[Rezension] „Jackpot – Wer träumt, verliert“ von Stephan Knösel

JackpotKlappentext:

Den Brüdern Chris und Phil steht das Wasser bis zum Hals: Die Mutter tot, der Vater irgendwo versackt und die Wohnung ist auch demnächst weg. Da beobachtet Chris, wie ein Auto gegen einen Baum kracht. Im Kofferraum: ein geheimnisvolles Mädchen und eine Tasche voller Geld. Jackpot! Chris tut, was getan werden muss – und hat bald nicht nur die Polizei am Hals. Das Mädchen, Sabrina, verdreht den Brüdern den Kopf und erzählt aberwitzige Geschichten. Können Chris und Phil ihr trauen? Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, denn ein paar Vorstadtschläger haben Wind vom Geld bekommen. Die sind allerdings Zucker gegen den Mann, der mit Sabrina im Auto saß. Er hat gar nichts mehr zu verlieren – und würde töten für seinen Jackpot … (Quelle)

Meine Meinung:

Ich finde, der Klappentext hört sich toll an: Was tut man, wenn man einen Autounfall beobachtet, den Kofferraum öffnet, dort ein Mädchen vorfindet, das einem eine Tasche voller Geld gibt mit der Bitte, die Millionen zu verstecken?

Chris und sein Bruder haben selber wenig Geld und so nimmt Chris die Tasche tatsächlich mit nach Hause, in der Hoffnung, das Mädchen nie wieder zu sehen und mit seinem Bruder ein neues Leben anfangen zu können.

Dass das natürlich so nicht funktioniert, sollte schnell jedem klar sein. Und es kommt, was kommen muss: Eine Verfolgungsjagd jagt die nächste, immer mehr Leute wollen das Geld haben und wem man trauen kann, ist auch nicht klar.

Und genau an dieser Stelle befindet sich meiner Meinung nach das große Manko: Die Geschichte ist zu actionreich, wartet mit zu vielen unrealistischen Ereignissen auf, die Personen handeln oftmals unglaubwürdig und ändern ständig ihre Meinung. Aus einer guten Idee wurde eine höchstens durchwachsene Geschichte. Schade!

Hmm, ne! Irgendwie nicht! Das Buch klang so super und die Grundidee ist auch wirklich spannend und interessant. Die Umsetzung gefiel mir persönlich dann aber nicht wirklich: zu viele Irrungen und Wirrungen, zu viele überraschende Wendungen und zu viele Zufälle! Ich vergebe nur 5 von 10 Sternen!

stern 5

Das Buch war 2013 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Jackpot – Wer träumt, verliert – Stephan Knösel – Klappbroschur – 272 Seiten – 13,95 € – ISBN 978-3-407-81113-4 – erschienen: April 2013
Altersempfehlung: 13-16 Jahre

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„Das Tal 2.3. Die Jagd“ von Krystyna Kuhn

Das Tal Die JagdReiheninfo:

  1. „Das Tal 1.1. Das Spiel“
  2. „Das Tal 1.2. Die Katastrophe“
  3. „Das Tal 1.3. Der Sturm“
  4. „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“
  5. „Das Tal 2.1. Der Fluch“
  6. „Das Tal 2.2. Das Erbe“
  7. „Das Tal 2.3. Die Jagd“
  8. „Das Tal 2.4. Die Entscheidung“

Achtung, die Rezension enthält evtl. Spoiler zu den ersten Bänden!

Klappentext:

Das Tal liegt düster zwischen den Berghängen der Rocky Mountains. Ben und die anderen Studenten am Grace College, die seit zwei Jahren merkwürdigen und unerklärlichen Ereignissen ausgesetzt sind, scheinen am Ende ihrer Kräfte. Wer spielt dieses geheimnisvolle und tödliche Spiel mit ihnen? Und was haben ihre Eltern und Großeltern mit der Vergangenheit des Tals zu tun? Während sich überall auf der Welt die Katastrophen häufen, stoßen die acht Studenten endlich auf das Geheimnis. Nun müssen sie ihr ureigenes Erbe antreten. Doch sie kämpfen gegen die Zeit. (Quelle)

Meine Meinung:

„In Filmen soll das Ende immer eine Logik haben. Alles folgt einem Plan. Unser Film hat keine Logik. Nichts, was hier im Tal geschieht, macht irgendeinen Sinn. Tausend Fäden und überall lose Enden.“ (S. 253)

Als ich dieses Zitat im Buch gelesen habe, musste ich ein wenig schmunzeln. Hat die Autorin an dieser Stelle schon ihre eigene Rezension geschrieben?

