[Rezension] „Der Riese, der mit dem Regen kam“ von Stefan Boonen

Klappentext:

Albert und Kalinda teilen ein Geheimnis: Sie haben in der Nacht, in der es regnete, einen Riesen vor dem Fenster gesehen. Gleichzeitig. Albert im dritten Stock und Kalinda im siebten. Und dabei hatte Albert schon Angst, dass in seinen Sommerferien wieder nichts passiert. Aber dieses Mal kann er sich nicht beklagen: Das Hochhaus, in dem sie wohnen, wird verkauft und alle müssen ausziehen. (Quelle)

Meine Meinung:

– „Und? Wie war das Buch?“
– „Gut, aber irgendwie auch etwas schräg.“
– „Und das überrascht dich bei diesem Titel?“

Ja, ein bisschen überrascht hat es mich wirklich, denn dieses Buch hat meiner Meinung nach mehrere Erzählebenen. Ob ich wirklich alle durchschaut habe oder vielleicht sogar zu viel in die Geschichte hinein interpretiere? Ich weiß es nicht.

„Du bekommst nur eine einzige Chance im Leben; wenn die kommt, darfst du nicht zögern.“ (S. 12)

Ort des Geschehens und irgendwie schon fast ein eigener Charakter ist das Sommerhochhaus: ein Hochhaus, wie es am Rande jedes kleinen Ortes stehen könnte – ein wenig trostlos und verfallen, grau und kalt. Im Sommerhochhaus wohnen die verschiedensten Leute: Zum Beispiel Rosie, die in ihrer Wohnung einen ganzen Gemischtwarenladen hat. Oder Doktor Korzy, der alle benhandelt, außer man fragt ihn, ob er wirklich Arzt ist.

Und dann ist da Albert, der gemeinsam mit seiner Mutter und seinen fünf Schwestern im Sommerhochhaus wohnt. Aber eigentlich ist es auch egal, ob Albert dort wohnt oder nicht. Seine Mutter und seine Schwestern, die alle gleich aussehen, beachten ihn sowieso nicht. Für sie ist nur eine Sache wichtig: den Durchbruch als Fotomodell zu schaffen. Und so streiftAlbert alleine durch das Sommerhochhaus, das für ihn so viel mehr ist als nur ein baufälliges Gebäude.

Eines Tages zieht dann Kalinda ins Sommerhochhaus. Und in ihrer ersten Nacht in der neuen Wohnung passiert etwas, das das Leben von Albert und Kalinda von Grund auf verändert: Beide beobachten das Erscheinen von Pjiep, dem Riesen.

„Ein großes Loch wurde sichtbar, tief und dunkel, und aus der Dunkelheit tauchten zwei mächtig große Hände auf.
‚Uiuiui, da bin ich also‘, murmelte eine Stimme, die klang wie ein Gewitter aus der Ferne.“ (S. 7)

„Der Riese, der mit dem Regen kam“ ist kein fröhliches Kinderbuch. Für mich strahlt es auf eine märchenhafte Weise sehr viel Melancholie aus. Es thematisiert den Wunsch von Kindern, geliebt zu werden und etwas Besonderes zu sein. Es bietet aber auch leise Hoffnung in Form von Freundschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl. Es ist ein Buch, das ich immer noch nicht ganz greifen kann. Und das finde ich in diesem Fall äußerst positiv. Ich vergebe nachdenkliche 7 von 10 Sternen!

stern 7

Der Riese, der mit dem Regen kam – Stefan Boonen & Tom Schoonoooghe (Illustration) – Hardcover, 256 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-7373-5178-2 – erschienen: März 2016 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 8 Jahren – Übersetzung: Andrea Kluitmann

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[Rezension] „24 Geschichten bis Weihnachten: Ein Adventskalenderbuch“ von Katharina Braun (Hrsg.)

