[Rezension] „Alles, was ich sage, ist wahr“ von Lisa Bjärbo

Alles, was ich sage, ist wahrInhalt:

„Zu tun, was von einem verlangt wird, ohne es immer und ständig zu hinterfragen. Das war absolut nicht mein Ding.“ (S. 19)

Nein, das ist wirklich nicht Alicias Ding und so schmeißt sie mit ihren fast siebzehn Jahren die Schule hin, zieht zu ihrer Oma, fängt an in einem Café zu arbeiten und begegnet ihrer großen Liebe, obwohl Isak noch nichts von seinem Glück weiß. Doch dann passiert das Unvorstellbare: Alicias Oma stirbt. Wie fühlt man sich, wenn man gerade noch überglücklich war und dann die wichtigste Bezugsperson in seinem Leben verliert? Und doch geht ihr Leben weiter, nur wie…

Meine Meinung:

„Und, Alicia?“, sagt Mama. „Was hast du heute gemacht?“
„Heute“, sage ich, „heute habe ich hauptsächlich die Schule geschmissen.“ (S. 32)

 Ich glaube, es ist der rotzige, schnodderige Erzählton von Alicia, der mir an diesem Buch am besten gefällt. Denn sie erzählt ihre Geschichte einfach so, frei von der Leber weckt – und trifft dabei den Leser mitten ins Herz. Denn ihre Art zu erzählen, ist einfach authentisch!

Sie ist authentisch, wenn sie erzählt, wie sehr sie ihre Großmutter liebt. Und als Leser wünscht man sich, auch so eine Großmutter zu haben (oder man wünscht sich seine eigene Großmutter wieder zurück). Sie ist authentisch, wenn sie im Café ihren griechischen Gott Isak zum ersten Mal sieht und sofort beschließt, dass sie ihn heiraten wird. Und sie ist auch authentisch, als sie den Tod ihrer Oma einfach nicht fassen und vor allem nicht weinen kann.

„Was sollen wir nur ohne sie machen? Ich weiß es nicht, aber ich wünschte, ich könnte wenigstens weinen. Ich liege im Bett, starre an die Decke und wünschte, ich könnte weinen, aber das kann ich nicht. Warum nicht? Bin ich gestört? Meine Oma ist tot, Grund genug zu weinen, aber offensichtlich habe ich verlernt, wie man traurig ist.“ (S. 147)

„Alles, was ich sage, ist wahr“ erzählt eine Geschichte, wie man sie definitiv schon kennt. Und doch ist sie ganz anders: näher und eindrücklicher irgendwie! Ein bisschen ist es so, als würde man seiner besten Freundin zuhören, wie sie von ihrem Leben erzählt: mal überschwänglich glücklich, mal nachdenklich und traurig, aber immer liebenswert und ehrlich! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Lisa Bjärbo hat 2013 für dieses Buch die Nils-Holgersson-Plakette bekommen, einen schwedischer Literaturpreis, der an Kinder- und Jugendbuchautoren verliehen wird.

Alles, was ich sage, ist wahr – Lisa Bjärbo – Klappbroschur – 253 Seiten – 13,95 € – ISBN 978-3-407-81156-1 – erschienen: Februar 2014 (Beltz)
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Das Orangenmädchen“ von Jostein Gaarder

IDas Orangenmädchennhalt:

„Ich riss den Umschlag auf und zog einen dicken Stapel Blätter heraus. Und fuhr heftig zusammen, denn auf dem obersten Blatt stand:

Sitzt du gut, Georg? Auf jeden Fall musst du fest sitzen, denn ich werde dir eine nervenaufreibende Geschichte erzählen…“ (S. 13)

Georg ist fünfzehn Jahre alt, als er von seinem seit elf Jahren verstorbenen Vater einen Brief bekommt, den dieser für ihn in seiner alten Babykarre versteckt hat. Um den neugierigen Blicken seiner Mutter, seinem Stiefvater und den Großeltern zu entgehen, schließt sich Georg in seinem Zimmer ein und beginnt, zu lesen. In dem Brief möchte sein Vater ihm eine wichtige Frage stellen, zunächst aber erzählt er seinem Sohn die Geschichte des Orangenmädchens…

Meine Meinung:

Während des Lesens von diesem Buch habe ich mir so viele Notizen gemacht, wie schon langte nicht mehr. Ich habe Zitate rausgeschrieben, Eindrücke notiert und Gedanken festgehalten und doch weiß ich jetzt nicht, wie und vor allem wo ich anfangen soll, denn dieses Buch ist einfach unglaublich vielschichtig.

Stellt euch zunächst die Situation von Georgs Vater vor: Er sitzt in noch gar nicht so hohem Alter zuhause vor dem Computer. Er weiß, dass er bald sterben wird und schreibt einen Brief an seinen jugendlichen Sohn, den er niemals kennenlernen wird, während sein Sohn – im tatsächlichen Alter von vier Jahren – neben ihm mit der Eisenbahn spielt.

„Ich kann mich hören, ich plappere hier ungefähr so herum, wie alte Tanten auf kleine Kinder einreden. Und das ist dumm, denn ich suche doch jetzt den großen Georg – den ich niemals gesehen habe, mit dem ich niemals richtig sprechen konnte.“ (S. 20)

Ich würde gerne all meine Gedanken zur Geschichte des Orangenmädchens aufschreiben und euch daran teilhaben lassen, aber dann würde ich euch die Möglichkeit nehmen, diese wundervolle und märchenhafte Geschichte selbst zu entdecken. Eine Geschichte, die so schön und so traurig ist, dass in ihrer ein wahrer Zauber inne wohnt:

„Als sie aufschaute und mir sozusagen zunickte, ohne auch nur die kleinste Kopfbewegung zu machen, lächelte sie frech und verschmitzt, fast als wären wir alte Bekannte oder – das sage ich jetzt ganz offen – als hätten wir vor langer, langer Zeit ein ganzes Leben zusammen gelebt, sie und ich.“ (S. 29)

„Das Orangenmädchen“ ist so vieles: eine Liebesgeschichte, von der man nur träumen kann; ein Buch über den Tod und das Wissen darum, die Liebsten bald verlassen zu müssen; die Geschichte zwischen einem Vater und seinem Sohn; ein philosophisches Buch voller Weisheit. In erster Linie aber ist „Das Orangenmädchen“ eine kleine Welt zwischen zwei Buchdeckeln, die jeder für sich entdecken sollte. Ich vergebe 10 von 10 Sternen.

stern 10

„Das Orangenmädchen“ wurde 2004 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Das Orangenmädchen – Jostein Gaarder – Taschenbuch – 192 Seiten – 8,90 € – ISBN-13: 978-3423133968 – erschienen: Oktober 2005 (dtv)