[Interview] Monika Feth

Monika Feth gehört schon seit längerem zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich jetzt nach dem Erscheinen ihres neuen Buches „Der Bilderwächter“ (der mittlerweile 6. Band der Jette-Reihe) ein kleines Interview mit ihr führen durfte.

Liebe Frau Feth, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, um ein paar meiner Fragen zu beantworten. Aktuell ist ihr neuer Band aus der Jette-Reihe, „Der Bilderwächter“, erschienen und Sie sind viel unterwegs, um vor Publikum zu lesen und Interviewfragen zu beantworten. Erzählen Sie doch mal: Welches war ihr schönstes Erlebnis auf einer solchen Lesereise?

MF: Eine Abiturientin verriet mir, dass mein Tilo der Grund dafür sei, dass sie nach dem Abi Psychologie studieren würde. Eine junge Frau mit multipler Persönlichkeitsstörung sagte mir, das gesamte System habe sich im ‚Scherbensammler’ wiedergefunden. Ein Mädchen legte mir eine völlig zerfledderte Ausgabe des ‚Erdbeerpflückers’ zum Signieren hin und entschuldigte sich mit den Worten, das Buch habe so gelitten, weil sie es immer bei sich trage. Eine Leserin brachte zur Signierstunde auf der Buchmesse in Leipzig ihre neun Monate alte Tochter mit, um mir meinen jüngsten Fan vorzustellen. 🙂

Ich könnte solche Situationen ewig weiter auflisten. Die Begegnungen mit meinen LeserInnen sind ein Geschenk – und der einzige Grund, warum ich Lesereisen überhaupt mache.

Der BilderwächterIn den bisherigen Jette-Büchern wusste man immer schon sehr früh, wer der Täter war. „Der Bilderwächter“ ist anders, der Leser weiß nur wenig mehr als Jette und ihre Freunde. Wie kam es zu diesem Wechsel? Haben Sie sich bewusst dazu entschieden oder ergab sich dies beim Schreiben?

MF: In ‚Spiegelschatten’, dem zweiten Band der Romy-Reihe, erfährt man auch erst am Ende, wer der Täter ist. Ich habe manchmal das Bedürfnis etwas Neues auszuprobieren, ein wenig mit Form und Inhalt zu spielen. So steht zum Beispiel in jedem meiner Erdbeerpflücker-Thriller eine andere Figur im Fokus. Jette ist die Figur, die alle zusammenhält. In ‚Spiegelschatten’ hat sie einen kleine Gastauftritt – auch das war ein Spiel, das mir Freude gemacht hat (und außerdem ein Geschenk an meine LeserInnen).

Im nächsten Jette-Band wird man den Täter wieder von Anfang an kennen. Er ist ziemlich schrecklich, und mir richten sich die Nackenhaare auf, wenn ich nur an ihn denke.

Auch sonst unterscheidet sich das aktuelle Buch ein bisschen von seinen Vorgängern. Ich habe Imke vermisst. Gibt es einen bestimmten Grund, dass sie in diesem Buch keine besondere Rolle spielt?

MF: Es war genau das: Sie hat keine Rolle darin gespielt. Deshalb habe ich sie auf Lesereise geschickt. Für das nächste Buch werde ich sie zurückholen. Ich mache mir um sie und Bert Gedanken und bin gespannt, wohin sie mich führen.

Das Verhältnis zwischen Jette und ihrer Mutter ist im Begriff, sich zu verändern. Imke begreift, dass sie ihre Tochter loslassen darf, ohne befürchten zu müssen, sie zu verlieren. Und Jette? Sie ist längst angekommen in ihrem eigenständigen Leben. Ich glaube, das hat sie auch erkannt. So gesehen ist es eigentlich ganz passend, dass Imke einmal vollkommen abwesend ist.

Viele Ihrer Bücher beschäftigen sich mit psychologisch sehr besonderen Themen. Wie kommen Sie zu den Ideen und möchten Sie Ihre Leser damit auch ein Stück weit sensibilisieren?

MF: Ich wähle nur Themen, die mich selbst faszinieren. Meistens begegne ich ihnen unerwartet, stelle fest, dass sie mir keine Ruhe lassen, und muss dann darüber schreiben, um sie loszuwerden. So war es bisher bei jedem Buch. Ich sitze nicht am Schreibtisch und überlege, welches Thema sich für einen Thriller eignen würde. Die Themen suchen mich, nicht umgekehrt.

Mit meinen Büchern verfolge ich grundsätzlich keine Absicht. Ich möchte einfach eine Geschichte erzählen und das so gut wie möglich.

Ist eines Ihrer Bücher Ihr geheimer Liebling? Wenn ja, welches und warum?

FeeMF: ‚Fee’, ein Buch über ein schwer behindertes Mädchen, das mit zwanzig Jahren stirbt. Es hat dieses Mädchen wirklich einmal gegeben, aber ich habe sie nicht gekannt. Man erzählte mir, dass sie schließlich nicht mehr aufrecht im Rollstuhl sitzen, nicht mehr sprechen, sich nicht mehr bewegen und nicht mehr schlucken konnte (deshalb wurde sie künstlich ernährt). Bei ihrem Tod wog sie nur noch 25 Kilo und das bei einer Größe von einem Meter dreiundsechzig. Dennoch hat sie jeden Menschen bezaubert, der in ihre Nähe kam. Sie muss etwas ganz Besonderes gewesen sein.

Ich habe beim Schreiben große Zärtlichkeit für sie empfunden, und ich glaube, man spürt sie in jeder Zeile.

Es ist das einzige Buch, das ich mit der Hand geschrieben habe. Als es fertig war, bin ich zum Friedhof gefahren, habe ihr Grab gesucht und ihr erzählt, dass ich über sie geschrieben habe.

Ich beschäftige mich auf meinem Blog gerne auch mit Büchern, die für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert waren. Im Zusammenhang mit der Vergabe dieses Preises gab es aktuell den Wunsch vieler deutschsprachiger AutorInnen, den Deutschen Jugendliteraturpreis in zwei separaten Kategorien zu vergeben: eine für internationale und eine für deutschsprachige Originalwerke. Wie stehen Sie dazu?

MF: Es kann gar nicht genug Literaturpreise geben und gar nicht genug Sparten, um auf gute Bücher aufmerksam zu machen.

Und zum Abschluss haben Sie die Chance, das Thema zu bestimmen: Von welcher Frage wünschen Sie sich schon lange, dass sie in einem Interview endlich mal gestellt wird?

MF: Eigentlich bin ich mit diesen Fragen sehr zufrieden. 🙂

2 Gedanken zu “[Interview] Monika Feth

  1. Ich glaube gerade ist irgendetwas schief gegangen. Falls du nun doch zwei Kommentare hast: Sorry, war so nicht gewollt 😉
    Mir gefällt dein Interview mit Frau Feth wirklich sehr gut. Und „Fee“ ist gleich mal auf meiner Wunschliste gelandet.
    LG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s