[Rezension] „Todesfrist“ von Andreas Gruber

9783442478668Reiheninfo:

  1. „Todesfrist“
  2. „Todesurteil“
  3. „Todesmärchen“
  4. „Todesreigen“
  5. „Todesmal“

Klappentext:

»Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden herausfinden, warum ich diese Frau entführt habe, bleibt sie am Leben. Falls nicht – stirbt sie.« Mit dieser Botschaft beginnt das perverse Spiel eines Serienmörders. Er lässt seine Opfer verhungern, ertränkt sie in Tinte oder umhüllt sie bei lebendigem Leib mit Beton. Verzweifelt sucht die Münchner Kommissarin Sabine Nemez nach einer Erklärung, einem Motiv. Erst als sie einen niederländischen Kollegen hinzuzieht, entdecken sie zumindest ein Muster: Ein altes Kinderbuch dient dem Täter als grausame Inspiration – und das birgt noch viele Ideen … (Quelle)

Meine Meinung:

Mein Herzensmann liest eigentlich gar nicht. „Wenn’s hoch kommt – zehn!“, war die Antwort auf die Frage, wie viele Bücher er im Erwachsenenalter gelesen hat. Aber nachdem ich das Thriller-Genre wieder für mich entdeckt habe, konnte er mir endlich auch mal ein Buch empfehlen: „Todesurteil“ – den zweiten Band dieser Reihe. Da ich eine Thrillerreihe nie in der Mitte anfangen würde, war dann schnell der erste Teil bestellt.

Ich muss sagen: Am Anfang war ich kurz davor, das Buch abzubrechen! Über den Thriller „Schlüssel 17“, den ich davor gelesen habe, wurde von Volker Kutscher gesagt: „Marc Raabe gelingt es meisterhaft, immer ganz dicht an seinen Figuren zu bleiben.“ Genau das gelingt Andreas Gruber meiner Meinung nach gar nicht. Zu Beginn des Buches erfährt die Ermittlerin Sabine Nemez, dass ihre Mutter brutal umgebracht wurde. Ein wirklich schreckliches Ereignis. Und trotzdem konnte ich keine Gefühle aus den Seiten herauslesen. Weder Trauer, noch Wut. Weder Abgebrühtheit, noch den unbändigen Willen, den Mörder ihrer Mutter zu finden. Nichts.

Zum Glück habe ich dann trotzdem weitergelesen, denn zum Ende hin konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Geschickt werden verschiedene Perspektiven miteinander verflochten – sogar therapeutische Sitzungen und Analysen werden mit eingebunden. Sowas lese ich immer sehr gerne.

Mit Maarten S. Sneijder hat Andreas Gruber einen spannenden Hauptermittler geschaffen. Er selbst schreibt auf seiner Homepage über den niederländischen Profiler:

Maarten S. Sneijder ist eine ziemlich schräge Figur – mit Absicht. In diesen Charakter habe ich alles gepackt, was mich fasziniert. Sneijder ist ein Kotzbrocken, ein Misanthrop, er hasst Menschen, […]. Aber er ist ein Genie, denn er hat seine eigene Sneijder-Methode entwickelt, um Killer zu fassen … bis zur Selbstaufopferung. (Quelle)

So wenig mich das Buch zu Beginn überzeugt hat, so sehr konnte es dann mit seinem Ende punkten. Für mich liefen alle Fäden sinnvoll zusammen – etwas, das mir insbesondere bei Thrillern sehr wichtig ist. Und so habe ich schon kurz vor Schluss den zweiten Band bestellt und bin gespannt, wie es mit Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder so weitergeht.

stern 7

Todesfrist – Andreas Gruber – Taschenbuch – 432 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-442-47866-8 – erschienen: März 2013 (Goldmann)

[Rezension] „Bloß nicht weinen, Akbar!“ von Frauke Kässbohrer

Bloß nicht weinen Akbar

„Und dann war es plötzlich so weit! Letzte Umarmungen, letzte gute Worte – wenig später verschwanden das Haus und die winkenden Gestalten, und ich war mit fünf mir unbekannten Männern im Auto alleine. Ich hatte einen dicken Kloß im Hals und immer wieder ging mir durch den Kopf: „Bloß nicht weinen, bloß nicht weinen, irgendwie wird’s schon werden …“ (S. 33)

Akbar ist sieben Jahre alt, als er seine Eltern und seine Heimat Afghanistan hinter sich lassen muss. Gemeinsam mit der Familie seiner Tante flieht er in den Iran, aber auch dort kann er nicht bleiben. Ohne Pass bleibt ihm – nun mit 16 Jahren – nur eine Möglichkeit: der Weg nach Europa.

