„Dancing Jax: Auftakt“ von Robin Jarvis

Dancing Jax 1Reiheninfo:

  • „Dancing Jax: Auftakt“
  • „Dancing Jax: Zwischenspiel“
  • engl. Titel: „Dancing Jax: Fighting Pax“

Klappentext:

Einige Bücher sind schädlich, sogar gefährlich. Sie verdrehen einem den Kopf und geben den dunkelsten Seiten der menschlichen Seele Nahrung. Sie sollten verbannt oder vernichtet werden. Diese Geschichte handelt von solch einem Buch. Ich hoffe, es gibt noch genug von euch da draußen, die das hier lesen und mir glauben und sich zur Wehr setzen können – bevor es zu spät ist.

Ein altertümlich wirkendes und zunächst harmlos erscheinendes Buch taucht in einer englischen Kleinstadt auf und ergreift Besitz von seinen Lesern. Immer mehr Menschen werden von dem Buch befallen und zu willenlosen Charakteren der Geschichte. Der diabolische Plan des Autors scheint aufzugehen. (Quelle)

Meine Meinung:

Und plötzlich las jeder dieses Buch. Ja, wirklich jeder. Zumindest wirkte es auf mich so. Ich habe mir das Cover angesehen und fand es komisch. Und immer noch las jeder „Dancing Jax“. Ich habe mir den Klappentext durchgelesen und fand auch diesen komisch. Und nicht nur, dass jeder „Dancing Jax“ las: Alle fanden das Buch toll. Also kaufte auch ich es mir…!

Obwohl ich mir den Klappentext durchgelesen hatte, war ich nicht so ganz auf das vorbereitet, was das Buch für mich bereit hielt. Eine skurrile Mischung aus einem herrlich sarkastischen, gnadenlos gesellschaftskritischen Jugendbuch mit vielen Spannungselementen und einer abgehobenen, beinahe schon ins Horrorgenre abdriftenden Geschichte.

Der etwas schmierige, aber nicht unintelligente Kleinganove Jezza findet gemeinsam mit einiger Mitgliedern seiner Bande in einem alten, vermoderten Haus eine Kiste mit Büchern. Und dieser Fund verändert alles, denn die Bücher scheinen eine merkwürdige Wirkung auf ihre Leser zu haben:

„Howie senkte den Blick auf das Buch in seinen Händen. Jezzas Stimme schien ihn langsam einzulullen, der Rhythmus der Worte sich dem Takt seines Herzens anzupassen. Er empfand Zuversicht, ein Gefühl von Geborgenheit, wie er es seit… Er konnte sich nicht erinnern, wann er so etwas zuletzt gespürt hatte. […] Unter seinem roten Bart fingen seine eigenen Lippen, wie die von Tommo, an, sich zu bewegen.“ (S. 67)

Wenn man mich fragt, wie ich das Buch fand, fällt mir eine Antwort wirklich schwer: „Merkwürdig, komisch, anfangs ohne erkennbaren roten Faden!“ könnte ich sagen. Aber dennoch ließ mich das Buch gedanklich nicht los. Denn in seiner Besonderheit nimmt es den Leser mit auf ein Abenteuer, das er so mit Sicherheit noch nicht erlebt hat. Nach dem Lesen habe ich mir sofort den zweiten Band gekauft, diesen aber noch nicht begonnen. Ich vergebe vorsichtige und gespannte 7 von 10 Sternen für ein in meinen Augen einzigartiges Buch, das mich wunderbar unterhalten, aber auch sehr irritiert hat.

stern 7

Dancing Jax: Auftakt – Robin Jarvis – Klappbroschur – 544 Seiten – 14,95 € – ISBN 978-3-8390-0134-9 – erschienen: September 2012 (Script 5)

„Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin“ von Simone Dalbert

PapiergeflüsterInhalt:

Wenn Bücher erzählen könnten, was sie in einem Buchgeschäft so alles mitbekommen! Simone Dalbert plaudert mit viel Humor aus dem persönlichen Nähkästchen und erzählt von unberechenbaren Kunden, Plüsch-Bakterien, Schaufenster-Yoga und bayerischen Mathematikbüchern. (Quelle)

Über die Autorin:

Simone Dalbert, geboren 1977, wuchs im Saarland auf und studierte dort Biologie. Inzwischen lebt sie in Würzburg, wo sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin absolvierte und noch immer in diesem Beruf arbeitet. Auf ihrem Blog papiergefluester.com und dem Twitteraccount @Buchgeflüster schreibt sie zudem privat über ihren Alltag als Buchhändlerin. (Quelle)

Eigene Meinung:

Welche Leseratte hat es sich noch nicht gewünscht: ein Mal im Leben Buchhändler(in) sein; oder – weil das ja nicht geht – zumindest hinter die Kulissen dieses so spannenden und wundervollen Berufs blicken.

