[Rezension] „Blut aus Silber“ von Alex Marshall

Klappentext:

Sie gewann jede Schlacht. Sie war die bedeutendste Kriegerin ihrer Zeit – doch seitdem sind zwanzig Jahre vergangen, und Zosia will alles andere als wieder zu kämpfen. Als sie erneut zur Waffe greifen muss, um die Schatten der Vergangenheit zu besiegen, beginnt ein Kampf gegen dunkle Intrigen, falsche Verbündete und grausame Armeen, der die Welt erschüttern wird. Denn ihre Freunde werden zu Feinden, und die Vergangenheit ruht nie … (Quelle)

Meine Meinung:

Die Rezensionen und Kurzmeinungen, die ich bisher zu dem Auftaktband dieser neuen Fantasyreihe gelesen habe, sind meist sehr negativ und in seltenen Fällen sehr positiv. Um es schon direkt vorweg zu nehmen: Ich kann mich diesem klaren schwarz-weiß Trend nicht anschließen.

Über den Autor von „Blut aus Silber“ wurde bereits viel gerätselt: Alex Marshall ist das Pseudonym eines bekannten Schriftstellers, allerdings ist dies sein erster Fantasyroman. Und mit diesem Fantasydebüt hat er meiner Meinung nach in mancherlei Hinsicht Großartiges geleistet. Die Welt, die er erschaffen hat, die verschiedenen Völker, Stämme und Wesen heben sich auf angenehme Weise von dem ab, was man sonst in diesem Genre geboten bekommt. Insbesondere die Idee der Teufel, die vereinzelt gebunden werden können und ihre Träger dann – mehr oder weniger gerne – beschützen, hat mir gut gefallen.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist Zosia, die vor mehr als zwanzig Jahren einmal eine der bekanntesten Kämpferinnen war. Im Glaube daran, Gutes zu tun, kämpfte sie gegen die damalige Regierung und stürzte die Königin. Doch nun ist Zosia tot. Das glauben zumindest ihre Feinde, Unterstützer, Gegner und Anhänger. Doch urplötzlich taucht sie, von Rache getrieben, wieder auf der Bildfläche auf. Wem kann sie noch vertrauen? Wer verfolgt welche eigenen Ziele?

Die sehr komplexe Handlung wird aus den unterschiedlichsten Perspektiven erzählt, die erst ziemlich spät im Buch zusammenlaufen. Diese Art, die Geschichte zu erzählen, hat auf der einen Seite dafür gesorgt, dass es einige unerwartete Wendungen und spannende Aufeinandertreffen gab. Auf der anderen Seite konnte ich mich nicht mit allen Perspektivträgern gleichermaßen anfreunden und habe ganze Kapitel einfach sehr viel weniger gern gelesen als andere.

Das Buch ist mit knapp 900 Seiten ziemlich dick. Und trotzdem habe ich noch länger als erwartet an „Blut aus Silber“ gelesen. Obwohl ich die Geschichte an sich mochte, war ich wirklich erleichtert, als ich es (endlich) zuklappen konnte. Ein deutlicher Kritikpunkt von meiner Seite ist die Tatsache, dass am Ende zwar die einzelnen Perspektiven zusammenlaufen und es zu einem großen Showdown kommt, insgesamt aber zu wenig aufgelöst wird. Ich habe das Gefühl, dass Alex Marshall jetzt nach dem ersten Band so weit ist, dass er alle Figuren eingeführt und geschickt positioniert hat. Ich hätte mir aber gewünscht, etwas mehr das Gefühl einer teilweise abgeschlossenen Handlung zu bekommen.

„Blut aus Silber“ konnte mich durch eine originelle Handlung, interessante und vielschichtige Charaktere und einer angenehm derben Sprache überzeugen. Allerdings fand ich das Lesen aufgrund der vielen verschiedenen Erzählperspektiven etwas anstrengend und hatte mir vom Ende etwas mehr erwartet. Insgesamt gibt es gute 5 von 10 Sternen für diesen Auftaktband.

stern 5

Blut aus Silber – Alex Marshall – Klappbroschur – 864 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-492-70361-1 – erschienen: Oktober 2015 (Piper) – Übersetzung: Andreas Decker

[Rezension] „Battlemage: Tage des Krieges“ von Stephen Aryan

Klappentext:

Das Reich steht am Rande der Vernichtung. Nur eine Handvoll Krieger versucht, es vor einer Bedrohung aus Wahnsinn und Machtgier zu schützen. Auch der Kriegsmagier Balfruss und seine Verbündeten rüsten zum Kampf. Doch gegen den übermächtigen Feind steht ihnen nichts als ein Heer zur Seite, das nur als Speerfutter dient. Der Feind versucht, im Auftrag des irren Königs Taikon die Welt zu unterwerfen – eine epische Schlacht um das Herz des Reiches beginnt …

Meine Meinung:

Nicht genug, dass ein wahnsinner König auf dem Thron sitzt und alle töten lässt, die nicht mit ihm zusammenarbeiten wollen, nein: Dazu kommt auch noch, dass König Taikon einen gefährlichen Magier für sich kämpfen lässt, der Spaß am Töten und keinerlei Moral hat. Die einzigen, die sich diesem übermächtigen und skrupellosen Magier in den Weg stellen können, sind die wenigen verbliebenen Kriegsmagier – allen voran Balfruss.

„Es war ein Krieg – und zwar gegen ein Heer von einer Größe, wie es das nie zuvor gegeben hatte. Es wurde von einem Wahninnigen König, einem abtrünnigen Kriegsmagier und dessen Schülern angeführt. Balfruss war in seine Heimat Seveldrom zurückgekehrt, weil sein König um Hilfe gebeten hatte, aber jetzt gab es viele Gründe zu kämpfen, und sie alle standen hier in diesem Raum mit ihm versammelt. Sie waren seine einzige Familie, und er würde alles tun, um sie zu beschützen.“ (S. 40)

„Battlemage: Tage des Krieges“ stellt den ersten Band einer neuen Fantasytrilogie dar. Wie es in einem ersten Band so üblich ist, muss zunächst das Setting geklärt, die Charaktere vorgestellt und in die Handlung eingeführt werden. Die Grundidee, nämlich dass es nur noch eine kleine Gruppe Kriegsmagier gibt, die sich dem Kampf gegen das Böse stellen, hat mir sofort gut gefallen. Balfruss ist kein perfekter Protagonist, sondern hat seine Schwächen und Geheimnisse, was ihn sympathisch und interessant macht. Auch über einige der anderen Kriegsmagier hätte ich gerne mehr erfahren, da Stephen Aryan sie grundsätzlich sehr vielfältig konzipiert hat. Leider geht er hier nicht in die Tiefe, obwohl das Buch durch seine hohe Seitenzahl durchaus Potenzial dazu hätte.

Insgesamt ist die Geschichte leider etwas langatmig. Alles, was passiert, könnte den wirklich spannenden Höhepunkt eines Fantasybuchs darstellen, die letzten Kapitel einer mitreißendes Geschichte, aber meiner Meinung nach reicht die Handlung nicht aus, um ein komplettes Buch zu füllen.

Dazu kommt noch, dass der Leser, was einige Charaktere und Handlungsstränge angeht, sehr im Ungewissen gelassen wird. So spielt auch der sehr erfahrene Soldat Vargus eine große Rolle, ist sogar Perspektivträger. Doch was oder wer er tatsächlich ist, bleibt bis zum Ende des Buches unklar. Außerdem taucht urplötzlich ein vampirähnliches Wesen auf und auch die Götter haben ein kleines Stelldichein. Diese Handlungsstränge werden aber nur begonnen und nicht annäherend weitergeführt, geschweige denn zu Ende gebracht. Vielleicht soll dies die Neugier auf den nächsten Band wecken? Mich hat es nur etwas unbefriedigt zurückgelassen.

Mit „Battlemage: Tage des Krieges“ und seiner Idee der Kriegsmagier hat Stephen Aryan einen Trilogieauftakt geschrieben, der mich grundsätzlich neugierig gemacht und stellenweise auch gut unterhalten hat. Und obwohl sich die Geschichte etwas in die Länge zieht und die Handlung die Seiten nicht ausreichend füllen kann, habe ich das widersprüchliche Gefühl, dass der Autor zu viel wollte. Für meinen Geschmack hätten die Kriegsmagier und die verschiedenen Völker seiner erdachten Welt gereicht. Götter und blutsaugende Wesen wären nicht nötig gewesen; vor allem nicht, wenn sie – zumindest bis jetzt – noch nichts zur eigentlichen Handlung beitragen. Von mir gibt es insgesamt gute 5 von 10 Sternen!

