[Rezension] „We could be heroes“ von Laura Kuhn

9783551316912Klappentext:

Der Umzug aufs Land kommt für Lou gerade recht. Denn seit sie ihre beste Freundin geküsst hat und von ihr zurückgewiesen wurde, weiß Lou gar nicht mehr, was los ist. Doch dann trifft sie in ihrer neuen Schule die schöne und geheimnisvolle Elia und es ist, als hätte ein Blitz in ihrem Leben eingeschlagen. Lou fällt es nicht leicht, mit ihren Gefühlen umzugehen, doch sie will zu ihnen stehen – egal, was passiert. (Quelle)

Meine Meinung:

Lou ist froh, als sie umziehen muss und einige Kilometer sie von ihrer besten Freundin in der alten Heimat trennen. Denn obwohl sie die furchtbar vermisst, kann sie ihr nur schwer in die Augen sehen. Warum? Lou empfindet mehr für Nathalie als nur Freundschaft. So viel mehr, dass sie sie neulich auf einer Party einfach geküsst hat.

Im neuen Haus auf dem Land meint Lou ihren Gefühlen erstmal aus dem Weg gehen zu können – bis sie plötzlich Elia an ihrer Schule sieht! Elia, die so wunderschön ist und Lou einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.

„Was soll ich bloß tun? Seit Tagen und Wochen geht mir diese Frage nicht mehr aus dem Kopf. Es ist erstaunlich, dass sie da überhaupt noch ein bisschen Platz gefunden hat – neben Elias Lächeln, Elias Gesicht, Elias Stimme.“ (S. 121)

Lou muss nun an der neuen Schule nicht nur Freunde finden und herausfinden, ob und wie sie die Freundschaft zu ihrer besten Freundin Nathalie aufrecht erhalten möchte. Nun muss sie auch noch eine Möglichkeit finden, wie sie Elia näher kennenlernen kann. Und sie muss sich mit ihren eigenen Gefühlen auseinander setzen.

An manchen Stellen des Buches könnte man der Autorin sicherlich vorwerfen, dass sie etwas zu kitschig und gefühlsduselig geschrieben hat. Mich hat dies aber gar nicht gestört. Im Gegenteil: Während des Lesens war ich selbst auch sehr fasziniert von Elia – vielleicht sogar ein bisschen verliebt. Und trotzdem ist das Buch, zumindest in meinen Augen, keine klasse Liebesgeschichte, denn viel von der Handlung findet in Lous Innerem statt. Diese Entwicklung zu begleiten, hat mir wirklich viel Freude gemacht.

Die Geschichte, die sich zwischen den Buchdeckeln befindet, ist genauso schön wie das Cover: Man spürt Wärme, Lebensfreude und die Freiheit der Gefühle! 8 von 10 Sternen!

stern 8

We could be heroes – Laura Kuhn – Taschenbuch – 256 Seiten – 7,99 € – ISBN: 978-3-551-31691-2 – erschienen: März 2017 (Carlsen)

 

[Reihenrezension] „Mythos Acedemy 1-6“ von Jennifer Estep

Reiheninfo:

  1. „Frostkuss“
  2. „Frostfluch“
  3. „Frostherz“
  4. „Frostglut“
  5. „Frostnacht“
  6. „Frostkiller“

Meine Meinung:

Nachdem Gwens Mutter verstirbt, muss Gwen auf ein Internat gehen. Doch die Mythos Acedemy ist kein normales Internat, sondern eine Schule, in der Kriegerinnen und Krieger ausbildet werden, die irgendwann gegen den bösen Gott Loki kämpfen sollen. Und so sitzt Gwen nun Seite an Seite mit Spartanern, Wallküren und Kelten, die alle perfekt im Kämpfen ausgebildet sind. Neben ihnen fühlt sich Gwen eher fehl am Platze, denn ihre Gypsy-Gabe scheint eher unspektakulär: Sie kann beim Berühren eines Gegenstandes oder einer Person Erinnerungen, Gefühle und Gedanken wahrnehmen. Und doch wird Gwens Rolle im Kampf gegen Loki und seine Gefolgschaft eine sehr bedeutende werden …

Nachdem ich von Jennifer Estep die „Black Blade“-Reihe gelesen habe, wollte ich unbedingt mehr leichtlesige Jugendfantasy und die habe ich bekommen. Gwen ist (zumindest in den ersten Bänden) eine ähnlich sympathische Hauptfigur wie Lila. Stur, selbstbewusst und mit einem starken Willen versehen. Das Setting fand ich zunächst etwas ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, habe mich dann aber schnell an die Vorstellung gewöhnt, dass es viele Wesen, Menschen und Götter der Mythologie in dieser Geschichte wirklich gibt.

Dass mich die Reihe gefesselt hat, kann man schon daran erkennen, dass ich alle sechs Bände innerhalb kürzester Zeit nacheinander gelesen habe. Trotzdem muss ich sagen: Wenn die Geschichte nur in vier Büchern erzählt worden wäre, hätte ich das auch nicht schlimm gefunden. Manche Themen wiederholen sich einfach etwas zu häufig. Trotzdem habe ich gerne Zeit mit Gwen und ihren Freunden verbracht und kann die Reihe durchaus weiterempfehlen. Vielleicht sollte man aber etwas zwischendurch noch das ein oder andere Buch lesen. 🙂

[Kurzer Leseeindruck] „Fremd“ von Ursula Poznanksi & Arno Strobel

Klappentext:

Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich? (Quelle)

Mein Eindruck:

Ich muss zugeben, dass ich ein ganz klein wenig unsicher war, bevor ich dieses Buch begonnen habe. „Layers“, das letzte Buch von Ursula Poznanski, konnte mich nicht vollends überzeugen. Und von Arno Strobel hatte ich bis dato noch gar nicht gelesen. Doch meine Sorge war vollkommen unbegründet: Die Art, die Geschichte zu erzählen, ist wirklich genial. Natürlich ist es nicht neu, wenn die Handlung eines Buches aus zwei Perspektiven geschildert wird, die sich ergänzen und erst zusammen ein vollständiges Bild ergeben.

Doch was ist, wenn sich die beiden Perspektiven vollkommen widersprechen und man als Leser doch weiß, dass beide der Wahrheit entsprechen? Warum kann sich Joanna einfach nicht mehr an diesen fremden Mann erinnern, mit dem sie angeblich verlobt sein soll? Und warum findet Erik in der gemeinsam Wohnung von ihm und Joanna plötzlich keine seiner persönlichen Besitztümer mehr wieder? Selbst sein Kleiderschrank ist verschwunden!

„Fremd“ hat mich wirklich gut unterhalten, hat ein größtenteils stimmiges, wenn auch nicht ganz überraschendes Ende. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Fremd – Ursula Poznanksi & Arno Strobel – Klappbroschur – 400 SEiten – 16,99 € – ISBN:  978-3-8052-5084-9 – erschienen: Oktober 2015 (Rowohlt)

[Blogtour // Rezension] „Drachengift“ von Markus Heitz

Reiheninfo:

  1. „Die Mächte des Feuers“
  2. „Drachenkaiser“
  3. Drachengift“

Diese Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden.

Klappentext:

Sie sind die Mächte des Feuers. Sie bringen Tod und Vernichtung über die Welt. Doch Silena und ihre Gefährten schlagen zurück, um das Überleben der Menschheit zu sichern …
Mit »Drachengift« eröffnet Markus Heitz die finale Schlacht zwischen den Menschen und den feuerbewehrten Geschöpfen. Silenas Kampf gegen die Drachen geht weiter, allerdings tritt neben dem Officium Draconis und den freien Drachenjägern plötzlich ein neuer Mitbewerber auf den Plan: eine mysteriöse Flugstaffel, die zu einem Chemie-Unternehmen gehört und mit Sprühmitteln gegen die Drachen vorgeht. Und Grigorij benimmt sich zusehends merkwürdiger. Als sei er unter den Bann eines Drachen gefallen … (Quelle)

Meine Meinung:

„Die rote Drachin fegte mit kräftigen Schwingenstößen heran, die roten Augen fest auf das Luftschiff gerichtet. Die Schnauze mit den gefährlichen Zähnen öffnete sich leicht und vorfreudig.“ (S. 234)

Silena und ihre Verbündeten haben im Kampf gegen die Drachen zwar schon große Erfolge eingefahren, dennoch bedrohen die Ungetüme immer wieder die Menschheit. Silena kann ihnen gerade aber nicht entgegentreten: An der Seite von Grigorij muss sie als Zarin vor allem die politischen Geschicke Russlands und ihr neugeborenes Kind, zu dem sie so gar keine mütterlichen Gefühle aufbauen kann, im Auge behalten. Der Zar selbst steht mehr und mehr unter dem Einfluss seiner Drogen – und dem schwarzen Drachen Tugarin …
Gleichzeitig kommt in Europa ein Mittel auf den Markt, das als Gift gegen Drachen wirken und die Menschheit endlich von den Bestien befreien soll. Ist dies tatsächlich die langersehnte Hoffnung?

Was wäre, wenn hinter allen politischen Intrigen und Kämpfen eigentlich die Machenschaften von mächtigen Drachen stecken würden? Dieser Frage geht Markus Heitz in seiner Drachen-Trilogie nach, die mit „Drachengift“ (zumindest vorerst) seinen Abschluss findet.

Wie auch schon die ersten beiden Bände spielt auch der dritte Teil in den Zwanzigerjahren in unserer Welt. Von kleinen Details – und eben der Tatsache, dass es Drachen gibt – einmal abgesehen, ist die beschriebene Welt unglaublich realistisch gekennzeichnet. Das hatte für mich beim Lesen zur Folge, dass der Gedanke, Drachen würden heimlich unsere Erde regieren, gar nicht mehr so unrealistisch wirkte.

Erzählt wird die Geschichte, und das ist sehr typisch für Markus Heitz, aus den verschiedensten Perspektiven: So geraten zum Beispiel neben Silena auch ihr Mann Gregorij, der ägyptische Drachentöter Ahmat und die toughe Leída in den Fokus. Als Leser hat man so, anders als die Figuren selbst, schnell ein komplettes Bild der Situation. Was genau es mit dem Drachengift Resacro auf sich hat und wie verzwickt die einzelnen Intrigen tatsächlich sind, hätte ich beim Lesen allerdings nicht vermutet. Insbesondere die Auflösung um Resacro hat mir sehr gut gefallen.

Wer zum Beispiel die Zwerge-Reihe von Markus Heitz gelesen hat, weiß, dass er es sich gerne offen hält, eine eigentlich beendete Reihe eventuell doch noch weiter zu führen. Auch in „Drachengift“ gibt es einige Andeutungen und ungeklärte Einzelheiten, die ggf. in einem weiteren Band aufgegriffen werden könnten. Hierzu gehört auch die Geschichte um die Archäologin Ulrika Mang, die meiner Meinung nach ansonsten nicht viel zur aktuellen Handlung beiträgt. Das hat mich beim Lesen etwas gestört, da ich keinen Bezug zu ihr aufbauen konnte.

„Drachengift“ ist der würdige Abschluss einer ganz besonderen Fantasy-Reihe, in der Markus Heitz die Drachen in die Welt der Zwanzigerjahre holt. An der Seite von Silena und ihren Mitstreitern kämpft der Leser wieder ein Mal gegen die Vorherrschaft der Drachen – und verliert dabei eine Bedrohung aus einer gänzlich anderen Richtung aus den Augen. Insgesamt vergebe ich 8 von 10 Sternen!

stern 8

Am Ende dieser Blogtour wird es auf his & her books ein Gewinnspiel zur Drachen-Reihe geben. Was genau ihr gewinnen könnt (und alle weiteren Informationen), erfahrt ihr am 15. Januar eben auf diesem Blog. Was ihr dafür tun müsst, ist allerdings jetzt schon klar: Auf allen teilnehmenden Blogs findet ihr in den entsprechenden Beiträgen eine Frage, die einfach in den Kommentaren beantwortet werden soll.

Blogtour_Heitz_Drachengift

Meine Frage an euch:

Wie findet ihr es, wenn ein Autor in dem Abschlussband einer Reihe bewusst einige Details offen lässt, um eventuell irgendwann doch noch in die entsprechende Welt und Handlung zurückzukehren?

Ich wünsche euch viel Erfolg! 🙂

Drachengift – Markus Heitz – Hardcover mit SU – 560 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-492-70353-6 – erschienen: Januar 2016 (Piper)

[Rezension] „24 Geschichten bis Weihnachten: Ein Adventskalenderbuch“ von Katharina Braun (Hrsg.)

Klappentext:

Dieser Adventskalender verkürzt ganz ohne Schokolade die Wartezeit bis Weihnachten. 24 namhafte Autoren erzählen 24 bezaubernde Adventsgeschichten – mal lustig, mal nachdenklich, mal besinnlich, mal humorvoll. Dazu hat Franziska Harvey 24 hinreißende doppelseitige Illustrationen und 24 Vignetten gezeichnet. Jede Geschichte versteckt sich zwischen verschlossenen Doppelseiten, die ab dem 1. Dezember bis zum Heiligabend täglich an der Perforation aufgetrennt werden. So vergeht die Zeit bis Heiligabend wie im Flug! (Quelle)

Meine Meinung:

Wenn man mal ehrlich ist: Das tollste an einem Adventskalender ist doch neben der Überraschung, was das nächste Türchen enthält, eben das Öffnen eben dieses Türchens. Und genau das kann man bei diesem Adventskalender auch tun. Wie das?

Jede Geschichte besteht aus am Rand zusammenheftenden Doppelseiten, die man täglich vorsichtig mit einem Brieföffner auseinander trennen kann. Wunderschön!

Auch inhaltlich sind die Geschichten nicht nur für die kleinen Leser und Zuhörer geeignet, sondern haben auch mich noch beim Lesen in weihnachtliche Stimmung versetzt. Meine Lieblingsgeschichten waren „Der fehlende Adventskalender“ von Christine Fehér, „Wen das Christkind lieb hat“ von Beatrix Mannel und „Der gestohlene Weihnachtsbaum“ von Jürgen Banscherus. Mal sind die Geschichten lustig, mal sogar etwas spannend und mal wirklich anrührend, weil sie eben den Sinn von Weihnachten – die Nächstenliebe – so schön darstellen. Mit einer Länge von maximal vier Seiten können sich auch die Jüngsten gut bis zum Schluss konzentrieren.

Genau so stelle ich mir ein Adventskalenderbuch für Kinder vor. 24 nette, nicht zu lange Geschichten, untermalt mit schönen Illustrationen und als Highlight die auftrennbaren Doppelseiten. Viele Geschichten fand ich wirklich sehr nett und lesenswert. Da mir aber – wie sollte es auch anders sein, Geschmäcker sind nun mal verschieden – nicht alle Geschichten gefielen, gibt es von mir 8 von 10 Sternen.

stern 8

24 Geschichten bis Weihnachten – Katharina Braun (Hrsg.) – Taschenbuch – 200 Seiten – 6,99 € – ISBN: 978-3-596-81107-6 – erschienen: September 2012 (Fischer)

[Rezension] „Calpurnias faszinierende Forschungen“ von Jacqueline Kelly

Reiheninfo:

  1. „Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“
  2. „Calpurnias faszinierende Forschungen“

Klappentext:

Calpurnia liebt die Natur und träumt davon, Forscherin zu werden. Von ihrem Großvater hat sie gelernt, Pflanzen zu bestimmen und wissenschaftliche Instrumente einzusetzen. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Travis versorgt sie hilfsbedürftige Tiere. Ein Gürteltier, ein Waschbär und ein Hundewelpe finden bei ihr ein Zuhause auf Zeit. Callie füttert und untersucht die Tiere, liest bei Darwin nach und vertieft ihre naturkundliche Bildung. Als ein Tierarzt in den Ort zieht, wird klar, dass sie genau die richtige Assistentin für ihn ist. Doch Veterinär ist ein Beruf für Jungen und Callie ist das einzige Mädchen in der Familie … (Quelle)

Meine Meinung:

Vor zwei Jahren hatte ich das große Vergnügen Calpurnia Virginia Tate kennenzulernen. Gemeinsam mit ihrem Großvater entdeckte sie in „Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“ ihre Liebe für die Natur – und setzte sich damit gegen ihre Eltern durch, die es viel lieber sehen würden, wenn Calpurnia nur Klavier spielen und nähen lernen würde. Vor einiger Zeit gab es für mich dann eine freudige Überraschung: Es gibt eine Fortsetzung zu Calpurnias Abenteuern!

„Warum solltest du denn studieren dürfen? Du bist doch bloß ein Mädchen. Du zählst doch fast gar nichts.“ (S. 170)

„Calpurnias fasziniernede Forschungen“ unterscheidet sich insofern von seinem Vorgänger, als dass dieses Jahr vor allem Tiere im Fokus des jungen Mädchens stehen. Außerdem spielt ihr jüngerer Bruder Travis eine größere Rolle. Travis ist herzallerliebst: Er kann nicht an einem hilfebdürftigen, verletzten Tier vorbei gehen, ohne es bei sich auf zu nehmen, zu hegen und pflegen. Und so ist Calpurnia als seine große Schwester immer wieder gezwungen, Tiere zu füttern, die eigentlich in die Wildnis gehören, und ihnen Namen zu geben – was absolut unwissenschaftlich ist, wie Calpurnia eigentlich weiß!

Als dann ein Tierarzt in den Ort zieht, ist Calpurnia von Anfang an fasziniert. Wie ein Schwamm saugt sie alle Informationen auf, die sie bekommen kann, und schon bald zeigt sich, dass sie eine begnadete Assistentin wäre. Da gibt es nurein Problem: Ein Mädchen kann keine Tierärztin werden. Calpurnia muss gegen die festgefahrenen Geschlechterrollen zu Beginn des 20. Jahrhunderts kämpfen – mal wieder …

„Für mich schien alles auf die eine Frage hinauszulaufen, die mir unablässig durch den Kopf ging: Bin ich nicht genauso intelligent wie meine Brüder? Die Antwort lautet: Nein.
Ich war intelligenter.
Und wenn ich meinen Weg durch diese Welt alleine gehen musste, dann war’s eben so. Ich würde ihn schon finden.“ (S. 171)

Wie schon der erste Band lebt auch dieses Buch vor allem durch Calpurnia selbst. Sie ist einfach eine tolle Protagonistin mit ihrem Wissensdurst und ihrer unbändigen Neugier, ihrer Liebe zur Natur und all ihren Lebenwesen. Beim Lesen wurde mir noch ein Mal richtig bewusst, was für ein Privileg es ist, dass ich lernen, studieren und arbeiten darf, was ich möchte, ohne dabei durch mein Geschlecht eingeschränkt zu sein; etwas, das für meine Generation fast schon selbstverständlich ist.

Jacqueline Kelly erzählt die Abenteuer von Calpurnia Virgina Tate in einem sehr ruhigen und entspannten Erzählton. Die einzelnen Kapitel wirken auf mich viel mehr wie kleine, unterhaltsame Anekdoten; die eigentliche Haupthandlung entwickelt sich eher langsam, was ich nur passend und realistisch finde. Doch die unaufgeregte Erzählweise führt nicht dazu, dass die Geschichte langweilig wird, dazu sind die Charaktere zu liebenswert und die einzelnen Entwicklungen dann doch zu interessant.

„Calpurnias faszinierende Forschungen“ gehört zu jenen Büchern, die mich begeistern und total glücklich zurücklassen, ohne dass ich wirklich sagen kann, woran das liegt. Die Autorin hat eine tolle Hauptfigur geschaffen und stellt ihr in diesem Buch mit ihrem jüngeren, tiervernarrten Bruder Travis noch eine reizende Begleitung an die Seite. Ich liebe es, gemeinsam mit Calpurnia Tiere zu retten, Würmer zu sezieren und für das Recht auf Bildung zu kämpfen. Ich kann nur hoffen, dass es noch einen dritten Band geben wird. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Calpurnias faszinierende Forschungen – Jacqueline Kelly – Hardcover – 320 Seiten – 16,90 € – ISBN 978-3-446-24930-1  – erschienen: Juli 2015 (Hanser) – Übersetzung: Birgitt Kollmann – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Auf der richtigen Seite“ von William Sutcliffe

Klappentext:

Joshua lebt mit seiner Mutter und seinem Stiefvater in Amarias, einer künstlich errichteten Siedlung, an deren Rand eine schwerbewachte Mauer verläuft. Joshua hat gelernt, dass hinter der Mauer der Feind lebt, der Tag für Tag darauf lauert, die Siedler zu töten. Und dass die Mauer ihn und sein Volk beschützt.
Doch eines Tages findet Joshua einen Tunnel, der unter der Mauer hindurchführt. Er weiß, dass er so schnell keine Gelegenheit mehr bekommen wird, einen Blick auf die andere Seite zu werfen. Die Versuchung ist zu groß. Und von dem Moment an, als Joshua seinen Kopf aus dem Tunnel streckt, ist sein Leben nicht mehr so, wie es vorher war. (Quelle)

Meine Meinung:

Joshua ist schon lange unglücklich in Amarias, der künstlichen Siedlung, in der er seit dem Tod seines Vaters gemeinsam mit seiner Mutter und seinem hasserfüllten Stiefvater leben muss: Mit den Jungen aus seiner Schule kommt er nicht gut zurecht, mit seinem Stiefvater gerät er ständig aneinander und die Stadt an sich wirkt so wenig lebendig. Auf seiner Seite der Mauer patroullieren ständig Soldaten und was auf der anderen Seite ist, weiß er gar nicht so genau.
Als er eines Tages durch Zufall einen Tunnel entdeckt, der unter der Mauer durchführt, zögert Joshua nur kurz – und klettert dann durch den Tunnel. Auf der anderen Seite wirkt alles, obwohl es viele zerstörte und plattgewalzte Gebäude gibt, irgendwie lebendiger. Als er vor einer Jungenbande fliehen muss, erhält Joshua unerwartet Hilfe von einem Mädchen der anderen Seite. Komisch, dabei ist sie doch eigentlich böse und der Feind – oder doch nicht?

„Wann hörst du endlich auf mit diesem Blödsinn? Du weißt ganz genau, wer unsere Leute sind. Du und ich und Menschen wie wir. Unsere Freunde.“
„Aber ich habe Freunde auf der anderen Seite der Mauer. Und es gibt Menschen auf dieser Seite der Mauer, die ich hasse. Es wohnt jemand in diesem Haus, den ich hasse. Also wer sind dann meine Leute? Sag es mir.“
(S. 275)

Amarias ist eine fiktiv, genauso wie die dortige Mauer und doch weist der Autor selbst in einem Nachwort auf den Vergleich mit der Westbank im Westjordanland hin, die die Israelis von den Palästinensern trennt. Die Art und Weise, wie Sutcliffe diese Thematik aufgreift, Joshuas Sicht auf die Welt und die beiden Seiten der Mauer finde ich sehr gelungen. Der erst 13jährige Junge hat einen offenen und unvoreingenommenen Blick auf die Menschen in seinem Umfeld und beurteilt sie nach dem, was sie tun, und nicht danach, auf welcher Seite der Mauer sie leben. Der deutsche Titel für dieses Jugendbuch „Auf der richtigen Seite“ (engl. „The Wall“) finde ich gelungen provozierend. Gibt es eine richtige Seite?

Neben dieser Fragestellung geht es in dem Buch vor allem auch um Joshuas Entwicklung und die Abgrenzung von Liev, seinem Stiefvater. Immer wieder muss Joshua mit seinen Aggressionen und seinem Hass gegenüber allem, was nicht in Lievs Weltbild passt, umgehen und lernt erst langsam, sich gegen den so dominanten Stiefvater durchzusetzen. Auch Joshuas Mutter spielt in all ihrer Passivität eine große Rolle in der Geschichte.

William Sutcliffe behandelt in „Auf der richtigen Seite“ zwei sehr spannende Themen und verknüpft diese gekonnt miteinander. Joshua ist ein toller, vielleicht für sein Alter etwas zu reifer, Ich-Erzähler, der eine unheimlich starke Entwicklung durchmacht und für das einsteht, an das er glaubt. Überzeugend und unaufgeregt beschreibt der Autor das Leben eines Jugendlichen, der nicht gewillt ist, die Welt nur schwarz-weiß wahrzunehmen. 8 von 10 Sternen!

stern 8

„Auf der richtigen Seite“ war 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Hier gibt es Unterrichtsmaterial zu dem Buch.

Auf der richtigen Seiten – William Sutcliffe – Hardcover mit SU – 352 Seiten – 16,99 € – ISBN:  978-3-499-21231-4 – erschienen: September 2014 (Rowohlt) – Übersetzung: Christiane Steen

[Kurzer Leseeindruck] „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan

Klappentext:

Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.
Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein? (Quelle)

Mein Eindruck:

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist ein Jugendbuch ganz nach meinem Geschmack. Vordergründig lebt es vor allem durch eine sehr geniale Idee, die ich so bisher noch nicht kannte, und einer schönen, aber auch spannenden Liebesgeschichte. Leser, sowohl Jungen als auch Mädchen, können mit A mitfiebern, hoffen, bangen und sich verlieben.

Hintergründig verbirgt sich in der Geschichte eine tolle Moral: Es ist nicht wichtig, wie jemand aussieht oder welches Geschlecht er hat. Was einen Menschen ausmacht, ist das, was in ihm steckt. Ich mag es, dass sich dem (jugendlichen) Leser diese Weisheit nicht aufdrängt, sondern nur ganz beiläufig mitschwingt. Genauso wie es ganz nebenher sämtliche Arten von Jugendlichen gibt, in deren Körper A für einen Tag feststeckt: hübsche und weniger hübsche, nette und wirklich gemeine, geliebte und von ihren Eltern unbeachtete, hetero- und homosexuelle, schwarze und weiße Jugendliche. Die ganze Bandbreite!

Für dieses unterhaltsame und gleichzeitig kluge Jugendbuch gibt es von mir 8 von 10 Sternen!

stern 8

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ war 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Letztendlich sind wir dem Universum egal – David Levithan – Hardcover mit SU – 400 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-8414-2219-4 – erschienen: März 2014 (Fischer) – Übersetzung: Martina Tichy

[Rezension] „Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch

Klappentext:

Klamotten, Partys, Jungs und Schule: Diese Welt ist Carey und ihrer kleinen Schwester Jenessa völlig fremd. Die Geräusche des Waldes, das beengte und doch so vertraute Zusammenleben im Wohnwagen und die oft tagelange Abwesenheit ihrer Mom – das ist der Alltag der Mädchen, die in einem Trailer tief versteckt inmitten eines Naturschutzgebietes leben. Als Careys und Jenessas Vater die Mädchen zu sich und seiner neuen Familie holt, finden die Tage im Wald ein jähes Ende. Doch ihr altes Leben lässt sie noch nicht los.

Meine Meinung:

Carey und ihre kleine Schwester Jenessa wachsen im Wald auf. Mitten im Wald. Ihre Mutter ist psychisch krank und drogenabhängig. Immer wieder lässt sie ihre Töchter wochen- und teilweise monatelang alleine; mit nur wenigen Konservendosen als Essensreserve. Und so musste Carey schon früh erwachsen werden, viel zu früh: Sie sorgt für Nessa, bringt ihr Lesen und Schreiben bei, tröstet sie, wenn diese mal wieder nach ihrer Mutter schreit, und jagt Kaninchen und andere Tiere, um zumindest ab und an gehaltvolle Nahrung auf den Tisch zu bekommen.

Eines Tages dann, ihre Mutter ist mittlerweile über drei Monate weg, werden Carey und Nessa dann von einer Jugendamtsmitarbeiterin und ihrem Vater im Wald gefunden. Der Vater nimmt die beiden zu sich, wo sie mit seiner neuen Frau und Stieftochter gemeinsam ein normales Leben führen sollen. Doch das ist gar nicht so leicht, denn insbesondere Carey wird immer wieder von den Erinnerungen an ihr früheres Leben eingeholt.

Die Publishers Weekly hat diesen Jugendroman mit den Worten kommentiert, dass man sich in diese Heldinnen sofort verlieben muss. Und das ist so wahr, dass ich mich der Meinung einfach anschließen muss. Von Carey und Nessa geht ein großer Charme aus. Die beiden, die die meiste Zeit ihres Lebens nur sich selbst hatten. Zu gerne würde man sie als Leser in den Arm nehmen. Ganz kurz nur und behutsam, denn Nähe, Liebe und Vertrauen von Erwachsenen sind sie nicht gewohnt.

Das Schicksal der beiden hat mich so gefesselt, dass ich mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören mochte. Ich wollte die beiden unbedingt in Sicherheit wissen. Wollte mich davon überzeugen, dass es ihnen in ihrem neuen Heim gut geht, dass sie klar kommen. Denn da gibt es immer noch Zweifel und ein großes Geheimnis. Was hat damals in der Nacht der weißen Sterne dazu geführt, dass Jenessa ihre Sprache verloren hat?

Lange Zeit hat mich dieses Buch wirklich umgehauen und sprachlos immer weiter lesen lassen. Das Schicksal der Mädchen, aber auch die Hoffnung auf ein Zuhause, auf Liebe und Fürsorge haben mich total ergriffen. Zum Ende hin gehen mir manche Handlungsstränge allerdings etwas zu schnell, manche Zufälle finde ich nicht glaubhaft genug – zu passend. Das ist schade, denn das Buch an sich hätte diesen Teil der Geschichte (Carey lernt in der Schule einen Jungen kennen und fühlt sich schnell zu ihm hingezogen) nicht nötig gehabt. Ob die Entwicklung überhaupt realistisch ist, wage ich auch zu bezweifeln. Trotzdem vergebe ich 8 von 10 Sternen für eine sehr besondere Geschichte.

stern 8

„Wenn ihr uns findet“ wurde 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Wenn ihr uns findet – Emily Murdoch – Hardcover mit SU – 304 Seiten – 15,99 € – ISBN: 978-3-453-53434-6 – erschienen: März 2014 (Heyne fliegt) – Übersetzung: Julia Walther – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Klar ist es Liebe“ von Sandy Hall

Klappentext:

Lea und Gabe wären das perfekte Paar. Das erkennen alle um sie herum: der beste Freund, die Mitbewohnerin, ja sogar der Busfahrer und die Starbucks-Bedienung. Sie haben denselben College-Kurs belegt, sie bestellen das gleiche Essen, die mögen dieselben Filme. Aber obwohl die Luft zwischen ihnen knistert und alle Vorzeichen stimmen, scheinen sie den richtigen Augenblick immer zu verpassen. Werden Lea und Gabe es schaffen, trotzdem zueinanderzufinden? (Quelle)

Meine Meinung:

„Mir fallen besonders die beiden Schnuckelchen auf, die sich die ganze Zeit schöne Augen machen, wenn sie glauben, dass niemand es mitbekommt. Aber sobald der andere den Blick bemerkt, sehen sie weg.
Das ist so goldig, dass ich immer wieder zu ihnen hinsehen muss.“ (S. 29)

Auch Maxine, die über siebzig Jahre alte Kellnerin in einem Diner nahe des Colleges, merkt, dass Lea und Gabe ineinander verliebt sind und perfekt zueinander passen. Das merken übrigens alle, nur eben die beiden selbst nicht.

„Klar ist es Liebe“ erzählt die Liebesgeschichte zwischen Lea und Gabe, aber eben aus dem Blickwinkel anderer Personen (und Dinge). So erlebt man die Handlung aus der Sichtweise von Gabes Bruder oder Leas Mitbewohnerin, der Dozentin des Literaturkurses oder der Parkbank. Als ich vor dem Lesen gehört habe, wie das Buch und eben die Erzählweise aufgebaut ist, war ich total fasziniert. Das klang spannend und anders. Letztendlich ist das aber weniger spektakulär umgesetzt, als ich es vorher erwartet hatte. Da Lea und Gabe beide recht mitteilsam sind, weiß man doch zu jeder Zeit, was sie voneinander halten, fühlen und denken.

Und trotzdem ist das Buch ein perfektes Sonntags-Wohlfühlbuch: Die Geschichte ist, auch wenn sie an sich nichts besonderes ist, wirklich nett und es hat schon seinen Charme, sie zum Beispiel von einem Eichhörnchen oder von einem grummeligen Mitstudenten erzählt zu bekommen, der von den ständigen verliebten Blicken und den unbeholfenen Flirtversuchen mehr als genervt ist.

„Klar ist es Liebe“ ist nicht ganz so besonders, wie ich es vor dem Lesen erwartet habe. Und trotzdem habe ich es, gemütlich eingekuschelt in eine Decke, an einem Sonntagmorgen in einem Rutsch durchgelesen. Die Geschichte wird mir zwar nicht noch Jahre lang im Kopf herumschwirren, aber sie hat mir einige schöne Lesestunden beschert. Knappe 8 von 10 Sternen!

stern 8

Klar ist es Liebe – Sandy Hall – Klappbroschur – 272 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-7373-5209-3 – erschienen: August 2015 (Sauerländer) – Übersetzung: Maren Illinger – Altersempfehlung: ab 14 Jahren