[Rezension] „Adios, Nirvana“ von Conrad Wesselhoeft

Adios NirvanaKlappentext:

Seit dem Tod seines Zwillingsbruders Telly kriegt Jonathan sein Leben nicht mehr auf die Reihe. Jetzt droht er auch noch in der Schule sitzen zu bleiben. Kein Wunder, wenn man sich die Nächte mit Red Bull, Gitarre spielen und dem Schreiben von Gedichten um die Ohren schlägt. Doch den Abschluss ohne ihn zu machen, kommt für Jonathans Freunde natürlich nicht in Frage. Und auch seine Lehrer geben ihm noch eine letzte Chance – eine, die es in sich hat und Jonathan das Leben bald mit ganz anderen Augen sehen lässt. (Quelle)

Meine Meinung:

„Telly war Sonnenschein. Blond und blau.

Ich bin Dunkelheit. Grautöne und sepia.“ (S. 57)

Nach dem Tod seines Zwillingsbruders ist Jonathan nicht mehr der gleiche. Er schläft kaum noch, geht so gut wie gar nicht mehr zur Schule und der Gedanke, sich von einer Brücke zu stürzen, ist ihm nicht fremd. Nebenher spielt er sich auf der Gitarre in Trance und hält seine Gedanken in Gedichten fest.

Doch dann bekommt Jonathan von seiner Schulleiterin ein Ultimatum gestellt. Er soll ein Buch schreiben, sonst muss er eine Klasse wiederholen. Und es darf nicht irgendein Buch sein, sondern er soll die Lebensgeschichte eines alten Mannes verfassen, der im Hospiz lebt. Dort wird Jonathan nicht nur mit allen seinen Ängsten und Gedanken konfrontiert, sondern erlebt überraschenderweise auch skurril-schöne Momente.

„Schreiben auf diese Art – praktisch in Trance – ist so ungefähr das geilste Gefühl aller Zeiten. […] Schreiben ist die Luft, die ich atme.“ (S. 217)

Und so wie Jonathan von Zeit zu Zeit in einen Schreibrausch gerät, so bin ich in einen Leserausch geraten, fühlte mit ihm, wurde poetisch, melancholisch und ausgelassen – alles zur gleichen Zeit.

„Adios, Nirvana“ ist ein Jugendbuch voll von den unterschiedlichsten Emotionen. Es erzählt eine Geschichte, die, so simpel sie an sich auch sein mag, doch voller Hoffnung ist. Der Leser wird mitgerissen und erlebt mit Jonathan ein Auf und Ab der Gefühle. Es ist unheimlich einnehmend. Ich glaube, ich habe mich noch immer nicht ganz aus diesem Bann befreit und vergebe wirklich begeisterte 9 von 10 Sternen.

stern 9

„Adios, Nirvana“ war 2013 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie „Jugendjury“ nominiert.

Adios, Nirvana – Conrad Wesselhoeft – Taschenbuch – Klappbroschur – 288 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-551-31122-1 – erschienen: Februar 2012 (Carlsen)

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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[Rezension] „Was wisst ihr denn schon“ von Brock Cole

Was wisst ihr denn schonKlappentext:

Als die 13-jährige Linda in einen Mord verwickelt wird, hat sie der Polizei einiges zu erklären, auch wenn ihrer Meinung nach die Fakten eigentlich für sich selbst sprechen. Doch was sie dann über ihr Leben berichtet, lässt nicht nur der Polizei den Atem stocken. (Quelle)

Meine Meinung:

Im Englischen hat dieses Buch den Titel „The Facts Speak for Themselves“ und der beschreibt das Buch meiner Meinung nach sehr viel besser als der deutsche Titel. Denn obwohl das, was die 13jährige Linda in einer Art Bericht oder Tagebuch für den Leser bereit hält, absolut schockierend und grausam ist, schreibt diese tatsächlich in einem eher nüchternen Tonfall die Fakten nieder.

