[Rezension] „Tausendschön“ von Kristina Ohlsson

TausendschönReiheninfo:

  1. “Aschenputtel”
  2. “Tausendschön”
  3. “Sterntaler” 
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

In einer Wohnung in Stockholm werden ein Pfarrer und seine Frau tot aufgefunden. Im Fall eines überfahrenen Einwanderers ermittelt die Polizei wegen Fahrerflucht. Und dann gibt es noch eine Drogentote, die Tochter des verstorbenen Ehepaars.

Ob all diese Fälle und eine Vergewaltigung vor vielen Jahren tatsächlich zusammenhängen?

Meine Meinung:

Schon von „Aschenputtel“ war ich letztes Jahr sehr begeistert. Ohlsson hat eine Art, Thriller zu schreiben, die mich sehr fesselt. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, dass die schwedische Autorin ihr Ermittlerteam um Alex Recht, Peder und Fredrika weiterarbeiten lässt. Um es schon vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.

„Die Wolken am Himmel sahen aus, als würden sie Fangen spielen. Um sie herum schien alles seinen unveränderten Weg zu gehen, während ihre eigene Welt soeben auf ewig in Scheiben geschlagen worden war. Sie blieb auf der Wiese liegen, bis man sie vermisste und sie suchen ging. Und als man sie endlich fand, war sie bereits eine andere geworden.“ (S. 11)

Schon der Prolog, der übrigens wieder gänsehauterweckend ist, hat mich gefesselt. Und diese Spannung und das Gefühl, unbedingt weiter lesen zu müssen, ließ mich auch bis zum Schluss nicht los. In „Tausendschön“ geht es nicht nur um einige Todesfälle, sondern vor allem auch um das Thema der illegalen Einwanderungen und Flüchtlinge aus dem nahen Osten. Kristina Ohlsson war selber im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium tätig und ich habe das Gefühl, man merkt ihr an, dass das ihr dieses Thema wichtig ist.

Es gibt einige Handlungsstränge, neben dem Beruflichen geht es auch wieder um das Privatleben der Ermittler, so dass mir wirklich nie langweilig wurde. Immer wieder habe ich selber versucht, den Fall zu lösen und durch geschickte Andeutungen meint man, den Figuren auch manchmal ein Stück voraus zu sein. Doch spannend blieb es für mich bis zum Ende.

„Tausendschön“ ist ein Buch, das mir mal wieder deutlich macht, warum ich vor einigen Jahren so viele Thriller gelesen habe. Es hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht wieder losgelassen. Dass es nebenher auch noch um ein hochinteressantes Thema geht, war das Tüpfelchen auf dem I. Ich möchte behaupten – aber das auch nur ganz vorsichtig -, dass dieses Buch von Ohlsson eine gewisse Ähnlichkeit mit der Millenium-Trilogie von Larsson hat. Und das ist aus meinem Mund ein hohes Lob. Ich vergebe gerne 9 von 10 Sterne.

stern 9

Tausendschön – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 19,95 € – ISBN-13: 978-3809025924 – erschienen: September 2012 (Limes)

„Keine feine Gesellschaft“ von Olaf Kolbrück

Keine feine GesellschaftKlappentext:

In einem beschaulichen Kleingarten am Stadtrand der Finanzmetropole Frankfurt findet Ex-Kommissarin Eva Ritter die Leiche eines Investment-Bankers. Als ein weiteres Mordopfer entdeckt wird, deutet alles auf ein Liebesdrama in besseren Kreisen hin. Während die gesundheitlich angeschlagene Ermittlerin besorgt auf die Diagnose ihrer mysteriösen Erkrankung wartet, riskiert sie einen Blick hinter die Fassade der High Society im Taunus. Ihrem ehemaligen Kollegen bei der Kripo Frankfurt gefällt das gar nicht. Denn ihre Recherchen führen Eva Ritter in ein Netz aus Filz und Korruption. Während sich der private Kummer und die dunklen Machenschaften in der feinen Gesellschaft im Taunus häufen, muss Eva Ritter feststellen, dass sie mit dem Mörder womöglich mehr gemein hat, als sie je dachte. (Quelle: fhl Verlag)

Meine Meinung:

Bücher von unbekannten Debütautoren zu lesen, ist immer ein gewisses Risiko. Hierbei kannte ich (Schande über mein Haupt) noch nicht mal den Verlag. Und so war ich doch etwas unsicher, ob mir das Buch wohl gefallen würde. Ich kann schon mal vorweg nehmen, dass ich das Buch beinahe am Stück, auf jeden Fall aber an einem Tag gelesen habe. Mitreißend schreiben kann Herr Kolbrück auf jeden Fall schon mal.

