[Kurzer Leseeindruck] „Isla. Schwanenmädchen“ von Lucy Christopher

Isla SchwanenmädchenKlappentext:

Jedes Jahr warten wir auf sie. Sie kommen, wenn es kalt wird. Papa sagt, sie kündigen Wundervolles an. Wir stehen ganz früh auf und beobachten, wie sie über dem See kreisen, im Wasser landen und dann weiterziehen. Sie sind so schön und stolz – und auch ein bisschen unheimlich. Aber in diesem Jahr ist gar nichts wundervoll. Papa muss ins Krankenhaus, weil er was Schlimmes am Herzen hat. Und ein einzelner Schwan bleibt einfach auf dem See zurück, ganz allein. Irgendwas stimmt nicht mit ihm, so wie bei Papa. Wenn ich es schaffe, dass der Schwan wieder fliegt und seine Familie findet, vielleicht wird Papa dann ja wieder gesund. (Quelle)

Mein Eindruck:

Lucy Christopher konnte mich bisher mit und „Stolen“ und „Kiss me, kill me“ voll und ganz überzeugen. Während sich diese beiden Bücher eher an ältere Jugendliche richten, ist „Isla. Schwanenmädchen“ sicherlich vor allem etwas für Leser im Alter von 11-14 Jahre. Die Geschichte, die Lucy Christopher hier erzählt, ist so vieles: Traurig und mutmachend. Sanft und aufregend. Und vor allem: magisch! Ich mag ihren einnehmenden Schreibstil. Beim Lesen fühle ich mich immer so, als stände ich unmittelbar neben der Hauptperson und würde das selbe fühlen, sehen und riechen wie sie. Von mir eine absolute Leseempfehlung!

stern 9

Das Buch ist aktuell nur gebraucht zu erstehen.

Isla. Schwanenmädchen – Lucy Christopher – Hardcover – 336 Seiten – 12,95 € – ISBN: 9783551520173 – erschienen: August 2011 (Carlsen)

[Rezension] „Daniel is different“ von Wesley King

„Es war an einem Dienstag, als mir zum ersten Mal klar wurde, dass ich verrückt war. Na ja, die Vermutung war mir schon früher gekommen, war ja unvermeidlich, aber ich hatte gehofft, es wäre nur eine Phase, so wie damals mit drei, als ich ein Feuerwehrauto sein wollte.“ (S. 5)

Ja, Daniel ist wirklich anders. Er hasst es, Football zu spielen. Viel lieber sitzt er auf der Reservebank und arrangiert die Getränke für seine Teamkollegen in akkuraten geometrischen Mustern. Daniel hat eigentlich nur einen besten Freund, im Kontakt mit anderen Mitschülern ist er sehr unsicher. Obwohl Daniel hochbegabt ist, ist der Matheunterricht für ihn der pure Stress. Denn die meisten Zahlen sind in seinen Augen schlechte Zahlen. Sie führen dazu, dass er das Gefühl bekommt, sterben zu müssen. Die Neun ist übrigens die schlimmste Zahl.

Schnell wird dem Leser das klar, was Daniel noch nicht weiß: Er leidet an einer Zwangsstörung. Jeden Abend muss Daniel ein gewisses Programm ausführen, bis er einschlafen kann. Dies kann manchmal mehrere Stunden Zeit in Anspruch nehmen und auch dann weint er sich häufig in den Schlaf. Doch mit einem einzigen, unerwarteten „Hallo“ beginnt sich seine Welt zu verändern.

Die Geschichte um Daniel ist unglaublich berührend und schön. Aber auch unglaublich traurig. Denn das Nachwort des Autors macht deutlich: Dies ist nicht einfach nur eine Geschichte. Für viele Menschen ist das, was Daniel Tag für Tag mitmachen muss, Realität:

„Der Daniel dieser Geschichte ist in vieler Hinsicht ein recht exaktes Abbild von mir selbst, als ich in diesem Alter war. Auch ich habe bis zu fünf Stunden jede Nacht gebraucht, um ins Bett zu gehen. […] Mehrmals am Tag hatte ich das Gefühl zu sterben – was, wie ich später erfuhr, durch die Angstzustände und Panikattacken ausgelöst wurde – und ich begann mit ritualisierten Zwangshandlungen, um mit der grauenvollen Angst klarzukommen.“ (S. 301)