Dank Simone Dalbert wird Lesern ihres Blogs „Papiergeflüster“ dieser Wunsch schon seit längerem erfüllt. Sie erzählt dort kurze Anekdoten des Buchhändler-Daseins. Das Ganze gibt es nun auch als Buch, in dem nicht nur bekannte Artikel aus ihrem Blog zusammengefasst sind, sondern auch neue Alltagsbegebenheit zur Unterhaltung des Lesers beitragen.

So berichtet die Autorin zum Beispiel von dem bewundernswerten Kollegen, der Kunden, die nur noch die Farbe des gewünschten Buchs kennen, trotzdem den richtigen Titel nennen kann. Oder bringt den Leser durch Schilderungen des typsichen Buchhändlersports zum Lachen: dem Dekorieren eines Schaufensters.

Und wenn Frau Dalbert dann noch einen jungen Leser zitiert, der nach ihrer Beratung zwei neue Buchserien für sich entdeckt hat und findet „So viele tolle Bücher. Oh Gott, ich komme hier gar nicht mehr raus.“, dann geht zumindest mir das Herz auf und ich bin froh, mich hier zumindest ein bisschen wie eine Buchhändlerin zu fühlen.

Ich habe „Papiergeflüster“ übrigens als E-Book gelesen. Da ich bekennende E-Book-Blöd-Finderin bin – das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich keinen Reader, sondern nur ein Smartphone habe –, hatte ich erwartet, dass mir das Lesen eher schwer fallen und ich lange dafür brauchen würde. Doch gerade weil es immer nur kurze Geschichten von wenigen Seiten sind, habe ich das Buch während meiner morgendlichen Bahnfahrten in Nullkommanichts durchgelesen und war wirklich enttäuscht, als ich viel zu schnell das Ende erreicht hatte.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch: Am Ende mancher Kapitel hat Simone Dalbert Auszüge aus ihrem Twitter-Account eingefügt, die meiner Meinung nach mal mehr, mal weniger zum eigentlich Thema des jeweiligen Artikels passen. Ich bin mehr als ein Mal über diese kurzen und für mich nicht stimmigen Einschübe gestolpert.

Doch insgesamt bleibt mein Gesamtfazit durchaus positiv. „Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin“ ist mit seinen etwa 100 Seiten (die Seitenangaben schwanken je nach Anbieter) ein kleines feines Büchlein, das dem Leser einen schönen und vor allem humorvollen Einblick in das Buchhändlerleben mit allen seinen Höhen und Tiefen gibt. Also, wer so wie ich schon immer den Wunsch, mal für einen Tag Buchhändler zu sein, aber nie die Möglichkeit dazu hatte, bekommt hier die Chance… Ich vergebe gut unterhaltene und amüsierte 7 von 10 Sternen, aber gestehe auch, dass mir 10,90 € für die gedruckte Ausgabe zu viel wären.

stern 7

Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin – Simone Dalbert – eBook 978-3-95595-001-9

„84, Charing Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen“ von Helene Hanff

84Inhalt:

Eigentlich wollte Helene Hanff in dem Londoner Antiquariat nur einige gebrauchte Bücher bestellen, doch dann entwickelt sich zwischen ihr und dem Ladeninhaber eine wahre Brieffreundschaft, die über Jahre hinweg andauern soll. Und das obwohl der zurückhaltende Antiquar und die direkte, manchmal etwas scharfzüngige Autorin aus New York auf den ersten Blick so gar nichts gemein haben…. außer ihrer Liebe zur Literatur.