stern 5

Battlemage: Tage des Krieges – Stephen Aryan – Taschenbuch – 528 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-492-28019-8 – erschienen: September 2015 (Piper) – Übersetzung: Andreas Decker

[Rezension] „Das Eherne Buch“ von Christian von Aster

Klappentext:

Aus den Händen seines Vaters empfängt Jaarn, der letzte Nachkomme des Hauses von Stahl, ein sagenumwobenes Schwert, mit dessen Hilfe er dem Reich Frieden bringen soll. Es trägt den Namen »Das Eherne Buch« und ist aus Geschichten geschmiedet. Fürsten und Räuber trachten nach dem Legendeneisen und bald heften sich die gefürchtetsten Meuchelmörder des Reiches an seine Fersen. Seiner Jugend und Unerfahrenheit zum Trotz liegt das Schicksal des Reiches allein in Jaarns Händen. Zwischen Gaunern und Gelehrten ist es ihm bestimmt, zum Helden zu werden. (Quelle)

Meine Meinung:

Als Jaarn, ein junger Bibliothekar, eines Nachts aufgeweckt wird, ahnt er noch nicht, dass sich sein Leben von Grund auf verändern wird: Er selbst soll der letzte Erbe des Hauses von Stahl sein, der Sohn des Fürsten. Und nur ihm kann es gelingen, mit Hilfe des Ehernen Buches der Welt Frieden zu bringen.

„Du wirst vorsichtig sein müssen, Freund und Feind werden schwer zu unterscheiden sein. Doch wenn es dir gelingt zu finden, was verlorenging, und das Eherne Buch dem Kriegsbringer zu Füßen zu legen, dann wird jener Gott zu dem Wort stehen, das er einst gab.“ (S. 28)

Das Eherne Buch: ein Schwert, ein Legendeneisen. Die Legende besagt, dass das Eherne Buch aus den verschiedenen Geschichten des Reiches geschmiedet wurde und der Welt Frieden bringen kann, wenn es dem Kriegsbringer zu Füßen gelegt wird. Bevor dies allerdings möglich ist, müssen zunächst die verloren gegangenen Geschichten gefunden werden.

Bevor Jaarn diese Neuigkeiten so richtig verdauen kann, wird er allerdings schon mitten in der Nacht entführt. Der Mann, der ihn mitnimmt, ist voller Narben, trägt keinen oder ganz viele Namen und behauptet Jaarns einziger Freund zu sein. Da Jaarn nichts anderes übrig bleibt, muss er dem Narbigen zunächst vertrauen. Ob das ein Fehler ist?

Ein Schwert, geschmiedet aus den Geschichten des Reiches: Die Idee, dass Wörter und Legenden den Frieden bringen können, gefällt mir gut. Die Umsetzung allerdings weniger. Christian von Aster entwirft zwar einige interessante Charaktere und Konflikte innerhalb der Geschichte, doch ist es ihm nicht gelungen, wirkliche Spannung aufzubauen. Der Verlauf der Geschichte interessierte mich zu wenig. Das einzige, was mich fesseln konnte, war das Geheimnis des Narbigen. Was oder wer steckt hinter diesem mysteriösen Mann? Um das zu erfahren, habe ich immer weiter gelesen.

„Das Eherne Buch ist kein schlechtes Buch. Allerdings konnte mich der Autor trotz spannender Nebencharaktere und einigem an Potenzial innerhalb der Handlung einfach nicht fesseln. Leider kann ich mich schon jetzt, wenige Wochen nach dem Lesen, nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern. Man kann die Geschichte gut lesen – muss es aber nicht! Gute 5 von 10 Sternen!

stern 5

Das Eherne Buch – Christian von Aster – Klappbroschur – 347 Seiten – 17,95 € – ISBN: 978-3-608-93934-7 – erschienen: August 2015 (Klett-Cotta)

[Rezension] „Die Musik der Stille“ von Patrick Rothfuss

Klappentext:

Die Universität von Imre ist weithin bekannt für ihre Gelehrsamkeit. Die besten Köpfe zieht sie an, die Rätsel der Wissenschaft, des Handwerks und der Alchemie zu entschlüsseln. Aber tief unter dem lebendigen Treiben in ihren Hallen erstreckt sich ein Netz verlassener Räume und alter Gänge. Im Herzen dieses höhlenartigen Labyrinths lebt das Mädchen Auri. Das »Unterding« ist ihr Zuhause.

