[Kurzer Leseeindruck] „Schwarzer Dolch. Chroniken der Seelenfänger 1“ von Alexey Pehoy

Reiheninfo:

  1. „Schwarzer Dolch“
  2. „Dunkler Orden“
  3. – weitere Titel noch unbekannt –

Klappentext:

Ludwig van Normayenn wird geachtet und doch gefürchtet. Als Seelenfänger verfügt er über die Gabe, dunkle Seelen zu erkennen, die noch nicht bereit sind, das Reich der Sterblichen zu verlassen. Oft ist er die letzte Hoffnung der Menschen, die von den Ausgeburten des Dunkels heimgesucht werden. Auf der Jagd nach den ruhelosen Seelen zieht er von Fürstentum zu Fürstentum – doch auf seiner Reise erwarten ihn Feinde, die noch schrecklicher und gefährlicher sind, als er sich vorzustellen vermag … (Quelle)

Mein Eindruck:

„Huch, das kenn ich doch?!“, war das erste, was ich beim Lesen dachte.

Alexey Pehov hat mit „Schwarzer Dolch“ den Auftakt zu einer neuen Fantasy-Reihe geschrieben und da der Autor zu meinen absoluten Favoriten im Fantasybereich zählt, war klar, dass ich das Buch möglichst schnell lesen würde. Dass ich darin eine schon bekannte Geschichte entdecken würde – damit hatte ich nicht gerechnet.

Gelesen hatte ich das erste Kapitel bereits in der Novellensammlung „Schattendieb“. Das hätte mir direkt deutlich machen müssen, worauf ich dann tatsächlich erst nach 300 Seiten gekommen bin: „Schwarzer Dolch“ ist kein Fantasyroman im herkömmlichen Sinne, sondern mehr eine Novellensammlung. Es gibt zwar einen durchgängigen Hauptcharakter und die Handlung läuft auch chronologisch ab und die einzelnen Kapitel nehmen im weitesten Sinne auch Bezug aufeinander, aber es gibt keinen erkennbaren roten Faden bzw. ein übergeordnetes Ziel, auf das die Geschichte hinausläuft.

Grundsätzlich ist gegen eine weitere Novellensammlung von Pehov ja nichts einzuwenden, doch lese ich einfach lieber Romane und fiebere mit den Charakteren einem gewissen Ziel entgegen. Das Wichtigste ist aber: Ich möchte vor dem Kauf eines Buches wissen, ob mich ein Roman oder eine Novellensammlung erwartet. Das ist hier in meinen Augen nicht transparent genug gemacht worden. Und so habe ich leider das neueste Buch von Pehov nach 300 Seiten enttäuscht abgebrochen. Müsste ich es bewerten, würde ich 4 von 10 Sternen geben.

stern 4

Schwarzer Dolch. Chroniken der Seelenfänger 1 – Alexey Pehov – Klappbroschur – 480 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-492-70396-3 – erschienen: Mai 2016 (Piper) – Übersetzung: Christiane Pöhlmann

[Rezension] „Super unkühl, Alter!“ von Adnan Maral

Klappentext:

Mit 16 sollte das Leben so richtig cool werden, findet Memo. Da passt die Offenbarung, dass der Mann, den er sein Leben lang für seinen Vater gehalten hat, gar nicht sein leiblicher Vater ist, absolut nicht ins Drehbuch. Sein Vater ist Türke und obendrein Lehrer – uncooler geht’s ja wohl nicht! Memo will wissen, was für ein Typ sein Erzeuger so ist, und stattet dessen Schule einen Besuch ab. Er schleicht sich in den Sportunterricht seines Vaters, wo ihn der nächste Schock erwartet, denn Atilla sitzt im Rollstuhl. Und auf den Unterricht des Rollstuhl-Paukers hat die Truppe um King Kongo, die dicke Gigi und Karate-Paul mal gar keinen Bock. Von wegen cooles Leben, denkt Memo, das ist reinstes Assi-TV und alles so was von unkühl, Alter! (Quelle)

Meine Meinung:

Adnan Maral ist den meisten von uns vermutlich vor allem als Schauspieler (z.B. in Türkisch für Anfänger) bekannt. Ich fand ihn bisher immer sehr sympathisch und den Klappentext seines ersten Jugendbuches total interessant.

