[Rezension] „Bunker Diary“ von Kevin Brooks

Bunker DiaryKlappentext:

Eine Entführung. Ein Bunker. Und sechs Personen, die um ihr Überleben kämpfen…

Meine Meinung:

Ich stehe den Büchern von Kevin Brooks sehr zwiegespalten gegenüber: „The Road of the Dead“ war okay,  „Kissing the Rain“ habe ich abgebrochen und „iBoy“ fand ich bis auf den Schluss wirklich gut.

Das neue Buch von dem Bestseller-Autor aus Großbritannien hörte sich wieder sehr gut an und so wanderte es im Buchladen dann mit mir gemeinsam zur Kasse. Die Geschichte an sich verspricht Spannung und eine Menge Geheimnisse. Linus wird von einem Mann auf offener Straße betäubt und in einen Bunker verfrachtet. Nach und nach kommen fünf weitere Personen dazu. Für wie lange der Unbekannte sie dort festhalten will, was er überhaupt möchte und ob es einen Weg herausgibt – das weiß niemand.

Die Zeit, die die sechs so unterschiedlichen Menschen eingesperrt und versorgt nur mit dem nötigsten (wenn überhaupt) miteinander verbringen müssen, wird länger und länger.

„Was würdest du tun, wenn du an meiner Stelle wärst? Aufgeben? Würdest du einfach so aufgeben? Dich hinlegen und heulen? Dich ins Bett legen und hinnehmen, was kommt? Akzeptieren, was dir widerfährt. Es annehmen…“ (S. 186)

Ein Szenario, das vermutlich allen von uns einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Und anfangs weiß Brooks damit auch zu fesseln und zu faszinieren. Allerdings hat er mich nicht vollends in den Bann gezogen, so wie ich es schon auf anderen Blogs gesehen habe. Aber trotzdem: Der Anfang gefiel mir, bzw. eigentlich sogar der Großteil des Buches.

Irgendwann werden die Figuren im Buch und auch der Ich-Erzähler immer wirrer, das lange Eingesperrtsein zeigt seine Folgen und zwar auch im Erzählstil. Auch das fand ich noch sehr gelungen, aber an manchen Stellen überzogen. Außerdem hätte ich mir mehr Erklärungen gewünscht. Welche seiner wirren Tagträume und Fantasien sind wirkliche Erinnerungen? Wie genau ist seine Vergangenheit?

Kommen wir zum Schluss! Eines muss man Kevin Brooks lassen. Der Schluss hat schon etwas wirklich Geniales an sich. Auch die Umsetzung im Buch, ich mag dazu nicht mehr sagen, aber wer das Buch liest, wird am Ende wissen, was ich meine. Und trotzdem haben mich die letzten Seiten nicht zufrieden zurück gelassen. Es ist sehr schwer, das genauer zu erklären, ohne zu viel zu verraten. Mir fehlte einfach das entscheidende Etwas.

Leider kommt der Schluss eines jeden Buches nun mal an seinem Ende und hinterlässt damit den letzten Eindruck überhaupt. Mir ist es immer unheimlich wichtig, wie ein Buch endet und mit welchen Gefühlen es mich zurück lässt. Und so kann ich, weil ich einfach nicht zufrieden zurückgelassen wurde, dem Buch nicht mehr als 7 Sterne geben, obwohl es ansonsten wirklich faszinierend und spannend ist. Schade!

stern 7

Bunker Diary – Kevin Brooks – Klappbroschur – 300 Seiten – 12,95 € – ISBN 978-3-423-74003-6 – erschienen: März 2014 (dtv) – Altersempfehlung: 15-17 Jahre

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[Rezension] „Der Bilderwächter“ von Monika Feth

Der BilderwächterReiheninfo:

  1. “Der Erdbeerpflücker”
  2. “Der Mädchenmaler”
  3. “Der Scherbensammler”
  4. “Der Schattengänger”
  5. “Der Sommerfänger”
  6. “Der Bilderwächter”

Klappentext:

Zwei Jahre lang hat Jettes Freundin Ilka den Nachlass ihres berühmten Bruders nicht angerührt. Als sie nun das erste Mal die Bilder von Ruben in Augenschein nimmt, ist es, als hätte sie die Büchse der Pandora geöffnet. Ein Mitarbeiter von Rubens Nachlassverwalter wird tot aufgefunden und ein unglaublicher Medienrummel bricht über Ilka herein. Jette und Merle ermitteln im Wettlauf gegen die Zeit, denn auch Ilka scheint in großer Gefahr zu sein … (Quelle)

Meine Meinung:

„Ilka betrat das Atelier mit einem Zögern, das sie nicht verbergen konnte. Beklommen sah sie sich um.“ (S. 101)

Was soll ich sagen? Wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich die Bücher von Monika Feth liebe; und zwar ausnahmslos. Und das gilt selbstverständlich auch für den gerade erschienen sechsten Band ihrer Jette-Reihe.

Die Geschichte, in der es wie auch schon im zweiten Band um Ilka geht, ist mitreißend geschrieben und unterhaltsam. Es ist wie immer ein wohliges Gefühl zu Jette und ihrer liebenswerten WG zurückzukehren. Ich kann mir beim Lesen so gut vorstellen, mit Jette, Merle, den Katzen und einer Tasse heißem Kakao in der Küche des alten Bauernhauses zu sitzen und mit ihnen über Gott und die Welt zu reden.

Im Vergleich zu den anderen Büchern der Autorin, gibt es bei diesem hier eine kleine Änderung: Es ist das erste Buch aus der Jette-Reihe, bei dem der Leser die meiste Zeit über kaum mehr weiß als Jette und ihre Freunde. Und so kristallisiert sich auch erst zum Ende hin heraus, wer überhaupt der Täter ist. Auch diese Neuerung ist der Autorin gut gelungen, wobei hier – zugegebenermaßen – ein klitzekleines bisschen Luft nach oben ist.

Aber trotz des winzigen Kritikpunktes gehört Monika Feth selbstverständlich zu meinen allerliebsten AutorInnen für Jugendthriller und ich kann ihre so wundervoll geschriebenen und immer spannenden Bücher nur jedem ans Herz legen. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Der Bilderwächter – Monika Feth – Taschenbuch – 480 Seiten – 10,99 € – ISBN: 978-3-570-30852-3 – erschienen: November 2013 (cbt)Altersempfehlung: ab 14 Jahren

„Das Tal 2.3. Die Jagd“ von Krystyna Kuhn

Das Tal Die JagdReiheninfo:

  1. „Das Tal 1.1. Das Spiel“
  2. „Das Tal 1.2. Die Katastrophe“
  3. „Das Tal 1.3. Der Sturm“
  4. „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“
  5. „Das Tal 2.1. Der Fluch“
  6. „Das Tal 2.2. Das Erbe“
  7. „Das Tal 2.3. Die Jagd“
  8. „Das Tal 2.4. Die Entscheidung“

Achtung, die Rezension enthält evtl. Spoiler zu den ersten Bänden!

Klappentext:

Das Tal liegt düster zwischen den Berghängen der Rocky Mountains. Ben und die anderen Studenten am Grace College, die seit zwei Jahren merkwürdigen und unerklärlichen Ereignissen ausgesetzt sind, scheinen am Ende ihrer Kräfte. Wer spielt dieses geheimnisvolle und tödliche Spiel mit ihnen? Und was haben ihre Eltern und Großeltern mit der Vergangenheit des Tals zu tun? Während sich überall auf der Welt die Katastrophen häufen, stoßen die acht Studenten endlich auf das Geheimnis. Nun müssen sie ihr ureigenes Erbe antreten. Doch sie kämpfen gegen die Zeit. (Quelle)

Meine Meinung:

„In Filmen soll das Ende immer eine Logik haben. Alles folgt einem Plan. Unser Film hat keine Logik. Nichts, was hier im Tal geschieht, macht irgendeinen Sinn. Tausend Fäden und überall lose Enden.“ (S. 253)

Als ich dieses Zitat im Buch gelesen habe, musste ich ein wenig schmunzeln. Hat die Autorin an dieser Stelle schon ihre eigene Rezension geschrieben?

