„Time*Out“ von Andreas Eschbach

TimeOutReiheninfo:

  1. “Black*Out”
  2. “Hide*Out”
  3. “Time*Out”

Achtung, diese Rezension enthält Spoiler zu den ersten beiden Teilen!

Inhalt:

Die Gruppe um Christopher Kidd und Jeremiah Jones ist in ihrem neuen Versteck angekommen. Bald sollen die Zeitungsartikel von Jones erscheinen, die die Bevölkerung warnen werden. Doch ein ehemaliger Upgrader, dessen Chip entfernt wurde, warnt sie, dass die Kohärenz schon eine Gegenaktion plant. Selbst Christopher hat keine Idee, was das sein könnte. Doch dann geschieht etwas, das alle dazu zwingt, nur noch schneller zu handeln, denn die Zeit läuft ihnen davon…

Meine Meinung:

Wenn man innerhalb kürzester Zeit drei Bände einer Reihe rezensiert, fällt es schon manchmal schwer, immer wieder etwas Neues zu sagen. Auch bei „Time*Out“ ist das der Fall, denn viele der Aspekte sind gleich geblieben: Die Geschichte ist natürlich immer noch spannend, ich mag die Charaktere und die Grundidee. Gerade in diesem Band kommt noch ein klitzekleiner neuer Aspekt hinzu, den ich sehr gut durchdacht fand.

Was mich allerdings an den ersten beiden Bänden am meisten begeistert hat, war der Schreibstil, der mich während des Lesens gepackt und mitgerissen hat. Auch diesen Band habe ich innerhalb von 24 Stunden verschlungen, obwohl ich das Gefühl hatte, dass sich die Geschichte anders las. Die Schreibe hat mich nicht mehr ganz so atemlos zurückgelassen, sondern glich mehr einem Gedankenstrom einiger Protagonisten. Anders, aber nicht sehr viel schlechter als in den ersten Bänden.

Was mir nicht so richtig gut gefallen hat, war der Schluss des Buches. Denn meiner Meinung nach hätte sich der Autor für diesen etwas mehr Zeit lassen können. Die Geschichte wurde nun innerhalb von drei Büchern erzählt, da hätte es meiner Meinung nach nicht geschadet, auf das Finale noch etwas mehr Zeit zu verwenden.

Mein Fazit: Die „Out“-Reihe von Eschbach ist eine absolut gelungene Reihe für Jugendliche, die ganz viele verschiedene Genres geschickt miteinander vermischt und so sicherlich viele junge Leser (auch Jungen) begeistern kann. Auch den Abschluss der überragenden Trilogie habe ich sehr gerne gelesen, obwohl er leider meiner Meinung nach der schwächste der Reihe ist. Mit „schwach“ meine ich dann aber immer noch 8 von 10 Sternen, das sollte ja wohl klar sein.

stern 8

Time*Out – Andreas Eschbach – Hardcover mit SU – 520 Seiten – 18,99 € – ISBN-13: 978-3401066301 – erschienen: Juli 2012 (Arena) – Altersempfehlung: 14-17 Jahre

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„Hide*Out“ von Andreas Eschbach

HideOutReiheninfo:

  1. “Black*Out”
  2. “Hide*Out”
  3. “Time*Out”

Achtung, diese Rezension enthält Spoiler zum ersten Teil!

Inhalt:

„Die Kohärenz ist aus einem Zusammenschluss von Tausenden von Gehirnen entstanden; im Grunde ist sie ein einziges Gehirn, das viele Körper bewohnt. Bei dieser Verbindung vermischen sich alle Geschmäcker, gleichen sich aus, bis kein Geschmack, keine Vorliebe mehr übrig ist. So, wie wenn man alle Farben miteinander vermischt – das ergibt am Ende nur Grau.“ (S. 53)

Nachdem Christopher und die Gruppe um Jeremiah Jones Christophers Vater aus den Fängen der Kohärenz und von seinem Chip befreit haben, weiß niemand genau, wie es weiter gehen soll. Alle Hoffnungen ruhen auf Christopher. Doch wie bekämpft man die Kohärenz – ein allwissendes, allmächtiges Medium? Langsam entsteht ein erster, vorsichtiger Plan, doch dann passiert etwas, dass alle in große Gefahr bringt…

Meine Meinung:

„Was war nur los? Es hatte mit der Kohärenz zu tun. Mit dem Feld. Er konnte spüren, wie es an ihm nagte und fraß, wie es versuchte, ihn mit zu reißen…

Diesmal, das wusste er plötzlich mit absoluter Gewissheit, würde er seine Eigenständigkeit nicht bewahren können. Diesmal drohte ihm die endgültige Auflösung, das Aufgehen im Verband der Kohärenz, der Verlust dessen, was ihn, Christopher Kidd, ausmachte…“ (S. 131)

Wegen Sätzen wie den obigen mag ich diese Reihe so unheimlich gerne. Sie sind kurz, knackig und absolut mitreißend.