Mir ist bewusst, dass viele Flüchtlinge, die nach Europa kommen, einen unglaublich harten Weg hinter sich haben. Nicht zuletzt weil einige meiner Schüler nach Deutschland Geflüchtete sind, habe ich einen ganz guten Eindruck von den Strapazen und Schwierigkeiten, die viele auf sich nehmen müssen, um die Chance auf ein menschenwürdiges Leben zu haben.

„Bloß nicht weinen, Akbar!“ ist die autobiographische Geschichte des jungen Afghanen Akbar Husseini. Nachdem er einige Jahre hier in Deutschland gelebt hatte, fragte er Frauke Kässbohrer, seine Deutschlehrerin, ob sie bereit wäre, seine Geschichte aufzuschreiben. Obwohl man aus den Zeilen deutlich herausliest, dass Frau Kässbohrer keine Erfahrungen im schriftstellerischen Bereich hat, ist Akbars Geschichte natürlich per se bewegend. Es ist kaum zu fassen, welche Schicksalsschläge er schon in so einem jungen Alter verkraften musste. Und es ist bewunderswert, wie gut er diese gemeistert hat.

Ich werde „Bloß nicht weinen, Akbar!“ in den nächsten Wochen mit zwei 7. Klassen als Schullektüre lesen und bin sehr gespannt darauf, wie die Schüler die Geschichte aufnehmen und was das Lesen in ihnen auslöst.

Bloß nicht weinen, Akbar – Frauke Kässbohrer – Taschenbuch – 125 Seiten – 5,95 € – ISBN  978-3-86760-180-1 – erschienen: Januar 2017 (Hase und Igel)

[Rezension] „Das Siegel von Rapgar“ von Alexey Pehov

csm_produkt-11961_e059dade5eTill er’Cartya treibt nur eines an: Er will den wahren Mörder finden. Den Mann, für den er damals unschuldig ins Gefängnis gewandert ist. Der Mann, der wirklich den Mord begangen hat, für den Till vor etwa sieben Jahren verurteilt wurde.

Eines Tages trifft er auf eine junge Frau namens Erin, die von mehreren Männern verfolgt wird. Till versucht, Erin zu verteidigen und gerät damit nicht nur wieder in den Fokus der Squagen Chause (der Polizei in Rapgar), sondern scheinbar auch in den Fokus von Erins Verfolgern. Wer ist diese geheimnisvolle und schöne Frau, die so schnell wieder verschwindet, dass Till nur der Gedanke an sie bleibt? Und warum wird sie wirklich verfolgt?

Till macht sich in seiner Heimatstadt Rapgar auf die Suche nach Erin, die er nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Doch Rapgar ist derzeit alles andere als ein sicheres Pflaster, wird es doch wieder und wieder von dem brutalen Dunkelschlächter heimgesucht …

Wer ein Buch von Alexey Pehov liest, muss sich auf einiges einlassen: Es wimmelt nur so von unbekannten Kreaturen. So leben in Rapgar, einer Stadt zwischen Magie und technischem Fortschritt, zum Beispiel Murzer (Katzenwesen), Kagas (die laut Pehov wie fette Maulwürfe aussehen), das kleine Volk, Amnes (magische Wesen, die in unbelebte Gegenstände wie einen Spazierstock gebannt wurden) oder Haplopelmas (riesige Wächterspinnen, igittt!). Ich mag es, dass Pehov sich nicht an die gängige Fantasy-Bevölkerung (Zwerge, Elfen, Trolle usw. hält), trotzdem fällt der Einstieg in eine neue Welt des russischen Autors immer etwas schwer.

„Das Siegel von Rapgar“ scheint ein Einzelband zu sein, was wirklich schade ist, denn gerade auf den letzten hundert Seiten hatte ich das Gefühl, so richtig in der Geschichte zu sein. Ich muss gestehen: Anfangs habe ich sogar mit dem Gedanken gespielt, das Buch abzubrechen, aber HALLO? Es ist Pehov, einer meiner Lieblingsautoren.

