[Rezension] „Garten der Wünsche“ von Kristina Valentin

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Kennt ihr das, wenn ein Buch einfach genau zur richtigen Zeit kommt? Wenn es so wunderbar zu eurer Stimmung passt, dass es einfach ein Herzensbuch werden muss? So ging es mir mit „Garten der Wünsche“. Vor einiger Zeit hat Mona von Tintenhain (Das klingt doch wie ein Adelstitel, oder?) das Buch auf ihrem Blog vorgestellt und mich damit total angesprochen.

„Waldbaden erdete.“ (S. 57)

Romys Leben ist total aus den Fugen geraten. So sehr wünscht sie sich ein Kind. Sie läuft von Termin zu Termin in der Kinderwunschklinik, nur noch den nächsten Zyklus und die nächste Chance im Kopf. Doch es will einfach nicht klappen. Sie ist unzureichend. Sie schafft es einfach nicht Mutter zu werden. Und dann trennt sie sich auch noch von ihrem Mann, der behauptet, auch unter der Situation zu leiden. Warum eigentlich? Schließlich ist sie doch diejenige, die am meisten mit ihrer Unzulänglichkeit zu kämpfen hat.

Wie durch ein Zufall hält sie plötzlich die Visitenkarte einer kleinen Pension in den Händen: „Klaras Pension“ in Lindenbühl. Viel mehr Informationen hat sie nicht, doch beschließt sie, sich dort eine Auszeit zu gönnen.

Lindenbühl und vor allem Klaras Pension mit dem riesigen urspünglichen Garten sind irgendwie magisch. Das weiß vor allem Klara und ihre Gäste spüren es Jahr für Jahr. Doch in diesem Jahr ist irgendetwas anders. Der alte Baum, der schon seit Ewigkeiten im Garten steht, verliert plötzlich einen Ast und die Beete werden von Brennnesseln überschwemmt. Und als dann auf dem Nebengrundstück noch ein großer gelber Bagger auftaucht, ist klar, dass Veränderungen anstehen …

„Die Natur war in der Lage, Menschen tief in ihrer Seele zu berühren. Genau darin lag ihre Heilkraft.“ (S. 74)

Es gibt Geschichten, die davon leben, dass man dem Ende entgegen fiebert, dass man wissen möchte, wie alles zusammenpasst oder wie ein Rätsel aufgelöst wird. Und es gibt Bücher wie „Der Garten der Wünsche“. Dem Leser ist schon recht früh klar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, und kann sie trotzdem genießen. Es geht nicht darum, von den Wendungen überrascht zu werden, sondern darum, die beiden starken Frauen, Romy und Klara, ein Stückchen ihres Lebens zu begleiten. Mit ihnen gemeinsam auf der Bank im Garten zu sitzen, mit ihnen in den Beeten zu graben, Erde an den Händen zu fühlen und abends mit dem wohligen Gefühl ins Bett zu gehen, wirklich etwas geschafft zu haben.

Die Blumen, die Bäume, Frau Amsel und die wilden Wiesen – hierum geht es in diesem wundervollen Buch. Und darum, bei sich anzukommen. Dinge zu akzeptieren und den Moment zu genießen. Achtsam zu sein mit sich und mit anderen. „Garten der Wünsche“ war für mich ein absolutes Wohlfühlbuch. 10 von 10 Sternen.

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Kristina Valentin ist übrigens das Pseudonym der Autorin Kristina Günak.

Garten der Wünsche – Kristina Valentin – Taschenbuch – 336 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-453-35961-1 – erschienen: Mai 2019 (Diana Verlag)

[Rezension] „Was so in mir steckt“ von Barry Jonsberg

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Wann habt ihr das letzte Mal beim Lesen so richtig herzhaft gelacht? Nicht nur ein Mal kurz, sondern über mehrere Seiten lang? Bei mir war es das letzte Mal auf den ersten Seiten von „Was so in mir steckt“.