Dieses kleine, feine Büchlein erhält die Briefe zwischen Helene Hanff und Frank Doel und lässt den Leser ein bisschen miterleben: die Freundschaft zwischen den beiden, die Auswirkungen des Krieges, private Höhen und Tiefen…

Meine Meinung:

Dieses Buch habe ich von einer lieben (Buch-)Freundin geschenkt bekommen, die beim Lesen der Briefe mit den Tränen zu kämpfen hatte. Ich kenne noch einige andere Personen, die das Buch gelesen haben. Und alle haben es geliebt.

Entsprechend hoch waren natürlich auch meine Erwartungen und ich habe mir für das Lesen einen ganz besonderen Zeitpunkt ausgesucht. Mit seinen knapp 160 Seiten ist es ein Buch, das sich wunderbar und gemütlich an einem Stück lesen lässt. Und genau das habe ich getan.

Ja, ich mochte das Buch. Es ließ sich leicht und angenehm lesen. Aber irgendwie hörte es für mich an dieser Stelle auch schon auf. So gerne hätte ich das Buch genauso geliebt wie meine Freunde. Aber aus irgendeinem Grund konnte mich die Geschichte, die sich hinter diesen Briefen verbirgt, nicht so richtig berühren und mitreißen.

Ich habe lange überlegt, was mir vielleicht gefehlt haben könnte. Heute hatte ich eine vage Idee. Ein Briefroman ist ja grundsätzlich vergleichbar mit einem Email-Roman, so zum Beispiel „Gut gegen Nordwind“. Doch ein gravierender Unterschied ist die fehlende Unmittelbarkeit. Während Emmi und Leo aus „Gut gegen Nordwind“ sofort auf den jeweils anderen reagieren konnten, so dauerte es bei Helene und Frank oftmals Monate, bis der Antwortbrief ankam. So geht ein Stückchen Spontaneität und Impulsivität verloren, insbesondere, weil auch manche Briefe zwischen den beiden abhanden gekommen sind.

Ich persönlich kann diesem nichtfiktivem Briefroman, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt, nur 6 von 10 Sternen geben, möchte aber jedem raten, es selbst zu versuchen. Ich kenne viele absolut begeisterte Stimmen.

stern 6

84, Charing Cross Road – Helene Hanff – Taschenbuch – 160 Seiten – 7,00 € – ISBN-13: 978-3442731299 – erschienen: Februar 2004 (btb)

[Rezension] „Die souveräne Leserin“ von Alan Bennett

Die souveräne LeserinInhalt:

Schuld sind die königlichen Hunde! Denn nur weil die Hunde den Büchereiwagen von Mr. Hutchings, der jeden Mittwoch vor dem Palast steht, laut anbellen, betritt Ihre Majestät diesen. Sie möchte sich beim Besitzer entschuldigen, denn sie ist ja schließlich eine höfliche Person. Und nur deswegen kommt sie auch in die Verlegenheit, ein Buch auszuleihen. Und noch eins! Und schon hat die Leselust die Queen fest im Griff:

„Sie entdeckte außerdem, wie ein Buch zum nächsten führte, wie sich immer mehr Türen öffneten, wo sie sich auch hinwandte, und dass die Tage für alles, was sie lesen wollte, nicht ausreichten.“ (S. 22)

Meine Meinung:

Was verbindet mehr als das Teilen einer gemeinsamen Leidenschaft? Richtig: nichts! Und so fühle ich mich gerade der Queen sehr verbunden. Und sei es nur der fiktiven Queen von Alan Bennett. Es gelingt dem Autor, dem Leser eine Queen Elizabeth zu präsentieren, wie man sie wohl nicht lieber mögen könnte: Höflich, freundlich, interessiert, fasziniert von der Welt der Bücher. Gesegnet mit einem subtilen Humor, den kaum einer zu bemerken scheint.

Ich zumindest musste beim Lesen oft schmunzeln und war „very amused, indeed“.

Doch muss ich sagen, dass sich die Geschichte, vielleicht auch parallel zu den Lesegewohnheiten der Queen, im Laufe der Zeit ändert. Anfangs war sie überwiegend unterhaltsam. Es gab viele kleine, süße, humorvolle Anekdoten. Nach einiger Zeit allerdings beginnt die Königin mehr und mehr über ihre zunehmend auch anspruchsvolleren Bücher nachzudenken und ich hatte das Gefühl, dass sich dann auch der Grundtenor der Geschichte etwas mehr wandelte. Zwar bleiben die netten kleinen Begebenheiten, doch werden die Gedanken richtig philosophisch. Mir persönlich gefiel die erste Hälfte der Geschichte etwas besser.