Wie mir das Buch tatsächlich gefallen hat, kann ich schwer sagen: Am Anfang war es mir zu kompliziert und etwas träge, in der Mitte konnte es mich nicht immer ganz fesseln und die letzten hundert Seiten habe ich verschlungen. Ich bin mir aber sicher: Wenn ich die Chance hätte, ein weiteres Abenteuer mit Till er’Cartya und seinen beiden Amnes, dem sehr redseligen Spazierstock Stephan und der etwas blutrünstigen Klinge Angel, zu verbringen, würde ich sofort zugreifen! 7 von 10 Sternen!

stern 7

Das Siegel von Rapgar – Alexey Pehov – Klappbroschur – 592 Seiten – 17,00 € – ISBN 978-3-492-70273-7 – erschienen: April 2018 (Piper) – Übersetzung: Christiane Pöhlmann

[Reihenrezension] „Schwesterherz“ & „Bruderlüge“ von Kristina Ohlsson

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Kristina Ohlsson ist eine der wenigen Thrillerautoren, die ich noch gerne lese. Früher waren das noch viel mehr, mittlerweile mag ich aber andere Genre lieber. Doch die Bücher der schwedischen Autorin sorgen immer wieder dafür, dass ich stundenlang (und teilweise sogar bis spät in die Nacht hinein) zwischen den Buchdeckeln verschwinde.

Am bekanntesten ist sicherlich ihre Reihe um die Ermittlerin Fredrika Bergmann. Nun gibt es eine neue Hauptfigur: Martin Benner ist Anwalt, Adoptivvater seiner Nichte und lose verbandelt mit seiner Liebe aus Studienzeiten. Doch sein Leben soll sich von einem auf den nächsten Tag ändern, als plötzlich ein Mann in seine Kanzlei kommt und ihn bittet, seine Schwester zu verteidigen, die wegen fünffachen Mordes angeklagt wurde. Das Besondere: Seine Schwester, Sara, ist schon seit einigen Monaten tot. Außerdem hat sie kurz vor ihrem Selbstmord alle Morde gestanden. Dennoch glaubt ihr Bruder an ihre Unschuld. Zu guter letzt noch ist Saras Sohn Mio an dem Tag ihrer Flucht und ihres Todes spurlos verschwunden. Widerstrebend beginnt Martin den alten Fall aufzurollen. Mit jedem Dokument, was er liest, mit jeder Information, die er nach und nach bekommt, wird ihm klar: Irgendetwas stimmt hier so gar nicht. Und schon steckt er mitten drin – und das wird für ihn gefährlich. Lebensgefährlich.

Gemeinsam mit Martin Benner, übrigens ein Hauptcharakter mit Ecken und Kanten, die nicht immer liebenswert sind, setzt man auch als Leser Puzzlestück um Puzzlestück zusammen. Das Bild, das sich nach und nach ergibt, ist immer wieder überraschend und niemals schön. Die Originaltitel der Reihe („Lotus Blues“ und „Momos Blues“) sind meiner Meinung nach sehr passend. Die Bedeutung erschließt sich aber erst beim Lesen.

Am Ende des ersten Bandes kommt es zu einem kleinen Abschluss. Nichtsdestotrotz bleiben noch so viele Fragen offen, dass ich unbedingt direkt zum nächsten Band greifen musste, der zum Glück schon bereit lag. Die Geschichte ist sehr spannend konstruiert, die Wendungen haben mich immer wieder gepackt. Trotzdem ist „konstruiert“ für mich auch das Stichwort für meine leise Kritik. Am Ende von „Bruderlüge“ (ich würde vermuten, dass dies auch das letzte Buch dieser Reihe ist) werden zwar alle losen Fäden mteinander verknüpft, aber die Auflösung kommt mir sehr konstruiert, sehr unwahrscheinlich und überzufällig vor. Schade!

Eigentlich haben mir „Schwesterherz“ und „Bruderlüge“ sehr gut gefallen und konnten mich an die Seite fesseln. Da mir persönlich die Auflösung des Ganzen nicht komplett gefallen hat, vergebe ich in diesem Fall „nur“ 7 Sterne.

stern 7

Schwesterherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 480 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2663-1 – erschienen: April 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann
Bruderherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 448 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2667-9 – erschienen: Juni 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann

[Reihenrezension] „Bigtime“ von Jennifer Estep

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Reiheninformation:

  1. „Karma Girl. Bigtime 1“
  2. „Hot Mama. Bigtime 2“
  3. „Jinx. Bigtime 3“ (erscheint am 3.4.2018)
  4. „A Karma Girl Christmas. Bigtime 3.5“ (bisher nur auf englisch erschienen)
  5. „Nightingale. Bigtime 4“ (bisher nur auf englisch erschienen)
  6. „Fandemic. Bigtime 5“ (bisher nur auf englisch erschienen)

 Bigtime – Die Stadt der Superhelden und Superschurken

Zugegebenermaßen – das Ganze hier eine Reihenrezension zu nennen, obwohl ich bisher nur die ersten beiden Bände gelesen habe, ist etwas mutig. Allerdings finde ich es bei Büchern einer Reihe immer schwierig, jeden Titel einzeln zu rezensieren. Und trotzdem möchte ich euch auch diese Reihe von Jennifer Estep schon jetzt vorstellen.

Wie die Überschrift schon sagt, spielt die Handlung in einer Zeit, in der jede Stadt mindestens einen eigenen Superhelden und einen Superschurken hat. Manche größere Städte wie Bigtime haben sogar mehrere.

Hauptperson des ersten Bandes ist Carmen, eine Zeitungsreporterin. Am Tag ihrer Hochzeit musste Carmen feststellen, dass ihr Verlobter ein Superheld ist. Und ihre Trauzeugin eine Superschurkin. Und dass die beiden Supersex miteinander haben. Seitdem hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Superhelden zu demaskieren. Und Carmen ist erfolgreich. Superheld um Superheld wird von ihr erkannt und seine wahre Identität veröffentlicht. Den Superschurken ergeht es nicht besser. Doch in Bigtime kommt Carmen an ihre Grenzen: Wer steckt hinter den Fearless Five und wer verbirgt sich hinter dem Trio der Terrible Trinity? Dass Carmen dann noch von der Trinity entführt und für deren Zwecke missbraucht wird, erschwert ihr die Arbeit genauso sehr wie die Tatsache, dass sie sich zu einem der Superhelden der Fearless Five sehr hingezogen fühlt …

Bigtime

Klingt das für euch etwas kitschig und klischeehaft? So ging es mir zumindest. Die Bigtime-Reihe ist anders als die bisherigen deutschen Bücher von Jennifer Estep nicht bei Piper ivi veröffentlicht worden, sondern im Erwachsenenprogramm des Verlages. Das hat vermutlich vor allem mit den vielen leidenschaftlichen Sexszenen zu tun, die es in den Büchern gibt. Diese klingen zwar eher nach einem billigen Groschenroman, sind aber auf jeden Fall unterhaltsam:

„Johnny tauchte in mich ein, als sei ich ein köstliches Dessert, das nur darauf wartete, von ihm verputzt zu werden. Seine Zunge. Seine Finger. Streichelnd. Liebkosend.“ (Hot Mama. Bigtime 2, S. 156)

Eigentlich ging es mir beim Lesen durchgängig so: Die Handlung ist manchmal etwas seicht und die Demaskierung der Superhelden und – schurken gelang mir häufig schneller als z.B. Carmen. Nichtsdestrotz habe ich mich gut unterhalten gefühlt und direkt nach dem ersten Band zum nächsten Teil gegriffen, der dann übrigens nicht mehr Carmen als Hauptperson hat. Soweit ich das bisher erkennen kann, bekommt jedes Buch eine eigene Protagonistin. Das war für mich zwar etwas gewöhnungsbedürftig, brachte dann aber auch nette Abwechslung.

Ich habe „Karma Girl“ und „Big Mama“ wirklich gerne gelesen. Und obwohl ich nicht voll und ganz begeistert bin, freue ich mich schon auf das Erscheinen von „Jinx“ – dem dritten Band der Bigtime-Reihe. Bisher vergebe ich 7 von 10 Sternen!

stern 7

Karma Girl – Jennifer Estep – Taschenbuch – 400 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-492-28037-2 – erschienen: April 2017 (Piper) – Übersetzung: Vanessa Lamatsch 
Hot Mama – Jennifer Estep – Taschenbuch – 400 Seiten – 13,00 € – ISBN: 978-3-492-28038-9 – erschienen: Oktober 2017 (Piper) – Übersetzung: Michaela Link

 

[Rezension] „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon

Klappentext:

Wenn ihr Leben ein Buch wäre, sagt Madeline, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern: Heute ist genau wie gestern und morgen wird sein wie heute. Denn Madeline hat einen seltenen Immundefekt und ihr Leben lang nicht das Haus verlassen. Doch dann zieht nebenan der gut aussehende Olly ein – und Madeline weiß, sie will alles, das ganze große, echte, lebendige Leben! Und sie ist bereit, dafür alles zu riskieren. (Quelle)