„Keine feine Gesellschaft“ spielt mitten in der vermeintlich feinen Gesellschaft der Schönen und Reichen Frankfurts. Und wie man es schon vermuten kann, spielt es im Kreise der Bänker und Börsenmakler. Eine Welt, die mir ziemlich fremd ist, weswegen mir ein wenig der nötige Bezug fehlte, um wirklich mitgerissen zu werden.

Leser, die Franfurt oder sogar den Börsenmarkt besser kennen, mit typischen Bänkern zu tun haben oder sich öfter mal in edlen Reitställen und auf Golfplätzen aufhalten, mögen die Ironie und das Augenzwinkern, mit dem Kolbrück seine Nebencharaktere schildert, noch mehr zu schätzen wissen.

Zum Glück ist die Ex-Kommissarin anders, sehr viel bodenständiger. Allerdings fand ich es etwas unglaubwürdig, wie sehr sie ihren Stand als ehemalige Ermittlerin ausnutzt, um auch in diesem Fall zu ermitteln. Und dass dann sogar ihr Hausarzt Eva geheime Akten über das Mordopfer zugänglich macht, war mir ehrlich gesagt etwas zu viel des Guten.

Aber vielleicht bin ich da auch überkritisch…

Im Großen und Ganzen muss ich sagen, war ich trotzdem von dem Buch positiv überrascht. Es las sich wirklich gut und schnell weg, auch wenn mich Handlung, Setting und die letztendliche Auflösung des Falls nicht umgehauen haben. Ich vergebe noch 6 von 10 Sternen und lege das Buch vor allem Frankfurter Krimilesern ans Herz.

stern 6

Keine feine Gesellschaft – Olaf Kolbrück – Taschenbuch – 235 Seiten – 12,00 € – ISBN-13: 978-3942829243 – erschienen: Juli 2012 (fhl)

„Todesmelodie“ von Andreas Franz & Daniel Holbe

TodesmelodieZur Reiheninfo der Julia-Durant-Bücher möchte ich auf die Auflistung der Krimi-Couch HIER verweisen!

Inhalt:

Nach ihrer Entführung hatte sich Julia Durant ein Jahr Auszeit genommen, um wieder zu Kräften zu kommen. Nun ist sie gerade wieder in den Außendienst berufen worden, als sie und ihr Team eine furchtbar zugerichtete Leiche finden: Ein junges Mädchen wurde mehrfach vergewaltigt, danach schnitt jemand ihre Kehle durch.

Zwei Jahre später – die Täter sind schon längst hinter Gittern – wird das K11 zu einem neuen Tatort gerufen, der erst auf den zweiten Blick erschreckende Parallelen zum Mord an der jungen Studentin aufweist…

Meine Meinung:

Wenn ein Mensch stirbt, ist dies so oder so traurig. Wenn es dann noch einer der eigenen Lieblingsautoren ist, ist man sich nicht sicher: Darf man den Tod betrauern, weil es nun keine weiteren Bücher mehr geben wird?

So etwa ging es mir nach dem Tod von Andreas Franz, von dem ich fast alle Bücher in meinem Regal stehen habe. Umso größer war die Freude, als ich erfahren habe, dass Daniel Holbe ein bereits von Franz begonnenes Manuskript zu einem fertigen Buch vollendet.

Holbe hat es sicherlich nicht leicht: Franz hat etliche Bücher verfasst und die Reihe um die toughe Ermittlerin Julia Durant ist sicherlich nicht nur mein Liebling. Es sind also große Fußstapfen, in die der junge Autor treten muss.

