[Kurzer Leseeindruck] „Fremd“ von Ursula Poznanksi & Arno Strobel

Klappentext:

Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich? (Quelle)

Mein Eindruck:

Ich muss zugeben, dass ich ein ganz klein wenig unsicher war, bevor ich dieses Buch begonnen habe. „Layers“, das letzte Buch von Ursula Poznanski, konnte mich nicht vollends überzeugen. Und von Arno Strobel hatte ich bis dato noch gar nicht gelesen. Doch meine Sorge war vollkommen unbegründet: Die Art, die Geschichte zu erzählen, ist wirklich genial. Natürlich ist es nicht neu, wenn die Handlung eines Buches aus zwei Perspektiven geschildert wird, die sich ergänzen und erst zusammen ein vollständiges Bild ergeben.

Doch was ist, wenn sich die beiden Perspektiven vollkommen widersprechen und man als Leser doch weiß, dass beide der Wahrheit entsprechen? Warum kann sich Joanna einfach nicht mehr an diesen fremden Mann erinnern, mit dem sie angeblich verlobt sein soll? Und warum findet Erik in der gemeinsam Wohnung von ihm und Joanna plötzlich keine seiner persönlichen Besitztümer mehr wieder? Selbst sein Kleiderschrank ist verschwunden!

„Fremd“ hat mich wirklich gut unterhalten, hat ein größtenteils stimmiges, wenn auch nicht ganz überraschendes Ende. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Fremd – Ursula Poznanksi & Arno Strobel – Klappbroschur – 400 SEiten – 16,99 € – ISBN:  978-3-8052-5084-9 – erschienen: Oktober 2015 (Rowohlt)

[Rezension] „Himmelschlüssel“ von Kristina Ohlsson

Reiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. „Himmelschlüssel“
  5. schwed. Titel: „Davidsstjärnor“

Klappentext:

Eine vollbesetzte Boeing 747 hebt in Stockholm ab und fliegt in Richtung New York. Kurz nach dem Start wird ein Drohbrief an Bord gefunden, laut dem das Leben von über 400 Passagieren in Gefahr ist. Kriminalkommissar Alex Recht muss das Flugzeug vor der Explosion bewahren, doch dazu benötigt er die Hilfe und den Scharfsinn von Fredrika Bergman. Und allzu bald wird den beiden klar, dass die Flugzeugentführung einen teuflischeren Grund hat, als sich die Ermittler vorzustellen vermögen. Denn der Kopilot des Flugzeugs ist niemand anderes als Alex‘ Sohn Erik … (Quelle)

Meine Meinung:

Schön, wenn man das vierte Buch einer Reihe liest, auf altbekannte Figuren und Freunde trifft und trotzdem das Gefühl hat, etwas Neues zu erleben. Genauso ging es mir mit diesem Buch. Zuerst war ich sehr skeptisch, denn die Geschichte, die hier erzählt wird, ist absolut politisch, was mir eigentlich nicht so liegt:

Fredrika arbeitet  nach dem letzten Fall im Justizministerium. Gerade soll sie entscheiden, ob der Terrorverdächtige Zakaria Khelifi abegschoben werden soll, als die Meldung reinkommt, dass in einem vollbesetzten Flugzeug eine Bombendrohung gefunden wurde: Neben einer weiteren Forderung verlangen die unbekannten Entführer, dass Khelifi freigelassen wird. Sollte die Maschine landen, wird sie laut Erpresserbrief in die Luft gesprengt. Und so haben Alex Recht, der zu diesem Fall hinzugezogen wird, Fredrika und die Terrorismusexpertin Eden Lundell nur 24 Stunden Zeit, um sich eine Lösung einfallen zu lassen. Die Zeit ist knapp – insbesondere als sich herausstellt, dass der Co-Pilot des Flugzeugs der Sohn von Alex ist…

