramm, das sie mehr als andere Mädchen auf den Hüften hat, ist ihr bewusst. Dazu kommt noch, dass sie und ihre beste Freundin sich immer mehr auseinander leben. Und das gerade jetzt, wo Willowdean Ellen doch so sehr brauchen würde. Und wäre das alles nicht genug, findet wieder der alljährliche Schönheitswettbewerb in der Stadt fand, der von Willdowdeans Mutter geleitet wird. Dafür hat sie nun eigentlich so gar nichts übrig … oder doch?

Ich mochte „DUMPLIN'“ insbesondere deswegen so gerne, weil es zum Nachdenken anregt. Nicht alle Handlungen von Willowdean sind nachvollziehbar. Sie macht auch mal Fehler, ist auch mal unfair. Und genau das macht sie so authentisch und menschlich.

Während des Lesens habe ich mich gefragt, was die Autorin wohl als Quintessenz darstellen wird: Muss Willowdean abnehmen, um glücklich zu sein? Oder endet die Geschichte mit einem klaren „Nur das Innere zählt“? Um nicht zu viel vorweg zu nehmen, kann ich nur sagen: Ich bin zufrieden. Mit Willowdean, mit der Geschichte und der Art, wie mit dem Thema umgegangen wurde.

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DUMPLIN‘ – Julie Murphy – Hardcover – 400 Seiten – 18,99 € – ISBN 978-3-8414-2242-2 – erschienen: März 2018 (Fischer Verlage) – Übersetzung: Kattrin Stier

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[Rezension] „Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen“ von Elena Favilli und Francesca Cavallo

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„Niemand soll sich anmaßen, mir zu sagen, was ich kann und was nicht.“ (Amna al Haddad, S. 26)

Dieses Buch ist in der Buchwelt schon lange sehr bekannt. Viele haben es gelesen, alle haben es geliebt – so war zumindest mein Eindruck. Ich habe mich lange Zeit gescheut, es zu lesen. Zum Glück wanderte es zu Beginn der Woche dann doch in meine Einkaufstasche und dann zu mir nach Hause.

In „Good Night Stories for Rebel Girls“ geht es, wie auch der Untertitel schon sagt um die Geschichten von 100 außergewöhnlichen Frauen. Auf einer Doppelseite werden sie jeweils in Text und Bild porträtiert. Die Illustrationen stammen von über 60 Künstlerinnen. Da das Buch für junge Leser geschrieben wurde, sind die Texte leichtlesig und nicht überladen mit Fakten. Seite für Seite habe ich gelesen. Irgendwie konnte ich gar nicht aufhören. Und das, obwohl das Buch ein Sachbuch ist.

Die beschriebenen Frauen sind aus den unterschiedlichsten Gründen so außergewöhnlich: Manche aufgrund einer Sportlerkarriere, manche weil sie etwas erreicht haben, was noch nie eine Frau vor ihnen erreicht hat oder erreichen durfte. Es geht zum Beispiel um Naturwissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen oder Aktivistinnen.

„Wenn die ganze Welt schweigt, kann auch einzige Stimme mächtig sein.“ (Malala Yousafzai, S. 114)

Immer wieder habe ich während des Lesens meinem Freund von der ein oder anderen Frau erzählt. Besonders beeindruckt hat mich die Kenianerin Wangari Maathai, die durch ihre Initiative dafür sorgte, dass in Kenia über 40 Millionen neue Bäume gepflanzt wurden, um der Dürre entgegen zu wirken. Sie erhielt für ihre Arbeit den Friedensnobelpreis.

Die Geschichte jeder einzelnen Frau ist auch gleichzeitig die Geschichte einer bestimmten Zeit, eines bestimmten Landes und einer bestimmten Kultur. Spannend, in diese so zumindest für einen kurzen Moment eintauchen zu können. Beim Lesen wird mir bewusst: Was habe ich für ein Glück im Leben. Glück genau das sein zu dürfen, was ich sein möchte. Ohne dabei aufgrund meines Geschlechts benachteiligt zu werden.

