„Fünf“ von Ursula Poznanksi

FünfReiheninfo:

  1. „Fünf“
  2. „Blinde Vögel“

Inhalt:

„Die Stelle, an der sich sein linkes Ohr befunden hatte, pochte im Rhythmus seines Herzschlags. Schnell, panisch. Sein Atem ging in kurzen, lauten Stößen. Wenige Schritte von ihm entfernt, beugte Nora sich über den Tisch, auf dem die Pistole und das Messer lagen. Ihr Gesicht war verzerrt, aber sie weinte nicht mehr.

‚Bitte’, flüsterte er heiser. ‚Ich will nicht. Bitte.’“ (S. 5)

Auf einer Kuhwiese wird eine weibliche Leiche gefunden. Es ist Nora Papenberg. Auf ihren Fußsohlen sind merkwürdige Zahlenkombinationen eintätowiert – Koordinaten wie sich später herausstellt. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Stefan entdecken Beatrice und Florin von der Salzburger Polizei schließlich den Zusammenhang zum Geocaching. Die Koordinaten markieren einen Ort, an dem die Polizei weitere Leichenteile finden. Und ein Rätsel….

Meine Meinung:

Das Buch beginnt meiner Meinung nach grandios. Im Prolog, dessen Anfang ich oben wiedergegeben habe, scheint ganz klar Nora Papenberg die Täterin zu sein. Liest man einige Seiten weiter, findet man Nora tot auf einer Kuhwiese. Ist sie Täter und Opfer zugleich?

Die Geschichte geht genauso spannend und nervenaufreibend weiter. Dies ist der erste Thriller, den ich kenne, der Geocaching zum Thema hat. Ein Unbekannter versteckt in einem Cache Rätselaufgaben, mit Hilfe derer die Polizei immer neue Koordinaten entschlüsseln muss. Was sich dann an diesen Orten befindet, ist schnell klar. Doch das Rätselraten nimmt kein Ende: die einzelnen Opfer scheinen keine erkennbare Verbindung zueinander zu haben.

Im Verlauf der Ermittlungen erfährt der Leser meist genauso viel wie die Polizei selber und genau das macht dieses Buch so wahnsinnig gut. Ich war sooo gespannt auf die Auflösung und habe sehr gehofft, dass mich das Ende zufrieden stellen würde.

Und ich kann nur sagen: Der Schluss ist fulminant! Alle Fäden führen zusammen, nichts bleibt mehr offen, alles erscheint mit einem Mal so logisch.

Ich liebe den Schreibstil von Frau Poznanski. Wie in „Erebos“ konnte sie mich total fesseln, konnte mich dazu bringen, beim Lesen ganz angespannt zu sein, nervös die nächsten Seiten lesen zu wollen und mit der sympathischen Ermittlerin Bea mitzufiebern.

Ich selber war vor dem Lesen von „Fünf“ schon mal geocachen, aber ich glaube, dass das Buch auch für Neulinge geeignet und verständlich ist. Eine Freundin von mir (Sarah) hat das Buch auch vor ein paar Tagen gelesen und hat – trotz des gruseligen Zusammenhangs im Buch – so sehr Lust auf die Schatzsuche bekommen, dass wir morgen gemeinsam losziehen werden. Zum Glück aber nicht im Salzburger Umland…

Es gibt nichts, was ich an diesem Buch kritisieren könnte: es ist spannend (und das ohne unnötig brutal und grausam zu werden), gewohnt großartig geschrieben, hat ein tolles, überraschendes Ende und sympathische Ermittler. So muss ein Thriller sein. 10 von 10 Sternen!

stern 10

Fünf – Ursula Poznanski – Klappbroschur – 384 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3805250313 – erschienen: Februar 2012 (Wunderlich)

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[Hörbuch] Ich. darf. nicht. schlafen.“ von S. J. Watson

Gelesen von Andrea SawatzkiIch darf nicht schlafen

Inhalt:

Als Christine aufwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Beim Blick in den Spiegel erschrickt sie, hatte sie doch eine sehr viel jüngere Frau erwartet. Ihr Mann erzählt ihr, dass sie bei einem Unfall ihre Erinnerungen verloren hat und jedem Morgen nach dem Aufstehen nicht mehr weiß, was sie am Tag zuvor erlebt hat. Eine schreckliche Aussicht!