Ich hatte das Buch schon beim Durchblättern der Verlagsvorschauen gesehen und erstmal unter „Ja, klingt interessant, aber gerade lese ich ja gar nicht mehr so viel Jugendliteratur“ abgespeichert. Dann bin ich im Buchladen nochmal über das Cover gestolpert und habe mir den Klappentext durchgelesen, den ich schon wirklich sehr sympathisch fand. Der ausschlaggebende Kaufgrund war dann das Zitat von einem meiner Lieblingsautoren, Michael Gerard Bauer: „Komisch, einzigartig, inspirierend. Höchste Zeit, dass wir einer Figur wie Rob Fitzgerald begegnen.“

Und natürlich hat Michael Gerard Bauer recht: Rob ist durch und durch liebenswert. Das liegt vor allem daran, dass er so herrlich selbstkritisch und selbstironisch und gleichzeitig bereit ist, hart an sich zu arbeiten.

Rob ist dreizehn und verliebt. In seinen Augen ist Destry Camberwick das tollste Mädchen auf der Schule. Er würde quasi alles tun, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Dass er unter Panikattacken leidet und Fremden gegenüber eigentlich kaum ein Wort herausbekommt, erschwert die Situation erheblich. Zum Glück hat Rob aber nicht nur seinen besten Freund, sondern vor allem auch noch seinen schrulligen Großvater an seiner Seite.

Barry Jonsberg ist einer der bekanntesten australischen Autoren. Er hat Psychologie und Englisch studiert und als Lehrer gearbeitet, bevor er Schriftsteller wurde. Die Nähe zu jungen Menschen und die psychologische Feinfühligkeit kann man deutlich in seinen Büchern erkennen. Schon mit „Das Blubbern von Glück“ konnte er mich total begeistern.

„Was so in mir steckt“ ist mindestens genauso toll: Lustig, traurig, herzerwärmend und überraschend. Sehr raffiniert aufgebaut und konzipiert. Ein tolles und kluges Buch! 10 von 10 Sternen!

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Was so in mir steckt – Barry Jonsberg – Hardcover mit Schutzumschlag – 352 Seiten – 18,00 € – ISBN: 978-3-570-16553-9 – erschienen: September 2019 (cbj) – Übersetzung: Ursula Höfker – Altersempfehlung: ab 13 Jahren

[Rezension] „Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne“ von Volker Mehnert (Text) und Claudia Lieb (Illustration)

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Leute! Was für ein Buch! Ich bin begeistert. Unendlich begeistert. Und ich habe ein bisschen Sorge, dass ich nicht alle, die diesen Beitrag lesen, dazu bringen kann, sich auch dieses Buch zu kaufen. Denn das ist mein erklärtes Ziel! 🙂

„Wir konnten auf dem Gipfel des Vulkans die Farbe des azurblauen Himmelsgewölbes nicht genug bewundern.“ (S. 22)

Also: „Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne“ ist ein Kindersachbuch, wie ich es mir wünsche. Es ist anschaulich, informativ und unterhaltsam.

Das Buch beginnt mit einem Inhaltsverzeichnis, gefolgt von einem Kartenausschnitt des Atlantiks und Süd- und Mittelamerika, denn hier verbrachte Alexander seine erste wirklich große Forschungsreise, der sich das Buch zu einem Großteil widmet. Immer wieder habe ich zwischendrin zurückgeblättert, um mich sowohl räumlich als auch zeitlich wieder zu orientieren. Versehen ist der Kartenausschnitt nämlich mit den einzelnen Orten, an denen sich Humboldt länger aufgehalten hat, seiner Reiseroute und den Reisedaten. Sehr übersichtlich.

„Die Fahrt auf dem Fluss ist spannender als die Reise durch die Llanos, aber auch noch gefährlicher. Die Krokodile, die am Ufer dösen oder im Fluss schwimmen, sind nicht zu zählen. Riesenschlangen schlafen auf den Bäumen oder schlängeln sich im Wasser. Jaguare schleichen durch den Dschungel.“ (S. 42)

In kurzen, spannenden Kapiteln wird über das Leben von Alexander von Humboldt berichtet: Von seiner Zeit als Jugendlicher und Student des Bergbaus, über seine große Forschungsreise nach Amerika, bis hin zu seinem Leben als angesehener und berühmter Wissenschaftler in Europa. Unterbrochen sind die Schilderungen durch wundervolle Illustrationen und kurze Exkurse zu einzelnen Sachverhalten, z.B. den Passatwinden, den Inkas oder dem Mammutbaum. Diese sind so in das Layout eingebunden, das man sie bei Interesse gut lesen, sie aber genauso gut überspringen kann. Immer wieder werden auch Zitate Humboldts eingestreut, die seine absolute Begeisterung für die Natur, die Menschen und vor allem für den großen Zusammenhang zwischen allem deutlich machen.

