[Rezension] „Blind“ von Christine Brand

Blind

Nathaniel ist zum Essen eingeladen. Um seiner Adoptivmutter eine Freude zu machen, möchte er extra für sie sein blaukariertes Hemd anziehen. Für einen Sehenden ist das kein Problem, doch Nathaniel ist blind. Also nutzt er die App „Be my eyes“, mit deren Hilfe er mit der sehenden Carole verbunden wird, die ihm bei der richtigen Auswahl hilft. Doch noch während des Videochats hört Nathaniel plötzlich auf der anderen Seite der Leitung merkwürdige Geräusche. Carole klingt auf einmal ganz hektisch. Dann ein Kreischen, ein Rumpeln, ein schleifendes Geräusch. Und dann – nichts mehr!

„Hallo?“, brüllt Nathaniel in sein Telefon. „Hallo! Hallo!“
Doch die Leitung bleibt tot. (S. 43)

Nathaniel ist sich sicher, dass er Zeuge eines Verbrechens geworden ist. Allerdings will ihm bei der Polizei niemand glauben (nicht zuletzt, weil Nathaniel auch eine eigene Vergangenheit hat). Und so macht er sich gemeinsam mit seiner Bekannten Milla, der Journalistin, selbst auf die Suche nach Carole …

„Blind“ ist laut Verlagsseite der erste Band um die toughe Journalistin Milla Nova. Darüber habe ich mich gerade beim Recherchieren wirklich gefreut, denn ich kann mir gut vorstellen, die Reihe weiterzuverfolgen. Milla ist nicht die einzige sympathische Figur in diesem Krimi. Auch Nathaniel mochte ich wirklich gerne – nicht zuletzt, weil seine Blindenhündin Alisha immer an seiner Seite ist. Das Szenario, die Charaktere: All das hat mir wirklich gut gefallen.

Die Handlung weiß ebenso zu begeistern: Die Kapitel sind kurz und laden dazu ein, immer noch ein bisschen weiterzulesen – und noch ein bisschen, und noch ein bisschen. Erzählt wird aus vielen verschiedenen Perspektiven. Es gibt einzelne Handlungsstränge, die zunächst scheinbar nicht viel miteinander zu tun haben, dann aber doch sinnvoll zusammenlaufen.

„Der Schrecken tröpfelt träge in ihren Verstand. Der Erkenntnis klopft zunächst leise an, das Klopfen wird drängender und geht in ein lautes Hämmern über, bis sie endlich begreift, dass das kein Unfall war. Dass sie nicht dem Unglück, sondern dem Bösen begegnet ist. Und dass es noch nicht vorbei ist.“ (S. 62)

Bei all der Begeisterung habe ich gerade zum Ende hin auch ein paar kleine Aspekte, die mir nicht so gut gefallen haben. Zum einen suchen zum Schluss zwei Parteien nach Carole, die sich aber leider so gar nicht austauschen. Wenn man das gesammelte Wissen vereint hätte, wäre man viel schneller vorangekommen. Natürlich soll dies die Geschichte besonders spannend machen, weil der Leser mehr weiß als die einzelnen Protagonisten, aber dies kam mir manchmal etwas künstlich vor. Künstlich ist dann auch mein zweites Stichwort, denn zum anderen waren mir einige Hindernisse gegen Ende des Buches zu überzufällig: ein vergessenes Handy hier, ein leer Akku da und schon ist alles etwas dramatischer, aber eben auf eine für mich etwas künstliche Art und Weise.

