[Rezension] „Wie ein Fisch im Baum“ von Lynda Mullaly Hunt

Wie ein Fisch im Baum von Lynda Mullaly Hunt

„Wörter. Ich entkomme ihnen nie.“ (S. 32)

Ally hasst die Schule. Jeden Tag aufs Neue muss sie dorthin. Jeden Tag aufs Neue gibt sie ihr Bestes. Jeden Tag aufs Neue scheitert sie. Sie kann nicht lesen und schreiben. Die Buchstaben tanzen vor ihren Augen. Sie bekommt sie nicht gegriffen. Doch das ist ein Geheimnis. Niemand darf das erfahren. Und deswegen versucht Ally so gut es geht unsichtbar zu sein. Denn niemand darf mitbekommen, wie dumm sie eigentlich ist.

„Ich werde mich bessern. Ich werde mich noch mehr anstrengen. Das ist alles, was ich tun muss. Ich werde mich diesmal wirklich konzentrieren. Dabei weiß ich, dass ich das schon so oft probiert habe und dass es nicht klappt.“ (S. 46/47)

Allys Geschichte zu lesen, ihren Worten zu lauschen, tut weh. Es zerreißt einem fast das Herz. So ein warmherzigen und vor allem kluges Mädchen, das sich so schrecklich dumm und wertlos fühlt. Ihre Unfähigkeit zu lesen und zu schreiben hat Auswirkungen auf ihr ganzes Leben, auf ihr Selbstbild, auf ihre Identität.

„Ich möchte einfach … ich will nur ein einziges Mal dazupassen. Das wünsche ich mir wirklich. Einfach so zu sein wie alle anderen.“ (S. 159)

Doch Ally hat großes Glück: Sie bekommt einen neuen Lehrer, der sie endlich so sieht, wie sie wirklich ist: Klug und liebenswert – mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche. Doch kann er es schaffen, dass Ally sich selbst und ihren eigenen Fähigkeiten vertraut? Dass sie erkennt, dass gerade ihre Einzigartigkeit sie so besonders macht?

„Wie ein Fisch im Baum“ – so lautet der Titel, der auf einem kleinen Gleichnis beruht, bei dem mehrere Tiere, unter anderen auch ein Fisch, die Aufgabe bekommen, auf einen Baum zu gelangen. Alle haben die gleiche Aufgabe, also ist es doch fair, oder?

„Jeder ist auf seine Art klug. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein Leben lang glauben, dass er dumm ist.“ (S. 180)

Ich bin selbst Lehrerin und finde, dass die Autorin Ally und alles, was sie ausmacht (ihre Stärken, Schwächen, Ängste und auch ihre Entwicklung), sehr überzeugend und sensibel dargestellt hat.

Ich liebe diese Geschichte und hoffe, dass sie ganz viele große und kleine Leser findet, die so lernen, einen Blick über den Tellerrand zu wagen und Menschen nicht an dem zu bewerten, was sie als normal ansehen. Denn wenn man von Ally eines lernen kann, ist es das hier: Eine einzige Fähigkeit oder Unfähigkeit, etwas zu tun, sagt nichts über den Rest eines Menschen aus. Nichts darüber, ob er klug oder dumm ist. Nichts darüber, wie sehr er sich bemüht und anstrengt. Und vor allem nichts darüber, ob er ein gutes Herz hat.

stern 10

Wie ein Fisch im Baum – Lynda Mullaly Hunt – Hardcover mit SU – 12,99 € – 304 Seiten – ISBN: 978-3-570-16420-4  – erschienen: Oktober 2016 (cbt) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren – Übersetzung: Renate Weitbrecht

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[Rezension] „Heute sind wir Freunde“ von Patrycja Spychalski

Klappentext:

Nell, Leo, Chris, Anton und Valeska sind so verschieden wie Tag und Nacht. Da werden sie versehentlich in der Schule eingesperrt. Gar nicht so schlimm denkt sich Nell, ist sie doch schon lange in Leo verknallt. Super, findet Chris, ist er doch schon ewig in Nell verknallt. Kein Bock hier den Aufpasser zu spielen, denkt sich Streber Anton. Die haben doch keine Ahnung, wer ich wirklich bin, denkt sich Schulschönheit Valeska. Und Leo? Der ist einfach zu cool für diese Welt. Oder doch nicht? Am nächsten Morgen ist nicht nur ein Liebespaar aus der Nacht hervorgegangen, sondern auch fünf Freunde, die es gestern noch nicht waren, aber heute sind … und es vielleicht sogar bleiben. (Quelle)

Meine Meinung:

Fünf Jugendliche, die sich alle eigentlich gar nicht wirklich kennen, die alle sehr verschieden sind, müssen aufgrund eines Unwetters zusammen eine Nacht in der Schule verbringen. Das Szenario an sich bietet schon sehr viel Potential für gute Unterhaltung. Die Charakterkonzeption von Patrycja Spychalski tut dann ihr übriges: Nell, Leo, Chris, Anton und Valeska sind alle so liebevoll und feinsinnig gezeichnet, dass man am Ende das Gefühl hat, selbst ein Teil der Gruppe zu sein und fünf neue Freunde gewonnen zu haben.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der einzelnen Jugendlichen erzählt. Jeder kommt zu Wort. Das sorgt dafür, dass man als Leser nach und nach alle besser kennenlernt, ihre Beweggründe erfährt und auch hinter so manche Fassade gucken kann. Insbesondere Valeska versteckt sich hinter einer Maske. Nach außen hin ist sie die fleißige, brave, aber bei allen beliebte Schülerin, die zu jeder Party eingeladen wird. In ihr drinnen sieht es aber ganz anders aus:

„Stattdessen lächele ich brav, betreibe Konersation, erzähle von meinen tausend Freizeitaktivitäten und fühle mich innerlich leer. Ich gebe niemandem die Schuld daran. Höchstens der Maske, die ich täglich aufsetze, und daran bin ich alleine schuld. Ich weiß trotzdem nicht, was ich anders machen könnte, um die Leute, die mir gegenüberstehen und genauso brav lächeln wie ich, darauf zu bringen, dass es in mir drin ganz anders aussieht.“ (S. 42)

Doch nach und nach lassen die einzelnen Figuren nicht nur dem Leser, sondern auch den anderen Charakteren gegenüber ihre Masken fallen. Sie werden so sehr viel verletzlicher – aber auch liebenswert. Und am Ende lautet das Fazit: Heute sind wir Freunde!

„Heute sind wir Freunde“ ist ein neues Herzensbuch von mir. Die Autorin hat wundervolle Charaktere geschaffen, mit denen man gerne eine Nacht eingeschlossen in einer Schule verbringt. 10 von 10 Sternen!

stern 10

Heute sind wir Freunde – Patrycja Spychalski – Klappbroschur – 320 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-570-16410-5  – erschienen: März 2016 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Dante Walker – Seelensammler“ von Victoria Scott

Klappentext:

Dante Walker ist brillant in seinem Job als Seelensammler. Bis er vor einer echten Herausforderung steht – nämlich vor Charlie Cooper, einem total abgedrehten Mädel, dessen Seele er seinem Boss binnen zehn Tagen in die Hölle liefern soll. Eigentlich ein Klacks für jemanden mit Dantes Qualitäten. Doch die werden auf eine harte Probe gestellt, als Nerd Charlie Dantes Gefühlswelt teuflisch durcheinander bringt … (Quelle)

Meine Meinung:

Victoria Scott kenne ich schon durch „Feuer & Flut“, das mich damals sehr gut unterhalten hat. Als ich von „Dante Walker“ gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich auch diees Werk der Autorin lesen wollte.

Dante ist als Ich-Erzähler und absoluter Bad Boy nicht uninteressant. Nach seinem Tod wurde er zum Seelenfänger und arbeitet nun für den Teufel. Indem er Menschen dabei erwischt, wie sie größere und kleinere Sünden begehen, kann er einen Schatten auf ihr Seelenlicht werfen und so dafür sorgen, dass sie nach ihrem Tod in der Hölle landen. Eines Tages erhält er einen Spezialauftrag: Er soll die Seele von Charlie Cooper fangen. Doch das scheint aus mehreren Gründen nicht ganz einfach: Zum einen ist Charlies Seele strahlend weiß: Sie ist einfach ein guter Mensch, der Gutes tut. Zum anderen ist Dante mehr und mehr fasziniert von diesem Mädchen – und das, obwohl sie so gar nicht in sein übliches Beuteschema passt.

„In meinem ganzen Leben habe ich noch nie jemanden so lächeln sehen, wie Charlie mich jetzt anlächelt. Eine Sekunde lang habe ich tatsächlich ein schlechtes Gewissen.“ (S. 52)

Charlie ist für mich das wahre Highlight an diesem Buch. Genauso wie Dante konnte ich mich ihrem Charme nicht entziehen. Ihre positive, wenn auch manchmal etwas naive Art, ist wirklich ansteckend. Menschen wie Charlie sind wertvoll.

Wenn Mädchen wie Charlie auf jemanden wie Dante stoßen, muss es unweigerlich zu komischen Situationen kommen. Eine meiner liebsten Szenen ist die, in der Dante versucht, Charlie zu verführen, und sie komplett anders reagiert, als er es geplant hat. Insgesamt erzählt Victoria Scott die Geschichte mit viel Humor, so dass ich beim Lesen immer mal wieder in mich hinein kichern musste.