Nachdem ich das Buch gerade eben zugeklappt habe, war ich mir wirklich sehr unsicher, wie es bewerten soll. Eben aufgrund dieses nüchternen Erzählstils werden relativ wenige Emotionen transportiert. Als Leser ist man durch den Bericht neutraler Beobachter oder Zeuge einer Kindheit, die man sich für niemanden wünscht. Doch habe ich mich beim Lesen gefühlt als wäre ich durch eine dicke Glasscheibe von der Handlung abgeschottet. Ich war nie wirklich mit dabei, war nie mittendrin. Und obwohl ich es gerne gewesen wäre und gerne gemeinsam mit Linda gelitten hätte, kann ich das Stilmittel des Autors sehr gut verstehen.

Denn ich kann mir wohl vorstellen, dass es Linda nur durch diesen nüchternen, fast unbeteiligten Erzählstil gelingt, von ihrer Kindheit zu berichten.

Sollte man dieses Buch in der Schule lesen, kann man sicherlich sehr interessante Schlüsse darüber ziehen, was eben dieser Erzählstil in dem Leser bewirkt.

Auf mich hat dieser Erzählstil aber nun mal etwas hemmend gewirkt, denn ich hatte mir mehr von dem Buch versprochen, vor allem mehr Gefühle. Deswegen vergebe ich nur gute 5 von 10 Sternen.

stern 5

Das Buch war 2003 im Bereich Jugendbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Was wisst ihr denn schon – Brock Cole – Taschenbuch mit SU – 208 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3551310804 – erschienen: Oktober 2011 (Carlsen) – Altersempfehlung: 15-17 Jahre

[Rezension] „Die Kurzhosengang“ von Zoran Drvenkar (unter dem Pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois)

Die KurzhosengangInhalt:

Die Kurzhosengang, das sind Rudolpho, Island, Snickers und Zement. Natürlich sind das nicht ihre echten Namen, aber so werden sie nun mal genannt. In Kanada sind die vier echte Prominente und in einem Fernsehinterview sollen die vier schildern, warum sie „Die Kurzhosengang“ heißen.

Hierfür haben Rudolpho, Island und Snickers je unterschiedliche Geschichten auf Lager, eine abstruser als die andere. Als Zement schließlich beginnt seine Geschichte zu erzählen, die von etwas ganz anderem handelt, ist das Interview eigentlich schon beendet. Zement ist immer etwas langsamer als seine Freunde und bekommt oft vieles nicht mit. Trotzdem ist er die eigentliche Autorität der Gruppe.Die Kurzhosengang

Und warum die Kurzhosengang nun so heißt? Lest das Buch!

Meine Meinung:

„Die Kurzhosengang“ ist ein Buch, das mich ein bisschen ratlos zurücklässt. Sowohl was den Inhalt angeht, als auch den Autoren betreffend. Und welche Meinung ich zu der Geschichte habe, weiß ich auch nicht genau.

Zum Autor: Wie in der Überschrift schon angedeutet, schreibt Drvenkar das Buch unter einem Pseudonym von zwei angeblich in Kanada wohnenden Autoren. Als Übersetzer ist Andreas Steinhöfel („Die Mitte der Welt“) angegeben. Da das Buch aber auf deutsch verfasst wurde, gibt es vermutlich keinen Übersetzer. Sehr mysteriös alles.

Das Buch ist gespickt mit Fußnoten zu angeblicher Sekundärliteratur oder kurzen Bemerkungen und Erläuterungen, ein nettes Zusatzschmankerl. Ich habe aber meist drüber hinweg gelesen.

Zum Buch selber: Die Geschichte ist in vier Teile geteilt. Zunächst erzählt Rudolpho: seinen Teil fand ich sehr wirr zu lesen, er weicht oft von der eigentliche Erzählhandlung ab und man hat bei seinem Teil am meisten das Gefühl, einem Elfjährigen zuzuhören.