Dennoch: „Blind“ ist ein wahrer Pageturner, den ich trotz einiger Kritikpunkte wirklich gerne gelesen habe. Ich bin gespannt, wann ich wieder etwas Zeit mit Milla verbringen darf, und hoffe ein bisschen, dass ich vielleicht sogar wieder – zumindest am Rande – auf Nathaniel und Alisha (ja, die Hündin hat es mir wirklich angetan) treffe. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Blind – Christine Brand – Klappbroschur – 448 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-7645-0645-2 – erschienen: März 2019 (Blanvalet)

[Rezension] „Suche mich nicht“ von Harlan Coben

Suche mich nicht

Da ich ja erst seit kurzem wieder Thriller lese, war mir bisher noch kein Buch von Harlan Coben über den Weg gelaufen – weder hatte ich etwas von ihm gelesen noch jemals von ihm gehört. Doch neulich in der Buchhandlung sah ich dann „Suche mich nicht“ von dem Autor. Cover und Klappentext konnten mich direkt überzeugen und das Buch kam mit mir nach Hause.

Darum geht es: In der Familie von Simon und seiner Frau Ingrid ist nichts mehr so, wie es wahr. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren sie noch eine glückliche Familie: Vater, Mutter und drei tolle Kinder. Doch ihre älteste Tochter Paige hat sich von ihnen ab- und den Drogen zugewandt. Was haben sie nicht schon alles versucht, um sie zu retten. Doch nun wird Paige vermisst – und will scheinbar von niemandem gefunden werden. Aber Simon gibt nicht auf, er dringt immer tiefer in ihre Welt ein, um seine Tochter zu retten. Ist das überhaupt noch möglich?

„Sie drehte sich immer noch nicht zu ihm um.
Dann rannte sie los.“ (S. 22)

Wie oben schon gesagt, war mir Harlan Coben bis vor kurzem noch kein Begriff – dabei scheint er in der amerikanischen Krimiszene zu den ganz Großen zu gehören und hat dort die drei wichtigsten Krimipreise erhalten. Obwohl ich bisher nur dieses eine Buch von ihm gelesen habe, kann ich das absolut nachvollziehen. Coben schreibt sehr einnehmend und verknüpft dabei auf eine fesselnde Art die persönliche Geschichte von Simon und seiner Familie mit einer Reihe von Mordfällen. Geschickt wechselt er zwischen den einzelnen Erzählperspektiven, so dass sich Seite für Seite mehr von dem Gesamtbild zeigt.

Für mich ist das Ende eines Thrillers immer das Wichtigste: Schafft es der Autor mich hiermit zu überzeugen? Werden am Ende alle losen Fäden sinnvoll verknüpft und ist die Auflösung auch nicht an den Haaren herbeigezogen? Kurz und knapp: Ja! Das Ende hat es in sich. Und wenn man denkt, man wäre nun schon am Ende angekommen, überrumpelt Coben den Leser ein weiteres Mal. Sehr gelungen!

Mir hat „Suche mich nicht“ richtig gut gefallen. Harlan Coben konnte mich mit seiner tollen Schreib- und gekonnten Erzählweise so an das Buch fesseln, dass ich förmlich an den Seiten geklebt habe. Dies wird mit Sicherheit nicht das letzte Buch des US-amerikanischen Autors sein, dass ich verschlingen werde. Volle Punktzahl und damit 10 von 10 Sternen!

stern 10

Suche mich nicht – Harlan Coben – Klappbroschur – 480 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-442-20545-5 – erschienen: Juni 2019 (Goldmann) – Übersetzung: Gunnar Kwisinski

[Rezension] „Todesfrist“ von Andreas Gruber

9783442478668Reiheninfo:

  1. „Todesfrist“
  2. „Todesurteil“
  3. „Todesmärchen“
  4. „Todesreigen“
  5. „Todesmal“

Klappentext:

»Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden herausfinden, warum ich diese Frau entführt habe, bleibt sie am Leben. Falls nicht – stirbt sie.« Mit dieser Botschaft beginnt das perverse Spiel eines Serienmörders. Er lässt seine Opfer verhungern, ertränkt sie in Tinte oder umhüllt sie bei lebendigem Leib mit Beton. Verzweifelt sucht die Münchner Kommissarin Sabine Nemez nach einer Erklärung, einem Motiv. Erst als sie einen niederländischen Kollegen hinzuzieht, entdecken sie zumindest ein Muster: Ein altes Kinderbuch dient dem Täter als grausame Inspiration – und das birgt noch viele Ideen … (Quelle)

