„Vilja und das Räuberfest“ von Siri Kolu

Vilja und das RäuberfestReiheninfo:

  1. “Vilja und die Räuber”
  2. “Vilja und das Räuberfest”

Inhalt:

Dass Vilja die Sommerferien wieder gemeinsam mit den Räuberbergs verbringen möchte, war für sie ganz klar. Umso größer ist der Schreck, als sie sich plötzlich im Musik-Ferienlager wiederfindet, Geige spielen und Möhren essen muss. Doch dann steht die Rettung doch noch vor der Tür und der Räuberbus macht sich mit Vilja an Bord auf dem Weg zum alljährlichen großen Räuberfest…

„Ich dachte darüber nach, dass der große Unterschied zwischen meinem Sommerleben und meinem normalen Leben war, dass ich mich im Sommer immer regelrecht auf die Sachen stürzte, vor denen mich die Erwachsenen sonst zu schützen versuchten.“ (S. 248)

Meine Meinung:

Ich klappe das Buch auf, sehe die schönen Kapitelillustrationen und die Überschriften mit ihren kurzen Beschreibungen des Inhalts, lese den ersten Satz und befinde mich direkt wieder an Viljas Seite – bereit für ein neues Abenteuer mit den Räuberbergs.

Und zunächst ist auch alles wie im letzten Jahr: Vilja und die Räuberbergs überfallen als gekonnte Straßenräuber mit ausgetüftelten Manövern die verschiedensten Autos, genießen abends das Beisammensein, essen jede Menge Eis und Süßigkeiten. Doch sind nicht mehr alle so fröhlich wie gewohnt: Kalle macht sich Sorgen um sein Schulleben, Hele verbirgt irgendein Geheimnis und auch Hilda ist irgendwie verändert.

Dieses Buch ist in meinen Augen tatsächlich nicht mehr ganz so unbeschwert wie sein Vorgänger. Natürlich sind die Geschichten immer noch lustig, die Abenteuer nach wie vor riskant und doch immer gut endend, aber ich bin nicht mehr ganz so federleicht über die Seiten geflogen wie im vergangenen Teil. Leider kann ich sehr schwer greifen, was dieses Gefühl ausgelöst hat.

Einen Kritikpunkt kann ich aber dennoch benennen: Der Schluss war mir einfach etwas zu übertrieben und unglaubwürdig. Ja, ich weiß. Bei einem Kinderbuch, in dem die ungewöhnlichsten und merkwürdigsten Dinge passieren, ist es komisch davon zu sprechen, dass etwas unglaubwürdig und übertrieben ist, aber so habe ich es nun mal empfunden.

Insgesamt war es aber mal wieder eine sehr schöne Zeit mit den Räuberbergs. Insbesondere Gold-Piet und Kalle habe ich noch etwas mehr in mein Herz geschlossen. Ich habe mit jedem einzelnen bei den Wettkämpfen beim großen Sommerfest mitgefiebert, habe ein „Eisbecher nach Art der harten Kerle“ gegessen und bin in unglaublicher Geschwindigkeit mit dem Räuberbus und Hele am Steuer über die sandigen Straßen Finnlands gebrettert.

„Vilja und das Räuberfest“ erzählt mit viel Charme und liebenswerten Details das nächste Abenteuer von Vilja und den Räuberbergs. Obwohl ich wirklich jede einzelne Seite total genossen habe und mir auch sofort den dritten Band, so es denn einen geben wird, kaufen würde, reicht dieser Teil nicht ganz an „Vilja und die Räuber“ heran. Insgesamt vergebe ich aber dennoch lakritzige, süßigkeitenverschmierte 8 von 10 Sternen.

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Hier geht es zu einer Leseprobe.