„Hab keine Angst, die einzige Mohnblume in einem Feld voller Nazissen zu sein.“ (Michaela Deprince, S. 150)

Und trotzdem – vermutlich lehne ich mich jetzt weit aus dem Fenster: Ich hätte mich auch über ein Buch gefreut, in dem es einfach um außergewöhnliche Personen geht, egal ob sie nun Männer oder Frauen waren. Denn verdient es nicht jeder, der etwas Herausragende bewirkt hat und der auf seine Art außergewöhnlich ist, in diesem Buch erwähnt zu werden?

„Schreib auf, was nicht in Vergessenheit geraten darf.“ (Isabel Allende, S. 82)

„Good Night Stories for Rebel Girls“ war beim Lesen ein Herzensbuch und wird es  sicherlich auch danach noch für lange Zeit bleiben. Es regt zum Nachdenken und zum Austausch an. Deswegen möchte ich auch unbedingt wissen: Habt ihr das Buch schon gelesen? Welche der vorgestellten Frauen hat euch besonders nachhaltig beeindruckt?

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Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen – Elena Favilli & Francesca Cavallo – Hardcover – 224 Seiten – 24,00 € – ISBN 978-3-446-25690-3 – erschienen: September 2017 (Hanser Verlag) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren – Übersetzung: Birgitt Kollmann

 

[Reihenrezension] „Schwesterherz“ & „Bruderlüge“ von Kristina Ohlsson

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Kristina Ohlsson ist eine der wenigen Thrillerautoren, die ich noch gerne lese. Früher waren das noch viel mehr, mittlerweile mag ich aber andere Genre lieber. Doch die Bücher der schwedischen Autorin sorgen immer wieder dafür, dass ich stundenlang (und teilweise sogar bis spät in die Nacht hinein) zwischen den Buchdeckeln verschwinde.

Am bekanntesten ist sicherlich ihre Reihe um die Ermittlerin Fredrika Bergmann. Nun gibt es eine neue Hauptfigur: Martin Benner ist Anwalt, Adoptivvater seiner Nichte und lose verbandelt mit seiner Liebe aus Studienzeiten. Doch sein Leben soll sich von einem auf den nächsten Tag ändern, als plötzlich ein Mann in seine Kanzlei kommt und ihn bittet, seine Schwester zu verteidigen, die wegen fünffachen Mordes angeklagt wurde. Das Besondere: Seine Schwester, Sara, ist schon seit einigen Monaten tot. Außerdem hat sie kurz vor ihrem Selbstmord alle Morde gestanden. Dennoch glaubt ihr Bruder an ihre Unschuld. Zu guter letzt noch ist Saras Sohn Mio an dem Tag ihrer Flucht und ihres Todes spurlos verschwunden. Widerstrebend beginnt Martin den alten Fall aufzurollen. Mit jedem Dokument, was er liest, mit jeder Information, die er nach und nach bekommt, wird ihm klar: Irgendetwas stimmt hier so gar nicht. Und schon steckt er mitten drin – und das wird für ihn gefährlich. Lebensgefährlich.

Gemeinsam mit Martin Benner, übrigens ein Hauptcharakter mit Ecken und Kanten, die nicht immer liebenswert sind, setzt man auch als Leser Puzzlestück um Puzzlestück zusammen. Das Bild, das sich nach und nach ergibt, ist immer wieder überraschend und niemals schön. Die Originaltitel der Reihe („Lotus Blues“ und „Momos Blues“) sind meiner Meinung nach sehr passend. Die Bedeutung erschließt sich aber erst beim Lesen.

Am Ende des ersten Bandes kommt es zu einem kleinen Abschluss. Nichtsdestotrotz bleiben noch so viele Fragen offen, dass ich unbedingt direkt zum nächsten Band greifen musste, der zum Glück schon bereit lag. Die Geschichte ist sehr spannend konstruiert, die Wendungen haben mich immer wieder gepackt. Trotzdem ist „konstruiert“ für mich auch das Stichwort für meine leise Kritik. Am Ende von „Bruderlüge“ (ich würde vermuten, dass dies auch das letzte Buch dieser Reihe ist) werden zwar alle losen Fäden mteinander verknüpft, aber die Auflösung kommt mir sehr konstruiert, sehr unwahrscheinlich und überzufällig vor. Schade!