Mit dem Tal geht es immer weiter: in jedem Buch wird eine andere Hauptperson mit ihrer Vergangenheit konfrontiert; in jedem Buch kommt ein kleines Puzzleteil zum großen Ganzen hinzu. Und bei jedem Buch bin ich mit dabei – aber schon längst nicht mehr mit der gleichen Begeisterung wie am Anfang, sondern eher mit dem Gefühl: Jetzt bin ich schon so weit mit der Autorin gegangen, nun ist das Ziel schon in Sichtweite, da lohnt das Aufgeben auch nicht mehr.

Schade! Zu Beginn dieser Reihe war ich noch wirklich gefesselt von der neuartigen Idee, dem Schreibstil und dem Gefühl des Mystischen. Mittlerweile ist der Bogen überspannt, die Neugier bleibt aus. Ich werde den letzten Band zwar auch noch lesen, aber wirklich nur noch aus den oben genannten Gründen. Leider kann ich nur 5 von 10 Sternen vergeben.

stern 5

Das Tal 2.3. Die Jagd – Krystyna Kuhn – Taschenbuch – 264 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3401066332 – erschienen: Mai 2013 (Arena)

„Spiegelriss“ von Alina Bronsky

SpiegelrissReiheninfo:

  1. “Spiegelkind”
  2. “Spiegelriss”
  3. – Titel noch unbekannt –

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zum ersten Band enthalten!

Klappentext:

Sie sagen, der Wald ist verboten

Sie fürchten, er rückt immer näher

Aber du tust alles, um hineinzukommen

Sie nennen sich das Rudel und keiner traut dem anderen. Doch Juli ist froh, dass die abgerissenen Gestalten, die am Rand der Normalität leben, sie überhaupt aufgenommen haben. Nachdem ihr der Zugang zur Welt der Pheen verwehrt wird, hat sie keine Heimat mehr. Schlimmer noch, innerhalb der Normalität wird sie als letzte lebende Phee und gefährliche Mörderin gejagt. Verzweifelt versucht Juli, die Brücken zu ihrem früheren Leben wiederherzustellen. Doch bald muss sie erkennen, dass die Freunde von einst zu Feinden geworden sind und Verrat in der neuen Welt an der Tagesordnung ist. (Quelle)

Meine Meinung:

Vom ersten Teil dieser Trilogie war ich sehr begeistert. „Spiegelriss“ spielt inhaltlich drei Monate nach seinem Vorgänger und wirkt wie ein harter Bruch zu dem ersten Teil. In diesen drei Monaten hat sich viel verändert. Die gesellschaftlichen Strukturen haben sich umgekehrt, Chaos bricht aus, die Rolle von Juli ist die meiste Zeit eher unklar, Traum und Realität vermischen sich.

Ich war von diesem Buch schlichtweg irritiert. Ich bin mir unsicher, was die Autorin dem Leser mit der Entwicklung der Geschichte sagen möchte; weiß nicht, ob ich das Buch überhaupt verstanden habe, und bin mir sehr unsicher, ob ich es mochte. Merkwürdig. Jeder sollte sich selber ein Bild machen, aber ich rate dazu, sich darauf einzustellen, dass Bronsky bewusst mit den Erwartungen der Leser spielt und diese nicht erfüllt.

Verwirrte 5 von 10 Sternen!

stern 5

Spiegelriss – Alina Bronsky – Hardcover mit SU – 261 Seiten – 14,99 € – ISBN-13: 978-3401067995 – erschienen: Januar 2013 (Arena) – Altersempfehlung: 14-15 Jahre (eher älter)

„Die Ankunft. Cassia & Ky 3“ von Ally Condie

Die AnkunftReiheninfo:

Cassia & Ky:

  1. “Die Auswahl”
  2. “Die Flucht”
  3. “Die Ankunft”

Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler!

Klappentext:

In den zerklüfteten Schluchten der Canyons hat Cassia nicht nur ihre große Liebe Ky wiedergefunden – sondern auch die Erhebung, eine Untergrundbewegung, die das System stürzen will. Als sich beide der Erhebung anschließen, müssen sie sich jedoch trennen. Ky wird auf einem Stützpunkt in einer Äußeren Provinz zum Piloten ausgebildet und Cassia in die Hauptstadt beordert. Dort trifft sie auf Xander, der als Funktionär für die Gesellschaft arbeitet. Kann sie sich ihm anvertrauen?

