[Rezension] „Hyde“ von Antje Wagner

bgHC_wagner_hyde_u1R.inddKatrina hatte eine wundervolle Kindheit: Gemeinsam mit ihrer Schwester Zoe und ihrem Vater lebte sie in Hyde: einer kleinen, abgelegenen Hütte mitten im Wald. Hier hat sie gelernt die Rufe der Vögel zu verstehen, hat gelernt mit welchen Pflanzen man heilen kann und wie Holz am besten bearbeitet wird. Hier war sie glücklich. Hier war sie lebendig.

Schaut euch das Feuer an, es flüstert.
Papas Stimme.
Wir lagen in unseren Bettennestern, Zoe und ich, die Kerze auf dem Boden flackerte. Alles war weich im Flammenlicht, alles floss und die Wände pulsierten wie etwas Lebendiges. (S. 45)

Jetzt ist Katrina gerade 18 Jahre alt geworden und alles andere als glücklich. Offiziell ist sie auf der Walz – den Wanderjahren nach ihrem Abschluss der Lehre als Tischlerin. Doch eigentlich sinnt sie auf Rache. Rache für den Tod an ihrer Schwester und ihrem Vater. Warum mussten Katrinas Vater und ihre Schwester sterben? Wie hat Katrina die Jahre dazwischen verbracht? Und warum kann sie sich an nicht mehr an alles erinnern?

Antje Wagner gehört zu meinen liebsten Jugendbuchautorinnen. Sie schreibt einfach unfassbar einnehmend und atmosphärisch dicht. Ihre Beschreibungen von Hyde, die Geborgenheit, die Katrina dort empfunden hat, sind beim Lesen zum Greifen nah. Ich konnte beim Lesen förmlich die Blätter rascheln hören, den See und den Wald riechen und den weichen Boden fühlen.

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Antjes Bücher sind aber oft auch anspruchsvoller und literarischer als viele andere Jugendbücher. Die verschiedenen Ebenen werden miteinander verwoben, Gegenwart und Vergangenheit begegnen sich, Erinnerung und Gefühle treffen aufeinander, Reales und Mystisches vermischen sich und sind kaum noch trennbar.

„Hyde“ hat mir in ganz vielen Aspekten gut gefallen. Ich mochte Katrina, die gleichzeitig so tough, aber auch so verletztlich ist. Ich mochte es, Stück für Stück mit Katrina ihre Vergangenheit zu erforschen, in den vielen Rückblenden zu erfahren, wie Katrina zu der liebenswerten Frau wurde, die sie jetzt ist. Die Geschichte hält einige spektakuläre Wendungen für den Leser parat, so dass es schwer fällt, das Buch auch nur für einen kurzen Moment beiseite zu legen.

Wie oben schon angedeutet gibt es in den Büchern von Antje Wagner oft noch eine zweite Ebene, eine mystische, nicht ganz reale Erzählperspektive. Zum Beispiel in „Unland“ oder „Vakuum“ hat mir diese zweite Sichtweise wirklich gut gefallen. In „Hyde“  konnte ich damit nicht so viel damit anfangen, sie hat mein Lesevergnügen allerdings auch nicht geschmälert.

„Hyde“ ist das neue, literarisch hochwertige Jugendbuch der sympathischen Autorin Antje Wagner. Die spannend und sehr einnehmend erzählte Geschichte konnte mich voll und ganz in ihren Bann ziehen, obwohl mir persönlich die leicht mystische Handlungsebene der Geschichte nicht komplett gefallen hat. Antje Wagner weiß mit Worten umzugehen und eine Atmosphäre zu schaffen, die ihre Leser nicht loslässt. Ich vergebe insgesamt 8 von 10 Sternen!