„Ich hatte seit meiner ersten Jugend den glühenden Wunsch nach einer Reise in entfernte und von den Europäern wenig besuchte Länder.“ (S. 11)

Immer wieder habe ich das Lesen unterbrochen, um meinem Freund zwischendurch von Humboldt zu erzählen. Einige Kapitel habe ich ihm sogar voller Begeisterung vorgelesen. Ich wollte mein Wissen, meine Freude und meinen Enthusiasmus einfach mit jemandem teilen. Sehr schnell sind übrigens auch weitere Bücher aus dem Gerstenberg Verlag auf meine Wunschliste gewandert. Ein Titel („Verborgene Schätze. Versunkene Welten“) liegt zum Glück schon griffbereit.

„Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne“ vereint für mich alles, was ich von einem Sachbuch erwarte. Ich lerne dazu, ich fühle mich unterhalten und ich werde begeistert. Was kann ein Buch mehr erreichen?

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Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne – Volker Mehnert (Text) und Claudia Lieb (Illustration) – Hardcover – 112 Seiten – 25,00 € – ISBN 978-3-8369-5999-5 – erschienen: Juni 2018 (Gerstenberg) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

[Rezension] „Blind“ von Christine Brand

Blind

Nathaniel ist zum Essen eingeladen. Um seiner Adoptivmutter eine Freude zu machen, möchte er extra für sie sein blaukariertes Hemd anziehen. Für einen Sehenden ist das kein Problem, doch Nathaniel ist blind. Also nutzt er die App „Be my eyes“, mit deren Hilfe er mit der sehenden Carole verbunden wird, die ihm bei der richtigen Auswahl hilft. Doch noch während des Videochats hört Nathaniel plötzlich auf der anderen Seite der Leitung merkwürdige Geräusche. Carole klingt auf einmal ganz hektisch. Dann ein Kreischen, ein Rumpeln, ein schleifendes Geräusch. Und dann – nichts mehr!

„Hallo?“, brüllt Nathaniel in sein Telefon. „Hallo! Hallo!“
Doch die Leitung bleibt tot. (S. 43)

Nathaniel ist sich sicher, dass er Zeuge eines Verbrechens geworden ist. Allerdings will ihm bei der Polizei niemand glauben (nicht zuletzt, weil Nathaniel auch eine eigene Vergangenheit hat). Und so macht er sich gemeinsam mit seiner Bekannten Milla, der Journalistin, selbst auf die Suche nach Carole …

„Blind“ ist laut Verlagsseite der erste Band um die toughe Journalistin Milla Nova. Darüber habe ich mich gerade beim Recherchieren wirklich gefreut, denn ich kann mir gut vorstellen, die Reihe weiterzuverfolgen. Milla ist nicht die einzige sympathische Figur in diesem Krimi. Auch Nathaniel mochte ich wirklich gerne – nicht zuletzt, weil seine Blindenhündin Alisha immer an seiner Seite ist. Das Szenario, die Charaktere: All das hat mir wirklich gut gefallen.

Die Handlung weiß ebenso zu begeistern: Die Kapitel sind kurz und laden dazu ein, immer noch ein bisschen weiterzulesen – und noch ein bisschen, und noch ein bisschen. Erzählt wird aus vielen verschiedenen Perspektiven. Es gibt einzelne Handlungsstränge, die zunächst scheinbar nicht viel miteinander zu tun haben, dann aber doch sinnvoll zusammenlaufen.