Meine Meinung:

„Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern. Heute ist genauso wie gestern. Morgen wird genauso sein wie heute. Im Buch von Maddy sind alle Kapitel gleich.“ (S. 178)

Madeline ist krank. Sie leidet an einem Immundefekt und darf deswegen das Haus nicht verlassen. Die meiste Zeit geht es ihr aber gut: Sie liebt ihre Mutter und Carla, ihre Krankenpflegerin. Sie liest unheimlich gerne und arbeitet mit Eifer an ihren Onlinekursen.
Doch dann zieht Olly gegenüber ein. Olly, der einfach so die Wand hochklettert. Olly, der immer schwarz trägt. Olly, der plötzlich vom gegenüberliegenden Zimmer mit ihr zu kommunizieren beginnt. Olly mit den meeresblauen Augen.

„Kribbeln meine Fingerspitzen? Tun sie das sonst auch? Wieso bin ich so atemlos? Wie viele Saltos kann ein Magen machen, bevor er sich hoffnungslos verknotet?“ (S. 93)

Anfangs wehrt sich Madeline noch gegen ihre Gefühle, denn sie hat Angst, sich zu verlieben. Hat Angst, verletzt zu werden. Doch genauso wie der Leser ahnt auch Maddy, dass sie sich nicht lange schützen kann. Denn jeder von uns würde sich in Olly verlieben. Wie sich die Beziehung der beiden entwickelt, hat mir wirklich gut gefallen. Selten habe ich so viele Zitate aus einem Buch geschrieben, wie aus diesem hier. Die Liebe zwischen den beiden hat etwas sehr Anrührendes und Zartes.

„Ich war glücklich, bevor ich ihm begegnet bin. Aber jetzt bin ich lebendig und das ist etwas ganz anderes.“ (S. 199)

Bis kurz vor Schluss war ich also wirklich verliebt. Nicht nur in Olly, sondern in die ganze Geschichte. In das Buch. In die Worte.

Aber – ja, es muss leider ein Aber folgen – der Schluss hat mir das Buch leider ein wenig kaputt gemacht. Die Autorin macht es sich mit dem Ende ziemlich leicht, finde ich. Außerdem gibt es eine interessante Nebenhandlung, die Olly betrifft, doch an dieser Stelle bleibt Nicola Yoon viel zu oberflächlich. Es scheint so, als wollte sie Olly etwas Tiefgang verleihen, indem auch er seine eigene Geschichte bekommt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass diese dann auch mehr Raum bekommt.

„Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ konnte mich in vielen Aspekten überzeugen. Ich mochte Maddy und Olly. Die Liebesgeschichte, die sich langsam und vorsichtig zwischen den beiden entspannt, konnte mich sehr berühren, was vor allem daran lag, dass die Autorin sie wundervoll bildhaft beschrieben hat. Doch das Ende und auch die Geschichte um Olly und seine Familie haben mich nicht wirklich zufriedengestellt. Deswegen vergebe ich trotz großer Begeisterung über weite Teile des Buches hinweg nur 7 von 10 Sternen.

stern 7

„Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ war 2016 für den DJLP nominiert.

Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt – Nicola Yoon – Hardcover – 336 Seiten – 16,99 € – ISBN-13: 978-3-7915-2540-2 – erschienen: September 2015 (Dressler) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Der Riese, der mit dem Regen kam“ von Stefan Boonen

Klappentext:

Albert und Kalinda teilen ein Geheimnis: Sie haben in der Nacht, in der es regnete, einen Riesen vor dem Fenster gesehen. Gleichzeitig. Albert im dritten Stock und Kalinda im siebten. Und dabei hatte Albert schon Angst, dass in seinen Sommerferien wieder nichts passiert. Aber dieses Mal kann er sich nicht beklagen: Das Hochhaus, in dem sie wohnen, wird verkauft und alle müssen ausziehen. (Quelle)

Meine Meinung:

– „Und? Wie war das Buch?“
– „Gut, aber irgendwie auch etwas schräg.“
– „Und das überrascht dich bei diesem Titel?“

Ja, ein bisschen überrascht hat es mich wirklich, denn dieses Buch hat meiner Meinung nach mehrere Erzählebenen. Ob ich wirklich alle durchschaut habe oder vielleicht sogar zu viel in die Geschichte hinein interpretiere? Ich weiß es nicht.