Klappentext:

Dieser Adventskalender verkürzt ganz ohne Schokolade die Wartezeit bis Weihnachten. 24 namhafte Autoren erzählen 24 bezaubernde Adventsgeschichten – mal lustig, mal nachdenklich, mal besinnlich, mal humorvoll. Dazu hat Franziska Harvey 24 hinreißende doppelseitige Illustrationen und 24 Vignetten gezeichnet. Jede Geschichte versteckt sich zwischen verschlossenen Doppelseiten, die ab dem 1. Dezember bis zum Heiligabend täglich an der Perforation aufgetrennt werden. So vergeht die Zeit bis Heiligabend wie im Flug! (Quelle)

Meine Meinung:

Wenn man mal ehrlich ist: Das tollste an einem Adventskalender ist doch neben der Überraschung, was das nächste Türchen enthält, eben das Öffnen eben dieses Türchens. Und genau das kann man bei diesem Adventskalender auch tun. Wie das?

Jede Geschichte besteht aus am Rand zusammenheftenden Doppelseiten, die man täglich vorsichtig mit einem Brieföffner auseinander trennen kann. Wunderschön!

Auch inhaltlich sind die Geschichten nicht nur für die kleinen Leser und Zuhörer geeignet, sondern haben auch mich noch beim Lesen in weihnachtliche Stimmung versetzt. Meine Lieblingsgeschichten waren „Der fehlende Adventskalender“ von Christine Fehér, „Wen das Christkind lieb hat“ von Beatrix Mannel und „Der gestohlene Weihnachtsbaum“ von Jürgen Banscherus. Mal sind die Geschichten lustig, mal sogar etwas spannend und mal wirklich anrührend, weil sie eben den Sinn von Weihnachten – die Nächstenliebe – so schön darstellen. Mit einer Länge von maximal vier Seiten können sich auch die Jüngsten gut bis zum Schluss konzentrieren.

Genau so stelle ich mir ein Adventskalenderbuch für Kinder vor. 24 nette, nicht zu lange Geschichten, untermalt mit schönen Illustrationen und als Highlight die auftrennbaren Doppelseiten. Viele Geschichten fand ich wirklich sehr nett und lesenswert. Da mir aber – wie sollte es auch anders sein, Geschmäcker sind nun mal verschieden – nicht alle Geschichten gefielen, gibt es von mir 8 von 10 Sternen.

stern 8

24 Geschichten bis Weihnachten – Katharina Braun (Hrsg.) – Taschenbuch – 200 Seiten – 6,99 € – ISBN: 978-3-596-81107-6 – erschienen: September 2012 (Fischer)

[Rezension] „Funklerwald“ von Stefanie Taschinski

Klappentext:

Du kannst alles schaffen, wenn ein Freund dir die Pfote reicht!

Das Luchsmädchen Lumi lebt schon immer im Funklerwald und kennt jeden Baum und jedes Tier rund um ihren Bau. Der Waschbärenjunge Rus kommt ganz neu in den Wald und sucht dort mit seiner Familie eine Heimat. Als Lumi in eine Felsspalte fällt, hilft Rus ihr aus der Patsche. Aber die anderen Funklerwald-Tiere mögen keine Neulinge. Und sie beschließen: Die Waschbären sollen verschwinden! Lumi und Rus müssen ganz schnell einen Weg finden, damit die Waschbären bleiben dürfen. Und dieser Weg führt sie in die gefährlichsten Regionen des Waldes, zu der weisen Fledermaus Maushardt und dem geheimen Wandelbaum … (Quelle)

Meine Meinung:

Stellt euch vor, ihr kauft ein Buch, dessen Klappentext euch vollkommen überzeugt.
Stellt euch vor, ihr nehmt das Buch an einem regnerischen Tag mit ins Bett.
Stellt euch vor, ihr schlagt das Buch auf und seht die zauberhaftesten Zeichnungen überhaupt! ❤

„Funklerwald“ ist einfach ein richtig tolles Kinderbuch. Mal sehen, ob ich meine Meinung auch überzeugend begründen kann. 😉 (Hatte ich schon die liebevollen Zeichnungen erwähnt?)

Lumi ist ein aufgewecktes und fröhliches Luchsmädchen, das gerne mit ihren beiden besten Freunden dem Wildschwein Borste und dem Fuchsmädchen Rissa spielt. Als plötzlich eine Waschbärenfamilie in den Funklerwald zieht, ist die Sorge bei vielen groß. Waschbären gehören doch gar nicht in ihren Wald. Sie haben noch nicht mal einen eigenen Baum. Außerdem riechen sie anders und stellen bestimmt eine Bedrohung dar. Vor allem Lumis Freundin Rissa lässt sich von dieser Stimmung anstecken und schon bald droht den Waschbären große Gefahr. Lumi und Rus, der Waschbärenjunge, machen sich auf eine gefährliche Reise, um die Waschbärenfamilie zu rettten.

Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist wichtig. Auf kindgerechter Ebene geht es nämlich darum, wie man miteinander umgeht. Es geht um die Angst vor dem Unbekannten, vor Veränderungen und vor Fremden. Es geht darum, wie schnell Gerüchte und Vorurteile entstehen. Und es geht um Freundschaft, die es ermöglicht, hinter all diese Vorurteile zu sehen und das Tier den Menschen selbst zu sehen.

Meine Begeisterung für „Funklerwald“ ist riesig. Die Geschichte ist toll, die Charaktere absolut überzeugend und die Illustration hervorragend. Ich bin mir sicher, dass „Funklerwald“ zu meinem persönlichen Wohlfühlbuch werden könnte, das ich immer mal wieder hervor hole und in das ich immer wieder hineinblättere. Wer Kinder hat, braucht dieses Buch unbedingt. Kinder werden die Figuren und Bilder lieben. Wer keine Kinder hat, braucht dieses Buch meiner Meinung nach trotzdem, denn auch Erwachsene werden die Figuren und Bilder lieben.
Liebe Stefanie Taschinski, vielen Dank für „Funklerwald“, liebe Verena Körting, vielen Dank für die wundervollen Zeichnungen! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Funklerwald – Stefanie Taschinski – Hardcover – 256 Seiten – 14,99 € – ISBN-13: 978-3-7891-4807-1 – erschienen: Januar 2015 (Oetinger) – Illustratorin: Verena Körting – Altersempfehlung: ab 8 Jahren

[Rezension] „Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer“ von Stefan Boonen

Klappentext:

Die Schifferin und allerbeste Pfannkuchenbäckerin des kleinen Dorfes findet am Morgen ein Mädchen am Strand, das der Fluss angespült hat. Mutterseelenallein!
Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht. Alle sind besorgt. Es wird beschlossen, dass das Mädchen bei drei Familien zur Probe wohnen und dort bleiben soll, wo es ihr am besten gefällt. Richtig spannend wird es, als das Mädchen erfährt, dass der von der Försterin gefangene Bär an den Zoo verkauft werden soll … (Quelle)

Meine Meinung:

Und plötzlich ist es da: das kleine Mädchen mit seinem roten Koffer! Als Frau Karbus, die Schifferin von Wammerswald, das Mädchen am Strand findet, nimmt sie es erst ein Mal mit und backt ihm Pfannkuchen. Das ist nämlich ihre Spezialität.
Danach richtet sich Findling, wie das Mädchen von allen genannt wird, am Strand häuslich ein und fühlt sich dabei pudelwohl. Doch dort kann sie nicht bleiben, darin sind sich alle einig. Schnell finden sich drei Familien, bzw. Personen, die bereit sind, Findling bei sich aufzunehmen.

Bis zu diesem Zeitpunkt las sich das Buch „nur“ nett und lustig. Die Charaktere waren toll und humorvoll beschrieben, so dass nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene beim Lesen in sich hineinkichern. Und dann kam der Moment, ab dem Findling jeweils einen Tag und eine Nacht bei einer der drei Familien wohnt, um zu testen, wo sie später lebenmöchte. Und die Geschichte wurde herzerwärmend, denn die Beweggründe der einzelnen Familien und ihre Versuche, Findling ein Heim zu geben, sind unheimlich liebevoll. Mein heimlicher Lienling ist ganz klar der Große Jos, der – so denkt er zumindest – gar nicht so viel von Kindern versteht, dabei aber ein Herz hat, das fast so riesig ist wie er selbst.