Vilja und das Räuberfest – Siri Kolu – Hardcover – 416 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-453-26763-3 – erschienen: Februar 2013 (Heyne) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

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„Munkel Trogg: Der kleinste Riese der Welt“ von Janet Foxley

Munkel TroggInhalt:

Munkel Trogg ist ein ganz besonderer Riese; aber nicht auf die gute Art und Weise. Er ist nämlich der kleinste Riese der Welt – und damit das Gespött seiner Klassenkameraden, Lehrer und selbst seines Bruders. Als ihm bei einem Museumsbesuch auch noch die Kleidung eines Kleinlings passt, ist das Gelächter riesig; im wahrsten Sinne des Wortes. Munkel allerdings wird neugierig und so wagt er den gefährlichen Ausflug in die Kleinlingswelt…

Meine Meinung:

Munkel mag zwar klein sein, aber er ist mutig und tapfer, hat das Herz am rechten Fleck und sieht, abgesehen von der Größe, gar nicht mal schlecht aus:

„Er hatte eine wunderschöne graue, mit haarigen Warzen übersäte Haut, buschige Brauen sowie die fleischige Nase von Pa und die Glupschaugen und schiefen Zähne von Ma.“ (S. 11)

Anfangs ist er trotzdem für alle nur der kleinste Riese der Welt, der Knirps eben. Sein Bruder hat riesigen Spaß daran, ihn kopfüber hin und her zu schaukeln, seine Mitschüler schikanieren ihn und auch sein Vater nimmt ihn nicht für voll.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Munkel macht sich heimlich auf den Weg zur nächsten Kleinlingsstadt, sein Bruder Raubauz verliert einen Drachen, das Königreich scheint in Gefahr und plötzlich bekommt Munkel die Chance zu zeigen, was alles in ihm steckt.

Helden müssen nicht immer groß sein! Das wird den kindlichen und auch den erwachsenen Lesern sicherlich schnell klar. Voller Humor, mit einem Augenzwinkern und einer Prise Herzenswärme erzählt Janet Foxley das Abenteuer von Munkel, dem Drachen Snarg und dem Kleinlingsmädchen Emily.

Die eingestreuten kleinen Ekligkeiten wie einem Schwall von Drachenpipi oder einem Kuchen aus Würmern, Nacktschnecken und Fliegenpilzen bringen die kleinsten Leser sicherlich zum Kichern. Mich ließen Abschnitte wie dieser hier schmunzeln:

„Eine Frau, dachte er, denn obwohl auch sie knöchellange Hosen trug, hatte sie so was wie einen Busen. […] Ja, es musste ein Busen sein. Aber der war an einer komischen hohen Stelle und stak nach vorn heraus, statt schön auf dem Bauch zu liegen wie Mas.“ (S. 78)

Am Ende zeigt sich: Munkel ist nicht nur aufgrund seiner geringen Größe etwas ganz besonderes, sondern vor allem auch wegen seines guten Herzens und seiner klugen Ideen. „Munkel Trogg“ ist ein niedliches Kinderbuch mit Humor und einer wahren Heldengeschichte. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und vergebe riesige 7 von 10 Sternen.

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Hier geht es zur Leseprobe inklusiver der tatsächlichen Buchinnengestaltung.

Munkel Trogg: Der kleinste Riese der Welt – Janet Foxley – Hardcover – 272 Seiten, 12,99 € – ISBN: 978-3-596-85495-0 – erschienen: Februar 2013 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 8 Jahren

„Mein Hund Mister Matti“ von Michael Gerard Bauer

Bauer_23886_MR.inddInhalt:

Mister Matti ist nicht einfach nur ein Hund, auch wenn Coryes Vater das manchmal behauptet. Für Corey, aber auch für die ganze Familie, ist er viel mehr. Er bringt alle zum lachen, ist ein treuer Wegbegleiter und ein guter Zuhörer. Mister Matti ist mehr als einfach nur ein Hund. Mister Matti gehört zur Familie.

Meine Meinung:

Michael Gerard Bauer kann tolle Jugendbücher schreiben. Das hat er durch seine Ismael-Bücher deutlich gezeigt. Als im Sommer „Mein Hund Mister Matti“ erschien, habe ich erst etwas gezögert. Soll ich wirklich auch ein Kinderbuch von diesem Autor lesen? Aber irgendwann im Herbst war ich plötzlich wieder total in der Stimmung für ein wunderbares Buch von Herrn Bauern und so hatte ich dann ganz schnell „Mister Matti“ in der Hand.