Und trotzdem macht dieses Buch Hoffnung. Es sagt: Du bist nicht allein. Ja, du bist anders, aber das bedeutet auch, dass du einzigartig bist. Es erzählt nicht nur die Geschichte einer Freundschaft und einer ersten, zarten Liebe. Es macht auch Mut, zu sich selbst zu stehen. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Daniel is different – Wesley King – Hardcover – 304 Seiten – 17,00 € – ISBN 978-3-7348-4710-3 – erschienen: Januar 2017 (Magellan) – Übersetzung: Claudia Max

[Rezension] „Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ von Estelle Laure

Klappentext:

Eigentlich hat Lucille Wichtigeres zu tun, als sich ausgerechnet in den vergebenen Zwillingsbruder ihrer besten Freundin zu verlieben. In ihrer Familie ist sie die Einzige, die die Dinge in die Hand nimmt: Geld verdienen, Rechnungen bezahlen, sich um ihre kleine Schwester kümmern. Da bleibt keine Zeit für große Gefühle. Aber wer kann sich schon wehren, wenn die wahre Liebe vor der Tür steht? Denn gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance. (Quelle)

Meine Meinung:

„Mom sollte gestern wiederkommen. Nach zwei Wochen. Vierzehn Tagen. Sie sagte, sie brauche mal eine Pause von allem (also: von uns) und dass sie vor dem ersten Schultag wieder da sei.“ (S. 7)

Doch Lucielle hat es schon geahnt: Ihre Mutter kommt natürlich nicht pünktlich zum ersten Schultag wieder. Und so muss sie sich um ihre kleine Schwester kümmern. Muss dafür sorgen, dass sie ihre Hausaufgaben macht, genügend zu essen bekommt und passende Kleidung anzieht. Ach und ganz neben muss sie sich auch noch um ihre eigenen Hausaufgaben und Prüfungen kümmern und versuchen, irgendwie an Geld zu kommen, denn auch darum kümmert sich ihre Mutter nur unzureichend. Und als wäre das alles nicht genug, ist Lucille auch noch in den Bruder ihrer besten Freundin verliebt, der selbstverständlich glücklich vergeben ist.

Nein, Lucilles Leben ist wirklich nicht einfach und trotzdem ist „Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ ein richtiges Wohlfühlbuch. Passend dazu habe ich es auch in einem Rutsch in der Sauna gelesen, habe mit Lucille gelitten, mich aber auch mit ihr gefreut, wenn die Menschen in ihrem Leben wieder dafür gesorgt haben, dass das Glück eben doch nicht komplett fern bleibt.

„Wenn viele schlimme Dinge passieren, muss vielleicht auch was Gutes passieren.“ (S. 105)

„Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ ist ein unterhaltsames und schönes Buch. Ein Buch, das gut tut und die Hoffnung weckt, dass es im Leben immer irgendwie weiter geht, so lange man nur die richtigen Menschen an seiner Seite hat. Ein wertvoller Gedanke, wie ich finde. 9 von 10 Sternen.

stern 9

Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance – Estelle Laure – Hardcover – 256 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-7373-5326-7 – erschienen: März 2016 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren – Übersetzung: Sophie Zeitz

[Rezension] „Die Ehre der Orks“ von Michael Peinkofer

Reiheninfo:

  1. „Die Rückkehr der Orks“
  2. „Der Schwur der Orks“
  3. „Das Gesetz der Orks“
  4. „Die Herrschaft der Orks“
  5. „Die Ehre der Orks“

Klappentext:

Sie gewannen Kriege. Sie wurden zu Königen ihres Volkes. Sie beleidigten ihre Gegner. Und manchmal auch ihre Verbündeten … Die rauflustigen Brüder Balbok und Rammar haben alles erreicht, was man sich als Ork aus echtem Tod und Horn erträumen kann. Doch sie haben noch eine Rechnung offen – mit ihrer Vergangenheit. Und der unmöglichen ersten Mission, mit der all ihre Abenteuer begannen. (Quelle)

Meine Meinung:

Ich glaube, ich brauche nicht extra zu erwähnen, dass ich vermutlich der weltgrößte Peinkofer-Fan der Welt bin! Natürlich war deswegen auch das neueste Abenteuer der Orks ein Muss für mich.