Mit dem Tal geht es immer weiter: in jedem Buch wird eine andere Hauptperson mit ihrer Vergangenheit konfrontiert; in jedem Buch kommt ein kleines Puzzleteil zum großen Ganzen hinzu. Und bei jedem Buch bin ich mit dabei – aber schon längst nicht mehr mit der gleichen Begeisterung wie am Anfang, sondern eher mit dem Gefühl: Jetzt bin ich schon so weit mit der Autorin gegangen, nun ist das Ziel schon in Sichtweite, da lohnt das Aufgeben auch nicht mehr.

Schade! Zu Beginn dieser Reihe war ich noch wirklich gefesselt von der neuartigen Idee, dem Schreibstil und dem Gefühl des Mystischen. Mittlerweile ist der Bogen überspannt, die Neugier bleibt aus. Ich werde den letzten Band zwar auch noch lesen, aber wirklich nur noch aus den oben genannten Gründen. Leider kann ich nur 5 von 10 Sternen vergeben.

stern 5

Das Tal 2.3. Die Jagd – Krystyna Kuhn – Taschenbuch – 264 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3401066332 – erschienen: Mai 2013 (Arena)

„Das Labyrinth erwacht“ von Rainer Wekwerth

Das Labyrinth erwachtReiheninfo:

  1. „Das Labyrinth erwacht“
  2. „Das Labyrinth jagt dich“

Inhalt:

Als Jenna aufwacht, befindet sie sich mitten in einer kargen Steppenlandschaft. Wie sie dorthin gekommen ist, weiß sie nicht. Und auch an ihren Namen kann sie sich nicht sofort erinnern. Doch sie ist nicht allein. Insgesamt sieben Jugendliche finden in der Steppe zueinander. Und für alle gilt die gleiche Botschaft:

„Du musst diese und alle anderen Welten durchlaufen, wenn du heimkehren willst. Viele Prüfungen warten auf dich, aber du wirst nicht allein sein. […] In jeder dieser Welten gibt es Tore, Portale, die euch in die nächste bringen, am Ende des Weges liegt die Freiheit. Derjenige von euch, der alle Welten durchlaufen hat, gewinnt den Preis des Lebens.“ (S. 57/58)

Und damit nicht genug: Schon direkt in der ersten Welt gibt es nur sechs Portale, aber sieben Jugendliche, doch nur gemeinsam erreichen sie das Ziel!

Meine Meinung:

Das Szenario, das Wekwerth durch die Rahmenbedingungen geschaffen hat, ist schon an sich unheimlich spannend und einnehmend. Was würde man selber tun, wenn klar ist, dass in jeder Welt eine Person zurückbleiben muss? Würde man sich für die Gruppe opfern? Würde man anderen helfen? Würde man versuchen, eine faire Lösung zu finden? Oder würde man sogar versuchen, andere am Erreichen der Portale zu hindern?

So verschieden wie diese Möglichkeiten sind, so verschieden sind auch die sieben Jugendliche, die sich in der gleißenden Hitze, gejagt von unbekannten Wesen, auf den Weg durch die Steppe machen.

„Er rannte so schnell er konnte. In seinem Rücken ertönte aufgeregtes Rufen, langgezogenes heiseres Heulen, das sich in seinem Kopf festzusetzen schien und dem bald andere Schreie antworteten. […] Die unmenschlichen Laute dröhnten in seinen Ohren. Er erhöhte das Tempo.“ (S. 20)

Einige eignen sich zum Anführer, andere sind eher Mitläufer. Manche bringen die Gruppe voran, manche behindern sie. Die einen helfen sich gegenseitig, die anderen haben nur ihr eigenes Ziel vor Augen. Und durch eben diese Unterschiede wird das Buch unheimlich interessant, denn die Handlung ist sowieso schon schwer vorhersehbar. Und wegen der verschiedenen Eigenschaften und der nicht immer leicht zu durchschauenden Charaktere ist der Ausgang noch ungewisser.