Insgesamt ein wirklich schönes, kleines Büchlein, was man sehr gut an einem sonnigen Sonntagvormittag (und auch an anderen Wochentagen) lesen und sich amüsieren kann.

Und wer weiß: Wenn ich das nächste Mal Bilder von der Queen sehe, stelle ich mir vermutlich vor, wie sie im nächsten Augenblick heimlich ein Buch aus ihrer Handtasche zieht, um schnell ein paar Seiten zu lesen.

Ich gebe dem Buch 8 von 10 Sternen.

stern 8

Die souveräne Leserin – Alan Bennett – Hardcover – 120 Seiten – 14,90 € – ISBN-13: 978-3803112545 – erschienen: August 2008 (Wagenbach)

[Rezension] „Das Labyrinth der Wörter“ von Marie-Sabine Roger

Das Labyrinth der WörterKlappentext:

Mit Mitte 40 und ohne festen Job haust Germain in einem alten Wohnwagen, schnitzt Holzfiguren, baut Gemüse an und trifft sich ab und zu mit Annette – ob es Liebe ist, kann er jedoch nicht sagen, denn die hat er im Leben noch nie erfahren. Bis er eines Tages im Park die zierliche Margueritte kennen lernt, die dort, genau wie er, die Tauben zählt. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, sind die beiden bald ein Herz und eine Seele. Die lebenskluge alte Dame ist zudem eine passionierte Leserin, und als sie dem ungeschliffenen Hünen vorzulesen beginnt, eröffnet sich Germain eine völlig neue Welt. (Quelle)

Meine Meinung:

Was für eine wirklich wundervolle Geschichte. Dieses Buch ist so schön, dass ich es einfach jedem empfehlen möchte.

Schon direkt zu Anfang ist dem Leser klar, worauf die Geschichte hinausläuft: nämlich auf die außergewöhnliche Freundschaft zwischen dem eher ungehobelten Germain und der feinen alten Dame Margueritte.

„Ich habe beschlossen Margueritte zu adoptieren. Sie feiert bald ihren sechsundachtzigsten Geburtstag, da sollte man nicht zu lange warten. Alte Leute sterben gerne.

Und wenn ihr dann was passiert – was weiß ich, dass sie auf der Straße hinfällt oder dass man ihr die Handtasche klaut -, werde ich da sein. Ich werde sofort losrennen, die Leute zur Seite schieben und sagen: „Okay! Schon gut, ihr könnt euch verziehen! Ich kümmere mich darum: Das ist meine Großmutter.“ (erste Sätze, S. 5)

Aus diesem Grund liegt das Augenmerk beim Lesen weniger auf einen bestimmten Handlungshöhepunkt gerichtet. Und das ist auch gut so, denn so hat der Leser die Möglichkeit, sich auf die Schönheit der Sprache dieses Buches und der Poesie dahinter zu konzentrieren.

Die beiden Hauptpersonen sind so liebeswürdig gezeichnet und stecken so voller Leben, Gedanken und Weisheit, das ich sie von der ersten Seite an ins Herz geschlossen habe. Doch ist das Buch nicht nur absolut anrührend und bewegend, es steckt auf voller Humor, der mich oft zum Schmunzeln, einige Male auch zum lauten Lachen gebracht hat.

Insbesondere die Naivität Germains gepaart mit seinem liebenswürdigen Charakter bietet das Potential für einige nette Anekdoten, die aber niemals herabwürdigend wirken.

Ich kann nur jedem raten, dieses kleine, feine Büchlein zu lesen. Es beschert dem Leser wunderschöne, lockerleichte Lesestunden. Dass es sich in diesem Buch auch noch um die Faszination von Wörter und Geschichten handelt, war für mich das glorreiche Tüpfelchen auf dem I. Volle Punktzahl!

stern 10

Das Labyrinth der Wörter – Marie-Sabine Roger – Taschenbuch – 224 Seiten – 8,95 € – ISBN-13: 978-3423212847 – erschienen: April 2011 (DTV)