Als eine tödliche Seuche ausbricht und die gesamte Bevölkerung zu vernichten droht, muss Cassia eine Entscheidung treffen …(Quelle: Fischer)

Meine Meinung:

Was für ein Auf und Ab mit diesen Büchern…!

Der erste Teil hat mir so gut gefallen, dass ich mir danach das Hörbuch gekauft und das mit der gleichen Begeisterung gehört habe. Ich mochte die Idee und die zarte und sanfte Erzählweise. Der zweite Teil konnte mich dann nicht so wirklich begeistern. Ich habe den Grunderzählton vom Vorgänger vermisst. Die Hauptprotagonisten Cassia und Ky gingen mir sogar gewaltig auf die Nerven. Aber ich wollte doch trotzdem wissen, wie die Geschichte zu Ende geht.

Nachdem der zweite Band in den Canyons spielte, finden wir uns nun zumeist in der Gesellschaft wieder. Cassia wurde von der Erhebung nach Central geschickt, wo sie weiterhin ihren Aufgaben als Sortiererin nachkommen soll. Ky befindet gemeinsam mit Indie auf einem Pilotenstützpunkt und Xander arbeitet als Funktionär, bzw. als Medic. Die Kapitel werden abwechselnd aus ihren Blickwinkeln erzählt.

Erstaunlicherweise gefielen mir die Kapitel aus Xanders Sicht am meisten. Im ersten Teil mochte ich ihn am wenigsten. Cassia war dort noch meine absolute Heldin und ich mochte ihre ruhige Erzählstimme. Und Ky war eben der geheimnisvolle, spannende Protagonist, in den sich nicht nur Cassia verlieben könnte. Doch mittlerweile finde ich Xander am spannendsten, denn er hat die interessanteste Wandlung durchgemacht. Cassia hat mich das komplette Buch hindurch nur gelangweilt und Ky war mir irgendwie egal.

Und das ist dann auch mein Stichwort für die gesamte Geschichte: Sie war mir egal. Es drängte mich gar nicht mehr danach, die Antwort auf offene Fragen zu bekommen. Die Vorgänge und Wendungen waren aus meiner Sicht belanglos. Ich kann es wirklich nicht anders in Worte fassen.

„Die Ankunft“ gefiel mir nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht. Die Handlung plätschert so dahin, nach und nach werden ein paar offene Fragen geklärt. Der Schreibstil gefiel mir wieder etwas besser als im zweiten Teil, aber berührt hat er mich trotzdem nicht. Bestimmt stehe ich mit meiner Meinung alleine da, aber mir war das Buch egal. Deswegen gebe ich auch ganz mittelmäßige 5 von 10 Sternen.

stern 5

Die Ankunft – Cassia & Ky 3 – Ally Condie – Hardcover mit SU – 608 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-8414-2151-7 – erschienen: Januar 2013 (Fischer)

„Zweiland – Sternengold und Schattenschwarz“ von Patricia Schröder

ZweilandKlappentext:

Viele Jahre ist es her, dass das Land nach einem unseligen Krieg in zwei verfeindete Reiche zerfiel: das düstere Schwarzland und das strahlende Goldawien. Doch eine Prophezeiung besagt, dass nur drei Kinder den Frieden bringen können.

Ohne von ihrer eigentlichen Bestimmung zu wissen, treffen sie aufeinander: Moana, das Mädchen von der Weißen Insel, deren Herkunft von einem Geheimnis überschattet wird. Und zwei Söhne der beiden Reiche – Tontio und Laskio. Sie sind so verschieden wie Tag und Nacht, dennoch liegt das Schicksal der beiden Völker in ihren Händen. Begleitet von magischen Gefährten, müssen die drei verhindern, dass der schicksalhafte Sternkristall in die falschen Hände gerät und ein neuer Krieg das Land mit Leid überzieht …

Meine Meinung:

Der Inhalt an sich klingt wirklich spannend: ein Streit zwischen zwei Brüder, der ein ganzes Land spaltete, und drei junge Menschen, die das Schicksal von Zweiland nur gemeinsam zum Guten wenden können.