„Dante Walker – Seelensammler“ ist der Auftaktband zu einer Trilogie, die im englischen schon komplett erschienen ist. Dieser erste Band überzeugt durch sympathische Charaktere, einer netten – wenn auch etwas vorhersehbaren – Story und viel Humor. Vollkommen und restlos begeistern konnte mich die Geschichte nicht, denn ich habe das Gefühl, Geschichten solcher Art (also zumindest von der Grundidee her) schon zu oft gelesen zu haben. Und trotzdem bietet das Buch gute Leseunterhaltung! 7 von 10 Sternen!

stern 7

Dante Walker – Seelensammler – Victoria Scott – Taschenbuch – 480 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-570-31010-6 – erschienen: November 2015 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren – Übersetzung: Michaela Link

[Rezension] „Super unkühl, Alter!“ von Adnan Maral

Klappentext:

Mit 16 sollte das Leben so richtig cool werden, findet Memo. Da passt die Offenbarung, dass der Mann, den er sein Leben lang für seinen Vater gehalten hat, gar nicht sein leiblicher Vater ist, absolut nicht ins Drehbuch. Sein Vater ist Türke und obendrein Lehrer – uncooler geht’s ja wohl nicht! Memo will wissen, was für ein Typ sein Erzeuger so ist, und stattet dessen Schule einen Besuch ab. Er schleicht sich in den Sportunterricht seines Vaters, wo ihn der nächste Schock erwartet, denn Atilla sitzt im Rollstuhl. Und auf den Unterricht des Rollstuhl-Paukers hat die Truppe um King Kongo, die dicke Gigi und Karate-Paul mal gar keinen Bock. Von wegen cooles Leben, denkt Memo, das ist reinstes Assi-TV und alles so was von unkühl, Alter! (Quelle)

Meine Meinung:

Adnan Maral ist den meisten von uns vermutlich vor allem als Schauspieler (z.B. in Türkisch für Anfänger) bekannt. Ich fand ihn bisher immer sehr sympathisch und den Klappentext seines ersten Jugendbuches total interessant.

„Lange stand ich vorm Spiegel. Sollte ich mir irgendwie die Haare stylen? So türkenmäßig? Andere Klamotten tragen? Schwachsinn, dachte ich. Ich war ich, ob mein Vater nun Türke oder Deutscher war.“ (S. 109)

Wie muss es einem Jugendlichen gehen, wenn er nicht nur herausfindet, dass sein Vater gar nicht sein Vater ist, sondern er auch noch aus einem ganz anderen Kulturkreis kommt. Genauso ergeht es nämlich Memo in dieser Geschichte. Bei einem Streit zwischen seinen Eltern bekommt er mit, dass Erwin gar nicht sein leiblicher Vater ist. Memo fühlt sich verraten und belogen. Als seine Mutter ihm schließlich offenbart, dass sein Vater ein türkischer Skifahrer ist, möchte Memo ihn unbedingt kennenlernen.

So weit, so gut! Die Grundidee der Geschichte gefällt mir immer noch. Ich kann mir auch vorstellen, dass viele Jugendliche die Handlung gut finden. Die Frage nach der eigenen Identität ist schließlich immer brandaktuell. Aber – ja, es kommt ein großes Aber! – es hapert meiner Meinung nach sehr an der Umsetzung. Adnan Maral hat die Sprache der Jugendlichen untereinander sehr modern gehalten, sehr jugendlich – zu jugendlich! „Altah, Digger, Brudah, voll unkühl!“ So redet Memo mit seinem besten Freund Bobo und das fast ununterbrochen. Ich arbeite als Lehrerin mit Jugendlichen zusammen und behaupte: Nein, Jugendliche sprechen nicht durchgehend so. Das ist absolut übertrieben und hat mich beim Lesen ziemlich gestört.

Dazu kommen noch zwei merkwüdige Nebenfiguren Douglas & Douglas, zwei Kleinganoven, die irgendwie gar nichts zur Handlung beitragen und mich nur genervt haben, denn verglichen mit ihren Unterhaltungen führen Memo und Bobo ausschließlich Gespräche auf sprachlich allerhöchstem Niveau.
Auch die Geschichte selbst konnte mich zum Ende hin nicht mehr wirklich überzeugen. Der Schluss ist mir zu wenig differenziert und zu simpel gehalten. Schade!