Meine Meinung:

Mein Herzensmann liest eigentlich gar nicht. „Wenn’s hoch kommt – zehn!“, war die Antwort auf die Frage, wie viele Bücher er im Erwachsenenalter gelesen hat. Aber nachdem ich das Thriller-Genre wieder für mich entdeckt habe, konnte er mir endlich auch mal ein Buch empfehlen: „Todesurteil“ – den zweiten Band dieser Reihe. Da ich eine Thrillerreihe nie in der Mitte anfangen würde, war dann schnell der erste Teil bestellt.

Ich muss sagen: Am Anfang war ich kurz davor, das Buch abzubrechen! Über den Thriller „Schlüssel 17“, den ich davor gelesen habe, wurde von Volker Kutscher gesagt: „Marc Raabe gelingt es meisterhaft, immer ganz dicht an seinen Figuren zu bleiben.“ Genau das gelingt Andreas Gruber meiner Meinung nach gar nicht. Zu Beginn des Buches erfährt die Ermittlerin Sabine Nemez, dass ihre Mutter brutal umgebracht wurde. Ein wirklich schreckliches Ereignis. Und trotzdem konnte ich keine Gefühle aus den Seiten herauslesen. Weder Trauer, noch Wut. Weder Abgebrühtheit, noch den unbändigen Willen, den Mörder ihrer Mutter zu finden. Nichts.

Zum Glück habe ich dann trotzdem weitergelesen, denn zum Ende hin konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Geschickt werden verschiedene Perspektiven miteinander verflochten – sogar therapeutische Sitzungen und Analysen werden mit eingebunden. Sowas lese ich immer sehr gerne.

Mit Maarten S. Sneijder hat Andreas Gruber einen spannenden Hauptermittler geschaffen. Er selbst schreibt auf seiner Homepage über den niederländischen Profiler:

Maarten S. Sneijder ist eine ziemlich schräge Figur – mit Absicht. In diesen Charakter habe ich alles gepackt, was mich fasziniert. Sneijder ist ein Kotzbrocken, ein Misanthrop, er hasst Menschen, […]. Aber er ist ein Genie, denn er hat seine eigene Sneijder-Methode entwickelt, um Killer zu fassen … bis zur Selbstaufopferung. (Quelle)

So wenig mich das Buch zu Beginn überzeugt hat, so sehr konnte es dann mit seinem Ende punkten. Für mich liefen alle Fäden sinnvoll zusammen – etwas, das mir insbesondere bei Thrillern sehr wichtig ist. Und so habe ich schon kurz vor Schluss den zweiten Band bestellt und bin gespannt, wie es mit Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder so weitergeht.

stern 7

Todesfrist – Andreas Gruber – Taschenbuch – 432 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-442-47866-8 – erschienen: März 2013 (Goldmann)

[Reihenrezension] „Schwesterherz“ & „Bruderlüge“ von Kristina Ohlsson

2018-03-11 17.44.15.jpg

Kristina Ohlsson ist eine der wenigen Thrillerautoren, die ich noch gerne lese. Früher waren das noch viel mehr, mittlerweile mag ich aber andere Genre lieber. Doch die Bücher der schwedischen Autorin sorgen immer wieder dafür, dass ich stundenlang (und teilweise sogar bis spät in die Nacht hinein) zwischen den Buchdeckeln verschwinde.