Natürlich merkt man den Unterschied zwischen einem Kinder- und einem Jugendbuch. Mister Matti hat mich weniger unterhalten, als es die Ismael-Bücher getan haben. Aber trotzdem schafft es der Autor mit seinen Worten einfach immer wieder, mich gefangen zu nehmen und mir ein wohliges Lesegefühl zu vermitteln.

Dabei sind die Geschichten um den Mischlingshund Mister Matti (der übrigens so heißt, weil Corey als kleiner Junge nicht Dalmatiner, sondern nur Matti sagen konnte) nicht nur schön, sondern stellenweise auch ganz schön traurig. Ganz subtil und vorsichtig schwingen auch hier schon die kleinen und großen Probleme mit, die es im Familienleben geben kann.

Vielleicht ist dieses Buch für manche Kinder zu anspruchsvoll, doch ich finde, Michael Gerard Bauer findet auch für die traurigen Themen einen guten Umgang und die richtigen Worte.

„Wahrscheinlich habe ich das von Mister Matti gelernt. Dieses eine Kunststück hat er mir beigebracht: dass man manchmal am allerbesten einfach abwartet, egal wie dringend und heftig man sich etwas wünscht. Abwarten bis etwas passiert oder aufhört, bis etwas heilt oder besser wird oder bis jemand nach Hause kommt.

Ich glaube, das ist ein ziemlich gutes Kunststück, auch wenn es mir nur ein Hund beigebracht hat.“ (S. 110/111)

Mister Matti ist mehr als einfach nur ein Hund. Und das Buch ist auch mehr als einfach nur ein Kinderbuch.

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Mein Hund Mister Matti – Michael Gerard Bauer – Hardcover – 112 Seiten – 9,90 € – ISBN-13: 978-3446238862 – erschienen: Juli 2012 (Hanser) – Altersempfehlung: 8-10 Jahre

„Vilja und die Räuber“ von Siri Kolu

Vilja und die RäuberReiheninfo:

  1. „Vilja und die Räuber“
  2. „Vilja und das Räuberfest“

Inhalt:

„In der zweiten Juniwoche wurde ich geklaut. Das war auch gut so!“ (erste Sätze, S. 11)

Die Zehnjährige Vilja wird in den Sommerferien geklaut. Als die Familie Räuberberg das Auto von Viljas Familie überfällt, raubt sie nämlich nicht nur Mamas Lieblingsbikini und Papas Shorts, sondern eben auch Vilja. Zunächst schmiedet diese noch Ausbruchspläne, denn so verhalten sich Entführte nun mal. Doch nicht lange kann sie vor den Räuberbergs verbergen, dass ihr das wilde Räuberleben eigentlich Spaß macht. Denn wo sonst bekommt man so viele Lakritzbonbons, wie man will? Und wo sonst lernt man das Messerwerfen und alle anderen wichtigen Dinge über die Räuberei?

Meine Meinung:

Als ich das Cover von „Vilja und die Räuber“ gesehen und mir den Klappentext dazu durchgelesen habe, war ich mir total sicher, dass das Buch einfach toll sein würde. Und so war es auch!

Ich könnte meine Rezension nur aus Zitaten bestehen lassen, denn beinahe jedes Kapitel, jede Seite und jeder Satz bergen kleine wunderbare Schätze.

Siri Kolu beschreibt das Räuberleben und vor allem die Mitglieder der Familie Räuberberg mit einer solchen Leichtigkeit und dem liebevollen Auge fürs Detail, so dass ich mich am liebsten selbst auf die Straße stellen würde, in der Hoffnung, dass der Räuberbus vorbei fahren und mich rauben würde.

Erwachsene mögen vieles in dieses Buch hineininterpretieren, aber letztendlich bleibt „Vilja und die Räuber“ einfach ein wunderbar herzerwärmendes Kinderbuch und das ist gut so.

Ich könnte jetzt noch lange von den vielen tollen Kleinigkeiten der Geschichte schwärmen, aber ich finde, dass jeder dieses Buch einfach selber lesen sollte. „Vilja und die Räuber“ ist so schön, dass es kaum in Worte zu fassen ist: 10 von 10 Sternen!