Die Geschichte liest sich unheimlich spannend und beklemmend gleichzeitig, was vermutlich vor allem daran liegt, dass Kristina Ohlsson selbst einige Jahre im Außenministerium und für das OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) gearbeitet hat. Sie weiß also, wovon sie hier erzählt. Umso verstörender ist es, wenn sie davon berichtet, dass die Berater der USA – dies ist das Ziel des Flugzeugs – bewusst wichtige Informationen, die das Leben vieler Menschen retten könnten, zurückhalten, nur weil sie politisch sehr brisant sind.
Trotzdem gelingt es der Autorin die Handlung und die Personen nicht nur in schwarz und weiß zu zeichnen, sondern den Figuren auch noch individuelle und menschliche Züge zu geben.

Wer wie ich zuerst glaubt, einen etwas trockenen Polit-Thriller zu lesen, wird schnell eines besseren belehrt. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und das bis spät in die Nacht hinein. Ich konnte einfach nicht aufhören und war wie gefesselt. Genau so muss ein gutes Buch sein!

„Himmelschlüssel“ ist spannend, brisant, authentisch und hochaktuell. Kristina Ohlsson ist mit diesem Buch ein Meisterwerk gelungen. 10 von 10 Sternen!

stern 10

Himmelschlüssel – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-8090-2639-6 – erschienen: November 2014 (Limes)

[Rezension] „Sterntaler“ von Kristina Ohlsson

SterntalerReiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. -dt. Titel noch unbekannt-

Klappentext:

Seit vielen Jahren hat die einst gefeierte Kinderbuchautorin Thea Aldrin mit niemandem mehr gesprochen. Doch jeden Samstag schickt ihr ein Fremder einen Strauß Blumen und eine Karte, auf der ein einziges Wort steht: Danke. Dann besucht eine Studentin sie im Pflegeheim – und verschwindet kurz danach spurlos. Zwei Jahre später wird die Leiche der jungen Frau in einem Waldstück in Midsommarkransen gefunden. Daneben: eine weitere Leiche, die schon deutlich länger tief in der Erde liegt. Und schließlich: eine dritte. Welches Geheimnis verschweigt die stumme Autorin? (Quelle)

Meine Meinung:

Seit ich vor zweieinhalb Jahren das erste Buch dieser Reihe gelesen habe, freue ich mich immer auf die Winterzeit. Denn etwa dann erscheint im jährlichen Rhythmus ein neuer Band der Krimireihe um das Ermittlerteam von Fredrika Bergmann, Alex Recht und Peter Rydh . Im letzten Jahr habe ich das Erscheinen irgendwie verpasst und mich dann im Frühjahr sehr gefreut, denn ich hatte ja schließlich noch ein ungelesenes Buch vor mir. Juhu!

Ich bin eigentlich längst aus dem Krimi- und Thrillerfieber raus, aber die Bücher von Ohlsson stellen genauso wie die des auch aus Schweden stammende Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt eine Ausnahme dar. Sie bieten für mich die perfekte Mischung aus einem interessanten Fall und dem Privatleben der Ermittler.

Bei dieser Reihe finde ich es besonders gelungen, dass die drei Hauptermittler von Buch zu Buch eine Entwicklung durchmachen. Sie bleiben sich treu, aber treten dabei nicht auf der Stelle. Es ist wirklich so, als würde man alten Bekannten begegnen, die man länger nicht gesehen hat: Man erkennt sich wieder, fühlt sich wohl und ist gespannt, was im Leben des Gegenübers passiert ist.

Ein kleines Manko in diesem Buch war für mich die Tatsache, dass die Vermischung vom Privatleben und dem Fall etwas sehr extrem und für mich nicht unbedingt glaubwürdig war.
Dies wurde aber definitiv dadurch ausgeglichen, dass die Autorin auf eine geniale Idee in der Erzählstruktur gekommen ist: Die eigentliche Handlung und die Aufdeckung des Falls wurden linear erzählt – unterbrochen allerdings durch kurze Befragungen der obigen Ermittler durch eine Art Untersuchungsausschuss. Man weiß als Leser also von Anfang an, dass bei den Ermittlungen etwas gewaltig schief gelaufen ist. Außerdem erfährt man Stück für Stück schon einige prägnante Details, die neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte machen. Ein wirklich genialer Schachzug!