Am bekanntesten ist sicherlich ihre Reihe um die Ermittlerin Fredrika Bergmann. Nun gibt es eine neue Hauptfigur: Martin Benner ist Anwalt, Adoptivvater seiner Nichte und lose verbandelt mit seiner Liebe aus Studienzeiten. Doch sein Leben soll sich von einem auf den nächsten Tag ändern, als plötzlich ein Mann in seine Kanzlei kommt und ihn bittet, seine Schwester zu verteidigen, die wegen fünffachen Mordes angeklagt wurde. Das Besondere: Seine Schwester, Sara, ist schon seit einigen Monaten tot. Außerdem hat sie kurz vor ihrem Selbstmord alle Morde gestanden. Dennoch glaubt ihr Bruder an ihre Unschuld. Zu guter letzt noch ist Saras Sohn Mio an dem Tag ihrer Flucht und ihres Todes spurlos verschwunden. Widerstrebend beginnt Martin den alten Fall aufzurollen. Mit jedem Dokument, was er liest, mit jeder Information, die er nach und nach bekommt, wird ihm klar: Irgendetwas stimmt hier so gar nicht. Und schon steckt er mitten drin – und das wird für ihn gefährlich. Lebensgefährlich.

Gemeinsam mit Martin Benner, übrigens ein Hauptcharakter mit Ecken und Kanten, die nicht immer liebenswert sind, setzt man auch als Leser Puzzlestück um Puzzlestück zusammen. Das Bild, das sich nach und nach ergibt, ist immer wieder überraschend und niemals schön. Die Originaltitel der Reihe („Lotus Blues“ und „Momos Blues“) sind meiner Meinung nach sehr passend. Die Bedeutung erschließt sich aber erst beim Lesen.

Am Ende des ersten Bandes kommt es zu einem kleinen Abschluss. Nichtsdestotrotz bleiben noch so viele Fragen offen, dass ich unbedingt direkt zum nächsten Band greifen musste, der zum Glück schon bereit lag. Die Geschichte ist sehr spannend konstruiert, die Wendungen haben mich immer wieder gepackt. Trotzdem ist „konstruiert“ für mich auch das Stichwort für meine leise Kritik. Am Ende von „Bruderlüge“ (ich würde vermuten, dass dies auch das letzte Buch dieser Reihe ist) werden zwar alle losen Fäden mteinander verknüpft, aber die Auflösung kommt mir sehr konstruiert, sehr unwahrscheinlich und überzufällig vor. Schade!

Eigentlich haben mir „Schwesterherz“ und „Bruderlüge“ sehr gut gefallen und konnten mich an die Seite fesseln. Da mir persönlich die Auflösung des Ganzen nicht komplett gefallen hat, vergebe ich in diesem Fall „nur“ 7 Sterne.

stern 7

Schwesterherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 480 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2663-1 – erschienen: April 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann
Bruderherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 448 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2667-9 – erschienen: Juni 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann

[Kurzer Leseeindruck] „Fremd“ von Ursula Poznanksi & Arno Strobel

Klappentext:

Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich? (Quelle)

Mein Eindruck:

Ich muss zugeben, dass ich ein ganz klein wenig unsicher war, bevor ich dieses Buch begonnen habe. „Layers“, das letzte Buch von Ursula Poznanski, konnte mich nicht vollends überzeugen. Und von Arno Strobel hatte ich bis dato noch gar nicht gelesen. Doch meine Sorge war vollkommen unbegründet: Die Art, die Geschichte zu erzählen, ist wirklich genial. Natürlich ist es nicht neu, wenn die Handlung eines Buches aus zwei Perspektiven geschildert wird, die sich ergänzen und erst zusammen ein vollständiges Bild ergeben.

Doch was ist, wenn sich die beiden Perspektiven vollkommen widersprechen und man als Leser doch weiß, dass beide der Wahrheit entsprechen? Warum kann sich Joanna einfach nicht mehr an diesen fremden Mann erinnern, mit dem sie angeblich verlobt sein soll? Und warum findet Erik in der gemeinsam Wohnung von ihm und Joanna plötzlich keine seiner persönlichen Besitztümer mehr wieder? Selbst sein Kleiderschrank ist verschwunden!