„Der Schrecken tröpfelt träge in ihren Verstand. Der Erkenntnis klopft zunächst leise an, das Klopfen wird drängender und geht in ein lautes Hämmern über, bis sie endlich begreift, dass das kein Unfall war. Dass sie nicht dem Unglück, sondern dem Bösen begegnet ist. Und dass es noch nicht vorbei ist.“ (S. 62)

Bei all der Begeisterung habe ich gerade zum Ende hin auch ein paar kleine Aspekte, die mir nicht so gut gefallen haben. Zum einen suchen zum Schluss zwei Parteien nach Carole, die sich aber leider so gar nicht austauschen. Wenn man das gesammelte Wissen vereint hätte, wäre man viel schneller vorangekommen. Natürlich soll dies die Geschichte besonders spannend machen, weil der Leser mehr weiß als die einzelnen Protagonisten, aber dies kam mir manchmal etwas künstlich vor. Künstlich ist dann auch mein zweites Stichwort, denn zum anderen waren mir einige Hindernisse gegen Ende des Buches zu überzufällig: ein vergessenes Handy hier, ein leer Akku da und schon ist alles etwas dramatischer, aber eben auf eine für mich etwas künstliche Art und Weise.

Dennoch: „Blind“ ist ein wahrer Pageturner, den ich trotz einiger Kritikpunkte wirklich gerne gelesen habe. Ich bin gespannt, wann ich wieder etwas Zeit mit Milla verbringen darf, und hoffe ein bisschen, dass ich vielleicht sogar wieder – zumindest am Rande – auf Nathaniel und Alisha (ja, die Hündin hat es mir wirklich angetan) treffe. 8 von 10 Sternen!

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Blind – Christine Brand – Klappbroschur – 448 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-7645-0645-2 – erschienen: März 2019 (Blanvalet)

[Rezension] „Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard“ von Neil Gaiman (illustriert von Chris Riddell)

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„Es war einmal ein Junge, der wurde Odd gerufen, was heutzutage merkwürdig oder ungewöhnlich bedeutet. Aber damals, zu jener Zeit, an jenem Ort, bezeichnete Odd die Spitze einer Klinge, und es war ein Name, der Glück bringen sollte. (S. 11 – Beginn des Buches)

collagemaker_20190819_163634497.jpgSo beginnt das Kinderbuch von Neil Gaiman, das ich in dieser ganz besonders schönen Ausgabe zu Hause habe. Schnell zeigt sich: Der Wikingerjunge Odd hat gar nicht so viel Glück, wie er mit seinem Namen eigentlich haben sollte. Er hat schon früh seinen Vater verloren und sich dann beim Holzhacken im Wald sein Bein so verletzt, dass er seitdem humpelt. Nun ist er das Gespött der anderen Dorfbewohner. Als dann auch noch der Winter scheinbar niemals enden will und alle Leute im Dorf nur noch streitlustiger werden, beschließt Odd in die einsame Hütte im Wald zu ziehen. Doch dort trifft er auf drei Götter in Tiergestalt: Odin, Thor und Loki. Die drei brauchen Odds Hilfe, denn ein Eisriese hat Asgard eingenommen und die schöne Freya gefangen genommen. Allerdings glauben Odin, Thor und Loki eigentlich gar nicht daran, dass ihnen ausgerechnet der lächelnde Odd helfen kann.

„Wenn es hoffnungslos ist“, sagte Odd, „warum begleitet ihr mich dann?“ (S. 55)

Der lächelnde Odd wird übrigens so genannt, weil er wirklich immer lächelt. Und das obwohl ihm bereits so viel Schlimmes widerfahren ist. Doch Odd scheint einfach nicht aufzugeben und sein Lächeln verwirrt nicht nur die Bewohner aus seinem Dorf.

„Ich bin hier, um die Eisriesen aus Asgard zu vertreiben“, erklärte Odd. Dann schenkte er dem Eisriesen ein großes, glückliches, verwirrendes Lächeln. (S. 86)

Ein wahres Highlight sind die tollen Zeichnungen von Chris Riddell, die etwa die Hälfte der Seiten füllen und sehr atmosphärisch und beeindruckend sind. Ich werde mir an dieser Stelle nicht nur Neil Geiman als Autoren, sondern vor allem auch den Illustrator merken. Mal sehen, ob ich nicht noch weitere von ihm illustrierte Bücher finde.

