[Rezension] „Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer“ von Stefan Boonen

Klappentext:

Die Schifferin und allerbeste Pfannkuchenbäckerin des kleinen Dorfes findet am Morgen ein Mädchen am Strand, das der Fluss angespült hat. Mutterseelenallein!
Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht. Alle sind besorgt. Es wird beschlossen, dass das Mädchen bei drei Familien zur Probe wohnen und dort bleiben soll, wo es ihr am besten gefällt. Richtig spannend wird es, als das Mädchen erfährt, dass der von der Försterin gefangene Bär an den Zoo verkauft werden soll … (Quelle)

Meine Meinung:

Und plötzlich ist es da: das kleine Mädchen mit seinem roten Koffer! Als Frau Karbus, die Schifferin von Wammerswald, das Mädchen am Strand findet, nimmt sie es erst ein Mal mit und backt ihm Pfannkuchen. Das ist nämlich ihre Spezialität.
Danach richtet sich Findling, wie das Mädchen von allen genannt wird, am Strand häuslich ein und fühlt sich dabei pudelwohl. Doch dort kann sie nicht bleiben, darin sind sich alle einig. Schnell finden sich drei Familien, bzw. Personen, die bereit sind, Findling bei sich aufzunehmen.

Bis zu diesem Zeitpunkt las sich das Buch „nur“ nett und lustig. Die Charaktere waren toll und humorvoll beschrieben, so dass nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene beim Lesen in sich hineinkichern. Und dann kam der Moment, ab dem Findling jeweils einen Tag und eine Nacht bei einer der drei Familien wohnt, um zu testen, wo sie später lebenmöchte. Und die Geschichte wurde herzerwärmend, denn die Beweggründe der einzelnen Familien und ihre Versuche, Findling ein Heim zu geben, sind unheimlich liebevoll. Mein heimlicher Lienling ist ganz klar der Große Jos, der – so denkt er zumindest – gar nicht so viel von Kindern versteht, dabei aber ein Herz hat, das fast so riesig ist wie er selbst.

„Ich weiß aber nicht, ob ich gut vorlesen kann“, sagte er zögernd, als er wieder nach unten kam. „Das habe ich noch nie gemacht.“
Findling lachte. „Und ich weiß nicht, ob ich gut zuhören kann. Es ist das erste Mal, dass mir jemand eine Geschichte vorliest.“ (S. 151/152)

Stefan Boonen ist ein wunderbares Buch gelungen, das meiner Meinung nach alles bietet, was das Herz begehrt: Tolle, detailliert beschriebene Charaktere, nette Bilder (von Illustrator Tom Schoonooghe), viel Gefühl und mit der Rettungsaktion für den Bären auch noch die nötige Portion Abenteuer. Ich vergebe insgesamt 8 von 10 Sternen und empfehle das Buch auch erwachsenen (Vor-)Lesern.

stern 8

Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer – Stefan Boonen – Hardcover – 272 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-7373-5172-0 – erschienen: Februar 2015 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 8 Jahen

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„Stuart Horten – Acht Münzen und eine magische Werkstatt“ von Lissa Evans

Stuart Horton 1Reiheninfo:

  1. „Acht Münzen und eine magische Werkstatt“
  2. „Sieben Rätsel und ein magischer Stern“

Inhalt:

Der zehnjährige Stuart ist nicht nur viel zu klein für sein Alter, sondern muss auch noch zu Beginn der Sommerferien umziehen. Und außer den neugierigen und aufdringlichen Drillingen aus dem Nachbarhaus kennt er niemanden. So ist es sehr passend, dass er in einer alten Schachtel, die früher seinem Großonkel gehört hat, ein Rätsel und acht veraltete Münzen findet. Sein Großonkel Kenny Horten war ein berüchtigter Zauberer, bis er von ein auf den anderen Tag plötzlich verschwand.

Und so macht sich Stuart auf den Weg, die magische Werkstatt zu finden, und gerät in ungeahnte Gefahren.