Die Ausführung dieser Idee wirkt auf mich aber leider ein wenig wie ein nur halb gelungenes Debüt. Doch Patricia Schröder ist alles andere als ein Neuling in der Autorenwelt. Schon 1998 veröffentlichte sie ihr erstes Buch.

„Zweiland“ liest sich zwar leicht und angenehm, trotzdem ist die Schreibe meiner Meinung nach sehr holprig. Die Geschehnisse wirken konstruiert und überhastet miteinander verknüpft; was schade ist, denn die Geschichte an sich hat doch eindeutig ihren Reiz und hat mich durchaus unterhalten.

Gerade die drei jugendlichen Hauptpersonen hätten das Potenzial dazu gehabt, nicht nur junge Leser zu begeistern. Ich hätte gerne mehr über sie erfahren und mit ihnen erlebt, aber so blieben auch sie wenig tiefgehend.

In „Zweiland“ gibt es viele gute Ideen, vielleicht sogar ein paar zu viele. Auf mich wirkt die Schreibe der Autorin so, als wollte sie unbedingt so vieles miteinander verknüpfen und hat dabei übersehen, dass ein rundes Ganzes und die notwendige Atmosphäre fehlen. Eine gute Geschichte braucht nun mal auch seine Zeit. Da ich das Buch trotzdem nicht ungern und vor allem in einem Rutsch gelesen habe, vergebe ich 5 von 10 Sternen.

stern 5

Zweiland – Sternengold und Schattenschwarz – Patricia Schröder – Taschenbuch – 352 Seiten – 7,99 € – ISBN-13: 978-3570223093 – erschienen: März 2012 (cbj) – Altersempfehlung: 10-12 Jahre

„Der Bro Code“ von Barney Stinson (und Matt Kuhn)

Bro CodeWer kennt sie nicht, die tolle TV-Serie „How I Met Your Mother?“ Hauptperson in dieser Serie ist Ted, ein junger Mann auf der Suche nach der großen Liebe. Einer seiner besten Freunde ist Barney Stinson: jung, gutaussehend, mit hohem Frauenverbrauch und Begründer des „Bro Codes“, der ja eigentlich mündlich schon seit Jahrhunderten überbracht wurde.

Gemäß Barneys Naturell lautet die Widmung am Anfang dieses Buches:

Für mich, den besten Bro, den ich kenne.

Was folgt, sind eine Menge Artikel, die das Leben und die Freundschaft zwischen Bros regeln und vereinfachen.

how-i-met-your-mother

Ein paar Beispiele gefällig:

~*~ ARTIKEL 2 ~*~

Ein Bro hat jederzeit das Recht, etwas Blödsinniges zu tun, vorausgesetzt, sämtliche andere Bros tun es auch. (S. 24)

~*~ ARTIKEL 113 ~*~

Ein Bro hält sich an die althergebrachte Alters-unterschiedsformel, wenn er sich an eine jüngere Braut heran macht. Berechnung des akzeptablen Altersunterschieds:

x kleiner gleich y/2 + 7

x = Alter der Braut, y = Alter des Bros (S. 159)

Natürlich ist diese Auflistung von Bro Code-Artikel nicht unbedingt dazu geeignet, sich mit dem Buch in den Lesesessel zu setzen und darin mal 1-2 Stunden zu lesen.

Das tolle an diesem Buch ist aber, dass man immer mal ein bisschen darin blättern kann und sich an einzelne Folgen erinnern kann.

Fazit: Kein Buch zum Schmökern, aber eine amüsante Unterhaltung. Für HIMYM-Fans ein nettes Buch für zwischendurch: 5 von 10 Sternen.

stern 5

Der Bro Code – Barny Stinson mit Matt Kuhn – Taschenbuch – 200 Seiten – 9,95 € – ISBN-13: 978-3868830910 – erschienen: Juni 2010 (Riva)

„Schlachtfeld“ von Luca Bloom

BGTB_Bloom-Schlachtfeld 040411.inddInhalt:

Johannes ist 15 Jahre alt und in der Schule ein Außenseiter. Er hat zwar gute Freunde, doch die besuchen nicht wie er das Gymnasium. Das Hauptziel von Johannes ist es, nicht aufzufallen, damit er keinen Ärger bekommt: Nicht von Mick, der andere Schüler drangsaliert und dem niemand Einhalt gebietet. Aber auch nicht von Herrn Zinn, seinem Geschichts- und Lateinlehrer, der mit spitzen und beleidigenden Bemerkungen oft genug auf seinen Schülern rumhackt.