„Es kommt nicht darauf an, wie stark einer ist, sondern wofür er kämpft.“ (S. 364)

In diesem letzten Abenteuer der beiden Orks Rammar und Balbok führt uns Peinkofer weit zurück in die Jugend der beiden liebenswerten Unholde. Er erzählt davon, wie Rammar versucht, ein faihok (ein orkischer Krieger) zu werden, wie er sich immer wieder über seinen Bruder Balbok ärgert und wie die beiden schließlich aufbrechen, um ihr erstes großes Abenteuer zu bestreiten. Außerdem darf man als Leser hautnah miterleben, wie Rammar beinahe so etwas wie Gefühle zeigt – zum Glück wirklich nur beinahe, denn ein Ork aus echtem Tod und Horn hat natürlich keine Gefühle. Das ist ja ganz klar.

Mit „Die Ehre der Orks“ geht eine Ära zuende. Das elfte Buch, das in Erdwelt spielt, soll laut Peinkofer auch das letzte sein. Und obwohl ich den Autoren für diese Entscheidung bewundere – man soll schließen gehen, wenn es am schönsten ist – bin ich schon auch sehr wehmütig, denn ich habe die beiden Unholde doch sehr ins Herz geschlossen. Bevor ich das erste Buch dieser Reihe gelesen habe, war ich mir unsicher: Würde ich eine Geschichte, in der zwei Orks (eigentlich die Hassgegner von Zwergen und Elfen) die Hauptrolle spielen, wirklich mögen können? Ja, ja und nochmals: Ja!

Michael Peinkofer erfindet in seinen Büchern das Rad nicht jedes Mal neu. Und dennoch ist das Lesen der Erdwelt-Romane für mich wie das Schauen einer Lieblingsserie: Ich komme zurück zu geliebten Charakteren, finde mich schnell in der Welt zurecht und fühle mich wohl. Jedes Mal auf’s Neue!

stern 9

Die Ehre der Orks – Michael Peinkofer – Klappbroschur – 448 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-492-70341-3 – erschienen: März 2016 (Piper)

[Kurzer Leseeindruck] „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner

Klappentext:

April ist fort. Seit Wochen kämpft sie in einer Klinik gegen ihre Magersucht an. Und seit Wochen antwortet sie nicht auf die Briefe, die ihre Schwester Phoebe ihr schreibt. Wann wird April endlich wieder nach Hause kommen? Warum antwortet sie ihr nicht? Phoebe hat tausend Fragen. Doch ihre Eltern schweigen hilflos und geben Phoebe keine Möglichkeit, zu begreifen, was ihrer Schwester fehlt. Aber sie versteht, wie unendlich traurig April ist. Und so schreibt sie ihr Briefe. Wort für Wort in die Stille hinein, die April hinterlassen hat. (Quelle)

Mein Eindruck:

Nimmst du mich mit?
Auf deinem Weg.
Es ist mir egal, wohin er führt – Hauptsache, ich kann bei dir sein. Weil wir doch Schwestern sind, und Schwestern sollten zusammenbleiben. Nicht Schritt auf Tritt und auch nicht in jedem Moment im Leben. Aber wenn es drauf ankommt. Und wenn es hügelig wird.
Oder kalt und dunkel. (S. 84, 85)

Schon beim Lesen des Klappentexts und des Zitats bekomme ich wieder eine Gänsehaut.

„Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ ist einfach ein sehr besonderes Buch. Es besteht nur aus Briefen: zunächst Phoebes Briefe an ihre große Schwester April, dann in der zweiten Hälfte Aprils Antworten. Beide Schwestern haben ein enormes Talent mit Worten umzugehen und so ist dieses Buch unglaublich sprachgewaltig! Selten sind mir so viele tolle und bemerkenswerte Sätze aufgefallen, selten habe ich so beeindruckende Zitate entdeckt. Selten musste ich so mit den Tränen kämpfen. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin – Lilly Lindner – Klappbroschur – 400 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-7335-0093-1 – erschienen: Februar 2015 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Zusammen werden wir leuchten“ von Lisa Williamson

Klappentext:

Es ist Davids vierzehnter Geburtstag und als er die Kerzen ausbläst, ist sein sehnlichster Wunsch … ein Mädchen zu sein. Das seinen Eltern zu beichten, steht auf seiner To-do-Liste für den Sommer – gaaaanz unten.
Bisher wissen nur seine Freunde Essie und Felix Bescheid, die bedingungslos zu ihm halten und mit denen er jede Peinlichkeit weglachen kann. Aber wird David jemals als Mädchen leben können? Und warum fasziniert ihn der geheimnisvolle Neue in der Schule so sehr? (Quelle)

Meine Meinung:

„Als ich acht Jahre alt war, sollten wir in der Schule aufschreiben, was wir einmal werden wollten. […] Zachary Olsen wollte Profi-Fußballer werden und Lexi Taylor Schauspielerin. Harry Beaumont war sich sicher, dass er Premierminister werden würde. […]
Nichts von alledem interessiert mich.
Ich hatte geschrieben:
Ich möchte ein Mädchen sein.“ (S. 7)

Langsam aber sicher werden homosexuelle Charaktere in Büchern immer normaler. Mal sind sie und ihr Outingprozess Kernthema der Geschichte, mal treten sie einfach so als Haupt- oder Nebenfiguren auf. Auf Transgender, Personen also, die mit dem falschen Geschlecht geboren wurden, trifft man noch sehr selten. Das einzige Buch, das ich kenne, das in diese Richtung geht, ist „Finding Alex“ von Kathrin Schrocke.

Ich gebe gerne zu, dass die Vorstellung, jemand wird als Junge geboren, fühlt sich aber ganz eindeutig als Mädchen, für mich noch sehr ungewohnt und fremd ist. Ich bin mit diesem Thema bisher wenig in Berührung gekommen. Umso mehr freut es mich, dass Lisa Williamson das Thema der Transsexualität in „Zusammen werden wir leuchten“ aufgegriffen und mir ein Stückchen näher gebracht hat.

„‚Hey, Freakshow!‘, ruft er.
Ich tue so, als ob ich ihn nicht höre. ‚Freakshow‘ ist schon seit Jahren Harrys Spitzname für mich.“ (S. 34)

David ist in der Schule ein Außenseiter und wird vor allem von Harry, der, als er acht war, noch Premierminister werden wollte, gemobbt. Abgesehen davon hat er ein ganz normales Leben, nette Eltern, zwei beste Freunde und eine nervige kleine Schwester. Wirklich ganz normal: Wäre da nicht sein Wunsch, ein Mädchen zu sein.

Auch Leo hat ein Geheimnis. Die Geschichte in „Zusammen werden wir leuchten“ wird zur Hälfte auch aus seiner Sicht erzählt. Er ist verschlossen und lacht so gut wie nie. Warum ist er tatsächlich von seiner alten Schule geflogen? Hat er wirklich einem Lehrer mit einer Metallsäge den Finger abgesägt?

Ich mag es, wie Lisa Williamson es schafft, die Geschichten der beiden so zu erzählen, dass sie zwar einzeln für sich stehen und doch zu einer gemeinsamen werden. Dabei gelingt es ihr sehr gut, leise Zwischentöne mit einem herrlichen Humor zu kombinieren, so dass ich mehr als einmal mit ein paar Tränchen im Augenwinkel laut losprusten musste. Die Ernsthaftigkeit und Traurigkeit mancher Szenen werden nie zu erdrückend und wechseln sich mit dem Gefühl von Hoffnung und Freundschaft ab. Dies ist auch der Grundtenor der Geschichte, die nicht schwarz-weiß und auch nicht rosarot ist.

Ich bin Lisa Williamson dankbar: Durch sie habe ich einen Einblick in die mögliche Gefühlswelt eines Jungen bekommen, der unbedingt ein Mädchen sein möchte – und es auch ist! David und Leo, aber auch Davids beste Freunde, sind tolle Charaktere, die man einfach ins Herz schließen muss. Die erzählte Geschichte ist gleichzeitig berührend und auf eine passende Weise witzig und humorvoll. Chapeau! 9 von 10 Sterne!

stern 9

Zusammen werden wir leuchten – Lisa Williamson – Klappbroschur – 384 Seiten – 12,99 € – ISBN 978-3-7335-0076-4 – erschienen: Dezember 2015 (Fischer) – Übersetzung: Angelika Eisold Viebig – Altersempfehlung: 14-17 Jahre

[Rezension] „Königsjäger“ von Joe Abercrombie

Reiheninfo:

  1. „Königsschwur“
  2. „Königsjäger“
  3. „Königskrone“ (Mai 2016)

Achtung, diese Rezension enthält leichte Spoiler  zum ersten Band.