Nach dem Lesen kann ich sagen: bis auf einen kleinen Kritikpunkt ist es Holbe unheimlich gut gelungen, die Reihe fortzusetzen. Die Charaktere von Durant und Hellmer sind unheimlich gut getroffen. Es kommt wieder zu sehr typischen Szenen zwischen diesen beiden Sturköpfen. Mehr als ein Mal hätte ich beide gerne schütteln wollen. Aber genau das sind eben Szenen, die die Bücher von Andreas Franz ausmachen.

Ebenso wie die Hauptermittlerin hat man das Gefühl, zwar eine Zeit weg gewesen zu sein, sich nun aber schnell wieder im K11 heimisch zu fühlen. Besonders schön finde ich, wie ich als Leser an den Ermittlerarbeiten teilhaben kann, obwohl ich oft mehr weiß, als das Team. Ich sehe genauso ihre Notizen vor mir und kann mir ihre Whiteboards gut vorstellen. Das erinnert mich ein wenig an die Thriller von Jeffery Deaver.

Doch nun zur Kritik: Die Bücher von Franz waren schon immer schonungslos ehrlich und nicht für zarte Gemüter gemacht. Doch wenn mir jemand über „Todesmelodie“ sagen würde, er fände das Buch an manchen Stellen unnötig grausam und brutal, würde ich zumindest wissen, was er meint. Ob das nun der Einfluss von Holbe ist oder ob Franz selber die Beschreibungen der Morde und die Thematik an sich so geplant hatte, werden wir Leser wohl eher nicht erfahren. Fakt ist: Dieses Buch sollte niemand lesen, dem bei dem Gedanken an Blut, brutale Vergewaltigungen und erschreckend perverse Abnormitäten übel wird.

Ich persönlich habe „Todesmelodie“ unheimlich gerne gelesen und konnte das Buch zwischenzeitlich nicht beiseite legen. Doch obwohl ich eigentlich gerne Thriller lese, bei denen es durchaus auch mal brutal und psychopathisch zugehen darf, haben mich manche Szenen, bzw. viel mehr das hinter den Morden stehende Motiv (ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten) geschockt. So viele und detaillierte Beschreibungen wären nicht immer notwendig gewesen. Trotzdem vergebe ich 7 von 10 Sternen und bin erfreut darüber, dass Holbe auch noch einen weiteren Durant-Krimi verfasst hat: „Tödlicher Absturz“.

stern 7

Todesmelodie – Franz & Holbe – Taschenbuch – 432 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3426639443 – erschienen: Mai 2012 (Knaur)

„Sturms Flug“ von Michael Quandt

Sturms FlugReiheninfo:

  1. “Sturms Jagd”
  2. “Sturms Flug”

Achtung, die Rezension enthält Spoiler zum ersten Band!

Inhalt:

Nachdem Mara vom Dienst suspendiert wurde, arbeitet sie jetzt als freie Reporterin. Im Zuge ihrer Arbeit recherchiert die ehemalige Polizistin in Afrika und deckt einen riesigen Skandal auf. Verfolgt von zwei Schlägertypen muss sie fliehen, doch endet die Gefahr noch nicht…

Auch Bernd befindet sich in Afrika, viel mehr auf dem Rückflug. Kurz bevor alle Passagiere das Flugzeug verlassen wollen, stellt sich heraus, dass die Maschine unter Kontrolle mehrerer afrikanischer Kidnapper ist.

Meine Meinung:

Nachdem ich in „Sturms Jagd“ die toughe Ermittlerin Mara Sturm kennenlernen durfte, habe ich mich auf ein Wiedersehen mit ihr sehr gefreut. Gleich die ersten Seiten haben mich daran erinnert, warum ich den ersten Teil dieser Reihe so sehr mochte. Quandts Schreibe weiß einfach zu begeistern und in den Bann zu ziehen: Mehr als ein Mal habe ich mich dabei ertappt doch noch ein Kapitel mehr als geplant zu lesen… und dann noch eins, und noch eins, und noch eins…

Gekonnt verstrickt der Autor mehrere Zeitebenen und Perspektiven miteinander, so dass man als Leser nach und nach mehrere Puzzleteilchen erhält und erst fast zum Schluss das ganze Bild vor Augen hat.