Die kalte, trügerische Rationalität der Menschen, die über ihr leben, hat sie hinter sich gelassen und sie dringt tief in das Geheimnis der Dinge ein. Eine Geschichte voll betörender Bilder und magischer Spuren, wie sie nur Patrick Rothfuss erzählen kann. (Quelle)

Meine Meinung:

Lange haben viele Fantasy-Fans auf Neues aus der Feder von Patrick Rothfuss gewartet. „Die Musik der Stille“ ist aber nicht der lang ersehnte dritte Band der Königsmörder-Chronik, sondern eine kleine relativ isoliert erzählte Geschichte um Auri, die mysteriöse Freundin von Kvothe. Herr Rothfuss selbst schreibt zu Beginn des Buches, dass man die „Die Musik der Stille“ nicht lesen sollte, wenn man die ersten beiden Bände der Königsmörder-Chronik noch nicht kennt. Das sehe ich nicht ganz so. Meiner Meinung nach macht die Geschichte ohne die Vorgänger genauso viel (oder auch wenig) Sinn wie mit den Vorgängern.

„Die Musik der Stille“ ist ein besonderes Buch. Das hat Patrick Rothfuss auch selbst erkannt. Er schreibt in seiner Vorbemerkung: „Du solltest dir dieses Buch vielleicht nicht kaufen.“
Ehrlich gesagt: Ich kann diesen Hinweis nur doppelt unterstreichen. Das Buch ist definitiv seltsam. Es passiert kaum etwas, es gibt keine richtige Handlung und auch kein Ziel. Da Auri die ganze Zeit in ihrer eigenen Welt agiert, gibt es auch keine Interaktion und Kommunikation (eine kleine Ausnahme ist kaum erwähnenswert). Es gibt keinen Spannungsbogen – stattdessen viele Merkwürdigkeiten.

„Die Musik der Stille“ fasziniert trotzdem stellenweise durch schöne Sprache und sehr atmosphärische Beschreibungen. Mir persönlich hat das aber nicht ausgereicht. Ich habe die etwa 170 Seiten relativ zügig gelesen, aber habe daraus nichts mitgenommen. Mir lag Auri vorher nicht sonderlich am Herzen und die wenigen Tage, die ich jetzt gemeinsam mit ihr verbracht habe, haben mich ihr auch nicht näher gebracht.

Ich bin mir sicher, dass „Die Musik der Stille“ seine Leser finden wird. Es gibt sicherlich viele Fans von Rothfuss, die darauf warten, irgendetwas Neues von ihm zu lesen. Und einige dieser Leser werden sicherlich von Auri und ihrer ganz eigenen Welt oder aber von der poetischen Schreibe Rothfuss‘ begeistert sein. Ich persönlich konnte gar nichts mit der (nicht vorhandenen) Geschichte anfangen. Hier eine angemessene Anzahl an Sternen zu vergeben, finde ich sehr schwer. Ich entscheide mich letztendlich für 5 von 10, weil mein Eindruck sicherlich sehr subjektiv ist.

stern 5

Die Musik der Stille – Patrick Rothfuss – Hardcover mit SU – 173 Seiten – 17,95 € – ISBN: 978-3-608-96020-4 – erschienen: Februar 2015 (Klett-Cotta)

[Rezension] „Jamies Quest: Aufgabe gesucht“ von Dominic & Cornelia Franke

Klappentext:

Von Merlin gesandt, erblüht unser Land durch des Wanderers helfende Hand.
Jamie kann nicht glauben, dass gerade er ein sagenumwobener Wanderer sein soll. Eigentlich wollte er nur sein neues Computerspiel starten, als er sich plötzlich in Brior wiederfindet. Von monströsen Spinnen verfolgt, fordert sein Abenteuer all seinen Mut, doch lauert auf Jamie ein weitaus größerer Feind … (Quelle)

Meine Meinung:

Ich lese selten Büchern von Self Publishern. Es kann gut sein, dass mir dadurch so manches Schätzchen durch die Finger geht, aber es gibt einfach auch sehr viel Mist auf dem Self Publisher Markt und vielen Büchern merkt man einfach an, dass sie nicht richtig lektoriert wurden. „Jamies Quest: Aufgabe gesucht“ klang allerdings ziemlich gut und hatte vor allem fast nur gute Rezensionen. Ich war also sehr gespannt, ob ich mich den positiven Stimmen nach dem Lesen anschließen würde.

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir angenehm leicht: Als Leser beginnt man erst gemeinsam mit Jamie in der realen Welt, bis man sich dann schon nach kurzer Zeit mit ihm in Brior, einer mittelalterlich anmutenden Stadt voller fantastischer Wesen wiederfindet. In der Realität wird Jamie oft von seinen Mitschülern geärgert, sogar verprügelt und ist alles andere als ein Held. Hier in Brior wird er als der neue Wanderer gefeiert und mit Respekt behandelt, Wanderer bringen schließlich immer etwas Gutes mit sich. Diese Idee hat mir gut gefallen. Ich habe es Jamie sehr gegönnt, aus seinem Schattendasein der realen Welt heraustreten zu können und zu zeigen, was in ihm steckt.

Insgesamt finde ich den ganzen Plot ziemlich gut: Jamie landet in Brior und soll eine dort eine Aufgabe erledigen. Leider ist ihm nicht mitgeteilt worden, welche das ist. Während er nun also versucht herauszufinden, was eigentlich seine Aufgabe ist, um dann endlich in die Realität zurückkehren zu können, wird dem Leser schon bald klar, dass Jamie große Gefahren drohen: nicht nur durch die monsterhaft großen Spinnen, sondern auch durch seine engsten Vertrauten.

Manch einer mag es schon geahnt haben: Es kommt ein Aber. Ein großes Aber! So sehr mir die Grundidee und die einzelnen Charaktere (nicht nur Jamie, sondern vor allem auch Hannes) gefallen haben, so sehr fehlt leider auch ein vernünftiges Lektorat. Ich kann gar nicht genau den Finger darauf legen, was mich besonders gestört hat, aber die Geschichte und die Erzählweise sind einfach nicht rund. Manche Erzählstränge sind in meinen Augen zumindest in diesem Band noch unnötig, andere hätten mehr Erklärung benötigt. Der Schreibstil war manchmal recht holprig, ich bin insbesondere über die Einbindung der Gedanken von Jamie gestolpert.

Mein Fazit: Ich wünsche Dominic und Cornelia Franke (einer noch sehr jungen Autorin und ihrem Mann) von Herzen, dass sich ein Verlag für „Jamies Quest: Aufgabe gesucht“ interessiert, denn die Idee für die Handlung und die Welt in Brior und auch das Setting sind wirklich gut. Für meinen Geschmack war aber vieles noch zu unrund, sowohl inhaltlich als auch schreiberisch. Deswegen kann ich nur 5 von 10 Sternen geben.

stern 5

Hier gelangt ihr zu einer ausführlichen Leseprobe, um euch selbst eine Meinung zu machen.

Jamies Quest: Aufgabe gesucht – Dominic und Cornelia Franke – Taschenbuch – 374 Seiten – 13,99 € – ISBN: 978-3000469350 – erschienen: Oktober 2014 – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Ich weiß, was du gestern gedacht hast“ von Sarah Mlynowski

Klappentext:

Eine Impfung hat Nebenwirkungen, ganz klar. Doch was Olivia und einigen ihrer Freunde nach der jährlichen Grippeimmunisierung an der New York City Highschool widerfährt, ist dann doch etwas unerwartet: Plötzlich können sie hören, was die Menschen, mit denen sie täglich zu tun haben, denken. Ihre Eltern, ihre Lehrer, ihre Mitschüler – keiner, der irgendetwas vor ihnen verbergen könnte. Nach dem ersten Schock freuen sie sich zunächst darüber, wie einfach das Leben auf einmal ist: Bei Prüfungen müssen sie nichts anderes tun, als sich neben den Klassenstreber zu setzen und seine klugen Gedanken aufzufangen. Sie können ihre jeweiligen Freunde und Freundinnen abservieren, ehe diese das tun. Und die geheimsten Wünsche und Sorgen der anderen zu kennen verleiht Macht. Doch wollen sie wirklich wissen, dass Tess schon lange in ihren besten Freund Teddy verliebt ist? Dass Mackenzie ihren Freund Cooper betrogen hat und nicht drüber hinwegkommt? […] Mehr und mehr wünschen sie sich ihre Ahnungslosigkeit zurück. (Quelle)

Meine Meinung:

Geschichten, in denen eine Person plötzlich die Gedanken anderer lesen kann, gibt es einige. Doch dass eine große Gruppe Jugendlicher plötzlich die Gedanken anderer und damit auch die Gedanken von anderen Gruppenmitglieder lesen kann, war zumindest für mich eine neue Idee, die auch ein ganz anderes Potenzial bietet. So kann man ganze Unterhaltungen nur über die Gedanken führen, was durchaus praktisch wäre, wenn man denn seine Gedanken kontrollieren könnte. Nun aber hat keiner mehr ein Geheimnis. Alle wissen alles! Und nicht nur das: Jeder bekommt die Reaktion der anderen auf seine Geheimnisse mit.

Sarah Mlynowski hat eine nette kleine Highschool-Geschichte der anderen Art geschrieben: Natürlich geht es auch hier um Intrigen, Freundschaften, die erste Liebe… alles nichts Neues, doch dadurch, dass es keine Geheimnisse mehr gibt, hat man doch nicht das Gefühl, eine Geschichte zu lesen, die man schon durch zig Bücher und Filme kennt.

Trotzdem konnte mich das Buch nicht vollends begeistern. Die Geschichte ist nett, aber in meinen Augen eher belanglos, was eventuell auch daran liegen kann, dass ich mit meinem Altern nicht mehr dem Zielpublikum entspreche. Der Schreibstil ist zunächst ungewohnt, da die Geschichte oftmals aus der Wir-Perspektive geschrieben ist – es gibt eben kein Ich mehr, sondern nur noch ein Wir. Andererseits ließ sich die Geschichte sehr flüssig lesen und ich hatte das Buch, obwohl es mich nicht total gefesselt hat, unheimlich schnell durch.

„Ich weiß, was du gestern gedacht hast“ hat Stärken und Schwächen. Die größte Schwäche war für mich die Tatsache, dass mich die Geschichte nicht wirklich interessiert, geschweige denn berührt hat. Gut gefallen hat mir hingegen die neuartige Idee, dass eine Gruppe Jugendlicher die Gedanken aller Personen lesen konnte, und die schreiberische Umsetzung: Das Buch liest sich wirklich sehr angenehm. Insgesamt vergebe ich sehr gute 5 von 10 Sternen und empfehle das Buch vor allem jugendlichen Lesern.

stern 5

Ich weiß, was du gestern gedacht hast – Sarah Mlynowski – Taschenbuch – 352 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-453-53463-6 – erschienen: November 2014 (Heyne fliegt)

[Kurzer Leseeindruck] „2084: Noras Welt“ von Jostein Gaarder

Gaarder_24319_U1.inddKlappentext:

Wie es im Jahr 2084 auf der Erde aussieht, wenn wir so weitermachen wie bisher – das erlebt die 16-jährige Nora in ihren Träumen. Sie träumt von ihrer Urenkelin Nova, die ihr in einem Brief ihre Welt schildert: Der Meeresspiegel ist gestiegen, Klimaflüchtlinge ziehen umher, im Norden grasen Kamele, zahlreiche Arten sind ausgestorben. Im wirklichen Leben weiß Nora Bescheid über Ökologie, Klimawandel und Artensterben. Gemeinsam mit ihrem Freund gründet sie eine Initiative, um die Erdatmosphäre zu schützen. (Quelle)

Mein Eindruck:

„Eine wichtige Grundlage einer jeglichen Ethik war bislang die goldene Regel oder das Prinzip der Gegenseitigkeit: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. […] Wir begreifen immer mehr, dass das Prinzip auch eine vertikale Dimension besitzt: Verhalte dich gegenüber der nächsten Generation so, wie du wünscht, die Generation vor dir hätte sich dir gegenüber verhalten.“ (S. 49)

Eigentlich mag ich die Erzählweise von Jostein Gaarder und so war ich trotz der Warnung einer lieben Bücherfreundin überzeugt, dass mir auch dieses Buch gefallen, auch wenn ich es vielleicht nicht überragend finden würde. Leider wurde ich enttäuscht. Von der Aussage her ist „2084: Noras Welt“ sicherlich ein kluges und vor allem wichtiges Buch. Die Erzählweise ist allerdings eher langweilig und ermüdend: Ja, ich habe es verstanden: Wir haben die Verantwortung für unsere Erde! Das als alleiniger Inhalt reicht aber nicht aus, um ein Buch sinvoll zu füllen. Und auch die für Gaarder typische Vernetzung verschiedener Zeiten und Erzählweisen – hier die Tatsache, dass Nora von sich als ihrer eigenen Urenkelin träumt – konnte mich nicht überzeugen.

stern 5

2084: Noras Welt – Jostein Gaarder – Hardcover – 192 Seiten – 14,90 € – ISBN: 978-3-446-24312-5  – erschienen: August 2013 (Hanser) – Altersempfehlung: 12-15 Jahre

[Rezension] „WARP – Der Quantenzauberer“ von Eoin Colfer

WARP Der QuantenzaubererKlappentext:

Was soll es anderes sein als eine Strafversetzung? FBI-Junior-Agentin Chevie Savano wurde nach London geschickt, um im Auftrag von WARP eine merkwürdige alte Metallkapsel zu bewachen. Das war vor neun Monaten. Und seitdem sitzt sie vor dem Ding und wartet darauf, dass irgendjemand oder etwas da rauskommt.
Als ein Wandspiegel mit einem Knall zerplatzt, die Deckenleuchten anfangen zu flackern und draußen eine Straßenlaterne nach der anderen explodiert, ist Chevie sofort klar, dass die Kapsel im Keller aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist. Mit vorgehaltener Waffe stürmt sie die Treppe herunter und findet … einen 14-jährigen Jungen, der aussieht, als wäre er soeben aus einem Buch von Charles Dickens gefallen. (Quelle)

Meine Meinung:

Eoin Colfer dürfte vielen vor allem durch seine Jugendfantasyreihe „Artemis Fowl“ bekannt sein. Diese Bücher habe ich alle verschlungen und war begeistert von der Andersartigkeit der Bücher, von den tollen Charakteren und dem Humor.

Anders ist dieser Reihenauftakt auch auf jeden Fall: Es geht um Zeitreisen, einen grausamen und mit allen Wassern gewaschenen Auftragsmörder, seinen Gehilfen, der gar nicht so werden möchte wie sein Meister, und um die junge und rebellische Chevie. Klingt erstmal gut? Fand ich auch, allerdings ist die Umsetzung weniger gut gelungen. Chevie ist viel zu typisch gezeichnet, was der Autor ironischerweise auch selbst erkennt:

„Ich habe mir ihre Akte durchgelesen. Sehr aufschlussreich: Beste Ihrer Spezialeinheit. Hervorragende Testergebnisse trotz ihres jungen Alters. Probleme mit Autoritätspersonen und so weiter, und so fort. Die klassische Kinoheldin.“ (S. 23)

Außerdem wollte der Autor meiner Meinung nach etwas zu viel: Er konzipiert nicht nur eine komplexe neue Situation, schafft durch die Reise durch Wurmlöcher neue Möglichkeiten und gibt seinem Bösewicht dadurch noch mehr Fähigkeiten, sondern versucht auch noch wirklich alle Fäden zusammenlaufen zu lassen. Am Ende passte einfach alles zu perfekt.

Man kann sicherlich schon heraushören: Ich bin eher enttäuscht, beim ersten Leseversuch habe ich das Buch sogar beiseite gelegt, weil es mich einfach nicht packen konnte. Beim zweiten Anlauf habe ich es zwar sehr zügig durchgelesen, aber von Colfer habe ich einfach viel mehr erwartet. Dem Folgeband werde ich zwar trotzdem noch eine Chance geben, denn vielleicht entfaltet sich da dann das ganze Potenzial der Geschichte, aber diesem ersten Band kann ich nur 5 von 10 Sternen geben.

stern 5

WARP – Der Quantenzauberer – Eoin Colfer – Hardcover mit SU – 352 Seiten – 16,95 € – ISBN 978-3-7855-7909-1 – erschienen: Februar 2014 (Loewe) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Ich und Earl und das sterbende Mädchen“ von Jesse Andrews

Ich und Earl und das sterbende MädchenKlappentext:

Was Greg mag: sich in der Schule so unauffällig zu verhalten, dass er nahezu unsichtbar wird. Gelegentlich mit seinem Freund Earl einen Film zu drehen. Seine Ruhe. Was er nicht mag: die Idee seiner Mutter, der todkranken Rachel beizustehen. Womit er nicht gerechnet hat: Rachel selbst, die keinen braucht, der sie bemitleidet, und die ihre ganz eigene Vorstellung von jenen Tagen hat, die ihre letzten sein könnten … (Quelle)

Meine Meinung:

Die Story an sich klingt super, was auch der Grund dafür war, dass ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Anfangs fand ich es auch noch nett, obwohl mich der Schreibstil (Greg spricht den Leser oft an, klingt pseudocool) schon da nicht umgehauen hat. Zu Beginn musste ich auch noch einige Male lachen oder schmunzeln, denn Gregs Humor ist meistens gut.

„Ich würde mich wirklich steigern müssen, um nicht der mieseste Freund in der Geschichte sterbender Mädchen zu werden.“ (S. 165)

Doch je weiter ich im Buch kam, umso mehr fehlte mir etwas: vielleicht die Tiefe der Geschichte, vielleicht ein gewisser Spannungsverlauf oder viele lustige Szenen. Ich kann es gar nicht genau sagen, ich weiß nur, dass mir das, was das Buch mir geboten hat, nicht ausreichte.

Dazu kommt, dass Greg nun mal Filmemacher ist und sowohl einige Filme, die er gedreht hat, in einer Art Drehbuch zusammenfasst, aber auch manche seiner Erlebnisse den Lesern auf diese Weise präsentiert. Viele mögen das als besonders gelungenes Stilmittel empfinden – meinen Geschmack hat es schlichtweg nicht getroffen.

„Ich und Earl und das sterbende Mädchen“ ist kein schlechtes Buch und ich habe es auch nicht ungern gelesen, ich habe aber viel mehr erwartet und kann im Nachhinein nur sagen, dass mir die Geschichte und Figuren egal sind. Deswegen gibt es auch ganz durchschnittliche 5 von 10 Sternen.

stern 5

Ich rate euch trotzdem, auch andere Rezensionen zu dem Buch zu lesen, denn ich weiß, dass es auch viele positive Stimmen gibt.

Ich und Earl und das sterbende Mädchen – Jesse Andrews – Hardcover mit SU – 304 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-453-26784-8 – erschienen: September 2013 (Heyne) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Little Miss Undercover“ von Lisa Lutz

Little Miss UndercoverKlappentext:

Eine Sippe wie die Spellmans hat die Welt noch nicht gesehen. In diesem liebenswerten wie abgebrühten Detektivclan lernt man schon früh das präzise Rund-um-die-Uhr-Beschatten und hinterlistige Erpressen der eigenen Familie. Auch Isabel Spellman kann ein Lied davon singen. Als aber ihre kleine Schwester Rae sie und ihren aktuellen Lover beschatten soll, fasst sie den folgenreichen Beschluss, aus dem Business auszusteigen. (Quelle)

Meine Meinung:

Die Idee zu diesem Buch ist wirklich gut, die Charaktere sind toll und humorvoll gezeichnet und wissen lange zu unterhalten. Lange, aber auch nicht das komplette Buch über, denn das wird irgendwann etwas langweilig.

Zunächst musste ich mich an den Erzählstil der Autorin bzw. der Ich-Erzählerin Isabel gewöhnen. Es ist die meiste Zeit über nicht klar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt und auf welches Ziel sie zusteuert, da die Handlung in Form von mal etwas kürzeren, dann wieder längeren Notizen erzählt wird.
Die kleinen Anekdoten aus dem Familienleben, das gegenseitige Verfolgen, Rumschnüffeln und Kramen in Geheimnissen haben ihren Reiz, können aber nicht ein ganzes Buch füllen. Dafür hätte es eine Story geben müssen, die mehr im Fokus steht. Kurz vor Schluss war mir dann endlich klar, worauf alles hinauslaufen würde. Allerdings wusste ich dann gleich auch zu viel und habe einen Teil des Schlusses schon erahnt.

„Nett, mehr aber auch nicht“ ist mein endgültiges Fazit. Die Idee des Familien-Detektiv-Clans ist gut und kann auch eine ganze Weile unterhalten, aber plötzlich wirkt genau das, was man eben noch lustig fand, mit einem Mal unglaubwürdig, übertrieben und ermüdend. Ich vergebe gute 5 von 10 Sternen!

stern 5

Obwohl dieses Buch in sich abgeschlossen ist, gibt es noch weitere Bände der Spellman-Familie.

Little Miss Undercover – Lisa Lutz – Taschenbuch – 378 Seiten – Preis für das E-Book (scheinbar nur noch in der Ausgabe erhältlich): 4,99 € – ISBN-13: 978-3746624860 – erschienen: August 2009 (Aufbau Verlag)