[Rezension] „Der Schein“ von Ella Blix

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Oftmals beginne ich eine Rezension mit einem Zitat aus dem Buch. Ein prägnanter Satz, der für mich das Gefühl während des Lesens widerspiegelt. Dieses Mal möchte ich mich gerne selbst zitieren. Nicht weil das Buch nicht auch viele tolle Sätze beinhaltet, sondern weil dieser Satz einfach alles ausdrückt, was das Buch für mich ausgemacht hat.

„Puh, die beiden Autorinnen schreiben einfach unfassbar gut!“ (Ich, atemlos und mit Gänsehaut)

Die Autorinnen? Ja, genau! Ella Blix ist das gemeinsame Pseudonym des Autorinnenduos Antje Wagner und Tania Witte. Dies ist das erste gemeinsame Buch der beiden. Antje Wagner kenne ich als Autorin schon recht lange und habe einige ihrer Bücher gelesen, besonders begeistern konnten mich bisher „Vakuum“ und „Unland“.

In „Der Schein“ geht es um die knapp siebzehnjährige Alina, die mitten im Schuljahr auf das Internat „Hoge Zand“ auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun wechselt. Auf Griffiun gibt es so gut wie nichts: einen kleinen Stadtkern, Strand und das große Naturschutzgebiet direkt hinter dem Internat. Doch dies zu betreten, ist den Schülern strengstens verboten. Umso merkwürdiger findet Alina es, dass sie eines Nachts einen hellen Schein genau aus dem Naturschutzgebiet leuchten sieht. Und dann ist da noch das schwarze Schiff, das urplötzlich wie aus dem Nichts vor ihren Augen auftaucht und wieder verschwindet. Neugierig macht sich Alina doch auf den Weg in das verbotene Gebiet und trifft dort auf Tinka, die eindeutig ein Geheimnis verbirgt. Warum fühlt Alina sich auf unerklärliche Weise so sehr mit Tinka verbunden?

„Meine Hände fingen an zu zittern, und ich krampfte sie fester um das Fernglas.
Das schwarze Etwas, das meinen Blick verdunkelt hatte, war ein Schiff. Und es war riesig! An der Spitze des Mastes befand sich eine große Kugel.
Eine Kugel …?“ (S. 159)

Eigentlich liegen mir Geschichten, in denen sich zwei Genre miteinander mischen, nicht so gut. Die Bücher von Antje Wagner haben da schon oft eine Ausnahme gemacht. Und dies scheint auch für „Der Schein“ zu gelten: Denn zu dem ganz normalen Jugendroman, in dem es um eine Gruppe Jugendlicher, eine geheimnisvolle Legende und Alinas persönliche Geschichte geht, kommt eine gehörige Portion Mystery und ein wenig Science-Fiction dazu. Und ich habe es geliebt!

Ich bin förmlich über die Seiten geflogen, gebannt von den liebevoll gezeichneten Charakteren – Alina trifft dort nämlich auf die Lonelies, eine Gruppe Jugendlicher, die alle aus verschiedenen Gründen an den Wochenende und in den Ferien nicht nach Hause fahren – und der fesselnden Schreibweise des Autorenduos. Ich habe oben nicht übertrieben: Die Geschichte hat mich so mitgerissen, dass mir beim Lesen an manchen Stellen wirklich der Atem stockte und mein Herz raste.

Von mir gibt es für „Der Schein“ eine ganz deutliche Leseempfehlung und ich hoffe sehr, dass dies nicht das letzte Buch sein wird, das ich von Ella Blix lesen darf! 10 von 10 Sternen!

stern 10

Der Schein – Ella Blix – Hardcover mit SU – 472 Seiten – 18,00 € – ISBN: 978-3-401-60413-8 – erschienen: Januar 2018 (Arena) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

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[Rezension] „Das Tal 2.1. Der Fluch“ von Krystyna Kuhn

Reiheninfo:

  1. „Das Tal 1.1. Das Spiel“
  2. „Das Tal 1.2. Die Katastrophe“
  3. „Das Tal 1.3. Der Sturm“
  4. „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“
  5. „Das Tal 2.1. Der Fluch“
  6. „Das Tal 2.2. Das Erbe“
  7. „Das Tal 2.3. Die Jagd“
  8. „Das Tal 2.4. Die Entscheidung“

 

Achtung, die Rezension enthält evtl. Spoiler zu den ersten Bänden!