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Vilja und die Räuber – Siri Kolu – Hardcover – 256 Seiten – 12,99 € – ISBN-13: 978-3453267626 – erschienen: Mai 2012 (Heyne) – Altersempfehlung: 10-12 Jahre (und älter)

„Die wilden Piroggenpiraten. Ein tollkühnes Abenteuer um eine entführte Mohnschnecke und ihre furchtlosen Retter“ von Maris Putnins

Die wilden PiroggepiratenInhalt:

Mohnschnecke, ein junges und hübsches Gebäckstück, wollte eigentlich nur gemeinsam mit Eclair einen schönen Ausflug machen, doch der endet dramatisch: Bei einer Bootstour mit dem arroganten Hörnchen wird das Schiff von den wilden Piroggenpiraten angegriffen und Mohnschnecke gekidnappet.

Eclair hat ein furchtbar schlechtes Gewissen und macht sich gemeinsam mit seinem neuen Freund, dem Pelmen Otto, auf die Suche nach der verschollenen Mohnschnecke. Auch Hörnchen, von seinem gierigem Vater und der Aussicht auf eine Belohnung getrieben, versucht das zarte Gebäckstück zu retten.

Was keiner ahnen konnte: Seit Mohnschnecke auf dem Piratenschiff weilt, hat sich das Leben auf der „Speckkugel“ gewaltig geändert…

Meine Meinung:

Ein Buch über Gebäckstücke, über Piroggen mit Zwiebelfüllungen, über Blutwürste und Knofikaufleute…

Wer mich und meinen Lesegeschmack ein wenig kennt, weiß genau, dass mir der Einstieg in so ein Buch eher schwer fällt. Ich brauche immer ein bisschen, bis ich mich an so neue Ideen gewöhnt habe.

Aber schon nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte um Mohnschnecke, Eclair, Otto und um die Piroggenpiraten komplett in den Bann gezogen. Der lettische Kinderbuchautor steckt so viel Gefühl, so viel Heldenmut und so viel Liebenswertes in seine teigigen Hauptdarsteller, dass sie schnell mein Herz erobert und mich an einigen Stellen sogar zu Tränen gerührt haben.

Das soll aber nicht heißen, dass das Abenteuer um die wilden Piroggenpiraten eine traurige Geschichte ist: sie ist viel mehr voll von allem, was ein gutes Kinderbuch benötigt: Es gibt wahre Helden, eine wunderbare Freundschaft, eine Liebesgeschichte, Intrigen, Gefahren und vor allem jede Menge Abenteuer.

Und ganz versteckt geht es in dieser zauberhaften Geschichte um Themen wie Identität, den Wunsch jemand anders zu sein und darum, für das einzustehen, woran man glaubt.

Nebenbei glänzt „Die wilden Piroggenpiraten“ durch einen wirklich grandiosen Humor und einen Wortwitz, der insbesondere die erwachsenen (Vor)-Leser ansprechen dürfte: so heißt beispielsweise die Hauptstadt von Käsien Tschiesburg und deren Bewohner sind „kleinwüchsig, aber allesamt stinkig und stänkerisch“.

Die letzten Seiten über Mohnschnecke und die wilden Piroggenpiraten habe ich fast ein wenig traurig gelesen. Obwohl das Buch mehr als 600 Seiten umfasst, hätte ich gerne noch mehr Zeit mit meinen Teig-Helden verbracht, hätte gerne länger mit ihnen gelacht und gebangt, hätte mich an der List und Tücke der Piraten erfreut. Aber vor allem hätte ich gerne sehr viel länger meine heimlichen Lieblingsfiguren Eclair und Otto begleitet: zwei Freunde, die man sich besser nicht erträumen kann.