„Lange stand ich vorm Spiegel. Sollte ich mir irgendwie die Haare stylen? So türkenmäßig? Andere Klamotten tragen? Schwachsinn, dachte ich. Ich war ich, ob mein Vater nun Türke oder Deutscher war.“ (S. 109)

Wie muss es einem Jugendlichen gehen, wenn er nicht nur herausfindet, dass sein Vater gar nicht sein Vater ist, sondern er auch noch aus einem ganz anderen Kulturkreis kommt. Genauso ergeht es nämlich Memo in dieser Geschichte. Bei einem Streit zwischen seinen Eltern bekommt er mit, dass Erwin gar nicht sein leiblicher Vater ist. Memo fühlt sich verraten und belogen. Als seine Mutter ihm schließlich offenbart, dass sein Vater ein türkischer Skifahrer ist, möchte Memo ihn unbedingt kennenlernen.

So weit, so gut! Die Grundidee der Geschichte gefällt mir immer noch. Ich kann mir auch vorstellen, dass viele Jugendliche die Handlung gut finden. Die Frage nach der eigenen Identität ist schließlich immer brandaktuell. Aber – ja, es kommt ein großes Aber! – es hapert meiner Meinung nach sehr an der Umsetzung. Adnan Maral hat die Sprache der Jugendlichen untereinander sehr modern gehalten, sehr jugendlich – zu jugendlich! „Altah, Digger, Brudah, voll unkühl!“ So redet Memo mit seinem besten Freund Bobo und das fast ununterbrochen. Ich arbeite als Lehrerin mit Jugendlichen zusammen und behaupte: Nein, Jugendliche sprechen nicht durchgehend so. Das ist absolut übertrieben und hat mich beim Lesen ziemlich gestört.

Dazu kommen noch zwei merkwüdige Nebenfiguren Douglas & Douglas, zwei Kleinganoven, die irgendwie gar nichts zur Handlung beitragen und mich nur genervt haben, denn verglichen mit ihren Unterhaltungen führen Memo und Bobo ausschließlich Gespräche auf sprachlich allerhöchstem Niveau.
Auch die Geschichte selbst konnte mich zum Ende hin nicht mehr wirklich überzeugen. Der Schluss ist mir zu wenig differenziert und zu simpel gehalten. Schade!

Das Beste an „Super unkühl, Alter!“ ist die Grundidee der Geschichte. Die gefällt mir auch nach wie vor gut. Auch Memo ist ein nicht unsympathischer Ich-Erzähler. Der Rest konnte mich allerdings gar nicht überzeugen: Vor allem die gewollt jugendliche Sprache fand ich sehr anstrengend, so dass ich nur 4 von 10 Sternen vergeben kann.

stern 4

Super unkühl, Alter! – Adnan Maral – Klappbroschur – 256 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-570-17153-0 – erschienen: September 2015 (cbj) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Verflucht – Ära der Götter 1“ von Ben Peek

VerfluchtReiheninfo:

  1. „Verflucht“
  2. „Gefallen“ (erscheint im März 2015)
  3. – Titel bisher noch unbekannt –

Klappentext:

Fünfzehntausend Jahre nach der verheerendsten Schlacht, die die Welt je gesehen hat: Der Krieg der Götter ist vorüber, doch ihre Körper haben die Zeiten überdauert. Sie liegen verstreut über dem Antlitz der Welt in einem ewig währenden Todeskampf. Zugleich erwachen manche Menschen mit seltsamen, magischen Fähigkeiten, die der Kraft der sterbenden Götter entsprungen sind. Unter ihnen die junge Kartographin Ayae, die durch Feuer nicht verletzt werden kann. Dies macht sie zum Ziel einer grausamen Armee, die in ihr Heimatland einfällt. Gemeinsam mit dem unsterblichen Zaifyr muss Ayae erfahren, dass das Erbe der Alten gefährlicher ist, als sie alle ahnten. Und dass die Ära der Götter möglicherweise noch lange nicht vorüber ist … (Quelle)

Meine Meinung:

Fantasyneuerscheinungen aus dem Piper Verlag sind für mich grundsätzlich Must-Have’s, bisher wurde ich noch nie enttäuscht. Und auch der Auftakt zur neuen Trilogie „Ära der Götter“ von Ben Peek sah mehr als vielversprechend aus: ein tolles Cover und ein Klappentext, der neugierig machte.

Leider muss ich direkt sagen, dass das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen konnte. Fast die kompletten knapp 450 Seiten lesen sich so, als würden sie erst den Grundstein für die eigentliche Geschichte legen. Es wird unheimlich viel erklärt und es gibt viele Zeitsprünge, die dazu dienen, die Vergangenheit näher zu erläutern.