Der zweite Teil gefiel mir sehr gut. Er wird von Island erzählt und handelt von einem Eishockeyspiel und einem Baby:

„“Viel Glück im Leben“, sagte er und rieb dem Baby das winzige Nasenbein. Nasenbeinreiben ist bei uns Tradition, unsere Eltern haben uns von klein auf zum Einschlafen über die Nase gerieben und das wirkte so sehr, dass, wann immer man uns heute das Nasenbein reibt, wir müde werden und einschlafe.“ (S. 94)

Der dritte Teil – mein absoluter Lieblingsteil (von Snickers) – beginnt harmlos mit einem Videoabend, endet aber ganz abenteuerlich mit einem Grizzlybären:

„Jeder von uns hatte eine Schale mit Chips auf dem Schoß und die Getränke standen auf dem Tisch vor uns. Unsere Füße waren immer auf dem Sofa. Falls jemand sich unter dem Sofa versteckte, um während des Films nach unseren Füßen zu schnappen, dann sollte er erstmal suchen. Es gab auch einen Notschalter, der direkt neben Island auf dem Boden lag. Der Schalter gehörte zu einer Stehlampe. Musste einer von uns aufs Klo oder bekam Angst, haute Island auf den Schalter und es wurde hell im Zimmer.“ (S. 117)

Der letzte Teil, der von Zement erzählt wird, ist wie auch der junge Erzähler etwas anders. Er driftet sehr ins mysteriöse/fantastische ab, was mich ein bisschen irritiert hat.

Da ich euch nicht so genau sagen kann, wie ich das Buch finde, macht euch anhand meiner Beschreibung und vor allem anhand der Zitate selber ein Bild. Die Geschichte ist definitiv sehr lustig, ich habe viele Male laut losgeprustet und noch öfter geschmunzelt. Sie liest sich schnell und (bis auf den ersten Teil) sehr angenehm. Ich würde mich freuen, wenn jemand das Buch kennt und eine Meinung dazu hat. Von mir gibt es 6 von 10 Sternen!

stern 6

Anmerkung: Im Jahr 2005 hat das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch erhalten.

Die Kurzhosengang – Zoran Drvenkar – Taschenbuch – 6,95 € – ISBN-13: 978-3551355645 – erschienen: September 2006 (Carlsen) – empfohlenes Alter: 10-12 Jahre

[Rezension] „abends um 10“ von Kate de Goldi

abends um 10Inhalt:

In Frankies Parsons Leben ist alles verlässlich. Konstant. Vorhersehbar. Sogar die ständige Ergänzung seiner sowieso schon langen Liste von Sorgen. Tageslauf, Wochenplan, Jahresrhythmus – nichts ändert sich. Das Morgenmiauen der Fettkontrolle. Der tägliche Zickzack-Weg zum Bus mit seinem besten Freund Gigs. Die schlechte Laune seiner großen Schwester. […] Der Küchenduft bei der Heimkehr. Und die absolut zuverlässige Antworten seiner Mutter – immer abends um zehn.

Doch dieses Jahr ist alles anders. Das liegt an Sydney. An ihren liebevollen, neugierigen, taktlosen Fragen. Und Frankie Parsons Welt gerät aus den Fugen. (Quelle)

Meine Meinung:

Als ich den Klappentext zu „abends um 10“ gelesen habe, bin ich mit der Erwartung an das Buch herangegangen, eine nette Geschichte über einen etwas zwanghaften Jungen zu lesen, dessen Leben durch die erste zarte Liebe durcheinander gerät.

Nach dem Lesen kann ich sagen: Meine Erwartungen wurden erfüllt und doch übertroffen: dieses Buch ist so viel mehr als nur eine nette Geschichte. Das Buch ist allgemein so viel mehr. So viel mehr an Emotionen. So viel mehr an Wahrheit. So viel mehr an Ernsthaftigkeit.

Der Anfang der Geschichte plätschert fröhlich vor sich hin. Man lernt vor allem Frankie und seinen besten Freund Gigs kennen. Man erlebt gemeinsam mit dem zwölfjährigen Protagonisten einige Tage seines Lebens und damit seinen absolut geregelten Tagesablauf.

Mir ist Frankie schnell ans Herz gewachsen, denn trotz seiner leichten Zwanghaftigkeit für geregelte Abläufe und das Anlegen von Listen z.B. von schweren Krankheiten, ist Frankie ein fröhlicher Junge. Und wenn ihn abends die Nagestimme quält und ihn dazu bringt, sich über alles Sorgen zu machen, dann geht Frankie einfach zu seiner Mutter. Ihre Antworten beruhigen ihn immer.