„Ich weiß aber nicht, ob ich gut vorlesen kann“, sagte er zögernd, als er wieder nach unten kam. „Das habe ich noch nie gemacht.“
Findling lachte. „Und ich weiß nicht, ob ich gut zuhören kann. Es ist das erste Mal, dass mir jemand eine Geschichte vorliest.“ (S. 151/152)

Stefan Boonen ist ein wunderbares Buch gelungen, das meiner Meinung nach alles bietet, was das Herz begehrt: Tolle, detailliert beschriebene Charaktere, nette Bilder (von Illustrator Tom Schoonooghe), viel Gefühl und mit der Rettungsaktion für den Bären auch noch die nötige Portion Abenteuer. Ich vergebe insgesamt 8 von 10 Sternen und empfehle das Buch auch erwachsenen (Vor-)Lesern.

stern 8

Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer – Stefan Boonen – Hardcover – 272 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-7373-5172-0 – erschienen: Februar 2015 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 8 Jahen

[Rezension] „Der Wald der träumenden Geschichten“ von Malcom McNeill

Der Wald der träumenden GeschichtenKlappentext:

Wo Max herkommt und wer er ist, können ihm nicht einmal seine Adoptiveltern sagen. Doch das ist nicht das einzige Rätsel im Leben des kleinen Waisenjungen: Er besitze die Gabe, Menschen verschwinden zu lassen, erfährt er von zwei unheimlichen Fremden, dem eigenbrötlerischen Wissenschaftler Boris und der phantastischen Mrs Jeffers. Ob das Verschwinden seiner Eltern mit seinem Fluch zu tun hat?
Die Lösung beider Rätsel liegt tief verborgen im »Wald des Anfangs«, dem Ursprung aller Geschichten bevölkert mit phantastischen und magischen Wesen, die Max bei seiner Suche helfen und ihn begleiten. (Quelle)

Meine Meinung:

Uff, diese Rezension fällt mir richtig schwer. Normalerweise weiß ich, bevor ich eine Rezension beginne, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Im besten Falle habe ich schon eine Bewertung im Kopf und weiß auch, woran ich diese festmache. Nicht so bei diesem Buch…

Um es kurz und knapp zu sagen: Ich bin mir mit mir selbst nicht einig, wie ich „Der Wald der träumenden Geschichten“ finde. Es gab Stellen, die ich langweilig fand, und welche, die spannend waren. Manchmal habe ich die Fantasie des Autors bewundert und mich an seinen Kreationen erfreut, andere Male waren mir kleine Teilgeschichten zu abgehoben und komisch.

Einerseits finde ich, dass das Buch stellenweise, vor allem sprachlich, nicht für Kinder geeignet ist, andererseits ist die Geschichte eindeutig für ältere Kinder geschrieben und spricht sie sicherlich auch an.

Auf der Verlagsseite wird der philosophische Tiefgang des Buches hervorgehoben und auch hier ist meine Meinung zwiespältig: Manchmal war es mir zu philosophisch, dann wieder zu wenig. Es gab aber auch Stellen, die in dieser Hinsicht wirklich perfekt waren und zum Nachdenken angeregt haben.

„Tausende von Jahren haben die Menschen gelebt, ohne sich zu fragen, wie sie leben sollten. Ich denke, sie wussten es intuitiv. Man brauchte keine besonderen Antworten, weil es keine besonderen Fragen gab. Die Menschen lebten so wie die Bäume – sie schlugen Wurzeln, trieben Äste und wuchsen.“ (S. 331)

Eine Sache war aber uneingeschränkt schön und zwar die Sprache, insbesondere die Beschreibung der Bücher und Geschichten dort.

„Das Buch hatte Max als Erstes gesehen. Es lag im Sessel, als habe es auf ihn gewartet, und zog ihn sofort in Bann – nicht nur durch seine Größe und Schönheit, sondern auch durch ein seltsames Gefühl von Vertrautheit. Es kam ihm vor, als kennten sie beide sich schon seit langer Zeit und kämen nun endlich wieder zusammen.“ (S. 88)

Also: Es gab vieles, was ich an diesem Buch mochte, so beispielsweise die Sprache, meist die Fantasie des Autors und die Charaktere. Andere Dinge haben mir nicht so gut gefallen: So hatte die Geschichte manchmal gewisse Längen und ich habe den roten Faden nicht immer ganz gesehen. Insgesamt vergebe ich noch 6 von 10 Sternen.

stern 6

Der Wald der träumenden Geschichten – Malcom McNeill – Hardcover – 544 Seiten – 16,99 € – ISBN 978-3-596-85670-1 – erschienen: August 2014 (Fischer)

[Rezension] „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ von Crystal Chan

Bird und ich und der SommerInhalt:

„Großvater hörte an dem Tag auf zu sprechen, an dem er meinen Bruder John tötete.“ (S. 5, erster Satz des Buches)

Natürlich tötete Jewels Großvater ihren Bruder nicht wirklich, aber alle glauben, dass es seine Schuld ist. Schließlich hatte er John immer Bird genannt und ihn – so glauben es zumindest Jewels Eltern – dazu gebracht, von einer Klippe hinunter zu springen, um zu fliegen.