Auch während der Handlung in der Gegenwart streut der Autor immer mal wieder ein paar Rückblenden ein. Dies war wirklich sehr verwirrend, weil ich manchmal nicht direkt wusste, welcher Zeit ich die Gedanken und Beschreibungen zuordnen sollte. Es war wirklich schwer, den Überblick zu behalten.

Außerdem kam der Autor mit der Handlung nicht wirklich auf den Punkt, mir fehlte der bekannte rote Faden, das Ziel beim Lesen. Etwas mehr Gradlinigkeit hätte der Geschichte nicht geschadet. An dieser Stelle erinnerte mich das Buch ein wenig an „Das Licht hinter den Wolken“ von Plaschka.

Was ich am Klappentext besonders verlockend fand, war, dass es eine weibliche Heldin geben sollte. Das kommt in Fantasyromanen immer noch eher selten vor – so zumindest mein Eindruck.

„‚Nein‘, sagte Olcea leise. ‚Ich kann mit meinem Blut von den Kräften der Toten zehren, aber was du in die hast, ist Schöpferkraft, die Macht, die alles entstehen ließ, was wir sind, und dieser Macht kann jemand wie ich nichts anhaben.'“ (S. 149)

Ayae ist also nicht nur eine spannende, sondern auch mächtige Heldin, denn sie trägt als Verfluchte einen Teil eines Gottes in sich, und weiß in Ansätzen ebenso zu begeistern wie der unsterbliche Zaifyr oder der Hauptmann der Söldnertruppe Nacht Bueralan Le. In Ansätzen! Leider bekommen all die toll angelegten Figuren keinen Tiefgang, was vielleicht auch daran liegt, dass sich der Autor mit seinen Handlungssträngen, Innovationen und Rückblicken verzettelt.

„Verflucht“ ist kein schlechtes Buch. Trotz der Kritik habe ich es relativ zügig gelesen. Aber es ist leider absolut auch kein gutes Buch. Es braucht viel zu lange, um in die Gänge zu kommen. Ich möchte keine 400 Seiten lesen, bis ich weiß, worauf die Handlung wohl in den folgenden beiden Bänden hinauslaufen wird. Es kann gut sein, dass sich die Geschichte noch interessant entwickelt, das Potenzial hat sie auf jeden Fall. Ich werde es allerdings nur noch von anderen erfahren, denn dies ist vorerst mein letztes Buch des Autors. Ich vergebe 4 von 10 Sternen.

stern 4

Verflucht – Ära der Götter 1 – Ben Peek – Taschenbuch – 448 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-492-26971-1 – erschienen: Juli 2014 (Piper)

„Der Kater, meine Nachbarn und ich“ von Maria Ernestam

Der Kater, meine Nachbarn und ichKlappentext:

Mit dem Umzug aufs Land haben sich Sara und Björn einen Traum erfüllt. Endlich weg aus dem engen Mietshaus in der Stadt, endlich weg von den spießigen Nachbarn, die jeden ihrer Schritte beobachteten. Mit dabei: Ihre Katze Mischka, die bereits vorsichtig den märchenhaft verwilderten Garten ihres neuen Hauses in Südschweden auskundschaftet. Doch schnell legt sich ein Schatten über das anfängliche Idyll. Denn das so freundliche Ehepaar von nebenan mit dem akkurat gestutzten Rasen und dem eigensinnigen Kater, der Mischka partout nicht zu dulden scheint, entpuppt sich schon bald als ziemlich sonderlich … (Quelle: btb)

Meine Meinung:

Lange lag dieses Buch auf meinem Stapel ungelesener Bücher, weil es mich einfach nicht so wirklich interessierte. Da es aber ein sehr dünnes Büchlein ist, habe ich es mir irgendwann doch mal mit ins Bett genommen und es an einem Sonntagvormittag gemütlich in kurzer Zeit gelesen.

Doch wie schon vermutet, entsprach die Geschichte nicht so wirklich meinem Geschmack. Die Schilderung der schwedischen Landschaft, der Häuser, Gärten und des Sees ist zwar wunderschön, aber reicht eben nicht aus, um mich für ein Buch zu begeistern. Die eigentliche Handlung nämlich hat mich nicht wirklich interessiert. Es geht hier auch nur am Rande um den Nachbarskater, sondern viel mehr um das Ehepaar von nebenan.