Eigentlich haben mir „Schwesterherz“ und „Bruderlüge“ sehr gut gefallen und konnten mich an die Seite fesseln. Da mir persönlich die Auflösung des Ganzen nicht komplett gefallen hat, vergebe ich in diesem Fall „nur“ 7 Sterne.

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Schwesterherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 480 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2663-1 – erschienen: April 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann
Bruderherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 448 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2667-9 – erschienen: Juni 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann

[Rezension] „Eine Handvoll Lila“ von Ashley Herring Blake

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„Über Mom zu sprechen, fühlt sich irgendwie an wie Verrat. Es klingt alles so tragisch, fast klischeehaft, wie aus einer Seifenoper. Und meine Mutter … na ja, sie ist eben meine Mutter. Und so schlimm ist nun auch wieder nicht. So schlimm nicht.“ (S. 109/110)

Grace geht es gut. Okay eben. Naja, eigentlich geht es ihr nicht gut. Tatsächlich geht es ihr sogar schlecht. Grace‘ Vater ist gestorben, als sie zwei Jahre alt war, aber das ist nicht der Grund dafür, dass es ihr nicht gut geht. Eigentlich kann sie sich nämlich gar nicht mehr richtig an ihn erinnern. Anders als ihre Mutter. Die trauert seitdem – und das auf ihre Art und Weise: mit viel Alkohol, ständig wechselnden Männern und Wohnungen. Mehr als ein Mal musste Grace ihre Mutter betrunken aus einer Bar nach Hause verfrachten – wo auch immer das auch gerade ist.

Aber ihre Mutter ist eben doch ihre Mutter. Was macht es da schon, dass sie in dem einen Jahr Grace‘ Geburtstag am falschen Tag feiern wollte? Immerhin wollte sie ihn doch feiern, oder? Und oft genug macht ihre Mutter ja auch nette Kleinigkeiten für ihre Tochter, da sollte Grace schon darüber hinwegsehen können, dass ihre Mutter ihr regelmäßig das Trinkgeld aus der Schatulle stiehlt. Und überhaupt: Wie sollte ihre Mutter überhaupt ohne sie zurecht kommen? Ihre Mutter braucht sie! Und so stellt Grace ihre eigenen Pläne und Wünsche hintenan. Immer und immer wieder.

Doch dann ist da plötzlich Eva. Eva, die ihre Mutter vor kurzem verloren hat. Eva, die so todtraurig und wunderschön zugleich ist. Eva, mit der sich Grace so wohl fühlt. So entspannt. Und wenn sie mit Eva zusammen ist, kann Grace für einen kurzen Moment sogar ihre Mutter vergessen. Doch reicht das?

„‚Ich mag Mädchen, Grace.‘
Es ist, als flattern ihre Worte im Wind, würden erst in die eine und dann in die andere Richtung geworfen, um dann zwischen uns zu landen.“ (S. 115)

Ich denke, die wenigsten Leser können sich in Grace‘ Lage versetzen. Die wenigsten wissen, wie es ist, von der eigenen Mutter viel zu sehr gebraucht zu werden, viel zu früh erwachsen werden zu müssen, sie ein Stück weit zu hassen und sie doch so sehr zu lieben. Es ist der Autorin sehr gut gelungen, diese widersprüchlichen Gefühle von Grace deutlich zu machen.

Anfangs habe ich mich nicht ganz in der Geschichte zurecht gefunden. Es ging mir alles etwas schnell: Sehr abrupt wurde ich in das Leben von Grace und ihrer Mutter hineingeworfen. Und auch die erste Begegnung von Grace und Eva kam ziemlich plötzlich. Zunächst passten die beiden Geschichten für mich nicht ganz zusammen. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht aufhören konnte zu lesen. An dem ich mir Tränen aus den Augen wischen musste, um im nächsten Augenblick leise in mich hinein zu lachen.