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Hyde – Antje Wagner – Hardcover – 408 Seiten – 17,95 € – ISBN: 978-3-407-75435-6 – erschienen: Juli 2018 (Beltz)

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[Kurzer Leseeindruck] „Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ von Christoph Wortberg

Klappentext:

Lenny hat seinen älteren Bruder Jakob immer bewundert. Den Großen, den Alleskönner. Doch jetzt ist Jakob tot. Lenny beginnt, Fragen zu stellen. Wer war sein Bruder? Wer ist er selbst? Und was, zum Teufel, ist der Sinn des Lebens ohne Jakob? Da trifft Lenny auf Rosa. Sie kannte seinen Bruder. Besser als er ahnt … Und je mehr Lenny über Jakob erfährt, desto näher kommt er sich selbst. (Quelle)

Mein Eindruck:

„Mein Bruder Jakob sagte: Ich bin ich und die anderen sind die anderen. Er sagte: Ich habe nur dieses eine Leben. Dann ging er.
Mein Bruder war ein Held.“ (S. 7)

Was tut  man, wenn der ältere Bruder plötzlich stirbt? Der Bruder, der einen immer beschützt und die Familie zusammengehalten hat? Und was macht man, wenn die Eltern vollkommen vergessen, dass sie noch einen zweiten Sohn haben? Und warum hat Jakob bezüglich des Wanderausflugs, auf dem er gestorben ist, gelogen?

Dieses Buch beschäftigt sich auf leichte und teilweise humorvolle Art und Weise mit diesen Fragen. Man begleitet Lenny dabei, wie er versucht, mehr über seinen Bruder herauszufinden, und endlich aus seinem Schatten heraustritt. Die Kapitel des Buches sind sehr kurz, insgesamt liest sich die Geschichte ziemlich schnell. Meiner Meinung nach ist das ein eindeutiges Plus für ein Jugendbuch. Andererseits ist die Geschichte nicht ganz so gehaltvoll, wie ich sie mir stellenweise gewünscht hätte.

„Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ beschäftigt sich mit der Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen und mit der Frage nach dem Warum. Gleichzeitig geht es aber auch darum, wie man im Schatten eines von allen geliebten und geachteten Bruder zu sich selbst finden kann. Insgesamt ein gutes Jugendbuch, dass auf wenigen Seite interessante Denkanstöße bietet. 7 von 10 Sternen.

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„Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ war 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß – Christoph Wortmann – Klappbroschur – 191 Seiten – 12,95 € – ISBN: 978-3-407-81158-5 – erschienen: September 2015 (Beltz) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Nathan und seine Kinder“ von Mirjam Pressler

Klappentext:

Jerusalem, zur Zeit der Kreuzzüge um 1192: Ein junger Tempelritter rettet Recha, die Tochter des jüdischen Kaufmanns Nathan, aus dem Feuer. Daraufhin richtet Sultan Saladin die schwierigste aller Fragen an Nathan: Welche Religion ist die einzig wahre? Nathan antwortet mit dem berühmten Gleichnis von den drei Ringen – doch wird das den Sultan zufriedenstellen? Außerdem ahnt Nathan nicht, dass ihm inzwischen der christliche Patriarch von Jerusalem und ein moslemischer Hauptmann nach dem Leben trachten … (Quelle)

Meine Meinung:

„Nathan der Weise“ von Lessing und seine Ringparabel – gehört hatte ich auf jeden Fall schon von diesem Drama, es aber selbst noch nicht gelesen. Nun bot sich mir mit „Nathan und seine Kinder“ die Möglichkeit, eine etwas zeitgemäßere Version der Geschichte zu lesen.

„Es gibt in jedem Volk gute und ehrliche Menschen, egal zu welchem Gott sie beten, so wie es überall auch böse und grausame Menschen gibt.“ (S. 105)

Die Koexistenz der Religionen, das Miteinander und Füreinander: All das sind hochaktuelle Themen. Wundervoll, dass sich Mirjam Pressler ihnen noch ein Mal gewidmet und versucht hat, sie moderner und durch die Form des Romans leichtlesiger zu verfassen. Leider muss ich sagen, dass mir persönlich der Zugang zur Geschichte sehr schwer fiel. Ich habe mehrere Wochen an dem Buch gelesen, es immer wieder beiseite gelegt und bin anfangs kaum über die ersten Seiten hinaus gekommen.