„Sterntaler“ weiß durch Altbewährtes wie einem interessanten Ermittlerteam und der fesselnden Schreibweise der Autorin zu begeistern. Außerdem ist Kristina Ohlsson in Bezug auf die Erzählstruktur der Geschichte ein Geniestreich gelungen. Ich freue mich sehr auf den vierten Band dieser Reihe und vergebe 9 von 10 Sterne!

stern 9

Sterntaler – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 544 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-8090-2617-4 – erschienen: Oktober 2013

[Rezension] „Der Mann, der kein Mörder war“ von Hjorth & Rosenfeldt

Der Mann, der kein Mörder warReiheninfo:

  1. „Der Mann, der kein Mörder war“
  2. „Die Frauen, die er kannte“
  3. „Die Toten, die niemand vermisst“

Klappentext:

In einem Waldstück bei Västerås entdecken Kinder die Leiche eines Jungen –brutal ermordet, mit herausgerissenem Herzen. Der Tote ist schnell identifiziert: Roger war Schüler eines Elitegymnasiums und seit Tagen vermisst.

Die Polizei vor Ort ist überfordert, und so reist der Stockholmer Kommissar Höglund mit seinem Team in die Provinz. Dort trifft er überraschend einen alten Bekannten: Sebastian Bergman, ein brillanter Kriminalpsychologe und berüchtigter Kotzbrocken. Seit Bergman Frau und Tochter bei einem Unglück verlor, hat man kaum noch von ihm gehört. Nun bietet er Höglund seine Hilfe an. Das Team zeigt sich wenig begeistert. Doch schon bald ist der hochintelligente Bergman unverzichtbar. Denn in dem kleinen Städtchen Västerås gibt es mehr als eine zerstörte Seele … (Quelle)

Meine Meinung:

Eigentlich lese ich im Moment gar keine Krimis oder Thriller. Doch als ich neulich im Buchladen stand und dort eine Frau nach einem Krimi fragte, der so ähnlich sei wie die von Stieg Larsson, wurde ich doch hellhörig und kaufte schließlich das gleiche Buch: „Der Mann, der kein Mörder war“ – eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe.

„Der Mann, der kein Mörder war“ ist eines dieser Bücher, das mich gepackt und bis zum Schluss nicht wieder losgelassen hat, ohne dass ich genau sagen könnte, warum.

Einmal angefangen konnte ich einfach nicht wieder aufhören.

Das Autorenduo Hjorth und Rosenfeldt hat also alles richtig gemacht: ein interessanter Fall, spannende Ermittler und ein toller Schreibstil tragen zum Lesevergnügen bei. Einzig und allein eine Kleinigkeit am Schluss war mir zu überzufällig, aber ich kann sehr gut damit leben und bin gespannt, wie in den nächsten Bänden damit umgegangen wird.

Kurz und knapp: Wo ist die Fortsetzung? 8 von 10 Sternen!

stern 8

Der Mann, der kein Mörder war – Hjorth & Rosenfeldt – Taschenbuch – 624 Seiten – 9,99 € – ISBN 978-3-499-25670-7 – erschienen: Januar 2013 (Rowohlt)

„Blinde Vögel“ von Ursula Poznanski

Blinde VögelReiheninfo:

  1. „Fünf“
  2. „Blinde Vögel“

Klappentext:

Zwei Tote in Salzburg. Sie stranguliert, er erschossen. Die Tat eines zurückgewiesenen Liebhabers?