Mir hat die kurze Geschichte um den tapferen und so zielstrebigen Odd wirklich gut gefallen. Sie ist tatsächlich vor allem für Kinder geschrieben und in ihrem Handlungsverlauf sehr gradlinig. Trotzdem hält sie auch für uns Erwachsenen eine Moral bereit: Gib niemals auf – egal, wie schwer die Situation gerade ist. (Oder aber: Verwirr alle deine Feinde mit einem freundlichen Lächeln!)

stern 8

Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard – Neil Gaiman (Autor) und Chris Riddell (Illustrator) – Hardcover mit Stanzungen und Silber-Druck – 124 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-401-60362-9  – erschienen: September 2017 (Arena) – Übersetzung: Andreas Steinhöfel – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

[Rezension] „Suche mich nicht“ von Harlan Coben

Suche mich nicht

Da ich ja erst seit kurzem wieder Thriller lese, war mir bisher noch kein Buch von Harlan Coben über den Weg gelaufen – weder hatte ich etwas von ihm gelesen noch jemals von ihm gehört. Doch neulich in der Buchhandlung sah ich dann „Suche mich nicht“ von dem Autor. Cover und Klappentext konnten mich direkt überzeugen und das Buch kam mit mir nach Hause.

Darum geht es: In der Familie von Simon und seiner Frau Ingrid ist nichts mehr so, wie es wahr. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren sie noch eine glückliche Familie: Vater, Mutter und drei tolle Kinder. Doch ihre älteste Tochter Paige hat sich von ihnen ab- und den Drogen zugewandt. Was haben sie nicht schon alles versucht, um sie zu retten. Doch nun wird Paige vermisst – und will scheinbar von niemandem gefunden werden. Aber Simon gibt nicht auf, er dringt immer tiefer in ihre Welt ein, um seine Tochter zu retten. Ist das überhaupt noch möglich?

„Sie drehte sich immer noch nicht zu ihm um.
Dann rannte sie los.“ (S. 22)

Wie oben schon gesagt, war mir Harlan Coben bis vor kurzem noch kein Begriff – dabei scheint er in der amerikanischen Krimiszene zu den ganz Großen zu gehören und hat dort die drei wichtigsten Krimipreise erhalten. Obwohl ich bisher nur dieses eine Buch von ihm gelesen habe, kann ich das absolut nachvollziehen. Coben schreibt sehr einnehmend und verknüpft dabei auf eine fesselnde Art die persönliche Geschichte von Simon und seiner Familie mit einer Reihe von Mordfällen. Geschickt wechselt er zwischen den einzelnen Erzählperspektiven, so dass sich Seite für Seite mehr von dem Gesamtbild zeigt.

Für mich ist das Ende eines Thrillers immer das Wichtigste: Schafft es der Autor mich hiermit zu überzeugen? Werden am Ende alle losen Fäden sinnvoll verknüpft und ist die Auflösung auch nicht an den Haaren herbeigezogen? Kurz und knapp: Ja! Das Ende hat es in sich. Und wenn man denkt, man wäre nun schon am Ende angekommen, überrumpelt Coben den Leser ein weiteres Mal. Sehr gelungen!

Mir hat „Suche mich nicht“ richtig gut gefallen. Harlan Coben konnte mich mit seiner tollen Schreib- und gekonnten Erzählweise so an das Buch fesseln, dass ich förmlich an den Seiten geklebt habe. Dies wird mit Sicherheit nicht das letzte Buch des US-amerikanischen Autors sein, dass ich verschlingen werde. Volle Punktzahl und damit 10 von 10 Sternen!

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Suche mich nicht – Harlan Coben – Klappbroschur – 480 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-442-20545-5 – erschienen: Juni 2019 (Goldmann) – Übersetzung: Gunnar Kwisinski

[Rezension] „Mein Sommer mit Mucks“ von Stefanie Höfler

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Nach „Tanz der Tiefseequalle“ und „Der große schwarze Vogel“ ist „Mein Sommer mit Mucks“ nun mein drittes Buch von Stefanie Höfler. Wie auch schon bei den letzten beiden Büchern konnte mich die Autorin auch hier wieder direkt packen. Schon nach wenigen Seiten, wenigen Sätzen war ich mittendrin. Ich mag es einfach wie Frau Höfler schreibt. Ihr gelingt es unheimlich gut, interessante Charaktere zu schaffen und diese dem Leser sehr schnell näher zu bringen – so auch Zonja.