Inhalt:

„Muriel, du musst wach bleiben. Bitte schlaf nicht ein. Ich bin es, Rose.“

Wieder halte ich das Display direkt über ihr Gesicht. Sie blinzelt, als das Licht sie trifft, fährt sich mit der Zunge über die Lippen und dann wispert sie etwas. Ich kann sehen, wie viel Mühe es sie kostet. Es ist nur ein Wort. Nein, kein Wort. Ein Name.

Der Name, den ich am wenigsten hören will.“ (S. 14)

Die Freunde sind jetzt seit einem Jahr auf dem Grace College und alles geht mehr oder weniger seinen gewohnten Gang. Nur Robert versucht immer noch, das Geheimnis um das Tal zu lösen.

Und dann erlebt Rose ihren ganz eigenen Albtraum…

Meine Meinung:

Die Mystery-Jugendthriller-Reihe „Das Tal“ geht in die zweite Runde. Nach den ersten vier Bänden beginnt nun die zweite Season. Natürlich musste ich mir so schnell wie möglich den ersten Band der zweiten Season (wie kompliziert) kaufen: „Das Tal 2.1. Der Fluch“.

Der letzte Band der ersten Season hat für mich einige Fragen und Geheimnisse aufgelöst, aber mich immer noch neugierig und erwartungsvoll zurückgelassen. Ein wenig habe ich gehofft, in diesem Band mehr zu erfahren und tiefer in die Besonderheiten des Tals vordringen zu können. Aber eigentlich war mir auch schon klar: Krystyna Kuhn wird mir wenig Auflösung präsentieren.

Doch wie wenig wir als Leser in der Geschichte des Tals voranschreiten, war mir vor dem Lesen nicht klar. Denn dieses Buch ist anders als seine Vorgänger. Während in den ersten vier Bänden stets die Gruppe oder ein Teil der Gruppe im Mittelpunkt stand, widmet sich dieses Buch vollkommen Rose. Denn natürlich hat auch die stille, schweigsame und sanfte Rose ihre Vergangenheit. Und diese holt sie dort ein, wo Rose am wenigsten damit gerechnet hat: am Grace College – ihrem Zufluchtsort.

Die Geschichte wird vor allem dadurch spannend, dass sie in verschiedenen Zeitebenen spielt: Ein Teil der Erzählung findet zwei Jahre vor der eigentlichen Handlung statt und auch in der Gegenwart gibt es zwei Erzählstränge. So wird man als Leser zuerst durch eine Art Prolog auf das Geschehen neugierig gemacht, um dann in der Handlung eine Woche zurückzuspringen, um zu sehen, wie es überhaupt zu dieser Situation kam.

Lange ist nicht klar, wer welche Rolle spielt. Für mich blieb dadurch die Spannung bis kurz vor Schluss wirklich aufrecht.

Und doch muss ich sagen, dass mich das Buch zwar nicht enttäuscht, aber auf jeden Fall irritiert: Bisher wurde keine Geschichte einer der Hauptpersonen so exklusiv und ohne Zusammenhang zur Rahmenhandlung präsentiert. Natürlich werde ich die Reihe weiter lesen, denn ich bin viel zu neugierig und mag den Schreibstil der Autorin viel zu sehr, um aufzuhören. Dennoch vergebe ich hier nur 7 von 10 Sternen.

stern 7

Das Tal 2.1. Der Fluch – Krystyna Kuhn – Broschiert – 245 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3401066073 – erschienen: November 2011 (Arena) – Altersempfehlung: 14-17 Jahre

[Rezension] „Die verborgene Seite des Mondes“ von Antje Babendererde

Die verborgene Seite des MondesInhalt:

Als ihr Vater stirbt, macht sich die fünfzehnjährige Julia gemeinsam mit ihrer Mutter auf den Weg nach Nevada. Denn ihr Vater, ein Indianer, ist hier groß geworden und seine Seele soll hier nun auf einem Stammestreffen verabschiedet werden.