Aber die beiden scheinen zu Lebzeiten keinerlei Kontakt miteinander gehabt zu haben. Oder täuscht der erste Blick? Das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ist ratlos. Aber Beatrice mag die Sache nicht auf sich beruhen lassen und verfolgt die Spuren, die die Toten im Internet hinterlassen haben. Auf Facebook wird Beatrice fündig: Beide waren dort Mitglieder in einem Forum, das sich ausgerechnet mit Lyrik befasst. Gedichte werden hier mit stimmungsvollen Fotos kombiniert und gepostet. Ganz harmlos.

Ganz harmlos? (Quelle)

Meine Meinung:

Was zeichnet Ursula Poznanski für mich aus? Zum einen ihr Schreibstil, der mich Buch für Buch an die Seiten fesselt, und zum anderen die Tatsache, dass sie es immer wieder schafft, ein neues interessantes Thema als Mittelpunkt ihrer Bücher zu wählen. Nachdem es bereits z.B. um Computerspiele, LARP und Geocaching ging, finden wir uns in diesem Buch auf einem Terrain wieder, das vermutlich viele von uns kennen: Facebook!

Denn dort findet Beatrice die erste Verbindung zwischen den beiden Toten, die sonst so gar nichts gemein haben. Kurzerhand eröffnet sie selbst ein Konto bei Facebook und tritt der Lyrikgruppe bei, in der auch die beiden Toten Mitglied waren. Dort gibt es zwar viele eigenwillige Persönlichkeiten, aber zunächst keinen weiteren Anhaltspunkt…

Kurz und knapp: Ich bin mal wieder über die Seiten geflogen! Ich mag, wie die Autorin schreibt, ich mag ihre Ermittler, ich mag den Spannungsbogen. Der Schlussteil hat mich zunächst etwas irritiert, stellte sich dann aber als in meinen Augen sehr genial heraus.

Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass es nach „Fünf“ noch ein weiteres Buch um das Ermittlerduo Beatrice und Florin geben würde. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich „Blinde Vögel“ entdeckte – und wurde nicht enttäuscht. Ich habe endlich mal wieder einen gut konstruierten Thriller gelesen, der vor allem durch einen überraschenden Schlussteil glänzt. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Blinde Vögel – Ursula Poznanski – Klappbroschur – 480 Seiten – 16,95 € – ISBN 978-3-8052-5045-0 – erschienen: April 2013 (Wunderlich)

[Rezension] „Tausendschön“ von Kristina Ohlsson

TausendschönReiheninfo:

  1. “Aschenputtel”
  2. “Tausendschön”
  3. “Sterntaler” 
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

In einer Wohnung in Stockholm werden ein Pfarrer und seine Frau tot aufgefunden. Im Fall eines überfahrenen Einwanderers ermittelt die Polizei wegen Fahrerflucht. Und dann gibt es noch eine Drogentote, die Tochter des verstorbenen Ehepaars.

Ob all diese Fälle und eine Vergewaltigung vor vielen Jahren tatsächlich zusammenhängen?

Meine Meinung:

Schon von „Aschenputtel“ war ich letztes Jahr sehr begeistert. Ohlsson hat eine Art, Thriller zu schreiben, die mich sehr fesselt. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, dass die schwedische Autorin ihr Ermittlerteam um Alex Recht, Peder und Fredrika weiterarbeiten lässt. Um es schon vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.

„Die Wolken am Himmel sahen aus, als würden sie Fangen spielen. Um sie herum schien alles seinen unveränderten Weg zu gehen, während ihre eigene Welt soeben auf ewig in Scheiben geschlagen worden war. Sie blieb auf der Wiese liegen, bis man sie vermisste und sie suchen ging. Und als man sie endlich fand, war sie bereits eine andere geworden.“ (S. 11)

Schon der Prolog, der übrigens wieder gänsehauterweckend ist, hat mich gefesselt. Und diese Spannung und das Gefühl, unbedingt weiter lesen zu müssen, ließ mich auch bis zum Schluss nicht los. In „Tausendschön“ geht es nicht nur um einige Todesfälle, sondern vor allem auch um das Thema der illegalen Einwanderungen und Flüchtlinge aus dem nahen Osten. Kristina Ohlsson war selber im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium tätig und ich habe das Gefühl, man merkt ihr an, dass das ihr dieses Thema wichtig ist.