„Du bekommst nur eine einzige Chance im Leben; wenn die kommt, darfst du nicht zögern.“ (S. 12)

Ort des Geschehens und irgendwie schon fast ein eigener Charakter ist das Sommerhochhaus: ein Hochhaus, wie es am Rande jedes kleinen Ortes stehen könnte – ein wenig trostlos und verfallen, grau und kalt. Im Sommerhochhaus wohnen die verschiedensten Leute: Zum Beispiel Rosie, die in ihrer Wohnung einen ganzen Gemischtwarenladen hat. Oder Doktor Korzy, der alle benhandelt, außer man fragt ihn, ob er wirklich Arzt ist.

Und dann ist da Albert, der gemeinsam mit seiner Mutter und seinen fünf Schwestern im Sommerhochhaus wohnt. Aber eigentlich ist es auch egal, ob Albert dort wohnt oder nicht. Seine Mutter und seine Schwestern, die alle gleich aussehen, beachten ihn sowieso nicht. Für sie ist nur eine Sache wichtig: den Durchbruch als Fotomodell zu schaffen. Und so streiftAlbert alleine durch das Sommerhochhaus, das für ihn so viel mehr ist als nur ein baufälliges Gebäude.

Eines Tages zieht dann Kalinda ins Sommerhochhaus. Und in ihrer ersten Nacht in der neuen Wohnung passiert etwas, das das Leben von Albert und Kalinda von Grund auf verändert: Beide beobachten das Erscheinen von Pjiep, dem Riesen.

„Ein großes Loch wurde sichtbar, tief und dunkel, und aus der Dunkelheit tauchten zwei mächtig große Hände auf.
‚Uiuiui, da bin ich also‘, murmelte eine Stimme, die klang wie ein Gewitter aus der Ferne.“ (S. 7)

„Der Riese, der mit dem Regen kam“ ist kein fröhliches Kinderbuch. Für mich strahlt es auf eine märchenhafte Weise sehr viel Melancholie aus. Es thematisiert den Wunsch von Kindern, geliebt zu werden und etwas Besonderes zu sein. Es bietet aber auch leise Hoffnung in Form von Freundschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl. Es ist ein Buch, das ich immer noch nicht ganz greifen kann. Und das finde ich in diesem Fall äußerst positiv. Ich vergebe nachdenkliche 7 von 10 Sternen!

stern 7

Der Riese, der mit dem Regen kam – Stefan Boonen & Tom Schoonoooghe (Illustration) – Hardcover, 256 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-7373-5178-2 – erschienen: März 2016 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 8 Jahren – Übersetzung: Andrea Kluitmann

[Kurzer Leseeindruck] „Plötzlich It-Girl. Wie ich aus Versehen das coolste Mädchen der Schule wurde“ von Katy Birchall

Reiheninfo:

  1. „Plötzlich It-Girl. Wie ich aus Versehen zum coolsten Mädchen der Schule wurde“
  2. „Plötzlich It-Girl. Wie ich versuchte, die größte Sportskanone der Schule zu werden“

Klappentext:

Meine Lebensziele: 1) Meine zwei allerbesten (und einzigen) Freunde um jeden Preis behalten. (Dann darf ich die beiden aber nicht ständig durch meine peinlichen Aussetzer in Verlegenheit bringen.) 2) Meinem Hund beibringen, mich mit der Pfote abzuklatschen. Das ist das ehrgeizigste Lebensziel auf dieser Liste. 3) Miss Schulprinzessin nicht (noch mal) in Brand stecken. 4) Herausfinden, ob 2) oder 3) peinliche Aussetzer sind. 5) Nach Afrika gehen und Reis an die Armen verteilen. 6) Mich für den REST MEINES LEBENS im Schrank verstecken, weil mein Vater sich mit der berühmtesten Schauspielerin EVER verlobt hat, die Paparazzi mit meinem Gesicht jedes Titelbild des Landes vollkleistern wollen und jeder auf meiner Schule (und der ganzen Welt) erfahren wird, was für ein Loser ich bin. (Quelle)

Mein Eindruck:

Anna ist in der Schule nicht wirklich beliebt. Sie hat nur wenige Freunde und das coolste Mädchen der Schule hasst sich, weil Anna aus Versehen die Haare ihrer besten Freundin in Brand gesteckt hat. Doch als Annas Vater sich mit einer berühmten Schauspielerin verlobt, wird plötzlich alles anders …

„Plötzlich It-Girl“ ist ein locker-flockiges Buch, das eindeutig für Jugendliche geschrieben wurde. Die Handlung ist relativ vorhersehbar, aber unterhaltsam. Themen wie Liebe und Freundschaft, wahre und falsche Freunde, Identität und Selbstbewusstsein stehen ganz unaufdringlich im Vordergrund.