Allerdings unterscheidet sich der zweite Teil auch ein wenig von seinem Vorgänger. Für mich las sich dieses Buch sehr viel persönlicher, es wurde noch mehr Wert auf die einzelnen Personen gelegt und der Leser bekommt vermehrt auch die verletzliche Seite von Mara zu Gesicht. Ich mag Krimi- und Thrillerreihen, in denen nicht nur der Fall, sondern auch die Entwicklung der Ermittler eine Rolle spielt, und in denen die Charaktere Ecken, Kanten und eine eigene Geschichte haben. Nicht nur, weil mir dieser Aspekt so gut gefallen hat, hoffe ich, dass noch viele weitere Bücher folgen werden.

Mein einziger Kritikpunkt ist die Überzufälligkeit der Geschehnisse: Dass die Figuren allesamt so, zu dieser Zeit und in dieser Konstellation aufeinander treffen, passte für meinen Geschmack einfach zu gut zusammen.

Aber da der Kritikpunkt wirklich nur winzig klein ist, die Geschichte mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat und ich den einnehmenden Schreibstil des Autors wirklich sehr schätze, bekommen Thriller- und Krimileser eine ganz eindeutige Leseempfehlung und das Buch 8 von 10 Sternen.

stern 8

Sturms Flug – Michael Quandt – Taschenbuch – 416 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3442377947 – erschienen: März 2012

„Fünf“ von Ursula Poznanksi

FünfReiheninfo:

  1. „Fünf“
  2. „Blinde Vögel“

Inhalt:

„Die Stelle, an der sich sein linkes Ohr befunden hatte, pochte im Rhythmus seines Herzschlags. Schnell, panisch. Sein Atem ging in kurzen, lauten Stößen. Wenige Schritte von ihm entfernt, beugte Nora sich über den Tisch, auf dem die Pistole und das Messer lagen. Ihr Gesicht war verzerrt, aber sie weinte nicht mehr.

‚Bitte’, flüsterte er heiser. ‚Ich will nicht. Bitte.’“ (S. 5)

Auf einer Kuhwiese wird eine weibliche Leiche gefunden. Es ist Nora Papenberg. Auf ihren Fußsohlen sind merkwürdige Zahlenkombinationen eintätowiert – Koordinaten wie sich später herausstellt. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Stefan entdecken Beatrice und Florin von der Salzburger Polizei schließlich den Zusammenhang zum Geocaching. Die Koordinaten markieren einen Ort, an dem die Polizei weitere Leichenteile finden. Und ein Rätsel….

Meine Meinung:

Das Buch beginnt meiner Meinung nach grandios. Im Prolog, dessen Anfang ich oben wiedergegeben habe, scheint ganz klar Nora Papenberg die Täterin zu sein. Liest man einige Seiten weiter, findet man Nora tot auf einer Kuhwiese. Ist sie Täter und Opfer zugleich?

Die Geschichte geht genauso spannend und nervenaufreibend weiter. Dies ist der erste Thriller, den ich kenne, der Geocaching zum Thema hat. Ein Unbekannter versteckt in einem Cache Rätselaufgaben, mit Hilfe derer die Polizei immer neue Koordinaten entschlüsseln muss. Was sich dann an diesen Orten befindet, ist schnell klar. Doch das Rätselraten nimmt kein Ende: die einzelnen Opfer scheinen keine erkennbare Verbindung zueinander zu haben.

Im Verlauf der Ermittlungen erfährt der Leser meist genauso viel wie die Polizei selber und genau das macht dieses Buch so wahnsinnig gut. Ich war sooo gespannt auf die Auflösung und habe sehr gehofft, dass mich das Ende zufrieden stellen würde.

Und ich kann nur sagen: Der Schluss ist fulminant! Alle Fäden führen zusammen, nichts bleibt mehr offen, alles erscheint mit einem Mal so logisch.

Ich liebe den Schreibstil von Frau Poznanski. Wie in „Erebos“ konnte sie mich total fesseln, konnte mich dazu bringen, beim Lesen ganz angespannt zu sein, nervös die nächsten Seiten lesen zu wollen und mit der sympathischen Ermittlerin Bea mitzufiebern.