„Die wilden Piroggenpiraten“ ist ein wirklich bezauberndes Kinderbuch. Aber ich bin mir sicher, dass auch jugendliche und erwachsene Leser an dieser wirklich tollen Idee und der noch besseren Ausführung ihre wahre Freude haben werden. Ich habe auf jeden Fall schon mehrere Personen im Kopf, denen ich dieses Piratenabenteuer empfehlen möchte. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Die wilden Piroggenpiraten. Ein tollkühnes Abenteuer um eine entführte Mohnschnecke und ihre furchtlosen Retter – Maris Putnins – Hardcover – 656 S. – 14,99 € – ISBN-13: 978-3596854523 – erschienen: März 2012 (Fischer) – Altersempfehlung: 8-12 Jahre

„Rico, Oskar und die Tieferschatten“ von Andreas Steinhöfel

Rico, Oskar und die TieferschattenReiheninfo:

  1. „Rico, Oskar und die Tieferschatten“
  2. „Rico, Oskar und das Herzgebreche“
  3. „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“

Inhalt:

„Ich sollte an dieser Stelle wohl erklären, dass ich Rico heiße und ein tiefbegabtes Kind bin. Das bedeutet, ich kann zwar sehr viel denken, aber das dauert meistens etwas länger als bei anderen Leuten. An meinem Gehirn liegt es nicht, das ist ganz normal groß. Aber manchmal fallen ein paar Sachen raus, und leider weiß ich vorher nie, an welcher Stelle. Außerdem kann ich mich nicht immer gut konzentrieren, wenn ich etwas erzähle. Meistens verliere ich dann den roten Faden, jedenfalls glaube ich, dass er rot ist, er könnte aber auch grün oder blau sein, und genau das ist das Problem.“ (S. 11)

Als Rico von seinem Lehrer den Auftrag bekommt, ein Ferientagebuch zu schreiben, ahnen wohl alle Beteiligten noch nicht, dass Ricos Ferien sehr aufregend werden. Er lernt den hochbegabten Oskar kennen, fährt quer durch Berlin, obwohl er eigentlich nur geradeaus gehen kann, und vor allem kommt er dem stadtbekannten Entführer Mister 2000 auf die Spur.

Meine Meinung:

Lange bin ich um die Bücher von Andreas Steinhöfel herumgeschlichen. Als mir eine Freundin erzählte, dass die Bücher von der Freundschaft zwischen dem hochbegabten Oskar und dem tiefbegabten Rico handeln, war es um mich geschehen. Ich finde die Idee von dieser Freundschaft einfach toll und den Begriff „tiefbegabt“ wirklich entzückend.

Wie man oben sieht, wird die Geschichte aus Ricos Sicht erzählt und auch wenn dies manchmal ein bisschen wirr ist, lädt die Erzählweise immer wieder zum Schmunzeln ein und macht ganz klar den Charme der Geschichte aus. Oskar, hochbegabt, aber so ängstlich, dass er immer einen Helm trägt, tut dann sein übriges.

Ich bin versucht, die Reihe um Rico und Oskar, die bisher drei Bände umfasst, mit der Ismael-Reihe von Michael Gerard Bauer zu vergleichen. Beide leben durch ihren Humor, sind aber doch sehr viel tiefer gehender und behandeln ganz nebenbei wichtige Themen wie zum Beispiel Freundschaft oder Mut.

Die Charaktere in diesem Buch sind allerdings sehr viel jünger als die mitten in der Pubertät steckenden Jungs in Bauers Werken. Und so ist auch „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ noch viel eher ein Kinderbuch, auch wenn es sicherlich Reihen von Erwachsenen begeistert.

Ich werde sicherlich nicht lange warten, bis ich den zweiten Band dieser Reihe „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ lese. Eine schöne, rührende Geschichte über Behinderung, Freundschaft, Mut und den ganz normalen Alltag von Rico Doretti. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Rico, Oskar und die Tieferschatten – Andreas Steinhöfel – Hardcover – 224 Seiten . 12,90 € – ISBN-13: 978-3551555519 – erschienen: 2008 (Carlsen) – Altersempfehlung: 10-12 Jahre (meiner Meinung nach auch jünger)

[Rezension] „Die Kurzhosengang“ von Zoran Drvenkar (unter dem Pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois)

Die KurzhosengangInhalt:

Die Kurzhosengang, das sind Rudolpho, Island, Snickers und Zement. Natürlich sind das nicht ihre echten Namen, aber so werden sie nun mal genannt. In Kanada sind die vier echte Prominente und in einem Fernsehinterview sollen die vier schildern, warum sie „Die Kurzhosengang“ heißen.