Mick und Herr Zinn führen seit einiger Zeit einen Kleinkrieg, der immer mehr auszuarten droht. Und ausgerechnet Johannes gerät irgendwann zwischen die Fronten.

Meine Meinung:

„Na, mein Hübscher, wo soll’s denn hingehen?“

„In d… d… den U… U… Unterricht“, stotterte der Junge.

„In den U… U… Unterricht! Was für `ne Überraschung. Ach ss… ss… so, na dann wollen w… w… wir dich mal nicht a… a… aufhalten, was“, äffte Mick ihn nach. (S. 15)

Aber es gab natürlich auch solche Lehrer wie Herrn Zinn. Der kam rein, holte Luft und sagte: „Sven, bist du das, der so stinkt?“ Svens Eltern hatten einen Bauernhof. Und Sven kein Selbstbewusstsein. Nach diesem Satz wurde es nicht besser. (S. 19)

Die beiden Zitate zeigen hoffentlich, was mir an diesem Buch wirklich gut gefallen hat: Sowohl Herr Zinn, als auch Mick sind wirklich unangenehme Zeitgenossen, so dass es dem Leser schwer fällt, sich bei ihrem Kleinkrieg auf einer Seite positionieren. Es gibt hierbei keinen Schuldigen und keinen Unschuldigen. Es gibt nur Schuldige.

Das war für mich eine ganz ungewohnte Lese-Erfahrung, denn meistens wird einem vom Autor ja schon größtenteils vorgegeben, wie man gegenüber den Charakteren fühlen muss und soll.

Das und auch der Schreibstil der Geschichte haben mir gut gefallen. Johannes tritt fast nur als Erzähler auf, hat wenig Eigenanteil an der Handlung. Aber das Erzählen übernimmt er sehr gut. Kurze, knackige Sätze schildern realistisch das Leben eines Schülers, der versucht unsichtbar zu werden. Und er zeigt auch, was es heißt, wenn die Schule zum Schlachtfeld wird.

Ein großer Kritikpunkt ist für mich, dass dieses Buch in jeglicher Hinsicht extrem ist. Die Charaktere sind extrem und teilweise etwas überspitzt gezeichnet. Der Autor hat tief in die Klischeekiste gegriffen und einige Vorurteile hervorgezogen. Und auch die Handlung ist sehr extrem. Zwar konnte ich mir beim Lesen schon vorstellen, dass so etwas an einer Schule tatsächlich passiert, doch gipfelt alles in einem Höhepunkt, der schon sehr besonders ist.

Es mag sein, dass dieses Buch, um als Schullektüre wirken zu können, seine Extreme braucht. Um deutlich auf das hinzuweisen, was erzählt werden soll. Mir als erwachsener Leserin war es allerdings ein bisschen zu viel.

Ich denke, dass das Buch dazu führen kann, sowohl Lehrer als auch Schüler noch mehr dafür zu sensibilisieren, was sich im Klassenzimmer und Schulflur so alles abspielt. Die Schreibe des Autors und die interessante Figurenkonstellation haben mir gut gefallen. Da mir die Charaktere und die Handlung selber stellenweise aber zu extrem sind, vergebe ich insgesamt 5 von 10 Sternen.

stern 5

Schlachfeld – Luca Bloom – Taschenbuch – 142 Seiten – 6,95€ – ISBN-13: 978-3407742520 – erschienen: Juli 2011 (Beltz)

[Rezension] „Was wisst ihr denn schon“ von Brock Cole

Was wisst ihr denn schonKlappentext:

Als die 13-jährige Linda in einen Mord verwickelt wird, hat sie der Polizei einiges zu erklären, auch wenn ihrer Meinung nach die Fakten eigentlich für sich selbst sprechen. Doch was sie dann über ihr Leben berichtet, lässt nicht nur der Polizei den Atem stocken. (Quelle)

Meine Meinung:

Im Englischen hat dieses Buch den Titel „The Facts Speak for Themselves“ und der beschreibt das Buch meiner Meinung nach sehr viel besser als der deutsche Titel. Denn obwohl das, was die 13jährige Linda in einer Art Bericht oder Tagebuch für den Leser bereit hält, absolut schockierend und grausam ist, schreibt diese tatsächlich in einem eher nüchternen Tonfall die Fakten nieder.