Ich selber war vor dem Lesen von „Fünf“ schon mal geocachen, aber ich glaube, dass das Buch auch für Neulinge geeignet und verständlich ist. Eine Freundin von mir (Sarah) hat das Buch auch vor ein paar Tagen gelesen und hat – trotz des gruseligen Zusammenhangs im Buch – so sehr Lust auf die Schatzsuche bekommen, dass wir morgen gemeinsam losziehen werden. Zum Glück aber nicht im Salzburger Umland…

Es gibt nichts, was ich an diesem Buch kritisieren könnte: es ist spannend (und das ohne unnötig brutal und grausam zu werden), gewohnt großartig geschrieben, hat ein tolles, überraschendes Ende und sympathische Ermittler. So muss ein Thriller sein. 10 von 10 Sternen!

stern 10

Fünf – Ursula Poznanski – Klappbroschur – 384 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3805250313 – erschienen: Februar 2012 (Wunderlich)

[Hörbuch] Ich. darf. nicht. schlafen.“ von S. J. Watson

Gelesen von Andrea SawatzkiIch darf nicht schlafen

Inhalt:

Als Christine aufwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Beim Blick in den Spiegel erschrickt sie, hatte sie doch eine sehr viel jüngere Frau erwartet. Ihr Mann erzählt ihr, dass sie bei einem Unfall ihre Erinnerungen verloren hat und jedem Morgen nach dem Aufstehen nicht mehr weiß, was sie am Tag zuvor erlebt hat. Eine schreckliche Aussicht!

Doch dann erhält sie einen Anruf von ihrem Psychologen, der sie – wie jeden Tag – daran erinnert, dass sie Tagebuch führt. Beim Lesen erfährt Christine einiges über die letzten Wochen, doch wirft das Tagebuch auch Fragen auf. Fragen, die ihr ganzes Leben beeinflussen könnten.

Meine Meinung:

Zunächst liest sich der Inhalt dieser Geschichte wie ein typischer Thriller: Frau mit Gedächtnisverlust sucht nach ihrer Vergangenheit.

Das Besondere an diesem Buch: Christine hat nicht einfach nur ihrer Vergangenheit vergessen, sondern vergisst nach dem Schlafen auch jedes Mal auf neue ihre Gegenwart. Ein Gedanke, der gleichzeitig schockiert und fasziniert.

Die Geschichte an sich ist durch einige Zeitsprünge gekennzeichnet. Die Rahmenhandlung findet in der Gegenwart statt und wird unterbrochen durch die Tagebucheinträge, die Christine nach und nach liest. So weiß der Leser/Hörer immer genauso viel wie die Hauptperson. Auch ich war mir lange unklar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln würde.

Insgesamt war das Hörbuch nett zu hören, aber auch nichts besonderes. Ein großes Highlight ist natürlich Andrea Sawatzki, die mal wieder mehr als überzeugt. Ich glaube, ich würde mir selbst das Telefonbuch vorlesen lassen, wenn Frau Sawatzki das tun würde.

Wer Lust auf einen netten Thriller für zwischendurch hat, der den Leser wie die Hauptperson lange Zeit vor ein Rätsel stellt, der greife bitte zu „Ich. darf. nicht. schlafen.“. Ich vergebe 6 von 10 Sternen.

stern 6

Ich. darf. nicht. schlafen. – S.J. Watson – Leserin: A. Sawatzki – autorisierte Lesefassung – 16,95 € – ISBN: 978-3-8398-1105-4 – 6 CDs – 469 Minuten – erschienen: September 2011 (Argon)

„Sturms Jagd“ von Michael Quandt

Sturms JagdReiheninfo:

  1. „Sturms Jagd“
  2. „Sturms Flug“

Klappentext:

Mara Sturm ist Kriminalkommissarin aus Überzeugung, aber sie steckt in der Krise: Ihr Vorgesetzter teilt der rebellischen Ermittlerin einen überkorrekten Partner zu, privat liegt sie im Streit mit ihrem Bruder, einer bekannten Halbwelt-Größe. Da verschwindet in Köln eine junge Frau. Eine erste Spur führt Mara zu einem groß angelegten Coup der Russenmafia. (Quelle)

Meine Meinung:

Nachdem ich lange Zeit keinen richtigen, echten Erwachsenenthriller gelesen habe, hat es mich neulich mal wieder gepackt. Ich stand vor meinem Regal mit den ungelesenen Büchern und hatte plötzlich total Lust auf „Sturms Jagd“.