Doch von ihren Großeltern väterlicherseits werden Julia und ihre Mutter zunächst alles andere als freundlich empfangen. Zu tief sitzt noch die Wut darüber, dass ihr einziger Sohn sie damals allein gelassen hat, um mit einer Weißen nach Deutschland zu ziehen.

Und auch der stotternde Simon, ein Junge in ihrem Alter, scheint Julia aus dem Weg zu gehen. Es dauert eine ganze Weile, bis sie sich mit dem ungewohnten Land, der Armut und den Menschen langsam vertraut macht.

Meine Meinung:

Dies ist nun das dritte Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Von „Lakota Moon“ war ich gar nicht begeistert, „Libellensommer“ hingegen habe ich sehr gemocht. Voller Erwartung war ich nun gespannt, wie mir „Die verborgene Seite des Mondes“ gefallen würde.

Leider erinnerte mich dieses Buch mehr an „Lakota Moon“ als an mein bisheriges Babendererde-Highlight „Libellensommer“. Verschwunden ist die erzählerische Leichtigkeit des tollen Sommerbuches. Dieses Buch spielt mehr in der Zivilisation als „Libellensommer“. Vermutlich ist eine Indianersiedlung am Rande der Zivilisation und großen Städte der Weißen realistischer als das kleine Reservat mit nur einer Handvoll von Bewohnern, abgeschieden mitten in der Wildnis. Doch hat die zweite Vorstellung etwas romantischeres.

Doch trotzdem hat mich „Die verborgene Seite des Mondes“ gut unterhalten. Mit Julia und Simon hat die Autorin zwei sehr sympathische und auch tiefgründige Charaktere erschaffen, die sich sehr langsam begegnen, zunächst unsicher und vorsichtig, später dann etwas mutiger.

Zum Ende hin entwickelt sich die Handlung zu einem actionreichen Showdown, was mir persönlich nicht gefallen hat. Die Vorfälle überschlagen sich, ein ungünstiger Zufall folgt auf den nächsten. Schade: Das hat mir das Buch ein bisschen kaputt gemacht.

Trotzdem habe ich die Geschichte nicht ungern gelesen. Ich habe das Buch an einem Samstagnachmittag mit nur einer kurzen Pause, also fast am Stück durchgelesen und konnte dabei in eine fremde Welt abtauchen. Deshalb vergebe ich trotz der Kritikpunkte noch 7 von 10 Sternen.

stern 7

Die verborgene Seite des Mondes – Antje Babendererde – Hardcover – 311 Seiten (vergriffene Ausgabe)

neue Ausgabe: Taschenbuch – 311 Seiten – 6,99 € – ISBN-13: 978-3401501116 – erschienen: Januar 2009 (Arena) – Altersempfehlung: 14-15 Jahre

[Hörbuch] „Indigosommer“ von Antje Babendererde

indigosommer-hoerbuchGelesen von Muriel Baumeister und Phillip Baltus

Inhalt:

Smilla ist gerade die ersten Tage als Austauschschülerin in den USA, als ihre beiden Gastgeschwister zu einem Surftrip nach „La Push“ aufbrechen. Smilla schließt sich der Surferclique an, muss dann aber feststellen, dass sie irgendindigosommer-hoerbuchwie nicht zu den alkohol- und jointskonsumierenden Jugendlichen passt. Viel mehr wird sie von dem Indianerjungen Conrad angezogen, doch ein dunkles Geheimnis überschattet den Aufenthalt im Surferparadies…

Meine Meinung:

Eine schöne Geschichte, ein schönes Hörbuch. Die Handlung an sich war zwar zu großen Teilen vorhersehbar, aber trotzdem nett und unterhaltsam. Mir hat das (Hör-)Buch zwar nicht so gut gefallen wie „Libellensommer“, aber trotzdem freue ich mich schon jetzt auf „Die verborgene Seite des Mondes“, was noch bei mir im Regal steht.