Hierfür haben Rudolpho, Island und Snickers je unterschiedliche Geschichten auf Lager, eine abstruser als die andere. Als Zement schließlich beginnt seine Geschichte zu erzählen, die von etwas ganz anderem handelt, ist das Interview eigentlich schon beendet. Zement ist immer etwas langsamer als seine Freunde und bekommt oft vieles nicht mit. Trotzdem ist er die eigentliche Autorität der Gruppe.Die Kurzhosengang

Und warum die Kurzhosengang nun so heißt? Lest das Buch!

Meine Meinung:

„Die Kurzhosengang“ ist ein Buch, das mich ein bisschen ratlos zurücklässt. Sowohl was den Inhalt angeht, als auch den Autoren betreffend. Und welche Meinung ich zu der Geschichte habe, weiß ich auch nicht genau.

Zum Autor: Wie in der Überschrift schon angedeutet, schreibt Drvenkar das Buch unter einem Pseudonym von zwei angeblich in Kanada wohnenden Autoren. Als Übersetzer ist Andreas Steinhöfel („Die Mitte der Welt“) angegeben. Da das Buch aber auf deutsch verfasst wurde, gibt es vermutlich keinen Übersetzer. Sehr mysteriös alles.

Das Buch ist gespickt mit Fußnoten zu angeblicher Sekundärliteratur oder kurzen Bemerkungen und Erläuterungen, ein nettes Zusatzschmankerl. Ich habe aber meist drüber hinweg gelesen.

Zum Buch selber: Die Geschichte ist in vier Teile geteilt. Zunächst erzählt Rudolpho: seinen Teil fand ich sehr wirr zu lesen, er weicht oft von der eigentliche Erzählhandlung ab und man hat bei seinem Teil am meisten das Gefühl, einem Elfjährigen zuzuhören.

Der zweite Teil gefiel mir sehr gut. Er wird von Island erzählt und handelt von einem Eishockeyspiel und einem Baby:

„“Viel Glück im Leben“, sagte er und rieb dem Baby das winzige Nasenbein. Nasenbeinreiben ist bei uns Tradition, unsere Eltern haben uns von klein auf zum Einschlafen über die Nase gerieben und das wirkte so sehr, dass, wann immer man uns heute das Nasenbein reibt, wir müde werden und einschlafe.“ (S. 94)

Der dritte Teil – mein absoluter Lieblingsteil (von Snickers) – beginnt harmlos mit einem Videoabend, endet aber ganz abenteuerlich mit einem Grizzlybären:

„Jeder von uns hatte eine Schale mit Chips auf dem Schoß und die Getränke standen auf dem Tisch vor uns. Unsere Füße waren immer auf dem Sofa. Falls jemand sich unter dem Sofa versteckte, um während des Films nach unseren Füßen zu schnappen, dann sollte er erstmal suchen. Es gab auch einen Notschalter, der direkt neben Island auf dem Boden lag. Der Schalter gehörte zu einer Stehlampe. Musste einer von uns aufs Klo oder bekam Angst, haute Island auf den Schalter und es wurde hell im Zimmer.“ (S. 117)

Der letzte Teil, der von Zement erzählt wird, ist wie auch der junge Erzähler etwas anders. Er driftet sehr ins mysteriöse/fantastische ab, was mich ein bisschen irritiert hat.

Da ich euch nicht so genau sagen kann, wie ich das Buch finde, macht euch anhand meiner Beschreibung und vor allem anhand der Zitate selber ein Bild. Die Geschichte ist definitiv sehr lustig, ich habe viele Male laut losgeprustet und noch öfter geschmunzelt. Sie liest sich schnell und (bis auf den ersten Teil) sehr angenehm. Ich würde mich freuen, wenn jemand das Buch kennt und eine Meinung dazu hat. Von mir gibt es 6 von 10 Sternen!

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Anmerkung: Im Jahr 2005 hat das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch erhalten.

Die Kurzhosengang – Zoran Drvenkar – Taschenbuch – 6,95 € – ISBN-13: 978-3551355645 – erschienen: September 2006 (Carlsen) – empfohlenes Alter: 10-12 Jahre