Vermutlich kann eine Rezension diesem Buch gar nicht gerecht werden. Und auch was es mit der Farbe Lila auf sich hat und wie toll Grace‘ bester Freund ist, müsst ihr selbst nachlesen. Ich kann nur sagen, dass dies ein Geschichte ist, die mich sehr berührt hat. 9 von 10 Sternen!

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Eine Handvoll Lila – Ashley Herring Blake – Hardcover – 18,00 € – 352 Seiten – ISBN: 978-3-7348-5030-1 – erschienen: Januar 2018 (Magellan Verlag) – Übersetzung: Birgit Salzmann – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Der Schein“ von Ella Blix

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Oftmals beginne ich eine Rezension mit einem Zitat aus dem Buch. Ein prägnanter Satz, der für mich das Gefühl während des Lesens widerspiegelt. Dieses Mal möchte ich mich gerne selbst zitieren. Nicht weil das Buch nicht auch viele tolle Sätze beinhaltet, sondern weil dieser Satz einfach alles ausdrückt, was das Buch für mich ausgemacht hat.

„Puh, die beiden Autorinnen schreiben einfach unfassbar gut!“ (Ich, atemlos und mit Gänsehaut)

Die Autorinnen? Ja, genau! Ella Blix ist das gemeinsame Pseudonym des Autorinnenduos Antje Wagner und Tania Witte. Dies ist das erste gemeinsame Buch der beiden. Antje Wagner kenne ich als Autorin schon recht lange und habe einige ihrer Bücher gelesen, besonders begeistern konnten mich bisher „Vakuum“ und „Unland“.

In „Der Schein“ geht es um die knapp siebzehnjährige Alina, die mitten im Schuljahr auf das Internat „Hoge Zand“ auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun wechselt. Auf Griffiun gibt es so gut wie nichts: einen kleinen Stadtkern, Strand und das große Naturschutzgebiet direkt hinter dem Internat. Doch dies zu betreten, ist den Schülern strengstens verboten. Umso merkwürdiger findet Alina es, dass sie eines Nachts einen hellen Schein genau aus dem Naturschutzgebiet leuchten sieht. Und dann ist da noch das schwarze Schiff, das urplötzlich wie aus dem Nichts vor ihren Augen auftaucht und wieder verschwindet. Neugierig macht sich Alina doch auf den Weg in das verbotene Gebiet und trifft dort auf Tinka, die eindeutig ein Geheimnis verbirgt. Warum fühlt Alina sich auf unerklärliche Weise so sehr mit Tinka verbunden?

„Meine Hände fingen an zu zittern, und ich krampfte sie fester um das Fernglas.
Das schwarze Etwas, das meinen Blick verdunkelt hatte, war ein Schiff. Und es war riesig! An der Spitze des Mastes befand sich eine große Kugel.
Eine Kugel …?“ (S. 159)

Eigentlich liegen mir Geschichten, in denen sich zwei Genre miteinander mischen, nicht so gut. Die Bücher von Antje Wagner haben da schon oft eine Ausnahme gemacht. Und dies scheint auch für „Der Schein“ zu gelten: Denn zu dem ganz normalen Jugendroman, in dem es um eine Gruppe Jugendlicher, eine geheimnisvolle Legende und Alinas persönliche Geschichte geht, kommt eine gehörige Portion Mystery und ein wenig Science-Fiction dazu. Und ich habe es geliebt!

Ich bin förmlich über die Seiten geflogen, gebannt von den liebevoll gezeichneten Charakteren – Alina trifft dort nämlich auf die Lonelies, eine Gruppe Jugendlicher, die alle aus verschiedenen Gründen an den Wochenende und in den Ferien nicht nach Hause fahren – und der fesselnden Schreibweise des Autorenduos. Ich habe oben nicht übertrieben: Die Geschichte hat mich so mitgerissen, dass mir beim Lesen an manchen Stellen wirklich der Atem stockte und mein Herz raste.

Von mir gibt es für „Der Schein“ eine ganz deutliche Leseempfehlung und ich hoffe sehr, dass dies nicht das letzte Buch sein wird, das ich von Ella Blix lesen darf! 10 von 10 Sternen!

