[Zitat] Aus: „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“

„Als ich durch das Teleskop schaute, erklärte Dante mir, was ich vor mir sah. Ich hörte kein Wort. Irgendetwas passierte in mir, als ich in das weite Universum blickte. Durch dieses Teleskop war die Welt näher und größer, als ich sie mir je vorgestellt hatte. Alles war so schön und überwältigend und – ich weiß nicht – es machte mir bewusst, dass etwas in mir von Bedeutung war.“
(S. 49, Benjamin Alire Sáenz)

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[Rund um’s Buch] Meine Meinung zu den Nominierungen des Deutschen Jugendliteraturpreises 2015

Die meisten von euch wissen, dass ich den Deutschen Jugendliteraturpreis und hierbei insbesondere die Sparten Jugendbuch und Jugendjury ganz genau beobachte. Seit März stehen die jeweils sechs Bücher fest, die in den einzelnen Sparten nominiert wurden. Hier gelangt ihr zur Gesamtübersicht.

Ich habe, inbesondere in den letzten beiden Wochen, versucht, so viele der nominierten Titel wie möglich zu lesen. Ganz geschafft habe ich es leider nicht. In der Kategorie Jugendbuch fehlen mir noch die Bücher „Jenseits der blauen Grenze“ von Dorit Linke und „Die unterirdische Sonne“ von Friedrich Ani, in der Kategorie Jugendjury habe ich die beiden Titel „Der Circle“ von Dave Eggers und „Wo ein bisschen Zeit ist“ von Emil Ostrovski noch nicht gelesen.

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle meine Meinung zu den nominierten Büchern kundtun und überlegen, ob und warum es die einzelnen Titel verdient hätten, den Preis zu gewinnen!
(Der Preis wird übrigens am Freitagabend vergeben.)

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendbuch, die ich gelesen habe

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendbuch, die ich gelesen habe

„Schneeriese“ von Susan Kreller (Rezension)

Darum geht es: Adrian ist in seine beste Freundin Stella verliebt, doch die verliebt sich in den neu zugezogenen Nachbarsjungen.

Das denke ich: Susan Kreller zeigt, dass sie auch die vermeintlich kleinen Themen wie die unerfüllte Liebe eines 14-jährigen Jungen zu einem großen und buchfüllenden Thema machen kann. Die Schreibweise der Autorin ist sehr literarisch und durch die fehlende Kennzeichnung von Gedanken und wörtlicher Rede nicht immer einfach zu lesen. Für ein Buch, das auch Jugendliche zum Lesen animieren soll, finde ich so eine Art zu schreiben zu lyrisch.

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan (Rezension)

Darum geht es: A wacht jeden Morgen in dem Körper eines anderen Jugendlichen auf und verbringt so das Leben. A. ist an sich nicht unzufrieden, bis er sich eines Tages verliebt.

Das denke ich: Dies ist ein Jugendbuch ganz nach meinem Geschmack: Leichtlesig und unterhaltsam, spannend und teilweise unfreiwillig komisch, aber dennoch mit einer wichtigen Message: Es kommt nicht auf den Körper, das Geschlecht und das Aussehen eines Menschen an, sondern nur auf das, was in ihm steckt. Ich wäre zufrieden, wenn dieser Titel gewinnen sollte.

„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz (Rezension)

Darum geht es: Aristoteles hat keine Freunde, bis er auf Dante trifft. Der steckt ihn mit seiner fröhlichen, gutherzigen Art an. Doch dann müssen die beiden feststellen, dass sie in ihrer Freundschaft einige Klippen umschiffen müssen.

Das denke ich: Lasst dieses Buch gewinnen! Bitte, bitte! Ich habe selten eine so einnehmende Geschichte über das Erwachsenwerden, die Freundschaft und Liebe gelesen. Aristoteles und Dante sind so wundervolle Charaktere und die ganze Atmosphäre der Geschichte ist unglaublich nah und greifbar.

„Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ von Christoph Wortmann (Rezension)

Darum geht es: Lennys großer Bruder ist gestorben und er versucht nun die Frage nach dem Warum zu beantworten.

Das denke ich: Humorvoll, leichtlesig und nicht zu lang geht dieses Buch interessanten Gedankengängen nach. Ab und an hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht, weswegen ich dafür wäre, dass eher eines der anderen Bücher gewinnt, obwohl ich dieses hier schon mochte. Aber die Konkurrenz ist einfach groß.

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendjury, die ich gelesen habe

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendjury, die ich gelesen habe

„Auf der richtigen Seite“ von William Sutcliffe (Rezension)

Darum geht es: Joshua wächst in einer künstlichen Stadt an einer großen Mauer auf. Eines Tages entdeckt er einen Tunnel und lernt Menschen kennen, die auf der anderen Seite der Mauer leben.

Das denke ich: Ein wichtiges und spannendes Thema wurde hier gekonnt umgesetzt. Sutcliffe hat tolle Charaktere geschaffen und besticht durch eine einnehmende Erzählweise. Ich mochte es auch, dass der Autor die großen Probleme mit den vermeintlich kleinen Problemen (ein aggressiver und alles überschattender Stiefvater) kombiniert. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Titel den Preis erhält. Er hätte ihn auch verdient.

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan (Rezension)

Darum geht es: A wacht jeden Morgen in dem Körper eines anderen Jugendlichen auf und verbringt so das Leben. A. ist an sich nicht unzufrieden, bis er sich eines Tages verliebt.

Das denke ich: Dies ist ein Jugendbuch ganz nach meinem Geschmack: Leichtlesig und unterhaltsam, spannend und teilweise unfreiwillig komisch, aber dennoch mit einer wichtigen Message: Es kommt nicht auf den Körper, das Geschlecht und das Aussehen eines Menschen an, sondern nur auf das, was in ihm steckt. Ich wäre zufrieden, wenn dieser Titel gewinnen sollte.

„Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch (Rezension)

Darum geht es: Carey und Jenessa wachsen mitten im Wald auf, wohin ihre drogensüchtige und psychisch kranke Mutter sie verschleppt hat. Als sie von einer Jugendamtsmitarbeiterin und ihrem Vater gefunden werden, müssen sie lernen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Das denke ich: Zunächst hat mich die Geschichte begeistert und sehr gefangen genommen. Mit einem Handlungsstrang am Ende war ich dann nicht mehr so einverstanden. Hier wird der Fokus auf Dinge gelegt, die das Buch meiner Meinung nach nicht nötig hat. Schade! Trotzdem könnte ich mich damit anfreunden, wenn dieses Buch gewinnen würde.

„Echt“ von Christoph Scheuring (Rezension)

Darum geht es: Albert verbringt viel Zeit auf dem Hauptbahnhof und fotografiert dort Abschiede. Durch eines dieser Fotos lernt er Kati kennen, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Doch die verbirgt ein Geheimnis.

Das denke ich: „Echt“ gehört zu den Büchern, die kaum in wenigen Sätzen beschrieben werden können, weil sie so unglaublich viele Themen umfassen. Diese Vielfalt, aber vor allem auch die Echtheit der Geschichte und der schonungslose, aber auch liebevolle Blick auf die Jugendlichen am Hauptbahnhof machen den Reiz der Geschichte aus. Ich würde dem Autor den Sieg von Herzen gönnen!

[Rezension] „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz

Klappentext:

Dante kann schwimmen. Ari nicht. Dante kann sich ausdrücken und ist selbstsicher. Ari fallen Worte schwer und er leidet an Selbstzweifeln. Dante geht auf in Poesie und Kunst. Ari verliert sich in Gedanken über seinen älteren Bruder, der im Gefängnis sitzt. Mit seiner offenen und einzigartigen Lebensansicht schafft es Dante, die Mauern einzureißen, die Ari um sich herum gebaut hat. Ari und Dante werden Freunde. Sie teilen Bücher, Gedanken, Träume und lachen gemeinsam. Sie beginnen die Welt des jeweils anderen neu zu definieren. Und entdecken, dass das Universum ein großer und komplizierter Ort ist, an dem manchmal auch erhebliche Hindernisse überwunden werden müssen, um glücklich zu werden!(Quelle)

Meine Meinung:

Schon nach wenigen gelesenen Seiten hatte ich das Gefühl, dass „Aristoteles und Dante“ ein ganz besonderes Buch ist. Nicht nur, weil ich bis dahin schon unzählige schöne Zitate gefunden hatte, sondern weil die Stimmung und die Figuren im Buch so greifbar waren. Ich spürte zum Beispiel ganz eindeutig die Liebe zwischen Ari und seiner Mutter, die Freundschaft zwischen den beiden Jungen war so offensichtlich, die tiefe Traurigkeit von Ari teilweise förmlich mit den Händen zu greifen.

„Klar, ich hatte alle möglichen Gründe für mein Selbstmitleid. Dass ich fünfzehn war, half auch nicht gerade. Fünfzehn zu sein, dachte ich manchmal, war die schlimmste Tragödie von  allen.“ (S. 18)

Ari hat keine Freunde – nicht einen einzigen. Und obwohl er weiß, dass seine Eltern ihn lieben, ist auch zu Hause nicht alles in Ordnung: Über seinen Bruder, der im Gefängnis sitzt, wird nicht gesprochen, und sein Vater hat ein Stück von sich selbst im Vietnamkrieg verloren. Doch dann lernt er Dante kennen, der all das zu sein scheint, was Ari nicht ist:

„Er war lustig konzentriert und leidenschaftlich. Er konnte wirklich leidenschaftlich sein. Und er hatte nichts Gemeines an sich. Mir war nicht klar, wie man in einer gemeinen Welt leben kann, ohne dass ein bisschen dieser Gemeinheit auf einen abfärbt. Wie konnte jemand ohne einen Hauch von Gemeinheit leben?“ (S. 23/24)

Für kurze Zeit färbt Dantes Sicht auf die Welt, seine offene und fröhliche Art auf Ari ab und er erlebt einige unbeschwerte Wochen. Doch als Leser ahnt man schon, dass die Geschichte nicht unendlich so weiter gehen kann: Ari und Dante haben in ihrer Freundschaft einige Klippen zu umschiffen. Sie müssen lernen, erwachsen zu werden und sich mit sich und den Geheimnissen des Universums auseinander zu setzen. Vor allem müssen sie erkennen, dass die größten Geheimnisse in den Menschen selbst zu finden sind.

Ich weiß nicht, ob ich schon jemals so ein schönes Buch gelesen habe. Wirklich! Die Sprache, die Personen und die Entwicklung, die sie durchmachen… Es geht mir an dieser Stelle wie Ari manchmal: Mir fehlen die Worte!

„Aristoteles und Dante“ ist ein unbeschreiblich tolles Buch und ich bin sehr froh, es entdeckt zu haben. Ich merke, dass meine Worte nicht ausreichen, um dieses Buch zu beschreiben. Ich weiß nur, dass es eines der besten ist, das ich je gelesen habe. Könnte ich mehr als 10 Sterne vergeben, würde ich es tun!

stern 10

„Aristoteles und Dante“ war 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums – Benjamin Alire Sáenz – Hardcover – 384 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-522-20192-6 – erschienen: Juli 2014 (Thienemann) – Übersetzung: Brigitte Jakobeit – Altersempfehlung: ab 14 Jahren