Das erste Mal ein Hörbuch mit zwei verschiedenen Lesern, da die Kapitel sowohl aus Smillas, als auch aus Conrads Sicht geschildert werden. Ich konnte Muriel Baumeister besser zuhören, als ihrem männlichen Gegenpart, der meiner Meinung nach eine schon zu erwachsene Stimme hatte, um Conrad lesen zu können. Trotzdem haben beide die Geschichte gut rübergebracht.

stern 7

[Rezension] „Libellensommer“ von Antje Babendererde

LibellensommerInhalt:

Die 15 jährige Jodie ist zutiefst frustriert: Weil ein Indianerstamm gegen die Abholzung der Wälder protestiert, verliert ihr Vater seinen Job in einer Pappfabrik. Die Eltern streiten nur noch und eines Tages kommt der Vater nicht mehr nach Hause. Als die Mutter dann auch noch Jodies Laptop verkauft, beschließt sie, ihren Eltern einen Denkzettel zu verpassen und abzuhauen.

Auf dem Weg zu ihrem e-Mail Freund Tim gerät sie an einen zudringlichen Truckfahrer und flieht bei Nacht in die Wildnis. Der Zufall will es, dass sie Jay in die Arme läuft, einem 17 jährigen Cree Indianer, der auf dem Weg in ein einsames Camp ist und ein Geheimnis mit sich herumträgt. (Quelle)

Meine Meinung:

Als die Sonne vorgestern so richtig schön schien, habe ich auf meinen SUB geguckt und mir gedacht: „Dieses Wetter ist perfekt für ‚Libellensommer’.“ Und als ich das Buch dann in meiner sonnigen Küche auf den Tisch legte und der silberaufgedruckte Libellenflügel auf dem Buchcover anfing, richtig schön zu glitzern, da wusste ich, dass ich die perfekte Wahl getroffen hatte.

Im ersten Teil des Buches, als Jodie von zuhause abhaut und blauäugig durch die Gegend trampt, fand ich das kindische, vor Selbstmitleid zerfließende Mädchen unglaublich anstrengend. Auch das Verhalten ihrer besten Freundin, die sie einfach ziehen lässt, war für mich wenig überzeugend.

Doch sobald Jodie auf Jay trifft und gemeinsam mit ihm durch die Wildnis laufen muss, merkt der Leser, was Frau Babendererde zu einer so erfolgreichen Autorin macht: Ihre Schilderungen der Indianer, des Lebens mitten im Nirgendwo und vor allem von Jay selber sind einfach unheimlich einnehmend. Nicht nur für einen kurzen Zeitpunkt habe ich mir gewünscht, an Jodies Stelle zu sein.

Doch stellt die Autorin das Leben der Indianer im Camp nicht zu beschönigend da. Auch die grausame Realität erhält Einzug in die Geschichte: Hunger, Abgeschnittenheit von der Zivilisation und damit von medizinischer Versorgung und Drogen spielen genauso eine Rolle wie wunderschöne Naturerlebnisse, Indianermythen und zwischenmenschliche Beziehungen.

Das einzige, was ich kritisieren kann, ist der Schluss der Geschichte, aber ohne zu viel zu verraten, kann ich an dieser Stelle nicht mehr dazu sagen.

Insgesamt vergebe ich 8 Sterne und freue mich schon auf „Die verborgene Seite des Mondes“ der gleichen Autorin, das auch noch auf meinem SUB liegt.

stern 8

Weitere Jugendbücher von Antje Babendererde:

Diese (vergriffene) Ausgabe: Libellensommer – Antje Babendererde – Hardcover – 267 Seiten – ISBN-13: 978-3401058818 – erschienen: Juni 2006 (Arena)

Neue Ausgabe: Libellensommer – Antje Babendererde – Taschenbuch – 267 Seiten – 6,99 € – ISBN-13: 978-3401500195 – erschienen: Juni 2008 (Arena)

[Rezension] „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“ von Krystyna Kuhn

das tal 4Reiheninfo:

  1. „Das Tal 1.1. Das Spiel“
  2. „Das Tal 1.2. Die Katastrophe“
  3. „Das Tal 1.3. Der Sturm“
  4. „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“
  5. „Das Tal 2.1. Der Fluch“
  6. „Das Tal 2.2. Das Erbe“
  7. „Das Tal 2.3. Die Jagd“
  8. „Das Tal 2.4. Die Entscheidung“

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten!