Ich habe das Buch gerne gelesen, obwohl Anna mir an einigen Stellen etwas zu naiv war. Der nette Humor reißt das aber wieder raus und ich vermute, dass die Geschichte vor allem Mädchen im Alter von etwa 12-14 Jahren begeistern kann. 7 von 10 Sternen!

stern 7

Plötzlich It-Girl. Wie ich aus Versehen das coolste Mädchen der Schule wurde – Katy Birchall – Klappbroschur – 320 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-505-13701-3 – erschienen: September 2015 (Schneiderbuch) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Dante Walker – Seelensammler“ von Victoria Scott

Klappentext:

Dante Walker ist brillant in seinem Job als Seelensammler. Bis er vor einer echten Herausforderung steht – nämlich vor Charlie Cooper, einem total abgedrehten Mädel, dessen Seele er seinem Boss binnen zehn Tagen in die Hölle liefern soll. Eigentlich ein Klacks für jemanden mit Dantes Qualitäten. Doch die werden auf eine harte Probe gestellt, als Nerd Charlie Dantes Gefühlswelt teuflisch durcheinander bringt … (Quelle)

Meine Meinung:

Victoria Scott kenne ich schon durch „Feuer & Flut“, das mich damals sehr gut unterhalten hat. Als ich von „Dante Walker“ gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich auch diees Werk der Autorin lesen wollte.

Dante ist als Ich-Erzähler und absoluter Bad Boy nicht uninteressant. Nach seinem Tod wurde er zum Seelenfänger und arbeitet nun für den Teufel. Indem er Menschen dabei erwischt, wie sie größere und kleinere Sünden begehen, kann er einen Schatten auf ihr Seelenlicht werfen und so dafür sorgen, dass sie nach ihrem Tod in der Hölle landen. Eines Tages erhält er einen Spezialauftrag: Er soll die Seele von Charlie Cooper fangen. Doch das scheint aus mehreren Gründen nicht ganz einfach: Zum einen ist Charlies Seele strahlend weiß: Sie ist einfach ein guter Mensch, der Gutes tut. Zum anderen ist Dante mehr und mehr fasziniert von diesem Mädchen – und das, obwohl sie so gar nicht in sein übliches Beuteschema passt.

„In meinem ganzen Leben habe ich noch nie jemanden so lächeln sehen, wie Charlie mich jetzt anlächelt. Eine Sekunde lang habe ich tatsächlich ein schlechtes Gewissen.“ (S. 52)

Charlie ist für mich das wahre Highlight an diesem Buch. Genauso wie Dante konnte ich mich ihrem Charme nicht entziehen. Ihre positive, wenn auch manchmal etwas naive Art, ist wirklich ansteckend. Menschen wie Charlie sind wertvoll.

Wenn Mädchen wie Charlie auf jemanden wie Dante stoßen, muss es unweigerlich zu komischen Situationen kommen. Eine meiner liebsten Szenen ist die, in der Dante versucht, Charlie zu verführen, und sie komplett anders reagiert, als er es geplant hat. Insgesamt erzählt Victoria Scott die Geschichte mit viel Humor, so dass ich beim Lesen immer mal wieder in mich hinein kichern musste.

„Dante Walker – Seelensammler“ ist der Auftaktband zu einer Trilogie, die im englischen schon komplett erschienen ist. Dieser erste Band überzeugt durch sympathische Charaktere, einer netten – wenn auch etwas vorhersehbaren – Story und viel Humor. Vollkommen und restlos begeistern konnte mich die Geschichte nicht, denn ich habe das Gefühl, Geschichten solcher Art (also zumindest von der Grundidee her) schon zu oft gelesen zu haben. Und trotzdem bietet das Buch gute Leseunterhaltung! 7 von 10 Sternen!

stern 7

Dante Walker – Seelensammler – Victoria Scott – Taschenbuch – 480 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-570-31010-6 – erschienen: November 2015 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren – Übersetzung: Michaela Link

[Rezension] „Der Rat der Wächter“ von A. J. Hartley

Reiheninfo:

  1. „Mr. Peregrines Geheimnis“
  2. „Der Rat der Wächter“
  3. engl.: „Darwen Arkwright and the School of Shadows“

Vielleicht enthält diese Rezension leichte Spoiler zum ersten Band!