Nachdem sich Sara und Björn anfangs gut mit ihnen verstanden haben, wird die Kommunikation immer schwieriger. Es kommt zu merkwürdigen Unterhaltungen und Eifersüchteleien. Das klingt an sich auch noch spannend und die Anlegung der Figuren ist auch nicht uninteressant gestaltet, doch auf den etwas mehr als hundert Seiten kann die Geschichte ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Der Schluss selber ist dann auch wie der Rest des Buches: nett gedacht, aber irgendwie doch nicht gelungen.

„Der Kater, meine Nachbarn und ich“ ist ein kleines Büchlein über zwei zunächst befreundete Nachbarschaftspaare in Schweden. Grundsätzlich sind Figuren und Handlung nicht uninteressant, die Geschichte wirkt aber irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht. Mich hat das Geschriebene nicht berührt, gefesselt oder mitgenommen. Ich konnte das Buch gemütlich in etwas mehr als einer Stunde lesen und habe mich auch nicht gelangweilt, aber unterhalten gefühlt habe ich mich auch nicht. Und so vergebe ich 4 von 10 Sternen.

stern 4

Der Kater, meine Nachbarn und ich – Maria Ernestam – Hardcover mit SU – 128 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-442-75385-7 – erschienen: Oktober 2012 (btb)

[Rezension] „Die überaus talentierte Miss Hempel“ von Sarah Shun-Lien Bynum

U1sen_netto_fj_2012_128x209.inddKlappentext:

Ihre Schüler lieben sie über alles. Nicht, weil sie Sexualkunde so plastisch unterrichtet. Sondern, weil Betarice Hempel die erste Lehrerin ist, die sie als eigenständige Menschen begreift. Miss Hempel weiß, wie es ist, jung zu sein, aber vor allem, was es bedeutet, es immer weniger zu sein. Deshalb rät sie ihren Schülern, die Sterne vom Himmel zu pflücken. Denn nur in der Jugend kann man alles sein: Astronom, Bühnenstar oder Athlet. Und danach? Miss Hempel wird auch geliebt, weil sie ihren Schülern ins Erwachsensein hilft, in dieses undefinierbare Dasein, das verführerisch von Ferne leuchtet. Sie macht ihnen Mut, das Jungsein in sich zu bewahren und auch dann noch die Butthole Surfers zu hören, wenn sie schon lange nicht mehr angesagt sind.

Meine Meinung:

Als ich den Klappentext zu diesem Buch gelesen habe, war ich mir sicher, dass dies ein Buch exakt für mich ist. Ich bin selber Lehrerin und hoffe, meinen Schülern ein bisschen davon mit auf den Weg zu geben, was auch Miss Hempel in ihren Schülern sieht.

Nachdem ich den etwas holprigen und abrupten Anfang in die Geschichte überwunden habe, kam ein Abschnitt des Buches, den ich wirklich sehr genossen habe. Ich mag den Umgang von Miss Hempel mit den Jugendlichen, ich mag, welche Gedanken sie sich macht und wie begeisterungsfähig sie ist.

Ihre Behandlung und Beschreibung des Romans „This Boy’s Life“ hat mich eben diesen auf meine Wunschliste setzen lassen.

Zitate wie diese hier habe ich geliebt:

„[Ms Hempel erklärt:] ‚Jeder tut als Kind interessante Dinge.‘

‚Und schlechte Dinge – wie Toby“‚

‚Und schlechte Dinge. Wie wir alle – auch wenn es nicht alle zugeben.‘

Die Kinder warteten kurz, als müssten sie der Höflichkeit halber so tun, als verdauten sie die Information erst.

‚Haben Sie schlechte Dinge getan, Ms Hempel?‘

Das hätte sie kommen sehen müssen.

‚Nun. Denkt logisch. <Alle> schließt mich mit ein, oder nicht?‘

Gierig beugten sich die Kinder vor: ‚Welche schlechten Dinge denn?‘ Die Hinterbeine ihrer Stühle hoben sich.“ (S. 50)

Doch Miss Hempel unterstützt nicht nur die Jugendlichen im Erwachsenwerden, sondern muss sich auch selber noch damit auseinander setzen. Und genauso wie Miss Hempel schwebt auch die Handlung – wenn man denn überhaupt von einer solchen sprechen kann – in der Luft: Es war mir oft unklar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln sollte und würde. Die unterschiedlichsten Themen wurden angesprochen und dies zumindest für mein Dafürhalten zu zusammenhangslos. Einige Themen haben mich kaum bis gar nicht interessiert.