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Der Schein – Ella Blix – Hardcover mit SU – 472 Seiten – 18,00 € – ISBN: 978-3-401-60413-8 – erschienen: Januar 2018 (Arena) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Wie ein Fisch im Baum“ von Lynda Mullaly Hunt

Wie ein Fisch im Baum von Lynda Mullaly Hunt

„Wörter. Ich entkomme ihnen nie.“ (S. 32)

Ally hasst die Schule. Jeden Tag aufs Neue muss sie dorthin. Jeden Tag aufs Neue gibt sie ihr Bestes. Jeden Tag aufs Neue scheitert sie. Sie kann nicht lesen und schreiben. Die Buchstaben tanzen vor ihren Augen. Sie bekommt sie nicht gegriffen. Doch das ist ein Geheimnis. Niemand darf das erfahren. Und deswegen versucht Ally so gut es geht unsichtbar zu sein. Denn niemand darf mitbekommen, wie dumm sie eigentlich ist.

„Ich werde mich bessern. Ich werde mich noch mehr anstrengen. Das ist alles, was ich tun muss. Ich werde mich diesmal wirklich konzentrieren. Dabei weiß ich, dass ich das schon so oft probiert habe und dass es nicht klappt.“ (S. 46/47)

Allys Geschichte zu lesen, ihren Worten zu lauschen, tut weh. Es zerreißt einem fast das Herz. So ein warmherzigen und vor allem kluges Mädchen, das sich so schrecklich dumm und wertlos fühlt. Ihre Unfähigkeit zu lesen und zu schreiben hat Auswirkungen auf ihr ganzes Leben, auf ihr Selbstbild, auf ihre Identität.

„Ich möchte einfach … ich will nur ein einziges Mal dazupassen. Das wünsche ich mir wirklich. Einfach so zu sein wie alle anderen.“ (S. 159)

Doch Ally hat großes Glück: Sie bekommt einen neuen Lehrer, der sie endlich so sieht, wie sie wirklich ist: Klug und liebenswert – mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche. Doch kann er es schaffen, dass Ally sich selbst und ihren eigenen Fähigkeiten vertraut? Dass sie erkennt, dass gerade ihre Einzigartigkeit sie so besonders macht?

„Wie ein Fisch im Baum“ – so lautet der Titel, der auf einem kleinen Gleichnis beruht, bei dem mehrere Tiere, unter anderen auch ein Fisch, die Aufgabe bekommen, auf einen Baum zu gelangen. Alle haben die gleiche Aufgabe, also ist es doch fair, oder?

„Jeder ist auf seine Art klug. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein Leben lang glauben, dass er dumm ist.“ (S. 180)

Ich bin selbst Lehrerin und finde, dass die Autorin Ally und alles, was sie ausmacht (ihre Stärken, Schwächen, Ängste und auch ihre Entwicklung), sehr überzeugend und sensibel dargestellt hat.

Ich liebe diese Geschichte und hoffe, dass sie ganz viele große und kleine Leser findet, die so lernen, einen Blick über den Tellerrand zu wagen und Menschen nicht an dem zu bewerten, was sie als normal ansehen. Denn wenn man von Ally eines lernen kann, ist es das hier: Eine einzige Fähigkeit oder Unfähigkeit, etwas zu tun, sagt nichts über den Rest eines Menschen aus. Nichts darüber, ob er klug oder dumm ist. Nichts darüber, wie sehr er sich bemüht und anstrengt. Und vor allem nichts darüber, ob er ein gutes Herz hat.