Das Beste an „Super unkühl, Alter!“ ist die Grundidee der Geschichte. Die gefällt mir auch nach wie vor gut. Auch Memo ist ein nicht unsympathischer Ich-Erzähler. Der Rest konnte mich allerdings gar nicht überzeugen: Vor allem die gewollt jugendliche Sprache fand ich sehr anstrengend, so dass ich nur 4 von 10 Sternen vergeben kann.

stern 4

Super unkühl, Alter! – Adnan Maral – Klappbroschur – 256 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-570-17153-0 – erschienen: September 2015 (cbj) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Lockwood & Co: Die raunende Maske“ von Jonathan Stroud

Reiheninfo:

  1. „Lockwood & Co: Die seufzende Wendeltreppe“
  2. „Lockwood & Co: Der wispernde Schädel“
  3. „Lockwood & Co: Die raunende Maske“
  4. – Titel noch unbekannt –

Klappentext:

Die Agenten von Lockwood & Co.: Anthony Lockwood, Lucy und George, führt ihr jüngster Fall mitten ins Zentrum der Geistererscheinungen, die London unerbittlich heimsuchen. Ein traditionsreiches Londoner Kaufh aus scheint Brutstätte des grausigen Phänomens zu sein. Wurde es doch auf den Überresten einer Pestopferruhestätte und über den Ruinen eines mittelalterlichen Kerkers errichtet. Gemeinsam mit Geisterjägern aus anderen Agenturen wagen sich Lockwood und seine Freunde bei Nacht in das Gebäude. Wer hier überleben will, braucht Mut und einen kühlen Kopf. Doch Lucy und ihre neue Kollegin Holly belauern sich eifersüchtig, Lockwood kommt von einem dunklen Geheimnis in seiner Vergangenheit nicht los und die düsteren Warnungen des wispernden Schädels verheißen Fürchterliches. (Quelle)

Meine Meinung:

Juhu, endlich ist er erschienen, der dritte Teil dieser wirklich tollen Jugendfantasy-Reihe, und mit ihm die gute Nachricht, dass es noch einen vierten Band geben wird. Noch ein Mal: Juhu!
Die Bücher von Jonathan Stroud sind für mich immer ein absolutes Must-Read im Herbst, wo sie passend zu dunklen Jahreszeit erscheinen und perfekt bei Kerzenlicht gelesen werden können.

An den beiden Vorgängern hat mir besonders gut gefallen, dass die Geschichten einfach so leichtlesig und unterhaltsam sind: Die Chakatere sind toll, die Handlung spannend und ein gewisser Humor schwingt auch jedes Mal mit. Ich frage mich, ob es gereicht hätte, wenn dieses Buch wieder nach dem gleichen erfolgreichen Muster geschrieben worden wäre. Vermutlich schon, denn Jugendbücher wie diese braucht die (Leser-)Welt einfach!

Doch dieses Buch ist im Vergleich zu den ersten beiden Bänden etwas anders: Lucy muss nicht nur mit neuen Geistern und problematischen Fällen kämpfen. Nein, dieses Mal machen ihr auch die Lebenden Probleme: Die Agentur bekommt ständig neue Aufträge: Lockwood, Lucy und George sind Nacht für Nacht ohne Pause unterwegs und ständig erschöpft. Das Elternhaus von Lockwood versinkt im Chaos. Um dem entgegen zu wirken, stellt Lockwood eine weitere Mitarbeiterin ein; und das, ohne Lucy zu fragen. Dass die Neue, Holly, dann auch noch ganz bezaubernd aussieht und den Jungs den Kopf verdreht, gefällt Lucy natürlich überhaupt nicht.

Diese kleine Eifersüchtelei bringt frischen Wind in die Geschichte und nimmt, zumindest in meinen Augen, auch nicht zu viel Raum ein. Dafür hat Lucy auch gar keine Zeit, denn ihre immer stärker werdende einzigartige Gabe beschäftigt sie sehr – und bringt dabei nicht nur sie, sondern das ganze Team in Gefahr …

Auch der dritte Band der Lockwood & Co – Reihe hat mich wundervoll unterhalten. Ein spannender neuer Fall, alte Bekannte und neue Figuren und die Entwicklung von Lucys Gabe sorgen dafür, dass dem Leser nicht langweilig wird. Für mich gehört diese Reihe zu dem Besten, was es derzeit auf dem Jugendfantasymarkt gibt. Und: Bei dem Ende möchte ich natürlich sofort weiterlesen!!! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Lockwood & Co: Die raunende Maske – Jonathan Stroud – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 18,99 € – ISBN: 978-3-570-15963-7 – erschienen: Oktober 2015 (cbj) – Übersetzung: Katharina Orgaß & Gerald Jung – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Der Libellenflüsterer“ von Monika Feth

Reiheninfo:

  1. “Der Erdbeerpflücker
  2. “Der Mädchenmaler”
  3. “Der Scherbensammler”
  4. “Der Schattengänger”
  5. “Der Sommerfänger”
  6. “Der Bilderwächter”
  7. „Der Libellenflüsterer“

Klappentext:

Jettes Freundin Merle ist Tierschützerin mit Leib und Seele. Als sie für einen Artikel zum Thema Tierquälerei recherchiert, wird sie mit einem Fall aus ihrer Vergangenheit konfrontiert: Ein Hund, den sie einst vermittelt hatte, starb wenige Wochen später auf grausame Weise. Der neue Besitzer wurde angeklagt und aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nun kreuzen sich ihre Wege erneut und Merle kommt einem weit gefährlicheren Geheimnis auf die Spur… (Quelle)

Meine Meinung:

Dass ich ein riesiger Fan von Monika Feth bin, muss ich vermutlich eigentlich gar nicht mehr schreiben. Ich kann in ihren Büchern wunderbar abtauchen, genieße die Spannung, die Entwicklung der Charaktere von Buch zu Buch und das gleichbleibend hohe Niveau ihres Schreibstils. Um es schon mal vorwegzunehmen: Auch mit „Der Libellenflüsterer“ konnte mich die Autorin vollkommen zufriedenstellen.

Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht Jettes beste Freundin Merle, die sich seit jeher für den Tierschutz engagiert und auch im Tierheim arbeitet. Nun bekommt sie die große Chance, für eine renommierte Zeitschrift einen Artikel zum Thema Tierquälerei zu schreiben. Dabei erinnert sie sich an einen ganz besonderen Fall: Vor Jahren vermittelte sie einem Familienvater und jungen Förster einen Hund. Kurz darauf wurde dieser tot aufgefunden. War der Mann damals wirklich so unschuldig, wie es vor Gericht schien? Kurzentschlossen macht sich Merle auf den Weg zum Forsthaus, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Was sie nicht ahnt: Sie begibt sich dadurch direkt in die Arme eines Psychopathen…

„Mama hat ihre Sonnenbrille aufgesetzt. Obwohl die Sonne im Haus gar nicht scheint. Obwohl es hier nicht mal besonders hell ist.“ (S. 49)

Monika Feth widmet sich in ihren Büchern immer ganz besonderen Themen wie zum Beispiel Stalking, multiplen Persönlichkeitsstörungen oder Schwulenhass. In diesem Buch geht es um häusliche Gewalt, ein schwieriges Thema. Mein Eindruck ist, dass die Autorin auch hier wieder ein Mal viel Zeit auf die Recherche verwandt hat. Ihre Beschreibungen sind glaubhaft und eindringlich. Was mir besonders gut gefällt ist, dass der Täter auch in diesem Buch nicht nur eindimensional als böse dargestellt wird, sondern ich ihn als Leser zunächst in einer sehr sympathischen Rolle kennenlernen durfte. Diese verschiedenen Perspektiven auf und Facetten des Täters machen Monika Feths Thriller nur noch faszinierender.

Ich liebe die Bücher von Monika Feth: Ich weiß, dass ich sie – einmal begonnen – in einem Stück verschlinge, vollkommen in der Geschichte abtauche und das Buch am Ende zufrieden (und ein kleines Stückchen traurig) zuklappe. „Der Libelleflüsterer“ macht hier keine Ausnahme. Mir bleibt nichts mehr als festzustellen, dass die Thriller der Autorin ein Garant für gute und spannende Leseunterhaltung sind. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Der Libellenflüsterer – Monika Feth – Klappbroschur – 528 Seiten – 10,99 € – ISBN: 978-3-570-30957-5 – erschienen: August 2010 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Schau mir in die Augen, Audrey“ von Sophie Kinsella

Klappentext:

Audrey ist Mitglied einer ziemlich durchgeknallten Familie: Ihr Bruder ist ein Computernerd, ihre Mutter eine hysterische Gesundheitsfanatikerin und ihr Vater ein charmanter, ein bisschen schluffiger Teddybär. Doch damit nicht genug – Audrey schleppt noch ein weiteres Päckchen mit sich herum: Nämlich ihre Sonnenbrille, hinter der sie sich wegen einer Angststörung versteckt. Bloß niemandem in die Augen schauen! Als sie eines Tages auf Anraten ihrer Therapeutin beginnt, einen Dokumentarfilm über ihre verrückte Familie zu drehen, gerät ihr immer häufiger der gar nicht so unansehnliche Freund ihres großen Bruders vor die Linse – Linus. Und langsam bahnt sich etwas an, was viel mehr ist, als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft … (Quelle)

Meine Meinung:

Sophie Kinsella ist den meisten vermutlich durch ihre Schnäppchenjägerin-Romane ein Begriff. Mit „Schau mir in die Augen, Audrey“ hat sie ihr erstes Jugendbuch veröffentlicht.