Der Griff zu diesem Buch war eine richtig gute Entscheidung von mir, denn obwohl Mara Sturm eine sehr prototypische Ermittlerin ist (wahnsinnig hübsch, wahnsinnig tough, dann doch unerwartet verletztlich und alle Regeln brechend), hat mich die Geschichte doch von der ersten Seite gepackt. Mich stört es meist nicht, wenn in Thrillern gängige Klischees bedient werden.

Die Geschichte spielt im Dunstkreis des organisierten Verbrechens, ein Thema, was ich schon immer gerne in Thrillern gelesen habe. Das besondere Schmankerl macht für mich die Beziehung von Mara zu ihrem Bruder aus, der im Gegensatz zu seiner Schwester ordentlich Dreck am Stecken hat. „Sturms Jagd“ ist der erste Band der Mara-Sturm-Reihe und ich bin mir sicher, dass diese Beziehung und die Spannungen zwischen den beiden in den kommenden Büchern weiter thematisiert werden.

Dass die Handlung in meiner derzeitigen Heimatstadt Köln spielt, war beim Lesen schon ein kleines Extrahighlight. Es ist einfach nett, den Handlungsort vor Augen zu haben und sich vorstellen zu können, wie Mara Sturm auf ihrem Motorrad durch die Kölner Straßen braust.

„Sturms Jagd“ ist ein Thriller, der mich von der ersten Seite an fesseln und mitreißen konnte. Beim Lesen musste ich schon das ein oder andere Mal scharf die Luft einsaugen, im Großen und Ganzen ist dies aber ein Buch, was auch die weniger hart gesottenen Leser begeistern wird. Einzig und allein der Schluss hat mich nicht völlig befriedigt, blieb doch eine meiner Fragen unbeantwortet. Ich vergebe 8 von 10 Sternen und freue mich auf den zweiten Teil, der März erscheinen wird.

stern 8

Sturms Jagd – Michael Quandt – Taschenbuch – 432 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3442374410 – erschienen: März 2011

[Rezension] „Aschenputtel“ von Kristina Ohlsson

AschenputtelReiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

Eigentlich wollte die junge Mutter, während der Zug unerwartet am Bahnhof warten muss, nur kurz auf dem Gleis ein Telefonat führen. Früher als angegeben geht die Fahrt dann doch weiter, allerdings ohne Sara. Als der Zug im Zielbahnhof ankommt, ist die kleine Tochter von Sara spurlos verschwunden.

„’Lillian, zieh deine Schuhe aus, wenn du mit den Füßen auf den Sitz willst’, hörte er die Frau zu dem Kind sagen, als er sich umdrehte, um die Fahrtkarte des nächsten Reisenden abzustempeln. Als er ihnen danach noch einen Blick zuwarf, hatte das Kind die kleinen Sandalen bereits abgeschüttelt und die Beine unter sich gezogen. Die Sandalen würden dort noch liegen, als das Mädchen schon verschwunden war.“ (S. 18)

Das dreiköpfige Ermittlerteam um Alex Recht ist sich in seinen Ermittlungen uneinig: Alex und Peder verfolgen Spuren, die sich mit dem gewalttätigen Vater des Kindes beschäftigen. Einzig Frederika ist der Meinung, dass man andere Hinweise nicht außer acht lassen sollte.

Doch dann passiert etwas, das die Ermittler zur Eile zwingt…

Meine Meinung:

Dieses Buch lag etwas länger als nötig auf meinem SUB. Irgendwie hatte ich nicht die höchsten Erwartungen an das Debüt der schwedischen Jungautorin. Meine Erfahrung hat bisher gezeigt, dass Thriller aus skandinavischen Ländern mehr in Richtung Krimi gehen und damit meinen Geschmack oft nicht ganz treffen.

Doch schon die ersten Seiten des Buches zeigten mir, dass ich mit meiner Einschätzung falsch gelegen habe. Der Epilog aus Sicht des Täters macht direkt neugierig, erzeugt eine ungemeine Spannung und erweckte in mir die beliebte Faszination des Ekels.