Wie auch schon im ersten Teil war ich voll und ganz von der Geschichte eingenommen. Ich habe mit Christopher gemeinsam gegen den Sog der Kohärenz gekämpft, habe manchmal vor Aufregung die Luft angehalten und fühlte mich nach stundenlanger Anstrengung der Protagonisten selbst ganz erschöpft. Wie der Autor das schafft? Ich weiß es nicht, aber ich finde es absolut faszinierend!

Die Lage im Kampf gegen die Kohärenz spitzt sich weiter zu und es scheint kaum eine Möglichkeit zu geben, diese Übermacht zu besiegen. Und so grübelt man auch als Leser immer mit, hofft auf neue Ideen von Jeremiah Jones und auf die grandiose Durchführung von Christopher.

Und so freue ich mich einfach auf den letzten Band dieser herausragenden Jugendbuchreihe. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit den lieb gewonnenen Figuren. Ich freue mich auf die Spannung und das Gefühl, mitten in der Geschichte zu stecken. Und ich freue mich darauf, die Kohärenz endgültig zu vernichten. Volle Punktzahl!

stern 10

Hide*Out – Andreas Eschbach – Hardcover mit SU – 450 Seiten – 17,99 € – ISBN-13: 978-3401065878 – erschienen: November 2011 (Arena) – Altersempfehlung: 14-15 Jahre (und auch älter)

„Ready Player One“ von Ernest Cline

Ready Player OneInhalt:

Im Jahre 2044: Die Welt, wie wir sie kennen droht vollkommen zu verfallen: Umweltkatastrophen, Energiekrisen und Armut. Zum Glück gibt es noch die OASIS – eine virtuelle Realität, in den sich die Menschheit flüchtet; so auch der 18jährige Wade. Dort ist er, wie viel andere auch, auf der Jagd nach einem besonderen Schatz, dem so genannten Easter Egg, das vom Gründer und Entwickler der OASIS dort versteckt wurde. Als er, fünf Jahre nach Veröffentlichung des Rätsels, als erster einen Hinweis entdeckt, wird Wade plötzlich berühmt. Allerdings bringt ihn das auch in Gefahr, nicht nur in der OASIS, sondern auch in der realen Welt. Ein Wettlauf mit der Zeit – und einem beinahe allmächtigem Gegner – beginnt…

Meine Meinung:

Der Einstieg in die Geschichte um Wade oder Parzival, wie er sich in der OASIS nennt, ist etwas ungewöhnlich. Cline hat ein Setting geschaffen, das auf der einen Seite erschreckend weit entfernt von der heutigen Welt, andererseits aber durchaus vorstellbar ist.

Der Schreibstil des Ich-Erzählers ist auch eher ungewöhnlich. So benutzt er gerade zu Anfang des Buches viele Fußnoten, Klammern und weitere kleine Erläuterungen. Als Leser habe ich mich durch die vielen, unkompliziert eingeschobenen Informationen und Erklärungen aber direkt angesprochen gefühlt. Die Sprache ist manchmal etwas derb, ohne Details zu beschönigen, jugendlich, wirkt aber dennoch nicht künstlich.

Es gibt nur Kleinigkeiten, die mich wirklich gestört haben: so mutiert Wade von einer zur nächsten Seite vom schüchternen Einzelgänger in ein wahres Chat-Flirttalent. Ich bin beim Lesen wirklich drüber gestolpert und das darf meiner Meinung nach nicht sein.

Ansonsten habe ich das Buch wirklich gern gelesen, auch wenn es mich zunächst nicht ganz so wie erwartet gepackt hat, was aber auch an der Tatsache liegen kann, dass ich wenig Zeit und dadurch ein kleines Lesetief hatte.