Kinsella selbst ist Mutter von vier Söhnen und einer Tochter und genau das merkt man beim Lesen auch, finde ich. Das Familienleben von Audrey wird einfach absolut treffend und humorvoll geschildert und macht für mich den Charme dieser Geschichte aus. Besonders begeistert war ich von Audreys Mutter, die ihre Kinder über alles liebt und immer versucht, eine möglichst gute Mutter zu sein. Dass sie den Bogen dabei ab und an etwas überspannt, sieht man zum Beispiel in der Szene, in der sie – angeregt durch einen Ratgeber, wie man am besten mit seinen Kindern kommunizieren sollen – versucht mit Audreys älterem Bruder über seine Unordnung zu sprechen:

„Also, Frank, mir ist aufgefallen, dass du gestern in deinem Zimmer zwei nasse Handtücher auf dem Boden liegen gelassen hast“, beginnt sie betont sachlich. „Das hat ein Gefühl der Überraschung in mir ausgelöst. Was für ein Gefühl hat es bei dir ausgelöst?“
„Hä?“, macht Frank und starrt sie verwirrt an.
„Ich glaube, dass wir für dein Handtuch-Problem gemeinsam eine Lösung finden können“, fährt Mum fort. „Ich glaube, das wäre eine Herausforderung, die uns beiden total Spaß machen könnte.“ (S. 186)

Für mich waren die Entwicklung von Audrey und die vorsichtige Liebesbeziehung zwischen ihr und Linus eher zweitrangig, obwohl ich es positiv finde, dass ein so wichtiges Thema wie die Angststörung, an der Audrey leidet, in den Vordergrund gerückt wird. Die kleinen und großen Erfolge, die Audrey im Laufe der Geschichte, für sich verbuchen kann, sind zwar in meinen Augen etwas unrealistisch und die Entwicklung an sich zu positiv, aber dafür ist der Jugendroman einfach flockig leicht und sehr angenehm lesbar. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass vor allem jugendliche Leserinnen ebenso wie Audrey ganz verliebt in Linus sind. Ich wäre es vor 15 Jahren bestimmt gewesen.

„Schau mir in die Augen, Audrey“ ist ein Buch, das bei mir einfach dadurch gepunktet hat, dass es mich wunderbar unterhalten hat. Es mag zwar aus psychologischer Sicht stellenweise etwas unrealistisch sein, aber die Schilderung von Audrey und ihrer herrlich durchgeknallten (und dabei ganz normalen) Familie hat mich Seite für Seite lesen und immer mal wieder leise kichern lassen. Und dafür gibt es von mir 8 von 10 Sternen!

stern 8

Schau mir in Augen, Audrey – Sophie Kinsella – Klappbroschur – 384 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-570-17148-6 – erschienen: Julie 2015 (cbj) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Feuer & Flut“ von Victoria Scott

Reiheninfo:

  1. „Feuer & Flut“
  2. „Salz & Stein“

Klappentext:

Die 17-jährige Tella zögert keine Sekunde, als sie eine Einladung zum mysteriösen Brimstone Bleed erhält, einem tödlichen Wettrennen, das sie und andere Teilnehmer durch einen tückischen Dschungel und eine sengend heiße Wüste führt. Als Preis winkt das Heilmittel für ihren todkranken Bruder. Zur Seite steht ihr ein Pandora, ein genetisch verändertes Tier, das sie bei ihrer Aufgabe unterstützen soll. In ihrem Fall ist es ein Fuchs namens Madox, und gemeinsam kämpfen sie sich durch die erste Etappe des mörderischen Rennens. Doch es kann nur einen Sieger geben, und jeder Teilnehmer ist bereit, sein Leben für das eines geliebten Menschen aufs Spiel zu setzen. Tella muss mehr über das Brimstone Bleed erfahren, bevor ihre Zeit abläuft. Doch dann verliebt sie sich in den mysteriösen Guy – und alle freundschaftlichen Gefühle scheinen dahin, als es auf die Zielgerade zugeht … (Quelle)

Meine Meinung:

Als Tella die Möglichkeit bekommt, am Brimstone Bleed teilzunehmen und damit die Chance zu erhalten, das Heilmittel für ihren sterbenskranken Bruder zu gewinnen, zögert sie nicht, sondern macht sich auf den Weg. Das Brimstone Bleed ist ein legendäres Rennen durch vier Elemente: den Urwald, die Wüste, das Meer und die Berge. Am Ende jeder Etappe bekommt der Schnellste eine Belohnung, doch nur der Endsieger hat die Aussicht auf das Heilmittel für eine geliebte, im Sterben liegende Person. Während des Rennens bekommt jeder Teilnehmer Unterstützung durch ein Pandora, eine Art künstlich erschaffenes Tier mit besonderen Fähigkeiten.