„Er lag im Dunkeln, lächelte und betrachtete die neue Puppe, die er sich ausgesucht hatte. […] Vorsichtig strich er ihr über den Rücken. Aus Versehen – oder vielleicht auch weil der die Verletzungen, die er ihr zugefügt hatte, wirklich nicht sah – strich er über einen der ganz frischen Blutergüsse. Wie ein dunkler, kleiner See lag er auf ihrem Schulterblatt. Sie wachte mit einem Ruck auf und drehte sich zu ihm um. Ihre Augen glänzten vor Angst. Sie wusste nie, was sie erwartete, wenn die Dunkelheit kam.“ (S. 13)

Besonders interessant wird dieses Buch durch die Figurenkonstellation: Alex und Peder sind erfahrene, intuitiv handelnde Ermittler. Frederika ist die Neue. Sie verlässt sich weniger auf ihr Bauchgefühl, sondern geht akribisch jedem Hinweis nach. Alex und Peder finden, dass sie nicht für die Polizeiarbeit geeignet ist, und zeigen ihr dies auch mehr oder weniger deutlich. Insbesondere Peder steht in einem ständigen Konkurrenzkampf mit ihr, denn er buhlt um die Anerkennung seines Chefs.

Und obwohl meine Sympathien eindeutig auf Frederika liegen, sind mir die beiden anderen Ermittler, die übrigens auch eine interessante Entwicklung durchmachen, nicht unsympathisch.

Ingesamt sind die Charaktere so konzipiert, dass dem Leser viele persönliche Hintergründe geboten werden und Stoff für weitere Bände vorliegt. Ein kurzer Blick ins Internet bestätigt meine Hoffnung: Im Schwedischen gibt es bereits drei weitere Bände um Frederika Bergmann und Alex Recht. Man kann nur auf eine schnelle deutsche Übersetzung hoffen. (Für alle, die hierbei zusammenzucken: Man kann „Aschenputtel“ wunderbar als abgeschlossenen Einzelband lesen.)

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, hat mich erstaunlich wenig gestört: Mir war schon sehr früh klar, worauf die Geschichte hinauslaufen würde. Den Ermittlern war ich leider meilenweit voraus. Ein bisschen mehr Spannung bezüglich der Auflösung des entsprechenden Falls wäre schön gewesen.

Ich bin von „Aschenputtel“ und Kristina Ohlsson absolut positiv überrascht worden: ein schwedischer Thriller, der sich nicht vor seinen amerikanischen Kollegen verstecken muss. Durch den fesselnden Schreibstil und interessante Charaktere weiß das Buch zu überzeugen. Einzig wegen der zu großen Vorhersehbarkeit ziehe ich zwei Sterne ab und vergebe so 8 von 10 Sternen.

stern 8

Aschenputtel – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3809025917 – erschienen: Oktober 2011 (Limes)

[Rezension] „Gretchen“ von Chelsea Cain

GretchenReiheninfo:

  1. “Furie”
  2. “Grazie”
  3. “Gretchen”
  4. “Totenfluss”
  5. “Sterbensschön”

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zu den ersten Bänden enthalten.

Klappentext:

Schon zwei Mal hat Detective Archie Sheridan den teuflischen Tanz um Leben und Tod mit der schönen Serienmörderin Gretchen Lowell überlebt. Es hat ihn alles gekostet, sie hinter Gitter zu bringen – beinahe sogar das Leben. Doch Gretchen Lowell ist die Flucht gelungen, und nun glaubt jeder, dass sie wieder zuschlagen wird. Tatsächlich kommt es zu einer neuen grausamen Mordserie. Auf den ersten Blick trägt sie die Handschrift von Gretchen Lowell – doch die Details stimmen nicht. Eine Botschaft an Archie? (Quelle)

Meine Meinung:

Die bisherigen Bände der Gretchen-Lowell-Reihe haben mich auf eine wirklich merkwürdige Art und Weise gefesselt: fasziniert und angeekelt zu gleich habe ich die Bücher gelesen, denn die Werke von Chelsea Cain sind nichts für schwache Nerven.

Die Grausamkeiten und perversen Ideen von Gretchen hatten schon in den ersten zwei Bänden ein solch hohes Level erreicht, dass man sich unweigerlich fragt, wie es der Autorin im dritten Teil gelingen soll, noch neue Ideen einzubringen, ohne zu übertreiben. Die Antwort: Gar nicht!