Hinzu kommt, dass Jenna und die anderen wenig über ihre eigene Vergangenheit wissen. Kurze Gedankenblitze lassen den Leser einiges erahnen, trotzdem bleibt dadurch nicht nur das Hier und Jetzt im Labyrinth, sondern auch das Vergangene jedes Einzelnen sehr geheimnisvoll.

Mit „Das Labyrinth erwacht“ hat Rainer Wekwerth den Auftakt zu einer neuen Trilogie geschrieben, der auf ganzer Linie überzeugt. Mitreißend, fesselnd und interessant sind nur einige Adjektive, die mir direkt einfallen. Durch das Dilemma, dass es immer ein Portal weniger als Jugendliche gibt, wird eine unheimliche Spannung aufgebaut, denn es geht ums nackte Überleben. Ich vergebe begeisterte 9 von 10 Sternen und eine klare Leseempfehlung und kann es kaum erwarten, im Sommer 2013 „Das Labyrinth jagt dich“ zu lesen.

stern 9

Das Labyrinth erwacht – Rainer Wekwerth – Hardcover – 407 Seiten – 16,99 € – ISBN-13: 978-3401067889 – erschienen: Januar 2013 (Arena) – Altersempfehlung: 14-17 Jahre

„Schattengrund“ von Elisabeth Herrmann

SchattengrundInhalt:

Kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag soll Nicola das alte Haus „Schattengrund“ von ihrer verstorbenen Großtante erben. An diese Erbschaft sind allerdings merkwürdige Bedingungen geknüpft. So soll sie beispielsweise mit einem alten Besen kehren und einen kleinen Stein wieder an seinen Ursprungsort zurückbringen. Was wollte ihre Tante ihr damit sagen? Warum wollen ihre Eltern, dass sie das Erbe ausschlägt? Und warum kann Nicola sich nur noch bruchstückhaft an die Zeit damals mit ihrer Tante erinnern?

Auf der Suche nach Antworten reist Nicola in das kleine Dorf im Harz, wo das Haus ihrer Großtante steht, und damit viel weiter in ihre eigene Vergangenheit, als ihr lieb ist….

Meine Meinung:

„Drei Rätsel sind an Schattengrund gebunden. Die musst du lösen, Nicki, und erst dann gehört es Dir. Das Erste: Nutze den Besen. Das Zweite: Finde den Turm und das Schwert. Das Dritte: Bring den Stein dorthin zurück, wohin er gehört. Dann gehört Schattengrund Dir.“ (S. 19)

Der Inhalt klingt mysteriös und rätselhaft, der Prolog ist genial geschrieben. „Schattengrund“ ist der zweite Jugendthriller der bekannten Krimiautorin Elisabeth Herrmann.

Meiner Meinung nach hat Herrmann ein wirklich unterhaltsames und auch spannendes Jugendbuch geschrieben. Ab und an ist der Schreibstil zwar etwas platt, aber im Großen und Ganzen versteht die Autorin sich darauf, mit wenigen Worten eine packende und unheimliche Atmosphäre zu erschaffen.

Der Thrilleranteil an „Schattengrund“ gefällt mir allerdings – insbesondere zum Schluss hin – weniger gut. Die Handlung wirkt meiner Meinung nach an vielen Stellen zu konstruiert. Die Autorin versucht, falsche Fährten zu legen, die ich sehr schnell als falsche Fährten identifizieren konnte. Schade!