Doch dann erhält sie einen Anruf von ihrem Psychologen, der sie – wie jeden Tag – daran erinnert, dass sie Tagebuch führt. Beim Lesen erfährt Christine einiges über die letzten Wochen, doch wirft das Tagebuch auch Fragen auf. Fragen, die ihr ganzes Leben beeinflussen könnten.

Meine Meinung:

Zunächst liest sich der Inhalt dieser Geschichte wie ein typischer Thriller: Frau mit Gedächtnisverlust sucht nach ihrer Vergangenheit.

Das Besondere an diesem Buch: Christine hat nicht einfach nur ihrer Vergangenheit vergessen, sondern vergisst nach dem Schlafen auch jedes Mal auf neue ihre Gegenwart. Ein Gedanke, der gleichzeitig schockiert und fasziniert.

Die Geschichte an sich ist durch einige Zeitsprünge gekennzeichnet. Die Rahmenhandlung findet in der Gegenwart statt und wird unterbrochen durch die Tagebucheinträge, die Christine nach und nach liest. So weiß der Leser/Hörer immer genauso viel wie die Hauptperson. Auch ich war mir lange unklar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln würde.

Insgesamt war das Hörbuch nett zu hören, aber auch nichts besonderes. Ein großes Highlight ist natürlich Andrea Sawatzki, die mal wieder mehr als überzeugt. Ich glaube, ich würde mir selbst das Telefonbuch vorlesen lassen, wenn Frau Sawatzki das tun würde.

Wer Lust auf einen netten Thriller für zwischendurch hat, der den Leser wie die Hauptperson lange Zeit vor ein Rätsel stellt, der greife bitte zu „Ich. darf. nicht. schlafen.“. Ich vergebe 6 von 10 Sternen.

stern 6

Ich. darf. nicht. schlafen. – S.J. Watson – Leserin: A. Sawatzki – autorisierte Lesefassung – 16,95 € – ISBN: 978-3-8398-1105-4 – 6 CDs – 469 Minuten – erschienen: September 2011 (Argon)

„Sturms Jagd“ von Michael Quandt

Sturms JagdReiheninfo:

  1. „Sturms Jagd“
  2. „Sturms Flug“

Klappentext:

Mara Sturm ist Kriminalkommissarin aus Überzeugung, aber sie steckt in der Krise: Ihr Vorgesetzter teilt der rebellischen Ermittlerin einen überkorrekten Partner zu, privat liegt sie im Streit mit ihrem Bruder, einer bekannten Halbwelt-Größe. Da verschwindet in Köln eine junge Frau. Eine erste Spur führt Mara zu einem groß angelegten Coup der Russenmafia. (Quelle)

Meine Meinung:

Nachdem ich lange Zeit keinen richtigen, echten Erwachsenenthriller gelesen habe, hat es mich neulich mal wieder gepackt. Ich stand vor meinem Regal mit den ungelesenen Büchern und hatte plötzlich total Lust auf „Sturms Jagd“.

Der Griff zu diesem Buch war eine richtig gute Entscheidung von mir, denn obwohl Mara Sturm eine sehr prototypische Ermittlerin ist (wahnsinnig hübsch, wahnsinnig tough, dann doch unerwartet verletztlich und alle Regeln brechend), hat mich die Geschichte doch von der ersten Seite gepackt. Mich stört es meist nicht, wenn in Thrillern gängige Klischees bedient werden.

Die Geschichte spielt im Dunstkreis des organisierten Verbrechens, ein Thema, was ich schon immer gerne in Thrillern gelesen habe. Das besondere Schmankerl macht für mich die Beziehung von Mara zu ihrem Bruder aus, der im Gegensatz zu seiner Schwester ordentlich Dreck am Stecken hat. „Sturms Jagd“ ist der erste Band der Mara-Sturm-Reihe und ich bin mir sicher, dass diese Beziehung und die Spannungen zwischen den beiden in den kommenden Büchern weiter thematisiert werden.

Dass die Handlung in meiner derzeitigen Heimatstadt Köln spielt, war beim Lesen schon ein kleines Extrahighlight. Es ist einfach nett, den Handlungsort vor Augen zu haben und sich vorstellen zu können, wie Mara Sturm auf ihrem Motorrad durch die Kölner Straßen braust.