Inhalt:

Diesmal scheint Benjamin wirklich völlig abgedreht zu sein. Während er sonst durch die Drogen, die er zu sich nimmt, fröhlich und lustig wird, ist er diesmal aggressiv, redet scheinbar unverständliches Zeug und muss schließlich ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Um ihm zu helfen, machen sich Katie, Robert und David gemeinsam auf und verfolgen die letzten Spuren Benjamins. Dabei stoßen sie auf weitere Geheimnise, die das Grace College betreffen, aber endlich auch mal auf ein paar Erklärungen.

Meine Meinung:

An den letzten Teil der ersten Season von der Tal-Reihe hatte ich hohe Erwartungen. Meiner Meinung nach musste die Autorin zeigen, dass sie die vielen gesponnen Fäden schlussendlich zusammenführen kann und zumindest für einige der mysteriösen Vorkommnisse im Tal eine Erklärung bieten.

Leider ist ihr das für mein Dafürhalten nur ausreichend gelungen. Dieser Band hat im Vergleich zu den anderen den deutlichsten Bezug zur Vergangenheit, in der einige Studenten spurlos auf dem Ghost verschwanden. Doch als Leser der ersten Bände wissen wir, dass einige davon nicht verschwanden, unter den Lebenden weilen und sogar mit unseren heutigen Studenten verwandt sind. Die Auflösungen, die Frau Kuhn den Lesern bietet, beziehen sich fast ausschließlich auf die Vergangenheit. Das ist mir nicht ganz genug.

Abgesehen davon war ich froh, wieder meine Katie aus dem zweiten Teil als eine der Hauptpersonen zu haben. Auch Robert als eine der leitenden Charaktere hat mir gut gefallen. In ihm steckt doch mehr, als die meisten zunächst erwarten. David ist für mich bisher sehr nichts sagend, hoffentlich ändert sich das noch.

Ich hatte das Gefühl, dass dieses Buch, auch vom Schreibstil her, nicht ganz an die anderen Bücher heranreicht. Es war irgendwie nicht ganz so spannend und atmosphärisch dicht, aber das ging mir leider annähend auch schon beim dritten Teil so. Insgesamt gibt es von mir 6 von 10 Sternen.

 stern 6

Das Tal 1.4. Die Prophezeiung – Krystyna Kuhn – Taschenbuch – 269 Seiten – 9,95 € – ISBN-13: 978-3401065328 – erschienen: Februar 2011 (Arena)

[Rezension] „Salzwassersommer“ von Sharon Dogar

SalzwassersommerInhalt:

Jedes Jahr im Sommer fährt Hal mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern nach Cornwall in das Sommerhaus der Familie. Doch dieses Jahr muss die Reise ohne Hals große Schwester Charlie stattfinden. Denn die liegt nach einem mysteriösen Unfall vor einem Jahr im Koma.

Auf der Insel angekommen lernt Hal ein nettes Mädchen kennen und wünscht sich nichts mehr, als einfach die Zeit mit ihr zu genießen. Doch eine innere Stimme drängt ihn dazu, nachzuforschen, was vor einem Jahr mit seiner Schwester passierte.

Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch ganz bewusst im Urlaub an der Nordsee gelesen, in der Hoffnung mich so noch mehr in die Geschichte einfühlen zu können. Insbesondere weil die Atmosphäre und Landschaft sehr anschaulich beschrieben wird, gelang mir das sehr gut.

Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen Perspektiven geschrieben. Einmal aus Hals Sichtweise, mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit ein Jahr zu vor. Die andere Perspektive übernimmt die im Koma liegende Schwester Charlie. Ihre Berichte aus der Vergangenheit konnten mich noch gut überzeugen. Die Berichte aus der Gegenwart hingegen haben mich etwas irritiert. Zwischen Charlie und Hal gibt es nämlich eine sehr enge Verbindung, so dass Charlie durch Hals Augen hindurch die aktuellen Geschehnisse in Cornwall wahrnehmen kann und sogar ansatzweise mit Hal kommunizieren kann. Ich muss gestehen, dass mir das irgendwie etwas zu abgehoben war.

Das Rätsel an sich, nämlich die Suche nach einer Erklärung, warum Charlie damals verunglückte, ist spannend geschrieben. Allerdings gefiel mir persönlich die Aufklärung des ganzen am Ende nicht so gut.

Was ich allerdings als überaus gelungen finde, ist die Beschreibung der Beziehung zwischen Hal und Charlie. Hal steht als kleiner Bruder der selbstbewussten Charlie immer im Schatten seiner großen Schwester. Auch jetzt noch, als Charlie eigentlich gar nicht mehr da ist und nur im Koma liegt. Die Autorin schafft es meiner Meinung nach sehr überzeugend darzustellen, dass man seine große Schwester gleichzeitig lieben und hassen kann.

Ein Buch, das vor allem durch die feinen Personenbeschreibungen und die Beziehungen der Charaktere untereinander lebt. Dadurch, dass mir einige Aspekte zu abgehoben erscheinen, kann ich dem Buch aber leider nur 5 von 10 Sternen geben.

 stern 5

Salzwassersommer – Sharon Dogar – Hardcover mit Schutzumschlag – 353 Seiten – ISBN-13: 978-3401062242 – erschienen: Januar 2008 (Arena)

[Rezension] „Boy 7“ von Mirjam Mous

Boy 7Inhalt:

Der Junge, der sich später Boy 7 nennt, wird auf einer kargen Grasfläche wach und kann sich an nichts mehr erinnern. In seinem Rucksack befindet sich ein Foto eines Gebäudes, eine Wasserflasche, eine Schirmmütze, die Bestellkarte von Pizza Hut und ein Handy. Auf der Mailbox des Handy hat jemand eine Nachricht gesprochen: „Was auch passiert, ruf auf keinen Fall die Polizei!“. Dieser Jemand ist Boy 7 selber.

Und an dieser Stelle beginnt die Suche nach der eigenen Identität und nach der Wahrheit. Und es stellt sich die Frage: Wem kann Boy 7 vertrauen?

Meine Meinung:

Eigentlich bin ich ein totaler Thrillerfan, nur im Moment auf dem Jugendbuchtrip. Da kommen mir die Jugendthriller vom Arena Verlag gerade recht. Und „Boy 7“ ist genau so ein spannender Jugendthriller.

Die Autorin versteht es grandios den Leser in die Welt von Boy 7 einzuführen. Der Ich-Erzähler ist auf der verzweifelten Suche nach seinen Erinnerungen und stellt schon bald fest, dass etwas in seinem Leben sehr verkehrt gelaufen ist. Das Buch ist in verschiedene Teile untergliedert. Während der erste Teil nur in Boy 7’s Gegenwart spielt, erfährt der Leser im zweiten Teil mehr über seine Vergangenheit und kann einzelne Informationen zusammenfügen.

Etwas schade fand ich, dass ich der Hauptfigur in einigen Ahnungen weit voraus war. Ich lasse mich eigentlich lieber überraschen. Trotzdem ist dieses Buch ein absoluter Pageturner, was vor allem an zwei sehr sympathischen Hauptfiguren liegt.

Während des Lesens habe ich mir die Frage gestellt, ob die Hintergrundthematik des Buches vielleicht etwas zu weltfremd und abgehoben ist, aber gerade die letzten Seiten lassen die Handlung nochmals in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Ein spannender Jugendthriller, der einfach so weggelesen werden kann und unterhält, aber auch, wenn erwünscht, zum Nachdenken anregt. Zur vollen Punktzahl haben mir etwas mehr Überraschungsmomente gefehlt, deswegen gibt es von mir 7 von 10 Punkten.

stern 7

Anmerkung: Stefanie schreibt auf ihrem Blog, dass sich „Boy 7“ ein bisschen wie ein Film liest. Weil ich diesen Vergleich wirklich passend finde, wollte ich das auch noch kurz erwähnen.