Klappentext:

In den kalten Nordländern rund um das Splittermeer werden Krieger entweder aus Legenden geboren oder aus Verzweiflung. Das gilt erst recht für eine Kriegerin wie die junge Dorn, deren einziger Wunsch es ist, Rache für den heimtückischen Mord an ihrem Vater zu nehmen. Als ihr Weg sich mit dem von Prinz Yarvi kreuzt, wird Dorn in eine Welt der Kämpfe und Intrigen gegen den grausamen Hochkönig hineingezogen. Eine Welt, für die sie geboren zu sein scheint …

Meine Meinung:

„Königsschwur“, der Vorgänger zu diesem Buch, war das erste Werk aus der Feder von Joe Abercrombie, das ich gelesen habe. Besonders gefallen hatten mir die Charaktere, die der Autor geschaffen hat. Das Buch endete in sich ziemlich abgeschlossen, so dass man als Leser gar nicht so recht wusste, worum es im zweiten Band gehen würde.

Abercrombie macht in dem zweiten Band seiner Reihe etwas, das ich bisher selten so erlebt habe: Er führt einen komplett neuen Hauptcharakter ein – eigentlich sogar zwei: Dorn ist eine junge Kämpferin, besser und stärkere als ihre männlichen Gegner. Und doch wird ihr der Weg zur Soldatin verwehrt, eben weil sie eine Frau ist. Ihr Ausbilder geht sogar so weit, ihr den Tod eines Mitkämpfers anzulasten, nur um sie aus dem Weg zu räumen. Und so wird Dorn zum Tode verurteilt und nur in letzter Minute von Yarvi, der mittlerweile Vater Yarvi ist, gerettet.

So wild und voller Zorn und Ungestüm Dorn ist, so voller Herzensgüte und dem unbändigen Willen Gutes zu tun ist Brand, die zweite neue Hauptfigur. Beide haben mir unheimlich gut gefallen, ihr Zusammenspiel fand ich durchweg gelungen. Zum Glück tauchen aber auch einige der liebgewonnenen Charaktere aus dem ersten Band wieder auf; allen voran natürlich Yarvi und Rulf, den ich besonders ins Herz geschlossen habe.

„Königsjäger“ ist ein Heldenepos, wie er sehr viel besser nicht geschrieben werden konnte: Spannende Kämpfe, gemeine Intrigen, interessante Charaktere und vielen Gänsehautmomente. Ich habe gemeinsam mit Dorn Bathu bei ihren zahlreichen Übungskämpfen gelitten, wurde aber immer wieder durch ihre tolle Entwicklung (kämpferisch, aber auch charakterlich) belohnt. Ich hoffe sehr, dass ich im nächsten Band wieder mehr von ihr und den anderen liebgewonnenen Figuren lesen darf.

In „Königsjäger“ begleiten wir die beiden jungen Helden Dorn und Brand an der Seite von Vater Yarvi zu neuen Abenteuern. Ich konnte während des Lesens wunderbar in der Geschichte versinken und habe beschlossen, dass Abercrombie ein Autor ist, den ich unbedingt weiter verfolgen möchte. 9 von 10 Sternen.

stern 9

Königsjäger – Joe Abercrombie – Klappbroschur – 480 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-453-31600-3  – erschienen: August 2015 (Heyne) – Übersetzung: Kirsten Borchard

[Rezension] „Der Thron der Finsternis“ von Peter V. Brett

Reiheninfo:

  1. „Das Lied der Dunkelheit“
  2. „Das Flüstern der Nacht“
  3. „Die Flammen der Dämmerung“
  4. „Der Thron der Finsternis“
  5. „The Core“ (engl. Arbeitstitel)

Achtung: Da es sich um den vierten Band einer Reihe handelt, enthält diese Rezension Spoiler zu den vorherigen Bänden!