Klappentext:

Der elfjährige Darwen Arkwright, der seinen ersten Winter in Atlanta erlebt, ist nicht wie die anderen: Er ist Vollwaise, er kommt eigentlich aus England – und durch einen Spiegel gelangt er jederzeit in das geheimnisvolle Silbrica, eine Welt voll magischer Kreaturen. Als der Torwächter Mr. Peregrine, der ihm den Weg durch den Spiegel gewiesen hat, plötzlich als Lehrer an Darwens Schule auftaucht, ahnt er, dass das nächste Abenteuer bevorsteht. Und tatsächlich: Bei einer Klassenfahrt nach Costa Rica eröffnet Mr. Peregrine Darwen, dass in den undurchdringlichen Regenwäldern eine unheimliche Kreatur ihr Unwesen treibt. Sie scheint nicht von dieser Welt zu sein, und Darwen soll herausfinden, durch welche Pforte sie in die Menschenwelt eindringt – und sie für immer vertreiben. Darwen ahnt, dass er sich auf eine gefährliche Mission einlässt. Ein Glück, dass ihm seine Freunde Rich und Alexandra treu zur Seite stehen … (Quelle)

Meine Meinung:

Bevor ich hier konkreter auf das Buch und meine Meinung zu der Geschichte eingehe, muss ich auf jeden Fall sagen, dass ich den ersten Band dieser Jugendfantasyreihe nicht gelesen habe. Mir war leider vor dem Lesen gar nicht bewusst, dass dies nicht der erste Band ist. Liebe Verlage, es wäre schön, wenn ihr das schon auf dem Cover oder dem Buchrücken deutlich machen würdet.

Nichtsdestotrotz habe ich relativ zügig in die Geschichte hineingefunden. Die Story an sich ist auch recht simpel: Hauptfigur ist Darwen, ein elfjähriger Junge, der die Fähigkeit hat, durch Spiegel in eine Parallelwelt zu reisen. Bei einem seiner Besuche in dieser Welt, Silbrica, muss Darwen mitansehen, wie ein Junge in seinem Alter von einem furchterregendem Monster verschleppt wird. Gemeinsam mit seinen Freunden Alex und Rich setzt Darwen alles daran, den Jungen in Silbrica zu finden und zu retten.

Ich finde es ja immer etwas schwierig, Vergleiche zwischen Büchern zu ziehen. Zum einen werden falsche Erwartungen geweckt und zum anderen ist eben doch jedes Buch einzigartig und individuell. Und trotzdem liest sich „Der Rat der Wächter“ ein bisschen wie eine Mischung aus Harry Potter, Percy Jackson und Narnia. Von der Qualität her kommt es aber nicht ganz an diese Werke heran.

Mich hat es etwas gestört, dass sich Darwen und seine Freunde so gar nicht wie Elfjährige, sondern deutlich älter verhalten. Außerdem wirkt die Geschichte an manchen Stellen etwas konstruiert und vorhersehbar. Und trotzdem: Ich habe das Buch an einem Tag verschlungen. Es gibt eben Bücher, die zwar deutliche Schwächen haben, aber einfach trotzdem enorm unterhaltsam sind. Und zu dieser Art gehört „Der Rat der Wächter“ auf jeden Fall. Insbesondere jüngere Leser werden sicherlich ihren Spaß an der Geschichte haben!

„Der Rat der Wächter“ erinnert ein wenig an Harry Potter, Percy Jackson und Narnia.  Das Buch hat zwar gerade im Vergleich damit einige deutliche Schwächen, überzeugt aber durch absolute Leichtlesigkeit. Ich habe das Buch quasi ohne Pause inhaliert und mich wunderbar unterhalten gefühlt, so dass ich insgesamt 7 von 10 Sternen vergebe.

stern 7

Der Rat der Wächter – A. J. Hartley – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 17,99 € – ISBN: 978-3-453-26765-7  – erschienen: Oktober 2014 (Heyne fliegt) – Übersetzung: Kirsten Borchardt – Altersempfehlung: ab 12 Jahren