[Kurzer Leseeindruck] „Lieber Dylan“ von Siobhan Curham

U1.inddKlappentext:

Das Leben der 14-jährigen Georgie ist ein einziges Chaos. Sie ist überzeugt, dass nur der Soapstar Dylan Curtland ihre Probleme verstehen kann. Also schreibt sie ihm eine E-Mail – und bekommt tatsächlich eine Antwort! Es entwickelt sich eine virtuelle Freundschaft, doch bald muss Georgie feststellen, dass nicht alles so ist, wie es scheint … (Quelle)

Mein Eindruck:

„Ein wunderbar witziger E-Mail-Roman“ steht hinten auf dem Buch. Doch vermittelt diese Beschreibung in meinen Augen einen ganz falschen Eindruck. „Lieber Dylan“ ist mehr als das. Leider birgt das Buch so viele Überraschungen und unerwartete Wendungen, dass ich auf den Inhalt gar nicht eingehen mag, um nichts zu verraten. Aber so viel sei gesagt:

Was anfängt wie ein locker leichter Teenager-Roman, entwickelt sich bald zu einem Buch mit unheimlich viel Tiefgang, das auch nicht davor zurückschreckt, tiefgreifende Probleme zu behandeln. Mich hat die Geschichte wirklich beeindruckt, ganz schön mitgenommen und trotzdem gut unterhalten.

stern 8

Lieber Dylan – Siobhan Curham – Hardcover – 236 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-8339-0185-0 – erschienen: Juli 2013 (Baumhaus Verlag) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Das schwarze Blut“ von Jean-Christophe Grangé

Das schwarze BlutInhalt:

Jacques Reverdi ist nicht nur durch seine Leistungen im Tiefseetauchen zur Berühmtheit geworden. Derzeit sitzt er in einem Gefängnis in Malaysia und wartet auf sein Todesurteil, denn er wurde neben einer von Stichen und Schnitten übersäten Frauenleiche gefunden. Es scheint so, als wäre Reverdi von Ritualmorden besessen.

Auch der Reporter Mark Dupeyrat ist besessen – und zwar von der Suche nach dem Sinn des Bösen. Und so beschließt er sich Reverdi auf die einzig mögliche Weise zu nähern: in Form einer Frau. Er nimmt eine Scheinidentität an und per Post Kontakt zu Jacques auf. Der Plan funktioniert und Mark kommt dem Bösen immer näher…

Meine Meinung:

Als ich die letzte Seite des Buches gelesen habe, habe ich es zugeklappt und „Was für ein krankes Buch!“ in mich hineingemurmelt. Und das trifft es auch sehr gut.

Nicht, dass jemand auf falsche Gedanken kommt: Das Adjektiv „krank“ ist in meinen Augen für einen Thriller das absolut beste Attribut überhaupt.

Dabei startet das Buch eher langsam und etwas zermürbend: die Lebensgeschichte von Mark wird auf vielen, unheimlich ermüdenden Seiten haargenau zusammengefasst. Zwar spielt die für den weiteren Verlauf der Geschichte durchaus eine Rolle, doch hätte man die einzelnen Fakten meiner Meinung nach lieber in die Handlung mit einbauen sollen und nicht in Form eines Berichts präsentiert.

Doch dann nimmt die Geschichte schnell an Fahrt auf und birgt alles, was einen guten Thriller für mich ausmacht: einen wahren Psychopathen, eklige Details, überraschende Wendungen und eine gute Portion an kranken Ideen, die alles übertrifft, was man sich selber hätte vorstellen können.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das Ende der Geschichte übertrieben oder genial finde, deswegen vergebe ich nicht die volle Punktzahl, sondern 8 von 10 Sternen für einen wirklich andersartigen Thriller, der mein Dafürhalten bisher zu wenig Beachtung bekommen hat.

stern 8

Das schwarze Blut – Jean-Christophe Grangé – Taschenbuch – 544 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3404158089 – erschienen: November 2010 (3. Auflage, Lübbe)