„Sturms Jagd“ ist ein Thriller, der mich von der ersten Seite an fesseln und mitreißen konnte. Beim Lesen musste ich schon das ein oder andere Mal scharf die Luft einsaugen, im Großen und Ganzen ist dies aber ein Buch, was auch die weniger hart gesottenen Leser begeistern wird. Einzig und allein der Schluss hat mich nicht völlig befriedigt, blieb doch eine meiner Fragen unbeantwortet. Ich vergebe 8 von 10 Sternen und freue mich auf den zweiten Teil, der März erscheinen wird.

stern 8

Sturms Jagd – Michael Quandt – Taschenbuch – 432 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3442374410 – erschienen: März 2011

[Rezension] „Aschenputtel“ von Kristina Ohlsson

AschenputtelReiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

Eigentlich wollte die junge Mutter, während der Zug unerwartet am Bahnhof warten muss, nur kurz auf dem Gleis ein Telefonat führen. Früher als angegeben geht die Fahrt dann doch weiter, allerdings ohne Sara. Als der Zug im Zielbahnhof ankommt, ist die kleine Tochter von Sara spurlos verschwunden.

„’Lillian, zieh deine Schuhe aus, wenn du mit den Füßen auf den Sitz willst’, hörte er die Frau zu dem Kind sagen, als er sich umdrehte, um die Fahrtkarte des nächsten Reisenden abzustempeln. Als er ihnen danach noch einen Blick zuwarf, hatte das Kind die kleinen Sandalen bereits abgeschüttelt und die Beine unter sich gezogen. Die Sandalen würden dort noch liegen, als das Mädchen schon verschwunden war.“ (S. 18)

Das dreiköpfige Ermittlerteam um Alex Recht ist sich in seinen Ermittlungen uneinig: Alex und Peder verfolgen Spuren, die sich mit dem gewalttätigen Vater des Kindes beschäftigen. Einzig Frederika ist der Meinung, dass man andere Hinweise nicht außer acht lassen sollte.

Doch dann passiert etwas, das die Ermittler zur Eile zwingt…

Meine Meinung:

Dieses Buch lag etwas länger als nötig auf meinem SUB. Irgendwie hatte ich nicht die höchsten Erwartungen an das Debüt der schwedischen Jungautorin. Meine Erfahrung hat bisher gezeigt, dass Thriller aus skandinavischen Ländern mehr in Richtung Krimi gehen und damit meinen Geschmack oft nicht ganz treffen.

Doch schon die ersten Seiten des Buches zeigten mir, dass ich mit meiner Einschätzung falsch gelegen habe. Der Epilog aus Sicht des Täters macht direkt neugierig, erzeugt eine ungemeine Spannung und erweckte in mir die beliebte Faszination des Ekels.

„Er lag im Dunkeln, lächelte und betrachtete die neue Puppe, die er sich ausgesucht hatte. […] Vorsichtig strich er ihr über den Rücken. Aus Versehen – oder vielleicht auch weil der die Verletzungen, die er ihr zugefügt hatte, wirklich nicht sah – strich er über einen der ganz frischen Blutergüsse. Wie ein dunkler, kleiner See lag er auf ihrem Schulterblatt. Sie wachte mit einem Ruck auf und drehte sich zu ihm um. Ihre Augen glänzten vor Angst. Sie wusste nie, was sie erwartete, wenn die Dunkelheit kam.“ (S. 13)

Besonders interessant wird dieses Buch durch die Figurenkonstellation: Alex und Peder sind erfahrene, intuitiv handelnde Ermittler. Frederika ist die Neue. Sie verlässt sich weniger auf ihr Bauchgefühl, sondern geht akribisch jedem Hinweis nach. Alex und Peder finden, dass sie nicht für die Polizeiarbeit geeignet ist, und zeigen ihr dies auch mehr oder weniger deutlich. Insbesondere Peder steht in einem ständigen Konkurrenzkampf mit ihr, denn er buhlt um die Anerkennung seines Chefs.

Und obwohl meine Sympathien eindeutig auf Frederika liegen, sind mir die beiden anderen Ermittler, die übrigens auch eine interessante Entwicklung durchmachen, nicht unsympathisch.