Nachdem ich das Buch gerade eben zugeklappt habe, war ich mir wirklich sehr unsicher, wie es bewerten soll. Eben aufgrund dieses nüchternen Erzählstils werden relativ wenige Emotionen transportiert. Als Leser ist man durch den Bericht neutraler Beobachter oder Zeuge einer Kindheit, die man sich für niemanden wünscht. Doch habe ich mich beim Lesen gefühlt als wäre ich durch eine dicke Glasscheibe von der Handlung abgeschottet. Ich war nie wirklich mit dabei, war nie mittendrin. Und obwohl ich es gerne gewesen wäre und gerne gemeinsam mit Linda gelitten hätte, kann ich das Stilmittel des Autors sehr gut verstehen.

Denn ich kann mir wohl vorstellen, dass es Linda nur durch diesen nüchternen, fast unbeteiligten Erzählstil gelingt, von ihrer Kindheit zu berichten.

Sollte man dieses Buch in der Schule lesen, kann man sicherlich sehr interessante Schlüsse darüber ziehen, was eben dieser Erzählstil in dem Leser bewirkt.

Auf mich hat dieser Erzählstil aber nun mal etwas hemmend gewirkt, denn ich hatte mir mehr von dem Buch versprochen, vor allem mehr Gefühle. Deswegen vergebe ich nur gute 5 von 10 Sternen.

stern 5

Das Buch war 2003 im Bereich Jugendbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Was wisst ihr denn schon – Brock Cole – Taschenbuch mit SU – 208 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3551310804 – erschienen: Oktober 2011 (Carlsen) – Altersempfehlung: 15-17 Jahre

[Rezension] „East End, West End und dazwischen Maniac Magee“ von Jerry Spinelli

East End, West EndInhalt:

Als Jeffery „Maniac“ Magee drei Jahre alt ist, sterben seine Eltern bei einem Zugunglück und Maniac wächst bei seinem Onkel und seiner Tante auf. Aber auch dort kann er nicht glücklich aufwachsen, denn seine Verwandten sprechen nicht mehr miteinander. So haut Maniac mit acht Jahren von zuhause ab und taucht ein Jahr später schließlich in Two Mills auf.

Und damit nicht genug: Maniac Magee scheint sich an keine der vorherrschenden Konventionen zu halten: er spaziert als weißer Junge gemütlich durch das East End (den Stadtteil der Schwarzen), ohne sich der Ungeheuerlichkeit auch nur bewusst zu sein. Als er sich dann auch noch mit einer farbigen Familie anfreundet, steht das East End Kopf…

Meine Meinung:

Das erste, was ich von diesem Buch wusste, war, dass es für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. Als ich mir dann den Klappentext durchgelesen habe, musste ich das Buch einfach kaufen. Ein Jugendbuch, das sich auf humoristische Weise mit der Rassentrennung beschäftigt, muss ja einfach gut sein. Oder?

Nein, muss es nicht unbedingt. „East End, West End…“ ist zwar auf jeden Fall kein schlechtes Buch im eigentlichen Sinne, aber es hat mich auch nicht wirklich überzeugt. Für meinen Geschmack passiert zu wenig und das wichtigste zu schnell. Zwar verbindet das Buch einige wirklich anrührende Geschichten, doch seltsamerweise gingen mir die nicht wirklich nah.

Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass das Buch eher für jüngere Jugendliche gedacht ist und deswegen nicht ganz so in die Tiefe geht, wie ich es mir gewünscht hätte. Kinder ab zehn oder zwölf Jahren haben sich wahrscheinlich noch nicht so mit dem Thema beschäftigt wie ich und werden durch die Denkanstöße, die das Buch auf jeden Fall bietet, mehr überrascht und angeregt.

Und obwohl ich insgesamt mit einem „Naja“-Gefühl zurückbleibe, habe ich ein wirklich schönes Zitat entdeckt, dass ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte:

„In ihnen erwachte ein Gefühl, das sie vorher nie hatten. Das Gefühl von Wichtigkeit.