Doch dann tritt Sidney in Frankies Leben. Sidney ist quirlig, aufgedreht und offen. Frankie bezeichnet sie als redselig, aber vor allem ist Sidney voller Fragen:

„Er fand es gut, dass sie sich für sein Leben interessierte – jedenfalls meistens. Er erzählte auch gerne von seinem Leben – jedenfalls das meiste. Manchmal kam es ihm so vor, als ob er selbst alles zum ersten Mal hörte und sah.“ (S. 106)

Und gleichzeitig mit dem Leser merkt auch Frankie, dass etwas in seinem Leben nicht stimmt. Dass es einen Grund für seinen Drang nach Ordnung und Konstanz gibt…

„abends um 10“ ist ein Buch, das durch seine leisen Zwischentöne besticht. Es beschreibt das Leben in einer Familie, die anders ist. Die Geschichte wird unterhaltsam, einfühlsam und gleichzeitig authentisch erzählt. Meiner Meinung nach ist der Autorin ein Meisterstück gelungen. Volle Punktzahl!

stern 10

abends um 10 – Kate de Goldi – Hardcover mit Schutzumschlag – 336 Seiten – 16,90 € – ISBN-13: 978-3551582430 – erschienen: März 2011 (Carlsen) – empfohlenes Alter: 12- 17 Jahre

[Rezension] „Einmal“ von Morris Gleitzman

EinmalKlappentext:

Einmal flüchtete ich aus einem Waisenhaus, um meine Mutter und meinen Vater zu finden.

Einmal rettete ich ein Mädchen namens Zelda aus einem brennenden Haus.

Einmal brachte ich einen Nazi, der Zahnschmerzen hatte, zum Lachen.

Ich heiße Felix.

Dies ist meine Geschichte.

Zum Autor:

Morris Gleitzman wurde 1953 in England geboren, 16 Jahre später wanderte er mit seiner Familie nach Australien aus. Sein Großvater war Jude und konnte den Holocaust nur überleben, weil er Polen rechtzeitig verließ.

Eine Inspiration für seine Geschichten war Janusz Korczak, ein jüdischer Arzt, der viele Jahre ein Waisenhaus für jüdische Kinder leitete und letztendlich auch für diese starb.

Meine Meinung:

„Eine ganze Möhre. Ich kann es nicht fassen. Drei Jahre und acht Monate bin ich schon in dem Waisenhaus und ich habe noch nie eine ganze Möhre in meiner Essschüssel gehabt. Von den anderen auch keiner. Nicht mal die Nonnen kriegen ganze Möhren, und die bekommen mehr als wir Kinder, denn sie brauchen ja extra Kraft fürs Heiligsein.“ (S. 8)

Und mit dieser Möhre startet auch Felix’ Geschichte. Er ist neun Jahre alt und Geschichtenerzähler. Seit er von seinen Eltern in das Waisenhaus gebracht wurde, schreibt er all seine Geschichten in einem kleinen Notizbuch auf, damit seine Eltern ihn später anhand der Geschichten als ihren Sohn erkennen können.

Doch als plötzlich Nazis in das Waisenhaus kommen und dort jüdische Bücher verbrennen, beschließt Felix seine Eltern zu suchen und sie vor den Nazis zu warnen: schließlich sind seine Eltern ja jüdische Buchhändler.

Das obige Zitat vermittelt einen sehr guten Eindruck vom Erzählstil des Buches. Die Geschichte beginnt unmittelbar, ohne viele Erklärungen. Es gibt keinen anderen Erzähler als Felix, weswegen die Geschichte für einen Erwachsenen etwas naiv wirken mag. Doch gerade durch die naiven Augen eines Kindes werden die Grausamkeiten der Nationalsozialisten besonders deutlich. Der Autor lässt Felix seine Geschichte im Präsens erzählen, was mich noch mehr in die Handlung hineingezogen hat. Im Laufe des Buches spitzt sich die Handlung immer mehr zu und der Schreibstil wird hektischer, beinahe wie ein Gedankenstrom.

Insbesondere an diesen Stellen hatte ich das Gefühl mittendrin und total dabei zu sein. Es hätte mich nicht erstaunt, wäre ich nach einer Flucht von Felix vor den Nazis auch außer Atem gewesen.