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne von Juden, Muslimen und Christen miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.“ (S. 166)

Das änderte sich aber irgendwann, als ich ein Gespür für die verschiedenen Figuren, den Handlungsstrang und das Ziel der Geschichte bekommen hatte. Es ist Mirjam Pressler gut gelungen, einzelnen Figuren – allen voran Nathan und dem Waisenjungen Geschem – ein Profil zu geben. Schnell konnte ich mit den Figuren fühlen, ihre Gedanken und Weisheit annehmen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das Buch auch als Schullektüre eignet, würde allerdings empfehlen, den Einstieg durch unterstützende Materialien, Zusammenfassungen oder ähnliches zu erleichtern. Dann jedoch bietet das Buch eine hoffnungsvolle Weltansicht, viel Diskussionspotenzial, Worte und Einstellungen, die – wären sie verbreiteter – die Welt zu einem friedlicheren Ort machen würden:

„‚Gott oder Allah sind nur verschieden Namen für den einen, der Himmel und Erde gemacht hat‘, sagte ich. ‚Mein Vater sagt, es sind nur die Wege, ihm zu dienen, welche die Religionen unterscheiden, der Kern ist gleich: die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen. Und die Dankbarkeit für das Leben.'“ (S. 215/216)

„Nathan und seine Kinder“ soll die zeitgenössischere und leichtlesigere Version von „Nathan der Weise“ sein. Ohne das Originalwerk zu kennen, kann ich nur sagen, dass mir die Umsetzung der Grundidee, die Kernaussage der Geschichte und die Aktualität des Themas sehr gut gefallen haben. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass die Geschichte, insbesondere am Anfang, vielen Jugendlichen schwer zugänglich sein wird. Ich vergebe insgesamt sehr gute 6 von 10 Sternen.

stern 6

„Nathan und seine Kinder“ war 2010 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Nathan und seine Kinder – Mirjam Pressler – Taschenbuch – 264 Seiten – 8,95 € – ISBN: 978-3-407-74233-9 – erschienen: Januar 2015 (Beltz) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Junkgirl“ von Anna Kuschnarowa

JunkgirlKlappentext:

»Die Zeit mit Tara war die großartigste Zeit meines Lebens. Und die beschissenste.«

Alles begann mit Tara. Der schillernden, wilden, außergewöhnlichen Tara, in die sich die unscheinbare Alissa Hals über Kopf verliebt. Um mit Tara zusammen zu sein, beginnt Alissa heimlich ein Doppelleben, irrlichtert zwischen Sein und Schein, belügt ihre Eltern und – nimmt Drogen. Sie erlebt ungeahnte Höhenflüge, ist verzaubert, berauscht, fühlt sich unsterblich. Es scheint, als sei Alissas Sehn-Sucht endlich gestillt. Da zeigen sich tiefe Risse in Taras schillernder Welt … (Quelle)

Meine Meinung:

Ich möchte meinen Leseeindruck zu diesem Buch eher kurz halten. Zum einen, weil es schon etwas länger her ist, dass ich das Buch gelesen habe, zum anderen, weil ich kaum in Worte fassen kann, was die Geschichte in mir ausgelöst hat.

„Junkgirl“ setzt sich schonungslos und ehrlich mit der Drogensucht der siebzehnjährigen Alissa auseinander. Es beschreibt ihren Weg dahin, mögliche Gründe, vor allem ihr Leben als Junkie mit allen Auf und Abs (wobei es grundsätzlich natürlich abwärts geht) und auch ihre Versuche, clean zu werden.

Die Geschichte wird von Alissa selber erzählt, die immer wieder von Alice (dem Teil ihres Ichs, das nach neuen Drogen und Kicks lechzt) unterbrochen wird. Große Teile der Geschichte sind als Rückblick beschrieben, wechseln sich aber mit kurzen Eindrücken und Gedanken von Alissa aus der Gegenwart ab.

„Alice hasst Alissa, aber Alissa liebt Alice und sie liebt sie, weil nur Alice sie mitnimmt in eine Welt ohne Alissa. Und ohne Alice. Eine Welt, in der nichts mehr ist, gar nichts mehr.“ (S. 7)

Anna Kuschnarowa beschreibt alles hart und sehr realistisch, zumindest soweit ich das einschätzen kann. Mich hat das Buch wirklich mitgenommen und wird mir vom Gesamteindruck her noch sehr lange im Kopf bleiben.