Es ist nicht so, dass ich „Schattengrund“ ungern gelesen habe. Insbesondere die letzten hundert Seiten habe ich sogar regelrecht verschlungen, weil ich dann doch sehr gespannt auf die Auflösung war. Allerdings wird vor allem die Thrillerleserin in mir nicht ausreichend befriedigt. Vieles habe ich einfach zu schnell durchschaut und die versuchte Irreführung war einfach zu plump. Deswegen kann ich nur gute 6 von 10 Sternen geben.

stern 6

Schattengrund – Elisabeth Hermann – Klappbroschur – 416 Seiten – 14,99 € – ISBN-13: 978-3570161265 – erschienen: November 2012 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

„Spiegelschatten“ von Monika Feth

SpiegelschattenReiheninfo:

  1. „Teufelsengel“
  2. „Spiegelschatten“
  3. „Blutrosen“

Klappentext:

Ein Mörder geht um im Raum Köln/Bonn. Seine Opfer sind allesamt junge Männer. Als Romy Berner, Volontärin beim KölnJournal, mit der Recherche beauftragt wird, muss sie feststellen, dass alle Toten dem Freundeskreis ihres Zwillingsbruders Björn angehörten – und dass der Mörder ihr näher ist, als sie ahnt … (Quelle: cbt)

Meine Meinung:

Aufgewühlt habe ich gerade „Spiegelschatten“ zugeklappt. Wie schon in „Der Scherbensammler“ hat mich Monika Feth auch in diesem Buch vor allem durch ihren psychologisch sehr klug konzipierten Täter gefesselt. Ich mag ihre erschreckend realistischen Einblicke in die Gedankengänge und Psyche ihrer Hauptpersonen und vor allem ihrer Täter.

In all ihren Jugendthrillern verleiht die Autorin auch ihren Mördern eine Stimme, doch in diesem Buch war es anders: ich hatte bis kurz vor Ende der Geschichte keine Idee, wer sich hinter dem Mörder verbergen könnte. Spannend und noch mal ganz anders mitreißend.

„Wie einfach es war. Zu töten.
Wie intim der Moment war, in dem es geschah.
Wie nah er dem Tod kam.
Dem Sterbenden.
Er durfte nur kein Mitleid empfinden.
Es war wichtig, zwischen sich selbst und dem Opfer zu trennen. Niemandem war damit gedient, die Ebenen zu vermischen, erst recht nicht der Sache. Er hatte eine Aufgabe zu erfüllen, was nur gelingen konnte, wenn er sich nicht von Emotionen verwirren ließ.“
(S. 105)

„Spiegelschatten“ – der zweite Romy-Thriller – reiht sich meiner Meinung nach nahtlos in die Erfolge der Jette-Bücher ein. Frau Feth brilliert auch hier durch ihre einfach einzigartige Schreibweise. Ich finde es faszinierend, dass sie es schafft, so locker-leicht und mitreißend zu schreiben, und trotzdem scheinbar jedes Wort und jeder Satz für sich kleine Schätze sind. In meinen Augen ist Monika Feth die Grande Dame der Jugendhriller! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Spiegelschatten – Monika Feth – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 17,99 € – ISBN-13: 978-3570161142 – erschienen: Oktober 2012 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

„Time*Out“ von Andreas Eschbach

TimeOutReiheninfo:

  1. “Black*Out”
  2. “Hide*Out”
  3. “Time*Out”

Achtung, diese Rezension enthält Spoiler zu den ersten beiden Teilen!

Inhalt:

Die Gruppe um Christopher Kidd und Jeremiah Jones ist in ihrem neuen Versteck angekommen. Bald sollen die Zeitungsartikel von Jones erscheinen, die die Bevölkerung warnen werden. Doch ein ehemaliger Upgrader, dessen Chip entfernt wurde, warnt sie, dass die Kohärenz schon eine Gegenaktion plant. Selbst Christopher hat keine Idee, was das sein könnte. Doch dann geschieht etwas, das alle dazu zwingt, nur noch schneller zu handeln, denn die Zeit läuft ihnen davon…

Meine Meinung:

Wenn man innerhalb kürzester Zeit drei Bände einer Reihe rezensiert, fällt es schon manchmal schwer, immer wieder etwas Neues zu sagen. Auch bei „Time*Out“ ist das der Fall, denn viele der Aspekte sind gleich geblieben: Die Geschichte ist natürlich immer noch spannend, ich mag die Charaktere und die Grundidee. Gerade in diesem Band kommt noch ein klitzekleiner neuer Aspekt hinzu, den ich sehr gut durchdacht fand.