„Fremd“ hat mich wirklich gut unterhalten, hat ein größtenteils stimmiges, wenn auch nicht ganz überraschendes Ende. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Fremd – Ursula Poznanksi & Arno Strobel – Klappbroschur – 400 SEiten – 16,99 € – ISBN:  978-3-8052-5084-9 – erschienen: Oktober 2015 (Rowohlt)

[Rezension] „Himmelschlüssel“ von Kristina Ohlsson

Reiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. „Himmelschlüssel“
  5. schwed. Titel: „Davidsstjärnor“

Klappentext:

Eine vollbesetzte Boeing 747 hebt in Stockholm ab und fliegt in Richtung New York. Kurz nach dem Start wird ein Drohbrief an Bord gefunden, laut dem das Leben von über 400 Passagieren in Gefahr ist. Kriminalkommissar Alex Recht muss das Flugzeug vor der Explosion bewahren, doch dazu benötigt er die Hilfe und den Scharfsinn von Fredrika Bergman. Und allzu bald wird den beiden klar, dass die Flugzeugentführung einen teuflischeren Grund hat, als sich die Ermittler vorzustellen vermögen. Denn der Kopilot des Flugzeugs ist niemand anderes als Alex‘ Sohn Erik … (Quelle)

Meine Meinung:

Schön, wenn man das vierte Buch einer Reihe liest, auf altbekannte Figuren und Freunde trifft und trotzdem das Gefühl hat, etwas Neues zu erleben. Genauso ging es mir mit diesem Buch. Zuerst war ich sehr skeptisch, denn die Geschichte, die hier erzählt wird, ist absolut politisch, was mir eigentlich nicht so liegt:

Fredrika arbeitet  nach dem letzten Fall im Justizministerium. Gerade soll sie entscheiden, ob der Terrorverdächtige Zakaria Khelifi abegschoben werden soll, als die Meldung reinkommt, dass in einem vollbesetzten Flugzeug eine Bombendrohung gefunden wurde: Neben einer weiteren Forderung verlangen die unbekannten Entführer, dass Khelifi freigelassen wird. Sollte die Maschine landen, wird sie laut Erpresserbrief in die Luft gesprengt. Und so haben Alex Recht, der zu diesem Fall hinzugezogen wird, Fredrika und die Terrorismusexpertin Eden Lundell nur 24 Stunden Zeit, um sich eine Lösung einfallen zu lassen. Die Zeit ist knapp – insbesondere als sich herausstellt, dass der Co-Pilot des Flugzeugs der Sohn von Alex ist…

Die Geschichte liest sich unheimlich spannend und beklemmend gleichzeitig, was vermutlich vor allem daran liegt, dass Kristina Ohlsson selbst einige Jahre im Außenministerium und für das OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) gearbeitet hat. Sie weiß also, wovon sie hier erzählt. Umso verstörender ist es, wenn sie davon berichtet, dass die Berater der USA – dies ist das Ziel des Flugzeugs – bewusst wichtige Informationen, die das Leben vieler Menschen retten könnten, zurückhalten, nur weil sie politisch sehr brisant sind.
Trotzdem gelingt es der Autorin die Handlung und die Personen nicht nur in schwarz und weiß zu zeichnen, sondern den Figuren auch noch individuelle und menschliche Züge zu geben.

Wer wie ich zuerst glaubt, einen etwas trockenen Polit-Thriller zu lesen, wird schnell eines besseren belehrt. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und das bis spät in die Nacht hinein. Ich konnte einfach nicht aufhören und war wie gefesselt. Genau so muss ein gutes Buch sein!