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Wie ein Fisch im Baum – Lynda Mullaly Hunt – Hardcover mit SU – 12,99 € – 304 Seiten – ISBN: 978-3-570-16420-4  – erschienen: Oktober 2016 (cbt) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren – Übersetzung: Renate Weitbrecht

[Rezension] „Faceless“ von Alyssa Sheinmel

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„Zerstört. Was für ein unpassendes Wort. Zerstört sind Dörfer, über die ein Tsunami hereingebrochen ist. Oder Gebäude, die von einer Bombe getroffen wurde. Schiffe, die auf den Meeresgrund sinken. Aber etwas so Kleines, Unbedeutendes wie das Gesicht eines einzelnen Menschen kann doch nicht zerstört werden.“ (S. 28)

Maisie ist sechszehn Jahre alt, als ihr Gesicht durch einen Blitzeinschlag und einen dadurch resultierenden Elektrobrand zerstört wird. Sie hat nicht nur Vebrennungen dritten oder vierten Grades. Nein, die Ärzte mussten komplette Teile ihres Gesichts entfernen.

Maisie ist nun das Mädchen ohne Gesicht: Faceless. Und das ist nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne gemeint. Wer ist sie nun noch, nachdem ihr Kinn, Nase und eine Wange fehlen? Maisie hat zwar das Glück (obwohl sie selbst dieses Wort hasst), dass sie eine Gesichtstransplantation bekommt, aber trotzdem: Es ist nicht mehr ihr eigenes Gesicht, das sie mit sich herumtragen muss.

Vor dem Unfall (so nennen ihre Eltern das) war Maisie eine normale, glückliche Sechzehnjährige. Sie hatte einen Freund, der mit ihr zum Abschlussball gehen wollte, und eine beste Freundin. Sie war eine Einserschülerin und eine erfolgreiche Läuferin. Was davon ist jetzt noch geblieben?

Ich bin auf dieses Buch vor allem durch sein Cover aufmerksam geworden. Es ist so simpel und doch bezeichnend. Ein Mädchen ohne Gesicht und gleichzeitig ohne Identität. Was Maisie widerfährt, ist sicherlich für die wenigsten Leser nachvollziehbar. Und dennoch ist es der Autorin ganz ausgezeichnet gelungen, mich auf Maisies Suche nach sich selbst mitzunehmen. Sie schildert sehr glaubwürdig und authentisch Maisies Gefühle und Gedanken. Ja, manchmal verliert sich Maisie etwas zu sehr in ihrem Selbstmitleid. Ja, machmal ist sie unfair zu anderen. Aber wer kann es ihr verübeln?

Was ich an diesem Buch so mag, ist, dass tatsächlich Maisies eigene Geschichte im Vordergrund steht. Es geht zwar auch um ihre Beziehung zu ihrer besten Freundin, zu ihren Eltern und vor allem zu ihrem festen Freund, aber im Mittelpunkt steht doch immer sie selbst. So lesen wir keine rosarote Liebesgeschichte und kein Familiendrama, sondern es geht immer nur um die Frage: Wer ist die Maisie nach dem Unfall? Wer ist Maisie 2.0?

Ich mag Bücher, die beim Lesen etwas in mir bewegen. Die Gedanken in mir anstoßen und mich ein klein wenig verändern. So ein Buch ist „Faceless“ auf jeden Fall gewesen. Dazu noch einfühlsam erzählt und auf seine Art unterhaltsam. Von mir gibt es 9 von 10 Sternen!

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Faceless – Alyssa Sheinmel – Klappbroschur – 352 Seiten – 18,00 € – ISBN 978-3-446-25802-0  – erschienen: September 2017 (Hanser) – Übersetzung: Jessika Komina, Sandra Knuffinke

[Reihenrezension] „Bigtime“ von Jennifer Estep

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Reiheninformation:

  1. „Karma Girl. Bigtime 1“
  2. „Hot Mama. Bigtime 2“
  3. „Jinx. Bigtime 3“ (erscheint am 3.4.2018)
  4. „A Karma Girl Christmas. Bigtime 3.5“ (bisher nur auf englisch erschienen)
  5. „Nightingale. Bigtime 4“ (bisher nur auf englisch erschienen)
  6. „Fandemic. Bigtime 5“ (bisher nur auf englisch erschienen)

 Bigtime – Die Stadt der Superhelden und Superschurken

Zugegebenermaßen – das Ganze hier eine Reihenrezension zu nennen, obwohl ich bisher nur die ersten beiden Bände gelesen habe, ist etwas mutig. Allerdings finde ich es bei Büchern einer Reihe immer schwierig, jeden Titel einzeln zu rezensieren. Und trotzdem möchte ich euch auch diese Reihe von Jennifer Estep schon jetzt vorstellen.

