[Rezension] „Tanz der Tiefseequalle“ von Stefanie Höfler

Niko ist intelligent. Er ist mutig und steht tapfer über den Spötteleien seiner Mitschüler. Niko liebt es, sich in Tagträumen zu verlieren und dabei geniale Dinge zu erfinden. Er ist selbstironisch und besitzt einen mitreißenden Wortwitz. Seine Mitschüler sehen allerdings nur eins: Niko ist unglaublich dick!

Sera findet es meistens gar nicht so lustig, wenn ihre Mitschüler Niko ärgern, doch sie setzt sich auch nicht für ihn ein. Sera klettert gerne auf Bäume, aber davon darf niemand etwas wissen. Ihre Mitschüler sehen nur eins: Sera ist unglaublich schön!

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Es gibt Bücher, die berühren einen beim Lesen, ohne dass man genau in Worte fassen kann, was der Grund dafür ist. „Der Tanz der Tiefseequalle“ ist so ein Buch!

Als Sera auf der Klassenfahrt von einem Mitschüler begrapscht wird, geht Niko mutig dazwischen. Quasi der erste echte Kontakt zwischen den beiden, denn ansonsten haben die scheinbar so gegensätzlichen Jugendlichen nichts miteinander zu tun. Abends dann fordert Sera Niko zum Tanz auf, wobei sie selbst nicht genau weiß, warum sie dies tut. Zwischen den beiden entwickelt sich eine verrückte Freundschaft, in der beide lernen müssen, dass der äußere Schein manchmal trügt …

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Niko und Sera erzählt, so dass man als Leser die Gedanken und Gefühle, Sorgen und Hoffnungen von beiden gut mitbekommt. Stefanie Höfler gibt den beiden ganz eigene und authentische Erzählstimmen. Ich hätte mit dem Lesen am liebsten gar nicht aufgehört.

„Tanz der Tiefseequalle“ ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und ich weiß jetzt schon, dass ich dem Titel ganz fest die Daumen drücken werden, denn es ist gleichzeitig eine schöne, witzige und tiefgründige Geschichte. Ich wünsche ganz vielen Lesern das Vergnügen, Niko und Sera kennenzulernen!

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Dieses Buch wurde 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, mittlerweile ist es auch als Taschenbuch erschienen.

Tanz der Tiefseequalle – Stefanie Höfler – Hardcover – 190 Seiten – 12,95 € – ISBN: 978-3-407-82215-4 – erschienen: April 2018 (Beltz & Gelberg) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

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[Rezension] „Der Schein“ von Ella Blix

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Oftmals beginne ich eine Rezension mit einem Zitat aus dem Buch. Ein prägnanter Satz, der für mich das Gefühl während des Lesens widerspiegelt. Dieses Mal möchte ich mich gerne selbst zitieren. Nicht weil das Buch nicht auch viele tolle Sätze beinhaltet, sondern weil dieser Satz einfach alles ausdrückt, was das Buch für mich ausgemacht hat.

„Puh, die beiden Autorinnen schreiben einfach unfassbar gut!“ (Ich, atemlos und mit Gänsehaut)

Die Autorinnen? Ja, genau! Ella Blix ist das gemeinsame Pseudonym des Autorinnenduos Antje Wagner und Tania Witte. Dies ist das erste gemeinsame Buch der beiden. Antje Wagner kenne ich als Autorin schon recht lange und habe einige ihrer Bücher gelesen, besonders begeistern konnten mich bisher „Vakuum“ und „Unland“.

In „Der Schein“ geht es um die knapp siebzehnjährige Alina, die mitten im Schuljahr auf das Internat „Hoge Zand“ auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun wechselt. Auf Griffiun gibt es so gut wie nichts: einen kleinen Stadtkern, Strand und das große Naturschutzgebiet direkt hinter dem Internat. Doch dies zu betreten, ist den Schülern strengstens verboten. Umso merkwürdiger findet Alina es, dass sie eines Nachts einen hellen Schein genau aus dem Naturschutzgebiet leuchten sieht. Und dann ist da noch das schwarze Schiff, das urplötzlich wie aus dem Nichts vor ihren Augen auftaucht und wieder verschwindet. Neugierig macht sich Alina doch auf den Weg in das verbotene Gebiet und trifft dort auf Tinka, die eindeutig ein Geheimnis verbirgt. Warum fühlt Alina sich auf unerklärliche Weise so sehr mit Tinka verbunden?