„Junkgirl“ ist ein Jugendbuch, das sich meiner Meinung nach gut als Schullektüre für ältere Schüler eignet. Durch die harte Sprache und die schonungslose Darstellung aller Abgründe, aber auch durch die Beschreibung des phasenweise auftretenden Hochgefühls ist es einfach authentisch. Insbesondere der Schluss hat mir gut gefallen. Ich vergebe 9 von 10 Sternen.

stern 9

Junkgirl – Anna Kuschnarowa – Klappbroschur – 224 Seiten – 12,95 € – ISBN 978-3-407-74259-9 – erschienen: 2011 (Beltz & Gelberg) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren (eher älter)

[Rezension] „Alles, was ich sage, ist wahr“ von Lisa Bjärbo

Alles, was ich sage, ist wahrInhalt:

„Zu tun, was von einem verlangt wird, ohne es immer und ständig zu hinterfragen. Das war absolut nicht mein Ding.“ (S. 19)

Nein, das ist wirklich nicht Alicias Ding und so schmeißt sie mit ihren fast siebzehn Jahren die Schule hin, zieht zu ihrer Oma, fängt an in einem Café zu arbeiten und begegnet ihrer großen Liebe, obwohl Isak noch nichts von seinem Glück weiß. Doch dann passiert das Unvorstellbare: Alicias Oma stirbt. Wie fühlt man sich, wenn man gerade noch überglücklich war und dann die wichtigste Bezugsperson in seinem Leben verliert? Und doch geht ihr Leben weiter, nur wie…

Meine Meinung:

„Und, Alicia?“, sagt Mama. „Was hast du heute gemacht?“
„Heute“, sage ich, „heute habe ich hauptsächlich die Schule geschmissen.“ (S. 32)

 Ich glaube, es ist der rotzige, schnodderige Erzählton von Alicia, der mir an diesem Buch am besten gefällt. Denn sie erzählt ihre Geschichte einfach so, frei von der Leber weckt – und trifft dabei den Leser mitten ins Herz. Denn ihre Art zu erzählen, ist einfach authentisch!

Sie ist authentisch, wenn sie erzählt, wie sehr sie ihre Großmutter liebt. Und als Leser wünscht man sich, auch so eine Großmutter zu haben (oder man wünscht sich seine eigene Großmutter wieder zurück). Sie ist authentisch, wenn sie im Café ihren griechischen Gott Isak zum ersten Mal sieht und sofort beschließt, dass sie ihn heiraten wird. Und sie ist auch authentisch, als sie den Tod ihrer Oma einfach nicht fassen und vor allem nicht weinen kann.

„Was sollen wir nur ohne sie machen? Ich weiß es nicht, aber ich wünschte, ich könnte wenigstens weinen. Ich liege im Bett, starre an die Decke und wünschte, ich könnte weinen, aber das kann ich nicht. Warum nicht? Bin ich gestört? Meine Oma ist tot, Grund genug zu weinen, aber offensichtlich habe ich verlernt, wie man traurig ist.“ (S. 147)

„Alles, was ich sage, ist wahr“ erzählt eine Geschichte, wie man sie definitiv schon kennt. Und doch ist sie ganz anders: näher und eindrücklicher irgendwie! Ein bisschen ist es so, als würde man seiner besten Freundin zuhören, wie sie von ihrem Leben erzählt: mal überschwänglich glücklich, mal nachdenklich und traurig, aber immer liebenswert und ehrlich! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Lisa Bjärbo hat 2013 für dieses Buch die Nils-Holgersson-Plakette bekommen, einen schwedischer Literaturpreis, der an Kinder- und Jugendbuchautoren verliehen wird.

Alles, was ich sage, ist wahr – Lisa Bjärbo – Klappbroschur – 253 Seiten – 13,95 € – ISBN 978-3-407-81156-1 – erschienen: Februar 2014 (Beltz)
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Jackpot – Wer träumt, verliert“ von Stephan Knösel

JackpotKlappentext:

Den Brüdern Chris und Phil steht das Wasser bis zum Hals: Die Mutter tot, der Vater irgendwo versackt und die Wohnung ist auch demnächst weg. Da beobachtet Chris, wie ein Auto gegen einen Baum kracht. Im Kofferraum: ein geheimnisvolles Mädchen und eine Tasche voller Geld. Jackpot! Chris tut, was getan werden muss – und hat bald nicht nur die Polizei am Hals. Das Mädchen, Sabrina, verdreht den Brüdern den Kopf und erzählt aberwitzige Geschichten. Können Chris und Phil ihr trauen? Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, denn ein paar Vorstadtschläger haben Wind vom Geld bekommen. Die sind allerdings Zucker gegen den Mann, der mit Sabrina im Auto saß. Er hat gar nichts mehr zu verlieren – und würde töten für seinen Jackpot … (Quelle)

Meine Meinung:

Ich finde, der Klappentext hört sich toll an: Was tut man, wenn man einen Autounfall beobachtet, den Kofferraum öffnet, dort ein Mädchen vorfindet, das einem eine Tasche voller Geld gibt mit der Bitte, die Millionen zu verstecken?

