[Rezension] „Mein Sommer mit Mucks“ von Stefanie Höfler

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Nach „Tanz der Tiefseequalle“ und „Der große schwarze Vogel“ ist „Mein Sommer mit Mucks“ nun mein drittes Buch von Stefanie Höfler. Wie auch schon bei den letzten beiden Büchern konnte mich die Autorin auch hier wieder direkt packen. Schon nach wenigen Seiten, wenigen Sätzen war ich mittendrin. Ich mag es einfach wie Frau Höfler schreibt. Ihr gelingt es unheimlich gut, interessante Charaktere zu schaffen und diese dem Leser sehr schnell näher zu bringen – so auch Zonja.

Zonja mit Z, die nicht genau weiß, warum ihre Eltern sie mit einem solchen Namen gestraft haben, verbringt ihre Zeit gerne im Schwimmbad um Leute zu beobachten. Sie ist nämlich unfassbar neugierig.

„Ich aber, ich interessiere mich für absolut alles. Ich liebe Statistiken und schwierige Wörter. Und ich sammle Fragen, auf die ich Antworten finden will. Jeden Tag. In meiner Hosentasche habe ich eigentlich immer einen kleinen Zettel mit meiner persönlichen Frageliste bei mir.“ (S. 9)

Ganz am Anfang der Sommerferien muss Zonja dann aber ihren bequemen Beobachterposten unter dem Baum im Freibad aufgeben, um einen großen, schlacksigen Jungen mit Segelohren aus dem Wasser zu retten. Und sofort wird Zonja neugierig: Heißt der Junge wirklich Mucks? Warum kann er in seinem Alter nicht schwimmen? Und warum wirkt Mucks oft so unfassbar traurig?

„‚Wie sind deine Eltern eigentlich so?‘, frage ich jetzt.
Mucks zuckt nur mit den Schultern. Er guckt dabei komisch leer an mir vorbei. Ins Irgendwo.“ (S. 25)

Als erwachsener Leser ahnt man schnell, warum Mucks oft so traurig ist. Warum er in dem einen Moment noch so herzhaft lacht, dass man einfach mitlachen muss, um im nächsten Moment wütend davonzustürmen. Auch Zonja macht sich ihre Gedanken, doch das erste Mal ist sie sich nicht sicher, ob es wirklich klug ist, all ihre Fragen sofort zu stellen.

„Mein Sommer mit Mucks“ ist ein Buch, das traurig macht und bewegt. Das Hoffnung gibt und ein warmes Gefühl vermittelt. Das mich mit seinem Ende überrascht hat. Es ist mal wieder ein Buch, das mir wirklich gut gefallen hat und das ich mir auch als Schullektüre vorstellen kann. 8 von 10 Sternen!

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„Mein Sommer mit Mucks“ war 2016 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie „Kinderbuch“ nominiert.

Mein Sommer mit Mucks – Stefanie Höfler – Taschenbuch – 140 Seiten – 5,95 € – ISBN: 978-3-407-74725-9 – erschienen: Juni 2019 (Gulliver) – Altersempfehlung: ab 11 Jahren

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[Rezension] „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ von Verena Reinhardt

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Kann aus einer gemeinen und hinterlistigen Entführung eine wundervolle Freundschaft entstehen?

Im Falle des ungleichen Paares von Friedrich Löwenmaul und Hieronymus Brumsel ist dies tatsächlich so. Friedrich Löwenmaul stammt aus einer Familie berühmter Hummelreiter. Leider hat er selbst so gar kein Talent. Er ist mehr damit beschäftigt, die Pokale seiner Verwandten abzustauben und leckeres Essen zu kochen. Doch dann wird er eines Tages entführt – und das von keinem geringeren als von Hieronymus Brumsel, dem berüchtigsten Spion der Königin von Südwärts. Gemeinsam sollen die beiden den Norden des Landes ausspionieren, um dadurch einen Krieg zu verhindern. Doch dann kommt alles ganz anders als erwartet und Friedrich kann zeigen, was wirklich in ihm steckt. Denn das ist viel mehr, als er selbst jemals gedacht hätte …

Die Geschichte „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ hat mich aus meiner Leseflaute geholt. Sie überzeugt vor allem durch ihre andersartigen Charaktere, denn wer hat schon jemals einen heldenhaften Fantasy-Abenteuerroman gelesen, in dem eine Hummel und ein Hummelreiter die Hauptrolle spielen? Die Idee, die hinter der Geschichte steckt, ist wirklich süß und liest sich toll. Auch die Handlung kommt nicht zu kurz: Freundschaft, Heldenmut und Intrigen – all das wird Friedrich erleben. Und plötzlich hat er das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein und gar nicht mehr der langweilige, talentlose Spross einer ansonsten so berühmten Hummelreiterfamilie.

„Friedrich nickte und spürte ein aufgeregtes Flattern in der Magengrube. Zum ersten Mal fühlte er sich zu einer Gefahr hingezogen. Überhaupt kam es ihm so vor, als würde die Haut des alten Friedrich Löwenmaul Stück für Stück von ihm abfallen, als wäre sie überflüssig geworden. Er fühlte sich viel leichter ohne sie.“ (S. 145)

Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, für welche Zielgruppe die Geschichte geschrieben wurde. Der Verlag gibt ein Alter ab 10 Jahren an. Das hätte ich ähnlich eingeschätzt, allerdings finde ich, dass das Buch für so junge Leser mit seinen 519 Seiten vielleicht etwas lang ist.

Mir hat „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ wirklich gut gefallen. Die besonderen Charaktere, die tolle Entwicklung von Friedrich und die schöne Freundschaft zwischen ihm und Brumsel machen die Geschichte zu einem wahren Lesevergnügen. 8 von 10 Sternen!

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2017 wurde das Buch für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie „Neue Talente“ nominiert.

Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul – Verena Reinhardt – Taschenbuch – 521 Seiten – 17,95 € – ISBN: 978-3-407-82097-6 – erschienen: September 2016 (Gulliver) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

[Rezension] „Die Spiegelreisende 1: Die Verlobten des Winters“ von Christelle Dabos

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Vermutlich habt ihr schon von DER neuen Fantasyreihe gehört, die teilweise sogar mit dem Harry Potter – Universum verglichen wird: Die Spiegelreisende!

Die Reihe besteht aus vier Bänden: Der erste Band ist bereits erschienen, die übrigen drei Teile werden alle vermutlich innerhalb eines Jahres erscheinen, was ich sehr angenehm finde. Es gibt ja kaum etwas Schlimmeres, als einen tollen Reihenauftakt zu lesen und dann mehrere Jahre auf die Fortsetzung warten zu müssen.

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Den erste Band, „Die Verlobten des Winters“, habe ich gestern beendet und muss sagen, dass ich die Begeisterung gut nachvollziehen kann. Vom Plot her hat die Geschichte meiner Meinung nach gar nichts mit Harry Potter gemein – das sollte man auf keinen Fall erwarten -, aber sie besticht ebenso durch erfrischend neue Ideen und eine ganz besondere Hauptfigur.

Schon vor Jahren ist die Welt in verschiedene Teile zersplittert,  in sogenannte Archen. Auf einer dieser Archen lebt Ophelia, die es genießt möglichst unscheinbar zu sein. Doch hinter ihrem etwas langweiligen Äußeren und ihrer tollpatschigen und schüchternen Art verstecken sich enorme Fähigkeiten: Ophelia kann nicht nur durch Spiegel reisen, sie ist auch eine hervorragende Leserin: Durch das Berühreren von Gegenständen kann sie ihre Geschichte lesen.

Doch dann muss Ophelia eines Tages ihr geliebtes, ruhiges Zuhause verlassen, um auf die weit entfernte Arche Pol zu ziehen, wo sie an den wortkargen und überall unbeliebten Thorn verheiratet werden soll. Dort ist nichts so, wie es scheint, und überall lauern Intrigen, Illusionen und Gefahr!

Meiner Meinung nach ist dieses Buch ein typischer Reihenauftakt: Es braucht etwas, bis das Setting und Hauptfiguren eingeführt sind. Erst dann nimmt die Handlung langsam Fahrt auf. Und dennoch mochte ich das Buch von Anfang an nur ungern zur Seite legen. Die letzten einhundert Seiten habe ich dann in einem Rutsch gelesen und bin sehr gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Noch kann ich viele Charaktere nur schwer durchschauen und bin freu mich darauf, welche Überraschungen die kommenden drei Bände noch für mich bereithalten.

Mein Fazit: Die neue Saga um die Spiegelreisende Ophelia ist zu Recht in aller Munde! Die Autorin, Christelle Dabos, hat eine faszinierende fantastische Welt erschaffen, die mich absolut begeistern konnte, vor allem weil ich viele der Ideen aus dem Buch so bisher noch nicht kenne. 8 von 10 Sternen für einen absolut gelungenen Reihenauftakt!

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Auf dieser Seite findet man übrigens in Form von wirklich beeindruckenden Zeichnungen die schönsten Fanbeiträge zur Reihe.

Die Spiegelreisende 1: Die Verlobten des Winters – Christelle Dabos – Hardcover – 535 Seiten – 18,00 € – ISBN: 978-3-458-17792-0  – erschienen: März 2019 (Insel Verlag) – Übersetzung: Amelie Thoma

[Rezension] „Tausend kleine Schritte“ von Toni Jordan

20190416_124352.jpgKlappentext:

Grace Lisa Vandenburg zählt alles, was sie umgibt, jede Kleinigkeit: die Schritte bis zu ihrem Lieblingscafé (920), die Streusel auf ihrem Orangenkuchen (12 – 92) und die Buchstaben ihres Namens (19). Erst Seamus O’Reilly und sein unwiderstehlicher Wunsch, hinter das Geheimnis ihres Lebens zu kommen, lässt sie die Kontrolle verlieren. (Quelle)

Meine Meinung:

Manchmal finden Bücher ja aus einem ganz bestimmten Grund zu einem. Dieses Buch hat mir eine liebe Freundin geliehen, weil es ihr so gut gefallen hat und es so besonders war. Der Klappentext hat mich eigentlich auch sofort angesprochen: Ich mag besondere Figuren mit kleinen Macken. Und ich mag Zahlen – zum Glück aber nicht ganz so sehr wie Grace Lisa Vandenburg 😉 . Dass das Buch dann doch mehr als zwei Jahre ungelesen bei mir lag, liegt vor allem am Cover, das zwar auch irgendwie besonders ist, mich aber nicht total angesprochen hat.

Einmal mit dem Buch angefangen mochte ich aber auch nicht wirklich aufhören. Grace ist einfach eine sehr liebenswerte Hauptfigur. Sie zählt wirklich alles: So muss Grace zum Beispiel erst zählen, wie viele Mohnkörner auf ihrem Orangenkuchen sind, damit sie weiß, mit wie vielen Bissen sie ihn essen muss.

Seamus trifft sie das erste Mal im Supermarkt. Sie steht an der Kasse und kauft unter anderem genau 10 Bananen. Doch als sie diese auf das Kassenband legen möchte, muss sie erschreckt feststellen, dass es doch nur 9 sind. Was soll sie tun? Sie kann nicht nur 9 Bananen kaufen! Kurzerhand klaut sie dem Mann an der Kasse hinter ihr die Banane aus seinem Einkaufskorb. Dieser Mann ist Seamus. Seamus ist toll. Ein Mann zum Verlieben. Groß, stark, liebevoll. Und vor allem verständnisvoll. Langsam beginnt Grace sich zu öffnen …

Natürlich läuft ab da nicht einfach alles rund. Das wäre ja ja zu schön und vielleicht sogar ein bisschen langweilig. Die Geschichte der beiden liest sich sehr unterhaltsam und amüsant, obwohl sie stellenweise wirklich tragisch ist. Das liegt vor allem am Grace und ihrem charmanten Wortwitz. Das Einzige, was mich gestört hat, waren die immer wiederkehrenden langen Ausschweifungen zu Nikolas Tesla, den Grace aufgrund seiner Liebe zu den Zahlen verehrt.

„Tausend kleine Schritte“ ist eine schöne und unterhaltsame Geschichte, die zum einen durch Grace und Seamus, vor allem aber durch Grace‘ lockeren Erzählton zu begeistern weiß. Obwohl viele Situationen einer gewissen Komik nicht entbehren, zieht die Autorin das zwanghafte Zählen von Grace nicht ins Lächerliche. Was am Ende bleibt, ist die Aussage: Jeder ist gut so, wie er ist – trotz oder gerade wegen seiner Eigenheiten.

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Tausend kleine Schritte – Toni Jordan – Taschenbuch – 272 Seiten – 11,00 € – ISBN: 978-3-492-25963-7 – erschienen: Oktober 2010 (Piper) – Übersetzung: Brigitte Jakobeit

[Rezension] „Heldenhaft“ von Andreas Thamm

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„Ich erinnere mich nicht wegen des Wetters an diesen Sommer, sondern weil es der Sommer war, in dem alles passierte: Mitch kam zurück und wir wurden kurz ein bisschen kriminell. Lea und ich kamen uns näher, und ich nahm mir vor, sie zu retten.“ (S. 5)

Andi ist 17 in diesem Sommer, in dem alles passierte. Langsam und bedächtig, in kurzen, teilweise etwas abgehackten Sätzen berichtet er davon, wie sein früherer Freund Mitch aus dem Knast wiederkommt, wie er und sein bester Freund Ferdi plötzlich mittendrin in einem Einbruch stecken – natürlich wegen Mitch – und wie er Lea näher kommt. Lea, dem schönsten Mädchen der Welt. Lea, dem Christenmädchen. Lea, dem Mädchen dessen Eltern ihr gar nichts erlauben.

„Ich wusste noch nicht einmal, ob es irgendwie legitim war, bereits das große L-Wort rauszuholen, wenn man das fühlte, was ich fühlte. Weil das ja irgendwie schon der Eiffelturm unter den Wörtern ist.“ (S. 109)

Als ich das Buch gerade eben beendet und in meine Leseliste eingetragen habe, war ich mir sehr unsicher, wie ich es bewerten sollte. 6 Sterne? 7 Sterne? 8 Sterne? Die Geschichte hatte mir an sich gefallen, aber die Sprache fand ich an manchen Stellen doch zu jugendlich. Manchmal war mir das Erzähltempo etwas zu langsam, aber die Moral der Geschichte finde ich toll.

Letztendlich habe ich mich doch für 8 Sterne entschieden, denn die Geschichte ist irgendwie echt. Manchmal gerät man einfach so in ein Schlamassel, ohne es zu wollen. Manchmal dauert es eben, bis man sich traut, das Nachbarsmädchen anzusprechen. Manchmal ist man ein Held, auch wenn man kein großes Wunder vollbringt. Ein Alltagsheld eben. Ein ganz normaler Alltagsheld.

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Heldenhaft – Andreas Thamm – Hardcover – 256 Seiten – 17,00 € – ISBN 978-3-7348-5035-6  – erschienen: Januar 2019 (Magellan) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Alex Verus 1: Das Labyrinth von London“ von Benedict Jacka

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  1. „Alex Verus 1: Das Labyrinth von London“
  2. „Alex Verus 2: Das Ritual von London“ (erscheint am 15.4.2019)
  3. engl. Titel: „Taken“
  4. engl. Titel: „Chosen“
  5. engl. Titel: „Hidden“
  6. engl. Titel: „Veiled“
  7. engl. Titel: „Burned“
  8. engl. Titel: „Bound“
  9. engl. Titel: „Marked“

Rezension

Alex Verus ist ein Magier und betreibt in London das „Arcana Emporium“: einen kleinen Laden für magisches Zubehör. Anders als viele andere Magier hält er sich von anderen seiner Zunft und insbesondere von dem Rat der Magier fern. Seine einzigen näheren Bekannten sind das gutmütige, aber auch etwas schlichte Windelementar Starbreeze, die Schneiderin Arachne und die junge, mit einem Fluch gesegnete Luna. In Alex Vergangenheit sind zahlreiche Gründe zu finden, sich von anderen Magiern – und insbesondere von Schwarzmagiern – fernzuhalten. Doch dann wird in London ein altes und mächtiges Artefakt gefunden und gleich mehrere Parteien wollen den Magier und seine Fähigkeit als Wahrsager für sich und ihre eigenen Belange nutzen.

„Das Labyrinth von London“ ist der erste Band der neuen Fantasyreihe um den Magier Alex Verus. Ich war zunächst ganz begeistert, dass der zweite Band schon im April erscheint und dann ganz überrascht, dass es im Englischen schon ganze neun Teile der Reihe gibt.

Der erste Band um den sympathischen Wahrsager Alex Verus ist zwar nicht der Pageturner schlechthin, konnte mich aber trotzdem in vielen Aspekten überzeugen. Das Thema des Wahrsagens finde ich oft etwas heikel. Wenn jemand die Zukunft vorhersehen kann, wie kann er sie dann noch ändern? Haben wir dann überhaupt noch Einfluss auf das, was geschehen wird? Alex beschreibt seine Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, meiner Meinung nach sehr plausibel: Für ihn offenbaren sich unendliche viele Möglichkeiten, wie sich die Zukunft entwickeln kann – Strang für Strang. Und je nachdem, welchen Strang man wählt, zieht dies unterschiedliche Konsequenzen nach sich.

Ein weiterer Pluspunkt von „Das Labyrinth von London“ sind die Charaktere. Alex Verus selbst ist mir sehr sympathisch – auch wenn ein sehr dunkler Teil in seiner Vergangenheit immer mal wieder angedeutet wird. Seine Gehilfin Luna, gleichzeitig gesegnet und gestraft mit ihrem Fluch, bringt ganz viel Potenzial für Entwicklung mit sich. Wie magiebegabt auch sie vielleicht ist, steht noch in den Sternen. Und außerdem: ein bisschen knistert es auch zwischen Luna und Alex – aber auch wirklich nur ein ganz kleines bisschen – versprochen! 🙂

Erzählt wird die Geschichte von Alex selbst: Auf humorvolle Art beschreibt er, was passiert, klärt uns über wichtige Hintergründe und Grundlagen der Magie auf und warnt uns vor Einhörnern: Ja, sie sind wunderschön, aber alles andere als unschuldig. Aber das nur am Rande.

„Das Labyrinth von London“ hat mich wirklich gut unterhalten. Die tollen Charaktere, die ausgefeilte Handlung und die humorvolle Erzählweise hat mich vergessen lassen, dass manche Szenen für meinen Geschmack noch etwas fesselnder und spannender hätten sein können. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Band und auf das nächste Abenteuer von Alex und Luna. 8 von 10 Sterne!

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Alex Verus 1: Das Labyrinth von London – Benedict Jacka – Klappbroschur – 416 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-7341-6165-0 – erschienen: Juli 2018 (Blanvalet) – Übersetzung: Michelle Gyo

 

[Reihenrezension] „Das Lied der Krähen“ & „Das Gold der Krähen“ von Leigh Bardugo

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Reiheninfo:

  1. „Das Lied der Krähen“
  2. „Das Gold der Krähen“

Ja, ihr habt richtig gesehen: Diese Reihe ist tatsächlich „nur“ eine Duologie und damit bereits vollständig erschienen. Das ist ja mittlerweile eher unüblich. Insbesondere im phantastischen Bereich gibt es gefühlt fast nur noch Trilogien. Und bei vielen muss man sehnsüchtig auf die folgenden Bände warten.

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Reihe tatsächlich rezensieren möchte, denn es ist wirklich schwer, etwas über den Inhalt zu sagen, ohne zu viel zu verraten. Da die beiden Bücher aber zu meinen absoluten Lesehighlights 2018 gehört haben, wage ich es jetzt doch mal.

Kaz ist schlau, skrupellos und brutal – und damit einer der führenden Ganoven in Ketterdam. Eines Tages erhält er ein verlockendes, aber auch lebensgefährliches Angebot. Ein Kaufmann hat ihn angeheuert, um einen begabten und gefährlichen Magier aus dem bestgesichertsten Gefängnis befreien. Um den Job meistern zu können, schart Kaz fünf Gefährten um sich, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

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Tolle FanArt der sechs Krähen (gefunden auf dem Tumblr-Blog: Organized Chaos“

Und genau diese sechs Krähen (Mitglieder des Krähenclubs, einer der Banden in Ketterdam) machten für mich die Lektüre so unvergleichlich und spannend. Den schlauen, aber auch brutalen und sehr abgebrühten Kaz habe ich genauso in mein Herz geschlossen, wie den lebensfrohen und zielsicheren Jesper oder den so heldenhaften, aber auch etwas steifen Fjerdan Matthias. Und den noch unsicheren und dennoch tapferen Wylan mochte ich wegen seines guten Herzens sowieso ganz besonders gern. Unter den sechs Krähen sind auch zwei tolle weibliche Figuren. Die „Spinne“ Inej war mein absoluter Liebling, aber auch die Grischa Nina ist toll und liebenswert gezeichnet.

Grischa ist übrigens ein passendes Stichwort. Die Geschichte der Krähen ist in der gleichen Welt angesiedelt wie Leigh Bardugos Grischa-Trilogie, die ich bisher noch nicht gelesen habe, und erhält dadurch auch ihren phantastischen Touch.

Beide Bände brauchen ein bisschen, bis die Handlung in Fahrt kommt, aber wegen der ansonsten grandiosen Handlung und der – wie bereits gesagt – besonders toll Charaktere kann ich darüber locker hinwegsehen und diese Duologie bedingungslos empfehlen. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Das Lied der Krähen – Leigh Bardugo – Klappbroschur – 592 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-426-65443-9 – erschienen: Oktober 2017
Das Gold der Krähen – Leigh Bardugo – Klappbroschur – 592 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-426-65449-1 – erschienen: September 2018

 

[Rezension] „Good Night Stories for Rebel Girls 2. Mehr außergewöhnliche Frauen“ von Francesca Cavallo & Elena Favilli

Im März 2018 habe ich den ersten Band „Good Night Stories for Rebel Girls.100 außergewöhnliche Frauen“ gelesen und wirklich sehr gerne gemocht. Das Buch gehörte (trotz minikleiner Kritikpunkte) sogar zu meinen Jahreshighlights. Nun ist endlich der Folgeband erschienen und ich habe es auch dieses Mal sehr genossen, kurz in die einzelnen Lebensgeschichten von so verschiedenen Frauen einzutauchen.

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Bevor ich euch ein bisschen an den für mich spannendsten Geschichten teilhaben lasse und euch hoffentlich ein wenig neugierig mache, muss ich aber doch noch einen kleinen Kritikpunkt äußern, der mich schon beim Lesen des ersten Bandes beschäftigt hat. In beiden Bänden werden Frauen wie z.B. Anne Bonny beschrieben. Anne Bonny war eine Piratin, die plündernd, kapernd und mordend durch die Karibik segelte. Ja, mit Sicherheit ist sie eine außergewöhnliche Frau gewesen, aber ein Vorbild? In meinen Augen definitiv nicht.

Aber nun schnell wieder zu den wirklich spannenden und beeindruckenden Frauen, die in diesem Buch vorgestellt werden.

So hat mich zum Beispiel die Tennisspielerin Billie Jean King sehr beeindruckt, die für gleiche Preisgelder für Männer und Frauen im Tennis gekämpft hat.

„In Sicherheit zu leben sollte ein angeborenes Recht jedes Menschen sein.“ (S. 60)

Dies ist ein Zitat von Clemantine Wamariya, eine Geschichtenerzählerin und Aktivistin. Sie überlebte den Völkermord in Ruanda und versucht nun, mit ihrer Geschichte anderen Flüchtlingen zu helfen.

Ebenso eine Aktivistin ist die noch sehr junge Yeonmi Park, die mit ihrer Mutter aus Nordkorea floh. Ihr Buch „Meine Flucht aus Nordkorea“ habe ich direkt auf meine Wunschliste gesetzt.

Zu guter Letzt möchte ich euch noch ganz kurz Shamsia Hassani vorstellen, die eine Graffitikünstlerin aus Afghanistan ist. Shamsia sprayt dort vor allem Bilder von Frauen an Hauswände und Gassen, um etwas für die Frauenrechte in ihrem Land zu tun.

„Die Frauen, die ich male, sind keine Frauen, die zu Hause bleiben. Es sind neue Frauen, voller Energie.“ (S. 182)

Es ist immer wieder erstaunlich und erschreckend, in wie vielen Bereichen des Lebens es immer noch keine Gleichberechtigung gibt. Umso beeindruckender war es, die Geschichten der Frauen zu lesen, die sich von den vorherrschenden Umständen nicht haben unterkriegen lassen und das getan haben, was ihnen wichtig war. Immer wieder habe ich zwischendurch nach Zusatzinfos gesucht, mir z.B. Bilder von der Graffitikünstlerin oder Videos der Spinnenfrau Luo Dengping angesehen.

Auch der zweite Band hat mir sehr gut gefallen und ich habe nur einen kleinen Kritikpunkt. Schade, dass ich mit der Lektüre schon wieder durch bin, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich in ein paar Jahren das Buch nochmal zur Hand nehme. 8 von 10 Sternen.

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Good Night Stories for Rebel Girls 2. Mehr außergewöhnliche Frauen – Cavallo & Favilli – Hardcover – 224 Seiten – 24,00 € – ISBN 978-3-446-26106-8 – erschienen: November 2018 (Hanser)

[Rezension] „Sophie Scholl: Die Comic-Biografie“ von Ingrid Sabisch und Heiner Lünstedt

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Den Namen „Sophie Scholl“ haben sicher die meisten schon ein Mal gehört. Vermutlich wissen auch die allermeisten, dass sie Mitglied der Widerstandsbewegung „Die weiße Rose“ war. Sophie kämpfte während des zweiten Weltkriegs unter anderem gemeinsam mit ihrem Bruder gegen den Nationalsozialismus. Im Februar 1943 wurde sie dabei entdeckt, wie sie Flugblätter in der Münchener Universität verteilte. Daraufhin wurde sie der Gestapo übergeben und kurz danach hingerichtet.

„Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue daher meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die daraus erwachsen, auf mich nehmen.“ (S. 48)

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Eine Comic-Biographie kann natürlich nicht so im Detail informieren, wie es eine ausführliche und schriftliche Biographie kann. Was aber das vorliegende Buch durchaus kann, ist neugierig machen und einen groben Überblick über das Leben und die Denkweise dieser mutigen, tapferen jungen Frau zu geben. Die nötige historische Grundlage für das Buch entsteht durch den tatsächlichen Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und ihrem Verlobten Fritz Hartnagel.

Gerade in der heutigen Zeit, während der aktuellen politischen Situation, in der es scheinbar mehr und mehr in Ordnung ist, auch als Politiker rechte Parolen zu äußern, zeigt die Lebensgeschichte von Sophie Scholl, wie wichtig es ist, laut zu sein, seine Meinung zu äußern und zu gewissen Werten und Idealen zu stehen!

Wer bisher noch nicht so viel von Sophie Scholl weiß, aber Interesse an dem Leben einer tapferen Widerstandskämpferin hat, für den ist diese Comic-Biographie sicherlich ein guter Einstieg. Mich hat das Buch neugierig gemacht. Außerdem bin ich dankbar, dass es Menschen wie Sophie Scholl gibt, die mutig für das einstehen, woran sie glauben.

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Sophie Scholl: Die Comic-Biographie – Ingrid Sabisch und Heiner Lünstedt – Hardcover – 59 Seiten – 19,95 € – ISBN 978-3-86873-807-0 – erschienen: September 2015 (Knesebeck)

[Rezension] „Hyde“ von Antje Wagner

bgHC_wagner_hyde_u1R.inddKatrina hatte eine wundervolle Kindheit: Gemeinsam mit ihrer Schwester Zoe und ihrem Vater lebte sie in Hyde: einer kleinen, abgelegenen Hütte mitten im Wald. Hier hat sie gelernt die Rufe der Vögel zu verstehen, hat gelernt mit welchen Pflanzen man heilen kann und wie Holz am besten bearbeitet wird. Hier war sie glücklich. Hier war sie lebendig.

Schaut euch das Feuer an, es flüstert.
Papas Stimme.
Wir lagen in unseren Bettennestern, Zoe und ich, die Kerze auf dem Boden flackerte. Alles war weich im Flammenlicht, alles floss und die Wände pulsierten wie etwas Lebendiges. (S. 45)

Jetzt ist Katrina gerade 18 Jahre alt geworden und alles andere als glücklich. Offiziell ist sie auf der Walz – den Wanderjahren nach ihrem Abschluss der Lehre als Tischlerin. Doch eigentlich sinnt sie auf Rache. Rache für den Tod an ihrer Schwester und ihrem Vater. Warum mussten Katrinas Vater und ihre Schwester sterben? Wie hat Katrina die Jahre dazwischen verbracht? Und warum kann sie sich an nicht mehr an alles erinnern?

Antje Wagner gehört zu meinen liebsten Jugendbuchautorinnen. Sie schreibt einfach unfassbar einnehmend und atmosphärisch dicht. Ihre Beschreibungen von Hyde, die Geborgenheit, die Katrina dort empfunden hat, sind beim Lesen zum Greifen nah. Ich konnte beim Lesen förmlich die Blätter rascheln hören, den See und den Wald riechen und den weichen Boden fühlen.

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Antjes Bücher sind aber oft auch anspruchsvoller und literarischer als viele andere Jugendbücher. Die verschiedenen Ebenen werden miteinander verwoben, Gegenwart und Vergangenheit begegnen sich, Erinnerung und Gefühle treffen aufeinander, Reales und Mystisches vermischen sich und sind kaum noch trennbar.

„Hyde“ hat mir in ganz vielen Aspekten gut gefallen. Ich mochte Katrina, die gleichzeitig so tough, aber auch so verletztlich ist. Ich mochte es, Stück für Stück mit Katrina ihre Vergangenheit zu erforschen, in den vielen Rückblenden zu erfahren, wie Katrina zu der liebenswerten Frau wurde, die sie jetzt ist. Die Geschichte hält einige spektakuläre Wendungen für den Leser parat, so dass es schwer fällt, das Buch auch nur für einen kurzen Moment beiseite zu legen.

Wie oben schon angedeutet gibt es in den Büchern von Antje Wagner oft noch eine zweite Ebene, eine mystische, nicht ganz reale Erzählperspektive. Zum Beispiel in „Unland“ oder „Vakuum“ hat mir diese zweite Sichtweise wirklich gut gefallen. In „Hyde“  konnte ich damit nicht so viel damit anfangen, sie hat mein Lesevergnügen allerdings auch nicht geschmälert.

„Hyde“ ist das neue, literarisch hochwertige Jugendbuch der sympathischen Autorin Antje Wagner. Die spannend und sehr einnehmend erzählte Geschichte konnte mich voll und ganz in ihren Bann ziehen, obwohl mir persönlich die leicht mystische Handlungsebene der Geschichte nicht komplett gefallen hat. Antje Wagner weiß mit Worten umzugehen und eine Atmosphäre zu schaffen, die ihre Leser nicht loslässt. Ich vergebe insgesamt 8 von 10 Sternen!

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Hyde – Antje Wagner – Hardcover – 408 Seiten – 17,95 € – ISBN: 978-3-407-75435-6 – erschienen: Juli 2018 (Beltz)