Zwar gibt es eine neue Grundidee, die durchaus ihren Reiz hat, trotzdem sind einige detailreiche Beschreibungen von Mord- und Foltermethoden schlichtweg übertrieben. Und ich bin eigentlich niemand, der vor solchen Ausmalungen zurückschreckt. Im Gegenteil! Es ist auch nicht so, dass ich mich geekelt habe oder die Seiten nicht mehr lesen mochte. Es war einfach nur zu viel und in meinen Augen unnütz.

Trotzdem ließ sich das Buch ohne Frage gut und flüssig lesen, aber zusätzlich zu den übertriebenen Grausamkeiten hat es mich gestört, dass Archie wie auch in den Bänden zuvor immer und immer wieder Alleingänge durchführt. Was soll das? Für mich einfach nicht verständlich und realistisch, dass jemand so gar nicht dazu lernt. Man kennt dieses Phänomen zwar auch aus zahlreichen Filmen und Büchern, aber wenn der an sich schlaue Detective, der einen fähigen Kollegen besitzt, zum x-ten Mal alleine einen Tatort stürmt, nervt es mich.

Schade, abschließend muss ich sagen, dass der dritte und anscheinend doch nicht letzte Teil dieser Reihe enttäuscht hat. Es ist ein spannendes Buch, aber hinkt trotzdem seinen Vorgängern hinterher. Ich vergebe gerade noch 6 von 10 Sternen. Mal sehen, ob ich den vierten Band überhaupt noch lesen werde.

stern 6

Gretchen – Chelsea Cain – Taschenbuch – 352 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3442372256 – erschienen: Juni 2011 (Blanvalet)

[Rezension] „Das schwarze Blut“ von Jean-Christophe Grangé

Das schwarze BlutInhalt:

Jacques Reverdi ist nicht nur durch seine Leistungen im Tiefseetauchen zur Berühmtheit geworden. Derzeit sitzt er in einem Gefängnis in Malaysia und wartet auf sein Todesurteil, denn er wurde neben einer von Stichen und Schnitten übersäten Frauenleiche gefunden. Es scheint so, als wäre Reverdi von Ritualmorden besessen.

Auch der Reporter Mark Dupeyrat ist besessen – und zwar von der Suche nach dem Sinn des Bösen. Und so beschließt er sich Reverdi auf die einzig mögliche Weise zu nähern: in Form einer Frau. Er nimmt eine Scheinidentität an und per Post Kontakt zu Jacques auf. Der Plan funktioniert und Mark kommt dem Bösen immer näher…

Meine Meinung:

Als ich die letzte Seite des Buches gelesen habe, habe ich es zugeklappt und „Was für ein krankes Buch!“ in mich hineingemurmelt. Und das trifft es auch sehr gut.

Nicht, dass jemand auf falsche Gedanken kommt: Das Adjektiv „krank“ ist in meinen Augen für einen Thriller das absolut beste Attribut überhaupt.

Dabei startet das Buch eher langsam und etwas zermürbend: die Lebensgeschichte von Mark wird auf vielen, unheimlich ermüdenden Seiten haargenau zusammengefasst. Zwar spielt die für den weiteren Verlauf der Geschichte durchaus eine Rolle, doch hätte man die einzelnen Fakten meiner Meinung nach lieber in die Handlung mit einbauen sollen und nicht in Form eines Berichts präsentiert.

Doch dann nimmt die Geschichte schnell an Fahrt auf und birgt alles, was einen guten Thriller für mich ausmacht: einen wahren Psychopathen, eklige Details, überraschende Wendungen und eine gute Portion an kranken Ideen, die alles übertrifft, was man sich selber hätte vorstellen können.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das Ende der Geschichte übertrieben oder genial finde, deswegen vergebe ich nicht die volle Punktzahl, sondern 8 von 10 Sternen für einen wirklich andersartigen Thriller, der mein Dafürhalten bisher zu wenig Beachtung bekommen hat.

stern 8

Das schwarze Blut – Jean-Christophe Grangé – Taschenbuch – 544 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3404158089 – erschienen: November 2010 (3. Auflage, Lübbe)