Meine Meinung:

Der erste Teil um Stuart Horten ist ein nettes kleines Kinderbuch, das mich gut unterhalten hat. Die Geschichte wird ab 10 Jahren empfohlen, was auch etwa meiner Einschätzung entspricht. Die Geschichte ist eine gelungene Mischung aus einem modernen Märchen, bzw. einem Kinderfantasybuch, und einem Abenteuer-Detektivroman für die jüngsten Leser. Sollte mir irgendwann der zweite Teil über den Weg laufen (den ersten habe ich gewonnen) werde ich ihn sicherlich lesen. Ob ich mir das Buch kaufen würde, weiß ich nicht genau.

Ich vergebe 6 von 10 Sternen!

stern 6Stuart Horten – Acht Münzen und eine magische Werkstatt – Lissa Evans – Hardcover – 352 Seiten – 13,90 € – ISBN-13: 978-3939435532 – erschienen: September 2012 (mixtvision) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

„Vilja und das Räuberfest“ von Siri Kolu

Vilja und das RäuberfestReiheninfo:

  1. “Vilja und die Räuber”
  2. “Vilja und das Räuberfest”

Inhalt:

Dass Vilja die Sommerferien wieder gemeinsam mit den Räuberbergs verbringen möchte, war für sie ganz klar. Umso größer ist der Schreck, als sie sich plötzlich im Musik-Ferienlager wiederfindet, Geige spielen und Möhren essen muss. Doch dann steht die Rettung doch noch vor der Tür und der Räuberbus macht sich mit Vilja an Bord auf dem Weg zum alljährlichen großen Räuberfest…

„Ich dachte darüber nach, dass der große Unterschied zwischen meinem Sommerleben und meinem normalen Leben war, dass ich mich im Sommer immer regelrecht auf die Sachen stürzte, vor denen mich die Erwachsenen sonst zu schützen versuchten.“ (S. 248)

Meine Meinung:

Ich klappe das Buch auf, sehe die schönen Kapitelillustrationen und die Überschriften mit ihren kurzen Beschreibungen des Inhalts, lese den ersten Satz und befinde mich direkt wieder an Viljas Seite – bereit für ein neues Abenteuer mit den Räuberbergs.

Und zunächst ist auch alles wie im letzten Jahr: Vilja und die Räuberbergs überfallen als gekonnte Straßenräuber mit ausgetüftelten Manövern die verschiedensten Autos, genießen abends das Beisammensein, essen jede Menge Eis und Süßigkeiten. Doch sind nicht mehr alle so fröhlich wie gewohnt: Kalle macht sich Sorgen um sein Schulleben, Hele verbirgt irgendein Geheimnis und auch Hilda ist irgendwie verändert.

Dieses Buch ist in meinen Augen tatsächlich nicht mehr ganz so unbeschwert wie sein Vorgänger. Natürlich sind die Geschichten immer noch lustig, die Abenteuer nach wie vor riskant und doch immer gut endend, aber ich bin nicht mehr ganz so federleicht über die Seiten geflogen wie im vergangenen Teil. Leider kann ich sehr schwer greifen, was dieses Gefühl ausgelöst hat.

Einen Kritikpunkt kann ich aber dennoch benennen: Der Schluss war mir einfach etwas zu übertrieben und unglaubwürdig. Ja, ich weiß. Bei einem Kinderbuch, in dem die ungewöhnlichsten und merkwürdigsten Dinge passieren, ist es komisch davon zu sprechen, dass etwas unglaubwürdig und übertrieben ist, aber so habe ich es nun mal empfunden.

Insgesamt war es aber mal wieder eine sehr schöne Zeit mit den Räuberbergs. Insbesondere Gold-Piet und Kalle habe ich noch etwas mehr in mein Herz geschlossen. Ich habe mit jedem einzelnen bei den Wettkämpfen beim großen Sommerfest mitgefiebert, habe ein „Eisbecher nach Art der harten Kerle“ gegessen und bin in unglaublicher Geschwindigkeit mit dem Räuberbus und Hele am Steuer über die sandigen Straßen Finnlands gebrettert.

„Vilja und das Räuberfest“ erzählt mit viel Charme und liebenswerten Details das nächste Abenteuer von Vilja und den Räuberbergs. Obwohl ich wirklich jede einzelne Seite total genossen habe und mir auch sofort den dritten Band, so es denn einen geben wird, kaufen würde, reicht dieser Teil nicht ganz an „Vilja und die Räuber“ heran. Insgesamt vergebe ich aber dennoch lakritzige, süßigkeitenverschmierte 8 von 10 Sternen.

stern 8

Hier geht es zu einer Leseprobe.