Was mich allerdings an den ersten beiden Bänden am meisten begeistert hat, war der Schreibstil, der mich während des Lesens gepackt und mitgerissen hat. Auch diesen Band habe ich innerhalb von 24 Stunden verschlungen, obwohl ich das Gefühl hatte, dass sich die Geschichte anders las. Die Schreibe hat mich nicht mehr ganz so atemlos zurückgelassen, sondern glich mehr einem Gedankenstrom einiger Protagonisten. Anders, aber nicht sehr viel schlechter als in den ersten Bänden.

Was mir nicht so richtig gut gefallen hat, war der Schluss des Buches. Denn meiner Meinung nach hätte sich der Autor für diesen etwas mehr Zeit lassen können. Die Geschichte wurde nun innerhalb von drei Büchern erzählt, da hätte es meiner Meinung nach nicht geschadet, auf das Finale noch etwas mehr Zeit zu verwenden.

Mein Fazit: Die „Out“-Reihe von Eschbach ist eine absolut gelungene Reihe für Jugendliche, die ganz viele verschiedene Genres geschickt miteinander vermischt und so sicherlich viele junge Leser (auch Jungen) begeistern kann. Auch den Abschluss der überragenden Trilogie habe ich sehr gerne gelesen, obwohl er leider meiner Meinung nach der schwächste der Reihe ist. Mit „schwach“ meine ich dann aber immer noch 8 von 10 Sternen, das sollte ja wohl klar sein.

stern 8

Time*Out – Andreas Eschbach – Hardcover mit SU – 520 Seiten – 18,99 € – ISBN-13: 978-3401066301 – erschienen: Juli 2012 (Arena) – Altersempfehlung: 14-17 Jahre

„Kopfschuss“ von Susan Vaught

KopfschussKlappentext:

Er hat sich eine Kugel in den Kopf gejagt, soviel weiß er. Er ist halbseitig gelähmt, hat Erinnerungslücken und schleudert Wörter heraus, die er nicht sagen will und nicht sagen sollte. Das weiß er nur zu genau. Er ist ein Freak, auch das weiß er. Was er nicht weiß, ist: WARUM. Warum hat er das getan? Seine Mutter ist zerbrochen, seine Freunde gehen ihm aus dem Weg – und ihm fehlen anderthalb Jahre in seinem Hirn. Wird er die Wahrheit herausfinden? Eine verzweifelte Suche nach Indizien und Beweisen beginnt. Es ist das Puzzle seines Lebens…

Meine Meinung:

Wie muss es wohl sein, zu wissen, dass man versucht hat, sich das Leben zu nehmen, aber sich nicht mehr an die Gründe erinnern kann?

Wenn man anfängt, „Kofschuss“ zu lesen, wird schnell klar: Diese Situation ist fürchterlich. Jersey ist verzweifelt auf der Suche nach Antworten. Warum? Warum hat er das getan? Er stellt eine Liste möglicher Gründe auf, versucht diese einzeln auszuschließen. Warum?

Genauso wie Jersey möchte auch der Leser gerne wissen, was den Ich-Erzähler dazu gebracht hat, sich eine Pistole an den Kopf zu halten und abzudrücken? Stand er etwa unter Drogen? War sein Leben einfach nur ätzend? Hatte er etwas Schlimmes getan und wollte seine Schuldgefühle loswerden? Auf der Suche nach dem „Warum?“ begleiten wir Jersey in den ersten Monaten nach seiner Krankenhausentlassung.