„Himmelschlüssel“ ist spannend, brisant, authentisch und hochaktuell. Kristina Ohlsson ist mit diesem Buch ein Meisterwerk gelungen. 10 von 10 Sternen!

stern 10

Himmelschlüssel – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-8090-2639-6 – erschienen: November 2014 (Limes)

[Rezension] „Sterntaler“ von Kristina Ohlsson

SterntalerReiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. -dt. Titel noch unbekannt-

Klappentext:

Seit vielen Jahren hat die einst gefeierte Kinderbuchautorin Thea Aldrin mit niemandem mehr gesprochen. Doch jeden Samstag schickt ihr ein Fremder einen Strauß Blumen und eine Karte, auf der ein einziges Wort steht: Danke. Dann besucht eine Studentin sie im Pflegeheim – und verschwindet kurz danach spurlos. Zwei Jahre später wird die Leiche der jungen Frau in einem Waldstück in Midsommarkransen gefunden. Daneben: eine weitere Leiche, die schon deutlich länger tief in der Erde liegt. Und schließlich: eine dritte. Welches Geheimnis verschweigt die stumme Autorin? (Quelle)

Meine Meinung:

Seit ich vor zweieinhalb Jahren das erste Buch dieser Reihe gelesen habe, freue ich mich immer auf die Winterzeit. Denn etwa dann erscheint im jährlichen Rhythmus ein neuer Band der Krimireihe um das Ermittlerteam von Fredrika Bergmann, Alex Recht und Peter Rydh . Im letzten Jahr habe ich das Erscheinen irgendwie verpasst und mich dann im Frühjahr sehr gefreut, denn ich hatte ja schließlich noch ein ungelesenes Buch vor mir. Juhu!

Ich bin eigentlich längst aus dem Krimi- und Thrillerfieber raus, aber die Bücher von Ohlsson stellen genauso wie die des auch aus Schweden stammende Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt eine Ausnahme dar. Sie bieten für mich die perfekte Mischung aus einem interessanten Fall und dem Privatleben der Ermittler.

Bei dieser Reihe finde ich es besonders gelungen, dass die drei Hauptermittler von Buch zu Buch eine Entwicklung durchmachen. Sie bleiben sich treu, aber treten dabei nicht auf der Stelle. Es ist wirklich so, als würde man alten Bekannten begegnen, die man länger nicht gesehen hat: Man erkennt sich wieder, fühlt sich wohl und ist gespannt, was im Leben des Gegenübers passiert ist.

Ein kleines Manko in diesem Buch war für mich die Tatsache, dass die Vermischung vom Privatleben und dem Fall etwas sehr extrem und für mich nicht unbedingt glaubwürdig war.
Dies wurde aber definitiv dadurch ausgeglichen, dass die Autorin auf eine geniale Idee in der Erzählstruktur gekommen ist: Die eigentliche Handlung und die Aufdeckung des Falls wurden linear erzählt – unterbrochen allerdings durch kurze Befragungen der obigen Ermittler durch eine Art Untersuchungsausschuss. Man weiß als Leser also von Anfang an, dass bei den Ermittlungen etwas gewaltig schief gelaufen ist. Außerdem erfährt man Stück für Stück schon einige prägnante Details, die neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte machen. Ein wirklich genialer Schachzug!

„Sterntaler“ weiß durch Altbewährtes wie einem interessanten Ermittlerteam und der fesselnden Schreibweise der Autorin zu begeistern. Außerdem ist Kristina Ohlsson in Bezug auf die Erzählstruktur der Geschichte ein Geniestreich gelungen. Ich freue mich sehr auf den vierten Band dieser Reihe und vergebe 9 von 10 Sterne!

stern 9

Sterntaler – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 544 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-8090-2617-4 – erschienen: Oktober 2013

[Rezension] „Der Mann, der kein Mörder war“ von Hjorth & Rosenfeldt

Der Mann, der kein Mörder warReiheninfo:

  1. „Der Mann, der kein Mörder war“
  2. „Die Frauen, die er kannte“
  3. „Die Toten, die niemand vermisst“

Klappentext:

In einem Waldstück bei Västerås entdecken Kinder die Leiche eines Jungen –brutal ermordet, mit herausgerissenem Herzen. Der Tote ist schnell identifiziert: Roger war Schüler eines Elitegymnasiums und seit Tagen vermisst.