Der Tag, an dem Bird stirbt, ist gleichzeitig der Tag von Jewels Geburt. Allerdings hat sie oft das Gefühl, gar kein richtiges Leben zu haben. Alle denken nur noch an Bird: Ihr Großvater spricht nicht mehr und beachtet Jewel auch sonst nicht, ihre Mutter redet immer nur dann mit ihr, wenn sie mit ihr schimpft, und Jewels Vater ist in seiner Freizeit damit beschäftigt, Rosmarinsträucher zu pflanzen, um die bösen Geister – Duppies – von der Familie fernzuhalten.

Erst als Jewel eines Sommer einen Jungen kennenlernt, der zufälligerweise auch John heißt, hat sie das Gefühl, dass ihr endlich mal jemand zuhört. Ihr Leben beginnt sich zu verändern…

„Er streckte mir die Hand hin, und ich ergriff und schüttelte sie wie die Erwachsene, die ich bald sein würde. Ich war erstaunt, wie fest er meine Hand drückte, so als planten wir, gemeinsam die Welt zu erobern.
Es war der beste Händedruck, den man sich vorstellen kann.“ (S. 14)

Meine Meinung:

Dieses Buch ist ein Schatz: äußerlich wie innerlich. Fangen wir mit der Gestaltung des Buches an. Die ist nämlich so schön, dass ich sie ganz entgegen meiner sonstigen Art unbedingt hervorheben muss. Das Cover ist bezaubernd designt und auch an den kleinen Zeichnungen zu Beginn und zum Ende der einzelnen Kapitel kann man die liebevolle Arbeit des Verlags erkennen.

Viel wichtiger ist aber das Innere an sich. Vielleicht bekommt ihr ein Gespür dafür, wie toll dieses Buch geschrieben ist, wenn ich euch erzähle, dass ich beinahe in jedem Kapitel einige Sätze gefunden habe, die mir durch und durch gingen. Ich hatte bisher selten beim Lesen ein so magisches Gefühl. Der Autorin ist wirklich eine Meisterleistung gelungen, das kann man nicht anders sagen. Wie sie mit Worten umgeht, Gefühle und Stimmungen kreiert: unglaublich!

„Ich hatte noch nie gemeinsam mit jemandem geschwiegen. In unserem Haus wurde Schweigen eingesetzt wie ein Schild und ein Schwert: Wir hielten damit andere auf Abstand oder verletzten sie.“ (S. 216)

Die Geschichte, die Crystal Chan erzählt, ist ebenso traurig wie schön. Die Einsamkeit von Jewel ist von den allerersten Seiten an greifbar, genauso wie die Freude und das überwältigende Gefühl, plötzlich jemanden kennenzulernen, der einem zuhört und einen versteht. Doch auch die Freundschaft zwischen Jewel und John ist nicht immer ganz einfach und erlebt ihre Höhen und Tiefen. Für meinen Geschmack gab es hier die ein oder andere Wendung zu viel, aber das ist auch nur ein klitzekleiner Kritikpunkt.

„Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ ist ein wundervolles Buch für ältere Kinder, aber auch für Erwachsene. Es ist sensibel und vor allem sprachgewaltig. So sprachgewaltig, dass ich trotz ganz kleiner Kritik am eigentlich bewegenden und sehr gelungenen Inhalt sehr gerne 9 von 10 Sternen vergebe.

stern 9

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte – Crystal Chan – Hardcover – 304 Seiten – 14,95 € – ISBN 978-3-7348-4703-5  – erschienen: Juli 2014 (Magellan) – Altersempfehlung: ab 11 Jahren

[Rezension] „Vilja und der Räuberschatz“ von Siri Kolu

Vilja und der RäuberschatzReiheninfo:

  1. „Vilja und die Räuber“
  2. „Vilja und das Räuberfest“
  3. „Vilja und der Räuberschatz“

Inhalt:

„Dass Vanamo in die Klauen einer fremden Räuberbande geriet, war einzig und allein meine Schuld.“ (S. 11)

Auf dem letzten Räuberfest im Sommer hat Vilja den Räuberpokal fürs SCHWINDELN bekommen: die Königsdisziplin aller Räuberwettkämpfe. Durch Zufall findet sie darin eine Schatzkarte und zwar nicht nur irgendeine, sondern die zum Ratgeber aller Ratgeber: das Räuberhandbuch, das seit seinem Verschwinden alle Räuberbanden in die Hände bekommen wollen. Um den anderen Sippen zuvor zu kommen, planen Vilja und die Räuberbergs sofort ihre nächsten Schritte. Dass am Ende sogar Viljas große Schwester Vanamo in Gefahr gerät, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch keiner.

Meine Meinung:

Als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt, war mir ganz klar, dass ich es unbedingt bei strahlendem Sonnenschein auf dem Balkon lesen wollte, denn die ersten Bände waren ganz klare „Sommerbücher“. Ich war dann etwas verwundert, als ich feststellte, dass die Handlung kurz vor Weihnachten spielt.

Was zunächst ungewohnt war, hatte dann ganz klare und deutliche Vorteile: Die Handlung war eine ganz andere als in den ersten beiden Bänden. Es ging nicht mehr um das große Räuberfest, sondern wirklich nur um die Suche nach dem Räuberschatz: dem von allen gesuchten und begehrten „Ratgeber aller Ratgeber“ (das große Räuberhandbuch). Denn so nett und unterhaltsam das Räuberfest mit den einzelnen Wettkämpfen auch ist, ein bisschen Abwechslung schadet nie.

Was natürlich bleibt, ist der liebevolle und kreative Erzählstil der Autorin, der auch dieses Buch zum puren Lesevergnügen gemacht hat. Vilja ist wieder ein bisschen erwachsener geworden und muss sich – manchmal auch ganz alleine ohne die Hilfe der Räuberbergs – Herausforderungen stellen, die sie vor ein paar Jahren noch nicht gemeistert hätte: Sie ist drum und dran eine echte Räuberin zu werden.

Insgesamt ist es schön, dass Siri Kolu ihren Charakteren Platz lässt, sich zu entwickeln, denn nicht nur Vilja ist älter geworden, auch Kalle emanzipiert sich und Hele wird noch eigenständiger und selbstbewusster. Ich bin gespannt, wann sie ihre eigene Räuberbande eröffnet.

Das einige, was mich ein klitzekleines bisschen stört, ist die Tatsache, dass nicht alle Räuberbergs eine wichtige Rolle in diesem Buch spielen. So genervt ich manchmal auch von den ellenlangen Reden vom Wilden Karlo war, dieses Mal hat er mir manchmal doch gefehlt.

„Vilja und der Räuberschatz“ fand ich wieder genauso toll, lustig und unterhaltsam wie den ersten Band. Das Ende des Buches gefiel mir sehr, insbesondere weil klar ist: Da kommt noch was, es geht weiter mit Vilja und den Räuberbergs. Die Vilja-Bücher bilden eine wundervolle Kinderbuchreihe, die auch mich als Erwachsene begeistert. Räuberische 9 von 10 Sternen!

stern 9

Vilja und der Räuberschatz – Siri Kolu – Hardcover – 336 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-453-26920-0 – erschienen: Februar 2012 (Heyne) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

„Stuart Horten – Acht Münzen und eine magische Werkstatt“ von Lissa Evans

Stuart Horton 1Reiheninfo:

  1. „Acht Münzen und eine magische Werkstatt“
  2. „Sieben Rätsel und ein magischer Stern“

Inhalt:

Der zehnjährige Stuart ist nicht nur viel zu klein für sein Alter, sondern muss auch noch zu Beginn der Sommerferien umziehen. Und außer den neugierigen und aufdringlichen Drillingen aus dem Nachbarhaus kennt er niemanden. So ist es sehr passend, dass er in einer alten Schachtel, die früher seinem Großonkel gehört hat, ein Rätsel und acht veraltete Münzen findet. Sein Großonkel Kenny Horten war ein berüchtigter Zauberer, bis er von ein auf den anderen Tag plötzlich verschwand.