Klappentext:

Die Welt der Menschen ist in Aufruhr. Nacht für Nacht steigen die Dämonen aus der Tiefe auf, um die Bewohner der Städte und Dörfer in Angst und Schrecken zu versetzen. Seit nicht nur ein, sondern zwei Männer aufgestanden sind, um gegen die finsteren Wesen zu kämpfen und die Völker der Menschen endlich zu befreien, herrscht allerdings Krieg – denn Arlen und Jardir könnten verschiedener nicht sein. Nicht einmal ein Zweikampf der beiden konnte den Zwist beenden, doch nun müssen sie sich ihrer größten Herausforderung stellen: dem Kampf gegen die Dämonenkönigin. Gemeinsam oder allein … (Quelle)

Meine Meinung:

Ich habe es in meinen Rezensionen zu den letzten beiden Bänden schon geschrieben und ich werde es auch jetzt noch ein Mal schreiben: Der Dämonen-Zyklus von Peter V. Brett ist meiner Meinung nach eine der besten Fantasyreihen, die jemals geschrieben wurden!

Seine Bücher haben treue Anhänger und Fans und doch gibt es auch immer wieder sehr kritische Stimmen. Ich kann einige Kritikpunkte nachvollziehen. Was mir aber unbegreiflich bleibt, ist die Tatsache, dass manche Leser dieses Buch abgebrochen haben. Hallo? Es ist total toll und spannend!

„‚Nein!‘ Inevera streckte die Arme aus und griff ins Leere, als der Par’chin sich und ihren Gemahl über die Klippe in die Tiefe stürzte. Und dabei die Hoffnung der gesamten Menschheit mit in den Abgrund riss.“ (S. 9)

Der letzte Band endete ja mit einem absoluten Cliffhanger: Die beiden ehemaligen Freunde und jetzigen Widersacher Arlen und Jadir stürzen gemeinsam eine tiefe Klippe herab. Wie sich diese Situation tatsächlich auflöst, möchte ich hier noch nicht vorweg nehmen. Es sei nur so viel gesagt: Für Arlen kam der Sturz alles andere als überraschend, er hatte ihn sogar geplant. Eins ist klar: Der Kampf gegen die Dämonen geht weiter, sowohl bei den Krasianern in der Wüste als auch im Tal des Erlösers im Norden.

Etwa 1000 Seiten umfasst „Der Thron der Finsternis“. Diese Seiten nutzt der Autor, um den einzelnen Charakteren eine Geschichte und Vergangenheit zu geben. Auch seine Nebencharaktere sind vielschichtig und komplex. Dies führt manchmal dazu, dass die Haupthandlung ins Stocken gerät. Und dennoch möchte ich die Hintergrundinformationen nicht missen, denn so kann man die Beweggründe der einzelnen Figuren viel besser nachvollziehen.

Einen Kritikpunkt habe ich an dieser Stelle aber: Die Geschichte liest sich stellenweise durch die vielen krasianischen Begriffe nicht ganz einfach. Dass dann auch noch die Namen von gefühlt jeder zweiten Person mit A anfangen müssen, macht es nicht leichter, Herr Brett!

Ansonsten läuft die Geschichte auf einen großen Showdown hin. Die letzten Seiten bringen noch ein mal ordentlich Trubel und Durcheinander und sorgen so dafür, dass meine Neugier auf den letzten Band unglaublich hoch ist. Außerdem eine Warnung an alle Leser: Haltet eure Taschentücher bereit, Peter V. Brett geht nicht gerade zimperlich mit seinen Charakteren um.

„Der Thron der Finsternis“ schließt sich seinen Vorgängern nahtlos an: Die Handlung bleibt spannend, die Entwicklung der Figuren auch. Peter V. Brett ist einfach ein grandioser Fantasyautor, der mich mit jeder einzelnen Seite seines Dämonen Zyklus unterhalten hat. Es ist einfach unglaublich, was für eine phantastische und komplexe Welt er geschaffen hat. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Der Thron der Finsternis – Peter V. Brett – Klappbroschur – 1024 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-453-31573-0 – erschienen: September 2015 (Heyne) – Übersetzung: Ingrid Herrmann-Nytko

[Rezension] „Black Blade: Das eisige Feuer der Magie“ von Jennifer Estep

Reiheninfo:

  1. „Black Blade: Das eisige Feuer der Magie“
  2. „Black Blade: Das dunkle Herz der Magie“ (noch nicht erschienen)
  3. – Titel und Erscheinungsdatum noch unbekannt –

Klappentext:

Die 17-jährige Lila Merriweather verfügt über außergewöhnliche Talente. Sobald sie einem Menschen in die Augen blickt, kann sie in dessen Seele lesen. Zudem beherrscht die Waise sogenannte Übertragungsmagie – jede auf sie gerichtete Magie macht sie stärker. Doch Lila hält ihre magischen Fähigkeiten geheim, denn sie hat einen nicht ganz ungefährlichen Nebenjob: Sie ist eine begnadete Auftragsdiebin. Das Leben der freiheitsliebenden jungen Frau gerät allerdings aus den Fugen, als sie eines Tages den Sohn eines mächtigen magischen Familienclans vor einem Anschlag rettet und prompt als dessen neue Leibwächterin engagiert wird. Plötzlich muss sich Lila in der magischen Schickeria der Stadt zurechtfinden, wo Geheimnisse und Gefahren an jeder Ecke auf sie warten – ebenso wie ihre große Liebe. (Quelle)

Meine Meinung:

Jennifer Estep ist durch ihre beiden Reihen „Mythos Academy“ und „Elemental Assassin“ sicherlich schon einigen Lesern bekannt. Für mich persönlich war der erste Band ihrer neuen Reihe „Black Blade“ auch mein allererstes Buch überhaupt von ihr. Und so viel kann ich schon verraten: Es wird definitiv nicht das letzte Buch der Autorin gewesen sein, das seinen Weg in meine Regale findet.

Hauptperson ist Lila Merriweather, die sich als magisch begabte Auftragsdiebin durchs Leben schlägt. Ihre Mutter wurde vor einigen Jahren ermordet, die genaueren Umstände erfahren wir im Laufe der Geschichte. Lila ist seitdem ziemlich verschlossen und lässt kaum jemanden an sich heran. Denn wenn man keine Gefühle zulässt, kann man auch nicht verletzt werden.

Genau das war der Grund, warum ich Lila anfangs etwas unsympathisch fand. Sie wirkte auf mich sehr abgebrüht und kaltherzig. Und trotzdem konnte ich mich schon gleich zu Beginn des Buches nicht von den Seiten lösen, denn abgesehen von ihrer Verschlossenheit ist Lila eine tolle Protagonistin: Sie besitzt nicht nur einige ganz besondere und streng geheime magische Talente, sie ist auch ansonsten eine echte Kämpferin. Weibliche, toughe Fantasy-Heldinnen kann es meiner Meinung nach nicht genug geben.

Die Geschichte an sich ist im Bereich der Urban-Fantasy angesiedelt: Mitten in der normalen Welt gibt es die verschiedensten Monster und magiebegabte Menschen. Die Monster stellen für Lila allerdings das kleinste Problem dar. Viel schwieriger ist es, in ihrer Heimatstadt niemanden auf die Füße zu treten. Cloudburst Fall wird nämlich von verschiedenen Familien regiert und die kann man sich schon recht mafiaähnlich vorstellen …

Ich liebe Geschichten, in denen ich versinken kann. „Black Blade: Das eisige Feuer der Magie“ ist genauso eine Geschichte. Die Handlung, die Charaktere, die Schreibweise der Autorin: Hier hat einfach alles gepasst, ohne dass ich genau sagen kann, warum mich dieses Buch so gefesselt hat.

„Black Blade: Das eisige Feuer der Magie“ stellt für mich die perfekte Urban-Fantasy dar: eine toughe Heldin, ein Hauch von Romantik, erbarmungslose Kämpfe und – vor allem – gute Unterhaltung! Jennifer Estep hat einen neuen Fan! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Black Blade: Das eisige Feuer der Magie – Jennifer Estep – Klappbroschur – 368 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-492-70328-4 – erschienen: Oktober 2015 (ivi) – Übersetzung: Vanessa Lamatsch  – Altersempfehlung: 14-17 Jahre

[Rezension] „Lockwood & Co: Die raunende Maske“ von Jonathan Stroud

Reiheninfo:

  1. „Lockwood & Co: Die seufzende Wendeltreppe“
  2. „Lockwood & Co: Der wispernde Schädel“
  3. „Lockwood & Co: Die raunende Maske“
  4. – Titel noch unbekannt –

Klappentext:

Die Agenten von Lockwood & Co.: Anthony Lockwood, Lucy und George, führt ihr jüngster Fall mitten ins Zentrum der Geistererscheinungen, die London unerbittlich heimsuchen. Ein traditionsreiches Londoner Kaufh aus scheint Brutstätte des grausigen Phänomens zu sein. Wurde es doch auf den Überresten einer Pestopferruhestätte und über den Ruinen eines mittelalterlichen Kerkers errichtet. Gemeinsam mit Geisterjägern aus anderen Agenturen wagen sich Lockwood und seine Freunde bei Nacht in das Gebäude. Wer hier überleben will, braucht Mut und einen kühlen Kopf. Doch Lucy und ihre neue Kollegin Holly belauern sich eifersüchtig, Lockwood kommt von einem dunklen Geheimnis in seiner Vergangenheit nicht los und die düsteren Warnungen des wispernden Schädels verheißen Fürchterliches. (Quelle)

Meine Meinung:

Juhu, endlich ist er erschienen, der dritte Teil dieser wirklich tollen Jugendfantasy-Reihe, und mit ihm die gute Nachricht, dass es noch einen vierten Band geben wird. Noch ein Mal: Juhu!
Die Bücher von Jonathan Stroud sind für mich immer ein absolutes Must-Read im Herbst, wo sie passend zu dunklen Jahreszeit erscheinen und perfekt bei Kerzenlicht gelesen werden können.

An den beiden Vorgängern hat mir besonders gut gefallen, dass die Geschichten einfach so leichtlesig und unterhaltsam sind: Die Chakatere sind toll, die Handlung spannend und ein gewisser Humor schwingt auch jedes Mal mit. Ich frage mich, ob es gereicht hätte, wenn dieses Buch wieder nach dem gleichen erfolgreichen Muster geschrieben worden wäre. Vermutlich schon, denn Jugendbücher wie diese braucht die (Leser-)Welt einfach!

Doch dieses Buch ist im Vergleich zu den ersten beiden Bänden etwas anders: Lucy muss nicht nur mit neuen Geistern und problematischen Fällen kämpfen. Nein, dieses Mal machen ihr auch die Lebenden Probleme: Die Agentur bekommt ständig neue Aufträge: Lockwood, Lucy und George sind Nacht für Nacht ohne Pause unterwegs und ständig erschöpft. Das Elternhaus von Lockwood versinkt im Chaos. Um dem entgegen zu wirken, stellt Lockwood eine weitere Mitarbeiterin ein; und das, ohne Lucy zu fragen. Dass die Neue, Holly, dann auch noch ganz bezaubernd aussieht und den Jungs den Kopf verdreht, gefällt Lucy natürlich überhaupt nicht.

Diese kleine Eifersüchtelei bringt frischen Wind in die Geschichte und nimmt, zumindest in meinen Augen, auch nicht zu viel Raum ein. Dafür hat Lucy auch gar keine Zeit, denn ihre immer stärker werdende einzigartige Gabe beschäftigt sie sehr – und bringt dabei nicht nur sie, sondern das ganze Team in Gefahr …

Auch der dritte Band der Lockwood & Co – Reihe hat mich wundervoll unterhalten. Ein spannender neuer Fall, alte Bekannte und neue Figuren und die Entwicklung von Lucys Gabe sorgen dafür, dass dem Leser nicht langweilig wird. Für mich gehört diese Reihe zu dem Besten, was es derzeit auf dem Jugendfantasymarkt gibt. Und: Bei dem Ende möchte ich natürlich sofort weiterlesen!!! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Lockwood & Co: Die raunende Maske – Jonathan Stroud – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 18,99 € – ISBN: 978-3-570-15963-7 – erschienen: Oktober 2015 (cbj) – Übersetzung: Katharina Orgaß & Gerald Jung – Altersempfehlung: ab 12 Jahren