Es gibt einige Handlungsstränge, neben dem Beruflichen geht es auch wieder um das Privatleben der Ermittler, so dass mir wirklich nie langweilig wurde. Immer wieder habe ich selber versucht, den Fall zu lösen und durch geschickte Andeutungen meint man, den Figuren auch manchmal ein Stück voraus zu sein. Doch spannend blieb es für mich bis zum Ende.

„Tausendschön“ ist ein Buch, das mir mal wieder deutlich macht, warum ich vor einigen Jahren so viele Thriller gelesen habe. Es hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht wieder losgelassen. Dass es nebenher auch noch um ein hochinteressantes Thema geht, war das Tüpfelchen auf dem I. Ich möchte behaupten – aber das auch nur ganz vorsichtig -, dass dieses Buch von Ohlsson eine gewisse Ähnlichkeit mit der Millenium-Trilogie von Larsson hat. Und das ist aus meinem Mund ein hohes Lob. Ich vergebe gerne 9 von 10 Sterne.

stern 9

Tausendschön – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 19,95 € – ISBN-13: 978-3809025924 – erschienen: September 2012 (Limes)

„Keine feine Gesellschaft“ von Olaf Kolbrück

Keine feine GesellschaftKlappentext:

In einem beschaulichen Kleingarten am Stadtrand der Finanzmetropole Frankfurt findet Ex-Kommissarin Eva Ritter die Leiche eines Investment-Bankers. Als ein weiteres Mordopfer entdeckt wird, deutet alles auf ein Liebesdrama in besseren Kreisen hin. Während die gesundheitlich angeschlagene Ermittlerin besorgt auf die Diagnose ihrer mysteriösen Erkrankung wartet, riskiert sie einen Blick hinter die Fassade der High Society im Taunus. Ihrem ehemaligen Kollegen bei der Kripo Frankfurt gefällt das gar nicht. Denn ihre Recherchen führen Eva Ritter in ein Netz aus Filz und Korruption. Während sich der private Kummer und die dunklen Machenschaften in der feinen Gesellschaft im Taunus häufen, muss Eva Ritter feststellen, dass sie mit dem Mörder womöglich mehr gemein hat, als sie je dachte. (Quelle: fhl Verlag)

Meine Meinung:

Bücher von unbekannten Debütautoren zu lesen, ist immer ein gewisses Risiko. Hierbei kannte ich (Schande über mein Haupt) noch nicht mal den Verlag. Und so war ich doch etwas unsicher, ob mir das Buch wohl gefallen würde. Ich kann schon mal vorweg nehmen, dass ich das Buch beinahe am Stück, auf jeden Fall aber an einem Tag gelesen habe. Mitreißend schreiben kann Herr Kolbrück auf jeden Fall schon mal.

„Keine feine Gesellschaft“ spielt mitten in der vermeintlich feinen Gesellschaft der Schönen und Reichen Frankfurts. Und wie man es schon vermuten kann, spielt es im Kreise der Bänker und Börsenmakler. Eine Welt, die mir ziemlich fremd ist, weswegen mir ein wenig der nötige Bezug fehlte, um wirklich mitgerissen zu werden.

Leser, die Franfurt oder sogar den Börsenmarkt besser kennen, mit typischen Bänkern zu tun haben oder sich öfter mal in edlen Reitställen und auf Golfplätzen aufhalten, mögen die Ironie und das Augenzwinkern, mit dem Kolbrück seine Nebencharaktere schildert, noch mehr zu schätzen wissen.

Zum Glück ist die Ex-Kommissarin anders, sehr viel bodenständiger. Allerdings fand ich es etwas unglaubwürdig, wie sehr sie ihren Stand als ehemalige Ermittlerin ausnutzt, um auch in diesem Fall zu ermitteln. Und dass dann sogar ihr Hausarzt Eva geheime Akten über das Mordopfer zugänglich macht, war mir ehrlich gesagt etwas zu viel des Guten.