Wie die Überschrift schon sagt, spielt die Handlung in einer Zeit, in der jede Stadt mindestens einen eigenen Superhelden und einen Superschurken hat. Manche größere Städte wie Bigtime haben sogar mehrere.

Hauptperson des ersten Bandes ist Carmen, eine Zeitungsreporterin. Am Tag ihrer Hochzeit musste Carmen feststellen, dass ihr Verlobter ein Superheld ist. Und ihre Trauzeugin eine Superschurkin. Und dass die beiden Supersex miteinander haben. Seitdem hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Superhelden zu demaskieren. Und Carmen ist erfolgreich. Superheld um Superheld wird von ihr erkannt und seine wahre Identität veröffentlicht. Den Superschurken ergeht es nicht besser. Doch in Bigtime kommt Carmen an ihre Grenzen: Wer steckt hinter den Fearless Five und wer verbirgt sich hinter dem Trio der Terrible Trinity? Dass Carmen dann noch von der Trinity entführt und für deren Zwecke missbraucht wird, erschwert ihr die Arbeit genauso sehr wie die Tatsache, dass sie sich zu einem der Superhelden der Fearless Five sehr hingezogen fühlt …

Bigtime

Klingt das für euch etwas kitschig und klischeehaft? So ging es mir zumindest. Die Bigtime-Reihe ist anders als die bisherigen deutschen Bücher von Jennifer Estep nicht bei Piper ivi veröffentlicht worden, sondern im Erwachsenenprogramm des Verlages. Das hat vermutlich vor allem mit den vielen leidenschaftlichen Sexszenen zu tun, die es in den Büchern gibt. Diese klingen zwar eher nach einem billigen Groschenroman, sind aber auf jeden Fall unterhaltsam:

„Johnny tauchte in mich ein, als sei ich ein köstliches Dessert, das nur darauf wartete, von ihm verputzt zu werden. Seine Zunge. Seine Finger. Streichelnd. Liebkosend.“ (Hot Mama. Bigtime 2, S. 156)

Eigentlich ging es mir beim Lesen durchgängig so: Die Handlung ist manchmal etwas seicht und die Demaskierung der Superhelden und – schurken gelang mir häufig schneller als z.B. Carmen. Nichtsdestrotz habe ich mich gut unterhalten gefühlt und direkt nach dem ersten Band zum nächsten Teil gegriffen, der dann übrigens nicht mehr Carmen als Hauptperson hat. Soweit ich das bisher erkennen kann, bekommt jedes Buch eine eigene Protagonistin. Das war für mich zwar etwas gewöhnungsbedürftig, brachte dann aber auch nette Abwechslung.

Ich habe „Karma Girl“ und „Big Mama“ wirklich gerne gelesen. Und obwohl ich nicht voll und ganz begeistert bin, freue ich mich schon auf das Erscheinen von „Jinx“ – dem dritten Band der Bigtime-Reihe. Bisher vergebe ich 7 von 10 Sternen!

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Karma Girl – Jennifer Estep – Taschenbuch – 400 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-492-28037-2 – erschienen: April 2017 (Piper) – Übersetzung: Vanessa Lamatsch 
Hot Mama – Jennifer Estep – Taschenbuch – 400 Seiten – 13,00 € – ISBN: 978-3-492-28038-9 – erschienen: Oktober 2017 (Piper) – Übersetzung: Michaela Link

 

[Rezension] „Café Morelli“ von G. R. Gemin

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Vor wenigen Minuten habe ich die letzten Seiten von „Café Morelli“ gelesen – und zwar mit Tränen der Rührung in den Augen. Hinter diesem wunderschönen Cover verbirgt sich ein echtes Herzensbuch.