Zonja mit Z, die nicht genau weiß, warum ihre Eltern sie mit einem solchen Namen gestraft haben, verbringt ihre Zeit gerne im Schwimmbad um Leute zu beobachten. Sie ist nämlich unfassbar neugierig.

„Ich aber, ich interessiere mich für absolut alles. Ich liebe Statistiken und schwierige Wörter. Und ich sammle Fragen, auf die ich Antworten finden will. Jeden Tag. In meiner Hosentasche habe ich eigentlich immer einen kleinen Zettel mit meiner persönlichen Frageliste bei mir.“ (S. 9)

Ganz am Anfang der Sommerferien muss Zonja dann aber ihren bequemen Beobachterposten unter dem Baum im Freibad aufgeben, um einen großen, schlacksigen Jungen mit Segelohren aus dem Wasser zu retten. Und sofort wird Zonja neugierig: Heißt der Junge wirklich Mucks? Warum kann er in seinem Alter nicht schwimmen? Und warum wirkt Mucks oft so unfassbar traurig?

„‚Wie sind deine Eltern eigentlich so?‘, frage ich jetzt.
Mucks zuckt nur mit den Schultern. Er guckt dabei komisch leer an mir vorbei. Ins Irgendwo.“ (S. 25)

Als erwachsener Leser ahnt man schnell, warum Mucks oft so traurig ist. Warum er in dem einen Moment noch so herzhaft lacht, dass man einfach mitlachen muss, um im nächsten Moment wütend davonzustürmen. Auch Zonja macht sich ihre Gedanken, doch das erste Mal ist sie sich nicht sicher, ob es wirklich klug ist, all ihre Fragen sofort zu stellen.

„Mein Sommer mit Mucks“ ist ein Buch, das traurig macht und bewegt. Das Hoffnung gibt und ein warmes Gefühl vermittelt. Das mich mit seinem Ende überrascht hat. Es ist mal wieder ein Buch, das mir wirklich gut gefallen hat und das ich mir auch als Schullektüre vorstellen kann. 8 von 10 Sternen!

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„Mein Sommer mit Mucks“ war 2016 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie „Kinderbuch“ nominiert.

Mein Sommer mit Mucks – Stefanie Höfler – Taschenbuch – 140 Seiten – 5,95 € – ISBN: 978-3-407-74725-9 – erschienen: Juni 2019 (Gulliver) – Altersempfehlung: ab 11 Jahren

[Rezension] „Ein Sommer in Sommerby“ von Kirsten Boie

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Das Buch „Ein Sommer in Sommerby“ war mir schon durch sein süßes, fröhliches Cover aufgefallen – so hatte sich das Buch schon auf meine innere Wunschliste geschlichen. Als dann noch meine liebe Freundin Nanni das Buch so begeistert rezensiert und mir dann noch geschrieben hat, dass es auf jeden Fall ein totales Tine-Sommerbuch sei, musste ich es mir einfach für die Ferien kaufen. Zum Glück!

„Und das hier, in diesem Moment, ist Sommerglück.“ (S. 51)

Hauptperson des Buches ist die zwölfjährige Martha, die mit ihren beiden jüngeren Brüdern und ihren Eltern in Hamburg wohnt. Mitten in den Sommerferien muss ihr Vater überstürzt in die die USA reisen, wo Marthas Mutter einen Unfall hatte. Keiner ist da, um auf die Kinder aufzupassen und so müssen Martha und ihre Geschwister zu ihrer Oma, zu der eigentlich kein Kontakt besteht. Marthas Oma ist schrullig. Sie lebt ganz alleine in ihrem kleinen Haus im Sommerby. Fremde vertreibt sie mit ihrem Luftgewehr und Fernsehen und Internet hat sie auch nicht. So hat sich Martha ihre Ferien nicht vorgestellt. Doch gerade als Martha begonnen hat, sich ein bisschen wohlzufühlen, droht dem Paradies eine Gefahr …

„Dann gehen sie zum ersten mal durch die niedrige Tür ins Haus am schönsten Ort der Welt: Und so beginnt der wunderbarste Sommer. Nur dass die Kinder davon natürlich noch nichts wissen. Nicht, dass dies der schönste Ort der Welt ist, und erst recht nicht, dass der Sommer wunderbar werden wird.“ (S. 26-27)