Die Geschichte ist nicht immer ganz leicht zu lesen, die Gedanken und Gespräche nicht immer leicht zugänglich. Denn Jersey leidet an einer Gehirnverletzung, so dass er seine Sprache nicht steuern kann. Viele Absätze lesen sich also wie „wirres Zeug“. Das hat mich anfangs etwas genervt, wurde aber bald zu einem absolut gelungenem Stilmittel. Ich war gezwungen, das zu lesen, was Jersey dachte. Ich habe mit ihm gelitten, wenn er in wichtigen Situationen nichts anderes herausbrachte als „Froschfürze. Schnürsenkel. Froschfürze.“ Ich konnte mich einfach unheimlich gut mit ihm identifizieren. Manchmal fast etwas zu gut, so dass ich mich zwingen musste, nicht zu tief in dem Buch zu versinken.

So viel Gutes bisher, da muss dann ja auch noch ein bisschen Kritik kommen: Der Schluss!

Wie schreibt man über das Ende einer Geschichte, ohne zu viel zu verraten. Nur so viel: Anfangs war ich etwas enttäuscht, doch jetzt nach einer kurzen Zeit und nach dem Lesen des Nachtrags vom Verlag erscheint mir dieser Schluss eigentlich genau richtig.

„Kopfschuss“ ist zu Recht für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Es ist ein spannendes, fesselndes Buch, das sich mit einem sensiblen Thema auseinander setzt: Wie kommt es dazu, dass jemand versucht, sich das Leben zu nehmen? Wie können Angehörige und Freunde damit umgehen? Wie ist die Rückkehr ins Leben? 7 von 10 Sternen.

stern 7

Dieses Buch war 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Jugendjury nominiert.

Kopfschuss – Susan Vaught – Taschenbuch – 384 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3570304150 – erschienen: August 2011 (cbt) – Altersempfehlung: 13-16 Jahre

„Hide*Out“ von Andreas Eschbach

HideOutReiheninfo:

  1. “Black*Out”
  2. “Hide*Out”
  3. “Time*Out”

Achtung, diese Rezension enthält Spoiler zum ersten Teil!

Inhalt:

„Die Kohärenz ist aus einem Zusammenschluss von Tausenden von Gehirnen entstanden; im Grunde ist sie ein einziges Gehirn, das viele Körper bewohnt. Bei dieser Verbindung vermischen sich alle Geschmäcker, gleichen sich aus, bis kein Geschmack, keine Vorliebe mehr übrig ist. So, wie wenn man alle Farben miteinander vermischt – das ergibt am Ende nur Grau.“ (S. 53)

Nachdem Christopher und die Gruppe um Jeremiah Jones Christophers Vater aus den Fängen der Kohärenz und von seinem Chip befreit haben, weiß niemand genau, wie es weiter gehen soll. Alle Hoffnungen ruhen auf Christopher. Doch wie bekämpft man die Kohärenz – ein allwissendes, allmächtiges Medium? Langsam entsteht ein erster, vorsichtiger Plan, doch dann passiert etwas, dass alle in große Gefahr bringt…

Meine Meinung:

„Was war nur los? Es hatte mit der Kohärenz zu tun. Mit dem Feld. Er konnte spüren, wie es an ihm nagte und fraß, wie es versuchte, ihn mit zu reißen…

Diesmal, das wusste er plötzlich mit absoluter Gewissheit, würde er seine Eigenständigkeit nicht bewahren können. Diesmal drohte ihm die endgültige Auflösung, das Aufgehen im Verband der Kohärenz, der Verlust dessen, was ihn, Christopher Kidd, ausmachte…“ (S. 131)

Wegen Sätzen wie den obigen mag ich diese Reihe so unheimlich gerne. Sie sind kurz, knackig und absolut mitreißend.

Wie auch schon im ersten Teil war ich voll und ganz von der Geschichte eingenommen. Ich habe mit Christopher gemeinsam gegen den Sog der Kohärenz gekämpft, habe manchmal vor Aufregung die Luft angehalten und fühlte mich nach stundenlanger Anstrengung der Protagonisten selbst ganz erschöpft. Wie der Autor das schafft? Ich weiß es nicht, aber ich finde es absolut faszinierend!