Chris und sein Bruder haben selber wenig Geld und so nimmt Chris die Tasche tatsächlich mit nach Hause, in der Hoffnung, das Mädchen nie wieder zu sehen und mit seinem Bruder ein neues Leben anfangen zu können.

Dass das natürlich so nicht funktioniert, sollte schnell jedem klar sein. Und es kommt, was kommen muss: Eine Verfolgungsjagd jagt die nächste, immer mehr Leute wollen das Geld haben und wem man trauen kann, ist auch nicht klar.

Und genau an dieser Stelle befindet sich meiner Meinung nach das große Manko: Die Geschichte ist zu actionreich, wartet mit zu vielen unrealistischen Ereignissen auf, die Personen handeln oftmals unglaubwürdig und ändern ständig ihre Meinung. Aus einer guten Idee wurde eine höchstens durchwachsene Geschichte. Schade!

Hmm, ne! Irgendwie nicht! Das Buch klang so super und die Grundidee ist auch wirklich spannend und interessant. Die Umsetzung gefiel mir persönlich dann aber nicht wirklich: zu viele Irrungen und Wirrungen, zu viele überraschende Wendungen und zu viele Zufälle! Ich vergebe nur 5 von 10 Sternen!

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Das Buch war 2013 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Jackpot – Wer träumt, verliert – Stephan Knösel – Klappbroschur – 272 Seiten – 13,95 € – ISBN 978-3-407-81113-4 – erschienen: April 2013
Altersempfehlung: 13-16 Jahre

[Rezension] „Löcher“ von Louis Sachar

LöcherInhalt:

Stanley muss auf unbestimmte Zeit in ein Erziehungscamp für straffällige Jugendliche. Und das obwohl er unschuldig ist. Gemeinsam mit seinen Eltern versucht er den Campurlaub so positiv wie möglich zu sehen, schließlich hatte die Familie bisher nie das Geld, Stanley in ein Feriencamp zu schicken.

Doch im Camp „Green Lake“ angekommen muss er feststellen, dass es dort alles andere als ferienmäßig zu geht: die Jugendlichen müssen die ganze Zeit Löcher graben, der Ton unter den Betreuern ist rau und die anderen Jugendlichen sind auch nicht immer freundlich.

Doch Stanley gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich irgendwann der Jahrhunderte andauernde Fluch, der auf seiner Familie liegt, auflöst und das Glück zu ihnen zurückkehrt.

Meine Meinung:

Nachdem ich „König, Dame, Joker“ von Sachar gelesen und für gut befunden hatte, musste ich jetzt unbedingt auch diesen Klassiker des Autors lesen.

Während „König, Dame, Joker“ durchaus in der realen Welt spielen könnte und bis auf ein kleines Detail auch relativ realistisch ist, ist die Geschichte von Stanley Yelnats recht unglaubwürdig. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass dieses Buch meiner Meinung nach eher ein Kinderbuch und „König, Dame, Joker“ für Jugendliche geschrieben ist. Mir sind die Zusammenhänge und Zufälle, die es in diesem Buch gibt, einfach zu extrem.

Trotzdem habe ich das Buch nicht ungern gelesen. Sachars Art zu schreiben ist immer noch leicht und durchaus lustig. Ich habe „Löcher“ zu einem großen Teil während einer Bahnfahrt gelesen und konnte mich auch im Zug gut auf die Geschichte konzentrieren.

Andere Rezensionen zu diesem Buch heben die hinter den netten Geschichten versteckten Tiefgründigkeiten des Romans hervor. So spricht Sachar beispielsweise an, wie extrem früher die Rassenfeindlichkeit in den USA war. Und auch das von ihm erschaffene Camp „Green Lake“ soll auf das wenig pädagogogische Umgehen mit jugendlichen Straftätern hinweisen. Mir waren diese Andeutungen allerdings etwas zu subtil, so richtig bewusst sind sie mir erst durch das Lesen anderer Meinungen geworden.