Aber vielleicht bin ich da auch überkritisch…

Im Großen und Ganzen muss ich sagen, war ich trotzdem von dem Buch positiv überrascht. Es las sich wirklich gut und schnell weg, auch wenn mich Handlung, Setting und die letztendliche Auflösung des Falls nicht umgehauen haben. Ich vergebe noch 6 von 10 Sternen und lege das Buch vor allem Frankfurter Krimilesern ans Herz.

stern 6

Keine feine Gesellschaft – Olaf Kolbrück – Taschenbuch – 235 Seiten – 12,00 € – ISBN-13: 978-3942829243 – erschienen: Juli 2012 (fhl)

„Todesmelodie“ von Andreas Franz & Daniel Holbe

TodesmelodieZur Reiheninfo der Julia-Durant-Bücher möchte ich auf die Auflistung der Krimi-Couch HIER verweisen!

Inhalt:

Nach ihrer Entführung hatte sich Julia Durant ein Jahr Auszeit genommen, um wieder zu Kräften zu kommen. Nun ist sie gerade wieder in den Außendienst berufen worden, als sie und ihr Team eine furchtbar zugerichtete Leiche finden: Ein junges Mädchen wurde mehrfach vergewaltigt, danach schnitt jemand ihre Kehle durch.

Zwei Jahre später – die Täter sind schon längst hinter Gittern – wird das K11 zu einem neuen Tatort gerufen, der erst auf den zweiten Blick erschreckende Parallelen zum Mord an der jungen Studentin aufweist…

Meine Meinung:

Wenn ein Mensch stirbt, ist dies so oder so traurig. Wenn es dann noch einer der eigenen Lieblingsautoren ist, ist man sich nicht sicher: Darf man den Tod betrauern, weil es nun keine weiteren Bücher mehr geben wird?

So etwa ging es mir nach dem Tod von Andreas Franz, von dem ich fast alle Bücher in meinem Regal stehen habe. Umso größer war die Freude, als ich erfahren habe, dass Daniel Holbe ein bereits von Franz begonnenes Manuskript zu einem fertigen Buch vollendet.

Holbe hat es sicherlich nicht leicht: Franz hat etliche Bücher verfasst und die Reihe um die toughe Ermittlerin Julia Durant ist sicherlich nicht nur mein Liebling. Es sind also große Fußstapfen, in die der junge Autor treten muss.

Nach dem Lesen kann ich sagen: bis auf einen kleinen Kritikpunkt ist es Holbe unheimlich gut gelungen, die Reihe fortzusetzen. Die Charaktere von Durant und Hellmer sind unheimlich gut getroffen. Es kommt wieder zu sehr typischen Szenen zwischen diesen beiden Sturköpfen. Mehr als ein Mal hätte ich beide gerne schütteln wollen. Aber genau das sind eben Szenen, die die Bücher von Andreas Franz ausmachen.

Ebenso wie die Hauptermittlerin hat man das Gefühl, zwar eine Zeit weg gewesen zu sein, sich nun aber schnell wieder im K11 heimisch zu fühlen. Besonders schön finde ich, wie ich als Leser an den Ermittlerarbeiten teilhaben kann, obwohl ich oft mehr weiß, als das Team. Ich sehe genauso ihre Notizen vor mir und kann mir ihre Whiteboards gut vorstellen. Das erinnert mich ein wenig an die Thriller von Jeffery Deaver.

Doch nun zur Kritik: Die Bücher von Franz waren schon immer schonungslos ehrlich und nicht für zarte Gemüter gemacht. Doch wenn mir jemand über „Todesmelodie“ sagen würde, er fände das Buch an manchen Stellen unnötig grausam und brutal, würde ich zumindest wissen, was er meint. Ob das nun der Einfluss von Holbe ist oder ob Franz selber die Beschreibungen der Morde und die Thematik an sich so geplant hatte, werden wir Leser wohl eher nicht erfahren. Fakt ist: Dieses Buch sollte niemand lesen, dem bei dem Gedanken an Blut, brutale Vergewaltigungen und erschreckend perverse Abnormitäten übel wird.