Vilja und das Räuberfest – Siri Kolu – Hardcover – 416 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-453-26763-3 – erschienen: Februar 2013 (Heyne) – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

„Munkel Trogg: Der kleinste Riese der Welt“ von Janet Foxley

Munkel TroggInhalt:

Munkel Trogg ist ein ganz besonderer Riese; aber nicht auf die gute Art und Weise. Er ist nämlich der kleinste Riese der Welt – und damit das Gespött seiner Klassenkameraden, Lehrer und selbst seines Bruders. Als ihm bei einem Museumsbesuch auch noch die Kleidung eines Kleinlings passt, ist das Gelächter riesig; im wahrsten Sinne des Wortes. Munkel allerdings wird neugierig und so wagt er den gefährlichen Ausflug in die Kleinlingswelt…

Meine Meinung:

Munkel mag zwar klein sein, aber er ist mutig und tapfer, hat das Herz am rechten Fleck und sieht, abgesehen von der Größe, gar nicht mal schlecht aus:

„Er hatte eine wunderschöne graue, mit haarigen Warzen übersäte Haut, buschige Brauen sowie die fleischige Nase von Pa und die Glupschaugen und schiefen Zähne von Ma.“ (S. 11)

Anfangs ist er trotzdem für alle nur der kleinste Riese der Welt, der Knirps eben. Sein Bruder hat riesigen Spaß daran, ihn kopfüber hin und her zu schaukeln, seine Mitschüler schikanieren ihn und auch sein Vater nimmt ihn nicht für voll.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Munkel macht sich heimlich auf den Weg zur nächsten Kleinlingsstadt, sein Bruder Raubauz verliert einen Drachen, das Königreich scheint in Gefahr und plötzlich bekommt Munkel die Chance zu zeigen, was alles in ihm steckt.

Helden müssen nicht immer groß sein! Das wird den kindlichen und auch den erwachsenen Lesern sicherlich schnell klar. Voller Humor, mit einem Augenzwinkern und einer Prise Herzenswärme erzählt Janet Foxley das Abenteuer von Munkel, dem Drachen Snarg und dem Kleinlingsmädchen Emily.

Die eingestreuten kleinen Ekligkeiten wie einem Schwall von Drachenpipi oder einem Kuchen aus Würmern, Nacktschnecken und Fliegenpilzen bringen die kleinsten Leser sicherlich zum Kichern. Mich ließen Abschnitte wie dieser hier schmunzeln:

„Eine Frau, dachte er, denn obwohl auch sie knöchellange Hosen trug, hatte sie so was wie einen Busen. […] Ja, es musste ein Busen sein. Aber der war an einer komischen hohen Stelle und stak nach vorn heraus, statt schön auf dem Bauch zu liegen wie Mas.“ (S. 78)

Am Ende zeigt sich: Munkel ist nicht nur aufgrund seiner geringen Größe etwas ganz besonderes, sondern vor allem auch wegen seines guten Herzens und seiner klugen Ideen. „Munkel Trogg“ ist ein niedliches Kinderbuch mit Humor und einer wahren Heldengeschichte. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und vergebe riesige 7 von 10 Sternen.

stern 7

Hier geht es zur Leseprobe inklusiver der tatsächlichen Buchinnengestaltung.

Munkel Trogg: Der kleinste Riese der Welt – Janet Foxley – Hardcover – 272 Seiten, 12,99 € – ISBN: 978-3-596-85495-0 – erschienen: Februar 2013 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 8 Jahren

„Vango – Zwischen Himmel und Erde“ von Timothée de Fombelle

VangoReiheninfo:

  1. „Vango – Zwischen Himmel und Erde“
  2. „Vango – Prinz ohne Königreich“

Klappentext:

Paris, 1934. Zusammen mit vierzig anderen weiß gekleideten Männern wartet Vango, 19 Jahre, ausgestreckt auf den Pflastersteinen vor Notre-Dame auf seine Priesterweihe. Doch dazu kommt es nicht. Vango muss fliehen. Mord wird ihm vorgeworfen. Eine waghalsige Verfolgungsjagd beginnt, die Vango über die Dächer von Paris bis an den Bodensee und an Bord eines Zeppelins nach Sizilien führt, weiter auf die äolischen Inseln seiner Kindheit und schließlich nach Schottland zu seiner großen Liebe, der geheimnisvollen Ethel. Immer auf der Flucht und getrieben von der Frage: Wer bin ich? Denn Vangos Herkunft ist auch ihm selbst ein Rätsel … und scheint doch der Schlüssel, um dahinterzukommen, wer genau ihm nachsetzt und vor allem warum seine Verfolger so umbarmherzig sind. (Quelle: Gerstenberg Verlag)

Meine Meinung:

Der Klappentext hörte sich für mich nicht wirklich spannend an. Auch dieses Buch habe ich eigentlich nur gelesen, weil es für den DJLP nominiert wurde. Zum Glück wurde es nominiert, denn sonst hätte ich ein wirklich grandioses Buch verpasst.

Schon nach wenigen Seiten war mir klar, dass hinter der Geschichte um Vango viel mehr steckte, als zunächst angenommen. Der Autor hat die wunderbare Fähigkeit, mit wenigen Worten unendlich viel auszudrücken. Er kreiert eindringliche Personen- und Situationsbeschreibungen und damit eine unheimlich einnehmende Atmosphäre.

Obwohl die Geschichte in vielen kleinen Zeitsprüngen geschildert wird, ist das Einordnen der einzelnen Kapitel nie schwer. Sie sind alle immer mit Jahreszahlen überschrieben und auch ohne diese, findet man als Leser leicht die richtige Zeit und den richtigen Zusammenhang. Die Zeitsprünge haben mich also gar nicht gestört. Im Gegenteil: Sie tragen nur zur Spannung und zu dem Gefühl bei, einzelne Puzzle-Teile zusammenzusetzen.

Was mich an dem Buch am meisten fasziniert hat, ist die Tatsache, dass es sich so gar nicht in eine der typischen Genre-Schubladen stecken lässt. Es ist gleichzeitig Roman und Jugendbuch, Kriegsgeschichte und Abenteuerroman, Krimi und Liebesgeschichte. Und eigentlich noch vieles mehr! Und so habe ich Seite um Seite mit Vango mitgefiebert, war mit ihm gemeinsam auf der Suche nach der Vergangenheit und dem Grund für seine Verfolgung.

Ich bin vollauf begeistert von diesem tollen, vielschichtigen Buch und kann nur jedem raten, es auch zu lesen. Denn so komplex wie es ist, spricht es sicherlich eine große Bandbreite an Lesern an. Ich freue mich auf den zweiten und finalen Band „Vango – Prinz ohne Königreich“ und auf die „Tobie Lolness“-Reihe, die ich schon oft gesehen, aber bisher nicht diesem Autor zugeordnet habe. 9 von 10 Sternen.

stern 9

Dieses Buch wurde 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Vango – Zwischen Himmel und Erde – Timothée de Fombelle – Hardcover – 400 Seiten – 16,95 € – ISBN-13: 978-3836953658 – erschienen: März 2012 (Gerstenberg) – Altersempfehlung: ab 12 Jahre

„Vilja und die Räuber“ von Siri Kolu

Vilja und die RäuberReiheninfo:

  1. „Vilja und die Räuber“
  2. „Vilja und das Räuberfest“

Inhalt:

„In der zweiten Juniwoche wurde ich geklaut. Das war auch gut so!“ (erste Sätze, S. 11)

Die Zehnjährige Vilja wird in den Sommerferien geklaut. Als die Familie Räuberberg das Auto von Viljas Familie überfällt, raubt sie nämlich nicht nur Mamas Lieblingsbikini und Papas Shorts, sondern eben auch Vilja. Zunächst schmiedet diese noch Ausbruchspläne, denn so verhalten sich Entführte nun mal. Doch nicht lange kann sie vor den Räuberbergs verbergen, dass ihr das wilde Räuberleben eigentlich Spaß macht. Denn wo sonst bekommt man so viele Lakritzbonbons, wie man will? Und wo sonst lernt man das Messerwerfen und alle anderen wichtigen Dinge über die Räuberei?

Meine Meinung:

Als ich das Cover von „Vilja und die Räuber“ gesehen und mir den Klappentext dazu durchgelesen habe, war ich mir total sicher, dass das Buch einfach toll sein würde. Und so war es auch!