Die Grundidee dieser Geschichte hat mich direkt fasziniert: Dystopische Elemente, die z.B. aus „Die Tribute von Panem“ bekannt sind, werden mit der für mich neuartigen Idee der Pandoras verknüpft. Auch die Umsetzung hat mir gut gefallen. Durch den Wechsel des Szenarios innerhalb der verschiedenen Etappen müssen die Teilnehmer mit immer neuen Gefahren und Schwierigkeiten umgehen. Auch die Fähigkeiten der Pandoras offenbaren sich erst im Laufe der Geschichte, so dass es immer spannend bleibt.

Die unterschiedlichen Charaktere, die man im Laufe des Buches kennenlernt, haben mich schnell mitgerissen. Sie bieten durch ihre Verschiedenheit definitiv Identitätsmöglichkeiten, machen interessante Entwicklungen durch und sorgen so für die ein oder andere Überraschung.

Der erste Teil dieser zweiteiligen Reihe endet so spannend, dass ich mir direkt nach dem Lesen den zweiten Band als E-Book auf englisch gekauft habe, um sofort weiterlesen zu können.

„Feuer & Flut“ hat mich nicht nur durch die spannende Grundidee, sondern auch durch die gelungene Umsetzung vollkommen überzeugt. Die Geschichte ist mitreißend geschrieben und konnte mich einige Male überraschen. Ich hatte viel Freude beim Lesen und vergebe 8 von 10 Sternen!

stern 8

Feuer & Flut – Victoria Scott – Hardcover mit SU – 448 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-570-16293-4 – erschienen: Mai 2015 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Love Letters to the Dead“ von Ava Dellaira

Klappentext:

Es beginnt mit einem Brief. Laurel soll für ihren Englischunterricht an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Sie wählt Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Aus dem ersten Brief wird eine lange Unterhaltung mit toten Berühmtheiten wie Janis Joplin, Amy Winehouse und Heath Ledger. Denn die Toten verstehen Laurel besser als die Lebenden. Laurel erzählt ihnen von der neuen Schule, ihren neuen Freunden und Sky, ihrer großen Liebe. Doch erst, als sie die Wahrheit über sich und ihre Schwester May offenbart, findet sie den Weg zurück ins Leben und kann einen letzten Brief an May schreiben … (Quelle)

Meine Meinung:

Seit dem Tod ihrer großen Schwester May ist Laurels Leben nicht mehr so, wie es mal war: Ihre Eltern haben sich getrennt und ihre Mutter ist weit weg auf eine Farm gezogen. Laurel lebt abwechselnd bei ihrem Vater und ihrer sehr christlichen Tante. Auf der neuen Schule kennt Laurel noch niemanden, sie ist nämlich mit Absicht nicht an die ehemalige Highschool ihrer Schwester gegangen. Zu groß ist ihre Angst, dass dort alle von May wissen. Erst langsam knüpft sie Kontakt zu Natalie und Hannah, die aber beide auch ihre eigenen Probleme haben.
Ihr größtes Problem bespricht Laurel aber nur mit den toten Persönlichkeiten, denen sie im Englischunterricht Briefe schreibt. Denn niemand soll wissen, dass eigentlich sie Schuld am Tod ihrer Schwester hat…

Die Rezension zu diesem Buch habe ich lange vor mir her geschoben. Das liegt daran, dass es mir sehr schwer fällt, dieses Buch zu rezensieren, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten. Ich weiß, dass die Geschichte nicht alle Leser begeistert hat. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, woran das liegt. „Love Letters to the Dead“ ist unheimlich vielschichtig und tiefgründig. Die Haupthandlung ist vielleicht ansatzweise – aber wirklich auch nur ansatzweise – eine schon bekannte Highschoolgeschichte (Neues Mädchen an der Highschool findet nur mühsam Freundinnen und verliebt sich in einen geheimnisvollen und scheinbar unerreichbaren Jungen.), aber nebenher passiert so viel: nicht nur bei Laurel, sondern auch bei den Nebenfiguren. Seite für Seite erfährt man als Leser mehr über Laurel und ihre Schwester May, über ihr Verhältnis zueinander und schließlich auch die Hintergründe für Mays Tod.

Ich war während des Lesens ganz eingenommen von der Geschichte und von Laurels Versuch mit dem Tod von May klarzukommen, sich selbst zu finden, ohne sich vollständig zu verlieren. Es gab Stellen, da wollte ich sie schütteln und sie vor dem, was sie vorhatte, warnen. Denn Laurels Weg zu sich selbst ist steinig und scheint mehr als ein Mal in den Abgrund zu führen. Und eben das finde ich realistisch.