Ich persönlich habe „Todesmelodie“ unheimlich gerne gelesen und konnte das Buch zwischenzeitlich nicht beiseite legen. Doch obwohl ich eigentlich gerne Thriller lese, bei denen es durchaus auch mal brutal und psychopathisch zugehen darf, haben mich manche Szenen, bzw. viel mehr das hinter den Morden stehende Motiv (ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten) geschockt. So viele und detaillierte Beschreibungen wären nicht immer notwendig gewesen. Trotzdem vergebe ich 7 von 10 Sternen und bin erfreut darüber, dass Holbe auch noch einen weiteren Durant-Krimi verfasst hat: „Tödlicher Absturz“.

stern 7

Todesmelodie – Franz & Holbe – Taschenbuch – 432 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3426639443 – erschienen: Mai 2012 (Knaur)

„Sturms Flug“ von Michael Quandt

Sturms FlugReiheninfo:

  1. “Sturms Jagd”
  2. “Sturms Flug”

Achtung, die Rezension enthält Spoiler zum ersten Band!

Inhalt:

Nachdem Mara vom Dienst suspendiert wurde, arbeitet sie jetzt als freie Reporterin. Im Zuge ihrer Arbeit recherchiert die ehemalige Polizistin in Afrika und deckt einen riesigen Skandal auf. Verfolgt von zwei Schlägertypen muss sie fliehen, doch endet die Gefahr noch nicht…

Auch Bernd befindet sich in Afrika, viel mehr auf dem Rückflug. Kurz bevor alle Passagiere das Flugzeug verlassen wollen, stellt sich heraus, dass die Maschine unter Kontrolle mehrerer afrikanischer Kidnapper ist.

Meine Meinung:

Nachdem ich in „Sturms Jagd“ die toughe Ermittlerin Mara Sturm kennenlernen durfte, habe ich mich auf ein Wiedersehen mit ihr sehr gefreut. Gleich die ersten Seiten haben mich daran erinnert, warum ich den ersten Teil dieser Reihe so sehr mochte. Quandts Schreibe weiß einfach zu begeistern und in den Bann zu ziehen: Mehr als ein Mal habe ich mich dabei ertappt doch noch ein Kapitel mehr als geplant zu lesen… und dann noch eins, und noch eins, und noch eins…

Gekonnt verstrickt der Autor mehrere Zeitebenen und Perspektiven miteinander, so dass man als Leser nach und nach mehrere Puzzleteilchen erhält und erst fast zum Schluss das ganze Bild vor Augen hat.

Allerdings unterscheidet sich der zweite Teil auch ein wenig von seinem Vorgänger. Für mich las sich dieses Buch sehr viel persönlicher, es wurde noch mehr Wert auf die einzelnen Personen gelegt und der Leser bekommt vermehrt auch die verletzliche Seite von Mara zu Gesicht. Ich mag Krimi- und Thrillerreihen, in denen nicht nur der Fall, sondern auch die Entwicklung der Ermittler eine Rolle spielt, und in denen die Charaktere Ecken, Kanten und eine eigene Geschichte haben. Nicht nur, weil mir dieser Aspekt so gut gefallen hat, hoffe ich, dass noch viele weitere Bücher folgen werden.

Mein einziger Kritikpunkt ist die Überzufälligkeit der Geschehnisse: Dass die Figuren allesamt so, zu dieser Zeit und in dieser Konstellation aufeinander treffen, passte für meinen Geschmack einfach zu gut zusammen.