Die Lage im Kampf gegen die Kohärenz spitzt sich weiter zu und es scheint kaum eine Möglichkeit zu geben, diese Übermacht zu besiegen. Und so grübelt man auch als Leser immer mit, hofft auf neue Ideen von Jeremiah Jones und auf die grandiose Durchführung von Christopher.

Und so freue ich mich einfach auf den letzten Band dieser herausragenden Jugendbuchreihe. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit den lieb gewonnenen Figuren. Ich freue mich auf die Spannung und das Gefühl, mitten in der Geschichte zu stecken. Und ich freue mich darauf, die Kohärenz endgültig zu vernichten. Volle Punktzahl!

stern 10

Hide*Out – Andreas Eschbach – Hardcover mit SU – 450 Seiten – 17,99 € – ISBN-13: 978-3401065878 – erschienen: November 2011 (Arena) – Altersempfehlung: 14-15 Jahre (und auch älter)

„Das Tal 2.2. Das Erbe“ von Krystyna Kuhn

Das ErbeReiheninfo:

  1. „Das Tal 1.1. Das Spiel“
  2. „Das Tal 1.2. Die Katastrophe“
  3. „Das Tal 1.3. Der Sturm“
  4. „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“
  5. „Das Tal 2.1. Der Fluch“
  6. „Das Tal 2.2. Das Erbe“
  7. „Das Tal 2.3. Die Jagd“
  8. „Das Tal 2.4. Die Entscheidung“

Achtung, die Rezension enthält evtl. Spoiler zu den vorherigen Bänden!

Inhalt:

Robert ist ganz aufgeregt: Seine Forschungen haben ergeben, dass heute im Tal etwas ganz besonderes passieren wird. Doch gerade als er gemeinsam mit David in den Höhlen unter dem College etwas Besonderes entdeckt, erreicht ihn eine SMS: Im College herrscht Code 111 – Amokalarm. Die restlichen Freunde sind gemeinsam mit dem Täter eingeschlossen und dieser will nur eins: David! Was hat David vor seinen Freunden zu verbergen?

Meine Meinung:

Zweite Teile scheinen Frau Kuhns Stärke zu sein: Wie auch schon im zweiten Teil der ersten Season („Die Katastrophe“) ist die Handlung in diesem Buch spannungsgeladen und actionreich.

Ein Amoklauf bietet das ideale Szenario, um die verschiedenen Charaktereigenschaften der Freunde vom Grace-College nochmal ganz deutlich zu machen: so habe ich mich wieder an der trotzigen Stärke von Katie und der sensiblen, aber dennoch bestimmten Art von Rose gefreut. Ja, mittlerweile ist es so, dass ich das Gefühl habe, alte Bekannte wieder zu treffen.

Zwei Dinge haben mich an diesem Band allerdings ganz besonders begeistert: Zum einen spielt die Handlung fast vollständig in der Gegenwart, zum anderen scheint es endlich einen Lichtblick der Auflösung zu geben, Robert sieht einen größeren Zusammenhang:

[Robert:] „Du begreifst, was das alles bedeutet. Heute bist du an der Reihe. Das darfst du nicht vergessen. Du musst überleben, verstehst du? Wir sind nicht zufällig hier. Etwas verbindet uns. Und es gibt jemanden, der alles genau geplant hat und uns auf die Probe stellt.“ (S. 73)

Und obwohl der zweite Teil der zweiten Season sehr vorhersehbar blieb, gefällt er mir doch sehr gut: Die Handlung spielt wieder mehr in der Gegenwart und es scheint auch endlich mal eine Auflösung in Sicht zu sein. Ich vergebe 7 von 10 Sternen und werde – natürlich (Frau Kuhn, Sie machen das echt geschickt) – den nächsten Band lesen.

stern 7

Das Tal 2.2. Das Erbe – Krystyna Kuhn – Taschenbuch – 251 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3401066103 – erschienen: April 2012 (Arena)