Das Café Morelli ist schon seit vielen Generationen in Joes Familie. Schon seit sein Urgroßvater vor Jahren aus Italien nach Wales gekommen ist, um dort Arbeit zu finden. Doch mittlerweile läuft das Café nicht mehr richtig. Und so überlegt Joes Mutter, das Café zu verkaufen. Doch Joe liebt das Café und lässt nichts unversucht, um das Erbe seiner Familie zu retten …

Ich kann gar nicht ganz in Worte fassen, was dieses Buch so wundervoll macht. Ich glaube, es ist die Hoffnung, die die Geschichte vermittelt. Du musst nur fest genug an etwas glauben, dann wird es dir auch gelingen. Es ist aber auch das Gefühl von einem schönen Miteinander, davon, dass man sich gegenseitig helfen muss, um wirklich glücklich zu sein. Es ist die Tatsache, dass in diesem Buch, die heutige Geschichte so gekonnt mit der Geschichte von Joes Urgroßvater verknüpft wird, der im zweiten Weltkrieg plötzlich inhaftiert wird, nur weil er Italiener ist. Und nicht zuletzt ist dieses Buch vermutlich so berührend, weil man das Herzblut spürt, das G. R. Gemin in die Geschichte gesteckt hat.

Herzensbücher bekommen selbstverständlich 10 von 10 Sternen!

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Café Morelli – G. R. Gemin – Hardcover mit SU – 272 Seiten – 17,50 € – ISBN: 978-3-551-56043-8 – erschienen: September 2017 (Königskinder) – Übersetzung: Gabriele Haefs

 

[Rezension] „Phönix“ von Michael Peinkofer

produkt-12048DAS GESETZ DES PHÖNIX

1
Der Phönix beobachtet dich.
Er weiß alles.

2
Maschinen bringen Tod und Leid.
Niemals darfst du sie bauen.

3
Dunkelheit ist dein Feind.
Niemals darfst du dein Dorf bei Nacht verlassen.

Niemals darfst du dein Dorf bei Nacht verlassen. Das wurde Callista und den anderen Bewohnern schon früh eingetrichert. Das Gesetz des Phönix ist nicht diskutierbar und wird mit aller Härte durchgesetzt. Denn nur durch die Gnade des Phönix können die Menschen nach dem großen Zusammenbruch überhaupt wieder leben.

Doch die 15-jährige Callista ist anders als die anderen Dorfbewohner. Sie will sich nicht einfach mit ihrem Schicksal anfreunden. Warum darf sie nicht jagen, nur weil sie eine Frau ist? Gibt es wirklich nichts mehr jenseits des Waldes? Und was liegt hinter den Sternen?

Als Callistas kleiner Bruder eines Tages im Wald verschwindet, hat Callista plötzlich einen merkwürdigen Traum und macht sich mit ihrem Freund Lukan auf, ihren Bruder zu finden. Doch bisher ist noch niemals jemand lebend zurrückgekehrt, der die Nacht im Wald verbracht hat …

Die Bücher von Michael Peinkofer sind für mich in der Regel absolute Must-Reads: Das war mit „Phönix“ nicht anders. Als ich das Buch endlich vor mir liegen hatte, wurde mir bewusst, dass ich es gekauft habe, ohne auch nur ein kleines Bisschen vom Inhalt zu wissen.

Dieser ist nicht komplett neu – eine typische Jugendbuchdystopie mit leichtem Fantasyeinschlag. Das hat meinem Lesevergnügen aber gar keinen Abbruch getan. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage verschlungen und bin wirklich traurig, dass ich nicht direkt weiterlesen kann. „Phönix“ ist nämlich der Auftakt zu einer Trilogie.

Was mich jetzt so begeistert hat? Ich kann es gar nicht so genau sagen, aber ich denke, dass es zum einen das Setting der Geschichte war, zum anderen die leichte Schreibweise des Autors. Kaum jemand anders schafft es, dass ich so über die Seiten fliege. Die Bücher des Autors sind also nicht ohne Grund absolute Must-Reads – und sollten es für alle Fans von unterhaltsamer (Jugend-)Fantasy und Dystopien auch sein. 🙂 8 von 10 Sternen!

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Phönix – Michael Peinkofer – Klappbroschur – 352 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-492-70377-2 – erschienen: Oktober 2017