Besonders für Leser, die in den 80er Jahren groß geworden sind oder zumindest einige Filme, Comics oder Erzählungen aus dieser Zeit kennen, bietet „Ready Player One“ ein ganz besonderes Schmankerl: der Mitbegründer der OASIS war nämlich (genauso wie der Autor selber) ein großer Fan der 80er, so dass die gestellten Aufgaben und Rätsel Spiele wie „Pacman“, Serien wie „Knight Rider“ oder Filme wie „Die Ritter der Kokosnuss“ aufgreifen.

Die letzten 200 Seiten – einem wahren Showdown gleich – ließen mich mit dem Wunsch zurück, eine Fortsetzung zu dem Buch zu lesen. Ich vermute zwar, dass die Geschichte an sich zuende erzählt ist, aber trotzdem steckt im Schluss und in den Figuren selber Potenzial für eine weitere spannende Story. Ernest Cline ist auf jeden Fall ein Autor, den ich mir merken werde. Ich vergebe 7 von 10 Sternen.

stern 7

Ready Player One – Ernest Cline – Hardcover mit SU – 512 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3764530907 – erschienen: März 2012 (Penhaligon)

„Black*Out“ von Andreas Eschbach

Black outReiheninfo:

  1. „Black*Out“
  2. „Hide*Out“
  3. „Time*Out“

Inhalt:

Als Serenity am Strand plötzlich von einem fremden Jungen angesprochen wird, der viel mehr über sie weiß, als eigentlich möglich sein sollte, ahnt sie noch nicht, dass sich ihr Leben schlagartig ändern wird. Der Junge ist Christopher Kidd: der Welt besser bekannt als Computer Kid, einer der weltbesten Hacker. Christopher behauptet, Hilfe von Serenitys Vater Jeremiah Jones zu benötigen, dem er im Gegenzug auch helfen kann.

Jones ist ein Visionär, lebt in der Wüste Nevadas, hat der Technik weitest möglich abgeschworen – und wird wegen Terrorismus gesucht.

Gemeinsam mit Serenitys Bruder Kyle machen sich Serenity und Christopher auf den Weg in die Wüste, doch was der junge Hacker den beiden Geschwistern so nach und nach erzählt, lässt deren Atem stocken. Wenn seine Geschichte wahr ist, muss gehandelt werden oder die Welt gerät vollends aus den Fugen….

Meine Meinung:

„Das Feld war da, genau, wie er es erwartet hatte. Er hatte nur nicht erwartet, dass es so stark sein würde. Es wuchs noch schneller, als er gedacht hatte.

Das Feld war da, und es bemerkte ihn. Er spürte Erschrecken, das sich ausbreitete wie eine Welle, bemerkte Identifikation – und kaum war er identifiziert, begann die Jagd.“ (S. 21)

Die Idee, die Eschbach in diesem spannenden Jugendthriller in den Mittelpunkt stellt, ist erschreckend und nah zugleich. Es geht um die Möglichkeit, technische Geräte direkt mit dem menschlichen Gehirn zu verknüpfen. Was sich anfangs wie ein ferner Zukunftsgedanke liest, wird von Seite zu Seite realistischer und bedrohlicher.

Die Welt, die der Autor aufzeigt, ist im Wandel zu einer Dystopie, einer Gesellschaft, die der unseren nicht mehr ähneln würde. Christopher, Kyle und Serenity geben alles, um diesen Wandel zu verhindern, doch sehen sie kaum eine Möglichkeit.

In einer selten gelesenen Dramaturgie spitzt sich die Handlung mehr und mehr zu. In zahlreichen Rückblenden erfährt der Leser immer mehr von Christophers Vergangenheit, warum und vor wem er auf der Flucht ist. Während sich die Geschichte in der Vergangenheit über mehrere Monate erstreckt, rast die Handlung in der Gegenwart nur so dahin. Für mich war die Spannung ständig zum Greifen nah und ich hatte das Gefühl, selber möglichst schnell lesen zu müssen, um Schlimmeres verhindern zu können.

Der erste Teil der „Out-Reihe“ hat ein fulminantes und überraschendes Ende. Und obwohl man nicht komplett frei in der Luft hängend zurück gelassen wird, ist das Bedürfnis, den zweiten Teil „Hide*Out“ zu lesen, bei mir unermesslich groß.