Aber da der Kritikpunkt wirklich nur winzig klein ist, die Geschichte mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat und ich den einnehmenden Schreibstil des Autors wirklich sehr schätze, bekommen Thriller- und Krimileser eine ganz eindeutige Leseempfehlung und das Buch 8 von 10 Sternen.

stern 8

Sturms Flug – Michael Quandt – Taschenbuch – 416 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3442377947 – erschienen: März 2012

„Fünf“ von Ursula Poznanksi

FünfReiheninfo:

  1. „Fünf“
  2. „Blinde Vögel“

Inhalt:

„Die Stelle, an der sich sein linkes Ohr befunden hatte, pochte im Rhythmus seines Herzschlags. Schnell, panisch. Sein Atem ging in kurzen, lauten Stößen. Wenige Schritte von ihm entfernt, beugte Nora sich über den Tisch, auf dem die Pistole und das Messer lagen. Ihr Gesicht war verzerrt, aber sie weinte nicht mehr.

‚Bitte’, flüsterte er heiser. ‚Ich will nicht. Bitte.’“ (S. 5)

Auf einer Kuhwiese wird eine weibliche Leiche gefunden. Es ist Nora Papenberg. Auf ihren Fußsohlen sind merkwürdige Zahlenkombinationen eintätowiert – Koordinaten wie sich später herausstellt. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Stefan entdecken Beatrice und Florin von der Salzburger Polizei schließlich den Zusammenhang zum Geocaching. Die Koordinaten markieren einen Ort, an dem die Polizei weitere Leichenteile finden. Und ein Rätsel….

Meine Meinung:

Das Buch beginnt meiner Meinung nach grandios. Im Prolog, dessen Anfang ich oben wiedergegeben habe, scheint ganz klar Nora Papenberg die Täterin zu sein. Liest man einige Seiten weiter, findet man Nora tot auf einer Kuhwiese. Ist sie Täter und Opfer zugleich?

Die Geschichte geht genauso spannend und nervenaufreibend weiter. Dies ist der erste Thriller, den ich kenne, der Geocaching zum Thema hat. Ein Unbekannter versteckt in einem Cache Rätselaufgaben, mit Hilfe derer die Polizei immer neue Koordinaten entschlüsseln muss. Was sich dann an diesen Orten befindet, ist schnell klar. Doch das Rätselraten nimmt kein Ende: die einzelnen Opfer scheinen keine erkennbare Verbindung zueinander zu haben.

Im Verlauf der Ermittlungen erfährt der Leser meist genauso viel wie die Polizei selber und genau das macht dieses Buch so wahnsinnig gut. Ich war sooo gespannt auf die Auflösung und habe sehr gehofft, dass mich das Ende zufrieden stellen würde.

Und ich kann nur sagen: Der Schluss ist fulminant! Alle Fäden führen zusammen, nichts bleibt mehr offen, alles erscheint mit einem Mal so logisch.

Ich liebe den Schreibstil von Frau Poznanski. Wie in „Erebos“ konnte sie mich total fesseln, konnte mich dazu bringen, beim Lesen ganz angespannt zu sein, nervös die nächsten Seiten lesen zu wollen und mit der sympathischen Ermittlerin Bea mitzufiebern.

Ich selber war vor dem Lesen von „Fünf“ schon mal geocachen, aber ich glaube, dass das Buch auch für Neulinge geeignet und verständlich ist. Eine Freundin von mir (Sarah) hat das Buch auch vor ein paar Tagen gelesen und hat – trotz des gruseligen Zusammenhangs im Buch – so sehr Lust auf die Schatzsuche bekommen, dass wir morgen gemeinsam losziehen werden. Zum Glück aber nicht im Salzburger Umland…

Es gibt nichts, was ich an diesem Buch kritisieren könnte: es ist spannend (und das ohne unnötig brutal und grausam zu werden), gewohnt großartig geschrieben, hat ein tolles, überraschendes Ende und sympathische Ermittler. So muss ein Thriller sein. 10 von 10 Sternen!

stern 10

Fünf – Ursula Poznanski – Klappbroschur – 384 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3805250313 – erschienen: Februar 2012 (Wunderlich)