Und so macht sich Stuart auf den Weg, die magische Werkstatt zu finden, und gerät in ungeahnte Gefahren.

Meine Meinung:

Der erste Teil um Stuart Horten ist ein nettes kleines Kinderbuch, das mich gut unterhalten hat. Die Geschichte wird ab 10 Jahren empfohlen, was auch etwa meiner Einschätzung entspricht. Die Geschichte ist eine gelungene Mischung aus einem modernen Märchen, bzw. einem Kinderfantasybuch, und einem Abenteuer-Detektivroman für die jüngsten Leser. Sollte mir irgendwann der zweite Teil über den Weg laufen (den ersten habe ich gewonnen) werde ich ihn sicherlich lesen. Ob ich mir das Buch kaufen würde, weiß ich nicht genau.

Ich vergebe 6 von 10 Sternen!

stern 6Stuart Horten – Acht Münzen und eine magische Werkstatt – Lissa Evans – Hardcover – 352 Seiten – 13,90 € – ISBN-13: 978-3939435532 – erschienen: September 2012 (mixtvision) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

„Vilja und das Räuberfest“ von Siri Kolu

Vilja und das RäuberfestReiheninfo:

  1. “Vilja und die Räuber”
  2. “Vilja und das Räuberfest”

Inhalt:

Dass Vilja die Sommerferien wieder gemeinsam mit den Räuberbergs verbringen möchte, war für sie ganz klar. Umso größer ist der Schreck, als sie sich plötzlich im Musik-Ferienlager wiederfindet, Geige spielen und Möhren essen muss. Doch dann steht die Rettung doch noch vor der Tür und der Räuberbus macht sich mit Vilja an Bord auf dem Weg zum alljährlichen großen Räuberfest…

„Ich dachte darüber nach, dass der große Unterschied zwischen meinem Sommerleben und meinem normalen Leben war, dass ich mich im Sommer immer regelrecht auf die Sachen stürzte, vor denen mich die Erwachsenen sonst zu schützen versuchten.“ (S. 248)

Meine Meinung:

Ich klappe das Buch auf, sehe die schönen Kapitelillustrationen und die Überschriften mit ihren kurzen Beschreibungen des Inhalts, lese den ersten Satz und befinde mich direkt wieder an Viljas Seite – bereit für ein neues Abenteuer mit den Räuberbergs.

Und zunächst ist auch alles wie im letzten Jahr: Vilja und die Räuberbergs überfallen als gekonnte Straßenräuber mit ausgetüftelten Manövern die verschiedensten Autos, genießen abends das Beisammensein, essen jede Menge Eis und Süßigkeiten. Doch sind nicht mehr alle so fröhlich wie gewohnt: Kalle macht sich Sorgen um sein Schulleben, Hele verbirgt irgendein Geheimnis und auch Hilda ist irgendwie verändert.

Dieses Buch ist in meinen Augen tatsächlich nicht mehr ganz so unbeschwert wie sein Vorgänger. Natürlich sind die Geschichten immer noch lustig, die Abenteuer nach wie vor riskant und doch immer gut endend, aber ich bin nicht mehr ganz so federleicht über die Seiten geflogen wie im vergangenen Teil. Leider kann ich sehr schwer greifen, was dieses Gefühl ausgelöst hat.

Einen Kritikpunkt kann ich aber dennoch benennen: Der Schluss war mir einfach etwas zu übertrieben und unglaubwürdig. Ja, ich weiß. Bei einem Kinderbuch, in dem die ungewöhnlichsten und merkwürdigsten Dinge passieren, ist es komisch davon zu sprechen, dass etwas unglaubwürdig und übertrieben ist, aber so habe ich es nun mal empfunden.

Insgesamt war es aber mal wieder eine sehr schöne Zeit mit den Räuberbergs. Insbesondere Gold-Piet und Kalle habe ich noch etwas mehr in mein Herz geschlossen. Ich habe mit jedem einzelnen bei den Wettkämpfen beim großen Sommerfest mitgefiebert, habe ein „Eisbecher nach Art der harten Kerle“ gegessen und bin in unglaublicher Geschwindigkeit mit dem Räuberbus und Hele am Steuer über die sandigen Straßen Finnlands gebrettert.