„Meine Hände fingen an zu zittern, und ich krampfte sie fester um das Fernglas.
Das schwarze Etwas, das meinen Blick verdunkelt hatte, war ein Schiff. Und es war riesig! An der Spitze des Mastes befand sich eine große Kugel.
Eine Kugel …?“ (S. 159)

Eigentlich liegen mir Geschichten, in denen sich zwei Genre miteinander mischen, nicht so gut. Die Bücher von Antje Wagner haben da schon oft eine Ausnahme gemacht. Und dies scheint auch für „Der Schein“ zu gelten: Denn zu dem ganz normalen Jugendroman, in dem es um eine Gruppe Jugendlicher, eine geheimnisvolle Legende und Alinas persönliche Geschichte geht, kommt eine gehörige Portion Mystery und ein wenig Science-Fiction dazu. Und ich habe es geliebt!

Ich bin förmlich über die Seiten geflogen, gebannt von den liebevoll gezeichneten Charakteren – Alina trifft dort nämlich auf die Lonelies, eine Gruppe Jugendlicher, die alle aus verschiedenen Gründen an den Wochenende und in den Ferien nicht nach Hause fahren – und der fesselnden Schreibweise des Autorenduos. Ich habe oben nicht übertrieben: Die Geschichte hat mich so mitgerissen, dass mir beim Lesen an manchen Stellen wirklich der Atem stockte und mein Herz raste.

Von mir gibt es für „Der Schein“ eine ganz deutliche Leseempfehlung und ich hoffe sehr, dass dies nicht das letzte Buch sein wird, das ich von Ella Blix lesen darf! 10 von 10 Sternen!

stern 10

Der Schein – Ella Blix – Hardcover mit SU – 472 Seiten – 18,00 € – ISBN: 978-3-401-60413-8 – erschienen: Januar 2018 (Arena) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Wie ein Fisch im Baum“ von Lynda Mullaly Hunt

Wie ein Fisch im Baum von Lynda Mullaly Hunt

„Wörter. Ich entkomme ihnen nie.“ (S. 32)

Ally hasst die Schule. Jeden Tag aufs Neue muss sie dorthin. Jeden Tag aufs Neue gibt sie ihr Bestes. Jeden Tag aufs Neue scheitert sie. Sie kann nicht lesen und schreiben. Die Buchstaben tanzen vor ihren Augen. Sie bekommt sie nicht gegriffen. Doch das ist ein Geheimnis. Niemand darf das erfahren. Und deswegen versucht Ally so gut es geht unsichtbar zu sein. Denn niemand darf mitbekommen, wie dumm sie eigentlich ist.

„Ich werde mich bessern. Ich werde mich noch mehr anstrengen. Das ist alles, was ich tun muss. Ich werde mich diesmal wirklich konzentrieren. Dabei weiß ich, dass ich das schon so oft probiert habe und dass es nicht klappt.“ (S. 46/47)

Allys Geschichte zu lesen, ihren Worten zu lauschen, tut weh. Es zerreißt einem fast das Herz. So ein warmherzigen und vor allem kluges Mädchen, das sich so schrecklich dumm und wertlos fühlt. Ihre Unfähigkeit zu lesen und zu schreiben hat Auswirkungen auf ihr ganzes Leben, auf ihr Selbstbild, auf ihre Identität.

„Ich möchte einfach … ich will nur ein einziges Mal dazupassen. Das wünsche ich mir wirklich. Einfach so zu sein wie alle anderen.“ (S. 159)

Doch Ally hat großes Glück: Sie bekommt einen neuen Lehrer, der sie endlich so sieht, wie sie wirklich ist: Klug und liebenswert – mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche. Doch kann er es schaffen, dass Ally sich selbst und ihren eigenen Fähigkeiten vertraut? Dass sie erkennt, dass gerade ihre Einzigartigkeit sie so besonders macht?

„Wie ein Fisch im Baum“ – so lautet der Titel, der auf einem kleinen Gleichnis beruht, bei dem mehrere Tiere, unter anderen auch ein Fisch, die Aufgabe bekommen, auf einen Baum zu gelangen. Alle haben die gleiche Aufgabe, also ist es doch fair, oder?

„Jeder ist auf seine Art klug. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein Leben lang glauben, dass er dumm ist.“ (S. 180)

Ich bin selbst Lehrerin und finde, dass die Autorin Ally und alles, was sie ausmacht (ihre Stärken, Schwächen, Ängste und auch ihre Entwicklung), sehr überzeugend und sensibel dargestellt hat.

Ich liebe diese Geschichte und hoffe, dass sie ganz viele große und kleine Leser findet, die so lernen, einen Blick über den Tellerrand zu wagen und Menschen nicht an dem zu bewerten, was sie als normal ansehen. Denn wenn man von Ally eines lernen kann, ist es das hier: Eine einzige Fähigkeit oder Unfähigkeit, etwas zu tun, sagt nichts über den Rest eines Menschen aus. Nichts darüber, ob er klug oder dumm ist. Nichts darüber, wie sehr er sich bemüht und anstrengt. Und vor allem nichts darüber, ob er ein gutes Herz hat.

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Wie ein Fisch im Baum – Lynda Mullaly Hunt – Hardcover mit SU – 12,99 € – 304 Seiten – ISBN: 978-3-570-16420-4  – erschienen: Oktober 2016 (cbt) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren – Übersetzung: Renate Weitbrecht

[Rezension] „Café Morelli“ von G. R. Gemin

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Vor wenigen Minuten habe ich die letzten Seiten von „Café Morelli“ gelesen – und zwar mit Tränen der Rührung in den Augen. Hinter diesem wunderschönen Cover verbirgt sich ein echtes Herzensbuch.

Das Café Morelli ist schon seit vielen Generationen in Joes Familie. Schon seit sein Urgroßvater vor Jahren aus Italien nach Wales gekommen ist, um dort Arbeit zu finden. Doch mittlerweile läuft das Café nicht mehr richtig. Und so überlegt Joes Mutter, das Café zu verkaufen. Doch Joe liebt das Café und lässt nichts unversucht, um das Erbe seiner Familie zu retten …

Ich kann gar nicht ganz in Worte fassen, was dieses Buch so wundervoll macht. Ich glaube, es ist die Hoffnung, die die Geschichte vermittelt. Du musst nur fest genug an etwas glauben, dann wird es dir auch gelingen. Es ist aber auch das Gefühl von einem schönen Miteinander, davon, dass man sich gegenseitig helfen muss, um wirklich glücklich zu sein. Es ist die Tatsache, dass in diesem Buch, die heutige Geschichte so gekonnt mit der Geschichte von Joes Urgroßvater verknüpft wird, der im zweiten Weltkrieg plötzlich inhaftiert wird, nur weil er Italiener ist. Und nicht zuletzt ist dieses Buch vermutlich so berührend, weil man das Herzblut spürt, das G. R. Gemin in die Geschichte gesteckt hat.

Herzensbücher bekommen selbstverständlich 10 von 10 Sternen!

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Café Morelli – G. R. Gemin – Hardcover mit SU – 272 Seiten – 17,50 € – ISBN: 978-3-551-56043-8 – erschienen: September 2017 (Königskinder) – Übersetzung: Gabriele Haefs

 

[Rezension] „Winger“ von Andrew Smith

9783551560278Ryan Dean West ist klug. So klug, dass er zwei Schuljahre überspringen konnte und nun jünger ist als alle seine Klassenkameraden. Das ist nicht gerade hilfreich, wenn man unsterblich verliebt ist, denn Annie, seine beste Freundin, sieht in Ryan Dean scheinbar nur für einen kleinen, süßen Jungen. Außerdem macht die Tatsache, dass er jünger und kleiner ist als alle aus seinem Jahrgang, es Winger – wie er aufgrund seiner Position im Rugby-Team genannt wird – auch nicht leichter, sich gegen seine Mitschüler durchzusetzen. Und einige von ihnen scheinen es ganz schön auf Winger abzugesehen zu haben.

Freundschaft, Liebe, Sex – Darum dreht es sich nicht nur in Ryan Deans Leben, sondern auch in diesem Buch. Sein Leben ist mal alltäglich, mal spektakulär. Mal läuft alles ganz wunderbar und dann steckt er wieder mittendrin in der Patsche.

Diese Höhen und Tiefen gibt es vermutlich in dem Leben eines jeden Jugendlichen. Man muss lernen, sich zu behaupten. Man verliebt sich und wird enttäuscht. Man muss herausfinden, wer seine wahren Freunde sind.

„Winger“ kommt mitten aus dem Leben. Und genauso ist es geschrieben. Die Sprache ist unmittelbar, eindringlich und manchmal ungewohnt derb. Voller Schimpfwörter, obwohl Ryan Dean im wahren Leben eigentlich nicht flucht. Das tut er nur, wenn er seine Geschichte aufschreibt. Und ich liebe es. 10 von 10 Sternen – mal wieder ein echtes Highlight!

stern 10

Winger – Andrew Smith – Hardcover – 464 Seiten – 19,99 € –  978-3-551-56027-8 – erschienen: September 2016 (Königskinder) – Übersetzung: Hans-Ullrich Möhring

 

[Rezension] „Blutrosen“ von Monika Feth

Blutrosen von Monika FethReiheninfo:

  1. „Teufelsengel“
  2. „Spiegelschatten“
  3. „Blutrosen“

„Blutrosen?“
„Oft schenken Männer einer Frau rote Rosen, nachdem sie sie misshandelt haben. Und manchmal auch, bevor sie sie töten.“ (S. 441)

Bei ihren Recherchen zum Thema Frauenhäuser lernt Romy die junge Fleur kennen. Fleur heißt eigentlich Bea, doch niemand soll sie hier erkennen. Fleur ist nämlich auf der Flucht. Auf der Flucht vor ihrem Freund – ihrer großen Liebe.

Mit fünfzehn Jahren flieht Bea das erste Mal – damals noch vor dem sexuell übergriffigen Stiefvater und ihrer lieblosen Mutter. Das Leben auf der Straße ist hart. Umso wohler fühlt sie sich zunächst bei Mikael, der sie aufnimmt, für sie sorgt und schwört, sie immer zu liebe. Eine Liebe, die in Eifersucht und Hass umschlägt. Eine Liebe, die einengt und Schmerzen zufügt. Eine Liebe, die Bea dazu zwingt, zu fliehen. Zu Fleur zu werden.

Monika Feth geligt es jedes Mal auf’s Neue, mich mit ihren Büchern zu berühren. Dafür sorgen ihre starken Charaktere und die einnehmenden Themen. Dass die Geschichten nebenher noch spannend sind, ist eigentlich nebensächlich. Ich mag es, auf Themen gestoßen zu werden, die mir nicht alltäglich präsent sind: Frauenhäuser. Häusliche Gewalt. Die Angst vor jedem Schatten. Das Gefühl, verfolgt zu werden. Nie entkommen zu können, egal wohin man flieht.

Vielen Dank, Frau Feth, für ein Buch, das mich  sehr eingenommen hat. Wie immer.
10 von 10 Sternen!

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Blutrosen – Monika Feth – Hardcover mit SU – 512 Seiten – 17,99 € – ISBN: 978-3-570-16315-3  – erschienen: April 2017 (cbt)

[Rezension] „Heute sind wir Freunde“ von Patrycja Spychalski

Klappentext:

Nell, Leo, Chris, Anton und Valeska sind so verschieden wie Tag und Nacht. Da werden sie versehentlich in der Schule eingesperrt. Gar nicht so schlimm denkt sich Nell, ist sie doch schon lange in Leo verknallt. Super, findet Chris, ist er doch schon ewig in Nell verknallt. Kein Bock hier den Aufpasser zu spielen, denkt sich Streber Anton. Die haben doch keine Ahnung, wer ich wirklich bin, denkt sich Schulschönheit Valeska. Und Leo? Der ist einfach zu cool für diese Welt. Oder doch nicht? Am nächsten Morgen ist nicht nur ein Liebespaar aus der Nacht hervorgegangen, sondern auch fünf Freunde, die es gestern noch nicht waren, aber heute sind … und es vielleicht sogar bleiben. (Quelle)

Meine Meinung:

Fünf Jugendliche, die sich alle eigentlich gar nicht wirklich kennen, die alle sehr verschieden sind, müssen aufgrund eines Unwetters zusammen eine Nacht in der Schule verbringen. Das Szenario an sich bietet schon sehr viel Potential für gute Unterhaltung. Die Charakterkonzeption von Patrycja Spychalski tut dann ihr übriges: Nell, Leo, Chris, Anton und Valeska sind alle so liebevoll und feinsinnig gezeichnet, dass man am Ende das Gefühl hat, selbst ein Teil der Gruppe zu sein und fünf neue Freunde gewonnen zu haben.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der einzelnen Jugendlichen erzählt. Jeder kommt zu Wort. Das sorgt dafür, dass man als Leser nach und nach alle besser kennenlernt, ihre Beweggründe erfährt und auch hinter so manche Fassade gucken kann. Insbesondere Valeska versteckt sich hinter einer Maske. Nach außen hin ist sie die fleißige, brave, aber bei allen beliebte Schülerin, die zu jeder Party eingeladen wird. In ihr drinnen sieht es aber ganz anders aus:

„Stattdessen lächele ich brav, betreibe Konersation, erzähle von meinen tausend Freizeitaktivitäten und fühle mich innerlich leer. Ich gebe niemandem die Schuld daran. Höchstens der Maske, die ich täglich aufsetze, und daran bin ich alleine schuld. Ich weiß trotzdem nicht, was ich anders machen könnte, um die Leute, die mir gegenüberstehen und genauso brav lächeln wie ich, darauf zu bringen, dass es in mir drin ganz anders aussieht.“ (S. 42)

Doch nach und nach lassen die einzelnen Figuren nicht nur dem Leser, sondern auch den anderen Charakteren gegenüber ihre Masken fallen. Sie werden so sehr viel verletzlicher – aber auch liebenswert. Und am Ende lautet das Fazit: Heute sind wir Freunde!

„Heute sind wir Freunde“ ist ein neues Herzensbuch von mir. Die Autorin hat wundervolle Charaktere geschaffen, mit denen man gerne eine Nacht eingeschlossen in einer Schule verbringt. 10 von 10 Sternen!

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Heute sind wir Freunde – Patrycja Spychalski – Klappbroschur – 320 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-570-16410-5  – erschienen: März 2016 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Nur ein Tag“ & „Und ein ganzes Jahr“ von Gayle Forman

Inhalt:

„‚Ja, ich bin hier‘, wiederhole ich. Und das bin ich. Hier. Auf dem Weg nach Paris. Mit ihm.“ (Nur ein Tag, S. 53)

Allyson ist bisher in ihrem Leben immer die Brave gewesen, hat immer das getan, was ihre Eltern für sie geplant haben. Sie geht einen vorgegebenen Weg, wird nach der Europareise mit dem Medizinstudium beginnen. Doch dann begegnet sie in Europa Willem, dem gutaussehenden Schauspieler, der sie für einen Tag mitnimmt nach Paris. Für ihn ist sie Lulu – ein verrücktes Mädchen, das einfach mit einem Fremden in die Stadt der Liebe fährt und dort Dinge tut, die sie vorher nie für möglich gehalten hätte. Ein Tag in Paris. Ein Tag, der das Leben der beiden von Grund auf verändern wird.

Meine Meinung:

Die beiden Bücher zu rezensieren, ist schwer. Und zwar aus dem einzigen Grund, dass ich nichts Inhaltliches verraten möchte. Die Geschichte aus „Nur ein Tag“ gehört mehr Allyson, wohingegen „Und ein ganzes Jahr“ vor allem Willem gehört.

Das macht vielleicht schon deutlich, dass diese Romanzweiteiler zwar durchaus eine Liebesgeschichte ist, sich aber eigentlich hauptsächlich mit der Entwicklung der beiden Hauptfiguren beschäftigt. Sowohl Allyson als auch Willem sind eigentlich mit ihrem Leben nicht wirklich zufrieden. Allyson merkt dies relativ schnell, während Willem für diese Erkenntnis mehr Zeit braucht. Beide suchen sie nach der großen Liebe – aber vor allem nach sich selbst.

Nur einen Tag verbringen Allyson und Willem zusammen in Paris und als Leser wünscht man sich für die beiden, dass dieser Tag nie enden wird. Ich habe so gerne miterlebt, wie Allyson als Lulu plötzlich eine ganz andere wird, fröhlich, mutig und glücklich.

„Wieder lacht Willem, und sein Lachen klingt voll und klar wie eine Glocke und erfüllt mich mit Freude, und es ist, als würde ich zum ersten Mal im Leben erkennen, dass dies der Sinn des Lachens ist. nämlich Freude zu verbreiten.“ (Nur ein Tag, S. 101)

Schon die ersten Duologie („Wenn ich bleibe“ und „Lovesong“) von Gayle Forman war toll und ein besonderer Lesegenuss. Auch hier hat die Autorin den Leser mit auf eine Reise genommen, die er so teilweise nicht erwartet hat. In ihren Büchern ist nicht alles rosarot, man bekommt die große Liebe nicht einfach auf dem Silbertabelett serviert, sondern muss wie ihre Protagonisten darum kämpfen – Seite um Seite auf der Suche nach der eigenen Identität.

„Manchmal lässt das Schicksal, das Leben oder wie immer du es nennen willst, eine Tür einen Spalt offen, und du gehst hindurch. Aber manchmal schließt es die Tür, und du musst den Schlüssel suchen, das Schloss aufbrechen oder das verdammte Ding eintreten. Und manchmal zeigt es dir nicht mal die Tür, und du musst dir selbst eine bauen.“ (Und ein ganzes Jahr, S. 159)

„Nur ein Tag“ und „Und ein ganzes Jahr“ hat mich positiv überrascht. Ich hatte schon hohe Erwartungen an die beiden Bücher und doch wurden diese noch übertroffen. Wer eine reine Liebesgeschichte erwartet, ist vielleicht nach dem Lesen enttäuscht. Ich allerdings hatte das Gefühl, dass ich so viel mehr bekommen habe als das. Ich habe Allyson und Willem bekommen – zusammen und einzeln; in all ihren Facetten. 10 von 10 Sternen!

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Nur ein Tag – Gayle Forman – Klappbroschur – 432 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8414-2106-7 – erschienen: März 2016 (Fischer) – Übersetzung: Stefanie Schäfer

Und ein ganzes Jahr – Gayle Forman – Klappbroschur – 368 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8414-2107-4 – erschienen: März 2016 (Fischer) – Übersetzung: Stefanie Schäfer

[Rezension] „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell

Klappentext:

Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die pummelige Eleanor und der gut aussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann. (Quelle)

Meine Meinung:

„Eleanor & Park“ habe ich schon vor langer Zeit gelesen und es dann in mein „Möchte ich noch rezensieren“-Regal gestellt. Und dort stand das Buch. Und stand. Und stand. Dass es für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, hat dazu geführt, dass ich heute doch versuchen möchte, meinen Eindruck zu schildern. Ich habe nämlich nur so lange gebraucht, eine Rezension zu beginnen, weil ich jetzt schon weiß, dass meine Worte nicht ausreichen und dieser Geschichte nicht gerecht werden.

Eleanor und Park haben es beide zu Hause nicht leicht – und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Ich finde es beeindruckend, dass es der Autorin gelingt, jedem der beiden ihr eigenes Schicksal zu lassen, ohne diese gegeneinander aufzuwerten und miteinander zu vergleichen. Ich möchte gar nicht viel näher darauf eingehen, was für Probleme die beiden haben, denn das sollte jeder Leser meiner Meinung nach selbst erfahren.

Als sich die beiden Jugendlichen im Bus begegnen, verbindet sie zunächst nichts. Park macht Eleanor nur neben sich Platz, weil er gut erzogen ist. Und bereut es sofort. Was sollen denn die anderen denken? Ja, auch er ist irgendwie ein Außenseiter, aber Eleanor ist wirklich unbeliebt. Und doch nähern sich die beiden irgendwann an. Und aus dieser Annäherung wird eine der schönsten Liebesgeschichte, die ich je gelesen habe.

Nach dem Lesen habe ich mit Nanni über dieses Buch gesprochen und ihr war es wichtig, zu betonen, dass die Geschichte von Eleanor und Park nicht nur schön, sondern eben auch wirklich traurig ist. Ja, das ist sie. So traurig, dass es beim Lesen weh tut. Aber dennoch überwiegt für mich das Schöne und Hoffnungsvolle.