Insgesamt wurde ich leider eher enttäuscht. Zwar ist die Geschichte nett und durchaus amüsant geschrieben, aber sehr hanebüchen. Sie ähnelt stellenweise fast einem Märchen und die sind ja nun absolut nicht nach meinem Geschmack. Schade! Da das Buch trotzdem gute Unterhaltung bietet, vergebe ich 6 von 10 Sternen.

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Das Buch wurde 2001 für den Deutschen Jugendliteraturpreis im Bereich „Jugendbuch“ nominiert.

Löcher – Louis Sachar – Taschenbuch – 295 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3407740984 – erschienen: Februar 2011 (Beltz) – Altersempfehlung: 12- 15 Jahre (ich denke, eher jünger)

[Rezension] „Inside the Cage“ von Matt Whyman

Inside the CageInhalt:

Eigentlich wollte Carl doch nur zeigen, dass er als Hacker in eines der bestgesicherten Gebäude der USA einbrechen kann. Dass er kurze Zeit später in einem Gefangenenlager am Polarkreis sitzen würde, unter unwürdigen Bedingungen eingesperrt mit Selbstmordattentätern und Serienmördern, damit hätte er nicht gerechnet. Zudem stellt sich schnell heraus, dass nicht nur die Wärter brutal und grausam mit ihm umgehen, sondern dass auf eine noch nicht erklärliche Weise ein falsches Spiel mit ihm getrieben wird. Und wer ist das einzige Mädchen direkt im gegenüberliegenden Käfig? Warum schaut sie ihn so an, als würde sie ihn kennen, ignoriert ihn aber ansonsten?

Meine Meinung:

Ein US-Gefangenenlager am Polarkreis, kälteste Minusgrade, gesuchte Schwerverbrecher und sadistische Wärter – mittendrin: Carl, der siebzehnjährige Hacker, dem das undenkbare gelungen ist, nämlich sich in Fort Knox – einem Lager für Goldbarren – einzuhacken.

Dieses Szenario liest sich einerseits wie aus einem spannenden Actionfilm, andererseits konnte ich mir beim Lesen auch sehr gut vorstellen, dass die Handlung, so oder in leicht abgewandelter Form, tatsächlich irgendwo auf der Welt geschieht. Packend und erschreckend zugleich.

Die ersten Seiten des Buches dienen dazu, die Basis für die Geschichte zu legen, sie bringen den Leser mit einem klapprigen Flugzeug ins Gefangenenlager, lassen auch ihn die eisige Kälte spüren und setzen ihn den gleichen Grausamkeiten aus wie Carl.

Bis die Handlung und damit die Spannung mich so richtig gepackt hat, hat es allerdings etwas gedauert, aber das Warten lohnt sich. Denn als gar nicht mehr so klar ist, wem Carl vertrauen kann und wem nicht, spitzt sich die Handlung auch schon zu.

„Die ganze Zeit über war ich der Meinung gewesen, ich wäre in den Händen der Guten. Jetzt scheint sich mir die Trennungslinie nicht mehr so scharf ziehen zu lassen. Ich habe Gutes und Böses auf beiden Seiten erlebt, und das macht es so schwierig rauszufinden, wem man trauen kann.“ (S. 232)

Wie in einem guten Jugendthriller kommt es vor allem im Mittelteil zu jeder Menge überraschenden Wendungen. Ich bin zu dem Zeitpunkt nur so über die Seiten hinweg geflogen. Konnte gar nicht schnell genug alles lesen.

Insgesamt also ein spannender, realistischer Jugendthriller, der nicht umsonst das Prädikat „21st century thrill“ trägt: durch das Hacker-Thema und das menschenunwürdigen Gefangenenlager so aktuell wie nie zuvor. Einen Stern muss ich für den etwas schleppenden Anfang und das Ende abziehen, das mir einfach inhaltlich nicht so zugesagt hat. Trotzdem würde ich dieses Buch vor allem Jungen sehr ans Herz legen, denn es kann den spannenden Actionthriller aus dem Fernsehen sehr wohl ersetzen. 7 von 10 möglichen Sternen.

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Inside the Cage – Matt Whyman – Taschenbuch – 380 Seiten – 8,95 € – ISBN-13: 978-3407742506 – erschienen: Juli 2011