[Rezension] „Der Menschenmacher“ von Cody McFadyen

Der MenschenmacherInhalt:

David ist noch ein Junge, als seine Mutter stirbt und er von Bob Gray adoptiert wird. Gemeinsam mit seinen beiden Adoptivgeschwistern Ally und Charlie lebt er von nun an bei dem Mann, der weit entfernt davon ist, ein guter, liebevoller Vater zu sein. Denn Bob Gray hat nur ein Ziel: Er will die drei dazu bringen, sich weiter zu entwickeln, zum Übermenschen zu werden und die Evolution voranzutreiben: „Evolvieren“ nennt er das. Um diese Entwicklung zu vollziehen, zwingt Bob die drei an ihre Grenzen: er peitscht sie aus, lässt sie in völliger Isolation nackt und blutend zurück.

Nach vielen Jahren gelingt es David, Ally und Charlie ihren Adoptivvater zu ermorden. Sie beginnen ein Leben zu leben, das nichts mehr mit dem vorigen gemein haben soll, aber dennoch immer noch von ihren Erfahrungen beeinflusst wird.

Doch dann ändert sich alles: zwanzig Jahre nach dem Mord erhält David, mittlerweile erfolgreicher Schriftsteller, eine Karte auf der nur ein Wort steht: „Evolviere!“

Es ist noch nicht vorbei…

Meine Meinung:

Ich habe immer noch Gänsehaut, spüre eine merkwürdige Kombination aus Ekel und Faszination, bin euphorisiert: gerade habe ich die letzten Seiten des Buches gelesen.

„Der Menschenmacher“ ist der erste Thriller von Cody McFadyen, der als Hauptperson nicht die toughe Ermittlerin Smoky Barrett hat. Dementsprechend geht es hier auch nicht in erster Linie um polizeiliche Ermittlungen wie in den anderen vier Büchern, sondern mehr um die menschlichen Abgründe der Psyche. Und genau an diese wird der Leser herangeführt. Das Buch ist am ehesten mit „Der Todeskünstler“ des selben Autors zu vergleichen (mein Lieblingsthriller übrigens).

Nach und nach erfährt der Leser weitere Details aus der Vergangenheit und dem gegenwärtigen Leben der drei Hauptpersonen. Immer wieder führen Zeitsprünge zu neuen Erkenntnissen und die Tatsache, dass aus der Sicht dreier Charaktere erzählt wird, führt dazu, dass sich langsam Puzzleteil um Puzzleteil zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

Cody McFadyen hat eine Art zu schreiben, die bei mir immer wieder und insbesondere in diesem Buch dazu geführt hat, meine Gefühle, Ängste und nicht zu erklärende Faszination des Abscheulichen an die Oberfläche zu bringen, wo sie jederzeit ausbrechen können. Er beschreibt, welche Macht Menschen über andere haben können und wozu es führen kann, wenn sie diese Macht ausnutzen. Den Titel „Der Menschenmacher“ halte ich für absolut gelungen, denn jeder von uns ist zu dem geworden, was unsere bisherigen Erfahrungen aus uns gemacht haben.

Manche mögen die erste Hälfte des Thrillers, in dem es vor allem darum geht die Basis der Geschichte zu legen, die Charaktere schlüssig zu erläutern und ihr Leben in Gefangenschaft ihres Adoptivvaters zu beschreiben, als langweilig erachten. Mich hat dieser Teil fasziniert. In der zweiten Hälfte des Buches nimmt vor allem die Handlung in der Gegenwart Fahrt auf und wird actionreicher.

Insgesamt möchte ich behaupten: Wer „Der Todeskünstler“ mochte, wird dieses Buch lieben. Es führt einen an die menschlichen Abgründe, konfrontiert den Leser mit Dingen, die ihn eigentlich erschrecken sollen, aber tatsächlich unterhalten. Es ist mit Sicherheit kein Buch für Leser, die eher zart besaitet sind. Ich vergebe 8 von 10 Sternen und freue mich, dass ich mit meinem Lieblingsthrillerautor McFadyen einen so guten Neustart ins Genre Thriller gefunden habe.