„Eleanor & Park“ ist einfach ein wahrer Bücherschatz. John Green sagte, dass er in dieses Buch verliebt ist. Und ich bin es auch! 10 von 10 Sternen!

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Eleanor & Park – Rainbow Rowell – Hardcover – 368 Seiten – 16,90 € – ISBN 978-3-446-24740-6 – erschienen: Februar 2015 (Hanser) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren – Übersetzung: Brigitte Jakobeit

[Rezension] „Firefight“ von Brandon Sanderson

Reiheninfo:

  1. „Steelheart“
  2. „Firefight“
  3. „Calamity“ (noch nicht erschienen)

Achtung: Die Rezension enthält Spoiler zum ersten Band!

Klappentext:

Steelheart, der scheinbar unbesiegbare Tyrann des ehemaligen Chicago, ist tot – besiegt von David und den Rächern. Nun klafft dort, wo in David jahrelang der Wunsch nach Rache gebrannt hat, ein Loch, und er braucht endlich Antworten auf seine Fragen: Wo kommen diese sogenannten Epics her, Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten? Was macht sie so grausam? Und gibt es eine Zukunft für Davids Liebe zu einer von ihnen – zu Firefight? Eine abenteuerliche Reise quer durch Amerika beginnt … (Quelle)

Meine Meinung:

„Steelheart“ war im letzten Jahr eines meiner absoluten Lesehighlights. Ich hab dem Erscheinen des zweiten Bandes sehr entgegen gefiebert. Kurz vor dem Lesen hatte ich allerdings ein bisschen Angst: Was ist, wenn mich „Firefight“ nicht so begeistern kann wie sein Vorgänger?

„Wer war ich, wenn ich nicht mehr in Newcago war? Eine ähnliche Leere empfand ich in manchen Nächten, wenn ich mich fragte, was ich mit meinem Leben anfangen sollte, nachdem er fort war. Ich hatte gesiegt, und mein Vater war gerächt.“ (S. 56)

Er, Steelheart, ist also tot. Damit hat David sein Ziel erreicht – oder nicht? Doch Steelheart ist bis weitem nicht der einzige grausame Epic, der Menschen tyrannisiert und droht, ganze Städte zu vernichten. Gemeinsam mit dem Prof und Tia macht sich David auf den Weg nach Babilar, wo die herrschende Epic Regalia immer mehr von ihresgleichen um sich scharrt. Sie scheint einen Plan zu haben, nur welchen?

Schon nach wenigen Seiten war klar, ich brauchte keine Angst vor zu hohen Erwartungen haben. „Firefight“ liest sich genauso spannend und mitreißend wie „Steelheart“ und kann meine Erwartungen mit Leichtigkeit erfüllen. Ich bin immer noch von Sandersons Idee der Epics mit ihren Superkräften und geheimen Schwächen total begeistert. Ich habe etwas Derartiges in der Fantasy noch nie gelesen. Sanderson kann sich hier also vollkommen austoben und ist nicht an schon bestehende Regeln des Genres gebunden.

Ich bin von den Epics genauso fasziniert wie David, der sie immer noch studiert und versucht, mehr über die Zusammenhänge herauszufinden: Gibt es einen besonderen Grund für die Schwächen der Epics? Und warum gelingt es manchen wenigen von ihnen, sich von ihren Kräften nicht verderben zu lassen, während die meisten zu wahren Monstern mutieren? Und vor allem: Wie geht es Megan aka Firefight?

Meine Sorge, ob „Firefight“ mit dem grandiosen Auftaktband „Steelheart“ mithalten kann, war vollkommen unbegründet. Auch der zweite Teil dieser tollen Trilogie ist absolut spannend und voller Action. Gemeinsam mit David, der vor allem durch sein Faible für schlechte Metaphern so sympathisch wird, erhalten wir neue Einblicke in die faszinierende Welt der Epics. Und dann – wow – der Höhepunkt der Geschichte: Hier ändert sich nochmal alles. Ich freue mich sehr (sehr, sehr) auf den letzten Band. 10 von 10 Sternen!

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Firefight – Brandon Sanderson – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 17,99 € – ISBN: 978-3-453-26900-2 – erschienen: Oktober 2015 (Heyne fliegt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren – Übersetzung: Jürgen Langowski