[Rezension] „Please don’t hate me“ von A. S. King

Please don't hate meInhalt:

Vera und Charlie sind seid ihrer Kindheit beste Freunde gewesen. Gemeinsam haben sie den größten Teil der Schulzeit bestritten, Flugzeuge fliegen lassen, sind gewandert oder haben im Baumhaus von Charlie übernachtet. Doch jetzt ist Charlie tot.

Für Vera ist Charlie allerdings schon früher gestorben. Sie hasst ihn und sie liebt ihn. Denn sie ist die einzige, die weiß, was in der Nacht seines Todes passiert ist.

Meine Meinung:

Ich muss direkt am Anfang sagen, dass es mir unheimlich schwer fällt, dieses Buch zu rezensieren, denn obwohl sehr viel wirklich gelungen ist, hat das Buch auch eine große Schwachstelle: die Schreibart.

Die ersten etwa fünfzig Seiten über habe ich mir gedacht: „Oh Gott, wie schreibt die Autorin denn?“ Dieses Gefühl gipfelte insbesondere in den Kapitelüberschriften. Diese wirken auf mich sehr holprig und ungelenk. Im Gegensatz zu einigen anderen Büchern sind die Überschriften hier tatsächlich von Nöten, denn sie geben dem Leser einen Hinweis darauf, wer das folgende Kapitel zu welcher Zeit erzählt. Aber anstatt dass die Autorin schlichtweg den Namen und die entsprechende Zeit nennt, steht dort beispielsweise „Hier spricht der tote Typ“ in der Überschrift. Dass ich mich daran störe, mag kleinkariert wirken, aber mich haben diese Überschriften immer wieder in meinem Lesefluss gestört.

Doch spätestens nach den ersten hundert Seiten konnte ich über die etwas zu cool gewollte Schreibe der Autorin hinweg sehen und mich ganz der Handlung widmen.

Im Aufbau erinnert mich „Please don’t hate me“ ein wenig an „Die Hassliste“. Auch in diesem Buch wird ausgehend von der Gegenwart immer wieder ein Rückblick in die Vergangenheit gewagt, so dass der Leser mehr und mehr Puzzlesteine zu einem großen Ganzen zusammenfügen kann. Die Rückblicke finden hier nicht in einer chronologischen Art statt (zuerst die frühesten, dann die letzten), sondern mischen sich fröhlich durcheinander und spiegeln so meiner Meinung nach sehr gut Veras Gedanken und Erinnerungen an ihre Zeit mit Charlie wider. Langsam bekommt der Leser eine Ahnung, wohin ihn die Geschichte und die Handlung führen wird, und er beginnt, gespannt auf die Auflösung zu warten.

Die Geschichte wird vor allem aus Veras Sicht geschildert. Ab und an trägt auch Veras Vater oder Charlie etwas zur Handlung bei. Auch ein altes Stadtmonument schildert ab und an seine Sicht, doch das hat mich immer sehr irritiert.

Vera ist weit davon entfernt eine immer perfekte, immer sympathische Hauptperson zu sein. Im Alter von achtzehn Jahren trinkt sie während ihrer Arbeit als Pizzalieferantin heimlich Wodka. Sie denkt häufig etwas unlogisch und oft möchte man sie schütteln und sie dazu bringen, genau das Gegenteil von dem, was sie vorhat, zu tun. Aber genau das macht Vera meiner Meinung nach zu der geeignetsten Hauptfigur für diesen Roman. Denn heranwachsende Jugendliche machen nun mal Fehler, handeln an manchen Stellen nicht immer richtig, genauso wenig wie es die Erwachsenen in diesem Buch tun.

Man sieht, abgesehen von der ab und an merkwürdigen Art zu schreiben, ist dies ein wirklich fesselndes Buch über das Erwachsenwerden, das Verzeihen, die Pflicht Verantwortung für sich und das eigene Handeln zu übernehmen. Es behandelt zaghaft die Frage, in wie weit die Vergangenheit der Eltern die eigene Zukunft beeinflusst. Und zu guter Letzt ist es einfach ein Buch über Freundschaft, wenn vielleicht auch nicht im herkömmlichen Sinne.

Ich möchte dem Buch 7 von 10 möglichen Sternen geben und jedem Interessierten den Rat geben, sich selbst ein Bild über das Buch zu machen. Ich bin gespannt, was andere Leser sagen!

stern 7

[Rezension] „Das Tal 1.3. Der Sturm“ von Krystyna Kuhn

Das Tal Der SturmReiheninfo:

  1. „Das Tal 1.1. Das Spiel“
  2. „Das Tal 1.2. Die Katastrophe“
  3. „Das Tal 1.3. Der Sturm“
  4. „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“
  5. „Das Tal 2.1. Der Fluch“
  6. „Das Tal 2.2. Das Erbe“
  7. „Das Tal 2.3. Die Jagd“
  8. „Das Tal 2.4. Die Entscheidung“

Achtung, die Rezension enthält evtl. Spoiler zu den ersten Bänden!

Inhalt:

Es ist der 11. November, Remembrance Day: Zeit der Toten zu gedenken. Doch Chris hat einen ganz anderen Plan. Er will mit Julia weg aus dem Tal und die freien Tage gemeinsam mit ihr in einem Hotel genießen. Einfach nur Zeit für sie und ihn. Zeit sich mal richtig kennenzulernen. Doch ein gewaltiger Sturm sorgt dafür, dass dieser Plan zunichte gemacht wird, so dass Julia, Chris, Rose, Debbie und Ben im College bleiben müssen. Doch mal wieder gehen seltsame Dinge vor sich: Türen, die offen sein müssen, sind verschlossen. Sonst immer verschlossene Türen stehen sperrangelweit auf. Die Gruppe wird im Kinosaal eingeschlossen, wo sie Film aus der Vergangenheit des Colleges finden. Und dann verschwindet ein Wachmann spurlos. Chris wird das Gefühl nicht los, dass jemand ein gemeines Spiel mit ihnen treibt.

Meine Meinung:

Nachdem ich von den ersten beiden Bänden der Tal-Reihe wirklich sehr begeistert war, habe ich natürlich (!!) mein selbstauferlegtes, aber auch nur halbernst gemeintes Buchkaufverbot für dieses Buch unterbrochen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit der Truppe um Julia weitergeht und wie sich die ganzen Geheimnisse und Andeutungen aufklären.

Leider muss ich auch genau an diesem Punkt mit meiner Kritik ansetzen. Zwar löst die Autorin einige lose Fäden in dem Buch auf, doch spinnt sie noch mehr neue. Mittlerweile bin ich echt gespannt, ob Frau Kuhn es noch schafft, alles vernünftig und zufrieden stellend aufzulösen. Ich habe das Gefühl, dass ich auch erst am Ende der Reihe die Bücher so richtig bewerten kann, je nachdem, ob die Auflösung gelingt oder scheitert.

In den ersten beiden Bänden haben mich die Charaktere unabhängig von der Handlung begeistert. Insbesondere Katie aus dem zweiten Teil mochte ich sehr. In diesem Buch geht es vor allem um Chris und auch ein bisschen um Debbie. Man erfährt mehr über ihre Hintergründe, Vergangenheit und Gedanken. Doch leider sind mir die beiden Personen mit am unsympathischsten aus der Gruppe.

Nun aber genug der negativen Aspekte dieses Buches. Ich denke, die Tatsache, dass ich das Buch gestern gekauft habe und heute rezensiere, spricht für sich. Natürlich ist es gut, natürlich ist es spannend und natürlich habe ich mitgefiebert. Nur nicht so doll, wie bei den beiden Vorgängern. In der Hoffnung, dass der nächste Teil mich nicht enttäuscht, gebe ich diesem 7 von 10 Sternen.

stern 7