„Black*Out“ ist ein spannender Jugendthriller mit einem kombinierten Sci-Fi-Dystopie-Anteil. Eschbach versteht es, seine Leser von Seite zu Seite mehr an das Buch zu binden und in seinen Bann zu ziehen. Er schreibt einfach unwahrscheinlich gut und mitreißend. Von mir gibt es 9 von 10 Punkten.

stern 9

Black*Out – Andreas Eschbach – Hardcover mit SU – 461 Seiten – 17,99 € – ISBN-13: 978-3401060620 – erschienen: Mai 2010 (Arena) – Altersempfehlung: 12-15 Jahre

[Rezension] „Second Face“ von Carolin Philipps

second faceInhalt:

Marie und Anne sind Zwillinge. Zweieiige zwar, doch sehen sie sich trotzdem recht ähnlich. Warum die Jungs dann immer nur auf Anne stehen, weiß Marie auch nicht so genau. Vermutlich weil Anne die offenere, lustigere, aktivere von beiden ist. Anne drängt sich einfach immer in den Vordergrund.

„Zum ersten Mal seit langem wird das Frühstück wieder eine fröhliche Angelegenheit. Wie immer hängt das Stimmungsbarometer von Annes Laune ab und die könnte heute nicht besser sein. Den traurigen Unterton in Maries Lachen hört niemand.“ (S. 64)

Als Marie mal wieder wegen Anne einen Jungen verliert, zieht sie sich in die virtuelle Realität zurück: Sie beginnt „Second Life“ zu spielen. Dort kann sie alles sein, was sie im realen Leben nicht ist. Dort hat sie Freunde und sogar Männer, die sich für sie interessieren. Doch bald zeigt sich: Die virtuelle Realität ist nicht immer so schön und unproblematisch, wie sie auf den ersten Blick erscheint

Meine Meinung:

Eine tolle Idee, die hinter diesem Buch steht: ein Mädchen, das im wahren Leben nicht so sein kann, wie sie es sich wünscht; die Möglichkeit der virtuellen Realität; die Gefahren des Internets: Cybermobbing! All das sind Themen die heute aktueller den je sind und vor allem auch in Jugendbüchern thematisiert werden sollten.

Doch leider hapert es in diesem Buch meiner Meinung nach ein wenig an der Umsetzung. Die Geschichte wird auf nur etwa 140 Seiten beschrieben, bietet aber Stoff für mehr. Viele Handlungen und Gefühle werden nur angedeutet, bzw. gar nicht richtig erzählt. Der Leser erfährt immer nur in kurzen Beschreibungen, was tatsächlich passiert ist. Er ist nie mittendrin.

Ich hatte beim Lesen das Gefühl, eine Art Manuskript für ein kommendes Buch in der Hand zu haben. Ein gutes Manuskript – ohne Frage – aber etwas unausgegoren und überarbeitungswürdig. So findet man leider einfach auch einige inhaltliche Fehler in dem Buch: zum Beispiel wird der Haflinger mit langer weißer Mähne einige Seiten später zu einem Friesen. Bei solchen Fehlern und Unausgegorenheiten fiel es mir schwer, mich richtig in die Handlung hineinzuversetzen.

Auch die beiden Hauptpersonen sind für mich nicht wirklich greifbar. Zu oft verhalten sie sich wie dumme kleine Mädchen, unreif und nicht nachvollziehbar. Damit möchte ich nicht sagen, dass sich Jugendliche nicht durchaus so benehmen dürfen und es in der Realität auch tun, aber gerade bei Marie hatte ich oftmals den Wunsch sie zu schütteln und ihr zu sagen: „Nun mach doch einfach. Erzähl es deiner Schwester, erzähl es dem Jungen und alles wird sich aufklären!“

Trotzdem soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass ich ein schlechtes Buch gelesen habe. Die Story an sich hat ein wirklich großes Potential und insbesondere für Jugendliche, die sonst eher lesefaul sind, eignet sich dieses Buch in seiner Kürze. Ich allerdings hätte mir mehr Tiefgang, Ausführlichkeit und Logik in der Geschichte gewünscht.

Aufgrund der guten Idee und der Notwendigkeit in Jugendbücher vermehrt auf die Problematik der Onlineforen hinzuweisen, vergebe ich noch 5 von 10 Sternen.

stern 5