„Ich zittere in der Hitze. So richtig tote Menschen habe ich noch nie gesehen. Richtig tote Menschen sind etwas anderes als tote Menschen in Geschichten. Wenn du richtig tote Menschen siehst, möchtest du weinen.“ (S. 68)

Die Geschichte an sich ist natürlich nichts Neues. Und auch die Erzählweise – aus der Sicht eines Jungen – kannte ich schon aus „Der Junge im gestreiften Pyjama“ und doch hat mir dieses Buch gut gefallen. Insbesondere das Nachwort, in dem der Autor seine jugendlichen Leser direkt anspricht und ihnen erklärt, welchen Bezug er zu dieser Zeit und zum Thema Nationalsozialismus hat, hat bei mir eine Gänsehaut verursacht.

Ich vergebe 8 von 10 Sternen für ein bemerkenswertes Buch zum Thema Nationalsozialismus für Leser ab 11 Jahren.

stern 8

Einmal – Morris Gleitzman – Taschenbuch – 192 Seiten – 8,95 € – ISBN-13: 978-3551358622 – erschienen: Dezember 2009 (Carlsen)

[Rezension] „Freak City“ von Kathrin Schrocke

Freak CityInhalt:

Mika ist fünfzehn und seit zwei Wochen, drei Tagen und fünf Stunden wieder Single. Doch hängt er immer noch sehr an seiner ersten großen Liebe Sandra. Als er Lea kennenlernt, sieht er in ihr zunächst nur die Möglichkeit Sandra eifersüchtig und sich selbst interessant zu machen. Doch schon bald wird ihm klar, dass Lea und ihre eigene stille Welt ihn faszinieren. Denn Lea ist seit ihrer Geburt gehörlos und kommuniziert in Gebärdensprache.

Mika beginnt ihre Sprache zu lernen und stößt doch immer wieder an seine Grenzen, denn die Welt der Gehörlosen unterscheidet sich, mehr als er denkt, von der Welt der Hörenden.

Meine Meinung:

Ich bin auf dieses Buch aufmerksam geworden, weil es aktuell für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert ist. Erst nach einer Weile habe ich dann festgestellt, dass eine der Hauptpersonen gehörlos und genau das Thema des Buches ist. Sofort war mir klar, dass ich dieses Buch lesen muss, denn ich habe selber Hörgeschädigtenpädagogik studiert und einige Gebärdensprachkurse besucht.

Und so habe ich das Buch selbstverständlich nicht nur unter einem neutral interessierten Blick gelesen, sondern fand es vor allem spannend, wie realistisch die Autorin die Welt der Gehörlosen, ihre Schwierigkeiten im Umgang mit hörenden Mitmenschen und die Gebärdensprache geschildert hat.

Ich kann, nachdem ich das Buch heute in einem Rutsch durchgelesen habe, ganz klar sagen: Es lohnt sich die Geschichte von Mika und Lea zu lesen. Sowohl die Handlung an sich, als auch die vermittelten Informationen zum Thema Hörschädigung haben mich voll und ganz überzeugt. An dieser Stelle muss betont werden, dass das Buch keineswegs vordergründig auf Wissensvermittlung aus ist, sondern wirklich die Story im Vordergrund steht. Mit Mika und Lea gibt es zwei faszinierende Hauptpersonen, die man schnell ins Herz schließt. Und Sandra, als Mikas sehr von sich selbst überzeugte Exfreundin, bietet einen interessanten Gegenpart.

Die verschiedenen Nebenfiguren des Buches dienen vor allem dazu, den Unterschied zwischen Hörenden und Gehörlosen, zwischen ignoranten und interessierten, zwischen lautsprachlich und gebärdensprachlich orientierten Menschen deutlich zu machen.

Wer also Interesse daran hat, in die stille Welt von Gehörlosen einzutauchen, wer durch Mika hindurch ein klein wenig die Faszination von Gebärdensprache kennenlernen will oder wer einfach nur ein schönes Jugendbuch lesen möchte, das zufällig ein gehörloses Mädchen als Hauptperson hat, der sollte zu „Freak City“ greifen.