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Der Menschenmacher – Cody McFadyen – Hardcover mit Schutzumschlag – 608 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3785724071 – erschienen: Februar 2011 (Bastei Lübbe)

[Rezension] „Hiobs Brüder“ von Rebecca Gablé

Hiobs BrüderInhalt:

Der junge Simon wird aufgrund seiner Fallsucht (Epilepsie) von Mönchen in eine Inselfestung gesperrt. Dort ist er nicht allein, sondern umgeben von vielen anderen „Krüppeln“, „Verrückten“ und „Besessenen“, wie nicht nur die Mönche sie nennen. So trifft Simon auf zum Beispiel auf Losian, der sein Gedächtnis verloren hat, auf King Edmund, der sich für einen längst verstorbenen Märtyrerkönig hält oder auf die Zwillinge Wulfric und Godric, die zusammengewachsen sind.

Doch dann beendet ein Sturm, der die Festung zum Einsturz bringt, die Gefangenschaft der Gefährten. Das Leben in Freiheit birgt allerdings auch einige Gefahren für die Gruppe der Verstoßenen, besonders als Losian nach und nach erfährt, wer er wirklich ist.

Meine Meinung:

Dieses Buch der zu Recht beliebten Autorin Rebecca Gablé ist mal wieder ein Meisterwerk. Es spielt etwas weniger in der großen Politik Englands, wie es viele ihrer anderen Bücher tun. Gerade dies hat mir besonders gut gefallen, denn so konnte ich endlich auch mal die Handlung verstehen. 😉

Mit Liebe zum Detail hat Gablé ganz unterschiedliche Figuren geschaffen, die der Leser begleiten kann. Das Buch hat zwei Hauptpersonen, nämlich Simon und Losian, deren Geschichten mehr oder weniger miteinander verstrickt sind. Doch auch die Geschichte der restlichen Gefährten wird immer wieder aufgegriffen. Ich meine beim Lesen gespürt zu haben, wie sehr die Autorin ihre einzelnen Figuren mag, denn sie hat es geschafft, (fast) alle mit ihren kleinen Macken und Eigenheiten liebenswert zu machen.

Schon von den anderen Büchern von Frau Gablé war ich restlos begeistert, aber ich habe das Gefühl, dieses könnte sich zu einem neuen Lieblingsbuch entwickeln. Eine klare Leseempfehlung!!! Überschwängliche 10 von 10 Sternen!

stern 10

[Rezension] „Ausgelöscht“ von Cody McFadyen

BildReiheninfo

  1.  „Die Blutlinie“
  2. „Der Todeskünstler“
  3. „Das Böse in uns“
  4. „Ausgelöscht“
  5. „Die Stille vor dem Tod“ (Okt. 2014)

Inhalt

Dies ist der vierte Teil der Reihe, die sich um die Agentin Smoky Barrett dreht.
Dieses Mal jagt sie zusammen mit ihrem Team einen Täter, der aus scheinbar unerfindlichen Motiven eine Frau entführt hat und nach 7 Jahren wieder freilässt. Neben der normalen und üblichen Tätersuche erfährt der Leser auch viele Änderungen in Smokys Leben, gute wie auch schlechte.

Meine Meinung:

Während ich die Beschreibungen der Gefühle und Gedanken von Smoky in den letzten Büchern immer ganz interessant fand, wurde es mir in diesem Buch doch etwas zu viel. Die Geschichte wurde teilweise – meiner Meinung nach unnötig – in die Länge gezogen. Insgesamt lag für meinen Geschmack der Schwerpunkt zu wenig auf den kriminalistischen Ermittlungen, vor allem dem Profiling. Wie auch in den anderen Büchern vermittelt der Autor dem Leser allerdings eine interessante Sicht in das Seelenleben des Täters, die teilweise zum Nachdenken anregt.

Weil ich Smoky mag und weil ich die Reihe mag,  das Buch aber leider längst nicht so spannend ist wie die ersten drei Bücher gibt es von mir 6 Sterne.

stern 6