Hinten auf dem Buch steht: „Kirsten Boie erzählt mit großer Nähe und Wärme von den wirklich wichtigen Dingen, die uns alle berühren.“ Dem Satz kann ich nur zustimmen und ich muss ihn einfach zitieren, denn besser kann ich es nicht ausdrücken. Die Geschichte hat bei mir beim Lesen durchgängig ein warmes Gefühl verursacht. Ganz oft habe ich meinem Herzensmann zwischendurch von den einzelnen kleinen Situationen erzählt – ganz so als würde ich Martha, ihre Geschwister und ihre Oma wirklich kennen.

Kirsten Boie gelingt es, dem Leser die Figuren, aber auch den fiktiven Ort Sommerby an der Schlei durch ihre bildhafte Schreibe so nahe zu bringen, dass man nicht anders kann, als sich dort hinzuwünschen, mit den Charakteren mitzufühlen und sie gern zu haben: Ich mochte besonders die schrullige Großmutter, der es schwer fällt ihre Gefühle zu zeigen, und Marthas jüngeren Bruder Mikkel, der so begeistert im Haushalt hilft und so stolz darauf ist, wichtige Aufgaben zu erledigen. Aber auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet. Die schönen Illustrationen am Anfang eines jedes Kapitels stammen übrigens von Verena Körting, die ich schon durch „Funklerwald“ kenne und sehr mag.

„Ein Sommer in Sommerby“ ist tatsächlich ein wundervolles Sommerbuch, das nicht nur Lust auf einen Urlaub an der Schlei, sondern auch auf die anderen Bücher von Kirsten Boie machen. Ich vergebe sehr gerne herzerwärmte 10 von 10 Sterne.

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Kirsten Boie erhielt 2007 den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Lebenswerk.

Ein Sommer in Sommerby – Kirsten Boie – Hardcover – 320 Seiten – 14,00 € – ISBN: 978-3-7891-0883-9 – erschienen: Februar 2018 (Oetinger) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren – Illustrationen: Verena Körting

 

[Rezension] „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ von Verena Reinhardt

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Kann aus einer gemeinen und hinterlistigen Entführung eine wundervolle Freundschaft entstehen?

Im Falle des ungleichen Paares von Friedrich Löwenmaul und Hieronymus Brumsel ist dies tatsächlich so. Friedrich Löwenmaul stammt aus einer Familie berühmter Hummelreiter. Leider hat er selbst so gar kein Talent. Er ist mehr damit beschäftigt, die Pokale seiner Verwandten abzustauben und leckeres Essen zu kochen. Doch dann wird er eines Tages entführt – und das von keinem geringeren als von Hieronymus Brumsel, dem berüchtigsten Spion der Königin von Südwärts. Gemeinsam sollen die beiden den Norden des Landes ausspionieren, um dadurch einen Krieg zu verhindern. Doch dann kommt alles ganz anders als erwartet und Friedrich kann zeigen, was wirklich in ihm steckt. Denn das ist viel mehr, als er selbst jemals gedacht hätte …

Die Geschichte „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ hat mich aus meiner Leseflaute geholt. Sie überzeugt vor allem durch ihre andersartigen Charaktere, denn wer hat schon jemals einen heldenhaften Fantasy-Abenteuerroman gelesen, in dem eine Hummel und ein Hummelreiter die Hauptrolle spielen? Die Idee, die hinter der Geschichte steckt, ist wirklich süß und liest sich toll. Auch die Handlung kommt nicht zu kurz: Freundschaft, Heldenmut und Intrigen – all das wird Friedrich erleben. Und plötzlich hat er das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein und gar nicht mehr der langweilige, talentlose Spross einer ansonsten so berühmten Hummelreiterfamilie.

„Friedrich nickte und spürte ein aufgeregtes Flattern in der Magengrube. Zum ersten Mal fühlte er sich zu einer Gefahr hingezogen. Überhaupt kam es ihm so vor, als würde die Haut des alten Friedrich Löwenmaul Stück für Stück von ihm abfallen, als wäre sie überflüssig geworden. Er fühlte sich viel leichter ohne sie.“ (S. 145)

Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, für welche Zielgruppe die Geschichte geschrieben wurde. Der Verlag gibt ein Alter ab 10 Jahren an. Das hätte ich ähnlich eingeschätzt, allerdings finde ich, dass das Buch für so junge Leser mit seinen 519 Seiten vielleicht etwas lang ist.