Von mir gibt es 9 von 10 möglichen Sternen. Den einen Stern musste ich abziehen, da mir das Ende etwas zu jugendbuchmäßig war.

stern 9

Freak City – Kathrin Schrocke – Taschenbuch – 203 Seiten – 13,90 € – ISBN-13: 978-3794170814 – erschienen: Januar 2010 (Sauerländer)

[Rezension] „Arkadien erwacht“ von Kai Meyer

Reiheninfo:

Arkadien-Reihe:

  1. „Arkadien erwacht“
  2. „Arkadien brennt“
  3. „Arkadien fällt“

Arkadien erwachtInhalt:

Als die siebzehnjährige Rosa zu ihrer Verwandtschaft nach Sizilien zieht, bleibt ihr nicht viel Zeit, sich einzugewöhnen. Schnell muss sie sich damit auseinandersetzen, dass ihre Tante das Oberhaupt einer kleinen Mafiafamilie ist. Und dass ihre Familie mit der von Alessandro, den sie zufällig im Flugzeug kennengelernt hat, seit je her verfeindet ist. Schon bald treffen die beiden Familien – und damit auch Rosa und Alessandro – wieder aufeinander. Die beginnende Freundschaft der beiden wird von allen mit Argusaugen beobachtet und von niemanden für gut befunden. Doch Alessandro übt einen großen Reiz auf Rosa aus. Insbesondere dann, wenn seine Augen sich verdunkeln und seine Bewegungen etwas Animalisches annehmen…

Meine Meinung:

Um es direkt vorwegzunehmen: Ich stehe diesem Buch sehr gespalten gegenüber, tu mich schwer mit der Bewertung. Insbesondere auch, weil meine Meinung stark von Inhalten des Buchs abhängen, die ich hier einfach noch nicht so konkret nennen möchte, um nicht zu spoilern.

Grundsätzlich kann ich feststellen: Ich habe dieses etwas mehr als vierhundert Seiten dicke Buch (bis auf die ersten dreißig Seiten) an einem Tag durchgelesen und musste mich zu keinem Zeitpunkt dazu zwingen weiterzulesen. Die Geschichte unterhält wirklich gut und ich wollte unbedingt wissen, wie sich die Handlung um die beiden verfeindeten Mafiafamilien und vor allem um Rosa und Alessandro weiter entwickelt. Und ich werde mit Sicherheit auch die beiden Folgebände der Trilogie lesen. Soweit so gut!

Inhaltlich war mir schon vor dem Lesen klar, dass mich ein Detail vermutlich stören würde, das im Klappentext angedeutet wird. In diesem Buch kommt ein Bereich der Fantasy vor, zu dem ich bisher wenig gelesen habe und der mir auch immer wieder suspekt vorkommt. Da dies ein Großteil des Buches ausmacht, war das Lesen für mich teilweise etwas schwierig, aber ich denke, nach und nach habe ich mich daran gewöhnt.

(Alle, die das Buch schon gelesen haben, wissen vermutlich wovon ich spreche. An alle anderen: Verzeiht mir diese kryptischen, ungelenken Beschreibungen: Ich will halt nichts verraten.)

Für meinen Geschmack häufen sich die Ereignisse in der Geschichte zu sehr. Es gibt nicht einen klar definierten Höhepunkt, sondern ständig viele kleine Höhepunkte, die mir auch nicht ausreichend beschrieben werden. Ich hatte das Gefühl, als würde ich durch die Geschichte gezerrt werden und hätte keine Chance, an einer Stelle zu verweilen, um zum Beispiel um einen Charakter ausreichend zu trauern.

Im Großen und Ganzen bin ich also sehr hin und her gerissen. Auf der einen Seite hat mich die Story wirklich in ihren Bann gezogen, auf der anderen Seite hätte ich mir mehr Ruhe in der Schreibe von Kai Meyer gewünscht. Ich vergebe sehr gute 7 von 10 Sternen und bin auf den Folgeband gespannt.

stern 7

Arkadien erwacht – Kai Meyer – Hardcover – 416 Seiten – 19,90 € – ISBN-13: 978-3551582010 – erschienen: November 2009 (Carlsen Verlag)

[Rezension] „Die Beschenkte“ von Kristin Cashore

die BeschenkteReiheninfo:

  1. „Die Beschenkte“
  2. „Die Flammende“
  3. „Die Königliche“

Anmerkung: Ich kenne nur Bd. 1 und 2, diese beiden kann man aber auch unbahängig voneinander lesen.