Vielleicht habe ich das Buch auch nicht in seiner vollen Komplexität verstanden, denn es ist doch mehr „höhere Literatur“ als ich sonst lese.

Im Großen und Ganzen stehe ich dem Buch nach dem Lesen sehr zwiegespalten gegenüber: In den Passagen, in denen es um die Lehrerin Miss Hempel und ihr Verhältnis zu ihren Schülern ging, habe ich das Buch förmlich in mich aufgesogen, musste schmunzeln und habe einmal fast meine Haltestelle in der Bahn verpasst. Der Rest des Buches konnte mich allerdings so gar nicht begeistern und hat mich streckenweise sogar gelangweilt. Und so vergebe ich 4 von 10 Sternen.

stern 4

Die überaus talentierte Miss Hempel – Sarah Shun-lien Bynum – Hardcover mit SU – 233 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3100096395 – erschienen: März 2012 (Fischer)

[Rezension] „Die Poison Diaries. Liebe ist unheilbar“ von Maryrose Wood

8414_Wood_Poison_Diaries_P03.pdfInhalt:

Um 1880: Jessamine lebt alleine mit ihrem Vater, einem passionierten Kräutergärtner und Heiler, in einer alten Kapelle. Während ihr Vater Patienten besucht oder Studien zu der Wirksamkeit verschiedener Pflanzen durchführt, besteht Jessamines Aufgabe darin, sich um den Garten und die jungen Sprösslinge zu führen. Doch ein Teil des Gartens ist für sie Tabu: der geheime Garten wird durch ein schweres Tor verschlossen und nur ihr Vater hat Zutritt zu den Pflanzen, die dort wachsen.

Insgesamt ist Jessamines Leben ziemlich einsam, oft redet sie mit den Pflanzen, um überhaupt ihre Stimme zu benutzen. Doch dies soll sich eines Tages ändern, als Weed – ein verstörter, verkümmerter Junge in Jassamines Alter – in ihr Leben tritt. Weed scheint Dinge über Heilpflanzen zu wissen, die selbst Jessamines Vater neu sind. Woher hat er dieses Wissen und warum sträubt er sich so, dem geheimen und verbotenen Garten näher zu kommen?

Jessamine hat ein anderes Interesse an Weed als ihr Vater. Sie ist gleich von Anfang an von seinen wunderschönen grünen Augen fasziniert…

Meine Meinung:

Dieses Buch zu bewerten, fällt mir absolut nicht leicht. Vor allem nicht, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten und dadurch eventuelle zukünftige Leser zu spoilern.

Auf der einen Seite lässt sich die Geschichte gut, schnell und flüssig lesen. Abgesehen von der Tatsache, dass mir zu viele blumige- und naturbezogene Adjektive den Text beherrschen, hat die Autorin einen angenehmen Schreibstil, der dazu verführt, das Buch gemütlich draußen in der Sonne zu lesen.

Doch nutzt die Autorin leider wirklich ständig Vergleiche, die sich auf landschaftliche oder pflanzliche Dinge beziehen.

„Seine grünen Augen sind so trübe wie ein schlammiger Teich.“ (S. 90)

„Meine Gedanken sind so verheddert und dornig wie eine Brombeerhecke, …“ (S. 106)

Würden solche Bilder nur ab und an auftauchen, hätte ich sie als schöne Untermalung der eigentlichen Handlung und als gelungene Veranschaulichung ansehen können. So allerdings wirkten sie für mich wie mindestens ein Mal zu oft an den Haaren herbeigezogen.

Doch weiter mit den positiven Aspekten: Die Idee, die hinter diesem Buch steht, ist mir absolut neu. Eine Geschichte, die Pflanzen, ihre Heilwirkung und die Natur an sich in den Vordergrund ihrer Handlung stellt, habe ich bisher noch nicht gelesen. Prinzipiell finde ich den Gedanken interessant. Doch leider muss ich auch hier direkt mit einer Kritik anschließen: Für meinen Geschmack uferte die Idee zum Ende hin zu sehr aus. Mir wurde alles etwas zu abstrus, zu fantastisch (im Sinne des Fantasie-Genres) und zu abgehoben. Weitere Erklärungen kann ich leider an dieser Stelle nicht geben, da sie zu viel vom Inhalt verraten würden.

Ein Buch mit einer neuartigen Idee und einer gut lesbaren Schreibe, das mir allerdings einfach inhaltlich nicht gefallen hat, da es ab einem bestimmten Zeitpunkt für meinen Geschmack zu skurril wurde. Ich bin auf andere Meinungen gespannt, kann aber selber nur 4 von 10 Sternen geben.

stern 4

Die Poison Diaries 1: Liebe ist unheilbar – Maryrose Wood – Hardcover mit Schutzumschlag – 272 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3841421241 – erschienen: Juni 2011 (Fischer)

[Rezension] „Blutsbrüder“ von Michael Wildenhain

BlutsbrüderInhalt:

Darius und sein bester Freund Hakan sind eigentlich in einer Gruppe, die Aktionen gegen Neonazis planen und durchführen. Doch dann beschließt Hakan, selber türkischer Herkunft, dass er gegen die anderen Türken in seinem Viertel vorgehen will, weil diese seiner Meinung nach viel mehr Ärger machen, als die Deutschen.

Dieser Gedanke ist für die Antifa-Gruppe absolut neu und führt zu einigen Diskussionen. Die Freundschaft von Darius und Hakan steht vor einer Belastungsprobe.

Meine Meinung:

Als ich dieses Buch bei meinen Neuzugängen vorgestellt habe, habe ich folgendes dazu geschrieben:

„An dieses Buch habe ich sehr hohe Erwartung: Und zwar erwarte, bzw. erhoffe ich mir, dass es dem Autor gelingt, ein Buch zu schaffen, dass keinerlei Vorurteile hinsichtlich Deutschen und Ausländer bedient. In dem Buch geht es ja, wie der Klappentext sagt, um zwei Freunde, die eigentlich gegen Nazis kämpfen, dann aber erkennen, dass die Ausländer in ihrem Viertel mehr Ärger machen. Ich hoffe sehr, dass der Autor eine Verallgemeinerung in jegliche Richtung vermeidet.“

Ich muss gestehen, dass ich für das Thema Vorurteile, Stereotype, Rassismus und fremde Kulturen sehr sensibel bin. Deswegen bin ich sicherlich kein leicht zufrieden zu stellender Leser. So viel nur vorneweg.

Meiner Meinung ist es dem Autor nicht gelungen, dieses so sensible Thema richtig umzusetzen. Wie ich schon vorher schrieb, hatte ich mir gewünscht, dass nicht gängige Stereotype erfüllt werden, sondern im Gegenteil der Mensch an sich unabhängig seiner Kultur- und Nationalitätszugehörigkeit in den Blickpunkt genommen wird.

„Springerstiefel, Turnschuhe. Manche von ihnen mit Motorradmaske. Einzelne mit Schlagring, Messer, kurzem Schlagstock. Grinsen, fehlende Vorderzähne.“ (S. 15)

„Der dicke Türke, der sein Gesicht noch dichter an Darius’ Gesicht heranschiebt, riecht nach süßem, pinkfarbenem Kaugummi. ‚Isch weiß, wo dein Haus wohnt, fick disch.’“ (S. 61)

Beim Lesen entstand für mich der Eindruck, dass beinahe alle Nazis keine Vorderzähne haben, fast alle Türken zu dick sind, nicht richtig Deutsch sprechen können und grundsätzlich so ziemlich jeder Türke Frauen von oben herab behandelt.

Natürlich gibt es auch immer ein paar Ausnahmen, die vermutlich zeigen sollen, dass der Autor doch nicht in Stereotypen denkt, doch waren mir diese Ausnahmen viel zu selten und wurden auch als genau das hingestellt, als Ausnahmen von der Regel.

Aus diesem Thema hätte man sehr viel machen können. Es hätte eine Moral geben können, die darauf hinausläuft, dass man Menschen danach beurteilen sollte, was sie tun, und nicht danach, welcher Herkunft sie sind. Leider nicht gelungen. Da die Geschichte trotzdem nicht unspannend geschrieben ist, kann ich gerade noch 4 von 10 Sternen geben.

stern 4

Blutsbrüder – Michael Wildenhain – Hardcover mit Schutzumschlag – 256 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3473352197 – erschienen: Januar 2011 (Ravensburger)

[Rezension] „Der geheime Basar“ von Ron Leshem

Der geheime BasarInhalt:

Der junge Kami, aufgewachsen in einem Dorf im Iran, strebt danach in Teheran das wahre Leben kennenzulernen. Er und sein bester Freund wollen als bald möglich in die große Stadt ziehen und dort all das erleben, was es im Dorf nicht zu erleben gibt. Denn sie nennen sich selbst Erfahrungssammler.

Doch kurz vor der Abreise beschließt Amir, der Freund von Kami, doch nicht mitzureisen, so dass Kami allein bei seiner etwas exzentrischen Tante Zahra leben muss, die nach einem gesetzlichen Umbruch im Iran nicht mehr als der Star, der sie mal war, auftreten darf. Während seines Studiums lernt Kami die berühmte Rennfahrerin Nilufar kennen und mit ihr all die Laster, die das Leben bereit hält: Drogen, Liebe, Sex, revolutionäre Gedanken.

Meine Meinung:

Wenn ich Rezensionen zu einem Buch lese, interessieren mich in erster Linie die Fragen: Ist dieses Buch lesenswert? Sollte ich dieses Buch lesen? Ist das Buch ein gutes Buch?

Doch was macht ein gutes Buch aus und treffen die Kriterien auf „Der geheime Basar“ zu?

Wenn sich ein gutes Buch dadurch auszeichnet, dass es ein wahrer Pageturner ist und man als Leser nicht anders kann, als dieses Buch in wenigen Stunden zu verschlingen, dann muss ich sagen: „Nein, „Der geheime Basar“ ist kein gutes Buch.

Das Buch liest sich nicht leicht. Ist so voll von Informationen, Bildern und Worten, dass ich immer nur wenige Seiten pro Tag lesen konnte, außerdem passieren alle Dinge scheinbar nur beiläufig. Es gibt keinen wirklichen Sapnnungsbogen.

Wenn ein gutes Buch allerdings dadurch gekennzeichnet ist, dass es durch seine Charaktere lebt, dann, ja, dann ist dieses Buch schon eher lesenswert. So viele verschiedene Personen, die jeder für sich genommen, tolle Eigenschaften haben und den Leser auf seine Reise nach Teheran begleiten. In ihren Charakterzügen genauso unterschiedlich wie die Menschen in jedem Land nun mal sind. Und genau diese Variation an Meinungen, Erfahrungen und Geschichten können dem Leser die Mannigfaltigkeit des Landes, der Kultur und der Religion überzeugend vermitteln. Allen voran natürlich der Ich-Erzähler, der durch sein Bemühen über alles nachzudenken und alles verstehen zu wollen, einige Denkanstöße gibt. Allerdings sind mir die Personen zu deutlich verschiedenen Menschentypen und ihren Eigenschaften zuzuordnen.

Und wenn sich nun zu guter letzt ein gutes Buch dadurch auszeichnet, dass es den Leser beim Lesen stocken lässt, zum Nachdenken und Philosophieren anregt, dann ist „Der geheime Basar“ sicherlich ganz weit vorne zu nennen. Interessanterweise berichtet dieses Buch einerseits ganz einfach und simpel vom Leben. Vom Leben in Teheran. Vom Leben in einer muslimischen Stadt. Dann wiederum ist dieses Buch viel mehr als eine bloße Wiedergabe von Geschehnissen. Es wirft Fragen auf, zeigt unterschiedliche Standpunkte und beschäftigt sich in einer absoluten Aktualität mit der Frage nach islamischen Glaubensausprägungen. Was mir hierbei wirklich am allerbesten gefiel ist die Tatsache, dass Ron Leshem deutlich macht: Es gibt nicht DEN Islam. Genau wie in anderen Religionen variiert die Art und Intensität des Glaubens, die Nähe zu den religiösen Geboten und die Offenheit gegenüber anderen Menschen.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich mit dem Lesen dieses Buches schwer getan habe. Ich hatte eine Geschichte und einen Schreibstil erwartet, der in die Richtung von „Das Gleichgewicht der Welt“ von Rohinton Mistry geht. Vorgefunden habe ich ein schwer lesbares Buch, das mich wenig unterhalten hat. Aber ich denke, dass es dem Autor beim Schreiben auch nicht um Unterhaltung an sich ging. Ich vermute, es ging Ron Leshem darum, eine gewisse Stimmung im Iran aufzufangen und darzustellen, die deutlich macht, wie unterschiedlich die Meinungen der Menschen zur Verwestlichung, zum Koran und zum islamischen Glauben an sich sind.

Ich persönlich kann dem Buch nur 4 von 10 Sternen geben, spreche aber dennoch eine Leseempfehlung für diejenigen aus, die ein Buch (vielleicht aus Zweitbuch) über mehrere Wochen hinweg lesen, dabei in eine andere Welt abtauchen und zum Philosophieren angeregt werden wollen.

stern 4

Der geheime Basar – Ron Leshem – Hardcover mit Schutzumschlag – 448 Seiten – 22, 95 € – ISBN-13: 978-3871346934 – erschienen: März 2011 (Rowohlt)

[Rezension] „Der Sohn des Teufels“ von Jonathan Nasaw

Der Sohn des TeufelsReiheninfo:

  1. „Die Geduld der Spinne“
  2. „Angstspiel“
  3. „Seelenesser“
  4. „Der Kuss der Schlange“
  5. „Der Sohn des Teufels“

Inhalt:

Dies ist das fünfte Buch von Nasaw, in dem der etwas extravagante Ermittler Pender die Hauptrolle spielt. Es lässt sich meiner Meinung nach aber auch gut unabhängig von den anderen Büchern lesen.

Vor zehn Jahren sorgte Pender dafür, dass Luke Sweet, Sohn eines grausamen Mörders, festgenommen und schließlich in eine Psychiatrie überwiesen wird. Luke wiederum hat nur ein Ziel. Er will mit all den Menschen abrechnen, die ihm seiner Meinung nach Unrecht getan haben. Ganz oben auf Lukes Liste steht natürlich Ed Pender.

Meine Meinung:

Puh, ein sehr merkwürdiges Buch, das einiges offen lässt. Es hat nicht nur ein offenes Ende, sondern birgt auch in sich einige Unklarheiten, bzw. Dinge, die vom Autor bewusst zweideutig gehalten wurden. Das ist der Teil an dem Buch, der mir gut gefiel. Außerdem bekommt der Leser Einblicke in mehr oder weniger kranke Persönlichkeiten. Auch das ist nach meinem Geschmack… 🙂

Insgesamt ist mir das Buch allerdings zu handlungsarm und zu ziellos. Beinahe hätte ich in der Mitte aufgehört zu lesen. Dass ich das nicht getan habe, kann man sicherlich den angenehm kurzen Kapiteln zuschreiben, die mich doch immer noch ein bisschen weiter gelockt haben.

Wenn ich dieses Buch zum Beispiel „Der Kuss der Schlange“ vergleiche, bin ich absolut enttäuscht. Schade eigentlich, denn das Nasaw die Fähigkeit zu einer besseren Story hat, konnte ich vorher schon erleben.

Ich gebe diesem Buch gut gemeinte 4 von 10 Sternen.

stern 4

[Rezension] „Die schöne Diva von Saint-Jacques“ von Fred Vargas

Die schöne Diva von Saint JacquesInhalt:

Da sie alle im Moment knapp bei Kasse sind, ziehen drei junge Historiker und ein ehemaliger Polizist gemeinsam in ein altes Haus in Paris. Die drei Historiker sind Experten für jeweils verschiedene Epochen und genau das bietet viele Diskussions- und Reibungspunkte.
Doch dann verschwindet die ehemalige Opernsägerin – die schöne Diva -, die im Haus nebenan gewohnt hat. Dies bringt die Hausgemeinschaft dazu, zu ermitteln. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem merkwürdigen Baum, der plötzlich über Nacht im Garten der Opernsängerin stand, und dem Verschwinden der Diva?

Meine Meinung:

In diesem Kriminalroman geht es erst in zweiter Stelle um die Aufklärung des Falls, obwohl doch viele unerwartete Wendungen den Leser zum Selber-Rätseln motivieren. An erster Stelle stehen die Charaktere, die allesamt überzeugend gezeichnet sind. Es geht um die einzelnen Gefühle und Gedanken und um die Konflikte innerhalb der Gruppe. Die Autorin nutzt für die Darstellung des Innenlebens der Figuren häufig eine Sprache, die dem Gedankenstrom sehr nahe kommt. Die Sätze sind oft kurz, wirken sogar abgehakt.
Dies trifft einfach nicht meinen Geschmack, was allerdings wohl wirklich an mir liegt. Ich denke, dass sowohl die genauen Personenbeschreibungen, als auch die besondere Sprache, die einem das Gefühl von Mittendrin gibt, bei anderen Lesern durchaus Gefallen findet.

Von mir gibt es allerdings nur 4 von 10 Sternen!

stern 4