Mir hat „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ wirklich gut gefallen. Die besonderen Charaktere, die tolle Entwicklung von Friedrich und die schöne Freundschaft zwischen ihm und Brumsel machen die Geschichte zu einem wahren Lesevergnügen. 8 von 10 Sternen!

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2017 wurde das Buch für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie „Neue Talente“ nominiert.

Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul – Verena Reinhardt – Taschenbuch – 521 Seiten – 17,95 € – ISBN: 978-3-407-82097-6 – erschienen: September 2016 (Gulliver) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

[Rezension] „Die Spiegelreisende 1: Die Verlobten des Winters“ von Christelle Dabos

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Vermutlich habt ihr schon von DER neuen Fantasyreihe gehört, die teilweise sogar mit dem Harry Potter – Universum verglichen wird: Die Spiegelreisende!

Die Reihe besteht aus vier Bänden: Der erste Band ist bereits erschienen, die übrigen drei Teile werden alle vermutlich innerhalb eines Jahres erscheinen, was ich sehr angenehm finde. Es gibt ja kaum etwas Schlimmeres, als einen tollen Reihenauftakt zu lesen und dann mehrere Jahre auf die Fortsetzung warten zu müssen.

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Den erste Band, „Die Verlobten des Winters“, habe ich gestern beendet und muss sagen, dass ich die Begeisterung gut nachvollziehen kann. Vom Plot her hat die Geschichte meiner Meinung nach gar nichts mit Harry Potter gemein – das sollte man auf keinen Fall erwarten -, aber sie besticht ebenso durch erfrischend neue Ideen und eine ganz besondere Hauptfigur.

Schon vor Jahren ist die Welt in verschiedene Teile zersplittert,  in sogenannte Archen. Auf einer dieser Archen lebt Ophelia, die es genießt möglichst unscheinbar zu sein. Doch hinter ihrem etwas langweiligen Äußeren und ihrer tollpatschigen und schüchternen Art verstecken sich enorme Fähigkeiten: Ophelia kann nicht nur durch Spiegel reisen, sie ist auch eine hervorragende Leserin: Durch das Berühreren von Gegenständen kann sie ihre Geschichte lesen.

Doch dann muss Ophelia eines Tages ihr geliebtes, ruhiges Zuhause verlassen, um auf die weit entfernte Arche Pol zu ziehen, wo sie an den wortkargen und überall unbeliebten Thorn verheiratet werden soll. Dort ist nichts so, wie es scheint, und überall lauern Intrigen, Illusionen und Gefahr!

Meiner Meinung nach ist dieses Buch ein typischer Reihenauftakt: Es braucht etwas, bis das Setting und Hauptfiguren eingeführt sind. Erst dann nimmt die Handlung langsam Fahrt auf. Und dennoch mochte ich das Buch von Anfang an nur ungern zur Seite legen. Die letzten einhundert Seiten habe ich dann in einem Rutsch gelesen und bin sehr gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Noch kann ich viele Charaktere nur schwer durchschauen und bin freu mich darauf, welche Überraschungen die kommenden drei Bände noch für mich bereithalten.

Mein Fazit: Die neue Saga um die Spiegelreisende Ophelia ist zu Recht in aller Munde! Die Autorin, Christelle Dabos, hat eine faszinierende fantastische Welt erschaffen, die mich absolut begeistern konnte, vor allem weil ich viele der Ideen aus dem Buch so bisher noch nicht kenne. 8 von 10 Sternen für einen absolut gelungenen Reihenauftakt!

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Auf dieser Seite findet man übrigens in Form von wirklich beeindruckenden Zeichnungen die schönsten Fanbeiträge zur Reihe.

Die Spiegelreisende 1: Die Verlobten des Winters – Christelle Dabos – Hardcover – 535 Seiten – 18,00 € – ISBN: 978-3-458-17792-0  – erschienen: März 2019 (Insel Verlag) – Übersetzung: Amelie Thoma