Inhalt:

Katsa ist eine Beschenkte. Beschenkte zeichnen sich durch unterschiedlich farbige Augen und durch besondere Fähigkeiten, besondere Gaben aus. Katsas Gabe ist das Töten. Ohne große Anstrengung kann sie gegen eine Horde von Soldaten kämpfen, ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen. Genau diese Fähigkeit nutzt ihr Onkel, König Randa, schamlos aus. In seinem Auftrag muss Katsa Leute quälen, verletzen und sogar töten. Doch Katsa hat auch eine andere Seite: sie verhilft Unterdrückten zu ihrem Recht. Als Katsa auf einer ihrer Missionen auf Bo trifft, den Enkel eines entführten Mannes, den sie gerade gerettet hat, kommt mehr und mehr Katsas gute Seite zum Vorschein. Gemeinsam machen Katsa und Bos sich auf, um das Rätsel um die Entführung zu lösen.

Meine Meinung:

Dieses Buch habe ich gelesen, weil meine lieben Freundinnen Eva und Karo so davon geschwärmt haben. Anfangs war ich sehr kritisch. Ich konnte mich mit der Idee, dass eine Frau die Gabe des Tötens haben sollte, schwer abfinden. Doch nach und nach wurde einerseits die Gabe näher erläutert und auch Katsas Umgang damit wurde für mich immer nachvollziehbarer. Katsa und ihre Freunde konnte ich schnell ins Herz schließen und mit ihnen mitfiebern. Auch der eigentliche Handlungsverlauf war spannend und hat mich zum schnellen Weiterlesen gedrängt.

Viel mehr kann ich zu dem Buch auch nicht sagen. Es hat mir sehr gut gefallen, aber es hat mich auch nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen lassen.

Ein schönes Buch, das gerne hätte noch länger gehen können. Insgesamt 8 von 10 möglichen Sternen.

stern 8

[Rezension] „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel

Die Mitte der WeltInhalt:

Phil ist siebzehn und hat wie die meisten Siebzehnjährigen kein leichtes Leben. Doch Phils Leben ist anders: In dem Dorf, wo er wohnt, werden er und seine Schwester nur Hexenkinder genannt. Seine Mutter ist als eine Frau mit hohem Männerverschleiß bekannt. Und Phil ist verliebt, aber nicht in seine beste Freundin Kat, sondern in den neuen Jungen an der Schule. Phil ist nämlich schwul.

Als Leser erfährt man, wie sich Phil durchs Leben schlägt, sich Gedanken zu vielerlei Dingen macht, aber auch durch viele Zeitsprünge in die Vergangenheit, wie sich die Familienkonstellation von Phil, seiner Zwillingsschwester und seiner Mutter entwickelt hat.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt, obwohl ich es aufgrund der vielen Zeitsprünge nicht ganz einfach zu lesen fand. Außerdem wusste ich anfangs nicht, wohin mich der Autor führen wollte. Steht Phils Homosexualität im Mittelpunkt oder eher seine familiären Beziehungen oder die Freundschaft zu Kat oder vielleicht Phils sehnlicher Wunsch nach einem Vater? Letztendlich legt der Autor auf keinen dieser Aspekte einen besonderen Schwerpunkt, sondern thematisiert sie alle zusammenhängend, einleuchtend und einfühlsam. Besonders beeindruckend finde ich, dass es diesem Buch nicht wie vielen anderen Büchern nur schwarz oder weiß, gut oder schlecht gibt. Dieses Buch zeigt die vielen Nuancen und Grautöne auf, die es im wahren Leben auch gibt.

Insgesamt ein wirklich empfehlenswertes Buch vor allem auch für Jugendliche, aber auch für Erwachsene. 8 von 10 Sternen.

stern 8