„Love Letters to the Dead“ ist ein sehr authentisches Jugendbuch, das ebenso schonungslos ehrlich wie einfühlsam Laurels Suche nach sich selbst, ihren Umgang mit dem Tod ihrer großen Schwester und ihren Schuldgefühlen beschreibt. Mich haben vor allem der Tiefgang und die Vielschichtigkeit der Charaktere begeistert. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Love Letters to the Dead – Ava Dellaira – Hardcover mit SU – 416 Seiten – 17,99 € – ISBN: 978-3-570-16314-6 – erschienen: Februar 2015 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Wenn du jetzt bei mir wärst – Eine Annäherung an Anne Frank“ von Waldtraut Lewin

Klappentext:

Längst ist das lebenslustige jüdische Mädchen, das sich zwei Jahre lang in der Prinsengracht zu Amsterdam vor den Nazis verstecken konnte und dort Tagebuch führte, zu einer Ikone erstarrt und geistert als Lernstoff durch die Klassenzimmer Deutschlands. Waldtraut Lewin wagt es, das Denkmal von seinem Sockel und Anne in unsere Welt zu holen, um sie besser kennenzulernen. Bei ihrer fiktiven Begegnung lässt sie Anne staunen über das, was sich in den siebzig Jahren seit ihrem Tod verändert hat. Und erzählt ihr vom Staat Israel oder vom neuen Deutschland, in dem Juden leben dürfen und Menschen gegen Rechtsradikalismus auf die Straße gehen. Zusammen wagen sie den Blick von heute auf das Gestern und das Morgen. (Quelle)

Meine Meinung:

Wie wäre es eigentlich, wenn Anne Frank jetzt bei uns wäre? Was würde sie denken, was müsste man ihr erklären? Es sind spannende Fragen, denen Waldtraut Lewin in ihrem Buch nachgeht.

„Keinen Stern! Ich muss keinen Stern mehr tragen! Ich bin ein Mensch unter Menschen!“ (S. 21)

In ihrem Gedankenexperiment lässt sie Anne Frank wieder aufleben, die sehr begierig darauf ist, unsere heutige Welt kennenzulernen, nachdem sie viele Jahrzehnte nur in ihrem Tagebuch gelebt hat. Schritt für Schritt lernt Anne das Hier und Jetzt kennen – mit all den schönen und unschönen Seiten.

Aber nicht nur technische Dinge wie Handys oder Computer faszinieren Anne, sie will auch alles über den Staat Israel wissen und wie es sein kann, dass es immer noch Menschen gibt, die gegen die Juden sind.

Anne wiegt sich hin und her. „Siebzig Jahre sind vergangen, sagt sie leise, klagend. „Siebzig Jahre, seitdem die Völker diesen Hitler besiegt haben. Und nach siebzig Jahren gibt es wieder Leute, die nicht begreifen, dass es Unrecht war damals? […]“ (S. 119)

Die heutige Welt durch Annes Augen zu sehen, hat mir wirklich gut gefallen. Ihre teilweise noch kindliche Freude über manche Dinge, aber auch ihre Wut und Fassungslosigkeit waren sehr gut greifbar und übertragen sich schnell auf den Leser. Außerdem ist Anne Frank durch ihr quirliges, offenes und neugieriges Wesen eine sehr sympathische Hauptfigur. Ich habe ihr Tagebuch bisher noch nicht gelesen, freue mich jetzt aber schon auf die Lektüre.

Trotzdem gibt es für mich zwei Kritikpunkte: Zum einen hatte ich erwartet, dass es noch mehr eine inhaltliche Geschichte gibt, die im Vordergrund steht. Vielleicht war diese Erwartung auch unangemessen, trotzdem hat mir aber eine eigentliche Story etwas gefehlt. Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass dieses Buch ein Jugendbuch ist und möglichst viele Leser begeistern sollte.
Zum anderen war mir die Sichtweise auf manche Dinge etwas zu einseitig. Anne Frank und die (auch jüdische) Ich-Erzählerin sprechen viel über Israel und den Konflikt dort zwischen den Israelis und Palästinensern. Wie kompliziert dieser Konflikt ist, dass es nicht den einen „Schuldigen“ gibt und beide Seiten Opfer sind, wird mir nicht deutlich genug. An einigen wenigen Stellen kommt davon ein bisschen was durch, aber ich hätte mir mehr gewünscht.

„Wenn du jetzt bei mir wärst“ ist ein spannendes Gedankenexperiment und bringt einem Anne Frank tatsächlich etwas näher Außerdem ist es unheimlich aufschlussreich, die heutige Welt durch ihre Augen zu sehen. Stellenweise war mir das Buch in seinem Denken aber etwas zu schwarz-weiß und die vordergründige Story hätte für meinen Geschmack auch ausgeprägter sein können. Insgesamt vergeb ich 6 von 10 Sternen.

stern 6

 Wenn du jetzt bei mir wärst – Eine Annäherung an Anne Frank – Waldtraut Lewin – Hardcover mit SU – 224 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-570-17108-0 – erschienen: Februar 2014 (cbj) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren