[Rezension] „Schau mir in die Augen, Audrey“ von Sophie Kinsella

Klappentext:

Audrey ist Mitglied einer ziemlich durchgeknallten Familie: Ihr Bruder ist ein Computernerd, ihre Mutter eine hysterische Gesundheitsfanatikerin und ihr Vater ein charmanter, ein bisschen schluffiger Teddybär. Doch damit nicht genug – Audrey schleppt noch ein weiteres Päckchen mit sich herum: Nämlich ihre Sonnenbrille, hinter der sie sich wegen einer Angststörung versteckt. Bloß niemandem in die Augen schauen! Als sie eines Tages auf Anraten ihrer Therapeutin beginnt, einen Dokumentarfilm über ihre verrückte Familie zu drehen, gerät ihr immer häufiger der gar nicht so unansehnliche Freund ihres großen Bruders vor die Linse – Linus. Und langsam bahnt sich etwas an, was viel mehr ist, als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft … (Quelle)

Meine Meinung:

Sophie Kinsella ist den meisten vermutlich durch ihre Schnäppchenjägerin-Romane ein Begriff. Mit „Schau mir in die Augen, Audrey“ hat sie ihr erstes Jugendbuch veröffentlicht.

Kinsella selbst ist Mutter von vier Söhnen und einer Tochter und genau das merkt man beim Lesen auch, finde ich. Das Familienleben von Audrey wird einfach absolut treffend und humorvoll geschildert und macht für mich den Charme dieser Geschichte aus. Besonders begeistert war ich von Audreys Mutter, die ihre Kinder über alles liebt und immer versucht, eine möglichst gute Mutter zu sein. Dass sie den Bogen dabei ab und an etwas überspannt, sieht man zum Beispiel in der Szene, in der sie – angeregt durch einen Ratgeber, wie man am besten mit seinen Kindern kommunizieren sollen – versucht mit Audreys älterem Bruder über seine Unordnung zu sprechen:

„Also, Frank, mir ist aufgefallen, dass du gestern in deinem Zimmer zwei nasse Handtücher auf dem Boden liegen gelassen hast“, beginnt sie betont sachlich. „Das hat ein Gefühl der Überraschung in mir ausgelöst. Was für ein Gefühl hat es bei dir ausgelöst?“
„Hä?“, macht Frank und starrt sie verwirrt an.
„Ich glaube, dass wir für dein Handtuch-Problem gemeinsam eine Lösung finden können“, fährt Mum fort. „Ich glaube, das wäre eine Herausforderung, die uns beiden total Spaß machen könnte.“ (S. 186)

Für mich waren die Entwicklung von Audrey und die vorsichtige Liebesbeziehung zwischen ihr und Linus eher zweitrangig, obwohl ich es positiv finde, dass ein so wichtiges Thema wie die Angststörung, an der Audrey leidet, in den Vordergrund gerückt wird. Die kleinen und großen Erfolge, die Audrey im Laufe der Geschichte, für sich verbuchen kann, sind zwar in meinen Augen etwas unrealistisch und die Entwicklung an sich zu positiv, aber dafür ist der Jugendroman einfach flockig leicht und sehr angenehm lesbar. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass vor allem jugendliche Leserinnen ebenso wie Audrey ganz verliebt in Linus sind. Ich wäre es vor 15 Jahren bestimmt gewesen.

„Schau mir in die Augen, Audrey“ ist ein Buch, das bei mir einfach dadurch gepunktet hat, dass es mich wunderbar unterhalten hat. Es mag zwar aus psychologischer Sicht stellenweise etwas unrealistisch sein, aber die Schilderung von Audrey und ihrer herrlich durchgeknallten (und dabei ganz normalen) Familie hat mich Seite für Seite lesen und immer mal wieder leise kichern lassen. Und dafür gibt es von mir 8 von 10 Sternen!

stern 8

Schau mir in Augen, Audrey – Sophie Kinsella – Klappbroschur – 384 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-570-17148-6 – erschienen: Julie 2015 (cbj) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Zum Glück bemerkt mich niemand … dachte ich“ von Liv Marit Weberg

Klappentext:

Was macht man, wenn man zum ersten Mal alleine wohnt, aber viel zu schüchtern ist, um mit der neuen Freiheit etwas anzufangen? Anne Lise versteckt sich erfolgreich in ihrem Schneckenhaus und lässt nicht einmal ihren Freund Tore so richtig an sich heran. Bis Tore genug davon hat und sie völlig entnervt verlässt. Bis sie ihren Studienplatz verliert. Und bis ihre Eltern ihr den Unterhalt streichen. Aber so ohne weiteres gibt Anne Lise nicht auf! Kurzerhand nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand und sucht sich einen Job. Und dabei wird Anne Lise bemerkt und gegen ihren Willen kennengelernt. Zum Glück! (Quelle)

Meine Meinung:

Merkwürdig! Dieses Buch ist definitiv merkwürdig! Ob das gut oder schlecht ist, kann ich gar nicht so genau sagen.

Anne Lise zieht zum Studieren nach Oslo; zwar nur in eine winzig kleine Wohnung, doch das ist ihr erstmal egal, denn sie hat große Pläne.

„Mein Plan für die nächsten drei Jahre steht. Wichtige Jahre sollen es werden. Jahre, in denen ich lache und weine, mir eine Existenz aufbaue, allein oder mit jemandem zusammen (das wird die Zeit zeigen, denke ich).“ (S. 8)

Doch gleich am ersten Unitag, an dem sie ihre Kommilitonen kennenlernen soll, kommt sie zu spät – und traut sich dann gar nicht mehr, zu den anderen zu gehen. Und so verbringt sie, abgesehen von einer kurzen Beziehung mit Tore, ihre Zeit alleine in ihrer Wohnung.

„Ich fühle mich in meiner Schuhschachtel mit der Zeit immer mehr zuhause. Sie ist zwar in keinerlei Hinsicht komfortabel, aber zweckmäßig. Ein Aufenthaltsraum, ein Schutzraum. Ähnlich einem Luftschutzbunker.“ (S. 73)

Irgendwann muss sie feststellen: Sie ist komplett alleine, sie hat noch nie eine Vorlesung besucht und das Geld geht ihr auch aus. Es muss sich etwas ändern.

Die Geschichte von Anne Lise wird genauso erzählt, wie ich mir das junge Mädchen auch vorgestellt habe: Die Kapitel sind ziemlich kurz und eher emotionslos. Es passiert nicht viel. Oft hatte ich das Bedürfnis, Anne Lise (wahlweise auch das Buch) zu schütteln, um mal ein bisschen Schwung in ihr Leben zu bringen, doch die Geschichte plätschert so dahin – antriebslos und fremdgesteuert.

„Zum Glück bemerkt mich niemand … dachte ich“ erzählt auf sehr realistische Art und Weise, wie es ist, ein Leben als kontaktscheuer und antriebsloser Mensch zu leben. Die Erzählstimme passt unheimlich gut zur Geschichte, reizt die Geduld des Lesers aber auch sehr aus. Und so ist dieses Buch gleichzeitig gut, aber auch sehr anstrengend. Und vor allem merkwürdig! Aber auf eine gute Art! Ich vergebe knappe 7 von 10 Sternen!

stern 7

Zum Glück bemerkt mich niemand … dachte ich – Liv Marit Weberg – Hardcover – 224 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-7373-5170-6 – erschienen: Februar 2015 (Sauerländer) – Altersempfehlung: 14-17 Jahre