Ich könnte meine Rezension nur aus Zitaten bestehen lassen, denn beinahe jedes Kapitel, jede Seite und jeder Satz bergen kleine wunderbare Schätze.

Siri Kolu beschreibt das Räuberleben und vor allem die Mitglieder der Familie Räuberberg mit einer solchen Leichtigkeit und dem liebevollen Auge fürs Detail, so dass ich mich am liebsten selbst auf die Straße stellen würde, in der Hoffnung, dass der Räuberbus vorbei fahren und mich rauben würde.

Erwachsene mögen vieles in dieses Buch hineininterpretieren, aber letztendlich bleibt „Vilja und die Räuber“ einfach ein wunderbar herzerwärmendes Kinderbuch und das ist gut so.

Ich könnte jetzt noch lange von den vielen tollen Kleinigkeiten der Geschichte schwärmen, aber ich finde, dass jeder dieses Buch einfach selber lesen sollte. „Vilja und die Räuber“ ist so schön, dass es kaum in Worte zu fassen ist: 10 von 10 Sternen!

stern 10

Vilja und die Räuber – Siri Kolu – Hardcover – 256 Seiten – 12,99 € – ISBN-13: 978-3453267626 – erschienen: Mai 2012 (Heyne) – Altersempfehlung: 10-12 Jahre (und älter)

„Die wilden Piroggenpiraten. Ein tollkühnes Abenteuer um eine entführte Mohnschnecke und ihre furchtlosen Retter“ von Maris Putnins

Die wilden PiroggepiratenInhalt:

Mohnschnecke, ein junges und hübsches Gebäckstück, wollte eigentlich nur gemeinsam mit Eclair einen schönen Ausflug machen, doch der endet dramatisch: Bei einer Bootstour mit dem arroganten Hörnchen wird das Schiff von den wilden Piroggenpiraten angegriffen und Mohnschnecke gekidnappet.

Eclair hat ein furchtbar schlechtes Gewissen und macht sich gemeinsam mit seinem neuen Freund, dem Pelmen Otto, auf die Suche nach der verschollenen Mohnschnecke. Auch Hörnchen, von seinem gierigem Vater und der Aussicht auf eine Belohnung getrieben, versucht das zarte Gebäckstück zu retten.

Was keiner ahnen konnte: Seit Mohnschnecke auf dem Piratenschiff weilt, hat sich das Leben auf der „Speckkugel“ gewaltig geändert…

Meine Meinung:

Ein Buch über Gebäckstücke, über Piroggen mit Zwiebelfüllungen, über Blutwürste und Knofikaufleute…

Wer mich und meinen Lesegeschmack ein wenig kennt, weiß genau, dass mir der Einstieg in so ein Buch eher schwer fällt. Ich brauche immer ein bisschen, bis ich mich an so neue Ideen gewöhnt habe.

Aber schon nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte um Mohnschnecke, Eclair, Otto und um die Piroggenpiraten komplett in den Bann gezogen. Der lettische Kinderbuchautor steckt so viel Gefühl, so viel Heldenmut und so viel Liebenswertes in seine teigigen Hauptdarsteller, dass sie schnell mein Herz erobert und mich an einigen Stellen sogar zu Tränen gerührt haben.

Das soll aber nicht heißen, dass das Abenteuer um die wilden Piroggenpiraten eine traurige Geschichte ist: sie ist viel mehr voll von allem, was ein gutes Kinderbuch benötigt: Es gibt wahre Helden, eine wunderbare Freundschaft, eine Liebesgeschichte, Intrigen, Gefahren und vor allem jede Menge Abenteuer.

Und ganz versteckt geht es in dieser zauberhaften Geschichte um Themen wie Identität, den Wunsch jemand anders zu sein und darum, für das einzustehen, woran man glaubt.

Nebenbei glänzt „Die wilden Piroggenpiraten“ durch einen wirklich grandiosen Humor und einen Wortwitz, der insbesondere die erwachsenen (Vor)-Leser ansprechen dürfte: so heißt beispielsweise die Hauptstadt von Käsien Tschiesburg und deren Bewohner sind „kleinwüchsig, aber allesamt stinkig und stänkerisch“.

Die letzten Seiten über Mohnschnecke und die wilden Piroggenpiraten habe ich fast ein wenig traurig gelesen. Obwohl das Buch mehr als 600 Seiten umfasst, hätte ich gerne noch mehr Zeit mit meinen Teig-Helden verbracht, hätte gerne länger mit ihnen gelacht und gebangt, hätte mich an der List und Tücke der Piraten erfreut. Aber vor allem hätte ich gerne sehr viel länger meine heimlichen Lieblingsfiguren Eclair und Otto begleitet: zwei Freunde, die man sich besser nicht erträumen kann.

„Die wilden Piroggenpiraten“ ist ein wirklich bezauberndes Kinderbuch. Aber ich bin mir sicher, dass auch jugendliche und erwachsene Leser an dieser wirklich tollen Idee und der noch besseren Ausführung ihre wahre Freude haben werden. Ich habe auf jeden Fall schon mehrere Personen im Kopf, denen ich dieses Piratenabenteuer empfehlen möchte. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Die wilden Piroggenpiraten. Ein tollkühnes Abenteuer um eine entführte Mohnschnecke und ihre furchtlosen Retter – Maris Putnins – Hardcover – 656 S. – 14,99 € – ISBN-13: 978-3596854523 – erschienen: März 2012 (Fischer) – Altersempfehlung: 8-12 Jahre

[Rezension] „Paper Towns“ von John Green

PapertownsInhalt:

Quentin und Margo waren zu Kindertagen nicht nur Nachbarn, sondern auch gute Freunde. Jetzt sind beide fast mit der Highschool fertig und haben eigentlich kaum noch was miteinander zu tun. Margo gehört zu den Coolen, während Quentin zwar auch seine Clique hat, aber Margo immer nur aus der Ferne bewundern kann.

Das ganze ändert sich, als Margo eines Nachts an Quentins Fenster klopft und ihn auf einen Ausflug entführt, der für Quentin alles ändert. Doch am nächsten Tag ist Margo verschwunden. Gemeinsam mit seinen Freunden versucht Quentin die Spuren, die Margo anscheinend für ihn hinterlassen hat, zu verstehen und sie zu finden.

Meine Meinung:

Mein erster John Green und mit Sicherheit nicht mein letzter!

Überall höre ich, dass die Leute den Autor toll finden, aber „Paper Towns“ (dt. „Margos Spuren“) nicht sein bestes Buch ist. Ich frage mich: Wie toll müssen denn dann die anderen Bücher sein?

Ihr seht: Ich bin total begeistert und das, obwohl mir das Ende nicht hundertprozentig gefallen hat. Und dass ich Bücher trotz eines nicht ganz zufrieden stellenden Endes toll finde, hat absoluten Seltenheitswert.

„Paper Town“ einzuordnen ist wirklich schwierig. Es ist eine gelungene Mischung aus Jugend-Teenie-Buch und Abenteuer-Detektiv-Roadmovie-Roman gewürzt mit einer satten Prise an Humor, garniert mit ganz viel Weisheit.

Für mich hat das Buch vor allem durch seine sympathischen Hauptfiguren und durch den wirklich grandiosen Humor gewonnen. Ich habe mich nicht nur einmal vor lauter Lachen verschluckt.

Ich finde, dass es John Green außerordentlich gut gelungen ist, den Leser mit in die Geschichte zu ziehen. Ich wollte genauso wie Quentin wissen, warum Margo verschwunden ist, war genauso wie er total aufgeregt, manchmal aber auch nachdenklich. Ich mag seine Freunde und möchte gerne mit ihnen gemeinsam ein tolles Abenteuer erleben.

Wirklich faszinierend ist, wie der Autor es schafft, in so ein Buch auch noch sensible Themen wie die Identifikationsfindung, Selbst- und Fremdwahrnehmung einzubinden, ohne dass es anstrengend wird oder den Lesefluss stört.

Für das für mich nicht vollends befriedigende Ende gibt es von mir einen Stern Abzug: 9 von 10 Sternen also und damit eine absolute Leseempfehlung.

stern 9

Anmerkung: Der deutsche Titel lautet „Margos Spuren“.

Paper Towns – John Green – Taschenbuch – 320 Seiten – 8,40 € – ISBN-13: 978-0142414934 – erschienen: September 2009 (Speak Verlag