Ingesamt sind die Charaktere so konzipiert, dass dem Leser viele persönliche Hintergründe geboten werden und Stoff für weitere Bände vorliegt. Ein kurzer Blick ins Internet bestätigt meine Hoffnung: Im Schwedischen gibt es bereits drei weitere Bände um Frederika Bergmann und Alex Recht. Man kann nur auf eine schnelle deutsche Übersetzung hoffen. (Für alle, die hierbei zusammenzucken: Man kann „Aschenputtel“ wunderbar als abgeschlossenen Einzelband lesen.)

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, hat mich erstaunlich wenig gestört: Mir war schon sehr früh klar, worauf die Geschichte hinauslaufen würde. Den Ermittlern war ich leider meilenweit voraus. Ein bisschen mehr Spannung bezüglich der Auflösung des entsprechenden Falls wäre schön gewesen.

Ich bin von „Aschenputtel“ und Kristina Ohlsson absolut positiv überrascht worden: ein schwedischer Thriller, der sich nicht vor seinen amerikanischen Kollegen verstecken muss. Durch den fesselnden Schreibstil und interessante Charaktere weiß das Buch zu überzeugen. Einzig wegen der zu großen Vorhersehbarkeit ziehe ich zwei Sterne ab und vergebe so 8 von 10 Sternen.

stern 8

Aschenputtel – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3809025917 – erschienen: Oktober 2011 (Limes)

[Rezension] „Gretchen“ von Chelsea Cain

GretchenReiheninfo:

  1. “Furie”
  2. “Grazie”
  3. “Gretchen”
  4. “Totenfluss”
  5. “Sterbensschön”

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zu den ersten Bänden enthalten.

Klappentext:

Schon zwei Mal hat Detective Archie Sheridan den teuflischen Tanz um Leben und Tod mit der schönen Serienmörderin Gretchen Lowell überlebt. Es hat ihn alles gekostet, sie hinter Gitter zu bringen – beinahe sogar das Leben. Doch Gretchen Lowell ist die Flucht gelungen, und nun glaubt jeder, dass sie wieder zuschlagen wird. Tatsächlich kommt es zu einer neuen grausamen Mordserie. Auf den ersten Blick trägt sie die Handschrift von Gretchen Lowell – doch die Details stimmen nicht. Eine Botschaft an Archie? (Quelle)

Meine Meinung:

Die bisherigen Bände der Gretchen-Lowell-Reihe haben mich auf eine wirklich merkwürdige Art und Weise gefesselt: fasziniert und angeekelt zu gleich habe ich die Bücher gelesen, denn die Werke von Chelsea Cain sind nichts für schwache Nerven.

Die Grausamkeiten und perversen Ideen von Gretchen hatten schon in den ersten zwei Bänden ein solch hohes Level erreicht, dass man sich unweigerlich fragt, wie es der Autorin im dritten Teil gelingen soll, noch neue Ideen einzubringen, ohne zu übertreiben. Die Antwort: Gar nicht!

Zwar gibt es eine neue Grundidee, die durchaus ihren Reiz hat, trotzdem sind einige detailreiche Beschreibungen von Mord- und Foltermethoden schlichtweg übertrieben. Und ich bin eigentlich niemand, der vor solchen Ausmalungen zurückschreckt. Im Gegenteil! Es ist auch nicht so, dass ich mich geekelt habe oder die Seiten nicht mehr lesen mochte. Es war einfach nur zu viel und in meinen Augen unnütz.

Trotzdem ließ sich das Buch ohne Frage gut und flüssig lesen, aber zusätzlich zu den übertriebenen Grausamkeiten hat es mich gestört, dass Archie wie auch in den Bänden zuvor immer und immer wieder Alleingänge durchführt. Was soll das? Für mich einfach nicht verständlich und realistisch, dass jemand so gar nicht dazu lernt. Man kennt dieses Phänomen zwar auch aus zahlreichen Filmen und Büchern, aber wenn der an sich schlaue Detective, der einen fähigen Kollegen besitzt, zum x-ten Mal alleine einen Tatort stürmt, nervt es mich.

Schade, abschließend muss ich sagen, dass der dritte und anscheinend doch nicht letzte Teil dieser Reihe enttäuscht hat. Es ist ein spannendes Buch, aber hinkt trotzdem seinen Vorgängern hinterher. Ich vergebe gerade noch 6 von 10 Sternen. Mal sehen, ob ich den vierten Band überhaupt noch lesen werde.

stern 6

Gretchen – Chelsea Cain – Taschenbuch – 352 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3442372256 – erschienen: Juni 2011 (Blanvalet)

[Rezension] „Das schwarze Blut“ von Jean-Christophe Grangé

Das schwarze BlutInhalt:

Jacques Reverdi ist nicht nur durch seine Leistungen im Tiefseetauchen zur Berühmtheit geworden. Derzeit sitzt er in einem Gefängnis in Malaysia und wartet auf sein Todesurteil, denn er wurde neben einer von Stichen und Schnitten übersäten Frauenleiche gefunden. Es scheint so, als wäre Reverdi von Ritualmorden besessen.

Auch der Reporter Mark Dupeyrat ist besessen – und zwar von der Suche nach dem Sinn des Bösen. Und so beschließt er sich Reverdi auf die einzig mögliche Weise zu nähern: in Form einer Frau. Er nimmt eine Scheinidentität an und per Post Kontakt zu Jacques auf. Der Plan funktioniert und Mark kommt dem Bösen immer näher…

Meine Meinung:

Als ich die letzte Seite des Buches gelesen habe, habe ich es zugeklappt und „Was für ein krankes Buch!“ in mich hineingemurmelt. Und das trifft es auch sehr gut.

Nicht, dass jemand auf falsche Gedanken kommt: Das Adjektiv „krank“ ist in meinen Augen für einen Thriller das absolut beste Attribut überhaupt.

Dabei startet das Buch eher langsam und etwas zermürbend: die Lebensgeschichte von Mark wird auf vielen, unheimlich ermüdenden Seiten haargenau zusammengefasst. Zwar spielt die für den weiteren Verlauf der Geschichte durchaus eine Rolle, doch hätte man die einzelnen Fakten meiner Meinung nach lieber in die Handlung mit einbauen sollen und nicht in Form eines Berichts präsentiert.

Doch dann nimmt die Geschichte schnell an Fahrt auf und birgt alles, was einen guten Thriller für mich ausmacht: einen wahren Psychopathen, eklige Details, überraschende Wendungen und eine gute Portion an kranken Ideen, die alles übertrifft, was man sich selber hätte vorstellen können.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das Ende der Geschichte übertrieben oder genial finde, deswegen vergebe ich nicht die volle Punktzahl, sondern 8 von 10 Sternen für einen wirklich andersartigen Thriller, der mein Dafürhalten bisher zu wenig Beachtung bekommen hat.

stern 8

Das schwarze Blut – Jean-Christophe Grangé – Taschenbuch – 544 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3404158089 – erschienen: November 2010 (3. Auflage, Lübbe)

[Rezension] „Déjà Dead“ von Kathy Reichs

Deja DeadReiheninfo:

  1. „Déjà Dead“ (dt.: „Tote lügen nicht“)
  2. „Death du Jour“ (dt.: „Knochenarbeit“)
  3. „Deadly Décisions“ (dt.: „Lasst Knochen sprechen“)
  4. „Fatal Voyage“ (dt.: „Durch Mark und Bein“)
  5. „Grave Secrets“ (dt.: „Knochenlese“)
  6. „Bare Bones“ (dt.: „Mit Haut und Haar)
  7. „Monday Mourning“ (dt.: „Totenmontag“)
  8. „Cross Bones“ (dt.: „Totgeglaubte leben länger“)
  9. „Break No Bones“ (dt.: „Hals über Kopf“)
  10. „Bones to Ashes“ (dt.: „Knochen zu Asche“)
  11. „Devil Bones“ (dt.: „Der Tod kommt wie gerufen“)
  12. „206 Bones“ (dt.: „Das Grab ist erst der Anfang“)
  13. „Spider Bones“ (dt.: „Blut vergisst nicht“)
  14. „Flash and Bones“ (dt.: „Fahr zur Hölle“)
  15. „Bones are Forever“ (dt.: „Knochenjagd“)
  16. „Bones of the lost“ (dt.: „Totengeld“)

 

Inhalt:

Als die Pathologin Tempe Brennan eine Frauenleiche obduzieren muss, meint sie eine Verbindung zu früheren, bisher ungeklärten Morden zu sehen. Doch keiner glaubt ihr. Tempe beschließt auf eigene Faust zu ermitteln und bringt damit nicht nur sich selbst in große Gefahr.

Meine Meinung:

Nachdem ich vor einigen Monaten den ersten Teil der Jugendthrillerreihe von Kathy Reichs gelesen habe, habe ich nun den ersten Band der Krimi-Reihe um die Pathologin Temperance Brennan gelesen, die Inspiration für die bekannte Fernsehserie „Bones“ ist.

Hauptfigur und Ich-Erzählerin ist die kongeniale Pathologin Tempe, die nicht nur auf ihrem Fachgebiet glänzt, sondern in diesem Buch auch entscheidende ermittlerische Fähigkeiten beweist. Vielleicht wird hier schon deutlich, dass es mich ein bisschen gestört hat, wie gut Tempe in fast allem ist. Dazu kommt, dass sämtliche Detectives, die tatsächlich als Ermittler in den oben genannten Fällen arbeiten, die simpelsten Zusammenhänge nicht sehen können oder nicht sehen wollen. Doch dann kommt Tempe, kann alles, weiß alles und bekommt alles heraus.

Auf der anderen Seite stellt sich die Pathologin an vielen Stellen unglaublich doof an und bringt damit sich in große Gefahr. Man kennt dieses Phänomen auch aus anderen Thrillern oder Filmen. Man merkt, die Hauptperson macht einen entscheidenden Fehler und möchte sie unbedingt schütteln und zur Vernunft rufen. Doch noch nie war mein Bedürfnis danach so stark wie in diesem Buch.

Ein weiterer Schwachpunkt der Geschichte ist die Langatmigkeit. Insbesondere am Anfang des Buches hatte ich enorme Schwierigkeiten einen Bezug zur Handlung und zu den Personen aufzubauen. Erst ab Seite 100 etwa hatte mich die Story so wirklich gefesselt. Aber auch im weiteren Verlauf des Buches beschreibt die Autorin sämtliche Umgebungen, Untersuchungsmethoden, Straßen und Menschen sehr genau. Teilweise birgt dies wirklich spannende Einblicke in die forensische Arbeit, teilweise haben die Ausschweifungen meinen Lesefluss ziemlich gestört.

Trotz dieser ganzen Kritikpunkte konnte ich ab einer bestimmten Stelle mit dem Lesen nicht mehr aufhören und habe gespannt auf die Auflösung des Ganzen gewartet.

Die Geschichte hat meiner Meinung nach Potenzial für ein wirklich gutes Buch. Schade, dass dies ein wenig durch die mir zu detaillierte Schreibweise der Autorin und der Unglaubwürdigkeit der Handlung (in Bezug auf Tempes Fähigkeiten und den Unfähigkeiten sämtlicher anderer Ermittler) etwas geschmälert wurde. Ich vergebe 6 von 10 Sternen und bin gespannt, wie sich die Reihe weiter entwickelt.

stern 6

[Rezension] „Silent Scream“ von Karen Rose

Silent ScreamInhalt:

Als vier Umweltaktivisten ein eigentlich unbenutztes Mehrfamilienhaus in Brand setzen, wussten sie nicht, dass gerade zu diesem Zeitpunkt dort ein junges Mädchen Unterschlupf gesucht hat. Erst als das Haus schon in Flammen steht und sie ein Gesicht am Fenster sehen, erkennen sie die wahre Tragweite ihrer Handlung – und fliehen. Was sie auch nicht wissen: Sie wurden von jemandem beobachtet und gefilmt, der sein Wissen nun nutzt, um die die Gruppe zu erpressen und für seine Zwecke zu missbrauchen.

Am Tatort treffen die Ermittlerin der Mordkommission Olivia und der Feuerwehrmann David nach ihrem One-Night-Stand vor mehr als zwei Jahren erneut zusammen. Schon bald gibt es weitere Opfer und die Ermittlungen laufen auf Hochtouren…

Meine Meinung:

Hach ja. Das war schön. Mal wieder!

Ich bin ja ein riesengroßer Fan von Karen Rose und ihren Büchern. Und ich glaube, ich habe auch alle gelesen, die es derzeit gibt, aber ich werde das gleich lieber nochmal überprüfen. Es geht ja nicht, dass es vielleicht etwas von ihr gibt, was ich noch nicht kenne.

Karen Rose schreibt Ladythriller. Und auch „Silent Scream“ ist ein solches Buch. Hinter dem eigentlichen Thriller steckt immer noch eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, die (nicht nur für geübte Rose-Leserinnen wie mich) von Anfang an durchschaubar ist. Mich stört das allerdings nicht, denn die Geschichten sind immer wieder schön, auch wenn sie immer – wirklich immer – nach dem gleichen Schema verlaufen.

Ein Tipp am Rande: Wer mehr Thriller und weniger Romantik lesen möchte, sollte zu ihrer Vartanian-Trilogie greifen („Todesschrei“, „Todesbräute“ und „Todesspiele“). Meiner Meinung nach kann es diese Reihe mit den Büchern von Cody McFadyen aufnehmen.

Was immer wieder schön ist, ist die Tatsache, dass die Autorin in ihren Büchern Nebencharaktere aus alten Büchern zu Hauptcharakteren in ihren neuen Büchern werden lässt. So kennt man den Feuerwehrmann David Hunter zum Beispiel aus „Eiskalt ist die Zärtlichkeit“ oder „Der Rache süßer Klang“ (die englischen Titel sind immer nicht ganz so kitschig wie die deutschen).

Ich habe es schon in einer anderen Rezension geschrieben und ich zitiere mich an dieser Stelle einfach mal selber: Die Bücher sind für mich wie „Nach Hause-Kommen“. Ich weiß genau, was ich zu erwarten habe und bekomme auch genau das. Nicht mehr und nicht weniger. Aber das ist genau richtig: 10 Sterne von mir für eine meiner Lieblingsautorinnen.

stern 10

Anmerkung: Der deutsche Titel lautet „Feuer“.

Silent Scream – Karen Rose – Taschenbuch – 560 Seiten – 8,40 € – ISBN-13: 978-0755346585 – erschienen: Oktober 2010 (Headline)

[Rezension] „Der Menschenmacher“ von Cody McFadyen

Der MenschenmacherInhalt:

David ist noch ein Junge, als seine Mutter stirbt und er von Bob Gray adoptiert wird. Gemeinsam mit seinen beiden Adoptivgeschwistern Ally und Charlie lebt er von nun an bei dem Mann, der weit entfernt davon ist, ein guter, liebevoller Vater zu sein. Denn Bob Gray hat nur ein Ziel: Er will die drei dazu bringen, sich weiter zu entwickeln, zum Übermenschen zu werden und die Evolution voranzutreiben: „Evolvieren“ nennt er das. Um diese Entwicklung zu vollziehen, zwingt Bob die drei an ihre Grenzen: er peitscht sie aus, lässt sie in völliger Isolation nackt und blutend zurück.

Nach vielen Jahren gelingt es David, Ally und Charlie ihren Adoptivvater zu ermorden. Sie beginnen ein Leben zu leben, das nichts mehr mit dem vorigen gemein haben soll, aber dennoch immer noch von ihren Erfahrungen beeinflusst wird.

Doch dann ändert sich alles: zwanzig Jahre nach dem Mord erhält David, mittlerweile erfolgreicher Schriftsteller, eine Karte auf der nur ein Wort steht: „Evolviere!“

Es ist noch nicht vorbei…

Meine Meinung:

Ich habe immer noch Gänsehaut, spüre eine merkwürdige Kombination aus Ekel und Faszination, bin euphorisiert: gerade habe ich die letzten Seiten des Buches gelesen.

„Der Menschenmacher“ ist der erste Thriller von Cody McFadyen, der als Hauptperson nicht die toughe Ermittlerin Smoky Barrett hat. Dementsprechend geht es hier auch nicht in erster Linie um polizeiliche Ermittlungen wie in den anderen vier Büchern, sondern mehr um die menschlichen Abgründe der Psyche. Und genau an diese wird der Leser herangeführt. Das Buch ist am ehesten mit „Der Todeskünstler“ des selben Autors zu vergleichen (mein Lieblingsthriller übrigens).

Nach und nach erfährt der Leser weitere Details aus der Vergangenheit und dem gegenwärtigen Leben der drei Hauptpersonen. Immer wieder führen Zeitsprünge zu neuen Erkenntnissen und die Tatsache, dass aus der Sicht dreier Charaktere erzählt wird, führt dazu, dass sich langsam Puzzleteil um Puzzleteil zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

Cody McFadyen hat eine Art zu schreiben, die bei mir immer wieder und insbesondere in diesem Buch dazu geführt hat, meine Gefühle, Ängste und nicht zu erklärende Faszination des Abscheulichen an die Oberfläche zu bringen, wo sie jederzeit ausbrechen können. Er beschreibt, welche Macht Menschen über andere haben können und wozu es führen kann, wenn sie diese Macht ausnutzen. Den Titel „Der Menschenmacher“ halte ich für absolut gelungen, denn jeder von uns ist zu dem geworden, was unsere bisherigen Erfahrungen aus uns gemacht haben.

Manche mögen die erste Hälfte des Thrillers, in dem es vor allem darum geht die Basis der Geschichte zu legen, die Charaktere schlüssig zu erläutern und ihr Leben in Gefangenschaft ihres Adoptivvaters zu beschreiben, als langweilig erachten. Mich hat dieser Teil fasziniert. In der zweiten Hälfte des Buches nimmt vor allem die Handlung in der Gegenwart Fahrt auf und wird actionreicher.

Insgesamt möchte ich behaupten: Wer „Der Todeskünstler“ mochte, wird dieses Buch lieben. Es führt einen an die menschlichen Abgründe, konfrontiert den Leser mit Dingen, die ihn eigentlich erschrecken sollen, aber tatsächlich unterhalten. Es ist mit Sicherheit kein Buch für Leser, die eher zart besaitet sind. Ich vergebe 8 von 10 Sternen und freue mich, dass ich mit meinem Lieblingsthrillerautor McFadyen einen so guten Neustart ins Genre Thriller gefunden habe.

stern 8

Der Menschenmacher – Cody McFadyen – Hardcover mit Schutzumschlag – 608 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3785724071 – erschienen: Februar 2011 (Bastei Lübbe)

[Rezension] „Die Sünde der Engel“ von Charlotte Link

Die Sünde der EngelInhalt:

Zum Inhalt lässt sich an dieser Stelle schwer etwas sagen, ohne viel zu verraten…

Im Mittelpunkt der Handlung steht eine etwas zerrüttete Familie: Die Mutter hatte ewig eine Affäre mit ihrer großen Liebe. Der Vater versucht zu verdrängen. Die beiden mittlerweile erwachsenen Zwillingssöhne wissen von dieser Affäre. Einer der beiden Söhne befindet sich in einer psychiatrischen Klinik, weil er ein Verbrechen begangen hat.

Durch eine Reihe von Ereignissen schlägt die Vergangenheit wieder hoch und zeigt, welche enormen Auswirkungen sie auch auf die Gegenwart haben kann.

Meine Meinung:

Charlotte Links Bücher sind recht eindeutig entweder in die Sparte der Gesellschaftsromane oder in die Reihe der psychologischen Spannungsromane einzuordnen (sagt zumindest auch Wikipedia 🙂 ). Den ersten Typ der Bücher von dieser Autorin lese ich gar nicht gerne, den zweiten allerdings schon. „Die Sünde der Engel“ ist einer von diesen und so habe ich seit Jahren mal wieder ein Buch von Frau Link gelesen. Leider muss ich sagen, dass das Cover das beste am ganzen Buch ist. Eigentlich passiert sehr wenig, weswegen es mir auch schwer fiel, zum Inhalt mehr zu schreiben. Die Auflösung der Geschichte war mir schon viel zu früh klar, so dass ich das Buch auch mit wenig Spannung gelesen habe.

Eindeutig ein sehr schwacher Roman der Autorin, eigentlich aus dem Jahr 1995, der nun seit 2009 in neuem Gewand (sprich: neuem Cover) zum Kauf angeboten wird.

Leider nur 3 von 10 Sternen für diesen handlungsarmen und leicht durchschaubaren Roman von Frau Link.

stern 3