„Vilja und das Räuberfest“ erzählt mit viel Charme und liebenswerten Details das nächste Abenteuer von Vilja und den Räuberbergs. Obwohl ich wirklich jede einzelne Seite total genossen habe und mir auch sofort den dritten Band, so es denn einen geben wird, kaufen würde, reicht dieser Teil nicht ganz an „Vilja und die Räuber“ heran. Insgesamt vergebe ich aber dennoch lakritzige, süßigkeitenverschmierte 8 von 10 Sternen.

stern 8

Hier geht es zu einer Leseprobe.

Vilja und das Räuberfest – Siri Kolu – Hardcover – 416 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-453-26763-3 – erschienen: Februar 2013 (Heyne) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

„Munkel Trogg: Der kleinste Riese der Welt“ von Janet Foxley

Munkel TroggInhalt:

Munkel Trogg ist ein ganz besonderer Riese; aber nicht auf die gute Art und Weise. Er ist nämlich der kleinste Riese der Welt – und damit das Gespött seiner Klassenkameraden, Lehrer und selbst seines Bruders. Als ihm bei einem Museumsbesuch auch noch die Kleidung eines Kleinlings passt, ist das Gelächter riesig; im wahrsten Sinne des Wortes. Munkel allerdings wird neugierig und so wagt er den gefährlichen Ausflug in die Kleinlingswelt…

Meine Meinung:

Munkel mag zwar klein sein, aber er ist mutig und tapfer, hat das Herz am rechten Fleck und sieht, abgesehen von der Größe, gar nicht mal schlecht aus:

„Er hatte eine wunderschöne graue, mit haarigen Warzen übersäte Haut, buschige Brauen sowie die fleischige Nase von Pa und die Glupschaugen und schiefen Zähne von Ma.“ (S. 11)

Anfangs ist er trotzdem für alle nur der kleinste Riese der Welt, der Knirps eben. Sein Bruder hat riesigen Spaß daran, ihn kopfüber hin und her zu schaukeln, seine Mitschüler schikanieren ihn und auch sein Vater nimmt ihn nicht für voll.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Munkel macht sich heimlich auf den Weg zur nächsten Kleinlingsstadt, sein Bruder Raubauz verliert einen Drachen, das Königreich scheint in Gefahr und plötzlich bekommt Munkel die Chance zu zeigen, was alles in ihm steckt.

Helden müssen nicht immer groß sein! Das wird den kindlichen und auch den erwachsenen Lesern sicherlich schnell klar. Voller Humor, mit einem Augenzwinkern und einer Prise Herzenswärme erzählt Janet Foxley das Abenteuer von Munkel, dem Drachen Snarg und dem Kleinlingsmädchen Emily.

Die eingestreuten kleinen Ekligkeiten wie einem Schwall von Drachenpipi oder einem Kuchen aus Würmern, Nacktschnecken und Fliegenpilzen bringen die kleinsten Leser sicherlich zum Kichern. Mich ließen Abschnitte wie dieser hier schmunzeln:

„Eine Frau, dachte er, denn obwohl auch sie knöchellange Hosen trug, hatte sie so was wie einen Busen. […] Ja, es musste ein Busen sein. Aber der war an einer komischen hohen Stelle und stak nach vorn heraus, statt schön auf dem Bauch zu liegen wie Mas.“ (S. 78)

Am Ende zeigt sich: Munkel ist nicht nur aufgrund seiner geringen Größe etwas ganz besonderes, sondern vor allem auch wegen seines guten Herzens und seiner klugen Ideen. „Munkel Trogg“ ist ein niedliches Kinderbuch mit Humor und einer wahren Heldengeschichte. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und vergebe riesige 7 von 10 Sternen.

stern 7

Hier geht es zur Leseprobe inklusiver der tatsächlichen Buchinnengestaltung.

Munkel Trogg: Der kleinste Riese der Welt – Janet Foxley – Hardcover – 272 Seiten, 12,99 € – ISBN: 978-3-596-85495-0 – erschienen: Februar 2013 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 8 Jahren