Was für eine wunderbare Sache das war, diese Wichtigkeit. Sie erwartete sie schon morgens beim Aufstehen, pumpte Luft in sie hinein wie in einen Basketball, ließ sie springen.“ (S. 141)

Ich schwanke bei meiner Bewertung sehr zwischen 5 und 6 Sternen. Das Buch ist sicherlich für jüngere Leser gut geeignet, um in die Abstrusität der Rassentrennung einzuführen. Auch als Schullektüre in einer 5. oder 6. Klasse kann ich mir die Geschichte sehr gut vorstellen. Das würde für 6 Sterne sprechen. Da es mir aber dann doch zu sehr an der Oberfläche blieb, vergebe ich 5 von 10 Sternen.

stern 5

„East End, West End und dazwischen Maniac Magee“ war 2001 in der Sparte „Jugendbuch“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

East End, West End und dazwischen Maniac Magee – Jerry Spinelli – Taschenbuch – 192 Seiten – 6,95 € – ISBN-13: 978-3423707275 – erschienen: Oktober 2002 (dtv) – Altersempfehlung: 12-14 Jahre (eher auch jünger)

[Rezension] „1984“ von George Orwell

1984 von George OrwellInhalt:

Wir schreiben das Jahr 1984. Es gibt drei große Mächte auf der Welt: Ostasien, Eurasien und Ozeanien. Ozeanien wird von der Inneren Partei regiert, die Äußere Partei, deren Mitglied auch Winston Smith ist, ist quasi Handlanger. Oberhaupt des ganzen ist der Große Bruder. Und der Große Bruder sieht alles und hört alles. Überall stehen Teleschirme, die jede Bewegung und jedes Geräusch aufnehmen können. Und doch wagt Winston es, an der Wahrheit der Partei und an deren Grundsätzen zu zweifeln. Er hofft auf eine Revolution. Und diese scheint gar nicht fern zu sein…

Meine Meinung:

KRIEG IST FRIEDEN

FREIHEIT IST SKLAVEREI

UNWISSENHEIT IST STAERKE

Im Zeitalter der Jugendbuch-Dystopien ist es auf jeden Fall spannend eine der früheren Anti-Utopien, bzw. Dystopien schlechthin zu lesen. Und während zwar auch einige Jugendbücher erschreckende und grausame Welten zum Handlungsort haben, kann doch mit der Welt aus 1984 nichts mithalten.

Mich hat es gar nicht so sehr erschüttert, dass Winston zu jeder Zeit Gefahr lief, beobachtet oder zumindest belauscht zu werden. Die Grausamkeiten des Systems haben mich zwar mitgenommen, aber am schlimmsten finde ich die (realistische?) Vorstellung, dass jemand bestimmt, was als Wahrheit gelten soll. So ist es Winstons Aufgabe, die Vergangenheit umzuschreiben. Sobald die aktuellen Geschehnisse nicht mehr den Prognosen in der Vergangenheit entsprechen, werden die Prognosen umgeschrieben. Gleiches gilt für Menschen, die umgebracht werden. Sie werden aus allen Archiven gelöscht, existieren nicht mehr und haben auch nie existiert.

„[Und] dann würde die auserwählte Lüge ins Archiv eingehen und zur Wahrheit werden.“ (S. 68)

Ich finde es immer schwer Klassiker zu bewerten, so auch „1984“:

Grundsätzlich kann man sagen, dass es dem Autor gelungen ist, eine Welt und in dieser Welt eine Doppeldeutigkeit zu erschaffen, die wirklich erschreckend ist. Durch die Ausführlichkeit der Beschreibungen hat man Einblick in das gesamte künstlich erschaffene System von 1984.

So entwickelte Orwell sogar eine eigene Amtssprache für Ozeanien: Neusprech.

Doch muss ich auch festhalten, dass ich froh war, als ich die letzten Seiten des Buches gelesen hatte. Orwell beschreibt alles sehr genau, was zur Folge hat, dass die eigentliche Handlung nur sehr langsam vorangeht und eigentlich nur wenige Seiten umfasst. Meiner Meinung nach hätte man das Buch auch um 100 Seiten kürzen können und trotzdem wäre noch genügend an beklemmenden Gefühl übrig geblieben.

Ich vergebe insgesamt 5 von 10 Sternen. Wer Interesse an einem Vorgänger von „Panem“, „Neva“ und Co hat, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen. Doch sollte man sich bewusst sein, dass Orwells Werk viele Gedanken und wenig Handlung umfasst.

stern 5

1984 – George Orwell – Taschenbuch – 400 Seiten – 8,95 € – ISBN-13: 978-3453164215 – erschienen: August 2002 (Neuausgabe; Heyne)