Die Polizei vor Ort ist überfordert, und so reist der Stockholmer Kommissar Höglund mit seinem Team in die Provinz. Dort trifft er überraschend einen alten Bekannten: Sebastian Bergman, ein brillanter Kriminalpsychologe und berüchtigter Kotzbrocken. Seit Bergman Frau und Tochter bei einem Unglück verlor, hat man kaum noch von ihm gehört. Nun bietet er Höglund seine Hilfe an. Das Team zeigt sich wenig begeistert. Doch schon bald ist der hochintelligente Bergman unverzichtbar. Denn in dem kleinen Städtchen Västerås gibt es mehr als eine zerstörte Seele … (Quelle)

Meine Meinung:

Eigentlich lese ich im Moment gar keine Krimis oder Thriller. Doch als ich neulich im Buchladen stand und dort eine Frau nach einem Krimi fragte, der so ähnlich sei wie die von Stieg Larsson, wurde ich doch hellhörig und kaufte schließlich das gleiche Buch: „Der Mann, der kein Mörder war“ – eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe.

„Der Mann, der kein Mörder war“ ist eines dieser Bücher, das mich gepackt und bis zum Schluss nicht wieder losgelassen hat, ohne dass ich genau sagen könnte, warum.

Einmal angefangen konnte ich einfach nicht wieder aufhören.

Das Autorenduo Hjorth und Rosenfeldt hat also alles richtig gemacht: ein interessanter Fall, spannende Ermittler und ein toller Schreibstil tragen zum Lesevergnügen bei. Einzig und allein eine Kleinigkeit am Schluss war mir zu überzufällig, aber ich kann sehr gut damit leben und bin gespannt, wie in den nächsten Bänden damit umgegangen wird.

Kurz und knapp: Wo ist die Fortsetzung? 8 von 10 Sternen!

stern 8

Der Mann, der kein Mörder war – Hjorth & Rosenfeldt – Taschenbuch – 624 Seiten – 9,99 € – ISBN 978-3-499-25670-7 – erschienen: Januar 2013 (Rowohlt)

„Blinde Vögel“ von Ursula Poznanski

Blinde VögelReiheninfo:

  1. „Fünf“
  2. „Blinde Vögel“

Klappentext:

Zwei Tote in Salzburg. Sie stranguliert, er erschossen. Die Tat eines zurückgewiesenen Liebhabers?

Aber die beiden scheinen zu Lebzeiten keinerlei Kontakt miteinander gehabt zu haben. Oder täuscht der erste Blick? Das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ist ratlos. Aber Beatrice mag die Sache nicht auf sich beruhen lassen und verfolgt die Spuren, die die Toten im Internet hinterlassen haben. Auf Facebook wird Beatrice fündig: Beide waren dort Mitglieder in einem Forum, das sich ausgerechnet mit Lyrik befasst. Gedichte werden hier mit stimmungsvollen Fotos kombiniert und gepostet. Ganz harmlos.

Ganz harmlos? (Quelle)

Meine Meinung:

Was zeichnet Ursula Poznanski für mich aus? Zum einen ihr Schreibstil, der mich Buch für Buch an die Seiten fesselt, und zum anderen die Tatsache, dass sie es immer wieder schafft, ein neues interessantes Thema als Mittelpunkt ihrer Bücher zu wählen. Nachdem es bereits z.B. um Computerspiele, LARP und Geocaching ging, finden wir uns in diesem Buch auf einem Terrain wieder, das vermutlich viele von uns kennen: Facebook!

Denn dort findet Beatrice die erste Verbindung zwischen den beiden Toten, die sonst so gar nichts gemein haben. Kurzerhand eröffnet sie selbst ein Konto bei Facebook und tritt der Lyrikgruppe bei, in der auch die beiden Toten Mitglied waren. Dort gibt es zwar viele eigenwillige Persönlichkeiten, aber zunächst keinen weiteren Anhaltspunkt…

Kurz und knapp: Ich bin mal wieder über die Seiten geflogen! Ich mag, wie die Autorin schreibt, ich mag ihre Ermittler, ich mag den Spannungsbogen. Der Schlussteil hat mich zunächst etwas irritiert, stellte sich dann aber als in meinen Augen sehr genial heraus.

Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass es nach „Fünf“ noch ein weiteres Buch um das Ermittlerduo Beatrice und Florin geben würde. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich „Blinde Vögel“ entdeckte – und wurde nicht enttäuscht. Ich habe endlich mal wieder einen gut konstruierten Thriller gelesen, der vor allem durch einen überraschenden Schlussteil glänzt. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Blinde Vögel – Ursula Poznanski – Klappbroschur – 480 Seiten – 16,95 € – ISBN 978-3-8052-5045-0 – erschienen: April 2013 (Wunderlich)

[Rezension] „Tausendschön“ von Kristina Ohlsson

TausendschönReiheninfo:

  1. “Aschenputtel”
  2. “Tausendschön”
  3. “Sterntaler” 
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

In einer Wohnung in Stockholm werden ein Pfarrer und seine Frau tot aufgefunden. Im Fall eines überfahrenen Einwanderers ermittelt die Polizei wegen Fahrerflucht. Und dann gibt es noch eine Drogentote, die Tochter des verstorbenen Ehepaars.

Ob all diese Fälle und eine Vergewaltigung vor vielen Jahren tatsächlich zusammenhängen?

Meine Meinung:

Schon von „Aschenputtel“ war ich letztes Jahr sehr begeistert. Ohlsson hat eine Art, Thriller zu schreiben, die mich sehr fesselt. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, dass die schwedische Autorin ihr Ermittlerteam um Alex Recht, Peder und Fredrika weiterarbeiten lässt. Um es schon vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.

„Die Wolken am Himmel sahen aus, als würden sie Fangen spielen. Um sie herum schien alles seinen unveränderten Weg zu gehen, während ihre eigene Welt soeben auf ewig in Scheiben geschlagen worden war. Sie blieb auf der Wiese liegen, bis man sie vermisste und sie suchen ging. Und als man sie endlich fand, war sie bereits eine andere geworden.“ (S. 11)

Schon der Prolog, der übrigens wieder gänsehauterweckend ist, hat mich gefesselt. Und diese Spannung und das Gefühl, unbedingt weiter lesen zu müssen, ließ mich auch bis zum Schluss nicht los. In „Tausendschön“ geht es nicht nur um einige Todesfälle, sondern vor allem auch um das Thema der illegalen Einwanderungen und Flüchtlinge aus dem nahen Osten. Kristina Ohlsson war selber im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium tätig und ich habe das Gefühl, man merkt ihr an, dass das ihr dieses Thema wichtig ist.

Es gibt einige Handlungsstränge, neben dem Beruflichen geht es auch wieder um das Privatleben der Ermittler, so dass mir wirklich nie langweilig wurde. Immer wieder habe ich selber versucht, den Fall zu lösen und durch geschickte Andeutungen meint man, den Figuren auch manchmal ein Stück voraus zu sein. Doch spannend blieb es für mich bis zum Ende.

„Tausendschön“ ist ein Buch, das mir mal wieder deutlich macht, warum ich vor einigen Jahren so viele Thriller gelesen habe. Es hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht wieder losgelassen. Dass es nebenher auch noch um ein hochinteressantes Thema geht, war das Tüpfelchen auf dem I. Ich möchte behaupten – aber das auch nur ganz vorsichtig -, dass dieses Buch von Ohlsson eine gewisse Ähnlichkeit mit der Millenium-Trilogie von Larsson hat. Und das ist aus meinem Mund ein hohes Lob. Ich vergebe gerne 9 von 10 Sterne.

stern 9

Tausendschön – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 19,95 € – ISBN-13: 978-3809025924 – erschienen: September 2012 (Limes)